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Full text of "Die Psychoanalyse des Kindes"

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MELANIE KLEIN 



DIE PSYCHOANALYSE 
DES KINDES 



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INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 



DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



-Die rsycnoanalyse 
des JVinaes 



Von 



Melanie Kl 



Londo 



I9O2 

Internationaler Psychoanalytiscker Verlag 

Wien 



Eine englische Ausgabe dieses Buches 
erscheint gleichzeitig mit der deutschen 









Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, 
der Verfasserin vorbehalten 

Copyright 1932 by Melanie Klein, London 
Printed in Austria 









Drude: Christoph Reisser's Söhne, Wien V 



DEM ANDENKEN 

K Ä RL AB RA HA MS 

IN DANKBARKEIT UND 
VEREHRUNG GEWIDMET 



„Gelegentlich mag uns ein Zagen ergreifen angesichts der ver- 
wirrenden Fülle der Erscheinungen, die uns im weiten Umkreis 
des menschlichen Seelenlebens entgegentreten, vom kindlichen Spiel 
und den anderen typischen Erzeugnissen der frühen Phantasie- 
tätigkeit, von den werdenden Interessen und Begabungen bis zu 
den höchstbewerteten Leistungen des gereiften Menschen und den 
äußersten Differenzierungen der Einzelwesen. Aber dann erinnern 
wir uns desjenigen, der uns das Forschungsinstrument der Psycho- 
analyse gegeben hat und uns damit den Zugang eröffnete zur 
Sexualität des Kindes, dieser lebendigen Quelle des Lebens." 

(Abraham: Psychoanalytische Studien 
zur Charakterbildung. S. 51.) 






VORWORT 



Diesem Buche liegen die Erfahrungen zugrunde, die ich in meiner psycho- 
analytischen Arbeit mit Kindern gesammelt habe. Dem ursprünglichen Plane nach 
sollte der erste Teil der Darstellung der von mir ausgearbeiteten Technik, der 
zweite Teil der Zusammenfassung der theoretischen Ergebnisse gewidmet sein, 
die ich nach und nach aus der praktischen Arbeit gewann und die mir geeignet 
scheinen, nun als Stütze der von mir angewendeten Technik zu dienen. Während 
der Ausarbeitung dieses Buches, die eine Zeitspanne von einigen Jahren umfaßte, 
hat dessen zweiter Teil seinen Rahmen gesprengt. Meine Erfahrungen in der 
Psychoanalyse Erwachsener, die zu den in der Kinderanalyse gewonnenen hinzu- 
traten, haben dazu geführt, daß ich meine Auffassung von den frühesten Ent- 
wicklungsstufen auch auf die Erwachsenenpsychologie anwandte. Ich kam dabei 
zu Resultaten, die ich nun als Beiträge zur psychoanalytischen Theorie der 
frühesten Entwicklungsstufen der Öffentlichkeit vorlege. 

Meine Vorschläge zur Theorie bauen sich in allen Stücken auf dem von 
Freud übermittelten Wissensschatze auf. Indem ich seine Resultate auf die 
Psychoanalyse des Kindes anwandte, fand ich den Zugang zur Psyche des kleinen 
Kindes und die Möglichkeit, es zu analysieren und zu heilen. Ich gewann dabei 
aber auch die direkten Einblicke in die frühen Entwicklungsvorgänge, die zu 
meinen theoretischen Ergebnissen führten. Diese bestätigen vollauf die von 
Freud aus den Analysen Erwachsener gewonnenen Erkenntnisse und versuchen 
es, sie in einzelnen Punkten weiterzuführen. 

Sollte mir dies tatsächlich gelungen und es mir vergönnt gewesen sein, durch 
dieses Buch einige Steine zum Ausbau der psychoanalytischen Wissenschaft bei- 
zutragen, so hätte ich auch dies in erster Linie Freud zu verdanken, der nicht nur 
den ganzen Bau errichtet und auf Fundamente gestellt hat, die eine Erweiterung 
ermöglichen, sondern auch immer wieder auf die Punkte hingewiesen hat, von 
welchen aus der weitere Ausbau planmäßig erfolgen kann. 



Ich habe nun des Anteiles zu gedenken, den meine beiden Lehrer, Dr. Sdndor 
F er enc z i und Dr. Karl Abraham, an der Entwicklung meiner psycho- 
analytischen Arbeit und an deren Ergebnissen haben. 

Ferenczi,der mich in die Psychoanalyse einführte, hat mich auch mit deren 
tiefstem Sinn und Wesen vertraut gemacht. Sein starkes und unmittelbares Gefühl 
für das Unbewußte und die Symbolik und seine ungewöhnliche Einfühlung in die 
Seele des Kindes waren von nachhaltiger Wirkung auf mein Verständnis der 
frühkindlichen Psyche. Ferenczi hat mich auf meine Eignung für die Kinder- 
analyse aufmerksam gemacht, an deren Entwicklung er größtes Interesse nahm, 
und hat mich ermutigt, mich diesem damals noch wenig bebauten Feld der psycho- 
analytischen Therapie zu widmen. Er hat mich auch hierin nach Kräften gefördert 
und meine ersten Schritte aufs wirksamste unterstützt. Ich verdanke Ferenczi die 
Grundlage für meine Entwicklung als Analytikerin. 

Ich hatte das große Glück, in Dr. Karl Abraham einen zweiten Lehrer 
zu finden, der seine Schüler zur Höchstanspannung ihrer Kräfte im Dienste der 
Psychoanalyse begeisterte. Der Fortschritt der Psychoanalyse hing für Abraham 
von der Höhe der Leistung und den menschlichen und wissenschaftlichen Quali- 
täten jedes einzelnen Mitarbeiters ab. Diese hohe und vorbildliche Auffassung 
fühlte ich in mir nachwirken, wenn ich versuchte, in diesem Buche der Psycho- 
analyse etwas von dem unendlich Vielen wiederzugeben, das sie mir geschenkt hat. 
Abraham hat die großen praktischen und theoretischen Möglichkeiten der Kinder- 
analyse voll erfaßt. Bei der ersten Zusammenkunft deutscher Psychoanalytiker in 
Würzburg (Oktober 1924) sprach Abraham im Anschluß an ein Referat, das ich 
über einen Fall von kindlicher Zwangsneurose hielt, 1 die mir unvergeßlichen 
Worte aus: „Die Zukunft der Psychoanalyse liegt bei der Spielanalyse." 

Das Studium der frühkindlichen Psyche führte mich zu Einsichten, die zunächst 
befremdend schienen. Das Vertrauen, das Abraham meiner Arbeit entgegen- 
brachte, ermutigte mich damals, auf dem von mir eingeschlagenen Wege weiter- 
zugehen. Meine theoretischen Ergebnisse haben sich organisch aus den Forschungen 
Abrahams entwickelt. Ich hoffe, daß das vorliegende Buch dies erweisen wird. 
In den letzten Jahren hat meine Arbeit großzügige Förderung durch Dr. Ernest 
Jones erfahren. Jones hat zu einer Zeit, da die Kinderanalyse noch in ihren 
Anfängen war, die Rolle, die sie in der Zukunft zu spielen bestimmt ist, voraus- 
gesehen. Auf seine Aufforderung hin hielt ich im Jahre 1925 als Gast der „British 
Psycho- Analytical Society" meinen ersten Vortragskurs in London, dem der erste 
Teil dieses Buches seine Entstehung verdankt. Auch dem zweiten Teil liegt ein 
Vortragskurs zugrunde, den ich im Jahre 1927 unter dem Titel „Erwachsenen- 
psychologie im Lichte der Kinderanalyse" in London hielt. Die tiefe Überzeugung, 

1) Dieses Referat liegt dem Kap. III des vorliegenden Buches zugrunde. 

_ 8 - 



mit der Ernest Jones sich für die Kinderanalyse eingesetzt hat, hat diesem Arbeits- 
gebiet in England den Boden bereitet. 

Ernest Jones' Forschungsergebnisse berühren sich in wesentlichen Punkten mit 
den meinen. Er hat grundlegende Arbeiten geschrieben über frühe Angstsituationen, 
über die Bedeutung der Aggression für das Schuldgefühl und über die frühesten 
Stadien der weiblichen Sexualentwicklung — Probleme, die in dem vorliegenden 
Buche eine zentrale Rolle spielen. 

Auch meinen anderen englischen Kollegen danke ich an dieser Stelle für ihr 
weitgehendes Verständnis und für ihre warmherzige Unterstützung. Bleibende 
Verdienste um die praktische und theoretische Entwicklung der Kinderanalyse und 
die Ausbildung von Kinderanalytikern in London hat sich Miss M. Nina S e arl 
erworben, mit der mich eine auf gemeinsamer Überzeugung und persönlicher 
Freundschaft beruhende Zusammenarbeit verbindet. Die Hilfe von Mrs. Alix 
Strachey und Mr. James Strachey war für mich von großer Bedeutung. 
Sie haben auch für das vorliegende Buch sehr viel getan, indem sie es nicht nur in 
vorbildlicher Weise ins Englische übersetzt, sondern auch auf seine Entstehung 
und Ausarbeitung durch wertvolle Anregungen Einfluß genommen haben. Hier 
habe ich auch Dr. Edward Gl ov er s zu gedenken, der an meiner Arbeit stets 
warmes Interesse nahm und sie durch verständnisvolle Kritik förderte. Besonders 
wertvoll war es mir, daß er mich auch wiederholt auf Übereinstimmungen verwies, 
die zwischen meinen Auffassungen und den schon vorliegenden psychoanalytischen 
Forschungsergebnissen bestehen. Zu tiefem Dank bin ich meiner Freundin Mrs. Joan 
Rivier e verpflichtet, die meine Arbeit auf das wirksamste unterstützt hat und 
mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand. 

Last but not least danke ich meiner Tochter, Dr. Melitta Schmideberg, 
herzlich für die aufopfernde und wertvolle Hilfe, die sie mir bei der Fertig- 
stellung dieses Buches geleistet hat. 

London, Juli 1932. 

-/Melanie Klein 



EINLEITUNG 



Die Anfänge der Kinderanalyse reichen um mehr als zwei Jahrzehnte zurück, 
bis zu jener Analyse, die der Schöpfer der Psychoanalyse, Professor Freud, 
am „kleinen Hans" durchführte. 1 Die große theoretische Bedeutung dieser ersten 
Kinderanalyse lag auf zwei Gebieten. Die Tatsache, daß ein Kind von noch nicht 
fünf Jahren mit gutem Erfolg analysiert werden konnte, bewies die praktische 
Anwendbarkeit der Psychoanalyse auch auf kleine Kinder. Von vielleicht noch 
größerer Bedeutung war aber die Tatsache, daß diese Analyse die viel an- 
gezweifelte Existenz der von Freud beim Erwachsenen entdeckten kindlichen 
Triebregungen am Kinde selbst einwandfrei nachwies. Darüber hinaus schienen 
die Ergebnisse dieser Analyse die Erwartung zu rechtfertigen, daß weitere, an 
kleinen Kindern vorgenommene Analysen genauere und tiefere Einblicke in das 
kindliche Seelenleben gewähren würden, als es die Analysen Erwachsener er- 
möglichen, daß also die Kinderanalyse berufen sei, wichtige und grundlegende 
Beiträge zur Theorie zu liefern. Diese Hoffnung hat sich aber lange Zeit nicht 
erfüllt. Die Kinderanalyse blieb im Bereich der psychoanalytischen Wissenschaft 
und Therapie Jahre hindurch ein verhältnismäßig unerforschtes Gebiet. Obwohl 
von verschiedenen Analytikern, vor allem von Dr. H. vonHug-Hellmuth 2 
Kinderanalysen unternommen wurden, haben sich keinerlei feste Regeln für die 
Anwendbarkeit und Technik der Kinderanalyse herausgebildet. Daraus erklärt 
sich wohl, daß sie noch nicht allgemein nach ihren großen praktischen und theoreti- 
schen Möglichkeiten eingeschätzt wird und daß grundlegende prinzipielle Gesichts- 
punkte, die für die Analyse der Erwachsenen längst anerkannt sind, für die An- 
wendung auf die Analyse des Kindes noch geklärt und erwiesen werden müssen. 

i) Freud: Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben. Ges. Sehr., Bd. VIII. 
2) Dr. H. von Hug-Hellmuth: Zur Technik der Kinderanalyse. Int. Ztschr. 
f. PsA., Bd. VII, 1921. 

— 10 — 



Erst im letzten Jahrzehnt setzte die Arbeit auf dem Gebiete der Kinderanalyse 
in größerem Umfange ein. Im wesentlichen haben sich zwei Methoden heraus- 
kristallisiert, deren eine durch Anna Freud, deren andere durch mich ver- 
treten wird. 

Anna Freud, die durch ihre Erkenntnisse über das Ich des Kindes zu 
Modifizierungen der klassischen Technik geführt worden ist, hat ihre Methode 
zur Analyse von Kindern im Latenzalter unabhängig von meiner Technik aus- 
gearbeitet und kam in grundlegenden Punkten zu anderen theoretischen Er- 
gebnissen. Anna Freud führt aus, daß das Kind keine Übertragungsneurose bilde, 3 
daß also eine grundlegende Voraussetzung der analytischen Behandlung fehle, 
daß aber eine der Analyse Erwachsener analoge Methode beim Kinde auch nicht 
angewendet werden solle, weil das kindliche Ich-Ideal noch zu schwach sei, 4 — 
Ergebnisse, die von den meinen abweichen. 

Meine Beobachtungen ergaben, daß sich auch beim Kinde eine Übertragungs- 
neurose entwickelt, die der beim Erwachsenen analog ist, sofern nur beim Kinde 
eine der Erwachsenenanalyse adäquate Methode (d. h. ohne pädagogische Be- 
einflussung und mit voller Analyse der auf den Analytiker gerichteten negativen 
Regungen) zur Anwendung kommt. Ich fand, daß Strenge des Über-Ichs beim 
Kinde in allen Altersstufen selbst durch tiefgehende Analyse nur sehr schwer ge- 
mildert werden kann, und daß die Herabsetzung der Strenge des Über-Ichs 
auch ohne erzieherische Beeinflussung seitens des Analytikers zu keiner Schädi- 
gung, sondern zur Stärkung des Ichs führt. 

Es wäre eine interessante Aufgabe, die zwei Methoden an Hand von Material 
im einzelnen miteinander zu vergleichen und sie von theoretischen Gesichtspunkten 
aus zu untersuchen. In diesem Buch kann ich jedoch nicht mehr unternehmen, 



3) „Das Kind ist nicht wie der Erwachsene bereit, eine Neuauflage seiner Liebes- 
beziehungen vorzunehmen, weil — so könnte man sagen — die alte Auflage noch nicht 
vergriffen ist. Seine ursprünglichen Objekte, die Eltern, sind noch in "Wirklichkeit, nicht 
wie beim erwachsenen Neurotiker in der Phantasie, als Liebesobjekte vorhanden." 
Ferner: „Es besteht aber für das Kind keine Nötigung, ihn (d. h. den Analytiker) ohne 
weiteres mit den Eltern zu vertauschen, er bietet den ursprünglichen Objekten gegen- 
über nicht alle jene Vorteile, die der Erwachsene findet, wenn er seine Phantasieobjekte 
gegen einen wirklichen Menschen vertauschen darf." (Anna Freud: Einführung in 
die Technik der Kinderanalyse. S. 56 u. $8.) 

4) Sie führt als Gründe hiefür an (ebenda, S. 82) „die Schwäche des kindlichen 
Ich-Ideals, die Abhängigkeit seiner Forderungen und folglich seiner Neurose von der 
Außenwelt, seine Unfähigkeit zur eigenen Beherrschung der befreiten Triebe und die 
daraus sich ergebende Notwendigkeit für den Analytiker, das Kind erzieherisch in der 
Gewalt zu haben". Femer (ebenda, S. ji): „Bei dem Kinde aber sind uns die auf den 
Analytiker gerichteten negativen Regungen — so aufschlußreich sie in mancher Be- 
ziehung sein können — vor allem unbequem. Wir werden sie sobald wie möglich 
abbauen und abschwächen. Die eigentlich fruchtbringende Arbeit wird immer in der 
positiven Bindung vor sich gehen." 






als eine Darstellung meiner Technik und der sich darauf aufbauenden theoreti- 
schen Resultate zu geben. Es ist auch bisher noch verhältnismäßig so wenig über 
die Analyse des Kindes bekannt, daß es im Augenblick die wichtigste Aufgabe zu 
sein scheint, die Probleme der Kinderanalyse von verschiedenen Seiten zu be- 
leuchten und die bisher gewonnenen Ergebnisse zusammenzutragen. 






ERSTER TEIL 



DIE TECHNIK 
DER KINDERANALYSE 



ERSTES KAPITEL 



Die psychologischen Grundlagen der Kinderanalyse 1 

Die Ergebnisse der Psychoanalyse haben zu einer neuen Psychologie des Kindes 
geführt. Sie haben uns gelehrt, daß das Kind schon im frühesten Alter sexuelle 
Triebregungen und Angst empfindet und auch durch große Enttäuschungen geht. 
Zugleich mit dem Glauben an die Asexualität des Kindes fiel auch der an das 
„Paradies der Kindheit". Diese aus den Psychoanalysen Erwachsener und den 
direkten Beobachtungen von Kindern gewonnenen Erkenntnisse werden durch 
Analysen kleiner Kinder bestätigt und ergänzt. 

Ich gehe nun daran, an Hand von Beispielen ein Bild der frühkindlichen 
Psyche zu entwerfen, wie ich es in den Analysen kleiner Kinder kennengelernt 
habe. Meine zu Beginn der Behandlung zweiunddreiviertel jährige Patientin Rita 
bevorzugte bis zum Ende des ersten Lebensjahres die Mutter, dann in auffallender 
Weise den Vater, wobei sie deutlich Eifersucht gegen die Mutter erkennen ließ. 
So verlangte sie zum Beispiel im Alter von fünfzehn Monaten wiederholt, allein 
mit dem Vater im Zimmer zu bleiben und, auf seinem Schöße sitzend, mit ihm 
in Büchern zu blättern. 

Mit achtzehn Monaten veränderte sich neuerlich die Einstellung des Kindes, 
und es zog wieder die Mutter vor; zugleich setzten Pavor nocturnus und Angst 
vor Tieren ein. Es kam zu einer überstarken Fixierung an die Mutter und zu 
einer ausgesprochenen Ablehnung des Vaters. Mit Beginn des dritten Lebensjahres 
wurde die Kleine immer mehr ambivalent und schwieriger, weshalb sie mit zwei- 
unddreiviertel Jahren in psychoanalytische Behandlung gegeben wurde. Zu dieser 
Zeit bestand eine ausgesprochene Zwangsneurose mit Zwangszeremoniellen, 
Schwankungen zwischen „Überbravheit" mit Reue und unbeherrschter „Schlimm- 
heit", Verstimmungen, die alle Merkmale der melancholischen Depression auf- 



i) Dieses Kapitel ist eine erweiterte Fassung meiner Arbeit: Die psychologischen 
Grundlagen der Frühanalyse (Imago, Bd. XII, i$i6). 



i5 - 



wiesen, starke Angst, eine weitgehende Spielhemmung, vollkommene Unfähigkeit, 
Versagungen irgend welcher Art zu ertragen, übermäßige Wehleidigkeit — : 
Schwierigkeiten, die das Kind fast unerziehbar machten. 2 

Dieser Fall erwies deutlich den im Alter von achtzehn Monaten aufgetretenen 
Pavor nocturnus als eine neurotische Verarbeitung des 
Ödipuskonfliktes. 3 Die Angst- und 'Wutanfälle Ritas, die sich als Wieder- 
holung des Pavor nocturnus erwiesen, sowie ihre sonstigen Schwierigkeiten 
standen in innigster Verbindung mit den frühen starken Schuldgefühlen, die dem 
Ödipuskonflikt entsprangen. 

Auf den Inhalt und die Grundlage dieser frühen Schuldgefühle will ich nun 
an Hand eines anderen Beispieles eingehen. Die dreiunddreivierteljährige Trude 4 
spielte wiederholt in der Analysenstunde, daß es Nacht sei. Wir sollten beide 
schlafen. Sie kam dann aus der anderen, von ihr als ihr Zimmer bezeichneten 
Ecke leise auf mich zu und bedrohte mich auf verschiedene Art. Sie wollte mich 
in die Kehle stechen, in den Hof werfen, verbrennen, zur Polizei bringen. Sie 
versuchte meine Hände und Füße zu fesseln, hob die Decke der Chaiselongue auf 

2) Rita hatte bis zum Alter von nicht ganz zwei Jahren das Schlafzimmer der 
Eltern geteilt, und die Wirkungen der Urszene wurden in der Analyse deutlich. Als 
sie zwei Jahre alt war, wurde ihr Brüderchen geboren. Dieses Ereignis führte den 
vollen Ausbruch der Neurose herbei. 

Die Analyse umfaßte dreiundachtzig Behandlungsstunden. Sie wurde wegen Über- 
siedlung der Eltern ins Ausland nicht beendigt. Sie hat in den wesentlichen Punkten 
zu einem günstigen Resultat geführt. Die Angst wurde vermindert, die Zwangs- 
zeremonielle behoben, die Depressionserscheinungen und damit auch die Unfähigkeit, 
Versagungen zu ertragen, wesentlich herabgesetzt. Mit der durch die Analyse erzielten 
Verminderung der Ambivalenz der Mutter gegenüber und einem wesentlich verbesserten 
Verhältnis zu Vater und Bruder ergab sich auch zugleich die Herabsetzung der Er- 
ziehungsschwierigkeiten auf ein normales Maß. Ich hatte Gelegenheit, mehrere Jahre 
nach Abschluß der Analyse mich persönlich von der Haltbarkeit des Resultates zu 
überzeugen. Rita hatte den Übergang ins Latenzalter gut vollzogen und sich sowohl 
intellektuell wie charakterlich zufriedenstellend entwickelt. Trotzdem gewann ich bei 
diesem Wiedersehen den Eindruck, daß ein weiteres Stück Analyse erforderlich gewesen 
wäre, da der Anteil der zwangsneurotischen Disposition in Ritas Charakterbildung und 
Wesen mir unverkennbar schien. Hiezu ist zu bemerken, daß Ritas Mutter stark 
zwangsneurotisch ist und von Anfang an ein überaus ambivalentes Verhältnis zur 
Tochter hatte. Das Verhältnis der Mutter zur Tochter hat sich zwar durch die beim 
Kinde erzielten günstigen Veränderungen entschieden verbessert, bildet aber noch immer 
eine schwere Belastung für die Entwicklung des Kindes. Eine zu Ende geführte Analyse 
des Kindes mit noch weiterer Auflösung zwangsneurotischer Züge hätte zweifellos ein 
wirksameres Gegengewicht gegen die neurosenbildende Belastung durch das neurotische 
Milieu ergeben. Sieben Jahre nach Beendigung der Behandlung erfuhr ich von der Mutter, 
daß Rita sich weiter gut entwickelt. 

3) Meine Annahme, daß in diesen Regungen sich schon die Frühstadien des Ödipus- 
konfliktes äußern, werde ich in Kap. VIII des vorliegenden Buches ausführlicher be- 
gründen. 

4) Ich gebe in diesem Falle und in allen folgenden Fällen das Alter an, in dem 
das Kind stand, als es zur Analyse kam. 

- x6 - 



und erklärte, sie mache „Po-Kacki-Kucki". Es ergab sich, daß sie im Popo der 
Mutter nach den für sie Kinder darstellenden „Kackis" (Stuhl) suchen wollte. 
Ein andermal wollte sie mich auf den Bauch schlagen und behauptete, sie nehme 
die A-As (Stuhl) heraus und mache mich arm. Sie riß dann die (wiederholt als 
Kinder bezeichneten) Kissen herunter und versteckte sich mit diesen in der Sofa- 
Nische, wo sie sich unter lebhaften Angstäußerungen zusammenkauerte, zudeckte, 
lutschte und näßte. Diese ganze Situation erfolgte immer wieder nach Angriffen 
auf mich. Sie war aber in allen Einzelheiten des Verhaltens derjenigen gleich, 
die Trude schon im zweiten Lebensjahre im Bette eingenommen hatte, als sehr 
starker Pavor nocturnus bei ihr einsetzte. Auch damals lief sie in der Nacht 
immer wieder in das Schlafzimmer der Eltern, ohne angeben zu können, was sie 
dort wolle. Die Analyse zeigte, daß das Nässen und Schmieren Angriffe auf die 
koitierenden Eltern bedeutete und behob dadurch diese Symptome. Trude 
hatte der schwangeren Mutter die Kinder rauben, die Mutter töten und ihre 
Stelle beim Koitus mit dem Vater einnehmen wollen. Sie war, als die Schwester 
geboren wurde, zwei Jahre alt. Diese Haß- und Aggressionstendenzen waren 
die Ursache der im zweiten Lebensjahre sich verstärkenden Fixierung an die 
Mutter. Sie waren auch die Grundlage der schweren Angst und Schuldgefühle, 
die sich unter anderem im Pavor nocturnus äußerten. Die frühen Schuld- 
gefühle und die Angst des kleinen Kindes haben demnach ihre Ursache 
in den mit dem Ödipuskonflikt einhergehenden aggressiven 
Tendenzen. 5 

Zur Zeit, als diese Erscheinungen in der Analyse so deutlich hervortraten, 
brachte Trude sich fast vor jeder Analysenstunde einen körperlichen Schmerz bei. 

j) Die Auffassung, daß die Haß- und Aggressionstendenzen die tiefste Ursache und 
Grundlage der mit dem Ödipuskonflikt einhergehenden Schuldgefühle bilden, habe ich 
auch schon in der diesem Kapitel zugrunde liegenden gleichnamigen Arbeit (Imago, 
Bd. XII, 1926) und seither in mehreren Arbeiten vertreten und belegt. In meinem auf 
dem Internationalen Psychoanalytischen Kongreß in Oxford (Juli 1929) gehaltenen 
Vortrage: „Die Bedeutung der Symbolbildung für die Ichentwicklung" kam ich in 
diesem Punkte zu einer erweiterten Formulierung. Ich sagte dort: „Die Abwehr gegen 
die libidinösen Triebregungen tritt erst in den späteren Stadien des Ödipuskonfliktes 
hervor, in den Frühstadien des Ödipuskonfliktes wendet sie sich gegen die mit den 
libidinösen Triebregungen legierten destruktiven Triebe." Diese Formulierung stimmt, 
meines Erachtens, in einigen Punkten mit Ergebnissen überein, die Freud in seinem 
neuesten Buche: Das Unbehagen in der Kultur niedergelegt hat. Er schreibt dort 
(S. 124): „Dann aber ist es doch nur die Aggression, die sich in Schuldgefühl um- 
wandelt, indem sie unterdrückt und dem Ober-Ich zugeschoben wird. Ich bin überzeugt, 
wir werden die Vorgänge einfacher und durchsichtiger darstellen können, wenn wir 
den Fund der Psychoanalyse zur Ableitung des Schuldgefühls auf die aggressiven Triebe 
einschränken." Ferner (S. 12 5): „Nun liegt es nahe, den Satz zu formulieren: wenn 
eine Triebregung der Verdrängung unterliegt, so werden ihre libidinösen Anteile in 
Symptome, ihre aggressiven Komponenten in Schuldgefühl umgesetzt." 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

~ 17 ~ 



Es ergab sich, daß die Gegenstände, an denen sie sich weh tat: Tisch, Schrank, 
Ofen usw., der primitiven kindlichen Identifizierung entsprechend, für sie die 
Mutter, mitunter auch den Vater bedeuteten, die sie bestrafen. 6 

Rita, von deren Fall ich bei meinen Ausführungen ausging, war schon in ihrem 

zweiten Lebensjahre der Umgebung durch die Reue nach jedem noch so kleinen 

Vergehen und die Überempfindlichkeit gegen Tadel aufgefallen. v So brach das 

.Kind zum Beispiel in Tränen aus, als der Vater den Bären im Bilderbuch 

scherzhaft bedrohte. Dabei zeigte sich als bestimmend für ihre Identifizierung mit 

dem Bären die Angst vor dem Tadel des realen Vaters. Ihre Spielhemmung ging 

vom Schuldgefühl aus. Schon mit zweiundeinviertel Jahren erklärte sie wiederholt 

beim Puppenspiel — das ihr auch wenig Freude machte — , sie sei nicht die 

Mutter des Puppenkindes. Die Analyse erwies, daß sie nicht Mutter spielen 

durfte, weil das Puppenkind ihr unter anderem das Brüderchen bedeutete, das 

sie der Mutter schon während der Schwangerschaft rauben wollte. Das Verbot 

des Kindeswunsches ging aber nicht von der realen Mutter aus, 

sondern von einer i n t r o j i z i e r t e n, die strenger und grausamer in ihr wirkte, 

als es jemals von Seiten der realen Mutter geschehen war. Ein zwangsneurotisches 

Symptom, das Rita auch vom Alter von zwei Jahren an entwickelte, war ein 

zeitraubendes Schlafzeremoniell. Sein Kern bestand darin, daß sie sich in die 

Bettdecke fest verpacken ließ, sonst würde „eine Maus" oder ein „Butzen", der 

durch das Fenster käme, ihren Butzen wegbeißen. 7 Audi die Puppe wurde immer 

in gleicher Weise verpackt. Dieses Spiel nahm ebenso wie ihr eigenes sich stetig 

ausbauendes Schlafzeremoniell wachsende Zeit in Anspruch und wurde unter allen 

Anzeichen des sie beherrschenden Zwanges durchgeführt. Einmal stellte sie in der 

Analysenstunde einen Elefanten neben das Puppenbett. Er sollte das Puppenkind 

am Aufstehen verhindern, denn sonst würde es leise in das Schlafzimmer der 

Eltern gehen und diesen „etwas tun oder wegnehmen". Der Elefant (eine Vater- 

Imago) sollte die hindernde Rolle der introjizierten Eltern übernehmen, deren 

Einspruch schon aus der Zeit in ihr nachwirkte, da sie im Alter zwischen einund- 

einviertel und zwei Jahren die Stelle der Mutter beim Vater einnehmen, der 

schwangeren Mutter das Kind rauben, die Eltern verletzen und kastrieren wollte. 

Damit klärte sich aber auch der Sinn des Schlaf zeremoniells auf: das 

Verpacken in die Bettdecke sollte Rita am Aufstehen und an der Ausführung der 

aggressiven, gegen die Eltern gerichteten Tendenzen verhindern. 

6) Ich fand, daß die Wehleidigkeit und die Neigung, zu fallen und sich weh zu tun, 
die besonders beim kleinen Kinde häufig ist, aus Schuldgefühlen entspringt. 

7) Ritas Kastrationskomplex zeigte sich in einer Reihe von neurotischen Symptomen 
und in ihrer Charakterentwicklung. Auch ihre Spiele erwiesen deutlich ihre starke 
Vateridentifizierung und ihre vom Kastrationskomplex stammende Angst, in der männ- 
lichen Rolle zu versagen. 

- 18 - 



Da sie aber auch als Strafe für diese Regungen analoge Angriffe seitens der Eltern 
erwartete, bezweckte das feste Verpacken in die Bettdecke auch einen Schutz gegen 
Angriffe. So fürchtete sie zum Beispiel, daß der „Butzen" — der väterliche 
Penis — ihren „Butzen" zur Strafe für ihre Kastrationswünsche gegen den Vater 
abbeißen und sie am Genitale beschädigen würde. 

Die Wut- und Angstreaktionen, die im Verlauf solcher Spiele einer Bestrafung 
des Puppenkindes folgten, bewiesen auch, daß Rita innerlich beide Rollen 
spielte; die der richtenden Autoritäten und die des bestraften 
Kindes. Sie bewiesen ferner, daß diese Angst nicht nur den realen 
Eltern, sondern weit mehr den überaus strengen introjizierren Eltern 
galt. Was uns da entgegentritt, entspricht dem, was wir beim Erwachsenen das 
Über-Ich 8 nennen. Die typischen Erscheinungen, die wir in deutlichster Aus- 
bildung feststellen können, wenn der Ödipuskomplex seinen Höhepunkt erreicht 
hat und die seinem Abklingen vorangehen, sind der Endabschluß einer Ent- 
wicklung, die sich über Jahre erstreckt. Die Frühanalyse zeigt, daß der Ödipus- 
konflikt schon in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres einsetzt und daß 
zugleich auch schon die Bildung des Über-Ich beginnt. 

Wenn aber schon das kleine Kind unter dem Druck des Schuldgefühls steht 
— wie es mir meine Erfahrungen beweisen — , so ergibt sich hieraus eine grund- 
legende Voraussetzung für die Analyse des kleinen Kindes. Dennoch scheinen 
aber beim Kinde eine Reihe von Vorbedingungen für die Analyse zu fehlen. Das 
Kind weist nur eine schwache Realitätsbeziehung auf und hat anscheinend auch 
kein Motiv, die Schwierigkeiten einer analytischen Behandlung in den Kauf zu 
nehmen, da es im allgemeinen kein Krankheitsgefühl hat. Die größte Schwierig- 
keit scheint sich aber aus der Tatsache zu ergeben, daß wir Assoziationen 
durch die Sprache, wie wir sie beim Erwachsenen als Grundlage der analytischen 
Arbeit kennen, beim Kinde nicht oder nur sehr unvollkommen erhalten. Ich will 
zunächst auf diese letztgenannte Schwierigkeit eingehen. 

Aus den Unterschieden der frühkindlichen Psyche von der reiferen ergab sich 
mir der Weg, der Assoziationen des Kindes im vollsten Maße habhaft zu werden 
und auch den Zugang zu seinem Unbewußten zu finden. Die von mir aus- 
gearbeitete Technik der Spielanalyse baut sich auf den Besonderheiten des kind- 
lichen Seelenlebens auf. Das Kind bringt durch das Spiel Phantasien, Wünsche, 
Erlebnisse in symbolischer Weise zur Darstellung. Es bedient sich dabei der 
gleichen Sprache, der archaischen, phylogenetisch erworbenen Ausdrucksweise, die 
wir aus dem Traume kennen. Wir können sie nur verstehen, wenn wir uns ihr 
in der Weise nähern, die uns F r e u d für das Erkennen des Traumes gelehrt 



8) Meiner Auffassung nach kommt auch schon den frühesten Identifizierungen die 
Bezeichnung Ober- Ich zu. Ich begründe diese Auffassung im achten Kapitel. 



*9 



hat. Die Symbolik ist nur ein Teil davon. Wir müssen, wenn wir das Spiel 
im Zusammenhang mit dem ganzen Gehaben des Kindes in der Analysenstunde 
richtig erfassen wollen, nicht nur die oft im Spiel so deutlich hervortretende 
Symbolik, sondern alle Darstellungsmittel und Mechanismen 
der Traumarbeit beachten und der Erforschung der ganzen Zusammen- 
hänge eingedenk bleiben. Immer wieder läßt sich in Frühanalysen feststellen, 
wie vieldeutig jedes einzelne Spielzeug und jede einzelne Spielhandlung ist, und 
daß wir die jeweilige Bedeutung nur aus der Kenntnis der weiteren Zusammen- 
hänge und der ganzen analytischen Situation erschließen und deuten 
können. Beispielsweise hatte für Rita die Puppe, mit der sie spielte, zeitweise 
Penisbedeutung, dann wieder die Bedeutung des der Mutter geraubten Kindes, 
oder sie stellte sie selbst dar. Die volle analytische Wirkung wird erzielt, indem 
die Zusammenhänge mit dem Schuldgefühl durch die Deutung 
der kleinsten Einzelheiten des Spieles klargelegt werden. Was uns das Kind in 
einer Analysenstunde zeigt, wobei es vom Spiel mit dem Spielzeug zur Dar- 
stellung durch die eigene Person übergeht, dann wieder zum Spiel mit Wasser, 
zum Ausschneiden von Papier, zum Zeichnen — w i e es das tut, w a r u m der 
Wechsel einsetzt und welche Mittel es zur Darstellung wählt — , dieses 
bunte, oft wirr und sinnlos scheinende Durcheinander zeigt sich als wohlgeordnet 
und wird sinnvoll, wenn wir es wie den Traum deuten. Sehr häufig stellt übrigens 
das Kind im Spiel das gleiche dar wie in einem vorher berichteten Traum und 
bringt oft Assoziationen zu einem Traum durch das anschließende Spiel, das ja 
seine wichtigste Ausdrucksweise ist. Bei Anwendung dieser Spieltechnik finden wir 
bald, daß uns das Kind nicht weniger Assoziationen zu einzelnen Spiel- 
stücken bringt als der Erwachsene zu den Traumstücken. Die Einzelheiten 
des Spieles zeigen dem aufmerksamen Beobachter den Weg; dazwischen spricht 
das Kind auch allerlei, was voll als Assoziationen zu werten ist. 

Vielfach überrascht die Leichtigkeit, mit der Deutungen zeitweise aufgenommen 
werden. Das Kind zeigt sogar mitunter ausgesprochene Lust dabei. Die Er- 
klärung dafür ist wohl die, daß beim Kinde in gewissen Schichten die Kom- 
munikation zwischen Bewußtem und Unbewußtem noch eine leichtere, der Rück- 
weg daher einfacher herzustellen ist. Die Deutung erzielt häufig sehr schnell 
eine Wirkung, auch wenn das Kind sie anscheinend nicht bewußt zur Kenntnis 
genommen hat. Dies äußert sich darin, daß das Spiel, das infolge des ein- 
getretenen Widerstandes abgebrochen worden war, wieder aufgenommen wird, 
sich verändert, sich ausbreitet und tiefere Schichten zur Darstellung bringt. Mit 
der Auflösung von Angst und dem Wiedereinsetzen von Spiellust zugleich hat 
sich auch der analytische Kontakt wieder befestigt. Indem der zu einer Ver- 
drängung nötige Kraftaufwand infolge der Deutung wegfällt, entsteht nach der 
Deutung frische Lust zum Spiel. Wir stoßen aber zeitweise auf sehr schwer zu 



überwindende Widerstände. Das ist meist dann der Fall, wenn wir auf Angst 
in den tieferen Schichten treffen. 

Die archaische, symbolische Darstellungsform, deren sich das Kind bedient, ist 
mit einem anderen primitiven Mechanismus verbunden. Das Kind setzt nämlich 
im Spiel die Handlungen — die ja ursprünglich an Stelle der Gedanken 
standen — an Stelle der Worte, d. h. *das Agieren spielt bei ihm eine 
überragende Rolle. In der „Geschichte einer infantilen Neurose" sagt Freud: 
„Die Analyse, die man am neurotischen Kinde selbst vollzieht, wird von vorn- 
herein vertrauenswürdiger erscheinen, aber sie kann nicht sehr inhaltsreich sein; 
man muß dem Kinde zu viele Worte und Gedanken leihen und wird vielleicht 
doch die tiefsten Schichten undurchdringlich für das Bewußtsein finden." 9 

Wenn wir uns dem Kinde mit der Technik der Erwachsenenanalyse nähern, 
so können wir sicherlich nicht zu den tiefsten Schichten vordringen. Gerade diese 
sind es aber, die — ebenso in der Analyse des Kindes wie in der des Erwachsenen — 
für den Wert und für den Erfolg einer Analyse ausschlaggebend sind. Wenn 
wir aber auf die psychologischen Unterschiede zwischen dem Kinde und dem 
Erwachsenen Bedacht nehmen, auf die Tatsache, daß wir Unbewußtes noch neben 
Bewußtem, die primitivsten Strebungen neben kompliziertesten Entwicklungen 
wirksam finden, wenn wir also die Ausdrucksweise des Kindes richtig verstehen, 
so kommen alle diese Bedenken und Nachteile in Fortfall. Wir finden dann, daß 
die Forderungen, die wir an Tiefe und Umfang der Analyse stellen dürfen, nicht 
hinter denen der Erwachsenenanalyse zurückstehen. Im Gegenteil, wir können in 
der Kinderanalyse bis zu Erlebnissen und Fixierungen zurückgehen, die in der 
Erwachsenenanalyse häufig nur rekonstruierbar sind, während sie uns 
das Kind unmittelbar darstell t. 10 

Ich habe in meinem Kongreßvortrag in Salzburg 11 ausgeführt, daß die jeder 
Spieltätigkeit zugrunde liegende, als fortgesetzter Spielantrieb (Wieder- 
holungszwang) wirkende Abfuhr der Masturbationsphantasien ein 
fundamentaler Mechanismus des Kinderspieles und aller 
weiteren Sublimierungen ist und die Spiel- und Lernhemmung 
auf der übermäßigen Verdrängung dieser Phantasien (und 
damit der Phantasie) beruht. Mit den Masturbationsphantasien 
sind die Sexualerlebnisse verknüpft und gelangen mit diesen im Spiel zur 



9) Ges. Sehr., Bd. VIII, 440 f. 

10) Diese unmittelbare Darstellung, die neben der weitgehenden Abreaktion der 
Affekte das vollkommenste Durchleben der ursprünglichen Situation in der Analyse 
und damit eine weitgehende Auflösung der Fixierung mit Hilfe der Deutungen ermög- 
licht, macht die Frühanalyse zu einem besonders erfolgreichen Zweig der psychoanalyti- 
schen Therapie.. 

11) Int. PsA. Kongreß Ostern 1924. (Dieser Vortrag blieb unveröffentlicht.) 



Darstellung und Abreaktion. Unter diesen Erlebnissen spielen die 
Darstellungen der Urszene eine überragende Rolle; sie stehen auch regelmäßig 
in den Frühanalysen im Vordergrunde. Meistens gelangt man erst nach einem 
größeren Stück Analyse, das die Urszene und die genitalen Entwicklungen teil- 
weise klargelegt hat, zu den Darstellungen der prägenitalen Erlebnisse und 
Phantasien. 

Die vierundeinvierteljährige Ruth zum Beispiel, die als Säugling längere Zeit 
hungerte, da die Mutter wenig Milch hatte, nennt beim Spiel am Waschbecken 
den Wasserhahn einen Milchhahn. Sie erklärt, daß die Milch in die „Münder" 
(Abflußlöcher) läuft, daß Milch aber ganz wenig fließt. Dieses ungestillte orale 
Verlangen tritt in zahlreichen Spielen und Darstellungen hervor und zeigt sich 
in ihrer ganzen Einstellung. (Sie behauptete zum Beispiel, daß sie arm sei, nur 
einen Mantel besitze, wenig zu essen bekomme, was der Realität keineswegs 
entsprach.) 

Die sechsjährige zwangsneurotische Erna, für deren Neurose die Erfahrungen 
der Reinlichkeitsgewöhnung von Bedeutung waren, 12 führte mir diese bis in die 
kleinsten Einzelheiten vor. Sie setzt zum Beispiel ein Püppchen auf einen Baustein, 
läßt es defäzieren und stellt ringsherum Püppchen auf, die es bewundern. Nach 
dieser Darstellung bringt Erna wieder das gleiche Material im Rollenspiel. Ich 
habe ein sich beschmutzendes "Wickelkind darzustellen, sie ist die Mutter. Das 
Wickelkind wird verwöhnt und bewundert. Dann folgt eine Wutreaktion und 
Erna spielt plötzlich eine strenge Lehrerin, die daß Kind mißhandelt. Erna hat 
mir so vorgespielt, was sie in früher Kindheit fühlte, als Erziehungsmaßregeln 
einsetzten und sie die übergroße Liebe, die ihr als Säugling dargebracht wurde, 
zu verlieren glaubte. 

Die Bedeutung des A g i e r e n s und Phantasierens im Dienste des 
Wiederholungszwanges kann in der Kinderanalyse nicht hoch genug 
eingeschätzt werden. Das kleine Kind agiert natürlich in weit größerem Maße, 
aber auch das ältere greift häufig zu diesem primitiven Mechanismus. Der damit 
für das Kind verbundene Lustgewinn, der aber immer nur Mittel zum Zwecke 
bleiben darf, ist als ein Motor der Analyse für deren Fortführung unentbehrlich. 
Haben wir aber die Analyse in Gang gebracht und durch Auflösung von Angst- 
quantitäten ein Gefühl der Erleichterung bei unserem kleinen Patienten erreicht 
— was mit Hilfe der Deutungstechnik häufig schon in den ersten Stunden der 
Fall ist — , so finden wir in diesem Gefühl der Erleichterung eine Stütze für die 
Weiterarbeit. Es vermittelt nämlich auch dem Kinde, das früher gar kein Motiv 
für die Analyse hatte, eine Einsicht in den Nutzen und Wert der analytischen 
Arbeit, die der Krankheitseinsicht des Erwachsenen als Motor der Analyse ent- 

12) Ein ausführlicher Bericht über Ernas Krankengeschichte folgt in Kap. III. 



spricht. Die Fähigkeit zu einer solchen Einsicht beweist aber auch ein wesentliches, 
beim kleinen Kinde überraschendes Stück Realitätsbeziehung. Ich will nun im 
folgenden auf das Verhältnis des Kindes zur Realität näher eingehen. 

Im Verlaufe der Analyse können wir feststellen, daß die vorher so schwache 
Beziehung des Kindes zur Realität während der analytischen Arbeit sich fort- 
während verstärkt. Das Kind beginnt dann zum Beispiel zwischen der 
gespielten und der wirklichen Mutter oder dem hölzernen und 
dem lebenden Brüderchen zu unterscheiden und beharrt fest darauf, dies 
und jenes habe es nur dem hölzernen Brüderchen antun wollen, das 
wirkliche habe es doch lieb. Nur nach Überwindung starker Widerstände 
nimmt es dann zur Kenntnis, daß seine Aggression den wirklichen 
Objekten gilt. Damit ist aber gewöhnlich — auch bei den ganz Kleinen — 
eine sehr bedeutender Fortschritt in der Realitätsanpassung erfolgt. 

Die dreiundeinvierteljährige T r u d e ging nach einer einzigen Analysenstunde 
mit ihrer Mutter auf Reisen. Ein halbes Jahr später wurde die Analyse fort- 
gesetzt. Von allem inzwischen Erlebten sprach sie erst nach längerer Zeit einmal 
anläßlich eines Traumes, den sie mir berichtete. Sie war mit ihrer Mutter wieder 
in Italien in dem ihr bekannten Restaurant. Die Kellnerin gab ihr keinen 
Himbeersaft, weil keiner mehr da war. Die Deutung ergab unter anderem" den 
nicht verwundenen Schmerz des Kindes um die Entziehung der Mutterbrust und 
den Neid auf die kleine Schwester. Während mir Trude sonst allerlei anscheinend 
Nebensächliches berichtete, auch wiederholt Einzelheiten der ersten, ein halbes Jahr 
zurückliegenden Analysenstunde erwähnte, hatte nur die aus der analytischen 
Situation sich ergebende Beziehung zur erlittenen Versagung den Anlaß gegeben, 
ihrer Reise zu gedenken, die sonst für sie nicht von Interesse war. 

Das neurotische Kind verträgt die Realität darum so schlecht, weil es Ver- 
sagungen nicht ertragen kann. Es erwehrt sich der Realität, indem es sie ab- 
lehnt. Grundlegend aber und der Prüfstein für alle fernere Anpassungs- 
fähigkeit an die Realität ist die größere oder geringere Fähigkeit, die 
aus der ödipussituation resultierende Versagung zu ertragen. 
Auch beim kleinen Kinde ist deshalb die zu starke Ablehnung der Realität (die 
häufig durch eine scheinbare Anpassung und „Folgsamkeit" verdeckt wird) ein 
Kennzeichen der Neurose, die sich nur durch ihre Äußerungsformen von der 
Realitätsflucht des erwachsenen Neurotikers unterscheidet. Darum muß auch schon 

13) Dieser Traum erwies sich als ein Straf träum. Die Analyse deckt auch die ihm 
zugrunde liegenden, gegen die Schwester und Mutter (aus der oralen Versagung und 
der ödipussituation) gerichteten Todeswünsche und das daraus resultierende Schuld- 
gefühl auf. Auch bei allen anderen von mir analysierten Träumen kleiner Kinder konnte 
ich — ebenso wie beim Kinderspiel — neben der Wunschtendenz auch die Wir k- 
samkeit des Über-Ichs feststellen. Ich fand, daß auch beim einfach gebauten 
Wunschtraum des kleinen Kindes das Schuldgefühl latent wirksam ist. 

— 2 3 — 



in der Frühanalyse eines der Endergebnisse die gelungene Anpas- 
sung an die Realität sein. Sie drückt sich beim Kinde unter anderem in der 
Verminderung von Er z i eh un g s seh w i er ig k e i t e n aus; es ist eben 
fähig geworden, reale Versagungen zu ertragen. 

Wir sehen also, der Weg, den wir in der Analyse des Kindes nehmen, geht von 
anderen Zugängen aus. Wir wenden uns auf dem kürzesten Weg über das Ich 
vor allen Dingen an das Unbewußte des Kindes und erreichen so nach und nach 
auch die Beziehung zu seinem Ich. Indem wir durch die Analyse die übermäßige 
Wirksamkeit des Über-Ichs, die das schwache Ich des kleinen Kindes weit mehr 
bedrängt als das des Erwachsenen, herabsetzen, stärkenwirdaslchund 
tragen wesentlich zu dessen Entwicklung bei. 14 

Ich habe von der in den Frühanalysen festzustellenden schnellen Wirkung von 
Deutungen berichtet und mitgeteilt, daß wir diese Wirkungen an zahlreichen An- 
zeichen feststellen können, so an der Entwicklung des Spieles, der Befestigung der 
Übertragung, der Verminderung der Angst usw. Trotzdem scheint das Kind 
längere Zeit hindurch die Deutungen nicht bewußt zu verarbeiten. Ich konnte 
feststellen, daß eine bewußte Verarbeitung später erfolgt. Sie hängt mit der 
wachsenden Realitätsanpassung und Ichentwicklung zusammen und hält mit ihr 
Schritt. Analog vollzieht sich auch der Vorgang der Aufklärung. Die Analyse 
fördert längere Zeit nur Material für Sexualtheorien und Geburtsphantasien 
zutage und die Aufklärung erfolgt schrittweise, indem durch die Deutungen die 
gegen die Aufklärung wirksamen unbewußten Widerstände behoben werden. Die 
volle sexuelle Aufklärung ist somit ebenso wie die Realitäts- 
anpassung ein Resultat der beendigten Analyse. Sie gehört zu 
den Anforderungen, die wir an eine abgeschlossene Analyse zu stellen haben. 
Ebenso wie sich die Ausdrucksmittel des Kindes von denen des Erwachsenen 
unterscheiden, trägt auch die a n a I y t i s c h e S i t u a t i o n in der K i n d e r- 
a n a 1 y s e ein durchaus abweichendes Gepräge. Sie ist aber doch in beiden Fällen 
wesensgleich. Die konsequente Deutung, die schrittweise Auflösung der 
Widerstände, das stete Zurückführen der positiven und negativen Übertragung 
auf frühere Situationen führt auch beim Kinde zur vollen Herstellung der 
richtigen analytischen Situation. 

Eine Vorau ssetzung dafür ist, daß sich der Analytiker jeder nicht- 

14) Das Kind vermag nicht — wie dies beim Erwachsenen nach Beendigung der 
Analyse oft der Fall ist - Veränderungen in seinen Lebensverhältnissen vorzunehmen. 
Aber wir haben ihm sehr weitgehend geholfen, wenn wir ihm die Möglichkeit geben, 
sich zufolge der Analyse in den bestehenden Verhältnissen wohler zu fühlen und besser 
zu entwickeln. Übrigens setzt häufig die Behebung der Neurose des Kindes auch die 
Schwierigkeiten des Milieus herab. Ich konnte zum Beispiel feststellen, daß die Mutter 
viel weniger neurotisch reagierte, sobald beim Kinde zufolge der Analyse günstige Ver- 
änderungen eingetreten waren. 

- 24 - 



analytischen, also auch pädagogischen Beeinflussung, analog wie 
beim Erwachsenen, enthält. Die Übertragung wird demnach durchaus analog 
der in Erwachsenenanalysen gehandhabt und wir sehen dann auch beim Kinde 
die Symptome und Schwierigkeiten sich um die analytische Situation gruppieren. 
Es kommt zur Neuauflage früherer Symptome, beziehungsweise der beim Kinde 
diesen entsprechenden früheren Schwierigkeiten oder Unarten. So tritt zum Bei- 
spiel Bettnässen wieder auf, oder es kommt wiederholt vor, daß selbst drei- und 
vierjährige Kinder in gewissen Situationen, die eine Wiederholung früherer dar- 
stellen, auch wieder die Sprache des ein- oder zweijährigen Kindes annehmen. 

Entsprechend der zuerst vorwiegend unbewußt vor sich gehenden Verarbeitung 
der gewonnenen Einsichten wird das Kind nicht auf einmal vor die Situation 
gestellt, Erkenntnisse in bezug auf sein Verhältnis zu den Eltern zu revidieren, 
sondern dies geht zuerst gefühlsmäßig vor sich. Ich habe als Wirkung dieser 
stufenweise verarbeiteten Erkenntnisse immer nur eine Er- 
leichterung für das Kind feststellen können, ein wesentlich günstigeres Verhältnis 
zu den Eltern und damit auch eine erhöhte soziale Anpassung und Erziehbarkeit. 
Die durch die Analyse gemilderten Forderungen des Über-Ichs können nun von 
dem weniger bedrängten und deshalb stärkeren Ich leichter befolgt werden. 

Das Kind vermag dann auch sehr wohl zum Teil an Stelle der Verdrängung 
die Verurteilung zu setzen. Dies äußert sich auch darin, daß die Kinder in einem 
späteren Stadium der Analyse zu ihren sadistischen Begierden, die 
in einem früheren Stadium stärker wirksam waren und deren Deutung damals 
auf schwerste Widerstände stieß, eine solche Distanz gewonnen haben, daß sie sie 
nun gelegentlich mit H u m o r beurteilen. 15 Ich hörte dann auch von ganz kleinen 
Kindern einen Scherz darüber, daß sie zum Beispiel früher wirklich die Mutti 
ganz fressen oder zerschneiden wollten. Die mit diesen Veränderungen verbundene 
Verminderung der Schuldgefühle ermöglicht aber zugleich auch die 
Sublimierungder früher ganz verdrängten sadistischen Begierden. 
Dies äußert sich praktisch in dem Aufhören der Spielhemmung (oder der Lern- 
hemmung) und in dem Einsetzen von zahlreichen Interessen und Betätigungen. 

Ich bin in diesem Kapitel von der T e c h n i k der F r ü h a n a 1 y s e als der 
für meine Methode grundlegenden ausgegangen. Da die von mir besprochenen 
Besonderheiten der frühkindlichen Psyche auch noch beim größeren Kinde oft sehr 
stark sind, fand ich die Anwendung dieser Technik auch beim größeren Kinde 
unentbehrlich. Da aber andrerseits bei diesem ein schon entwickelteres Ich vor- 



15) Die Erfahrung, daß mit der Milderung des Über-Ichs beim Kinde der Humor 
sich entwickelt, scheint mir eine volle Bestätigung der Auffassung Freuds vom Wesen 
des Humors, den er auf die Wirksamkeit eines freundlichen Über-Ichs zurückführt. Er 
schreibt (Der Humor, Ges. Sehr., Bd. XI, S. 408): „... und endlich, wenn das Über- 
Ich durch den Humor das Ich zu trösten und vor Leiden zu bewahren strebt, so hat 
es damit seiner Abkunft von der Elterninstanz nicht widersprochen." 

- 2 5 - 



handen ist, ergibt sich die Notwendigkeit zu Modifizierungen der 
Technik für das Latenz- und Pubertätsalter, deren Einzel- 
heiten ich im Verlaufe meiner Ausführungen besprechen werde. Inwieweit sich 
diese modifizierte Technik mehr der Frühanalyse oder mehr der Erwachsenen- 
analyse annähert, hängt nicht nur von dem Alter, sondern auch von der speziellen 
Struktur des Falles ab. 

Folgende prinzipielle Gesichtspunkte liegen meiner Technik für alle kindlichen 
Altersstufen zugrunde: die akutere Angst des Kindes und des Jugendlichen 
macht es erforderlich, den Zugang zur Angst und zum unbewußten Schuldgefühl 
so schnell wie möglich zu eröffnen und die analytische Situation 
baldigst herzustellen. Beim kleineren Kinde äußert sich die Angst 
leicht in Angstanfällen. Im Latenzalter nimmt sie vorwiegend die 
Form mißtrauischer Abweisung an. Im Pubertätsalter mit 
seinen starken Affektäußerungen kommt es wieder zu akuten Angstentbindungen, 
die aber gemäß dem entwickelteren Ich den Charakter trotziger und heftiger 
Widerstände aufweisen und geeignet sind, den Abbruch der Analyse herbei- 
zuführen. Die Möglichkeit, schnell Angstquantitäten aufzulösen, ergibt sich in 
Analysen aller Altersstufen von vornherein aus der konsequenten Hand- 
habung und Auflösung der negativen Übertragung. Wenn wir uns 
aber zur Phantasie und zum Unbewußten den Zugang verschaffen wollen, so 
weist uns die dem Kinde — und zwar auch dem größeren Kinde — gemäße 
indirekte symbolische Darstellung den Weg. Indem durch Auflösung von Angst- 
quantitäten die Phantasie freier wird, haben wir nicht nur den Zugang zum 
Unbewußten erschlossen, sondern aktivieren mehr und mehr Mittel der Dar- 
stellung 16 auch in den Fällen, in denen wir von anscheinend phantasielosen Dar- 
stellungen aus den Zugang eröffnen. 

Ich fasse meine Ausführungen dahin zusammen: die besonderen primitiven 
psychischen Eigentümlichkeiten des kindlichen Seelenlebens machen eine ihnen 
angepaßte andersartige Technik nötig. Mittels der Technik der Spielanalyse ver- 
mögen wir zu den tiefsten verdrängten Erlebnissen und Fixierungen zu gelangen 
und damit die Entwicklung des Kindes von Grund aus zu beeinflussen. 



16) Dann aber wird auch die Sprache in dem Umfange, als das Kind sie beherrscht, 
zum Mittel der Analyse. Daß wir uns ganze Strecken der Analyse ohne die Sprache 
behelfen müssen, ergibt sich nur zum Teil aus der mangelnden Sprachfähigkeit des 
kleinen Kindes, zum anderen Teil aus der akuten Angst, die zur indirekteren Dar- 
stellung führt. Da die primäre archaische Darstellung am Spielzeug und durch Agieren 
ein wesentliches Ausdrucksmittel des Kindes ist, so könnten wir freilich mit der Sprache 

! allein nie eine tiefgehende Kinderanalyse durchführen; aber andrerseits scheint es mir 
;ein Erfordernis einer zu Ende geführten Analyse des Kindes jeden Alters zu sein, 
;daß das Kind auch von der Sprache, die die Brücke zur Realität herstellt, in vollem 
Maße in der Analyse Gebrauch mache. 

— 36 — 



Es handelt sich dabei nur um einen Unterschied der Technik, nicht 
des Behandlungsprinzipes. Die Analyse der Übertragungssituation und 
des Widerstandes, die Behebung der frühinfantilen Amnesie und der Aus- 
wirkungen der Verdrängung, sowie das Aufdecken der Urszene werden mittels 
der Spieltechnik durchgeführt. Es gelten also für diese Technik alle Kriterien 
des psychoanalytischen Verfahrens. Die Spielanalyse führt zu den 
gleichen Wirkungen wie die klassische Technik, nur in 
den technischen Maßnahmen paßt sie sich der kindlichen 
Seele an. 



ZWEITES KAPITEL 

JDie leamik der x. rünanalyse 

Im ersten Kapitel habe ich klarzulegen versucht, welche besonderen, vom 
Erwachsenen abweichenden psychischen Mechanismen und welche Analogien mit 
dem Erwachsenen wir beim kleinen Kinde wirksam finden. Auf diesen Unter- 
schieden und Ähnlichkeiten, welche eine besondere Technik erforderlich machen, 
baut sich die von mir ausgearbeitete Methode der Spielanalyse auf. 

Ich habe in meinem Behandlungszimmer auf einem Tischchen einfaches kleines 
Spielzeug liegen: kleine hölzerne Männchen, Frauchen, "Wagen, Autos, Züge, Tiere, 
Bausteine, Häuser, ferner Papier, Schere, Bleistifte. Auch das sonst spielgehemmte 
Kind betrachtet das Spielzeug zumindest, greift danach und gibt mir bald durch 
die Art, wie es damit zu spielen beginnt oder das Spielzeug weglegt und sich 
sonst dazu verhält, einen Einblick in seine Komplexe. Ich will nun an dem 
Auszug aus der Analyse eines kleinen Kindes die Grundzüge der Spieltechnik 
klarlegen. 

Die Erziehung des dreiunddreivierteljährigen Peter bereitete große Schwierig- 
keiten, da er überaus an die Mutter fixiert und sehr ambivalent war. Er ertrug 
Versagungen nicht, war vollkommen spielgehemmt und machte einen ungewöhn- 
lich ängstlichen, wehleidigen und nicht knabenhaften Eindruck. Zeitweise war 
er überaggressiv und höhnisch; er vertrug sich schlecht mit anderen Kindern, 
insbesondere mit dem jüngeren Bruder. Die Analyse sollte, da es in der Familie 
mehrere Fälle von schweren Neurosen gab, vorwiegend eine prophylaktische sein. 
Im Verlauf der Behandlung stellte sich jedoch bei Peter eine so schwere Neurose 
und ein solcher Grad von Gehemmtheit heraus, daß er wohl schon den An- 



— 27 



forderungen der Schule nicht hätte entsprechen können und früher oder später 
erkrankt wäre. 1 

Peter greift gleich zu Beginn der ersten Analysenstunde nach den Wagen und 
Autos und stellt sie hintereinander zu einer langen Reihe auf; dann stellt er die 
Wagen nebeneinander auf. Er wiederholt diese zweierlei Arten des Aufsteilens 
mehrere Male. Dazwischen hat er zwei mit Pferden bespannte Wägelchen wieder- 
holt so gegeneinander geschoben, daß die Füße der Pferde zusammenstoßen. Gleich 
darauf sagt er: „Ich habe ein Brüderchen Fritz bekommen." Ich frage ihn, was 
denn die Wagen machen? Er erwidert: „Das ist nicht schön", hört auch sofort 
damit auf, wiederholt es aber bald wieder. Dann läßt er einige Male zwei 
Pferdchen in der gleichen Art gegeneinander stoßen. Da ich nun sage: „Du, das 
soll zwei Menschen vorstellen, die so zusammenstoßen", antwortet er zuerst: 
„Nein, das ist nicht schön", dann: „Ja, das sind zwei Menschen, die zusammen- 
stoßen." Er fügt hinzu: „Die Pferde haben auch gestoßen, jetzt gehen sie schlafen." 
Er bedeckt sie dann ganz mit Bausteinen und meint: „Jetzt sollen sie ganz tot 
sein, ich habe sie eingegraben." In der zweiten Analysenstunde stellt er gleich 
wieder Wagen und Autos auf die zweierlei Arten auf; hintereinander zu einer 
langen Reihe und nebeneinander. Dazwischen läßt er wieder zwei Wagen und 
dann wieder zwei Lokomotiven — ebenso wie in der ersten Stunde — gegen- 
einander stoßen. Dann stellt er zwei kleine Schaukeln nebeneinander, zeigt mir 
den inneren, freibeweglichen, länglichen Teil und sagt: „Schau, wie das bammelt 
und stößt." Nun deute ich. Indem ich auf die bammelnden Schaukeln, die Loko- 
motiven, die Wagen, die Pferde verweise, sage ich: „Die sollen immer zwei 
Menschen - den Papa und die Mutti - vorstellen, die ihre Tüpödichen 2 (das 
war seine Bezeichnung für das Genitale) gegeneinander stoßen." Da widerspricht 
er: „Nein, das ist nicht schön", läßt aber immerfort weiter die Wagen aneinander 

i **,?" ?L lle . Erf ° l8 der zweihunde «aditundsiebenzig Stunden umfassenden Behand- 
lung (die sich mit Unterbrechungen über einen Zeitraum von zwei Jahren und drei 
Monaten erstreckte) zeigte sich in dem Schwinden der hier erwähnten Schwierig- 
keiten und in den weitgehenden günstigen Veränderungen im Wesen und Charakter 
des Kindes. Peter hat nicht nur die Angst, sondern auch die seinem ganzen Wesen 
aufgeprägte Ängstlichkeit verloren. Er ist heiter und vergnügt; die Spielhemmung ist 
behoben, das Verhältnis zu anderen Kindern wie auch insbesondere zu seinem jüngeren 
Bruder ein sehr gutes. In den Jahren, die seit Beendigung der Behandlung vergangen 
sind, hat der Knabe sich vorzüglich entwickelt. Er ist ein sehr guter Schüler, wißbegierig 
und lerneifng, auch geschickt in sportlichen Dingen, leicht erziehbar, allen sozialen 
Anforderungen vollkommen gewachsen. Hiebei ist hervorzuheben, daß schon während 
der Analyse und auch in den der Analyse folgenden Jahren schwere Erschütterungen 
des Familienlebens für das Kmd eine ungewöhnliche Belastung mit sich brachten. (Letzte 
Nachricht sechs Jahre nach Abschluß der Behandlung.) 

2) In den Frühanalysen gehören die individuellen Bezeichnungen für die Genitalien 
und die exkrememellen Funktionen zu den Dingen, die ich in den Vorbesprechungen 
mit der Mutter ,n Erfahrung bringe. Ich will hier allgemein bemerken, daß ich in 

- »8 - 



stoßen und sagt dazu: „So haben sie ihre Tüpödichen gegeneinander gestoßen." 
Gleich darauf erzählt er wieder von seinem kleinen Brüderchen. Auch in der ersten 
Stunde war ja auf das Aufeinanderstoßen der Wagen die Mitteilung gefolgt, er 
habe ein Brüderchen bekommen. Ich deute nun wieder: „Du hast dir gedacht, 
daß Papa mit Mutti die Tüpödichen zusammenstoßen und daß davon das 
Brüderchen Fritz gekommen ist." Nun läßt er auch einen dritten kleinen Wagen 
mitstoßen. Ich deute: „Das stellt dein Tüpödichen vor. Du wolltest mit Papas 
und Muttis Tüpödichen zusammen auch dein Tüpödichen mitstoßen." Darauf 
fügt er einen vierten Wagen hinzu und sagt: „Das ist Fritz", und stellt auf die 
zwei Lokomotiven die zwei kleinen Wagen auf. Dann auf einen Pferdewagen 
zeigend: „Das ist Papa" — einen anderen daneben stellend — „das ist Mutti". 
Nun wieder auf den Papa wagen zeigend: „Das bin ich" — auf den Mutti wagen 
zeigend: „das bin auch ich", womit er seine Identifizierung mit beiden koitierenden 
Elternteilen zeigt. Peter läßt nun die zwei kleineren Wagen immer wieder gegen- 
einander stoßen und erzählt von „zwei Pipihühnern", die er und sein Brüderchen 
in das Schlafzimmer ließen, „damit sie sich beruhigen; dort haben sie aber 
gestoßen und gespuckt. Er und Fritz sind aber nicht ungezogene Straßenjungen, 
sie spucken nicht". Als ich ihm deute, daß die Pipihühner die Tüpödichen von 
ihm und Fritz sind, die miteinander stoßen und spucken, also onanieren, stimmt 
er nach einigem Widerstand bei. 

Ich kann hier nur kurz berichten, wie unter der Wirkung der fortgesetzten 
Deutungen die durch das Spiel dargestellten Phantasien immer freier werden, 
dementsprechend sich die Spielhemmung verringert, das Spiel sich ausbreitet, 
gewisse Einzelheiten so lange wiederkehren, bis sie durch die Deutung klargelegt 
werden, um dann wieder anderen Einzelheiten Platz zu machen. Ebenso wie die 
Assoziationen zu den Traumstücken zur Aufdeckung des latenten 
Trauminhaltes führen, vermitteln die Einzelheiten der Spiel- 
handlungen, die den Assoziationen entsprechen, einen Einblick in den 
latenten Spielinhalt. Indem ferner in der Spielanalyse nicht weniger 
als in der Erwachsenenanalyse immer wieder die gegenwärtige Situation als 
Übertragungssituation aufgefaßt, die Beziehung zur ursprünglich 
erlebten oder phantasierten Situation hergestellt wird, gibt sie 
dem Kinde die Möglichkeit, diese Situation in der Phantasie voll durch- 
z u 1 e b e n und durchzuarbeiten. Dadurch aber und indem die Analyse 
auch die Infantilerlebnisse und grundlegenden Ursachen der Sexual- 
entwicklung aufdeckt, löst sie Fixierungen auf und macht Fehlent- 
wicklungen rückgängig. 

meiner Bezeichnung der Genitalien, der Exkremente usw. stets die Ausdrücke des Kindes 
diesem gegenüber verwende. Der Einfachheit halber führe ich aber in den nun folgenden 
Berichten aus anderen Analysen die individuellen Bezeichnungen des Kindes nicht mehr an. 

— 29 — 



Der jetzt folgende weitere Ausschnitt aus Peters Analyse soll den Nachweis 
erbringen, daß die in den ersten Analysenstunden gegebenen Deutungen durch 
spätere analytische Ergebnisse bestätigt wurden. Einige Wochen später wird Peter, 
als in der Analysenstunde ein Männchen umfällt, wütend. Gleich darauf fragt 
er nach der Konstruktion eines Autos und „wieso es stehen kann?" — zeigt mir 
dann ein winziges Reh, das umfällt, verlangt zu urinieren 3 und sagt dabei auf 
der Toilette: „Ich mache Pisch - ich h a b e ein Tüpödichen." Ein in einem 
Häuschen (von ihm die Toilette benannt) sitzendes Männchen, das er als einen 
Jungen bezeichnet, stellt er so auf, daß ein Hund, den er daneben stellt, „den 
Jungen nicht sehen darf und nicht beißen soll". Dagegen wird eine Frau so 
placiert, daß sie den Jungen sieht. Er sagt dazu: „Nur der Papa soll ihn nicht 
sehen." Damit ist die Identität des Hundes — es lag auch eine starke Hunde- 
phobie bei ihm vor - mit dem Vater und des defäzierenden Jungen mit ihm 
selbst deutlich geworden. Er läßt hierauf das früher wegen der Konstruktion 
bewunderte Auto immer wieder fahren, fragt plötzlich wütend: „Wann hält 
denn das Auto endlich an?", erklärt, daß einige von ihm aufgestellte Männchen 
nicht mitfahren dürfen, wirft sie um und stellt sie dann mit dem Rücken zum 

3) Wie ich im ersten Kapitel begründete, halte ich es auch in der Kinderanalyse 
zur Herstellung und Aufrechterhaltung der analytischen Situation für notwendig, daß 
der Analytiker ein rein analytisches Verhältnis zum Kinde einhält. Die Analyse des 
Kindes macht aber gewisse Modifizierungen dieses Prinzips erforderlich: zum Beispiel 
bin ich kleineren Kindern, die in diesem Punkte auch zu Hause noch besorgt werden, 
auf der Toilette behilflich. Ich schränke aber diese Hilfeleistung auf das Unumgäng- 
lichste ein nehme ihr dadurch den vom Unbewußten des Kindes gewünschten Charakter 
einer Liebesnandlung (oder setze zumindest diesen doch in der Realität wesentlich 
herab), dokumentiere also auch hiebei die freundliche Zurückhaltung, die mir zur Her- 
stellung und Aufrechterhaltung der analytischen Situation auch in der Kinderanalyse 
nötig scheint Ferner ist es erforderlich, daß der Analytiker die durch die Analyse 
gewahrte Befriedigung ebenso wie die tieferen Motive, die den Wunsch nach dieser 
Befriedigung auslosten, mit in die Analyse einbezieht und den Zusammenhang mit den 
vorherigen und nachherigen Einfällen und Spielhandlungen herstellt. Im Falle von 

■£Ti. Ft. f °! S J te L der be , im Urinie ™ gemachten Bemerkung: „Ich mache Pisch" 
- „ich habe em Tupodichen ' das Spiel mit dem Jungen auf der Toilette. Die Einzel- 
heiten des anschließenden Spieles nämlich daß der Vaterersatz (der Hund) den Jungen 
SLIa T01 \ me r ^ ^Jien sollte, die Frau aber ihn sehen sollte, gewährten einen 
Einblick in die Grunde, die Peters Urindrang und seinen Wunsch, beim Urinieren von 
mir gesehen zu werden, kurz vorher ausgelöst hatten. In gleicher Weise analysiere ich 
auch die Grunde,, warun .das . Kind mir diese oder jene Rolle im Spiele zuweist, diese 

IIJZIa t 1Sm l Vt 0de f Se ff Puppen ° der Tiere von mir wünscht. Wie 
", gkn au f ln d <L r An ^ se des kleinen Kindes die analytische Situation her- 
stellbar ist, geht zum Beispiel aus der Tatsache hervor, daß in der Analyse wirklich 

AI« i! ,0 t 4C ^ 3Udl bd kWn Kbdwn SeW A-nahmefäik 
Kinder a „f, '" Zeiten stärkster positiver Übertragung es kaum vorkommt, daß 

Kinder auf meinen Schoß klettern oder mich küssen und umarmen, ja, daß sogar 
ereilet. ' An ^™ nden *• «■* bei kleinen Kindern 'nicht hlufig 

- 3o - 



Auto wieder auf, neben dem er noch eine ganze Reihe von Autos und Wagen 
(und zwar wieder nebeneinander) anordnet. Er äußert plötzlich Stuhldrang, 
begnügt sich aber damit, den defäzierenden Spieljungen zu fragen, wann er fertig 
sei, bewundert von neuem das Auto und schwankt nun dauernd zwischen Be- 
wunderung und "Wut gegenüber dem immer fahrenden Auto, dem Stuhldrang und 
der Anfrage an den Jungen. 

Peter hat in dieser Analysenstunde folgendes dargestellt: Das immer wieder 
umfallende Männchen, das Reh usw. bedeutete sein im Vergleich zum erigierten 
väterlichen Penis minderwertiges Genitale. Das daran anschließende Urinieren 
sollte ihm und mir das Gegenteil beweisen. Das bewunderte und beschimpfte 
„immer fahrende" Auto war der wiederholt koitierende väterliche Penis respektive 
Vater. Nach dieser Bewunderung trat Wut und Stuhldrang auf, der eine Wieder- 
holung der Stuhlentleerung darstellte, die das Kind bei der Urszene gehabt hatte. 
Diese war durch den Wunsch, die Eltern im Koitus zu stören und durch Phan- 
tasien, sie mittels der Exkremente zu beschädigen, determiniert gewesen; auch be- 
deutete dem Knaben die Stuhlstange einen Ersatz für seinen minderwertigen Penis. 

Ich stelle nun den Zusammenhang mit den besprochenen ersten Analysen- 
stunden im groben her. Die gleich in der ersten Analysenstunde hintereinander 
zu einer langen Reihe aufgestellten Autos bedeuten das mächtige väterliche 
Genitale, die Aufstellung der Vehikel nebeneinander symbolisiert die häufige " 
Wiederholung des Koitus, also die Potenz des Vaters, die er später auch durch 
das „immer fahrende" Auto ausdrückt. Die Wut, die er als Zuschauer des 
elterlichen Koitus empfand, äußerte sich schon in der ersten Analysenstunde darin, 
daß er die schlafenden Pferdchen „tot und begraben" wünschte und durch den 
diesen Wunsch begleitenden Affekt. Daß aber diese Darstellungen der Urszene, 
mit der die Analyse eingesetzt hatte, tatsächlich zu den verdrängten Infantil- 
erlebnissen geführt hatten, beweist der in der Vorbesprechung erstattete Bericht 
der Eltern: der Knabe hatte nur zu einer Zeit das Schlafzimmer der Eltern geteilt 
— im Alter von achtzehn Monaten bei einem Sommeraufenthalt. Er wurde damals 
besonders schwierig, schlief sehr unruhig und begann wieder stark zu schmieren 
(er war zu dieser Zeit schon seit einigen Monaten fast sauber gewesen). — Das 
herabgelassene Gitter des Kinderbettes verhinderte nicht, aber es erschwerte dem 
Knaben die Beobachtung des elterlichen Koitus; das hatte er symbolisch durch die 
umgefallenen, mit dem Rücken zur Wagenreihe befindlichen Männchen dargestellt; 
zugleich drückte das Umfallen aber auch sein Impotenzgefühl aus. Bis dahin hatte 
der Knabe auffallend gut gespielt; von dieser Zeit an wußte er mit Spielzeug 
nichts anderes anzufangen, als es zu zerstören. Schon in der zweiten Analysen- 
stunde hatte Peter den Zusammenhang zwischen den Koitusbeobachtungen und 
dem Zerstören des Spielzeuges zur Darstellung gebracht. Nachdem er die neben- 
einander aufgestellten — den väterlichen Penis symbolisierenden — Autos in 

- 3a - 



Bewegung gesetzt hatte, schleuderte er das Spielzeug voller Wut in alle Ecken 
und sagte: „Wir machen immer gleich unsere Weihnachtsgeschenke kaputt, wir 
wollen keine haben." Die Zerstörung des Spielzeuges galt also im Unbewußten 
dem väterlichen Genitale. Diese Zerstörungslust und Spielhemmung brachte Peter 
auch in die Analyse mit, in deren Verlauf sie — ebenso wie die anderen Schwierig- 
keiten — behoben wurden. 

Die detaillierte Aufdeckung der Urszene eröffnete den Zugang zur Analyse 
von Peters ausgesprochen passiv-homosexueller Einstellung. Den Darstellungen 
des elterlichen Koitus folgten wieder Phantasien des Koitus zu dritt, die starke 
Angst auslösten und durch Phantasien des Koitus mit dem Vater abgelöst wurden: 
z. B. der Hund, die Lokomotive oder das Auto — den Vater darstellend — 
klettern auf einen Wagen oder ein Männchen, das ihn selbst vorstellt. Dabei wird 
der Wagen beschädigt oder dem Männchen wird etwas abgebissen. Hierauf setzte 
starke Angst und Aggression gegen das den Vater darstellende Spielzeug ein. 
An diesem Auszug aus Peters Analyse will ich nun einige der Hauptgesichts- 
punkte, die meiner Technik zugrunde liegen, illustrieren. Sowie das Kind, sei es 
durch Spiel, durch Zeichnungen, Phantasien oder auch nur durch sein Gehaben, 
einen Einblick in seine Komplexe gegeben hat, kann und soll die Deutung ein- 
setzen. Dieses Vorgehen widerspricht nicht der erprobten Regel, die Übertragung 
zu sichern, bevor man deutet, denn die Übertragung setzt beim Kinde 
sofort ein und der Analytiker erhält oft sogleich Anzeichen einer positiven 
Übertragung. Zeigt aber das Kind von vornherein Scheu, Angst oder auch 
nur mangelndes Zutrauen, so ist dieses Verhalten als Anzeichen negativer 
Übertragung zu werten, die das möglichst schleunige Einsetzen des Deutens 
unbedingt nötig macht. Die Deutung baut die negative Übertragung ab, indem 
sie die negativen Affekte auf die ursprünglichen Situationen und Objekte zurück- 
führt. Wenn zum Beispiel die sehr ambivalente Rita 4 in Widerstand geriet, 
wollte sie sofort das Zimmer verlassen, und ich sah mich genötigt, sogleich zu 
deuten, um diesen Widerstand aufzulösen. Wenn ich ihr dann die Ursache dieses 
Widerstandes — immer mit Zurückführung auf das ursprüngliche Objekt und die 
ursprüngliche Situation — klar gemacht hatte, war der Widerstand aufgelöst, 
Rita wurde wieder zutraulich, das Spiel nahm seinen Fortgang und brachte dann 
in Einzelheiten die Bestätigung der Deutung. 

Sehr eindrucksvoll zeigte sich mir die Notwendigkeit unmittelbaren Deutens 
auch in einem anderen Falle. Es handelt sich um die dreiundeinvierteljährige 
T r u d e, 5 die nur eine einzige Analysenstunde bei mir hatte, da die Behandlung 
dann infolge äußerer Umstände verschoben wurde. Das stark neurotische, un- 



4) Siehe Kap. I. 
j) Siehe Kap. I. 



- 3a - 



gewöhnlich an die Mutter fixierte Kind betrat mit Angst und Unlust mein 
Zimmer und ich war genötigt, bei offener Türe leise zu sprechen. Aber bald hatte 
mir das Kind einen Einblick in seine Komplexe geboten: Trude sagte, daß die 
Blumen aus der Vase entfernt werden sollten; sie warf ein Spielmännchen, das 
sie in einen Wagen gelegt hatte, wieder aus dem "Wagen heraus und beschimpfte 
es- aus ihrem Bilderbuch (das sie mitgebracht hatte) sollte ein Mann mit einem 
hohen Hut entfernt werden; auch meinte sie, die Kissen seien durch einen Hund 
in Unordnung gebracht worden. Meine Deutung, daß sie den Penis des Vaters 
zu entfernen wünsche, 6 weil er die Mutter (dargestellt durch die Vase, den Wagen, 
das Bilderbuch und das Kissen) in Unordnung bringe, verminderte die Angst 
sofort und bewirkte, daß die Kleine viel zutraulicher ging als sie gekommen war 
und zu Hause den Wunsch äußerte, wieder zu kommen. Als die Analyse ein 
halbes Jahr später wieder aufgenommen wurde, ergab sich, daß Trude die Ein- 
zelheiten dieser einen Analysenstunde in Erinnerung behalten hatte und daß durch 
die Deutungen ein Stück positiver Übertragung — beziehungsweise Verminderung 
der negativen — erzielt worden war. 

Ein anderes Grundprinzip der Spieltechnik geht dahin, daß die Deutung 
der Tiefe nach bis zu der Schicht herab geführt werden muß, die aktiviert 
wurde. Peter hatte zum Beispiel in der zweiten Analysenstunde nach dem Fahren- 
lassen der Autos ein Männchen auf ein von ihm als Bett bezeichnetes Bänkchen 
gelegt, es von dort wieder hinuntergeworfen und erklärt, daß es nun tot und 
kaputt sei. Gleich darauf aber wiederholte er diesen Vorgang mit zwei Männchen, 
wozu er allerdings auch schon zwei beschädigte Figuren aussuchte. Ich deutete 
ihm damals an Fland des Materials, daß das eine Männchen der Vater sei, den 
er vom Bett der Mutter hinunterwerfen und töten wolle, das zweite aber er 
selbst, dem das gleiche durch den Vater geschehen würde. 7 Im Anschluß an die 
spätere, durch die Klarlegung aller Einzelheiten vervollständigte Aufdeckung der 
Urszene kehrte nun die Darstellung der zwei kaputten Männchen in verschiedenen 
Ausführungen wieder. Nun erwies sie sich aber durch die (zum Teil auch aus. der 
Urszene folgende) Angst vor der Mutter als Kastratorin determiniert. Die Mutter, 
die in der Phantasie des Kindes den Penis des Vaters in sich aufgenommen, ihn 
aber dem Vater nicht wiedergegeben hat, wird für den Knaben zum Angstobjekt, 

6) Bei Trude stand der ungewöhnlich starke Kastrationskomplex im Vordergrunde 
und beherrschte während eines Teils der Analyse das Bild. Hinter dem Kastrations- 
komplex deckte die Analyse (s Kap. I) die Angst, von der Mutter angegriffen, des 
Leibesinhaltes und der Kinder beraubt und innerlich schwer beschädigt zu werden, als 
die tieferliegende und grundlegende Angst auf. 

7) Diese Deutung — wie überhaupt die der Todeswünsche in allen Kinderanalysen — 
erregte heftigsten Widerstand. Die Bestätigung aber brachte Peter in der nächsten 
Stunde, indem er unvermittelt fragte: „Und wenn ich ein Papa wäre und man mich 
hinter das Bett werfen und tot und kaputt machen wollte, was würde ich dazu sagen?" 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

— 33 — 3 



weil sie den furchterregenden väterlichen Penis (beziehungsweise Vater) in sich 
trägt. 8 Ein anderes Beispiel aus der gleichen Analyse: In der zweiten Analysen- 
stunde hatte ich das von Peter erbrachte Material dahin gedeutet, daß er mit 
seinem Bruder mutuelle Onanie betreibe. Sieben Monate später berichtete mir der 
damals vier Jahre und vier Monate alte Peter einen langen, reiches Material 
zutage fördernden Traum, von dem ich hier nur einen Auszug bringe. 

»Zwei Schweine waren in ihrem Stall und in meinem Bett. Im Stall haben sie 
miteinander gefressen. Es waren auch in meinem Bett in einem Boot zwei Jungen, 
die waren aber schon groß, so wie Onkel G. (erwachsener Bruder der Mutter) 
und E." (seine ältere Freundin, die aber nach seiner Meinung fast erwachsen war). 
Die Assoziationen zu dem Traume erhielt ich in diesem Falle vorwiegend durch 
die Sprache. Sie ergaben, daß die Schweine ihn und den Bruder darstellten; das 
Fressen bedeutete die gegenseitige Fellatio. Die Schweine stellten aber auch die 
miteinander koitierenden Eltern dar, und es erwies sich, daß die sexuelle Beziehung 
zum Bruder sich auf der Identifizierung mit dem Vater und der Mutter aufbaute, 
wobei Peter in der Phantasie abwechselnd die Rolle des Vaters und der Mutter 
übernahm. Nachdem ich dieses Material gedeutet hatte, begann Peter die nächste 
Analysenstunde mit einem Spiel am Waschbecken: er legt zwei Bleistifte auf 
einen Schwamm und sagt: „Das ist das Boot, auf dem Fritz (sein kleinerer 
Bruder) und ich fahren." Er schreit dann mit tiefer Stimme (die er oft annahm, 
wenn sein Über-Ich in Wirksamkeit trat) die zwei Beistifte an: „Ihr sollt nicht 
immer so zusammenstecken und Schweinereien machen." Dieser durch sein Über- 
Ich ihm selbst und dem Bruder erteilte Tadel galt aber auch den (durch Onkel G. 
und die große Freundin E.) dargestellten Eltern 9 und löste wieder die Affekte 
aus, die er beim Erleben der Urszene gegen die Eltern empfunden hatte. Diesen 
Affekten hatte er auch schon in der zweiten Analysenstunde unter anderem 
dadurch Ausdruck gegeben, daß er die zusammenstoßenden Pferdchen tot und 
begraben wünschte. Trotzdem aber war noch nach sieben Monaten die Analyse 
dieses Materials nicht beendigt. Die Aufklärung der Beziehungen zwischen diesem 
Erlebnis und seiner ganzen Sexualentwicklung (insbesondere auch für den Aufbau 
der Beziehung zu seinem Bruder) sowie das Durcharbeiten waren also in keiner 
Weise durch meine am Anfang der Analyse gegebenen tiefführenden Deutungen 
behindert worden. Ich bringe diese Beispiele zur Begründung meiner empirisch 
gewonnenen Auffassung, daß der Analytiker auch am Anfange der Analyse vor 

8) Siehe Kap. VIII. 

9) Peter hatte unter den in verschiedener Größe vorhandenen Bleistiften zwei lange 
gewählt; damit brachte er auch zum Ausdruck — was am Vortage die Assoziationen 
schon erwiesen hatten — , daß die beiden, verbotene Dinge treibenden Personen (die 
Schweine) nicht nur ihn selbst und den Bruder, sondern auch die Eltern darstellten, 
ferner, daß er sich und den Bruder in der mutuellen Onanie mit Vater und Mutter 
identifizierte. 

- 3 4 - 



dem tiefgehenden Deuten nicht zurückschrecken soll, da das einer tieferen Schicht 
angehörige Material später wiederkehrt und dann durchgearbeitet wird. Die tief- 
gehende Deutung eröffnet nur den Weg zum Unbewußten, vermindert die akti- 
vierte Angst und leitet damit die analytische Arbeit ein. 

Ich habe im Verlaufe meiner Ausführungen wiederholt die spontane 
Übertragungsfähigkeit des Kindes hervorgehoben. Sie beruht zum 
Teil auf der im Vergleich zum Erwachsenen so viel akuteren Angst 
des kleinen Kindes und seiner größeren Angstbereitschaft. Eine der 
größten psychischen Leistungen des Kindes — wenn nicht seine größte — , die 
einen Hauptteil seiner psychischen Energien in Anspruch nimmt, ist die Bewälti- 
gung seiner Angst. Es wertet deshalb unbewußt die Objekte vor allem 
danach, ob sie seine Angst beruhigen oder erregen, und wendet ihnen, 
je nachdem, seine positive oder negative Übertragung zu. Bei 
kleinen Kindern mit starker Angstbereitschaft drückt sich oft die negative Über- 
tragung sogleich als ausgesprochene Angst aus. Beim größeren Kinde — und dies 
gilt insbesondere vom Kinde im Latenzalter — nimmt die negative Übertragung 
im allgemeinen den Charakter der Ablehnung oder der mißtrauischen Zurück- 
haltung an. Im Kampfe mit seiner Angst vor den ihm nahestehenden Objekten 
ist das Kind geneigt, die Angst an andere, fremde Objekte zu heften (die Ver- 
schiebung der Angst ist ja ein "Weg zu ihrer Verarbeitung) und in diesen die 
Verkörperung der „bösen Mutter" oder des „bösen Vaters" zu sehen. Das 
stark neurotische Kind, bei dem das Gefühl des Bedrohtseins überwiegt, 
das also stets die „böse Mutter" oder den „bösen Vater" erwartet, reagiert 
aus diesem Grunde auf jeden Fremden mit Angst. Wir müssen der 
Angstbereitschaft des Kindes Rechnung tragen (dies gilt auch bis zu einem gewissen 
Grade vom größeren Kinde), selbst wenn es sich in der Analyse zunächst 
positiv verhält, und darauf vorbereitet sein, sehr bald, sobald nämlich etwas 
Komplexbetontes auftaucht, auf die negative Übertragung zu stoßen. 
Wir ermöglichen und sichern die analytische Arbeit und stellen die analytische 
Situation her, indem wir die negative Übertragung — sobald wir ihre Anzeichen 
erkannt haben — auf uns beziehen, zugleich aber mit Hilfe der Deutung auf die 
ursprünglichen Objekte und Situationen zurückführen und dadurch Angstquan- 
titäten auflösen. Die Deutung hat bei einem dringlichen Punkt des unbewußten 
Materials einzusetzen und eröffnet so den Zugang zum Unbewußten. Die Dring- 
lichkeit des Materials gibt sich in der Häufung, der wiederholten (oft- 
mals auch auf verschiedene Arten ausgedrückten) Darstellung des gleichen Spiel- 
gedankens kund (bei Peter in der ersten Analysenstunde: die Aneinanderreihung 
der Wagen der Länge und der Breite nach, das wiederholte Gegeneinanderstoßen 
der Wagen, Lokomotiven, Pferde), ferner durch die bei diesen Darstellungen zum 
Ausdruck kommende Intensität. Diese ist ein Gradmesser für die mit dem 

- 35 - 6* 



dargestellten Inhalt verbundene Affekt läge. Übersieht man aber die auf 
diese Weise veranschaulichte Dringlichkeit des Materials — d. h. wird es nicht 
als Material erkannt — , so kommt es in den meisten Fällen zum Abbruch des 
Spieles; starker Widerstand oder direkte Angst (oft mit dem Wunsche weg- 
zulaufen usw.) treten auf. Wir kupieren oder vielmehr wir dosieren also 
mit Hilfe der rechtzeitig (d. i. sobald es das Material ermöglicht) ein- 
setzenden Deutung die A n g s t auch in den Fällen, in denen die Analyse im 
Zeichen der positiven Übertragung beginnt. Die Unerläßlichkeit des baldmöglich- 
sten Deutens, sobald sich Angst oder Widerstand manifestiert, oder in den Fällen, 
in denen die Analyse mit der negativen Übertragung beginnt, habe ich früher 
ausführlich begründet. Aus dem Gesagten ergibt sich nicht nur die Notwendigkeit 
des rechtzeitigen, sondern auch des tieffnhrenden Deutens. Wenn wir 
uns von der Dringlichkeit des Materials leiten lassen, so haben wir nicht nur dem 
dargestellten Inhalt, sondern auch den mit diesem Inhalt verknüpften Angst- 
und Schuldgefühlen bis zu der Schicht zu folgen, die aktiviert wurde. 
Nehmen wir na* dem Vorbild der Erwachsenenanalyse den Kontakt mit den 
oberen, dem Ich und der Realität näheren Schichten zuerst auf, so werden wir 
— davon habe ich mich wiederholt überzeugt — unser Ziel, die Angst zu ver- 
mindern und die analytische Situation herzustellen, beim Kinde nicht erreichen. 
Das gleiche gilt auch für bloße Symbolübersetzungen, also für Deutungen, 
die nur an die symbolische Darstellung anschließen, ohne die Verbindung mit 
der Angst und dem Schuldgefühl herzustellen. Eine Deutung, die nicht bis zu der 
vom Material und der Angst aktivierten T i e f e führt, die also nicht den Punkt 
des stärksten latenten Widerstandes angreift und am Abbau 
der vehementesten, im Vordergrunde stehenden Angst arbeitet, bleibt 
in der Kinderanalyse wirkungslos oder erregt stärkeren Widerstand, ohne ihn 
wieder aufzulösen. Daß diese Deutungen aber keineswegs die Angst der tieferen 
Schichten voll aufgelöst haben, versuchte ich vorhin am Beispiel Peters deutlich 
zu machen. Auch die analytische Arbeit in den oberen Schichten — die Ich- 
Analyse^ und die analytische Durchforschung der Realitätsbeziehung — wird 
durch die so bald in die Tiefe führenden Deutungen keineswegs beeinträchtigt. 
Die Herstellung der Realitätsbeziehung sowie das stärkere Hervortreten 
des Ichs setzen im Zusammenhang mit einem Stück Ichentwicklung in der 
Kinderanalyse nur stufenweise ein. Sie sind ein Resultat der Analyse 
und nicht ihre Voraussetzung. 

In meinen bisherigen Ausführungen habe ich im wesentlichen Beispiele für die 
typische Einleitung und den typischen Verlauf einer Frühanalyse mitgeteilt. Ich 
will nun auf einige ungewöhnliche Schwierigkeiten, die mich zu besonderen techni- 
schen Mitteln nötigten, eingehen. Schon der FallTrudes, 10 die gleich beim 



Eintritt in meine Wohnung große Ängstlichkeit gezeigt hatte, hatte mir bewiesen, 
daß in solchen Fällen ein schnelles Deuten der einzige Weg zum Abbau der Angst 
und zur Einleitung der Analyse ist. 

Die vierundeinvierteljährige' Ruth war eines jener Kinder, deren Ambivalenz 
sich in der Weise äußert, daß sie an die Mutter und einzelne weibliche Personen 
übermäßig fixiert sind, gegen andere aber — insbesondere gegen Fremde — 
heftige Abneigung empfinden. Schon von einem sehr frühen Alter an war Ruth 
zum Beispiel an ein neues Kindermädchen nicht zu gewöhnen, schloß sich aber 
auch an andere Kinder nur sehr schwer an. Neben starker Angst, die häufig zu 
Angstausbrüchen führte, und verschiedenen anderen neurotischen Erscheinungen, 
lag bei dem Kinde auch eine allgemeine Ängstlichkeit vor. In der ersten Analysen- 
stunde weigerte sich Ruth entschieden, mit mir allein im Zimmer zu bleiben; 
ich entschloß mich deshalb, die ältere Schwester zur Analyse hinzuzuziehen. 11 Meine 
Absicht war, eine positive Übertragung herzustellen, um so die Möglichkeit des 
Alleinarbeitens mit dem Kinde zu erreichen; aber alle Versuche, wie z. B. ein- 
fach mit ihr zu spielen, auf ihre Gespräche einzugehen u. dgl., scheiterten. Das 
Kind spielte zwar mit dem Spielzeug, wendete sich aber dabei nur an die 
Schwester — obwohl diese sich ganz passiv verhielt — und ignorierte mich voll- 
ständig. Die Schwester sagte mir, daß sie meine Bemühungen für aussichtslos 
halte, und daß ich mein Ziel, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen, auch nicht 
einmal in einem mehrwöchigen Zusammensein, geschweige denn in stundenweisem 
Verkehr erreichen würde. Ich sah mich deshalb zu einem anderen Vorgehen 
genötigt und gewann dadurch wieder einen schlagenden Beweis für die Wirk- 
samkeit der Deutung als Mittel zum Abbau der Angst und der negativen Über- 
tragung. Das Kind hatte sich wiederum die ganze Zeit über mit der Schwester 
unterhalten; es zeichnete dann ein Glas, in dieses hinein kleine Kugeln und eine 
Art Deckel und erwiderte auf die von mir vergebens gestellte, dann von der 
Schwester wiederholte Frage, wozu der Deckel sei, „damit die Kugeln nicht 
herauslaufen können". Vorher aber hatte Ruth die Tasche der Schwester durch- 
sucht und fest verschlossen, damit nichts von dort herausfalle; dasselbe hatte sie 
mit der Börse vorgenommen, in der sie die Geldstücke in ähnlicher Weise gesichert 
hatte. Überdies war mir das hier erbrachte Material auch schon in den vorher- 
gehenden Stunden ganz deutlich geworden. 12 Ich machte nun einen Versuch und 

n) Die etwa zwanzig Jahre ältere Stiefschwester Ruths war ein sehr verständnis- 
volles Mädchen, das selbst in Analyse gewesen war. Ich habe auch in einem anderen 
Falle mich zur Zuziehung der Begleitperson bereit finden müssen. Diese Maßnahme, 
obwohl in beiden Fällen unter ungewöhnlich günstigen Umständen vorgenommen, 
empfehle ich aus vielen Gründen nur im alleräußersten Falle, wenn alle anderen Mittel 
versagen. 

12) Der Wunsch, den Leib der Mutter zu berauben und die daraus resultierenden 
Angst- und Schuldgefühle beherrschten in dieser Analyse von Anfang an das Bild. Der 

- 3 7 — 



erklärte Ruth, daß die Kugeln im Glase wie auch die Geldstücke in der Börse 
und der Inhalt der Tasche Kinder in Muttis Bauch vorstellen, die sie darin fest 
verschließen wolle, damit sie nicht noch mehr Geschwister bekäme. Die Wirkung 
der Deutung war überraschend. Zum ersten Male wandte sich die Kleine mir 
voll zu und begann auf eine veränderte, freiere Art zu spielen. 13 Trotzdem war 
es nicht möglich, das Kind mit mir allein im Behandlungszimmer zu lassen. Es 
reagierte mit Angstanfällen. Da sich infolge der analytischen Arbeit die negative 
Übertragung deutlich verminderte (respektive die positive sich befestigte), zog 
ich es vor, die Analyse in Gegenwart der Schwester fortzusetzen. Nach drei 
Wochen erkrankte die Schwester. Ich sah mich nun vor die Alternative gestellt, 
entweder die Analyse abzubrechen oder einen Angstanfall zu riskieren. Ich wählte 
im Einvernehmen. mit den Angehörigen den letzteren Weg. Das Kind wurde mir 
im Korridor übergeben und die Begleitperson entfernte sich, obwohl das Kind 
weinte und schrie. Auch in dieser überaus peinlichen Situation versuchte ich zu- 
nächst die Beruhigungsmittel, die man in einem solchen Falle auf eine nicht- 
analytische, einfach mütterliche Art einem Kinde gegenüber anwendet. Ich sprach 
Ruth zu, tröstete sie, versuchte mit ihr zu spielen, aber alles scheiterte. Das Kind 
war mir zwar, als es sich mit mir allein sah, zögernd ins Zimmer gefolgt, schien 
aber völlig unzugänglich, schrie, war schneeweiß im Gesicht und zeigte alle An- 
zeichen eines schweren Angstanfalles. Ich hatte mich inzwischen zum Spieltischchen 
gesetzt und begann nun selbst zu spielen," wobei ich Ruth, die angsterfüllt in 
einer Ecke saß, immer berichtete, was ich spiele. Ich hatte, einem Einfalle folgend, 
das Material der letzten Stunde zum Gegenstand meines Spieles gemacht. Das 
Kind hatte zuletzt, am Waschbecken spielend, den Püppchen Nahrung gegeben, sie 
mit großen Gefäßen von Milch versorgt usw. Ich legte nun ebenfalls eines dieser 
Püppchen schlafen, erzählte Ruth, daß ich dem Püppchen noch etwas zu essen 
geben würde und fragte sie, was das sein solle? Sie unterbrach ihr Schreien, um 
zu antworten: „Milch." Dabei bemerkte ich, wie sie plötzlich mit den zwei 



Ausbruch der Neurose hatte auch an die Schwangerschaft der Mutter und die Geburt 
des Schwesterchens angeschlossen. 

13) Wie ich früher hervorhob, ist es eine typische Wirkung der Deutung, daß das 
Spiel sich verändert und das Material deutlicher erkennen läßt oder neues Material 
ergibt. 

14) Ich bringe in besonders schweren Fällen die gleiche technische Maßnahme unter 
Umstanden auch zur Einleitung der Analyse in Anwendung. Wenn das Kind sich voll- 
standig ablehnend verhält, wobei die latente Angst deutlich erkennbar ist, so finde ich 
es vorteilhaft, ihm gewissermaßen ein „Reizwort" zuzuwerfen, indem ich selbst zu 
spielen beginne. Ich beschränke mich allerdings bei diesem Mittel auf das geringste Maß. 
Ich stelle zum Beispiel aus kleinen Bausteinen mehrere Bänkchen zusammen und stelle 
vor diesen einige Figürchen auf. Das eine Kind erklärt es für eine Schule und setzt 
dementsprechend das Spiel selbst fort, das andere Kind hält es für ein Theater und 
laßt daraufhin einige Figuren agieren usw. 

- 38 - 



T 



Fingern, an denen sie zu Hause vor dem Einschlafen zu lutschen pflegte, eine 
Bewegung zum Munde machte, sie aber gleich wieder zurückzog. Ich fragte Ruth, 
ob sie lutschen möchte, sie sagte: „Ja, aber richtig." Ich hatte erfaßt, daß sie die 
häusliche Situation des Einschlafens hergestellt wünschte, legte sie auf die Chaise- 
longue und deckte sie auf ihr Verlangen mit einer Decke zu. Daraufhin begann 
sie zu lutschen. Sie lag nun zwar noch immer bleich und mit geschlossenen Augen, 
aber doch sichtlich viel ruhiger da und hatte auch aufgehört zu weinen. Inzwischen 
setzte ich das begonnene Spiel fort und ließ die Püppchen das Spiel der vorigen 
Stunde wiederholen. Als ich, wie Ruth es damals gemacht hatte, einen nassen 
Schwamm neben ein Püppchen legte, begann Ruth neuerlich zu schreien und 
schluchzte: „Nein, den großen Schwamm soll sie nicht nehmen, der ist nicht 
für Kinder, nur für Erwachsene". Zur Erklärung muß ich bemerken, daß diese 
letzte Stunde ebenso wie die vorhergehenden sehr viel Material für den Neid auf 
die Mutter ergeben hatte. Ich deutete Ruth nun dieses Material im Anschluß an 
ihren Protest gegen den großen Schwamm, der den Penis des Vaters darstellte. 
Ich wies ihr mit allen Einzelheiten nach, daß sie die Mutter um den im Koitus 
einverleibten Penis des Vaters beneide und sie deshalb hasse. Sie habe auch den 
väterlichen Penis und die Kinder aus dem Bauche der Mutter rauben und die 
Mutter töten wollen. Ich erklärte ihr auch, daß sie deshalb Angst habe und 
fürchte, von der Mutter verlassen zu werden, oder sie getötet zu haben. Diese 
Deutungen gab ich in vorliegendem Falle auf folgende Weise. Ich bezog immer 
wieder vorerst die Dinge auf das Püppchen (indem ich während des Spieles 
erklärte, daß es und warum es Angst habe und schreie) und ging dann dazu über, 
die Deutung, die ich für das Püppchen gegeben hatte, auch für ihre Person 
zu wiederholen und so die volle analytische Situation herzustellen. 
Ruth wurde dabei zusehends ruhiger, öffnete die Augen und ließ es bald ge- 
schehen, daß ich das Spieltischchen zur Chaiselongue hinschob und dort, nun dicht 
neben ihr, das Spiel und zugleich die Deutungsarbeit fortsetzte. Nach und nach 
richtete Ruth sich auf, beobachtete mit lebhaftem Interesse den Fortgang des Spiels 
und begann sich aktiv daran zu beteiligen. Als Ruth abgeholt wurde, war sie zum 
Erstaunen der Begleitperson lustig und munter und verabschiedete sich freundlich, 
ja sogar liebevoll von mir. Zu Beginn der nächsten Stunde zeigte sie, als sich die 
Begleitperson entfernte, wohl wieder Angst, es kam aber nicht mehr zu einem 
ausgesprochenen Angstanfall. Sie weinte auch nicht mehr, flüchtete allerdings gleich 
wieder auf die Chaiselongue und nahm von selbst mit geschlossenen Augen und 
lutschend die gleiche Stellung wie das letztemal ein. Ich konnte gleich neben der 
Chaiselongue sitzend das Spiel der vorigen Stunde wieder beginnen, und der ganze 
Vorgang wiederholte sich ähnlich wie beim ersten Mal, aber abgekürzt und ab- 
geschwächt. Nach einigen Stunden waren wir so weit, daß wir zu Beginn der 
Stunde nur mehr die Andeutung eines Angstanfalles hatten. 

- % - 



Die Analyse dieser Angstanfälle ergab, daß sie die Wiederholung des Pavor 
nocturnus 15 darstellten, der im Alter von zwei Jahren bei Ruth besonders stark 
aufgetreten war. Damals war die Mutter schwanger gewesen, und Ruths Wunsch, 
das im Leib der Mutter befindliche Kind zu rauben, die Mutter selbst auf viel- 
fache Art zu beschädigen und zu töten, hatte infolge der starken, als Reaktion 
auf diese Begierden ausgelösten Schuldgefühle die Fixierung an die Mutter über- 
mäßig verstärkt. Der Abschied vor dem Einschlafen bedeutete für 
Ruth einen Abschied für immer, 16 weil sie infolge der Raub- und Todes- 
wünsche gegen die Mutter folgende Befürchtungen hatte: dauernd von der 
Mutter verlassen zu werden, oder die Mutter nicht mehr lebend 
wiederzusehen, oder anstatt der sich von ihr verabschiedenden, zärtlichen Mutter 
die „böse Mutter" zu finden und von dieser in der Nacht angegriffen zu 
werden. Diese Befürchtungen waren auch die Ursache, daß Ruth das Allein- 
bleiben nicht ertrug. Bei mir gelassen zu werden, bedeutete für sie, von der 
„guten" Mutter verlassen zu sein, wobei sie ihre Angst vor der 
„b ö s en", strafenden Mutter voll aufmichübertr u g. Die analytische Auf- 
deckung dieser Zusammenhänge führte auch, wie gesagt, zur Behebung der Angst- 
anfälle und zur Einleitung der normalen analytischen Arbeit. 17 

Die Technik, die ich bei der Analyse der Angstanfälle Ruths anwendete, hat 
sich auch in einem anderen Falle bewährt. Im Verlauf der Analyse Trudes 
erkrankte deren Mutter und wurde ins Krankenhaus gebracht; dies ereignete sich 
zu einem Zeitpunkte, als die sadistischen Angriffsphantasien gegen die Mutter das 
Bild beherrschten. Ich habe im ersten Kapitel beschrieben, mit welchen Einzelheiten 
die dreiunddreivierteljährige Trude mir diese Angriffe vorführte, und wie sie sich 
in der nach diesen Angriffen einsetzenden Angst mit den Kissen in der Ecke hinter 



15) Siehe Kap. I. 

16) Helene Deutsch weist in ihrer Arbeit: Zur Genese der Platzangst (Int. 
Ztschr f. PsA., Bd. XIV, 1928) darauf hin, daß die Angst vor dem Tode der Mutter, 
die auf feindseligen Tendenzen gegen diese beruht, eine der häufigsten Formen der 
infantilen Neurosen ist und mit der Trennungs- bzw. Sehnsuchtsangst verknüpft ist. 
. 17) Die Analyse blieb unbeendigt, da die aus dem Auslande stammende Familie wieder 
in ihre Heimat zurückkehrte. Die Neurose wurde auch nur teilweise behoben, aber die 
einhundertundneunzig Stunden umfassende Behandlung ergab folgende Resultate, die sich 
■{die letzte Nachricht über Ruth erhielt ich zwei Jahre nach Abschluß der Behandlung) als 
haltbar erwiesen. Die Angst wurde stark vermindert, besonders aber auch die ver- 
schiedenen Formen der Ängstlichkeit. Dadurch ergab sich eine größere Freiheit im 
Verkehr mit Kindern und Erwachsenen und eine völlige Anpassung an den Rahmen 
der behalte und an die Erziehungsanforderungen. Die Fixierung an die Mutter wurde 
vermindert, die Einstellung zum Vater günstig verändert; sehr wesentlich waren auch 
die Unterschiede ,m Verhältnis zu den Geschwistern. Die Gesamtentwicklung, ins- 
besondere in bezug auf Erziehbarkeit, soziale Anpassung und Sublimierungsfähigkeit, 
war gunstig. & & > 



40 - 



_ 



der Chaiselongue versteckte, wobei es aber nicht zu einem ausgesprochenen Angst- 
anfall gekommen war. Als die Analyse nach der durch die Erkrankung der Mutter 
verursachten Unterbrechung wieder begann, kam es während einiger Stunden zu 
ausgesprochenen Angstanfällen. Im Angstanfall bekam ich nur die Reaktion auf 
die aggressiven Tendenzen, nämlich nur die durch diese Regungen ausgelöste 
Angst, zu sehen. Auch Trude nahm, ebenso wie Ruth, im Angstanfall eine 
bestimmte Stellung ein, und zwar die gleiche, die sie nachts innehatte, wenn Angst 
einsetzte. Sie verkroch sich in die Ecke, nahm die (wiederholt von ihr als Kinder 
bezeichneten) Kissen dicht an sich, näßte und lutschte. Die Deutung dieser Angst 
führte auch hier zur Behebung der Angstanfälle. 18 

Meine seitherigen Erfahrungen sowie die von M. N. S e a r 1 und anderen 
Kinderanalytikerinnen haben die Wirksamkeit dieser technischen Maßnahmen 
auch in anderen Fällen bestätigt. Ich habe ferner in den seit der Analyse von 
Ruth und Trude verstrichenen Jahren bei fortschreitender Erfahrung festgestellt, 
daß die Sicherheit im Erfassendes Materials die unerläßliche 
Voraussetzung für die Technik der Frühanalyse, daß sie aber auch für die tief- 
gehende Analyse des größeren Kindes unentbehrlich ist. Die richtige und schnelle 
Einschätzung der Bedeutung, die dem jeweiligen Material für die Erkenntnis der 
Struktur des Falles wie auch für die gegenwärtige Affektlage zukommt, ins- 
besondere aber das schnelle Erfassen des latenten, dem Material inne- 
wohnenden Inhaltes an Angst und Schuldgefühlen, sind die Grundlage 
für die Möglichkeit, richtig, d. h. rechtzeitig und bis zu der durch die 
Angst aktivierten Schicht herabführend zu deuten. Angstanfälle 
im Verlaufe der Behandlung lassen sich bei konsequenter Handhabung dieser 
Technik auf ein Minimum herabsetzen. Handelt es sich aber um Angst- 
anfälle zu Beginn der Behandlung, wie es bei neurotischen, zu Angstausbrüchen 
neigenden Kindern vorkommt, so können bei sicherer Handhabung dieser Technik 
die Angstanfälle bald so weit abgebaut werden, daß ein normaler Fortgang der 
Analyse gewährleistet ist. Die bei der Analyse der Angstanfälle erzielten Er- 



18) Trudes Neurose äußerte sich in schwerem Pavor nocturnus und auch in Angst 
bei Tag, wenn sie allein gelassen wurde, ferner im Bettnässen, in ihrem ängstlichen 
Wesen, überstarker Fixierung an die Mutter und Ablehnung des Vaters, in großer 
Eifersucht auf die Schwestern und in verschiedenen Erziehungsschwierigkeiten. Die 
Analyse umfaßte zweiundachtzig Behandlungsstunden, die sich über einen Zeit- 
raum von sieben Monaten erstreckten. Das Bettnässen wurde behoben, Angst und 
Ängstlichkeit in verschiedenen Formen sehr wesentlich vermindert. Auffallend war die 
veränderte günstige Einstellung zu den Eltern und den Geschwistern. Es ergab sich 
ferner eine wesentliche Herabsetzung der Erkältungskrankheiten, die sich in der Analyse 
als weitgehend psychogen bedingt erwiesen hatten. Trotz dieses günstigen Resultates 
war die Neurose nicht voll behoben, als die Analyse aus äußeren Gründen zum Ab- 
bruch kam. 



4i 



gebnisse sind meines Erachtens auch ein Beweis für die allgemeine Richtig- 
keit einiger der Spieltechnik zugrunde liegender Prinzipien. Ich verweise 
darauf, daß ich im Falle Trudes das gleiche Material anfangs analysierte^ 
ohne daß es zu Angstanfällen gekommen war, obwohl im Zusammenhang mit 
diesem Material intensive Angst zutage getreten war. Das lag daran, daß es 
vorher durch die fortgesetzten und t i ef f üh r en den Deutungen 
gelungen war, die A n g s t stufenweise abzubauen und zu dosieren. Während 
einer Analysenpause (Krankheit und Entfernung der Mutter) hatte sich die Angst 
dermaßen gesteigert, daß sie zu Angstanfällen führte. Diese blieben nach einigen 
Analysenstunden wieder ganz aus und machten neuerdings einem dosierten Auf- 
treten der Angst Platz. 

Einige Bemerkungen theoretischer Art zu den in diesem Kapitel besprochenen 
AngstanfällenRuths und Trudes scheinen mir hier noch angebracht. 
Ich habe diese Angstanfälle als die Wiederholung des Pavor noc- 
t u r n u s beschrieben und auch auf die während der Angstanfälle (beim Versuch 
zur Bewältigung der Angst) eingenommene Haltung und Stellung, die eine 
Wiederholung der nächtlichen Angstsituation im Bett war, hingewiesen. Ich habe 
aber auch von der spezifischen frühen Angstsituation berichtet, auf die sich der 
Pavor nocturnus (und der Angstanfall) gründete. Meine theoretischen Ergebnisse 
der letzten Jahre, die sich außer anderen auch auf die besprochenen Mädchen- 
analysen (Trude, Ruth, Rita) stützen, haben mich zur Feststellung einer dem 
Mädchen spezifischen — der Kastrationsangst des Knaben äqui- 
valenten — Angst oder vielmehr Angstsituation geführt, die in der 
Zerstörung des Leibes, der Vernichtung des Leibesinn ern, 
der Entnahme der Kinder usw. durch die Mutter gipfelt. Ich gehe 
im zweiten Teile dieses Buches ausführlich auf diese Frage ein. Hier möchte ich 
nur auf eine Übereinstimmung verweisen, die zwischen dem von mir angeführten 
Material aus Frühanalysen und einigen („Hemmung, Symptom und Angst") 
gemachten Feststellungen Freuds besteht. Freud hat als die der Kastrations- 
angst des Knaben analoge Angst des Mädchens die Angst vor dem Liebesverlust 
bezeichnet. Die Angst, einsam zu bleiben, von der Mutter verlassen zu werden, 
geht aus dem Material der von mir angeführten Mädchenanalysen ganz deutlich 
hervor. Diese Angst geht auf tiefere Quellen zurück. Ich fand, daß ihr die aus 
den Frühstadien des Ödipuskonfliktes stammenden Todeswünsche, die Raub- und 
Angriffstendenzen des Mädchens gegen die Mutter zugrunde 
liegen, die sowohl zur Angst, von der Mutter angegriffen als von ihr verlassen 
zu werden, und zu der Angst vor dem Tode der Mutter führen. 
Ich kehre nun wieder zur Erörterung technischer Probleme zurück. 
Wichtig ist auch die Form der Deutung. Wie aus den von mir mitgeteilten 
Beispielen hervorgeht, versudie ich den Inhalt der unbewußten Phantasien mög- 

~ 4, - 



liehst klar und deutlich auszudrücken. 19 Ich lehne mich aber dabei an die g e g e n- 
ständliche Art an, in der die Kinder denken und spreche n. 20 
Peter hatte mir ja — auf die Schaukel weisend — gesagt: „Schau, wie das 
bammelt und stößt." Es leuchtete ihm sofort ein, als ich sagte: „So haben die 
Tüpödichen von Papa und Mutti zusammengestoßen." Noch ein Beispiel: Die 
zweiunddreivierteljährige Rita berichtete mir, die Puppen hätten sie im Schlaf 
gestört; sie hätten immer zu dem „Hans mit der Untergrundbahn" (einer männ- 
lichen Puppe auf Rädern) gesagt: „Fahr du nur mit deiner Untergrundbahn ruhig 
hin und her." Ein andermal legte sie einen dreieckigen Baustein beiseite und 
sagte: „Das ist eine kleine Frau." Dann nahm sie ein Hämmerchen (so nannte 
sie einen langen Baustein) und klopfte damit auf die Bausteinschachtel, und zwar 
auf eine nur mit Papier beklebte Stelle, so daß sie durch das Klopfen ein Loch 
riß. Dazu sagte sie: „Wie das Hämmerchen so stark geklopft hat, da ist die 
kleine Frau (der Baustein) so erschrocken." Das Fahren der männlichen Puppe 
mit der Untergrundbahn, das Klopfen mit dem Hämmerchen war die Darstellung 
des von ihr bis zum Alter von fast zwei Jahren beobachteten Koitus der Eltern. 
Meine Deutung: „Der Papa hat mit seinem Hämmerchen so stark in die Mutti 
geklopft und dabei bist du so erschrocken" — entsprach ganz ihrer Art, zu denken 
und zu sprechen. 

Bei Darstellung meiner Methode habe ich wiederholt das kleine Spielzeug 
erwähnt, das ich den Kindern zur Verfügung stelle. Ich will nun kurz die Gründe 
anführen, die dieses Spielzeug zu einem so wertvollen Behelf der Spieltechnik 
machen. Die Kleinheit, die Anzahl und Verschiedenartigkeit der Gegenstände 
ermöglicht eine überaus große Reichhaltigkeit der Darstellung, wobei die Ein- 
fachheit der Figuren, Wagen usw. die verschiedensten Verwendungsarten zuläßt. 

19) Freud hat die Notwendigkeit der nicht umschriebenen Deutung für die Analyse 
Erwachsener hervorgehoben. Er schreibt (Bruchstück einer Hysterieanalysej Ges. Sehr., 
Bd. VIII, S. 49): „Man kann mit Frauen und Mädchen von allen sexuellen Dingen 
sprechen, ohne ihnen zu schaden und ohne sich in Verdacht zu bringen, wenn man 
erstens eine gewisse Art, es zu tun, annimmt, und zweitens, wenn man bei ihnen die 
Überzeugung erwecken kann, daß es unvermeidlich ist." Er fährt dann fort: „Die beste 
Art, von den Dingen zu reden, ist die trockene und direkte; sie ist gleichzeitig von der 
Lüsternheit, mit welcher die nämlichen Themata in der ,Gesellschaft' behandelt 
werden, . . . am weitesten entfernt. J'appelle un chat un chat." — Mutatis mutandis 
entspricht dieser Auffassung die von mir in der Kinderanalyse angewendete Methode, 
sexuelle Dinge in unverblümter, dem kindlichen Denken angepaßter Form auszusprechen. 

20) Das Kind steht ja noch vorwiegend unter der Herrsdiaft des Unbewußten, 
dessen Sprache (wie es der Traum und das Kinderspiel zeigen) bildhaft und gegen- 
ständlich ist. Es läßt sich immer wieder feststellen, daß das Kind eine ganz andere 
Einstellung zum Wort hat als der Erwachsene, daß es das Wort vor allem auf seine 
Bildhaftigkeit prüft und auf die Phantasien, die es ihm vermittelt. Wenn wir in der 
Analyse des Kindes den Zugang zum Unbewußten herstellen wollen, wobei wir selbst- 
verständlich den Weg über das Ich und über die Sprache nehmen — , so wird nur der 
nicht umschriebene, eindeutige Ausdruck diesen Zweck erfüllen. 

- 43 _ 



Dadurch ist dieses Spielzeug geeignet, Phantasien und Erlebnisse in mannigfaltiger 
Weise und in allen Einzelheiten zum Ausdruck zu bringen. Die nebeneinander, 
auf einem geringen Raum erfolgende Darstellung der verschiedenen Spielgedanken 
und der mit ihnen verknüpften Affekte (die sich teils aus dem Inhalte des Spieles 
erraten lassen, teils sich offen äußern) gibt uns auch einen Einblick in die a 1 1- 
gemeinen Zusammenhänge und in die Dynamik der uns ver- 
anschaulichten Seelenvorgänge und — da das Nebeneinander ja vielfach 
einem zeitlichen Nacheinander entspricht — auch in die zeitlichen 
Zusammenhänge der Phantasien mit Erlebnissen. 

Diese Schilderung könnte nun aber vielleicht den Glauben erwecken, daß wir, 
um das Kind zu analysieren, ihm bloß das Spielzeug hinzustellen haben und daß 
es dann sogleich frei und ungehemmt damit zu spielen beginne. Das ist keines- 
wegs der Fall. Die Spielhemmung ist — wie ich wiederholt hervorhob — ein 
überaus häufiges neurotisches Symptom, und wir haben es in sehr vielen Fällen 
mit mehr oder weniger spielgehemmten Kindern zu tun. Aber gerade in Fällen 
dieser Art, in denen andere Versuche, sich Zugang zu verschaffen, scheitern, 
erweist sich dieses Spielzeug als ein wertvolles Mittel, die Analyse einzuleiten. 
Es kommt kaum vor, daß auch ein schwer spielgehemmtes Kind nicht doch 
wenigstens das Spielzeug betrachtet oder das eine oder andere Stück herausgreift 
und damit irgend etwas vornimmt. Auch wenn dann bald — wie im Falle 
Trudes — das Spiel wieder abgebrochen wird, so hat uns doch die inzwischen 
erfolgte Spielhandlung, der Punkt, an dem der Widerstand einsetzte, und das 
daran anschließende Gehaben des Kindes, eine etwaige Bemerkung, einen Ein- 
blick in sein Unbewußtes eröffnet, der die Einleitung der Analyse ermöglicht. 
Wie es dann mit Hilfe der analytischen Deutungstechnik möglich ist, das Spiel 
immer freier, die Darstellungen reichhaltiger und aufschlußreicher zu gestalten 
und zugleich damit die Spielhemmung schrittweise zu beheben, habe ich früher 
beschrieben. 

Die Spielanalyse geht nicht nur an Hand des kleinen Spielzeuges vor sich, sie 
umfaßt vielmehr eine Fülle von Requisiten und Darstellungsmitteln. Als eines 
der wichtigsten ist das im Zimmer des Kinderanalytikers angebrachte Wasch- 
becken mit fließendem Wasser hervorzuheben. Es wird meistens erst in einem 
späteren Stadium der Analyse stärker verwendet, spielt aber dann eine sehr 
bedeutsame Rolle. Ich habe beim Spiel am Waschbecken (wobei noch einige 
kleinere Gefäße, Löffel, ein Glas, ein Schwamm, Papier zur Verfügung stehen) 
Teilstrecken von Analysen durchgeführt. Diese Spiele mit Wasser ermöglichen 
einen tiefen Einblick in die grundlegenden prägenitalen 21 Triebregungen. Sie 



xv,- 2l) , Ich , ve , rweise , zum Be «piel auf die Analyse Ruths, die ihre ungestillten oralen 
Wunsche durch Spiele am Waschbecken zum Ausdruck brachte. 




dienen zur Darstellung von Sexualtheorien, gewähren einen Einblick in die Beziehung 
zwischen sadistischen Phantasien und Reaktionsbildungen 28 und zeigen die direkten 
Zusammenhänge zwischen den prägenitalen und den genitalen Triebregungen. 

In manchen Analysen spielt das Zeichnen, das Ausschneiden von Papier eine 
große Rolle, in anderen — insbesondere Mädchenanalysen — nimmt das An- 
fertigen von Gegenständen, die für die Puppe, für Spieltiere oder das Kind selbst 
bestimmt sind, das Sichschmücken mit Bändern u. dgl. einen großen Raum ein. 
Papier, Buntstifte, Messer, Schere, Nadel, Zwirn, Holz, Bindfaden liegen bereit; 
häufig bringen die Kinder auch eigenes Spielzeug mit. Die Fülle der Spielmöglich- 
keiten ist aber durch diese Aufzählung bei weitem nicht erschöpft. Jedes einzelne 
der erwähnten Materialien oder Spielsachen wird in der verschiedenartigsten 
Weise verwendet, wobei auch der Wechsel von einer Spielart zu einer anderen 
aufschlußreich ist. Auch alle im Zimmer befindlichen Gegenstände, Möbel, 
Kissen usw., geraten mit in das Spiel hinein. Das Zimmer des Kinderanalytikers 
bedarf eben einer besonderen Einrichtung. Von großer Bedeutung sind die Phan- 
tasien und Phantasiespiele, die sich aus dem Spiel mit Spielzeug entwickeln. Was 
das Kind in einem anderen — meist früheren — Stadium der Analyse mit Hilfe 
des Spielzeuges darstellt, zeigt es bei den Rollenspielen durch Agieren mit der 
eigenen Person. Bei diesen Spielen werden gewöhnlich auch dem Analytiker Rollen 
zugeteilt, deren Einzelheiten ich mir soweit als möglich vom Kinde selbst vor- 
schreiben lasse. 

In manchen Fällen überwiegen die Rollenspiele, in anderen die indirektere Dar- 
stellung mittels des Spielzeuges. Einige typische Phantasiespiele sind: Mutter und 
Kind, Schule, Bauen, Einrichtung von Wohnungen (mit Hilfe der Stühle, Möbel, 
Kissen usw.), Arzt, Reisen, Bahnfahren, Theater, Bureau, Kaufmannsspiele. Der 
Wert dieser Spiele für die Analyse liegt in der direkteren Darstellung und der 
damit zusammenhängenden größeren Ergiebigkeit der Assoziationen durch die 
Sprache. Denn auch schon beim kleinen Kinde ist, wie ich im ersten Kapitel 
hervorhob, die volle Einbeziehung der Sprache, soweit das Kind 
sie beherrscht, die Voraussetzung einer abgeschlossenen Analyse. 

Es scheint mir nicht möglich, durch die Beschreibung ein Bild von der Buntheit, 
Lebendigkeit und Mannigfaltigkeit der Spielanalysenstunden zu geben; ich hoffe 
aber, daß es mir gelungen ist, durch meine Ausführungen einen Einblick in die 
Präzision und Sicherheit der durch diese Mittel erzielten Ergebnisse 
zu vermitteln. 

22) Die Spiele mit Wasser finden eine sehr aufschlußreiche Ergänzung durch die 
vor dem Kamin vorgenommenen Handlungen, wobei häufig zuerst mit Wasser gespielt 
wird und daran anschließend Papier oder Zündhölzchen verbrannt werden oder vice 
versa, und der Zusammenhang zwischen Nässen und Brennen (Zündeln) sowie die große 
Bedeutung des urethralen Sadismus deutlich hervortritt (siehe Kap. VIII). 

- 4 5 - 



DRITTES KAPITEL 



Die Zwangsneurose eines sechsjährigen jMädchens 1 

Nachdem ich im vorigen Kapitel die Grundprinzipien der Technik der Früh- 
analyse besprochen habe, will ich nun an einem Falle die Beziehungen zeigen, 
die zwischen der Technik der Frühanalyse und der des Latenzalters bestehen. 
Diese Krankengeschichte wird mir auch Gelegenheit geben, einige theoretische und 
prinzipielle Fragen zu erörtern und außerdem die Technik der Analyse der kind- 
lichen Zwangsneurose darzustellen, die ich mir für diesen ungewöhnlich schwierigen 
Fall zurechtlegen mußte. 

Bei der sechsjährigen Erna lagen zahlreiche schwere Krankheitserscheinungen 
vor. Sie litt an Schlaflosigkeit, die durch Angst — insbesondere vor Räubern und 
Einbrechern — sowie durch eine Reihe von Zwangshandlungen verursacht war. 
Diese Zwangshandlungen bestanden in einem Aufschlagen des Kopfes auf die 
Kissen — wobei sie auf dem Bauche lag — , einer schwankenden Bewegung, die 
sie sitzend oder auf dem Rücken liegend ausführte, in zwanghaftem Lutschen 
und exzessiver Zwangsonanie. Alle diese Zwangshandlungen, die sie nachts vom 
Schlafe abhielten, betrieb Erna auch am Tage; sie onanierte in Gegenwart 
Fremder, zum Beispiel im Kindergarten fast unausgesetzt. Erna litt an starken 
Depressionen, denen sie in folgender Weise Ausdruck gab: „Etwas im Leben 
gefällt mir nicht." Das Verhältnis zur Mutter war überzärtlich mit Schwankungen 
zur Feindseligkeit. Erna beherrschte die Mutter vollkommen, ließ ihr gar keine 
Bewegungsfreiheit und quälte sie in Liebe und Haß ununterbrochen. Die 
Mutter beschrieb Ernas Einstellung mit den Worten: „Sie frißt mich auf." Das 
Kind war auch sozusagen unerziehbar. Ausgesprochene Grübelsucht und ein 
merkwürdig altkluges Wesen traten auch im leidenden Gesichtsausdruck der 
Kleinen hervor; außerdem machte sie einen ungewöhnlichen, sexuell frühreifen 
Eindruck. Ein Symptom, das erst im Verlaufe der Analyse deutlich wurde, war 
Ernas überaus schwere Lernhemmung. Als sie einige Monate nach Beginn der 
Analyse zur Schule kam, ergab sich, daß sie ganz unfähig war zu lernen und 
sich auch anderen Kindern nicht anzupassen vermochte. Als eine große Hilfe 
erwies sich in der Analyse die Krankheitseinsicht des Kindes, das mich gleich in 
der ersten Besprechung bat, ihm zu helfen. 

Erna beginnt ihr Spiel damit, daß sie einen der kleinen Wagen, die zusammen 
mit anderem Spielzeug auf meinem Spieltischchen stehen, gegen mich losfahren 
läßt. Sie erklärt, daß sie mich abhole, setzt dann aber statt meiner ein Frauchen 



i) Diesem Kapitel liegt ein Vortrag zugrunde, den ich bei der „I. Deutschen Zu- 
sammenkunft für PsA." in Würzburg, Oktober 1924, hielt. 

- 46 - 



den Wagen, zu dem sie ein Männchen tut. Die zwei lieben und küssen sich, 
fahren unausgesetzt mit dem Wagen hin und her. Ein Männchen auf einem 
anderen Wagen fährt ihnen entgegen, überfährt, tötet, brät und verspeist sie. 
Dann geht der Kampf wieder anders aus; das angreifende Männchen wird um- 
geworfen, die Frau hilft ihm aber, tröstet ihn, läßt sich von ihrem alten Mann 
scheiden und heiratet ihn. Dieser Dritte tritt im Spiel in den verschiedensten 
Rollen auf, z. B.: Mann und Frau sind in einem Hause, das sie gegen einen 
Einbrecher beschützen, der Dritte schleicht sich als Einbrecher ein, das Haus ver- 
brennt, die Menschen platzen, der Dritte bleibt allein zurück. Dann wieder ist 
der Dritte der Bruder, der zu Besuch kommt, aber bei der Umarmung der Frau 
die Nase abbeißt. Der kleine Mann — der Dritte — stellt sie selbst dar. Hat 
sie auf diese Weise den Wunsch, den Vater bei der Mutter zu verdrängen, zur 
Darstellung gebracht, so zeigen zahlreiche andere Spiele ihren direkten ödipus- 
wunsch, die Mutter zu beseitigen und den Vater zu gewinnen. Sie läßt den 
Lehrer die Kinder im Geigenspiel unterrichten, und zwar macht er dies, indem 
er mit dem Kopfe gegen die Geige stößt. 2 Auch der Lehrer, der im Buche liest, 
stellt sich dabei auf den Kopf, er wirft dann aber das eine Mal das Buch, das 
andere Mal die Geige beiseite und tanzt mit der Schülerin. Sie küssen und 
umarmen sich, und Erna fragt mich plötzlich, ob ich die Heirat zwischen Lehrer 
und Schülerin gestatte. Ein andermal unterrichten Lehrer und Lehrerin — wieder 
durch ein Männchen und ein Frauchen dargestellt — die Kinder, bringen ihnen 
Verbeugungen bei usw. Die Kinder sind zuerst folgsam und höflich (Erna selbst 
war überaus bemüht, ein artiges, höfliches Kind zu sein), überfallen aber plötzlich 
Lehrer und Lehrerin, überfahren sie immer wieder, töten und braten sie. Sie sind 
dabei Teufel und freuen sich der Qualen ihrer Opfer. Auf einmal aber sind 
Lehrer und Lehrerin im Himmel, die früheren Teufel sind nun Engel, wissen aber 
nach dem Ausspruch Ernas gar nichts davon, daß sie überhaupt je Teufel 
waren — ja, „sie waren es gar nicht". Gottvater, der frühere Mann, küßt und 
umarmt die Frau leidenschaftlich, die Engel huldigen ihnen, und alles ist wieder 
in schönster Ordnung, doch nur für kurze Zeit, denn das Gleichgewicht wird bald 
wieder in der einen oder anderen Weise gestört. 

Erna spielte wiederholt, daß sie Mutter sei. Ich stellte das Kind dar, und einer 
meiner größten Fehler war das Lutschen. Der erste Gegenstand, den ich in den 
Mund stecken sollte, war eine Lokomotive, deren vergoldete Laternen Erna vorher 
sehr bewundert hatte, weil sie „so schön rot sind und brennen", wobei sie sie 

2) Charakteristisch für die bei Erna wirksame unbewußte Bedeutung des Kopfes 
als Penis ist auch folgendes Spiel: Ein Männchen will ins Auto steigen, steckt dann 
den Kopf beim Fenster hinein, worauf das Auto zu ihm sagt: „Komm doch lieber ganz 
herein." Das Auto stellte die Mutter dar, die den Vater zum Koitus auffordert (vgl. 
auch das Zwangssymptom des Aufschiagens des Kopfes auf die Kissen). 

- 47 ~ 



sofort in den Mund gesteckt hatte und daran saugte; sie bedeuteten ihr die Mutter- 
brust und den väterlichen Penis. 

Spiele dieser Art lösen immer wieder Ausbrüche von Wut und Neid gegen die 
Mutter aus, dann setzt wieder Reue und das Bestreben, die Mutter zu versöhnen, 
ein. Beim Spiel mit Bausteinen zum Beispiel teilt Erna diese zwischen uns immer 
so, daß sie mehr hat, überkompensiert dies aber wieder, indem sie sich weniger 
nimmt, richtet es aber schließlich so ein, daß sie doch mehr behält. Sie fordert 
mich dann auf zu bauen, nur um mir nachher beweisen zu können, daß ihr 
Gebäude schöner ist, oder um mein Haus — angeblich zufällig — umstoßen 
zu können. Dabei wird auch einem Spielmännchen die Rolle zuerteilt zu ent- 
scheiden, daß ihr Haus schöner ist als meines. Die Einzelheiten des Spieles zeigen, 
daß an unseren Häusern die von früh an bestehende Rivalität mit der Mutter 
zum Ausdruck kommt, die Erna dann in einem späteren Teil der Analyse direkt 
zur Darstellung bringt. 

Neben diesen Spielen beginnt Erna auch mit dem Ausschneiden von Papier, 
wobei sie Muster entstehen läßt. Sie erzählt dabei, daß sie „Schabefleisch" macht, 
daß dabei (aus dem Papier) Blut herauskommt, erschauert und erklärt, daß ihr 
plötzlich schlecht wird. Sie spricht dann von „Augensalat" und von „Fransen", 
die sie in meine Nase schneidet, wobei sie wieder den schon in der ersten Stunde 
geäußerten Wunsch, meine Nase abzubeißen — was sie auch mehrfach ver- 
suchte — wiederholt. (Auf diese Weise hatte sie auch gleich ihre Identität mit 
dem Dritten, dem Männchen, das einbricht, das Haus anzündet und auch die 
Nase abbeißt, erwiesen.) Das Ausschneiden von Papier war bei Erna wie auch 
in den Analysen anderer Kinder reich determiniert. Es bringt sadistische und 
kannibalistische Tendenzen zum Ausdruck, dient aber auch reaktiven Tendenzen, 
denn es bedeutet auch ein Neuschaffen. Die schön ausgeschnittenen Muster (zum 
Beispiel eine Decke darstellend) bedeuten auch die wiederhergestellten Genitalien 
der Eltern oder den Leib der Mutter usw., die in der Phantasie vorher zerstört 
worden waren. Vom Ausschneiden des Papiers ging Erna zu Spielen mit Wasser 
über. Ein Stückchen Papier, das im Waschbecken schwimmt, bedeutet einen 
Kapitän. Sein Schiff geht unter, aber er rettet sich, denn er hat, wie Erna 
behauptet, etwas „Langes, Goldenes", das ihn über Wasser hält. Erna reißt dann 
ein Stückchen vom Papier ab und erklärt: „Der Kopf ist weg, nun ist er 
ertrunken." Die Spiele mit Wasser führten tief in die Analyse von Ernas oral- 
sadistischen, urethralsadistischen und analsadistischen Phantasien. Erna spielt zum 
Beispiel, daß sie eine Waschfrau ist; die Stücke Papier bedeuten schmutzige 
Kinderwäsche; ich stelle das Kind vor, das diese Wäsche immer wieder beschmutzt. 
Daß Erna dabei das Papier (die schmutzige Wäsche) zerkaut, macht ihre kopro- 
philen und kannibalistischen Tendenzen deutlich, denn die Wäschestücke bedeuten 
auch Exkremente und Kinder. Als Waschfrau hat Erna Gelegenheit, das Kind 

- 48 - 



- 



zu züditigen und zu demütigen; sie stellt dabei die grausame Mutter dar. Indem 
sie sich aber auch mit dem mißhandelten Kinde identifiziert, befriedigt sie ihre 
masochistischen 'Wünsche. Häufig ist es auch im Spiele der Vater, der — von der 
Mutter herbeigerufen — das Kind durch Schläge auf das Gesäß züchtigt. Diese 
Züchtigung wird auch von Erna — der „"Waschfrau" — als Mittel empfohlen, 
die Schmutzliebe des Kindes zu heilen. Anstatt des bösen Vaters kommt aber ein 
Zaubermännchen, klopft das Kind mit seinem Stock auf den Anus, dann auch 
auf den Kopf, wobei er aus seinem Zauberstab eine gelbliche Flüssigkeit fließen 
läßt. Ein anderes Mal wird dem Kinde ein Pulver eingegeben, das aus „Weißem 
und Rotem" gemischt ist. Durch diese Behandlung wird das ganz kleine Kind 
sauber, kann plötzlich auch schon sprechen und ist so klug wie die Mutter. 3 Das 
Klopfen des Vaters oder des Männchens mit dem Stocke bedeutete den Koitus; 
das Männchen stellte auch den Penis dar. Die Flüssigkeit und das Pulver 
bedeuteten Stuhl, Urin, Samen und Blut, die sich nach Ernas Phantasien die 
Mutter beim Koitus oral, anal und genital einverleibte. 

Ein andermal wird Erna aus einer Waschfrau plötzlich eine „Fischfrau", die 
ihre Ware anpreist. Sie läßt dabei aus dem Wasserhahn, den sie auch einen 
„Schlagsahnehahn" nennt, das Wasser fließen; vorher hatte sie den Hahn mit 
Papier umwickelt, das sie, als es durchnäßt in das Waschbecken fällt, zerreißt 
und als „Fische" feilbietet. Die zwanghafte Gier, mit der Erna dabei aus dem 
Wasserhahn trinkt und die angeblichen Fische zerkaut, zeigt deutlich den oralen 
Neid, den sie bei der Urszene und bei den Urphantasien empfunden hat, der 
sich in ihrer Charakterbildung grundlegend auswirkte und zugleich einen Kern- 
punkt ihrer Neurose bildete. 4 Die Gleichsetzung der Fische mit dem väterlichen 
Penis wie auch mit Stuhl und Kindern geht aus den Assoziationen klar hervor. 
Erna hat verschiedene Arten von Fischen zu verkaufen, darunter sind auch „Kokel- 
fische", die dann auf einmal „Kakelfische" heißen. Als sie diese dann zerschneidet, 
beweist ein plötzlicher Stuhldrang die Gleichsetzung der Fische mit Stuhl und 
das Zerschneiden der Fische mit der Defäkation. Als Fischfrau betrügt Erna mich 
— die Käuferin — auf verschiedene Art. Sie nimmt mir übermäßig viel Geld ab 
und gibt mir keine Ware dafür. Ich kann aber nichts gegen sie unternehmen, 
denn ihr hilft ein Schutzmann, mit dem sie das mir abgenommene Geld == Fische 
durcheinander „wurlt" (was einem Quirlen und Schlagen der Schlagsahne ent- 
spricht). Der Schutzmann bedeutet den Vater, der mit ihr koitiert und ihr gegen 
die Mutter hilft. Ich erhalte dann im Spiel von ihr den Auftrag zuzusehen, 
während sie mit dem Schutzmann die Fische „wurlt", und soll versuchen, mir 



_ 3) Auf die Bedeutung des „guten", heilsamen Penis, die in diesen Phantasien hervor- 
tritt, gehe ich insbesondere in Kap. XI und XII näher ein. 

4) Auf den Zusammenhang zwischen Ernas Beobachtungen des elterlichen Koitus 
und ihrer Neurose gehe ich später ein. 



Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

- 49 - 



die Fische insgeheim anzueignen. Ich soll also darstellen, was sie selbst in früher 
Kindheit der Mutter antun wollte, als sie den Koitus der Eltern beobachtete. 
Diese sadistischen Regungen und Phantasien waren die Grundlage ihrer schweren 
Angst vor der Mutter. Erna äußerte wiederholt Angst vor einer „Räuberin, die 
ihr alles, was in ihr drinnen ist, herausnehmen will". 

Auch in Ernas Analyse zeigte sich, daß Theater und Vorstellungen aller Art 
den Koitus der Eltern bedeuten. 5 Diese Spiele, in denen Erna der Mutter die 
Rolle einer von den Zuschauern bewunderten Schauspielerin oder Tänzerin 
zuerteilte, zeigten die große, mit Neid gemischte Bewunderung, die Erna für 
die Mutter empfand. Erna stellte auch häufig — in Identifizierung mit der 
Mutter — eine Königin vor, der sich alle beugten. In all diesen Darstellungen 
spielte das Kind stets die Rolle der Benachteiligten. Alles, was Erna im Spiele 
als Mutter tat, die Zärtlichkeiten mit ihrem Manne, ihr Sichschmücken und Sich- 
bewundernlassen dienten vor allem dazu, den Neid des Kindes zu erregen und 
es zu kränken. "Wenn Erna zum Beispiel als Königin mit dem König Hochzeit 
gefeiert hatte, so legte sie sich auf den Divan. Ich sollte dann in der Rolle des 
Königs zum Ersatz des Nebenihrliegens (das ich ablehnte) mich auf ein Stühlchen 
neben sie setzen. Ich hatte dabei mit der Faust auf den Divan zu klopfen — sie 
nannte es „Buttern" — , was den Koitus bedeutete. Gleich darauf berichtete mir 
Erna, daß aus ihrem Leib ein Kind krieche. Sie stellte dies auch ganz realistisch 
dar, indem sie sich wand und stöhnte. Dieses imaginäre Kind teilte dann den 
Schlafraum, mußte den Koitus der Eltern mitansehen, wurde, wenn es störte, 
geschlagen und von der Mutter unausgesetzt beim Vater verklagt. Wenn Erna 
als Mutter das Kind zu Bett brachte, so geschah es nur, um sich seiner zu ent- 
ledigen und sich um so schneller mit dem Vater zu vereinigen. Das Kind wurde 
ununterbrochen mißhandelt und gequält; es bekam schlechten, zum Erbrechen 
reizenden Grießbrei, während Mutter und Vater eine wundervolle Speise aßen. 
Diese wurde manchmal aus Schlagsahne bereitet, manchmal aus einer besonderen, 
von einem „Doktor Schanka" oder „Schlanka" (was Schlagen und Einschänken 
bedeutete) gelieferten Milch. Diese besondere, von Vater und Mutter stets allein 
genossene Speise stellte in einer Fülle von Variationen den Austausch von Stoffen 
beim Koitus dar. Die Phantasien, daß die Mutter sich im Koitus den Penis und 
Samen des Vaters, der Vater sidi die Milch und die Brust der Mutter einverleibe, 
bildeten eine Grundlage für Ernas Haß und Neid gegen beide Eltern. 

Bei einer „Vorstellung, die ein Priester gibt", wobei er aus dem "Wasserhahn 
Wasser fließen läßt und eine Tänzerin mitwirkt, die vom Hahne trinkt, darf 



j) Auf die allgemeine symbolische Bedeutung des Theaters, der Aufführung, der 
Vorstellung usw. als Koitus der Eltern ging ich in meiner Arbeit „Zur Frühanalyse" 
Jmago, Bd. IX, 1923) näher ein. Ich verweise auch auf Rank: Das Schauspiel im 
Hamlet (Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschung. Int. PsA. Verl. 1919). 

- 5o - 



r 



das Kind, das Erna „Aschenbrödel" nennt, nur zusehen und muß sich ganz still 
verhalten. Eine ungeheure, plötzlich ausbrechende Wut zeigt, welchen Haß Erna 
bei diesen Phantasien empfunden hat, und wie schlecht ihr die Verarbeitung dieses 
Hasses gelungen ist. Aus diesen Gefühlen heraus ist ihr Verhältnis zur Mutter 
ganz verschoben, da sie alle Maßnahmen der Erziehung und Kinderpflege, alle 
unvermeidlichen Versagungen als ausschließlich sadistische, der Beschämung und 
der Mißhandlung des Kindes geltende Akte seitens der Mutter empfindet. Erna 
ist in ihren Mutterspielen mit dem imaginären Kinde nur dann zärtlich, wenn 
es sich um einen Säugling handelt. Dann pflegt und reinigt sie das Kind, ist liebe- 
voll und verzeiht ihm, daß es sich beschmutzt hat. Ihrem Gefühl nach wurde sie 
selbst nämlich nur in ihrer Säuglingszeit liebevoll behandelt. Das ältere Kind 
mißhandelt sie aufs grausamste, läßt es durch Teufel den verschiedensten 
Martern unterziehen und tötet es häufig zum Schluß. 6 Daß das Kind aber in 
dieser Rolle auch die zum Kinde gemachte Mutter ist, zeigt deutlich folgende 
Phantasie: Erna spielt das Kind, das sich beschmutzt hat. Ich als Mutter habe sie 
zu beschimpfen, wobei sie höhnisch ist und sich aus Trotz immer mehr beschmutzt. 
Auch die schlechte, ihr von mir gereichte Nahrung erbricht sie, nur um die Mutter 
zu ärgern. Der von der Mutter herbeigerufene Vater aber nimmt für das Kind 
Partei. Die Mutter bekommt eine Krankheit, die heißt: „Gott hat zu ihr ge- 
sprochen." Dann aber wird das Kind von einer Krankheit befallen, die Erna 
„mütterliche Aufregung" nennt. Das Kind stirbt daran, die Mutter wird nun zur 
Strafe vom Vater getötet. Das Kind wird wieder lebendig und vom Vater 
geheiratet, der es immer wieder auf Kosten der Mutter lobt. Die Mutter wird 
dann auch lebendig gemacht, aber nur, um durch den Zauberstab des Vaters in 
ein Kind verwandelt zu werden, das nun allen Hohn und alle schlechte Be- 
handlung über sich ergehen lassen muß, die das Kind früher selbst erfahren hatte. 
In diesen zahlreichen Phantasien über Mutter und Kind wiederholt Erna, was sie 
ihrer Empfindung nach selbst erfahren hat, und stellt andrerseits dar, was sie in 
Umkehrung des Verhältnisses Kind — Mutter dieser in sadistischer "Weise zu- 
fügen will. 

Erna war von analsadistischen Phantasien beherrscht. In einem weiteren 

6) Bei diesem übermäßigen sadistischen Wüten gegen das Objekt (in diesem Falle 
gegen das Kind) wendet sich das Ober-Ich letzten Endes gegen das Es. Dieser unerträg- 
lichen Situation entzieht sich das Ich, indem es das Objekt mit Hilfe von Projektion 
als Feind darstellt, um das Einverständnis des Über-Ichs zur sadistischen Zerstörung 
des Objektes zu erreichen. Gelingt es dem Ich, dieses Bündnis des Über-Ichs mit dem 
Es herzustellen, so bewerkstelligt es dadurch, daß der Sadismus des Über-Ichs, soweit 
er dem Es gilt, zeitweise auf die Außenwelt gerichtet wird. Auf diese Weise verstärken 
sich die dem Objekt geltenden primären sadistischen Regungen durch die dem Es 
geltenden Haßquantitäten. (Siehe Kap. VIII d. B. und meine Arbeit: Die Rollenbildung 
im Kinderspiel. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XV, 1929). 

— 5i — .* 



Stadium der Analyse phantasiert Erna, wieder von dem Spielen mit Wasser aus- 
gehend, von Stuhl, der an der "Wäsche „angebacken" ist und auch zum Kochen 
und Essen verwendet wird. Sie spielt, daß sie auf der Toilette sitzt und das dort 
Erzeugte ißt und daß wir es uns im Austausch reichen. Phantasien von unaus- 
gesetzter gegenseitiger Beschmutzung durch Urin und Stuhl werden im Laufe der 
Analyse immer deutlicher. In einem Spiele weist Erna der Mutter nach, daß 
diese sich unausgesetzt beschmutzt hat; alles im Zimmer ist durch die Schuld der 
Mutter zu Stuhl geworden. Die Mutter wird daraufhin ins Gefängnis geworfen 
und verhungert dort. Erna fällt nun die Aufgabe zu, alles nach der Mutter zu 
reinigen, wobei sie sich eine Frau „Dreckparadie" nennt, also mit „Dreck 
paradiert". Durch ihre Ordnungsliebe erringt sie die Bewunderung und An- 
erkennung des Vaters, der sie weit über die Mutter stellt und heiratet. Sie kocht 
für ihn, wobei aber die gegenseitig gereichten Getränke und Speisen auch Stuhl 
und Urin — aber von guter, nicht schädlicher Art — sind. Ich führe diese 
Phantasie nur als ein Beispiel für die zahlreichen ausschweifend analsadistischen 
Phantasien an, die Ernas Seelenleben beherrschten und in der Analyse bewußt 
gemacht wurden. 

Erna, die ein einziges Kind war, beschäftigte sich in der Phantasie sehr viel 
mit kommenden Geschwistern. Ich will auf den Charakter dieser Phantasie- 
beziehungen nachher eingehen, da ihnen nach meinen Beobachtungen auch eine 
generelle Bedeutung zukommt. Ich stellte bei Erna fest — und fand dies auch bei 
anderen Kindern bestätigt — , daß das einzige Kind in stärkerem Ausmaß 
Angst vor den in der Phantasie stets erwarteten Geschwistern 
und Schuldgefühle wegen seiner unbewußten aggressiven Tendenzen gegen 
die im Mutterleib vorausgesetzten Kinder empfindet, weil es nicht Gelegenheit 
findet, eine positive Beziehung zu Geschwistern zu entwickeln. Dieses 
Moment trägt oft dazu bei, dem einzelnen Kinde die soziale Anpassung zu er- 
schweren. Bei Erna traten längere Zeit am Anfang und am Ende der Analysen- 
stunde "Wut- und Angstanfälle auf, die zum Teil damit zusammenhingen, daß 
sie einen Vorgänger oder Nachfolger bei mir traf, die ihr die stets erwarteten 
Geschwister bedeuteten. 7 Andrerseits zeigte Erna, obwohl sie sich mit anderen 
Kindern nicht vertrug, doch zeitweise ein dringendes Bedürfnis nach Kinder- 
gesellschaft. Für den zeitweiligen Wunsch nach Geschwistern erwiesen sich folgende 
Motive als bestimmend: i) Die erwünschten Geschwister bedeuteten ein eigenes 
Kind (allerdings wurde dieser Wunsch bald wieder durch schwere Schuldgefühle 
gestört, da sie ja dann der Mutter das Kind geraubt hätte). 2) Ihre Existenz sollte 

7) Ernas unbewußte Eifersucht und ihre Angst vor (phantasierten) Geschwistern, die 
eine bedeutsame Rolle in ihrem Seelenleben spielten, war nie an den realen Objekten 
erlebt worden und wurde erst in der Analyse aufgedeckt und durchlebt. Dieses Beispiel 
illustriert auch die Bedeutung der Übertragungssituation in der Kinderanalyse. 

— 5a - 




die Gewißheit erbringen, daß die in der Phantasie verübten Angriffe auf die 
im Mutterleib vorausgesetzten Geschwister diese — und also auch die Mutter — 
nicht beschädigt hätten, daß also auch ihr eigenes (Ernas) Leibesinnere intakt sei. 
3) Sollten sie ihr die sexuelle Befriedigung gewähren, die ihr die Eltern versagt 
hatten. 4) Phantasierte Erna von Geschwistern, mit denen sie sich gegen die Eltern 
vereinigen könnte, um die Mutter zu töten und dem Vater den Penis zu rauben. 
Sie sollten ihre Bundesgenossen 8 im Kampfe gegen die angsterregenden Eltern 
sein. Nach solchen Phantasien setzten aber bald Haß gegen die Geschwister (die 
doch nur Substitute von Vater und Mutter waren) und schwere Schuldgefühle 
wegen der destruktiven Handlungen ein, die in der Phantasie gemeinsam gegen 
die Eltern begangen worden waren. Depressionen waren gewöhnlich die Folge. 

Diese Phantasien waren mitbestimmend für Ernas Unfähigkeit, zu anderen 
Kindern ein gutes Verhältnis zu gewinnen. Sie scheute vor ihnen zurück, weil sie 
sie mit Geschwistern identifizierte. Sie bedeuteten ihr einerseits Spießgesellen 
bei den Angriffen gegen die Eltern, andrerseits fürchtete sie sie wegen 
der gegen die Geschwister gerichteten Aggression als Feinde. 

Ich will nun an diesem Falle noch ein anderes Moment beleuchten, das mir 
von prinzipieller Bedeutung zu sein scheint. Ich habe im ersten Kapitel auf das 
besondere Verhältnis des Kindes zur Realität hingewiesen und ausgeführt, daß 
das Mißlingen der Realitätsanpassung sich in der Analyse aus dem Spiel des 
kleinen Kindes erkennen läßt und daß es auch in der Analyse des kleinen Kindes 
nötig ist, nach und nach die Beziehung zur Realität voll herzustellen. Bei Erna 
war es mir nach erheblicher psychoanalytischer Arbeit noch nicht gelungen, ein- 
gehendere Mitteilungen über ihr reales Leben von ihr zu erhalten. Während sie 
reichliches Material für ihre ausschweifenden sadistischen Phantasien gegen 
die Mutter erbrachte, hörte ich niemals auch nur die leiseste Klage oder 
Kritik über die reale Mutter und deren Handlungen. Obwohl Erna an- 
erkannte, daß ihre Phantasien gegen die reale Mutter gerichtet waren (was sie 
in einem früheren Stadium der Analyse noch negiert hatte), und obwohl es immer 
deutlicher wurde, daß sie die Mutter in übertriebener und gehässiger Weise 
kopierte, war die Verbindung ihrer Phantasien mit der Realität nicht gut her- 
zustellen. Alle meine Bestrebungen, die Realität stärker in die Analyse ein- 
zubeziehen, blieben so lange erfolglos, als ich nicht die tiefsten Gründe ihrer 
Realitätsabsperrung — wenigstens teilweise — analysiert hatte. Es ergab sich nun, 
daß Ernas Beziehung zur Realität in einem weitgehenden Grade — sehr 

8) Ich habe in meiner Arbeit Frühstadien des Ödipuskonfliktes (Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XIV, 1928) darauf hingewiesen, daß sexuelle Beziehungen zwischen Kindern, ins- 
besondere zwischen Geschwistern, mit Phantasien von einer Bundesgenossenschaft gegen 
die Eltern verknüpft sind und dadurch in bestimmten Fällen eine Verminderung des 
Schuldgefühles und der Angst bewirken. 

- 53 - 



viel mehr, als man dies nach ihrem Verhalten hätte schließen können — vor- 
getäuscht war. Tatsächlich suchte sie mit allen Mitteln ein Traumleben 
aufrechtzuerhalten, das sie gegen die "Wirklichkeit verteidigte. 9 Sie phantasierte 
zum Beispiel: die kleinen "Wagen mit Kutschern stehen ihr zu Diensten, nähern 
sich ihr auf ihren Ruf, bringen ihr alles, was sie wünscht; die kleinen Frauchen 
sind ihre Dienerinnen usw. "Wiederholt setzte noch während dieser Phantasien 
"Wut und Depression ein. Erna ging dann auf die Toilette, wo sie während des 
Defäzierens laut phantasierte, stürzte, als sie von der Toilette kam, auf die 
Chaiselongue, begann leidenschaftlich zu lutschen, onanierte und bohrte in der 
Nase. Es gelang mir, ihre Phantasien zu diesem Defäzieren, Lutschen, Onanieren 
und Nasebohren zu erfahren. Es zeigte sich, daß Erna mit Hilfe dieser Lust- 
befriedigungen und der damit verbundenen Phantasien den Traumzustand, 
den sie im Spiel aufrechterhalten hatte, auch sonst gewaltsam fort- 
zusetzen suchte. Die während des Spieles einsetzende Depression, "Wut und 
Angst hingen damit zusammen, daß ihre Phantasien durch die Berührung mit 
der Realität gestört wurden. Erna besann sich auch darauf, wie sehr es sie des 
Morgens, wenn sie lutschte oder onanierte, störte, wenn jemand an ihr Bett kam; 
hierfür war — neben der Angst, ertappt zu werden — ihre Abwehr der Realität 
bestimmend. Eine im Verlauf der Analyse aufgetretene Pseudologie, die sich bald 
zu abenteuerlichem Umfang entwickelte, diente ebenfalls dazu, die ihr unerträg- 
liche "Wirklichkeit ihren "Wünschen entsprechend umzulügen. Als eine Ursache 
dieser außerordentlichen, mit Hilfe von Größenphantasien aufrecht 
erhaltenen Realitätsabsperrung lernte ich die übermäßige Angst 
vor den Eltern, insbesondere vor der Mutter, kennen. Um diese Angst ab- 
zuschwächen, mußte sich Erna in ihrer Phantasie als die grausame und machtvolle 
Beherrscherin der Mutter aufspielen, ein Moment, das ihren Sadismus wesentlich 
verstärkte. Der paranoide Charakter ihrer Phantasien, in denen sie von der 
Mutter auf das grausamste verfolgt wurde, trat immer deutlicher hervor. "Wie 
ich vorher erwähnte, war in Ernas Phantasie alles, was die Mutter je mit ihr 
an Erziehungsmaßnahmen vorgenommen hatte, bis zu jedem Detail der Kleidung, 
das sie ihr vorschrieb, zur Verfolgung geworden. Aber auch alles, was die 
Mutter sonst unternahm, wie sie sich dem Vater gegenüber verhielt, was sie zu 
ihrem eigenen Vergnügen tat, empfand Erna als Verfolgung. Sie fühlte 
sich auch stets belauert. Die übermäßige Fixierung an die Mutter hatte auch eine 
Ursache in dem Zwange, diese fortwährend zu beobachten. In der Analyse zeigte 
sich, daß Erna sich, auf Grund ihrer aggressiven Phantasien, an jeder Erkrankung 
der Mutter schuldig fühlte und die entsprechende Strafe erwartete. Das fort- 

9) Es gibt viele Kinder, die mit der Unterbrechung des Spieles nur scheinbar 
zur Realität zurückkehren, in "Wirklichkeit aber vorwiegend mit ihren Phantasien be- 
schäftigt sind. 

- 54 - 



währende Schwanken zwischen der strengen, strafenden Mutter und dem hassenden 
Kinde, das in ihren Spielen und Phantasien so deutlich hervortrat, zeigte in vielen 
Einzelheiten die Wirkung eines besonders grausamen Uber-Ichs. Bei Erna waren 
diese Phantasien, die den Wahnideen des erwachsenen Paranoikers 
entsprechen, erst durch eine sehr tiefgehende Analyse klar geworden. Ich 
bin auf Grund von Erfahrungen, die ich in den Jahren nach der Abfassung dieser 
Krankengeschichte machte, zu Ergebnissen 10 gelangt, die mir den besonderen 
Charakter von Ernas Angst, ihren Phantasien und ihrer Realitätsbeziehung 
als typisch für die Fälle erwiesen haben, bei denen paranoide Züge 
wirksam sind. 11 

In diesem Zusammenhange ist die schon von früher Kindheit an überaus starke 
Homosexualität Ernas hervorzuheben. Nach der Analyse großer Quan- 
titäten des Hasses, der dem Vater aus der ödipussituation galt, war die Homo- 
sexualität wohl verringert worden, aber immer noch überaus stark. Diese Quan- 
titäten schienen — zunächst — nicht mehr weiter auflösbar. Nach lange dauernden 
Widerständen ergab sich aber erst der volle Charakter von Ernas Verfolgungs- 
ideen und deren Zusammenhang mit ihrer Homosexualität. Die analen Liebes- 
wünsche traten nun sehr viel deutlicher in der positiven Form hervor und 
wechselten mit den Verfolgungsideen ab. Erna spielte nun wieder eine Ver- 
käuferin, und die unbewußte Bedeutung der Ware als Fäzes wurde unter anderem 
auch durch den gleich zu Beginn des Spieles auftretenden Stuhldrang deutlich. Ich 
war eine Käuferin, zog sie jeder anderen Verkäuferin vor und fand ihre Ware 
besonders gut. Dann spielte Erna, sie sei die Käuferin, die mich liebt, und stellte 
so ein anales Liebesverhältnis zwischen der Mutter und sich dar. Auf diese analen 
Phantasien folgten sehr bald Depressionen und Haßausbrüche, die sich vor allem 
gegen mich richteten, aber der Mutter galten. In diesem Zusammenhange brachte 
Erna auch Phantasien von einem Floh, der aus „Schwarzem und Gelbem" gemischt 
war und den sie gleich selbst als ein Stück Stuhl — wie sich erwies, gefährlichen, 
vergiftenden Stuhl — erkannte. Dieser Floh kam aus meinem Anus heraus und 
drang in den ihren ein und beschädigte sie. 12 



10) Ich gehe auf diese Ergebnisse im zweiten Teil dieses Buches ein. 

n) Siehe Kap. IX. 

12) Van Ophuijsen (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. VI, 1920) und Stärcke (Int. 
Ztschr. f. PsA. Bd. V, 1919) entdeckten in ihren Psychoanalysen, daß in der Paranoia 
der „Verfolger" sich zurückführen läßt auf die unbewußte Vorstellung von einem 
Scybalum im Darm des Kranken, welches von seinem Unbewußten mit dem Penis des 
„Verfolgers", d. h. des ursprünglichen geliebten Wesens gleichen Geschlechtes, identi- 
fiziert wird. Der Verfolger ist also in der Paranoia repräsentiert durch einen ihm ge- 
hörigen Körperteil, den der Verfolgte in sich zu tragen wähnt. Er möchte sich von 
dem Fremdkörper befreien, ist aber dazu nicht imstande. (Dieser Auszug ist Abrahams: 
Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido [S. 82] entnommen.) 

- 55 - 



im Falle Ernas hat sich mir die als Ursache des Verfolgungswahnes bekannte 
Umwandlung der Liebe in Haß gegen den gleichgeschlechtlichen Elternteil und die ' 
starke Wirksamkeit der Projektionsmechanismen einwandfrei ergeben. Hinter der 
homosexuellen Bindung zeigte sich aber in noch tieferer Schicht ein außerordent- 
lich starker, gegen die Mutter aus der frühesten ödipussituation 
und dem oralen Sadismus stammender Haß, der eine übermäßige, 
f ür die V e r f o 1 g u n g s p h a n t a s i e n und deren Einzelheiten determinierende 
A n g s t zur Folge hatte. Nun kamen (und dies war das schwerste Stück der 
Analyse, das von übermäßiger Angst begleitet war und an Ernas Arbeitswillig- 
keit die größten Anforderungen stellte) neuerlich sadistische Phantasien, die an 
Intensität des Sadismus alles übertrafen, was ich bis dahin in Ernas Analyse 
kennengelernt hatte. Der o r a 1 e Ne i d auf die beim Ko i t u s der El t er n 
vorausgesetzten oralen und genitalen Genüsse erwies sich als die tiefste Grund- 
lage ihres Hasses. Immer wieder richtete er sich in zahllosen Phantasien gegen 
die beiden im Koitus vereinigten Eltern. In diesen Phantasien griff Erna die 
Eltern — insbesondere die Mutter — auch mittels der Exkremente an. Die 
Angst vor meinen in sie eindringenden Fäzes (der Floh) erwies sich letzten Endes 
durch Phantasien determiniert, in denen sie das Innere des Mutterleibes mittels 
ihrer gefährlichen, vergiftenden Fäzes zerstörte. 13 

Nach weiterer Analyse dieser einem sehr frühen Entwicklungsstadium ent- 
stammenden sadistischen Phantasien und Regungen verminderte sich die homo- 
sexuelle Bindung an die Mutter; zugleich verstärkten sich die heterosexuellen 
Tendenzen. Bisher hatte in ihren Phantasien, die im wesentlichen durch die Haß- 
und Liebesbindung an die Mutter bestimmt waren, der Vater vorwiegend ein 
Mittel zum Koitus dargestellt; er schien seine Bedeutung nur aus dem Mutter- 
Tochter-Verhältnis zu beziehen. In Ernas Phantasie hatten ja Zärtlichkeiten der 
Mutter für den Vater, überhaupt deren ganze Beziehung zu diesem haupt- 
sächlich dem Zweck gedient, Erna zu berauben und eifersüchtig zu machen und 
den Vater gegen sie einzunehmen. Korrespondierend trat in den Phantasien, in 
denen Erna den Vater der Mutter geraubt und geheiratet hatte, nur der Haß 
gegen die Mutter, der Wunsch, sie zu kränken, in den Vordergrund. Wenn Erna 
bei Darstellungen dieser Art mit ihrem Manne zärtlich war, so zeigte sich bald, 
daß sie diese Zärtlichkeit nur vo rtäuschte, um die Rivalin zu kränken und den 

„J 5 ! SV.? S t% ^ AnaI 7 S6n fand ' Vemärkt die An S st vor den vergiftenden 
und gefährlichen Exkrementen die Fixierung an die prägenitalen Stufen. Sie löst den 
Antrieb aus, sich immer wieder davon zu überzeugen, daß die Exkremente - die 
Kao ne vnn n\ 1K °! 5J I ekte ~ "J** V&Mih, daß sie „gute" Dinge sind (siehe 
,7nT ' A D .? s ^ lh JP* ke . E ™' da « wir einander „gute" anale Geschenke machen 
und einander lieben. Daß sie aber zutiefst befürchtete, daß wir (vielmehr sie und die 
Mutter) einander verfolgten und vergifteten, ging aus den Depressionen hervor, die 
dem im Spiel dargestellten Liebesverhältnis folgten. 

- 5G ~ 



Vater auf ihre Seite zu ziehen. Zugleich mit den anderen eben besprochenen 
wichtigen Fortschritten in der Analyse traten auch wirklich positive Gefühle für 
den Vater hervor. Die direkte ödipusbeziehung konnte sich nun, da Haß und 
Angst nicht mehr so stark das Bild beherrschten, durchsetzen. Zugleich verringerte 
sich die Fixierung an die Mutter und verbesserte sich auch das früher so ambi- 
valente Verhältnis zu ihr. Dieser Veränderung des Verhältnisses zu beiden Eltern- 
teilen lagen auch wesentliche Änderungen in Ernas Phantasie- und Triebleben zu- 
grunde. Der Sadismus hatte sich verringert und die Verfolgungsphantasien hatten 
der Quantität und Intensität nach stark nachgelassen. Bedeutungsvoll scheint mir 
auch die Veränderung der Realitätsbeziehung, die sich unter anderem auch in einer 
sehr viel stärkeren Einbeziehung der Realität in das Phantasieleben dokumentierte. 
In diesem Analysenabschnitt fragte Erna, nachdem sie ihre Verfolgungsideen im 
Spiel zur Darstellung gebracht hatte, häufig ganz erstaunt: „Aber das hatte doch 
meine Mutter gar nicht wirklich gemeint? Sie hat mich doch eigentlich 
auch sehr 1 i e b." In dem Maße, in dem die Realitätsbeziehung sich günstig 
veränderte, trat auch in der Analyse die der realen Mutter geltende Kritik 
hervor, und zugleich verbesserte sich Ernas Verhältnis zu ihr. Dies war erst 
möglich geworden, als der unbewußte Haß bewußter wurde. Hand in Hand mit 
dem besseren Verhältnis zur Mutter traten aber auch bei Erna 
wirklich mütterliche und zärtliche Gefühle ihren imaginärenKindern 
gegenüber hervor. Sie fragte einmal, als sie im Spiel grausam mit dem imaginären 
Kinde umgegangen war, ganz erschüttert: „"Würde ich auch einmal mein Kind wirk- 
lich so behandeln?" Die Analyse der Verfolgungsideen und die Herab- 
setzung der Angst hatten mit der Befestigung der heterosexuellen 
Einstellung auch eine positivere Beziehung zur Mutter und eine größere 
Fähigkeit zur Mütterlichkeit bewirkt. Ich möchte bei diesem Anlaß hervor- 
heben, daß die Regelung dieser Grundeinstellungen, die für die Liebeswahl und 
das Erleben des Erwachsenen bestimmend sind, mit zu den Forderungen gehören, 
die meines Erachtens an jede Kinderanalyse zu stellen sind. 

Ernas Neurose hatte sich sehr frühzeitig entwickelt. Schon im Alter von nicht 
ganz einem Jahre hatten sich bei ihr, zugleich mit einer ungewöhnlichen geistigen 
Frühreife, starke Anzeichen von Neurose gezeigt; von da an steigerten sich ihre 
Schwierigkeiten immer mehr, so daß bereits im Alter von zwei bis drei Jahren 
ihre Erziehung ein unlösbares Problem darstellte. Zu dieser Zeit lag schon eine 
ausgesprochene Zwangsneurose und eine abnorme Charakterbildung vor. Aller- 
dings wurde erst im Alter von etwa vier Jahren der ungewöhnliche Charakter 
ihrer Onanie und ihres Lutschens erkannt. So zeigt die Zwangsneurose, die beim 
sechsjährigen Kinde festgestellt wurde, einen chronischen Charakter. Bilder aus 
dem Alter von ungefähr drei Jahren weisen schon den gleichen neurotischen, 
grüblerischen Gesichtsausdruck auf, den das sechsjährige Kind hatte. 

- 5 7 - 



Ich will hier ausdrücklich auf die außergewöhnliche Schwere dieses Falles , 
hinweisen. Die Zwangssymptome, die das Kind unter anderem sogar völlig 
schlaflos machten, die Depressionen und sonstigen Krankheitserscheinungen und 
die abnorme Charakterentwicklung waren doch nur ein schwacher Ausdruck des 
gänzlich abnormen, ausschweifenden und ungebändigten Trieblebens, das ihnen 
zugrunde lag. Bei einer Zwangsneurose, die wie diese schon jahrelang durchaus 
progressiven Charakter hatte, müßten die Zukunftsaussichten recht trübe genannt 
werden. Es ist anzunehmen, daß nur eine rechtzeitig durchgeführte Psychoanalyse 
hier Hilfe schaffen konnte. 

Ich gehe nun ausführlicher auf die Struktur des Falles ein. Die Erziehung 
zur Sauberkeit war ohne Schwierigkeiten und ungewöhnlich 
schnell vonstatten gegangen. Erna war im Alter von einem Jahr schon sauber. 
Es war dazu keine Strenge nötig gewesen, da der Ehrgeiz des frühreifen 
Kindes einen starken Motor für die schnelle Anpassung an die Forderungen der 
Reinlichkeit bildete." Dem äußeren Gelingen entsprach ein völliges inner- 
liches Mißlingen. Die ungeheuren, analsadistischen Phantasien zeigen, in 
welchem Ausmaße Erna an diese fixiert blieb und wie sehr Haß und Ambivalenz 
von dort ihren Ausgang nahmen. An diesem Mißlingen hat außer der starken 
konstitutionellen oral- und analsadistischen Anlage auch das 
Vorauseilen der Ichentwicklung vor der Libidoentwicklung, die 
Freud als eines der Momente zur Disposition zur Zwangsneurose bezeichnet, 15 
einen wesentlichen Anteil. Aber auch ein anderes wichtiges Entwicklungsmoment 
war, wie die Analyse ergab, nur äußerlich gelungen: Erna hatte die Ent- 
wöhnung von der Mutterbrust nie verschmerzt. Bei ihrer weiteren 
Entwicklung trat eine andere Entbehrung an sie heran. Der Mutter war, als das 
Kind sechs bis neun Monate alt war, aufgefallen, mit welcher deutlich sexuellen 
Lust es auf die Maßnahmen der Kinderpflege, insbesondere auf 
die Reinigung der Genitalien und des Afters, reagierte; die Übererregbar - 
keit der Genitalzone war unverkennbar. Die Mutter befleißigte sich 
deshalb größter Vorsicht, die sie, als das Kind größer und sauberer wurde, auch 
leichter durchführen konnte. Diese Zurückhaltung aber wurde vom Kinde als 
Versagung, die frühere ausgiebigere Pflege als Verführung empfunden. Das 
Gefühl, verführt zu werden (dem der Wunsch danach zugrunde lag), 
wiederholte sich immer wieder in Ernas Leben. Beim Kindermädchen und anderen 
Erziehungspersonen wie auch in der Analyse suchte Erna die Situation des Ver- 

14) Ernas Phantasien, in denen sie die Mutter durch ihre Sauberkeit übertraf und 
dafür als Frau „Dreckparadie" vom Vater geheiratet wurde, während die Mutter im 
Gefängnis verhungerte, erwiesen, aus welchen Quellen dieser frühe Ehrgeiz mitgespeist 
wurde. 

ij) Freud, Die Disposition zur Zwangsneurose. Ges. Schriften, Bd. V, S. 286. 

- 58 _ 



führtwerdens wieder herzustellen, abwechselnd mit dem Vorwurf, daß sie ver- 
führt worden sei. Aus der Analyse der Ubertragungssituation ließ sich diese 
Einstellung auf die früheren Situationen bis auf die früheste — die der Kinder- 
pflege — zurückführen. 

In diesen angeführten drei Momenten ist der konstitutionelle Anteil von 
Ernas Neurose unverkennbar. 16 

Ich habe nun noch nachzutragen, in welcher Weise das Erleben der U r s z e n e 
zu diesen konstitutionellen Momenten hinzutrat und_so zur vollen Entwicklung 
der Zwangsneurose führte. Erna hatte im Alter von zweiundeinhalb Jahren und 
dann wieder mit dreiundeinhalb Jahren 17 das Schlafzimmer der Eltern in der 
Sommerfrische geteilt und Gelegenheit zu Koitusbeobachtungen gehabt, deren 
Wirkungen ich nicht nur aus der Analyse erkannte, sondern die sich mit voller 
Sicherheit auch aus den Aussagen der Umgebung feststellen ließen. In dem 
Sommer, in den die Koitusbeobachtungen fielen, veränderte sich das Kind in 
auffallend ungünstiger Weise. Die Analyse ergab, daß die Koitusbeobachtungen 
den vollen Ausbruch der Neurose herbeiführten. Der Anblick der k o i t i e- 
r enden Eltern, der die Schärfe der Versagung und den Neid steigerte, 



16) Ich kam seither zur Auffassung, die ich im Kap. VIII ausführlicher begründe, 
daß ein übermäßiger oraler Sadismus eine Grundlage für eine übermäßig schnelle Ich- 
entwicklung ist und auch die Libidoentwicklung beschleunigt. Die drei Momente, die ich 
als die konstitutionelle Grundlage von Ernas Neurose anführte — der übermäßige 
Sadismus, die überschnelle Ichentwicklung und die vorzeitige starke "Wirksamkeit der 
genitalen Regungen — greifen demnach ineinander. 

Ein weiteres konstitutionelles Moment für die Neurose sehe ich auch auf Grund 
späterer Erfahrungen in der ungenügenden Fähigkeit des Ichs, Angst zu ertragen. In 
manchen Fällen, zu denen Erna gehörte, löst der Sadismus schon sehr früh eine über- 
mäßige Angst aus, die das Ich nicht entsprechend bewältigen und verarbeiten kann. 
Doch ist die Fähigkeit des Ichs, auch weniger große Angstquantitäten zu bewältigen, 
variabel und ein Moment, das die Neurose mitdeterminiert. 

17) Hier ergibt sich eine interessante Analogie zu dem in: Die Geschichte einer 
infantilen Neurose von Freud beschriebenen Falle. Als Erna fünf Jahre alt war, 
also einundeinhalb Jahre nach ihren letzten Koitusbeobachtungen, waren die Eltern 
mit dem Kinde zu Besuch bei der Großmutter, wobei Eltern und Kind in einem 
gemeinsamen Zimmer schliefen. Dieses Mal hatte das Kind keine Gelegenheit zu 
Koitusbeobachtungen. Des Morgens überraschte Erna die Großmutter mit folgender 
Erzählung: „Vati ist zu Mutti ins Bett gestiegen und hat dort mit ihr Wackel-Wackel 
gemacht." Die Behauptung der Kleinen blieb unerklärlich, bis sich aus den Ergebnissen 
der Analyse feststellen ließ, daß das Kind mit zweiundeinhalb Jahren die Vorgänge, 
deren Zeugin es war, aufgenommen, wieder vergessen, aber aufbewahrt und dann mit 
dreiundeinhalb Jahren diese Eindrücke wieder aufgefrischt und wieder vergessen hatte. 
Die analoge Situation, das gemeinsame Schlafen mit den Eltern, hatte einundeinhalb 
Jahre nachher in ihr die unbewußte Erwartung der gleichen Beobachtung angeregt und 
das früher Erlebte aktiviert. Auch in diesem Falle, wie in dem des „Wolfsmannes", 
war die Urszene vollständig verdrängt, in späterer Zeit aber aktiviert und vorüber- 
gehend dem Bewußtsein zugeführt worden. 

— 5 9 — 



verstärkte übermäßig die sadistischen, der sexuellen Befriedigung der 
Eltern geltenden Phantasien und Regunge n. 18 

Ernas Zwangssymptome klärten sich folgendermaßen auf: der zwanghafte 
Charakter des Lutschens war durch die Phantasien vom Saugen, Zerbeißen 
und Fressen des väterlichen Penis und der Mutterbrust ver- 
ursacht worden, wobei der Penis den ganzen Vater und die Brust die Mutter 
vertraten. 19 Die Analyse deckte auch die starken melancholischen Züge im Krank- 
heitsbilde auf, auf die ich hier nur kurz hinweise. 20 Ich habe für die bei Erna 
wirksame unbewußte Bedeutung des Kopfes als Penis mehrere Beispiele angeführt. 
Das Aufschlagen des Kopfes sollte die Koitusbewegungen des 
Vaters darstellen. Erna berichtete, daß ihre Angst vor dem Räuber oder Ein- 
brecher, in der Nacht nur so lange aufhört, als sie mit dem Kopfe „bumst", sie 
hat sich also dieser Angst durch Identifizierung mit dem Angst- 
objekt entzogen. Ein sehr kompliziertes Gebilde war ihre Zwangsonanie. 
Sie unterschied deren mehrere Arten: das Zusammenpressen der Beine, das von 
ihr „Rankern" genannt wurde; das „Bildhauern", das mit dem Schaukeln identisch 
ist; das „Schrankspielen", wie sie das Ziehen an der Klitoris nannte, wobei „sie 
etwas ganz Langes herausziehen möchte". Außerdem übte sie durch den Zipfel 
des Lakens, den sie zwischen den Beinen durchzog, einen Druck auf die Vagina 
aus. Bei allen diesen verschiedenen Arten der Onanie waren verschiedene Identi- 
fizierungen wirksam, und zwar je nachdem, ob Erna die aktive Rolle des Vaters 
oder die passive der Mutter oder die Rolle beider in ihren Phantasien darstellte. 
Diese Masturbationsphantasien von stark sadistisch-masochistischem Charakter 
zeigten deutlichen Zusammenhang mit der Urszene und den Urphantasien. Der 
Sadismus richtete sich gegen die koitierenden Eltern; als Reaktion auf ihren 
Sadismus traten Phantasien von entsprechendem masochistischem Charakter auf. 
In einer Reihe von Analysenstunden onanierte Erna auf diese verschiedenen 



18) Wir wissen durch Freud, daß die Angstquantitäten für den Ausbruch der 
Neurose entscheidend sind (Hemmung, Symptom und Angst, Ges. Sehr., Bd. XI, S. 96). 
Die Angst wird aber meiner Auffassung nach durch die destruktiven Triebregungen 
ausgelöst (siehe Kap. VIII und IX); der Ausbruch der Neurose wäre somit die un- 
mittelbare Folge einer übermäßigen Steigerung der destruktiven Triebregungen. Im 
Falle Ernas erwies sich auch, daß es der zufolge der Urszene gesteigerte Haß war, der 
eine übermäßige Angst ausgelöst hatte. Diese führte den Ausbruch der Neurose herbei. 

19) Siehe Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 78. 

20) Im Verlaufe der Analyse klagte Erna wiederholt über ein merkwürdiges Gefühl, 
das sie oft habe: Sie wundere sich plötzlich, ob sie ein Tier sei oder nicht. Dieses Gefühl 
war durch ihre Schuldgefühle über ihre kannibalistischen Antriebe determiniert. Die De- 
pression Ernas, die sie in die Worte gefaßt hatte: „Etwas im Leben gefällt mir nicht", 
wurde in der Analyse als direkter Lebensüberdruß deutlich und war mit Selbstmord- 
wunschen verbunden. Sie wurzelte in ihren Schuldgefühlen, die auf die oral-sadistischen 
Regungen zurückgingen. 

- Go - 



Arten; zugleich aber gelang es der gut befestigten Übertragung, das Kind 
zwischendurch zum Mitteilen der Onaniephantasien zu bewegen. So wurde 
mit der Erkenntnis der Ursachen der Zwangsonanie auch deren Behebung 

möglich. 

Das „Schaukeln", das bei Erna in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres 
aufgetreten war, entsprang dem "Wunsch, masturbiert zu werden, und ging auf 
die Berührungen der Kinderpflege zurück. Wenn Erna in diesem Analysen- 
abschnitt den elterlichen Koitus auf die verschiedensten Arten im Spiel dargestellt 
hatte und wenn daran anschließend die ganze Wut anläßlich der Versagung 
hervortrat, fehlte niemals die Situation, in der sie halb liegend oder sitzend 
schaukelte, dabei exhibierte und schließlich auch die direkte Aufforderung an 
mich richtete, sie doch am Genitale zu berühren, manchmal auch die, an ihrem 
Genitale zu riechen. Um diese Zeit aber überraschte — nach dem Bade — das 
sechsjährige Kind die Mutter durch die Aufforderung, doch eines ihrer Beine 
hochzuheben und sie unten zu betupfen oder zu berühren, wobei sie völlig die 
— zuletzt vor Jahren eingenommene — Stellung eines kleinen Kindes beim 
Pudern des Genitales einnahm. Diese Aufklärung des Schaukeins führte auch 
zur völligen Behebung dieses Zwangssymptoms. 

Ernas Lernhemmung, die so weit ging, daß sie sich im Laufe zweier Jahre, 
trotz aller Mühe, die sie sich gab, kaum die Kenntnisse erworben hatte, die 
Kinder sonst normalerweise innerhalb einiger Monate sich aneignen, erwies sich 
als eines ihrer resistentesten Symptome. Es wurde erst im letzten Teil der 
Analyse stärker beeinflußt und war, als ich die Behandlung abschloß, wohl 
gebessert, aber nicht behoben. Ich habe schon eingehend die günstige Veränderung 
im Verhältnis zu beiden Elternteilen und damit auch die von Ernas Libidoposition 
im allgemeinen besprochen und ferner hervorgehoben, daß durch die Analyse eine 
soziale Anpassung überhaupt erst in die Wege geleitet worden ist. Die Zwangs- 
symptome (die Zwangsonanie, Lutschen, Schaukeln usw.), die so schwer waren, 
daß sie zum Teil die Schlaflosigkeit des Kindes verursachten, wurden behoben. 
Damit zugleich und mit der wesentlichen Verminderung der Angst wurde der 
Schlaf normal. Auch die Depressionen hörten auf. 21 Dennoch hielt ich, als 
die Behandlung nach fünfhundertundfünfundsiebzig Arbeitsstunden, die sich über 
einen Zeitraum von zweiundeinviertel Jahren erstreckten, aus äußeren Gründen 
zum Abschluß kam, die Analyse keineswegs für beendet. Die außerordentliche 
Schwere des Falles, die sich nicht nur in den Krankheitserscheinungen, sondern 
auch in einer mißglückten Charakterentwicklung und im völlig abnormen Wesen 
des Kindes geäußert hatten, hätte ein großes Stück weiterer Analyse erforderlich 

21) Dieses Resultat hat sich — wie ich zuletzt zweiundeinhalb Jahre nach Abschluß 
der Analyse erfuhr — als haltbar erwiesen. 

- 61 - 



gemacht, um die noch vorhandenen Schwierigkeiten zu beheben. Daß ihre Sta- 
bilität nicht genügend befestigt war, ging auch daraus hervor, daß Erna dazu' 
neigte, wenn sie in Situationen geriet, die für sie eine Belastung darstellten, in 
schon überwundene Schwierigkeiten — wenn auch in schwächerem Ausmaße — 
zurückzuverfallen. Unter diesen Umständen aber liegt die Möglichkeit vor, daß 
stärkere Belastungen oder auch nur der Übergang ins Pubertätsalter zu neuerlicher 
Erkrankung oder zu sonstigen Schwierigkeiten führen können. 

Hier erhebt sich eine Frage von prinzipieller Bedeutung, die Frage nämlich, 
wann eine Kinderanalyse überhaupt als beendet zu betrachten ist. Ich kann bei 
Kindern im Latenzalter selbst sehr günstige Resultate, auch wenn 
sie die Umgebung voll befriedigen, nicht als alleinigen Maßstab für eine 
beendigte Analyse betrachten. Ich kam nämlich zur Überzeugung, daß 
die Tatsache an sich — so bedeutungsvoll sie auch ist -, daß die Analyse eine 
günstigere Entwicklung im Latenzalter angebahnt hat, noch keine Gewähr für das 
volle Gelingen der weiteren Entwicklung bietet.* 2 Der Übergang in das Pubertäts- 
alter und aus diesem in das Erwachsenenalter scheint mir der Prüfstein dafür, ob 
eine Kinderanalyse weit genug geführt wurde. Ich gehe auf diese Frage im 
sechsten Kapitel ein und will in diesem Zusammenhange nur als eine Erfahrungs- 
tatsache berichten, daß die Analyse des Kindes in um so größerem Ausmaße auch 
für die zukünftige Stabilität vorsorgt, je mehr sie die Angst der 
tiefstenSchichten aufzulösen vermag. Hierin aber und in dem Charakter 
(vielmehr den zustandegekommenen Veränderungen) der unbewußten 
P h a n t a s i e n sehe ich ein Kriterium, das mitentscheidend ist für die Beurteilung, 
ob eine Analyse weit genug geführt wurde. Um auf Ernas Fall zurückzukommen:' 
Ich habe an einer früheren Stelle dieses Berichtes erwähnt, daß beim Abschluß 
der Analyse die Verfolgungsphantasien quantitativ und der Intensität nach stark 
abgenommen hatten. Meiner Auffassung nach aber wäre eine weitere Herab- 
setzung des Sadismus und der Angst durchaus erreichbar und auch erfor- 
derlich gewesen, um der Möglichkeit einer späteren Erkrankung im Pubertäts- 
oder Erwachsenenalter genügend vorzubauen. Da aber aus äußeren Gründen 
eine Fortsetzung der Analyse nicht möglich war, so wurde deren Beendigung 
für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht genommen. 

Ich schließe nun an diese Krankengeschichte die Besprechung einiger prin- 
zipieller Fragen, die sich mir zum Teil auch aus dieser Analyse ergeben haben. 
Die weitgehende Beschäftigung mit sexuellen Fragen in der Analyse, die Freiheit, 

JK ~ ^ A u SZ , Ug £" S dner , Pubertäts analy S e CM, den ich im fünften Kapitel 
gebe trete ich auch der Frage näher, welche Faktoren für den gelungenen Übergang in 

betend -V" We " eren Fakt ° ren ^ den ° berSang ^ daS Pube «ät S alter 



- 6a - 



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die dem Kinde in Phantasien und Darstellungen gewährt wurde, 23 führten nicht 
etwa zur Vermehrung der sexuellen Reize und zur stärkeren Konzentration auf 
die Sexualität, sondern zu deren wesentlicher Verminderung. Bei Erna handelte 
es sich überdies um ein Kind, dessen ungewöhnliche sexuelle Frühreife allgemein 
auffiel. Nicht nur die Art der Phantasien, sondern auch das Benehmen und die 
Bewegungen Ernas trugen den Charakter eines stark sinnlichen Mädchens der 
Pubertätszeit; dies trat auch besonders in ihrem sehr herausfordernden Verhalten 
Knaben und Männern gegenüber hervor. Auch dieses Verhalten hat sich während 
der Analyse günstig verändert, und das Kind zeigte dann ein kindlicheres Wesen. 
Auch bewirkte die Analyse der Onaniephantasien, daß sie die Zwangsonanie 
einstellte. 24 

Als eine andere prinzipielle Frage möchte ich hervorheben, daß es mir un- 
erläßlich scheint, Zweifel und Kritik, die im Unbewußten des Kindes 
hinsichtlich der Eltern, insbesondere deren Sexualität, bestehen, in der 
Analyse so weitgehend als möglich bewußt zu machen. Das Verhältnis 
zur Umgebung wird dadurch nur verbessert, da die unbewußten Gefühle 
von Groll, Verurteilung usw. durch das Bewußtmachen einer Realitätsprüfung 
unterzogen und dadurch vermindert werden. Gleichzeitig bessert sich die 
Realitätsbeziehung. Andrerseits ist, wie ich im Falle Ernas beschrieb, die 
Fähigkeit zur bewußten Kritik der Eltern zum Teil schon das Resultat der durch 
die Analyse bewirkten Verbesserung der Realitätsbeziehung. 25 

23) Ich habe im vorigen Kapitel darauf hingewiesen, daß auch die Kinderanalyse in 
der Abstinenz durchgeführt werden müsse, wobei allerdings die Unterschiede des kind- 
lichen Wesens von dem des Erwachsenen einen anderen Maßstab ergeben. Zum Beispiel 
gewährt der Analytiker auch durch seinen Anteil an den Spielen und Phantasien des 
Kindes diesem eine im Vergleich zur Erwachsenenanalyse viel größere reale Befriedigung, 
aber das Maß dieser Befriedigung schränkt sich wieder dadurch ein, daß das Spiel die 
dem Kinde gemäße Ausdrucksweise ist, und daß der Anteil des Analytikers am Spiel 
deshalb nicht wesensverschieden ist von der Aufmerksamkeit, mit der der Analytiker den 
in Worten ausgedrückten Phantasien des Erwachsenen folgt. Auch beim Kinde sind die 
in der Analyse erzielten Befriedigungen im wesentlichen Befriedigungen der Phantasie. 
Erna, die in den Analysenstunden eine Zeitlang regelmäßig onanierte, war eine Aus- 
nahme. Hiebei ist aber in Betracht zu ziehen, daß bei Erna Zwangsonanie in einem 
so starken Ausmaße vorlag, daß sie im allgemeinen den größten Teil des Tages onanierte, 
u. zw. auch in Gegenwart anderer. Als der Zwang vermindert war, führte auch bei ihr 
die analytische Situation zur Einstellung der Masturbation während der Analysen- 
stunden und zur bloßen Darstellung der Masturbationsphantasien. 

24) Ich verstehe darunter, daß die übermäßige Masturbation und die Masturbation in 
Gegenwart anderer, die zwanghafte Ursachen hatten, aufhörten, — nicht aber, daß die 
Masturbation an sich völlig eingestellt wurde. 

25) Solange die Realitätsabsperrung so stark war, konnte ich nur das Phantasie- 
material analysieren. Ich war dabei fortgesetzt bestrebt, die schwachen Fäden, die von 
der Phantasie zur Realität führten, aufzufinden. Auf diese Weise und durch die stetige 
Herabsetzung der Angst gelang es, schrittweise die Beziehung zur Realität zu stärken. — 
Ich gehe im nächsten Kapitel ausführlicher darauf ein, daß im Latenzalter häufig ganze 

- 63 - 



Ich gehe nun auf ein technisches Problem ein. — Wie ich berichtete, kam es* 
häufig zu Wutausbrüchen Ernas in den Analysenstunden. Ihre "Wutanfälle und 
ihr Sadismus nahmen mir gegenüber häufig bedrohliche Formen an. Die Analyse 
macht bekanntlich beim Zwangsneurotiker starke Affekte frei: beim Kinde 
kommen diese aber in viel unmittelbarerer und unbeherrschterer Weise zum 
Ausdruck. Ich habe Erna gegenüber von vornherein an der Forderung fest- 
gehalten, daß sie sich an meiner Person nicht vergreifen dürfe. Hingegen konnte 
sie aber ihre Affekte auf verschiedene andere Arten abreagieren; sie zerbrach, 
zerschnitt Spielzeug usw., sie schleuderte die Stühlchen, warf die Kissen, stampfte 
mit den Füßen auf der Chaiselongue, goß Wasser aus, beschmierte Papier, Spiel- 
zeug, Waschbecken, 26 schimpfte usw., ohne von mir daran gehindert zu werden. 
Gleichzeitig aber analysierte ich ihre Wut, die sich dadurch immer wieder herab- 
setzen oder auch ganz beheben ließ. Es sind also drei Momente, die technisch bei 
den Affektausbrüchen der Kinder zu beachten sind: i) Ein T e i 1 der A f f e k t e 
muß beherrscht werden, was aber vom Kinde nur aus real begründeten 
Rücksichten gefordert wird, z) wird zugleich dem Kinde die Abreaktion 
der Affekte sowohl in Worten wie auch auf die früher beschriebenen Arten 
freigegeben, 3) werden durch die fortlaufenden Deutungen und die 
Zurückf ührung der gegenwärtigen auf die ursprüngliche 
Situation die Affekte selbst vermindert oder aufgelöst. Innerhalb dieser 
allgemeinen Regeln sind natürlich die verschiedensten Dosierungen nötig. 

Bei Erna zum Beispiel habe ich bald zu dem Mittel greifen müssen, wenn ich 
ihr den Schluß der Stunde anzeigte — was eine Zeitlang immer einen Wut- 
ausbruch herbeiführte — , zugleich auch beide Türen zu öffnen, da es ihr außer- 
ordentlich peinlich gewesen wäre, wenn die Person, die sie abholte, etwas von 
ihren Affekten bemerkt hätte. In diesem Zeitabschnitt glich auch mein Zimmer, 
wenn Erna es verlassen hatte, einem Schlachtfelde. Zu einem späteren Zeitpunkte 
der Analyse begnügte sie sich damit, nur noch schnell die Kissen hinunterzuwerfen; 
noch später verließ sie vollständig ruhig mein Zimmer. Ein anderes Beispiel ent- 
nehme ich der Analyse des dreiunddreivierteljährigen P e t e r, bei dem es auch zu 
starken Wutausbrüchen kam. Zu einem späteren Zeitpunkt seiner Analyse äußerte 
er, auf ein Spielzeug weisend, spontan: „Ich kann mir auch ganz gut denken, 
daß ich das jetzt kaputt gemacht habe". 27 Es ist aber wesentlich, daß die vom 



Strecken hindurch vorwiegend das Phantasiematerial analysiert werden muß, bevor der 
Zugang zur Realität des Kindes und zu seinen Ichinteressen hergestellt werden kann. 

26) Ich halte es für eine unerläßliche Voraussetzung der Kinderanalyse, daß das Be- 
handlungszimmer derart eingerichtet sei, daß das Kind weitgehend abreagieren kann. 
Beschädigungen der Möbel, des Fußbodens usw. nehme ich dabei bis zu einem gewissen 
Grade in Kauf. 

27) Auch ganz kleine Kinder beweisen häufig durch Äußerungen, daß sie die Über- 
tragungssituation voll erfaßt und daß sie begriffen haben, daß die Verminderung von 

- 64 - 






Analytiker erhobenen unerläßlichen Forderungen an teilweise Be- 
herrschung der Affekte seitens des Kindes nicht Erziehungs- 
maßnahmen bedeuten, sondern rationell begründet sind. Die 
rationelle Notwendigkeit zu einer gewissen Beherrschung der Affekte leuchtet 
dem Kinde ein — auch wenn es sie durchaus nicht immer durchzuführen vermag. 
Analog führe ich auch manchmal im Spiele einen Teil der mir zugemuteten, über- 
mäßig beschwerlichen oder unangenehmen Handlungen nicht wirklich durch; aller- 
dings komme ich auch hiebei nach Möglichkeit den Einfällen des Kindes 
nach. Sehr wichtig ist auch eine weitgehende Affektlosigkeit des Analytikers den 
Affektausbrüchen des Kindes gegenüber. 

* 

Ich ziehe das Material dieses Falles zur Illustration meiner im zweiten Teil 
dieses Buches niedergelegten 28 späteren theoretischen Aufstellungen heran. Die 
vergoldeten Laternen der Lokomotive, die „so schön rot sind und brennen", und 
an denen Erna lutscht, stellen den väterlichen Penis dar (vgl. auch das 
„Lange Goldene", das den Kapitän über Wasser hält), und werden von ihr auch 
der Mutterbrust gleichgesetzt. Die Tatsache, daß das Lutschen bei Erna 
starkes Schuldgefühl hervorruft, geht daraus hervor, daß, solange ich das Kind 
darstelle, mein größter Fehler das Lutschen ist. Dieses Schuldgefühl erklärt sich 
daraus, daß ihr das Lutschen zugleich ein Abbeißen und Fressen der mütterlichen 
Brust und des väterlichen Penis bedeutete. Ich verweise auf meine Aufstellung, 
daß es die Entziehung der Mutterbrust ist, die mit dem Wunsche 
nach der Introjektion des väterlichen Penis und dem Neid 
und Haß gegen die Mutter den Ödipuskonflikt aktiviert. Diesem 
Neid liegt die frühe Sexualtheorie zugrunde, daß die Mutter im Koitus mit dem 
Vater sich dessen Penis einverleibe und bei sich behalte. 29 Der Neid erwies 
sich als der Kernpunkt von Ernas Neurose. Die Angriffe, die Erna zu Beginn 
ihrer Analyse als „der Dritte" auf das Haus unternahm, in dem sich der Mann 
und die Frau allein aufhalten, erwiesen sich als eine Darstellung ihrer aggres- 
siven Regungen gegen das Innere des Mutterleibes und den 

Affekten in der Analyse mittels der Deutung der ursprünglichen Situation und der dieser 
zugehörigen Affekte bewirkt wird. In solchen Fällen unterschied zum Beispiel Peter oft 
zwischen m i r, die ihm „wie die Mutti vorkomm t", und seiner wirklichen 
Mutti. Zum Beispiel hat er, als er wieder einmal die Autos in Bewegung setzte (was den 
Koitus der Eltern symbolisierte), nach mir gespuckt, mich schlagen wollen und zu mir 
„ungezogenes Biest" gesagt. Im Anschluß an meine Deutung wird er nach heftigem 
Widerspruch nach und nach friedlich und liebevoll und fragt: „Wollte ich, als Papas 
Tüpödichen so in die Mutti fuhr, zu meiner wirklichen Mutter ,Biest' sagen?" 

28) Siehe auch meine Arbeit: Frühstadien des Ödipuskonfliktes. Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XIV. (1928). 

29) Siehe Kap. VIII. 



Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

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dort vorausgesetzten väterlichen Penis. Diese durch den oralen Neid 
stimulierten Regungen äußerten sich auch in dem Spiel, in dem sie das Schiff, 
die Mutter darstellend, zum Sinken brachte und dem Kapitän (Vater) „das 
Lange, Goldene" und den Kopf, der ihn über Wasser hielt, abriß, ihn also 
symbolisch (in der Koitussituation mit der Mutter) kastrierte. Zu welcher Steige- 
rung der sadistischen Mittel diese Angriffe auf den Mutterleib führen, geht aus 
den Einzelheiten der Angriffsphantasien Ernas hervor. Die in explosive, gefähr- 
liche Stoffe verwandelten Exkremente werden zum Angriff gegen 
das Innere des Mutterleibes verwendet. Dies hat Erna zum Beispiel dar- 
gestellt durch das Verbrennen des Hauses, wobei „die Menschen platzen". Das 
Ausschneiden von Papier („Schabefleisch", „Augensalat machen") erwies sich als 
eine völlige Zerstörung der im Koitus vereinigten Eltern. Daß 
das beabsichtigte Abbeißen meiner Nase, „die Fransen", die sie aus ihr schneiden 
wollte, zugleich auch einen Angriff auf den — von mireinverleibten — 
väterlichen Penis darstellen, hat sich mir aus dem Material erwiesen 
und auch in anderen Fällen bestätigt. 30 

Daß die in der Phantasie unternommenen Angriffe auf den Leib der Mutter 
auch den Raub unddieZerstörungdessonstigenLeibesinhaltes 
(des Stuhls und der Kinder) bezwecken, zeigen die verschiedenen Arten 
von „Fischen", um die ein mit allen Mitteln geführter Kampf zwischen „Fischfrau" 
(Mutter) und mir, die das Kind darstellte, sich entspann. Ferner phantasierte 
Erna, daß ich mir um jeden Preis die „Fische" aneignen will, nachdem ich 
zuschauen mußte, als „sie und der Schutzmann zusammen" „Geld (oder die 
Fische) gewurlt" (gequirlt) hatten. Der Anblick der koitierenden 
Eltern stimulierte also die Begierde, den väterlichen Penis und den 
sonstigen Inhalt des Mutterleibes zu rauben. Als Reaktion auf 
diese phantasierte Beraubung und Zerstörung des mütterlichen Leibes setzte 
(nach den Kämpfen mit der Fischfrau) bei Erna die Angst ein vor einer 
„R ä u b e r i n", die ihr alles, was in ihr drinnen war, herausnehmen 
wollte. Diesen Angstinhalt habe ichalsderfrühestenGefahrsituation 
des Mädchens zugehörig beschrieben, die nach meinen Erfahrungen der 
Kastrationsangst des Knaben adäquat ist. 81 Ich will hier auf 
den Zusammenhang dieser frühen Angstsituation mit Ernas ganz 



30) Auch in anderen Analysen waren Angriffe — phantasierte und reale — gegen 
meine Füße und meinen Kopf nicht nur gegen diese Körperteile als solche gerichtet, 
sondern auch durch die unbewußte Bedeutung meiner Extremitäten als eines mir 
aufgesetzten oder einverleibten väterlichen Penis determiniert. 

31) Siehe meine Arbeit: Frühstadien des Ödipuskonfliktes, in der ich auch auf den 
Zusammenhang zwischen Arbeitshemmungen und der sadistischen Identifizierung mit der 
Mutter eingegangen bin. 



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außerordentlicher Lernhemmung verweisen, einen Zusammenhang, den ich 
in der Zwischenzeit auch in anderen Analysen kennenlernte. 32 Ich wies in Ernas 
Krankengeschichte darauf hin, daß die Lernhemmung erst durch die Analyse der 
tiefsten Schichten des Sadismus und der Frühstadien des Ödipuskonfliktes be- 
einflußt wurde. Der außerordentliche Sadismus, der mit Ernas intensivem Wiß- 
trieb verlötet war, hatte dazu geführt, daß die Abwehr gegen den Sadismus 
zur völligen Hemmung einer Reihe von — auf dem Wißtrieb basierenden — 
Aktivitäten führte. Das Rechnen, das Schreiben hatten die Bedeutung 
sadistischer, gegen den Mutterleib und den väterlichen Penis 
gerichteter Akte. 33 Diese Tätigkeiten wurden unbewußt einem Zerreißen, Zer- 
schneiden, Verbrennen des Mutterleibes und der darin enthaltenen Kinder, einem 
Kastrieren des väterlichen Penis gleichgesetzt. Auch das Lesen bedeutete zufolge 
der symbolischen Gleichsetzung von Buch und Mutterleib eine räuberische, 
gewalttätige Entnahme von Stoffen, Kindern usw. aus dem Innern der 
Mutter. 34 

Ich will an Hand dieses Falles noch auf einen Punkt hinweisen, dem ich auf 
Grund weiterer Erfahrungen ebenfalls generelle Bedeutung zuschreibe. Der 
Charakter von Ernas Phantasien und von ihrer Realitätsbeziehung hat sich mir 
als typisch für die Fälle erwiesen, in denen paranoide Züge stark wirksam sind. 
Aber auch die in Ernas Fall aufgefundenen Grundlagen für die Entwicklung ihrer 
paranoiden Züge und für ihre mit diesen Zügen verbundene Homosexualität 
haben sich mir auch im allgemeinen als grundlegende Faktoren für die Genese 
der Paranoia erwiesen. Ich gehe auf diese Frage ausführlicher im zweiten 
Teil dieses Buches (Kap. IX) ein. Hier will ich nur kurz darauf hinweisen, daß 
ich die starke Wirksamkeit paranoider Züge in einer Reihe von Kinder- 
analysen vorfand, und daß ich auf Grund dieser Erfahrungen zu der Über- 
zeugung kam, daß die Aufdeckung und Heilung psychotischer 
Züge im Kindesalter eine wichtige und aussichtsreiche Aufgabe der 
Kinderanalyse darstellt. 



32) Siehe auch den Bericht über Ilse in Kap. V. 

33) Siehe hiezu auch meine Arbeit: „Die Rolle der Schule in der libidinösen Ent- 
wicklung des Kindes." (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. IX, 1923.) 

34) James Strachey hat in seiner Arbeit „Some Unconscious Factors in Reading" 
(The Int. Journ. of Psycho-Analysis. Vol. XI, 1930) neben anderen Faktoren diese 
unbewußte Bedeutung des Lesens hervorgehoben. 



- 6 7 - 5* 



VIERTES KAPITEL 

Die Technik der Analyse im Latenzalter 

Die Analyse des Kindes im Latenzalter stellt uns vor Schwierigkeiten beson- 
derer Art. Beim kleineren Kinde finden wir infolge der stärkeren Phantasie- 
tätigkeit und der akuteren Angst einen leichteren Einblick und Zugang zum 
Unbewußten als beim Kinde im Latenzalter, das im Zusammenhang mit den 
starken Verdrängungstendenzen, die für diese Stufe charakteristisch sind, eine 
viel stärker eingeschränkte Phantasietätigkeit aufweist. Andrer- 
seits stehen wir einem, im Vergleich zum Erwachsenen, unentwickelteren Ich 
gegenüber und finden nicht die Krankheitseinsicht und den Heilungs- 
willen des Erwachsenen als Ausgangspunkt und Stütze für die analytische Arbeit 
vor. Zu diesen Schwierigkeiten gesellt sich eine für diese Entwicklungsperiode 
charakteristische Verschlossenheit und auch Mißtrauen. Diese Ein- 
stellung erklärt sich unter anderem aus der Tatsache, daß das Kind im Latenzalter 
intensiv mit dem Kampfe gegen die Masturbation beschäftigt ist und aus diesem 
Grunde alles, was an Ausforschen erinnert und an die mühsam niedergehaltene 
Sexualität rührt, innerlich stark ablehnt. Diese Besonderheiten wirken sich dahin 
aus, daß wir in der Analyse keinen rechten Zugang finden, denn Kinder dieser 
Altersstufe assoziieren nicht wie Erwachsene, sie spielen aber auch nicht wie kleine 
Kinder. Es erwies sich mir aber, daß die analytische Situation bald herzustellen 
ist, wenn man von einem dem "Wesen des größeren Kindes gemäßen Ausgangs- 
punkt den Kontakt mit dem Unbewußten herstellt. 

Das kleine Kind, das noch unter dem Hochdruck seiner Trieberlebnisse und 
Phantasien steht, stellt uns in der Analyse zunächst diese dar. Deshalb ist meiner 
Erfahrung nach in den Frühanalysen schon in den ersten Stunden die Deutung 
von Koitusdarstellungen und sadistischen Phantasien angebracht. Das Kind im 
Latenzalter hat hingegen seine Erlebnisse und Phantasien schon viel stärker de- 
sexualisiert und anders verarbeitet. 

Die siebenjährige Grete, ein sehr verschlossenes, eingeschränktes Kind mit 
stark schizoiden Zügen, zeigt sich nicht zugänglich, zeichnet aber ganz primitive 
Darstellungen von Häusern und Bäumen, die sie immer wieder in zwangsneuroti- 
scher "Weise miteinander abwechseln läßt. Ich stelle an gewissen immer wieder- 
kehrenden Unterschieden in Farbe, Größe und Reihenfolge der Häuser und Bäume 
fest, daß die Häuser sie und die Mutter, die Bäume den Vater und den Bruder 
und ihr Verhältnis zueinander bedeuten. Hier setzte ich mit der Deutung ein, 
indem ich ihr erklärte, daß es der Geschlechtsunterschied zwischen Vater und 
Mutter, ihr und dem Bruder und auch der Unterschied zwischen Erwachsenen und 
Kindern sei, der sie beschäftige. Sie stimmte mir bei und reagierte sogleich auf die 

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Deutung durch Veränderung des bis dahin ganz monotonen Zeichnens. (Trotzdem 
sing die Analyse noch monatelang vorwiegend an Hand des Zeichnens vor sich.) 
Bei der siebenjährigen Inge konnte ich mehrere Stunden hindurch keinen wirk- 
lichen Zugang finden. Ich erhielt ziemlich mühsam ein Gespräch über Schule usw. 
aufrecht. Das Kind zeigte sich mir gegenüber sehr mißtrauisch und ablehnend. 
Inge wurde erst lebhafter, als sie von einem Gedicht erzählte, das sie in der Schule 
gelesen hatte. Sie fand daran auffallend, daß lange "Worte mit kurzen ab- 
wechselten; kurz vorher hatte sie von Vögeln gesprochen, die sie in einen Garten 
hineinfliegen, aber nicht mehr zurückfliegen sah. Die Beobachtungen schlössen an 
eine Bemerkung an, daß sie und ihre Freundin bei einem Spiel es ebenso gut 
gemacht hätten wie die Jungen. Ich erklärte ihr nun, daß sie wissen möchte, 
woher die Kinder (die Vögel) kämen und was der Unterschied zwischen Knaben 
und Mädchen (lange und kurze "Worte — die Geschicklichkeit der Knaben und 
Mädchen) sei. Auch in diesem Falle ließ sidi als Folge der Deutung die gleiche 
Wirkung wie bei Grete feststellen. Der Kontakt war hergestellt, Inge brachte 
reicheres Material und die Analyse war eingeleitet. 

In diesen und anderen Fällen beherrscht die verdrängte "Wißbegierde 
das Bild. Wenn wir in Analysen im Latenzalter bei diesem Punkte mit der 
Deutung einsetzen — wobei ich durchaus keine Aufklärung im intellektuellen 
Sinne meine, sondern nur eine Deutung des Materials an Zweifeln, 
Befürchtungen, unbewußten Kenntnissen, Sexualtheorien 1 usw. — , 

i) Das Sexualinteresse dient auf diese Art in der Analyse als Zugang zum ver- 
drängten Material. Inge und Grete zum Beispiel schlössen an meine Deutung keine 
weiteren, der Aufklärung geltenden Fragen an, sondern brachten Material, das den 
Zugang zur Angst und zum Schuldgefühl eröffnete. Die in diesen Fällen erzielte "Wirkung 
beruhte auf der Aufhebung eines Stückes Verdrängung. Bei Inge war das Interesse, 
woher die Kinder kommen, wohl teilweise bewußt, nicht aber ihre Grübeleien über den 
Geschlechtsunterschied und ihre damit zusammenhängende Angst. Bei Grete war beides 
verdrängt. Die Wirkung der Deutung beruhte darauf, daß ich den Kindern ihr Interesse 
an Hand des Materials nachwies und so den Zusammenhang zwischen Sexualinteresse, 
latenter Angst und Schuldgefühl herstellte. 

Bei der bloß intellektuellen Aufklärung werden häufig nicht die im Vordergrund 
stehenden Fragen beantwortet, sondern es wird an Verdrängtes gerührt, ohne es auf- 
zulösen. Dann verhält sich das Kind gegen die Aufklärung ablehnend. Die Auffassung, 
daß das Kind die Aufklärung nur insoweit aufnehmen kann, als es nicht durdh Angst 
und Konflikte daran gehindert wird, und die daraus sich ergebende Folgerung, daß der 
Widerstand gegen die Aufklärung als symptomatisch zu bewerten sei, habe ich in meiner 
Arbeit „Der Widerstand gegen die Aufklärung" (in: Eine Kinderentwicklung. Imago, 
Bd. VII [1921]) vertreten. In der Zwischenzeit scheint diese Auffassung sich allgemein 
durchgesetzt zu haben. (Siehe: Über sexuelle Aufklärung. Sonderheft der Ztschr. f. psycho- 
analyt. Pädag., 1927, und Otto Fenichel: Einige noch nicht beschriebene infantile 
Sexualtheorien, Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XIII, 1927.) 

In den Fällen, in denen durch eine intellektuelle Aufklärung Erleichterung erzielt 
wird, ist es meist geglückt, auch ein Stück Verdrängung in oberen Schichten aufzulösen. 
Wenn das Kind Fragen dieser Art spontan stellt, bedeutet die ihm rückhaltlos gewährte 

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so stoßen wir bald auf Schuldgefühl und Angst und haben die 
analytische Situation hergestellt. Die Wirkung der Deutung beruht auf Aufhebung 
eines Stückes Verdrängung und äußert sich auf mehrfache Art: i) durch 
Herstellung der analytischen Situation, 2) durch Lockerung 
der Phantasie (die Darstellungsmittel des Kindes ändern sich, werden 
ergänzt und erweitert, es fängt an, phantasievoller zu erzählen 
und auch mehr zu sprechen), 3) dadurch, daß das Kind ein Gefühl der Er- 
leichterung empfindet und zu einem Verständnis für den Zweck der 
analytischen Arbeit gelangt, das der Krankheitseinsicht des Er- 
wachsenen analog ist. 2 

Demnach führen die Deutungen schrittweise zur Überwindung jener Schwierig- 
keiten, die sich aus den besonderen Entwicklungsbedingungen des Latenzalters 
für die Einleitung und Durchführung der Analyse ergeben und die ich eingangs 
dieses Kapitels aufzählte. 

Das Spiel des Kindes im L a t e n z a 1 1 e r ist — der stärkeren Phantasie- 
verdrängung und dem entwickelteren Ich entsprechend — der Realität mehr 
angepaßt und weniger phantastisch als das des kleineren Kindes. Wir finden 
auch beim Spiel mit Wasser nicht so unmittelbare Darstellungen der oralen Wünsche, 
des Benässens, Beschmutzens, wie beim kleinen Kinde, sondern stärker den reak- 
tiven Tendenzen dienende Beschäftigungen in einer rationalisierten Form, wie z. B. 
Kochen, Reinigen usw. Ich sehe in dieser so starken Betonung des Rationellen im 
Spiele des Kindes dieser Altersstufe nicht nur die Wirkung einer starken Phan- 
tasieverdrängung, sondern auch die einer zwanghaften Übertonung der Realität, die 
mit den besonderen Entwicklungsbedingungen des Latenzalters zusammenhängt. 
Es bestätigt sich immer wieder — ich denke dabei an die typischen Analysen 
des Latenzalters — , daß das Ich des größeren Kindes im Latenzalter, das noch 
viel schwächer ist als das Ich des Erwachsenen, seine Position zu stärken sucht, 
indem es alle seine Kräfte in den Dienst der Verdrängungstendenzen stellt und 
an der Realität einen Rückhalt findet. Darin sehe ich auch die Ursache, daß 
wir — nach meinen Erfahrungen — zunächst vom Ich keine Hilfe für die 
analytische Arbeit, die all diesen Ichtendenzen widerspricht, zu erwarten haben, 
sondern uns so schnell wie möglich mit den unbewußten Instanzen ins Einver- 
nehmen setzen müssen, um uns auf diese Weise schrittweise auch der Hilfe des 
Ichs zu versichern. 

Während das kleine Kind sich zunächst mehr an das Spielzeug hält, geht das 
Kind im Latenzalter im allgemeinen bald zum R o 1 1 e n s p i e 1 über. Ich habe 

Aufklärung ein Zeidien von Vertrauen, wird als Liebesbeweis bewertet und trägt auch 
durch die Tatsache, daß sexuelle Fragen zur Erörterung gelangen, zur Beruhigung von 
Angst und Schuldgefühl bei. 

2) Wie ich im zweiten Kapitel hervorhob, gilt dies auch schon für das ganz kleine Kind. 

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mir Kindern zwischen fünf und zehn Jahren solche Spiele, die sich von einer 
Stunde zur anderen fortsetzen, Wochen- und monatelang gespielt, und das Spiel 
machte erst dann einem neuen Platz, wenn die Analyse alle Einzelheiten und 
Zusammenhänge aufgeklärt hatte. Das dann einsetzende Spiel bringt häufig die 
gleichen komplexbetonten Phantasien in einer anderen Darstellung, aber mit neuen 
Einzelheiten, die wieder zu tieferen Zusammenhängen führen. Die siebenjährige 
Inge, aus deren Analyse ich nun einen Ausschnitt mitteilen werde, war trotz 
ihrer Schwierigkeiten — deren volles Ausmaß erst durch die Analyse aufgeklärt 
wurde — ihrem ganzen Wesen und Verhalten nach als normales Kind zu 
bezeichnen. 3 Inge spielte längere Zeit hindurch mit mir ein Bureauspiel, in dem 
sie einen Bureauchef darstellte, der Aufträge aller Art erteilte, Briefe diktierte 
und schrieb. (Im Gegensatz dazu stand die schwere Lern- und Schreibhemmung 
des Kindes.) In diesem Spiele erkennen wir Inges Männlichkeitswünsche. Sie gab 
eines Tages dieses Spiel auf, um mit mir Schule zu spielen. Hier ist zu bemerken, 
daß Inge nicht nur schwer und ungern lernte, sondern auch eine tiefe Abneigung 
gegen die Schule als solche hatte. Sie spielte nun längere Zeit mit mir Schule in 
der "Weise, daß sie die Lehrerin war und ich die Schülerin darstellte. Die Gründe, 
aus denen sie mich versagen ließ, lieferten mir wichtige Anhaltspunkte für die 
Gründe ihres eigenen Versagens in der Schule. Inge, die das jüngste Kind war, 
hatte allem Anschein entgegen nur sehr schwer die Überlegenheit der älteren 
Geschwister ertragen und fand diese Situation für ihr Gefühl wieder, als sie zur 
Schule kam. Aus den Einzelheiten des Unterrichts in ihrer Rolle als Lehrerin ging 
hervor, daß es letzten Endes die Nichtbefriedigung und Verdrängung eines sehr 
frühen Wißtriebes 4 war, die ihr die Überlegenheit der Geschwister so unerträglich 
machte und später den Unterricht in der Schule verleidete. 

3) Inges Analyse war eine prophylaktische. Die Behandlung umfaßte dreihundert- 
fünfundsiebzig Stunden. Die größte Schwierigkeit, die bei ihr vorlag, war eine Schul- 
hemmung, die, als Inge mit sieben Jahren die Analyse begann, nicht besonders auffiel, 
sich aber in der Analyse als sehr tiefgehend erwies. Inge war lebhaft und aktiv, sozial 
gut angepaßt und durchaus als normales Kind zu bezeichnen. Nichtsdestoweniger führte 
die Analyse, zu bemerkenswerten Veränderungen. Es ergab sich, daß die Aktivität auf 
der dominierenden aktiv homosexuellen Einstellung, ihr vorwiegend gutes Verhältnis zu 
Knaben auf einer Identifizierung mit ihnen beruhte. Bei Inge lag eine Neigung zu 
Depressionen vor, deren Intensität erst die Analyse aufdeckte. Hinter dem anscheinend 
gut entwickelten Selbstbewußtsein bestanden ein tiefes Minderwertigkeitsgefühl und die 
Angst, zu versagen, die für Inges Schulschwierigkeiten bestimmend waren. Als Resultat 
der Analyse zeigte Inge ein sehr viel freieres, glücklicheres und offeneres Wesen, ein 
zärtlicheres und aufrichtigeres Verhältnis zur Mutter und zahlreichere und stabilere 
Sublimierungen. Inge hat den Obergang ins Pubertätsalter gut vollzogen und entwickelt 
sich befriedigend. Für die 2ukunft scheint bedeutungsvoll die Änderung ihrer sexuellen 
Einstellung, die die weibliche Komponente sehr viel stärker hervortreten läßt. In den seit 
Beendigung der Behandlung vergangenen sieben Jahren hat Inge sich sehr gut entwickelt 
und der Übergang ins Pubertätsalter hat sich günstig vollzogen. 

4) Ich gehe im Kap. X näher darauf ein, daß im allgemeinen die ersten grund- 

— 71 — 






"Wenn Inge also zuerst durch weitgehende Identifizierung mit dem Vater, damiv 
im Spiel als Lehrerin durch Umkehrung der Rollen Mutter — Tochter sich mit der 
Mutter identifiziert hatte, so zeigte sie in einem daran anschließenden Spiel, in 
dem sie eine Spielzeugverkäuferin darstellte (wobei ich für meine Kinder aller- 
hand zu kaufen hatte), was die Mutter ihr hätte geben sollen. Die Gegen- 
stände, die sie mir verkaufte, waren Penissymbole (Füllfedern, Bleistifte usw.), 
und das Kind, dem ich sie mitbringen sollte, wurde durch diesen Besitz klug und 
geschickt. Die Wunscherfüllung in diesem Spiele, bei dem zunächst die homo- 
sexuelle Einstellung und der Kastrationskomplex wieder hervortraten, ging dahin, 
daß die Mutter ihr den väterlichen Penis schenken sollte, mit dessen Hilfe sie 
den Vater ersetzen und die Liebe der Mutter gewinnen wollte. Im weiteren 
Verlauf des Spieles aber verkaufte sie mir als der Kundin doch lieber Eßwaren 
für meine Kinder. Es zeigte sich also, daß der väterliche Penis und die Mutter- 
brust ihr die tiefsten oralen "Wunschobjekte bedeuteten und daß die oralen Ver- 
sagungen grundlegend für ihre Schwierigkeiten im allgemeinen und insbesondere 
für die des Lernens waren. Infolge des mit der oralsadistischen Introjektion der 
Mutterbrust verbundenen Schuldgefühls hatte Inge schon sehr früh die orale Ent- 
behrung als Versagung und Strafe empfunden. 5 

Die aus der ödipussituation stammende Aggression gegen die Mutter, der 
Wunsch, ihr die Kinder zu rauben, hatten diese frühen Schuldgefühle verstärkt 
und zu einer starken, wenn auch äußerlich nicht erkennbaren Angst vor der 
Mutter geführt, die die Ursache dafür war, daß Inge die weibliche Position 
nicht zu halten vermochte und sich mit dem Vater zu identifizieren suchte. 
Aber auch in der homosexuellen Position versagte sie aus übergroßer Angst 
vor dem Vater, dem sie den Penis rauben wollte. Dazu kam das Gefühl des 
Nichtkönnens als Folge des Nichtwissens (der Nichtbefriedigung des frühen 'Wiß- 
triebes), zu dem ihre Situation als Jüngste beigetragen hatte. Sie versagte also 
in der Schule in den Aktivitäten, die der männlichen Komponente entsprechen, 
und konnte, da sie die weibliche Position — das Empfangen und Gebären von 
Kindern — auch in der Phantasie nicht zu halten vermochte, die dieser Position 
entstammenden weiblichen Sublimierungen ebenfalls nicht entwickeln. Aus Angst 



legenden Anfänge des Wißtriebes in eine ganz frühe Entwicklungsstufe fallen, in der 
das Kind überhaupt noch nicht sprachfähig ist. Diese frühen, allem Anschein nach 
ganz oder teilweise unbewußt bleibenden Fragen setzen nach meinen Erfahrungen zu- 
gleich iah den frühesten Sexualtheorien und dem Ansteigen des Sadismus etwa gegen 
die Mitte des ersten Lebensjahres ein, fallen also in die Entwicklungsperiode, die nach 
meiner Auffassung auch den Ödipuskonflikt einleitet. 

j) Nach Ernest Jones wird Entbehrung immer als absichtliche Versagung durch die 
menschliche Umgebung aufgefaßt: Die erste Entwicklung der weiblichen Sexualität. Int. 
Ztschr. f. PsA., Bd. XIV, 1928. Siehe auch Joan R i v i e r e s Beitrag zu dieser Frage 
in: Symposium on Child Analysis. Int. Journ. of Psycho-Analysis. Vol. VIII, 1928. 



72 



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und Schuldgefühl versagte sie aber auch in der Beziehung des Kindes zur Mutter 
(im Verhältnis zur Lehrerin), da sie das Aufnehmen von "Wissen unbewußt mit 
der Befriedigung ihrer oralsadistischen Wünsche gleichsetzte, die die Zerstörung 
der Mutterbrust und des väterlichen Penis zum Inhalt hatten. Während Inge in 
der Realität versagte, spielte sie in der Phantasie alle Rollen. So stellte sie in 
den von mir angeführten Spielen als Bureauchef ihre Erfolge in der Rolle des 
Vaters dar, hatte als Lehrerin zahlreiche Kinder (wodurch sie auch in Umkehrung 
ihrer Rolle als Kleinste sich in die der klügsten Ältesten versetzte) und machte 
im Spiel als Spielzeug- und Eßwarenverkäuferin (allerdings in einer doppelten 
Verschiebung der Rollen) ihre oralen Versagungen rückgängig. 

Ich führe diesen Fall als Illustration dafür an, daß es zur Aufklärung der 
tieferen Zusammenhänge nötig ist, nicht nur alle Einzelheiten eines Spieles, 
sondern auch die Ursachen des Wechsels zwischen verschie- 
denen Spielen zu erforschen. Ich habe wiederholt festgestellt, daß der 
Übergang von einem Spiel zu einem anderen uns Einblicke in die Ursachen des 
Wechsels zwischen verschiedenen psychischen Positionen, des Schwankens zwischen 
diesen und damit in die Dynamik des seelischen Kräftespieles ermöglicht. 

Das nun folgende Beispiel wird mir Gelegenheit geben, die Anwendung 
einer gemischten Technik darzulegen. Der neunundeinhalbjährige K e n n e t h, 
ein für sein Alter sehr infantiles Kind, war ängstlich, scheu, stark gehemmt und 
litt an schwerer Angst. Schon von früh an zeigte er ausgesprochene Grübelsucht. 
Im Lernen versagte er vollkommen. (Seine Schulkenntnisse entsprachen denen 
eines etwa siebenjährigen Kindes.) Zu Hause war er überaggressiv, höhnisch und 
schwer erziehbar. Ungewöhnlich war sein anscheinend völlig ungehemmtes, 
unsublimiertes Interesse für alles Sexuelle. Er gebrauchte mit Vorliebe obszöne 
Worte und exhibierte und onanierte in einer für diese Altersstufe ungewöhnlich 
schamlosen Art. 6 

Ich gehe nun kurz auf die Vorgeschichte ein. Kenneth war in sehr frühem 
Alter von seiner Nurse verführt worden. Die Erinnerung daran war ganz bewußt, 
die Tatsache war auch der Mutter nachträglidi bekanntgeworden. Nach Aussage 
der Mutter war die Nurse, namens Mary, dem Kinde sehr zugetan gewesen, 
hatte es aber mit großer Strenge zur Sauberkeit angehalten. Kenneths Erinne- 
rungen an die Verführung reichten bis zum Beginn des fünften Jahres zurück. 
Es ist aber sicher, daß die Verführung schon sehr viel früher erfolgte. Kenneth 
berichtete anscheinend mit Lust und ohne Hemmung, daß die Nurse ihn zugegen 

6) Kenneths Behandlung umfaßte zweihundertundfünfundzwanzig Analysenstunden. 
Sie konnte äußerer Umstände halber nicht weitergeführt werden. Die Neurose wurde 
nicht behoben, aber wesentlich vermindert. Das erzielte Teilresultat äußerte sich praktisch 
in der Herabsetzung einer Reihe von Schwierigkeiten; unter anderem vermochte Kenneth 
auch den Forderungen der Schule und der Erziehung besser nachzukommen. 

- 7 3 - 



sein ließ, wenn sie badete, und ihn aufforderte, sie am Genitale zu reiben. Im - 
übrigen wußte er von ihr nur Gutes zu berichten, behauptete, daß sie ihn geliebt 
habe, und bestritt lange Zeit, daß sie mit ihm streng gewesen sei. Zu Beginn der 
Analyse berichtete er von einem Traum, der seit seinem fünften Lebensjahre 
immer wiederkehrte: Er berührt eine unbekannte Frau am Genitale und 
masturbiert sie. 

Die Angst vor mir hatte in der ersten Analysenstunde eingesetzt. Kurze Zeit 
nach Beginn der Analyse hatte er folgenden Angsttraum: Es saß plötzlich an 
meiner Stelle auf meinem Fauteuil ein Mann. Dann entkleidete ich mich und 
Kenneth sah mit Entsetzen, daß ich ein ungewöhnlich großes männliches Genitale 
besaß. Im Anschluß an die Deutung dieses Traumes ergab sich reichliches Material 
für seine Sexualtheorie von der „Mutter mit dem Penis". Diese verkörperte sich 
ihm, wie die Analyse erwies, auch sehr stark in Mary, vor der er als kleines Kind 
offensichtlich Angst empfunden hatte, da er von ihr stark gezüchtigt worden war. 
Aber noch immer weigerte sich Kenneth, dies anzuerkennen, und erst ein neuer- 
licher Traum brachte darin eine Änderung. 

So infantil Kenneth in vieler Beziehung war, hatte er doch sehr bald eine 
starke Einsicht in den Zweck und die Notwendigkeit seiner Analyse gewonnen. 
Zeitweise assoziierte er auch in der Art älterer Kinder und zog selbst vor, dabei 
auf dem Divan zu liegen. In dieser Weise ging auch der größte Teil seiner 
Analyse vor sich. Kenneth begann aber bald, das Material, das er in Worten 
brachte, auch durch Agieren zu ergänzen. Er griff nach dem Tisch, wo einige 
Bleistifte lagen und stellte durch diese Personen dar. Er brachte Klammern mit 
und diese waren nun Menschen, die einander bekämpften, sie stellten auch 
Geschoße dar, es wurden Gebäude daraus aufgebaut, und zwar dies alles auf 
dem Divan, auf dem er lag. Schließlich entdeckte er eine Schachtel mit Bausteinen, 
die auf dem Fensterbrett stand, nahm sich das Spieltischchen zum Divan und 
begleitete seine Assoziationen durch Darstellungen mit den Bausteinen. 

Ich teile nun aus dem zweiten Traum, der uns in der Analyse ein ganzes 
Stück vorwärtsbrachte, den hier zur Illustration der Technik notwendigen Teil 
mit: Er ist im Badezimmer und uriniert, da kommt ein Mann herein, wirft eine 
Kugel gegen sein Ohr, wodurch das Ohr abfällt. Während der Traumerzählung 
hatte Kenneth mit den Bausteinen verschiedenes ausgeführt, das er mir folgender- 
maßen erklärte: Je ein Baustein ist er, sein Vater, sein Bruder und die Nurse. 
Diese Menschen liegen in verschiedenen Zimmern, die ebenfalls durch Bausteine 
abgegrenzt sind, und schlafen. Mary erhebt sich, nimmt einen großen Knüppel 
— wieder ein Baustein — und kommt auf ihn zu. Sie will ihm etwas tun, weil 
er etwas angestellt hat. (Er hat onaniert und sich benäßt.) Während sie ihn nun 
mit dem Knüppel schlägt, beginnt er sie zu masturbieren und sie hört sofort 
mit dem Schlagen auf. Als sie wieder zu schlagen beginnt, masturbiert er sie 

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wieder und dieser Vorgang wiederholt sich immer wieder, bis sie ihn schließlich 
doch mit dem Knüppel zu erschlagen droht. Da kommt ihm sein Bruder zu Hilfe. 

Kenneth war äußerst überrascht, als er aus seinem Spiel und den dazu 
geäußerten Einfällen seine Angst vor Mary nun wirklich erkannte. Damit aber 
war ihm zugleich auch ein Stück seiner Angst vor beiden Elternteilen bewußt 
geworden. Die Assoziationen hatten deutlich erwiesen, daß hinter der Angst 
vor Mary die Angst vor der bösen Mutter stand, die mit dem kastrie- 
renden Vater im Bunde war. Der Vater wurde im Traum durch den 
Mann dargestellt, der Kenneth das Ohr abschießt, und zwar im Badezimmer, 
dem Raum, wo Kenneth Mary oft masturbiert hatte. 

Die Angst Kenneths vor den beiden gegen ihn vereinigten Eltern (die in den 
Phantasien sich stets im Koitus miteinander befanden) erwies sich in seiner Analyse 
als überaus bedeutungsvoll. Erst durch spätere gehäufte analoge Beobachtungen 
kam ich zur Erkenntnis, die ich in meiner Arbeit „Frühstadien des Ödipus- 
konfliktes" beschrieb und ausführlicher im zweiten Teile dieses Buches darlege, 
daß der Angst vor der „Frau mit dem Penis" die auf einer sehr frühen Ent- 
wicklungsstufe gebildete Sexualtheorie zugrunde liegt, daß die Mutter im 
Koitus sich den Penis des Vaters einverleibe, 7 daß also letzten 
Endes die Frau mit dem Penis die beiden miteinander vereinigten 
Eltern bedeute. Um dies an einem Punkte des hier besprochenen Materials 
zu illustrieren: Im Traume war Kenneth zuerst von einem Manne angegriffen 
worden, dann aber war es Mary, die ihn angriff. Sie bedeutete, wie die 
Assoziationen zum Traum erwiesen, die „Frau mit dem Penis" — die 
mit dem Vater vereinigte Mutter. Der Vater, der zuerst als Mann auftrat, 
war im späteren Teile des Traumes nur durch seinen Penis, den Knüppel, mit 
dem Mary schlug, vertreten. 

Ich will nun auf eine Gemeinsamkeit zwischen der Technik der Frühanalyse 
und der in gewissen Fällen auch im späteren Alter angewendeten Spieltechnik 
hinweisen. Durch das Agieren mit den Bausteinen war Kenneth, mehr noch als 
durch "Worte, ein wichtiges Stück seiner Kindheit bewußt geworden. Auch im 
weiteren Verlauf der Analyse trat häufig starke Angst auf; dann vermochte 
Kenneth seine Assoziationen nur mitzuteilen, wenn er sie durch Darstellungen mit 
den Bausteinen ergänzte. Es kam sogar häufig vor, daß ihm bei dieser Angst 
die "Worte ganz versagten und er nur spielte. "Wenn dann zufolge der Deutungen 
die Angst sich wieder verminderte, vermochte Kenneth wieder freier zu sprechen. 

7) Felix B o e h m hat darauf hingewiesen (Homosexualität und Ödipuskomplex, Int. 
Ztschr. f. PsA., Bd. XII, 1926, Heft 1), daß die Vorstellung des versteckten weiblichen 
Penis ihre pathogene Bedeutung dadurch erhält, daß sie unbewußt in Zusammenhang 
gebracht wird mit der Vorstellung vom gefürchteten, in der Mutter verborgenen Penis 
des Vaters. 

- 7 5 - 



Ein weiteres Beispiel für eine Modifizierung der Technik zeigt die beim neun- ' 
jährigen zwangsneurotischen "Werner angewendete Methode. Der Knabe, der 
sich in vieler Beziehung wie ein erwachsener Zwangsneurotiker benahm und bei 
dem ausgesprochene Grübelsucht vorlag, litt auch an starker Angst, die sich aber 
vorwiegend in großer Reizbarkeit und Wutanfällen ausdrückte. 8 Ein großer 
Teil seiner Analyse ging an Hand des Spielzeuges und mit Hilfe des Zeichnens 
vor sich. Neben ihm am Spieltische sitzend, mußte ich (in diesem Falle sogar 
intensiver als bei den meisten kleinen Kindern) mitspielen. Zeitweise sollte ich 
sogar allein, nach seinen Angaben, die Spielhandlungen ausführen, z. B. die Bau- 
steine aufstellen, die "Wagen fahren lassen usw., während er mich nur beauf- 
sichtigte. Als Begründung, warum ich die Spielhandlungen an seiner Statt aus- 
führen sollte, gab er an, daß seine Hände zeitweise stark zitterten und daß er 
deshalb die Sachen nicht aufstellen könnte, oder daß er das schon Aufgestellte 
umwerfen oder beschädigen würde. Dieses Zittern war schon ein Anzeichen des 
einsetzenden Angstanfalles, und ich vermochte diesen in den meisten Fällen zu 
kupieren, indem ich nach "Werners Wunsch die Spielhandlungen ausführte, zugleich 
aber den Sinn dieser Handlungen im Zusammenhang mit seiner Angst deutete. 
Die Angst vor der eigenen Aggression und der Zweifel an seiner Liebesfähigkeit 
hatten dazu geführt, daß "Werner die Hoffnung auf "Wiederherstellung der in der 
Phantasie angegriffenen Eltern und Geschwister aufgegeben hatte. Dies drückte 
sich in der Angst aus, er könnte versehentlich die schon aufgestellten Bau- 
steine usw. wieder umwerfen. Der Zweifel an seinen konstruktiven Tendenzen 
und an seiner Fähigkeit, wieder gutmachen zu können, waren eine Grundlage von 
Werners schwerer Spielhemmung und Lernhemmung. 

Nachdem seine Angst erheblich vermindert worden war, begann Werner selb- 
ständig zu spielen. Er zeichnete viel und assoziierte dazu. Im letzten Teil der 
Analyse erbrachte Werner das Material vorwiegend durch freie Assoziationen. 
Auf dem Divan liegend — eine Stellung, die er ebenso wie Kenneth beim 
Assoziieren bevorzugte — , berichtete er mir fortsetzungsweise Phantasien über 



8) Bei "Werner lagen folgende Symptome vor: Angst und Ängstlichkeit in verschie- 
denen Formen, vor allem Schulangst und große wachsende Lernschwierigkeiten, stetig 
sich vervollkommnende Zwangszeremonielle, die Stunden in Anspruch nahmen, ein stark 
neurotischer Charakter, der die Erziehung sehr erschwerte. Die Psychoanalyse, deren 
Dauer zweihundertundzehn Analysenstunden betrug, behob diese Schwierigkeiten in weit- 
gehendem Ausmaße. Die Gesamtentwicklung des Knaben (seit Beendigung der Behand- 
lung sind mehrere Jahre verstrichen) ist sehr günstig. Die Zwangszeremonielle sind be- 
hoben. Werner ist ein guter Schüler, geht auch gerne zur Schule, ist zu Hause und in 
der Schule verträglich und sozial gut angepaßt. Er hat gute Beziehungen zu seiner 
näheren und weiteren Umgebung. Vor allem aber — was ihm früher ganz abging — hat 
er Freudean den verschiedensten Tätigkeiten (Sport usw.) und fühlt sich auch sehr wohl. 
In den seit Beendigung der Behandlung vergangenen fünf Jahren hat sich Werner weiter 
günstig entwickelt. 

- 7 G - 



Abenteuer, in denen auch Apparate, technische Konstruktionen usw. eine große 
Rolle spielten, wobei das früher in Zeichnungen dargestellte Material nun um 
viele Einzelheiten bereichert wiederkehrte. 

"Werners sehr starke und akute Angst äußerte sich, wie gesagt, vorwiegend 
in Form von "Wutanfällen und Aggression und in einem höhnischen, trotzigen 
und nörgelnden Verhalten. Krankheitseinsicht lag nicht vor. Werner behauptete, 
keinen Grund für die Analyse zu haben, und verhielt sich lange Zeit, wenn er 
im Widerstand war, mir gegenüber höhnisch und wütend. Er war auch zu Hause 
ein schwer zu behandelndes Kind, und es wäre den Angehörigen kaum gelungen, 
ihn zur Fortsetzung der Analyse zu bewegen, wenn ich nicht sehr bald vermocht 
hätte, schrittweise die Angstquantitäten analytisch so weit aufzulösen, daß der "Wider- 
stand gegen die Analyse im wesentlichen auf die Analysenstunde beschränkt blieb. 

Vor technische Schwierigkeiten ganz besonderer Art stellte mich die Analyse 
eines Falles, auf den ich nun näher eingehen werde. Beim neuneinhalbjährigen 
Egon lagen keine ausgesprochenen Symptome vor, aber seine ganze Entwicklung 
machte einen beunruhigenden Eindruck. Er war völlig verschlossen, auch seiner 
nächsten Umgebung gegenüber, sprach nur das Nötigste, hatte fast gar keine 
Gemütsbeziehungen, keine Freunde und überhaupt nichts, was ihn interessierte 
und ihm Freude machte. Er war allerdings ein guter Schüler, aber — wie 
die Analyse erwies — nur aus zwangsneurotischen Gründen. Die stereotype 
Antwort auf die Frage, ob er dies oder jenes wolle oder nicht wolle, war immer: 
„es ist mir egal". Ein unkindlicher und gespannter Gesichtsausdruck und starre 
Bewegungen fielen an ihm auf. Egons Absperrung von der Realität ging so weit, 
daß er nicht sah, was um ihn herum vorging, und selbst gute Bekannte, denen 
er begegnete, nicht erkannte. Die Analyse ergab, daß starke psychotische Züge 
vorlagen, die eine steigende Tendenz zeigten und aller Wahrscheinlichkeit nach 
im Pubertätsalter zum Ausbruch einer Schizophrenie geführt hätten. 

Ich gehe kurz auf die Vorgeschichte ein: Als der Knabe ungefähr vier Jahre 
alt war, hatte der Vater ihn wiederholt wegen der Onanie bedroht und verlangt, 
daß er diese wenigstens immer bekennen sollte. Im Zusammenhang mit diesen 
Drohungen hatten sich sehr einschneidende Charakterveränderungen bei ihm voll- 
zogen. Egon begann zu lügen und bekam häufig "Wutanfälle. Später trat die 
Aggression des Knaben in den Hintergrund, dagegen zeigte seine ganze Ein- 
stellung immer mehr ein Bild affektlosen Trotzes und wachsender Abgeschlossen- 
heit von der Umwelt. 

Nachdem ich Egon mehrere "Wochen lang bei der Behandlung auf dem Divan 
liegen ließ (was er nicht abgelehnt hatte und anscheinend dem Spielen vorzog) 
und auf verschiedene Art versucht hatte, die Behandlung in Gang zu bringen, 
"mußte ich erkennen, daß dies aussichtslos sei. Es wurde mir klar, daß bei diesem 
Kinde die Schwierigkeit zu sprechen so tief determiniert war, daß ich vor allem 

— 77 ~ 



erst diese analytisch überwinden mußte. Ein Bedürfnis des Knaben, sich durch 
Agieren zu helfen, war mir dadurch deutlich geworden, daß ich das spärliche 
Material, das er bis dahin gebracht hatte, vorwiegend aus seinem Fingerspiel im 
Zusammenhang mit wenigen "Worten (in einer Stunde nur einige Sätze) er- 
schließen konnte. Ich fragte also Egon nochmals, ob er sich nicht doch für mein 
kleines Spielzeug interessiere, und erhielt zwar darauf die gewohnte Antwort: 
„Ja, es ist mir egal", immerhin aber betrachtete er nun die auf dem Spieltischcheri 
liegenden Dinge und beschäftigte sich dann, und zwar ausschließlich, mit den 
kleinen Wagen. Es entwickelte sich ein monotones Spiel, das wochenlang die 
Stunde ausfüllte. Egon ließ diese Wagen den Tisch entlang fahren und schleuderte 
sie dann in der Richtung zu mir auf die Erde. Ich hatte durch einen Blick von 
ihm verstanden, daß ich sie aufnehmen und ihm wieder zuschieben sollte. Um 
von der Rolle des ausforschenden Vaters loszukommen, gegen die ja sein Trotz 
gerichtet war, spielte ich wochenlang schweigend mit ihm, deutete auch nichts 
und suchte nur durch mein Mitspielen den Rapport mit ihm herzustellen. In dieser 
Zeit waren auch die Spieldetails stereotyp die gleichen. Doch gab es in diesem so 
monoton scheinenden (für mich auch wirklich überaus ermüdenden) Spiel zahl- 
reiche kleine Einzelheiten zu beobachten. Es zeigte sich, daß bei ihm, wie in allen 
Knabenanalysen, das Fahrenlassen des Wagens Onanie und Koitus darstellte, das 
Zusammenstoßenlassen der Wagen Koitusbedeutung hatte, daß das Vergleichen 
des größeren Wagens mit dem kleineren die Rivalität mit dem Vater, beziehungs- 
weise dessen Penis, darstellte. Als ich ihm dann nach einigen Wochen dieses 
Material im Zusammenhang mit dem vorher Erkannten klarlegte, 9 zeigte sich eine 
weitgehende Wirkung nach zwei Richtungen hin. Den Eltern fiel das sehr viel 
freiere Verhalten des Kindes auf, und in der Analysenstunde ließ sich die von 
mir als typisch beobachtete Reaktion auf die auflösende Wirkung von Deutungen 
darin feststellen, daß nun zu dem monotonen Spiel verschiedene neue Einzelheiten 
hinzutraten, die zunächst nur bei scharfer Beobachtung erkennbar waren, später 
deutlicher wurden und nach und nach zur gänzlichen Änderung seines Spieles 
führten. Aus dem Fahrenlassen der Wagen war ein Bauen geworden. Egon 
schichtete diese Wagen mit immer größerer Geschicklichkeit bis zu großer Höhe 
übereinander und wetteiferte darin mit mir. Jetzt erst griff er auch zu den Bau- 
steinen, und es ergab sich bald, daß es immer wieder, wenn auch kunstvoll ver- 



9) Die weitere Analyse ergab, daß es völlig nutzlos geVesen war, mit der Deutung 
des Materials solange zurückzuhalten. Erst etwa fünfzehn Monate später, kurz vor der 
Beendigung der Analyse, war seine Sprechhemmung voll behoben. Ich habe noch in keiner 
Analyse einen Vorteil bemerkt, wenn ich mit der Deutung zurückhielt. In den meisten 
Fällen, in denen ich es versuchte, mußte ich es sehr bald aufgeben, da akute Angst 
einsetzte und der Abbruch der Analyse drohte. Bei Egon, bei dem die Angst so stark 
abgesperrt war, ließ sich dieser Versuch länger durchführen. 

- 7 8 - 



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deckt, Menschen beiderlei Geschlechtes, beziehungsweise deren Genitalien waren, 
die er aufstellte. Von dieser Art zu bauen ging er dann zu einem ganz merk- 
würdigen Zeichnen über, indem er, ohne auf das Papier zu schauen, den Bleistift 
zwischen den Händen hin und her drehte und so Linien entstehen ließ. Aus diesem 
Gewirr fand er dann selbst Formen heraus, und zwar waren es immer wieder 
Köpfe, unter denen er nun selbst genau männliche und weibliche unterschied. In 
den Einzelheiten dieser Köpfe und in deren Anordnung kehrte bald das in den 
früheren Spielen dargestellte Material wieder: die Unsicherheit bezüglich des 
Geschlechtsunterschiedes, des Koitus der Eltern, die Fragen, die sich für ihn daran 
knüpften, die Phantasien, in denen er als Dritter beim Geschlechtsverkehr der 
Eltern mitwirkte, usw. Aber auch die Haß- und Zerstörungstendenzen wurden 
durch das Zerschneiden und Ausschneiden dieser Köpfe deutlich, die zugleich die 
Kinder im Mutterleib sowie die Eltern darstellten. Nun ergab sich, daß das Auf- 
schichten der Wagen zu möglichster Höhe eine Darstellung des schwangeren 
Leibes der Mutter bedeutete, um den er sie beneidet hatte und dessen Inhalt er 
ihr rauben wollte. Es lag eine starke Rivalität mit der Mutter vor, und der 
"Wunsch, sie des väterlichen Penis und der Kinder zu berauben, hatte zu schwerer 
Angst vor der Mutter geführt. Diese Darstellungen ergänzten sich später durch 
Ausschneiden, das sich nach und nach auch zu ziemlicher Kunstfertigkeit ent- 
wickelte. Ebenso wie beim Bauen stellten auch diese ausgeschnittenen Formen aus- 
schließlich Menschen dar. Die Art, wie diese Formen aufeinander stießen, ihre 
verschiedenen Größen, ferner ob sie männliche oder weibliche Gestalten dar- 
stellten, ob ihnen Teile fehlten oder zu viele da waren, wann und in welcher 
Weise er sie zu zerschneiden begann, alles dies führte uns tief in seinen inver- 
tierten wie auch in seinen direkten Ödipuskomplex. Die Rivalität mit der Mutter 
zufolge seiner starken passiv-homosexuellen Einstellung, die mit dieser zusammen- 
hängende Angst, sowohl vor dem Vater wie vor der Mutter, wurden immer 
deutlicher. Der Haß gegen die Geschwister, seine Zerstörungstendenzen gegen 
diese, als die Mutter schwanger war, fanden Ausdruck im Zerschneiden von 
Formen, die kleine und mangelhafte Menschen bedeuten sollten. Dabei war auch 
wieder die Reihenfolge wichtig, in der die verschiedenen Beschäftigungen auf- 
einanderfolgten. Auf das Ausschneiden und Zerschneiden folgte das Bauen als 
Wiederherstellung; zerschnittene Figuren wurden aus reaktiven Tendenzen über- 
mäßig verziert usw. Bei allen diesen Darstellungen aber traten immer wieder die 
verdrängten Fragen, die verdrängte frühe intensive Wißbegierde auf, die sich auch 
als eine wichtige Grundlage seines Nichtsprechens, seiner Abgeschlossenheit und 
seiner mangelnden Interessen erwies. Die Spielhemmung reichte schon auf das 
Alter von vier Jahren, zum Teil schon auf eine frühere Zeit zurück. Gebaut hatte 
er bis zum Alter von drei Jahren, ausgeschnitten etwas später, aber nur ganz 
kurze Zeit. Damals waren es nur Köpfe, die er ausschnitt. Gezeichnet hatte er 

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1 



niemals. Nach dem Alter von vier Jahren hatte er an all diesen Beschäftigungen, 
kein Vergnügen mehr. Es sind also tief aus der Verdrängung gehobene Sublimie- 
rungen, die wir da teils wieder, teils neu erstehen sehen. Die kindliche, ganz 
primitive Art, in der Egon anfangs bei jeder dieser Beschäftigungen vorging, 
entsprach der Stufe eines drei- bis vierjährigen Kindes. Zugleich mit diesen Ver- 
änderungen hatte sich der Knabe in seinem ganzen "Wesen sehr günstig verändert; 
trotzdem war die Sprechhemmung noch lange Zeit hindurch nur zum geringen 
Teil behoben. Egon beantwortete zwar nach und nach meine während des Spiels 
gestellten Fragen in freierer und ausführlicherer "Weise; dagegen konnte ich freie 
Assoziationen in der sonst bei größeren Kindern üblichen Art noch lange Zeit 
hindurch nicht erhalten. Erst sehr viel später, und zwar im letzten Teil der vier- 
hundertundfünfundzwanzig Analysenstunden umfassenden Behandlung, lernten 
wir die der Sprechhemmung zugrunde liegende paranoide 
Angst voll kennen. Es kam dann auch zur vollen Auflösung dieser Hemmung. 10 
Egon war, als die Angst sich stark verringert hatte, spontan dazu übergegangen, 
mir einzelne Assoziationen schriftlich mitzuteilen. Später flüsterte er sie mir zu 
und wünschte, daß ich ihm ganz leise antwortete. Es wurde immer deutlicher, 
daß seine Angst, gehört zu werden, sich auf jemanden im Zimmer Befindlichen 
bezog. Es gab auch einzelne Stellen des Zimmers, die er um jeden Preis vermied. 
(Wenn zum Beispiel der Ball unter das Sofa oder unter den Schrank oder in 
eine dunkle Ecke rollte, mußte ich ihn von dort zurückholen.) Dabei nahm er, 
sobald die Angst sich verstärkte, wieder die steife Haltung und den starren 
Gesichtsausdruck an, die zu Beginn der Analyse an ihm so auffallend gewesen 
waren. Es erwies sich, daß er in allen Ecken des Zimmers, im Schrank, unter dem 
Bett, oben an der Decke usw. Verfolger vermutete, die ihn belauerten, und daß 
die Verfolgungsgedanken letzten Endes auf die Angst vor einer Vielzahl von 
Penissen im Leib der Mutter und im eigenen Leib zurückgingen. Diese paranoide 
Angst vor dem Penis als Verfolger war durch das Verhalten des realen Vaters, 
der ihn wegen der Onanie ausforschte und beobachtete, sehr verstärkt worden 
und hatte auch zur Abwendung von der Mutter, als einer Verbündeten des Vaters 
(Frau mit dem Penis), geführt. In dem Maße, als der Glaube an die „gute" Mutter 
sich in der Analyse verstärkte, wurde ich immer mehr zu seiner Verbündeten, die 
ihn gegen die ihn von allen Seiten bedrohenden Verfolger beschützte. Erst mit 
der Herabsetzung dieser Angst (wobei die Zahl der Verfolger und auch deren 
Gefährlichkeit sich nach und nach verringerte) vermochte er freier zu sprechen 
und sich freier zu bewegen. 11 Das letzte Stück der Behandlung ging fast aus- 

10) Ich gehe auf die Grundlagen und Inhalte dieser Angst ausführlich in Kap. IX ein. 

n) Ober einen ähnlichen Fall — den eines Knaben im Alter von 16 Jahren, der in 
der Analyse fast gar nichts sprach — berichtet Melitta Schmideberg in ihrer 
Arbeit: A Contribution to the Psychology of Persecutory Ideas and Delusions (Int. 

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r 

schließlich an Hand von freien Assoziationen vor sich. Ich kann nicht bezweifeln, 
daß in diesem Falle eine Behandlung und Heilung nur dadurch ermöglicht wurde, 
daß ich mir mit Hilfe der beim kleinen Kinde angewendeten Spieltechnik Zugang 
zum Unbewußten verschaffen konnte. Ob dies in einem späteren Alter noch 
möglich gewesen wäre, erscheint mir zweifelhaft. 13 

Wenn wir auch beim Kinde im Latenzalter im allgemeinen von den 
Assoziationen durch die Sprache reichlichen Gebrauch machen, so erreichen wir 
dies doch in vielen Fällen nur in einer von der Erwachsenenanalyse abweichenden 
Form. Bei Kindern, wie zum Beispiel Kenneth, der bald bewußt die ihm durch 
die Psychoanalyse gewährte Hilfe anerkannte und deren Notwendigkeit einsah, 
oder auch bei der viel kleineren Erna, bei der der Heilungswunsch sehr stark 
war, konnte man die Frage: „Sag mir, was du dir nun denkst?" von Anfang an 
zeitweise stellen. Bei vielen Kindern unter neun bis zehn Jahren wird aber diese 
Fragestellung häufig versagen. Die Art, wie wir das Kind auszufragen haben, 
ergibt sich uns im Anschluß an sein Spiel oder an seine Assoziationen. 

Wenn man dem Spiel des ganz kleinen Kindes zusieht, merkt man bald, daß 
der Baustein, das Stück Papier oder sonstiges Material — man kann sagen, alle 
Dinge ringsum — in seiner Phantasie etwas anderes darstellen. Stellt man dem 
Kinde, während es sich mit diesen Dingen beschäftigt (freilich ist dazu meist 
schon einige analytische Arbeit und die Herstellung der Übertragung Vor- 
bedingung), die Frage: „Was ist das?", so kann man daraufhin häufig allerlei 
erfahren. Es erzählt uns dann oft zum Beispiel, daß die Steine im Wasser Kinder 
sind, die ans Ufer wollen, oder Leute, die miteinander kämpfen. Aus der Frage: 
„Was ist das?" ergibt sich dann von selbst die Frage: „Was machen die denn?" 
oder: „Wo sind die jetzt?" usw. In ähnlicher, wenn auch modifizierter Weise 
müssen wir uns auch beim größeren Kinde die Assoziationen verschaffen. Dies 
gelingt allerdings im allgemeinen erst dann, wenn die beim älteren Kinde so viel 
stärkere Phantasieverdrängung und sein größeres Mißtrauen durch Einleitung der 
Analyse vermindert wurde und die analytische Situation voll hergestellt ist. 

Ich greife auf die Analyse der siebenjährigen Inge zurück. Als sie die Rolle 
des Bureauchefs spielte, Briefe schrieb, Aufträge erteilte usw., fragte ich sie: „Was 



Journ. of Psycho-Analysis. Vol. XII). Auch in diesem Falle war die Sprechhemmung 
durch Verfolgungsideen bedingt. Der Patient begann erst dann freier zu assoziieren, als 
es in der Analyse gelungen war, seine paranoische Angst zu vermindern. 

12) Auch im allgemeinen war das Resultat ein vollkommen befriedigendes. Die Starr- 
heit des Gesichtsausdruckes und der Bewegungen war gewichen. Egon fand nun an Sport, 
Spiel und den normalen Interessen eines Knaben dieser Altersstufe Freude, hatte gute 
Beziehungen zur Familie und zur Umwelt, war wohl und vergnügt. Seine günstige 
Entwicklung hat, wie ich zuletzt dreiundeinhalb Jahre nach Beendigung der Analyse 
erfuhr, angehalten und ist durch in der Zwischenzeit eingetretene schwere Belastungen 
nicht gestört worden. 

L 



Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

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steht denn in diesem Brief?" Darauf antwortete sie mir schlagfertig: „Das werden- 
Sie schon sehen, wenn Sie ihn bekommen". Als ich aber den Brief bekam, enthielt 
er nur Gekritzel. 13 Kurz darauf sagte ich: „Der Herr X" (den sie auch hatte 
mitspielen lassen) „läßt fragen, was in dem Briefe steht, denn er muß es wissen, 
und er bittet Sie, ihm telefonisch das Ganze vorzulesen." Daraufhin teilte sie 
bereitwillig den ganzen phantasierten Inhalt des Briefes und damit eine Reihe 
aufschlußreicher Assoziationen mit. — Oder ich sollte Arzt spielen. Als ich sie 
dabei fragte, was ihr fehle, antwortete sie mir: „Ach, das ist ja ganz gleich." 
Als ich mich dann aber als Arzt mit ihr näher besprach, erklärte ich: „Ja, gnädige 
Frau, jetzt müssen Sie mir aber ganz genau sagen, was Ihnen weh tut, ich muß 
Bescheid wissen." Daraus entwickelten sich die weiteren Fragen, wodurch sie erkrankt 
sei, wann sie die Krankheit bekam usw. Da sie einige Male hintereinander 
Patientin spielte, so lieferte sie mir durch die in dieser Form bereitwilligst 
beantworteten Fragen ein reiches und tiefgehendes Material. Bei der Umkehrung 
der Situation — als sie Arzt und ich Patientin war — gewann ich dann durch 
die Ratschläge, die sie mir als Arzt gab, weitere Aufschlüsse. 

Ich fasse nun meine Ausführungen zusammen: 

Es scheint mir auch beim Kinde im Latenzalter notwendig, vor allem den 
Kontakt mit seinen unbewußten Phantasien herzustellen. Dies ge- 
schieht durch Deutung des symbolischen Inhaltes des Materials im 
Zusammenhang mit Angst und Schuldgefühl. Infolge der in dieser 
Entwicklungsperiode so viel stärkeren Phantasieverdrängung muß der Zugang 
zum Unbewußten häufig von anscheinend phantasielosen Darstellungen aus 
eröffnet werden. Wir müssen auch darauf gefaßt sein, daß wir in der typischen 
Analyse des Latenzalters nur schrittweise und mühsam Verdrängungen auflösen. 
Es gibt viele Fälle im Latenzalter, bei denen wir wochen- oder auch monatelang 
nur Assoziationen erhalten, die gar kein Material zu enthalten scheinen, z. B. 
Zeitungsberichte, Inhaltsangaben von Büchern, monotone Schulberichte. Ferner 
scheinen Beschäftigungen, wie monotones zwangsneurotisches Zeichnen, Bauen, 
Nähen, Herstellen von Gegenständen — insbesondere, wenn wir dazu wenig 
Assoziationen erhalten — ;, den Zugang zum Phantasieleben nicht zu ermöglichen. 
Beschäftigungen und Berichte dieser völlig phantasielosen Art ermöglichen nach 
meiner Erfahrung (s. zum Beispiel Grete und Egon, Kap. IV) den Zugang zum 



13) Inge, die — wie ich schon erwähnte — eine starke Schreibhemmung hatte, emp- 
fand den brennenden Wunsch, „schnell und schön", wie die Erwachsenen, zu schreiben. 
Das Kompromiß zwischen diesem Wunsch und der bestehenden Hemmung war das 
Gekritzel, das in ihrer Phantasie ein schönes und gewandtes Schreiben darstellte. 
Der Wunsch, die Erwachsenen im Schreiben zu übertreffen, der sehr starke Ehrgeiz und 
Wißtrieb, die zugleich mit dem tiefen Gefühl, nichts zu wissen und zu können, bei ihr 
vorlagen, hatten einen großen Anteil an ihrem Versagen in der Realität. 



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Unbewußten, wenn wir sie nicht nur als Äußerungen des Widerstandes, sondern 
als Material auffassen. Wenn wir die kleinen Anzeichen genügend beachten 
und den Zusammenhang zwischen Symbolik, Schuldgefühl und 
Angst bei diesen Darstellungen als Ausgangspunkt für die Deutung 
nehmen, ist nach meinen Erfahrungen die Möglichkeit zur Einleitung und Fort- 
führung der analytischen Arbeit immer gegeben. 

Die Tatsache, daß in der Kinderanalyse der Zugang zum Unbewußten her- 
gestellt wird, noch bevor eine ausgiebige Beziehung zum Ich zustande kam, 
bedeutet nicht etwa, daß das Ich von der analytischen Arbeit irgendwie aus- 
geschaltet wird. Eine solche Ausschaltung wäre ja gar nicht möglich, da das Ich 
dem Es und Über-Ich so nahe steht und der Zugang zum Unbewußten nur über 
das Ich hergestellt werden kann. Die Analyse wendet sich aber nicht an das Ich 
(wie es die Erziehung tun muß), sondern sie sucht zunächst nur den 
Zugang zu den unbewußten Instanzen, also denjenigen, die für 
die Bildung des Ichs bestimmend sind. 

Um dies an einem Beispiel zu illustrieren: Ich berichtete, daß die Analyse 
der siebenjährigen Grete längere Zeit hindurch fast ausschließlich an Hand ihres 
Zeichnens vor sich ging, und zwar an Hand von Darstellungen von Häusern und 
Bäumen in verschiedenen Größen, die Grete in zwangsneurotischer Weise mit- 
einander abwechseln ließ. Man hätte nun, von diesem phantasielosen und zwangs- 
neurotischen Zeichnen ausgehend, den Versuch machen können, die Phantasie an- 
zuregen und den Zusammenhang mit anderen Ichinteressen herzustellen, in der 
Art, wie dies etwa ein verständnisvoller Lehrer täte. Man könnte zum Beispiel 
ein Interesse für die Ausschmückung oder Einrichtung der Häuser anregen oder 
vorschlagen, Häuser und Bäume in eine Stadt mit Straßen zu verlegen und so 
eine Verbindung mit etwaigen künstlerischen oder topographischen Interessen des 
Kindes herzustellen. Man könnte, vom Baum ausgehend, das Interesse für den 
Unterschied zwischen Bäumen und so ein etwaiges Interesse für Naturkunde 
anregen usw. Wenn eine dieser Anregungen glückte, ließe sich als Folge ein 
stärkeres Hervortreten der Ichinteressen und eine stärkere Beziehung des 
Analytikers zum Ich erwarten. Der Versuch, durch Anregung der Phantasie- 
tätigkeit eine Lockerung der Verdrängung und so eine Grundlage für die 
analytische Arbeit herzustellen, gelingt aber nach meiner Erfahrung in vielen 
Fällen nicht. 14 Häufig ist dieser Weg auch aus dem Grunde nicht gangbar, weil 
die starke, latente Angst eine schnelle Herstellung der analytischen Situation und 
den Beginn der eigentlichen analytischen Arbeit erforderlich macht. Aber auch in 
Fällen, in denen der Versuch, sich stärker vom Ich aus den Zugang zum Un- 




bewußten zu verschaffen, aussichtsvoller wäre, steht nach meiner Erfahrung der- 
Zeitaufwand nicht im Verhältnis zum Resultat. Man gewinnt nämlich auf diesem 
Wege nur anscheinend mehr und reicheres Material, in Wirklichkeit aber ist es 
das gleiche unbewußte Material, nur in einer mehr in die Augen springenden 
Form. Um auf den Fall von Grete zurückzukommen: Man hätte die Möglichkeit 
gehabt, ihre Wißbegierde anzuregen und im günstigsten Fall ihr Interesse für die 
Ein- und Ausgänge der Häuser, für das Wachstum und die Verschiedenheiten der 
Bäume zu erwecken. Damit wäre aber nur in einer weniger verhüllten Form 
das gleiche Material erbracht worden, das mir Grete durch ihre monotonen 
Zeichnungen gleich zu Beginn der Analyse gab. Die größeren und kleineren 
Bäume und Häuser, die sie immer wieder in zwangsneurotischer Weise zeichnete, 
stellten Vater und Mutter, sie selbst und den Bruder dar, wie sich mir auf Grund 
der Unterschiede in Größe, Farbe und Form und aus der Reihenfolge ergab. 
Diesen Darstellungen lag die verdrängte Wißbegierde nach dem Geschlechtsunter- 
schied zugrunde und andere damit zusammenhängende Fragen, deren Deutung 
den Zugang zu Angst und Schuldgefühl vermittelte und die Analyse einleitete. 
Wenn aber den deutlicheren und komplizierteren Darstellungen das gleiche 
Material zugrunde liegt wie den spärlicheren, so ist es vom analytischem Stand- 
punkt aus irrelevant, welche von beiden man als Ausgangspunkt der Deutung 
benutzt. Denn nach meinen Erfahrungen ist es in der K i n d e r a n a 1 y s e erst 
die Deutung, die die analytische Arbeit einleitet und sie i n 
Gang erhält. Daraus ergibt sich, daß man auch auf Grund von monotonen 
und phantasielosen Assoziationen eine gesicherte Deutung vornehmen kann, 
vorausgesetzt, daß man das Material genügend erkennt und den Zusammenhang 
mit der latenten Angst feststellt. Geht man aber auf diese Weise vor, so zeigt 
sich Hand in Hand mit der Auflösung von Angstquantitäten und der Aufhebung 
von Verdrängungen ein stärkeres Einsetzen von Ichinteressen und Sublimie- 
rungen. So entwickelte sich zum Beispiel bei Ilse — ■ einem Fall, auf den ich im 
nächsten Kapitel näher eingehe — aus dem monotonen und zwangsneurotischen 
Zeichnen im Verlaufe der Analyse eine kunstgewerbliche Begabung und ein 
Geschick im Zeichnen, ohne daß meinerseits irgendeine Anregung oder Förderung 
in dieser Richtung erfolgt wäre. 

Bevor ich zu den Analysen des Pubertätsalters übergehe, habe ich noch ein 
Problem zu besprechen, das eigentlich kern technisches, aber für die Arbeit des 
Kinderanalytikers von Bedeutung ist: Ich meine das Verhältnis des Kinder- 
analytikers zu den Eltern seiner Patienten. 

Die Analyse des Kindes macht ein gewisses Vertrauensverhältnis zu den Eltern 
des Kindes zur Arbeitsvoraussetzung. Die Eltern, von denen ja das Kind abhängig 
ist, gehören in den Kreis der Analyse; wir analysieren sie aber nicht und können 
deshalb nur mit allgemeinen psychologischen Mitteln auf sie einwirken. Das Ver- 

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hältnis der Eltern zum Analytiker des eigenen Kindes bringt Schwierigkeiten 
besonderer Art mit sich, da es stark an ihre eigenen Komplexe rührt. Die Neurose 
des Kindes belastet das Schuldgefühl der Eltern, und die Analyse, von der die 
Eltern Hilfe für das Kind erwarten, bedeutet ihnen andrerseits den Nachweis 
ihrer Schuld an der Neurose des Kindes. Außerdem ist es ihnen peinlich, daß der 
Analytiker Einblick in die Einzelheiten des Familienlebens gewinnt. Dazu kommt 
noch — insbesondere bei der Mutter — die Eifersucht auf das Vertrauens- 
verhältnis, das sich zwischen dem Kinde und der Analytikerin bildet. Diese 
Eifersucht, die auch in der Rivalität zu einer Mutter-Imago wurzelt, 15 macht sich 
ebenfalls bei den Erzieherinnen und Kinderfrauen stark geltend, die häufig der 
Analyse nichts weniger als freundlich gegenüberstehen. Diese und noch andere 
Momente, die vorwiegend unbewußt bleiben, bedingen eine mehr oder weniger 
ambivalente Einstellung der Eltern (insbesondere der Mutter) zur Analytikerin, 
die durch die bewußte Einsicht, daß die Analyse für das Kind notwendig sei, 
nicht aufgehoben wird. Daraus ergibt sich aber, daß auch bei bewußtem gutem 
Willen Störungen der Analyse von Seiten der Umgebung zu erwarten sind. Für 
den Grad der Schwierigkeiten entscheidet natürlich die Ambivalenz und die 
unbewußte Einstellung der Eltern. So erklärt es sich, daß ich bei analytisch 
orientierten Eltern nicht weniger Schwierigkeiten fand als bei Eltern, die der 
Analyse fernstanden. Auch deshalb halte ich eine weitgehende theoretische Auf- 
klärung der Eltern vor Beginn der Analyse nicht nur für überflüssig, sondern 
für unangebracht, da sie oft auf ihre Komplexe ungünstig wirkt. Ich begnüge 
mich mit einigen allgemeinen Mitteilungen über Sinn und Wirkung der Analyse, 
erwähne die Tatsache, daß das Kind im Verlauf derselben sexuell aufgeklärt wird, 
und bereite darauf vor, daß zeitweilig während der Analyse andere Schwierig- 
keiten auftreten könnten. In jedem Falle lehne ich es von vornherein ab, Einzel- 
heiten aus der Analyse den Eltern zu berichten. Das Kind, das mir sein Vertrauen 
schenkt, hat nicht weniger Anrecht auf meine Diskretion als der Erwachsene. 
Das Ziel, das wir uns bei Herstellung des Verhältnisses zu den Eltern vor 
Augen halten sollen, schränkt sich nach meinen Erfahrungen im wesentlichen 
darauf ein, daß sie unsere Arbeit unterstützen, indem sie sie äußerlich und 
innerlich möglichst wenig stören. Zum ersteren gehört, daß das Kind weder 
durch Fragen noch auf andere Art veranlaßt wird, aus der Analyse zu erzählen, 
und ferner, daß etwaige Widerstandsäußerungen des Kindes gegen die Analyse 
in keiner Weise unterstützt werden. Aktivere Mitarbeit haben wir nötig in den 

15) In einigen Fällen, in denen ich zugleich Mutter und Kind analysierte, ergab 
es sich, daß im Unbewußten der Mutter die Angst bestand, der Kinder beraubt °zu 
werden. Die Analytikerin des Kindes bedeutete ihr eine strenge Mutter, die die ihr 
geraubten Kinder nun wieder zurückfordern und zugleich auch die seinerzeit gegen die 
Geschwister gerichteten aggressiven Tendenzen aufdecken und bestrafen würde. 



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Fällen, wo es zeitweise zu akuter Angst und stärkerem Widerstand kommt. In 
diesen Fällen — ich verweise hier auf Ruth und Trude 16 — liegt es an der 
Umgebung, Mittel und Wege zu finden, um das Kind doch zum Kommen zu 
veranlassen. Dies ist nach meinen bisherigen Erfahrungen noch in jedem Falle 
möglich gewesen, da ja im allgemeinen auch bei stärkerem Widerstand eine 
positive Übertragung zur Analytikerin besteht, also eine ambivalente Ein- 
stellung des Kindes zur Analyse vorliegt. Die uns von der Umgebung dabei 
geleistete Hilfe darf sich aber niemals zu einem wesentlichen 
Rückhalt der analytischen Arbeit entwickeln. Perioden so intensiven 
Widerstandes sollten nur selten auftreten und nicht lange anhalten; die analytische 
Arbeit hat ihnen vorzubeugen oder, wenn das nicht gelingt, sie bald aufzulösen. 
Gelingt es uns, ein besseres Verhältnis zu den Eltern herzustellen und ihrer 
unbewußten Mitarbeit sicherer zu sein, so haben wir die Möglichkeit, zeitweise 
auch mehr über das Verhalten des Kindes außerhalb der Analysenstunde zu 
erfahren. Die Kenntnis der mit der analytischen Arbeit in Zusammenhang 
stehenden Veränderungen, zum Beispiel das Auftreten und Schwinden von Sym- 
ptomen usw., sind für den Analytiker wissenswert. Sind aber diese Mitteilungen 
der Eltern nur unter Schwierigkeiten anderer Art zu haben, so verzichte ich lieber 
auf sie, da sie zwar nützlich, aber entbehrlich sind. Ich schärfe den Eltern stets 
ein, sich bei Erziehungsmaßnahmen dem Kinde gegenüber nicht auf mich zu 
beziehen und Erziehung und Analyse vollkommen auseinanderzuhalten. Dadurch 
wird die Analyse — was sie sein soll — eine rein persönliche Angelegenheit 
zwischen mir und meinem Patienten. 

Nicht weniger als beim Erwachsenen halte ich es auch beim Kinde für un- 
erläßlich, daß die Analyse im Hause des Analytikers vorgenommen wird, ebenso 
auch, daß bestimmte Stunden eingehalten werden. Als eine andere Maßnahme, um 
die Verschiebung der analytischen Situation zu vermeiden, ergab sich mir die 
Notwendigkeit, die Begleitperson nicht in meiner Wohnung warten zu lassen. 
Sie bringt und holt das Kind zur bestimmten Zeit. 

Ich vermeide, wo nicht allzu große Erziehungsfehler vorliegen, in die Er- 
ziehungsmaßnahmen der Eltern einzugreifen. Da Erziehungsfehler im allgemeinen 
so stark den Komplexen der Eltern entspringen, sind Ratschläge meist nicht nur 
wirkungslos, sondern auch geeignet, Angst und Schuldgefühl der Eltern zu steigern. 
Daraus ergeben sich wieder vermehrte Schwierigkeiten der Analyse gegenüber 
und eine verschlechterte Einstellung zum Kinde". 



16) Siehe Kap. II. 

17) Ich greife zur Illustration einen Fall heraus: Eine analytisch orientierte Mutter, 
die infolge der erfolgreich fortschreitenden Behandlung ihres schwer neurotischen Kindes 
großes Vertrauen zur Analyse hatte, ließ sich nichtsdestoweniger nur schwer von mir 
davon abhalten, die Schulaufgaben der zehnjährigen Tochter zu überwachen, obzwar es 

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Diese Situation bessert sich wesentlich nach einer beendeten oder weit vor- 
geschrittenen Analyse. Die Behebung oder Verminderung der Neurose des Kindes 
wirkt auf die Eltern günstig. Die Verringerung der Schwierigkeiten 
im Verkehr mit ihrem Kinde vermindert das Schuldgefühl der 
Mutter und verbessert dadurch ihr Verhältnis zum Kinde. Die Mutter ist 
dann Ratschlägen des Analytikers in bezug auf Erziehungsmaßnahmen eher 
zugänglich und kann ihnen innerlich — und das ist das Wesentliche — eher 
nachkommen. Trotzdem setze ich auf Grund meiner Erfahrungen auf die Be- 
einflussung der Umgebung nicht allzu große Hoffnungen. Wir tun besser, uns auf 
das beim Kinde erzielte Resultat zu verlassen, das ihm eine bessere An- 
passung auch an eine schwierige Umgebung ermöglicht und es in die Lage versetzt, 
die von der Umgebung ausgehende Belastung besser zu ertragen. Diese Belastungs- 
fähigkeit hat natürlich ihre Grenzen. Wir werden es in den Fällen, in denen 
das Kind in einem sehr ungünstigen Milieu lebt, oftmals auch nicht zu einem 
vollen Erfolg bringen können und müssen mit der Möglichkeit einer nochmaligen 
neurotischen Erkrankung des Kindes rechnen. Ich habe aber wiederholt in der- 
artigen Fällen festgestellt, daß das erzielte Resultat, auch wenn es keine völlige 
Behebung der Neurose bedeutete, für das Kind eine weitgehende Erleichterung 
in seiner schwierigen Situation und eine bessere Entwicklung zur Folge hatte. 
Ferner scheint die Annahme durchaus begründet, daß eine eventuell sich wieder- 
holende Erkrankung nicht mehr so schwer sei, wenn man grundlegende Ver- 
änderungen in den tiefsten Schichten erzielt hat. 

Hervorhebenswert scheint mir auch, daß in einigen solchen Fällen durch die 
Tatsache, daß die Neurose des Kindes vermindert wurde, ein günstiger Einfluß 

auch ihr klar geworden war, daß die Lernschwierigkeiten des Kindes dadurch nur 
erhöht würden. Als sie dies endlich doch unterließ, erfuhr ich aus der Analyse des 
Kindes, daß die Mutter das Kind immer wieder zu Äußerungen über den Fortgang der 
Analyse zu veranlassen suchte; sie stellte auch dies auf meine Bitte ein, machte nun 
aber dem Kinde Bemerkungen darüber, daß es morgens Ringe unter den Augen habe 
(Bemerkungen, die sie in früherer Zeit mit dem Onanieverbot verbunden hatte). Als 
nun auch diese die Analyse störenden Bemerkungen eingestellt wurden, wandte die 
Mutter der Kleidung des Mädchens und auch der Tatsache, daß dieses sich zu lange auf 
der Toilette aufhalte, eine übermäßige und den Trotz des Kindes steigernde Beachtung 
zu. Nun gab ich es endlich auf, diesbezüglich einen weiteren Einfluß auf die Mutter 
auszuüben und nahm diese Störungen der Analyse mit in Kauf. Nach einiger Zeit, 
in der ich keine Vorhaltungen gemacht hatte, verminderten sich die Störungen wieder. 
In diesem Falle konnte ich aus der Wirkung auf das Kind feststellen, daß alle diese 
verschiedenen Mahnungen, die einander ablösten, für das Kind die gleiche un- 
bewußte Bedeutung hatten, nämlich: Ausforschung und Vorwurf wegen 
der Onanie. Daß sie auch bei der Mutter einen analogen komplexbetonten Ursprung 
hatten, beweist, daß ihr bewußter Wille, die von mir beanstandeten Erziehungsfehler 
abzustellen, erfolglos geblieben war, — ja daß allem Anschein nach meine Ratschläge die 
Schwierigkeiten der Mutter in ihrer Beziehung zum Kinde vergrößert hatten. Die gleiche 
Feststellung machte ich auch in zahlreichen anderen Fällen. 

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auf die neurotische Umgebung des Kindes festzustellen war. 18 Mitunter ergibt- 
sich auch nach einer erfolgreich durchgeführten Behandlung eine Möglichkeit, das 
Kind in ein anderes Milieu, zum Beispiel in eine Schulgemeinde zu versetzen, 
was vorher wegen der Neurose und der mangelnden Anpassungsfähigkeit des 
Kindes nicht möglich war. 

Ob es ratsamer ist, die Eltern öfter zu sehen oder aber Zusammenkünfte mit 
ihnen möglichst einzuschränken, ergibt sich im Einzelfalle. In verschiedenen Fällen 
habe ich den zweiten Weg als das beste Mittel gefunden, meine Beziehung zur 
Mutter möglichst reibungslos zu erhalten. 

Aus der Ambivalenz der Eltern zur Analyse des Kindes erklärt sich auch die 
für den Anfänger erstaunliche und schmerzliche Tatsache, daß wir selbst bei 
unseren besten Erfolgen nicht allzuviel von der Anerkennung der Eltern erwarten 
sollen. Obwohl ich wiederholt mit sehr einsichtsvollen Eltern zu tun hatte, habe 
ich doch in der Mehrzahl der Fälle festgestellt, daß die Eltern die Krankheits- 
erscheinungen, die das Kind zur Analyse führten, leicht vergessen und die 
Bedeutung der eingetretenen günstigen Veränderungen übersehen. Dazu kommt, 
daß die Eltern einen Teil — und zwar den wichtigsten — unserer Resultate 
nicht beurteilen können. Die Analyse des Erwachsenen beweist ihre Bedeutung 
durch die Behebung lebensstörender Schwierigkeiten. Daß wir Schwierigkeiten 
dieser Art, oder selbst der Psychose, durch die Analyse des Kindes vorgebeugt 
haben, wissen wohl wir, aber meist nicht die Eltern. Es besteht aber auch die 
Neigung seitens der Eltern, vorhandene schwere Symptome des Kindes wohl als 
störend zu empfinden, nicht aber in ihrer Bedeutung zu erkennen, eben weil sie 
nicht in das reale Leben so bedeutsam eingreifen wie die Krankheit des 
Erwachsenen. 

> Ich glaube aber, wir können uns mit der Tatsache, daß wir nicht allzuviel 
von der Anerkennung der Eltern erwarten dürfen, gut abfinden, wenn wir uns 
vergegenwärtigen, daß unsere Arbeit ja in erster Linie dem Wohle des Kindes 
und nicht dem Danke der Eltern gilt. 



18) Bei einem vierzehnjährigen Knaben zum Beispiel, der in überaus schwierigen und 
belastenden Familienverhältnissen lebte und wegen Charakterschwierigkeiten zu mir in 
Analyse kam, stellte die Umgebung fest, daß die günstigen Charakterveränderungen des 
Knaben auch einen sehr wohltuenden Einfluß auf den Charakter der um ein Jahr älteren 
nicht analysierten Schwester ausübten. In diesem Falle hatte sich auch das Verhältnis 
der Mutter zum Sohne verbessert. 



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.. 



FÜNFTES KAPITEL 

Die Technik der Analyse im Pubertätsalter 

Die typische Analyse im Pubertätsalter unterscheidet sich in wesentlichen 
Zügen von den Analysen im Latenzalter. Die Triebregungen sind intensiver, 
die Phantasietätigkeit ist stärker und das Ich hat andere Ziele und eine ver- 
änderte Beziehung zur Realität. Hingegen finden wir in der Analyse von Jugend- 
lichen Analogien mit der des Kleinkindes, die sich daraus ergeben,, 
daß wir wieder einer stärkeren Herrschaft der Triebregungen und des Unbewußten 
und einer sehr viel reicheren Phantasietätigkeit gegenüberstehen. 
Auch zeigen die Angst- und Affektäußerungen im Pubertätsalter in ihrer im 
Vergleich zum Latenzalter sehr viel akuteren Form ein Wiederaufleben der 
für das kleine Kind charakteristischen Angstentbindung. Das Bestreben, 
die Angst abzuwehren und zu verarbeiten, die auch beim kleinen Kinde eine 
wesentliche Funktion des Ichs ist, gelingt jedoch dem entwickelteren Ich des 
Jugendlichen sehr viel besser. Er hat die Entwicklung seiner Interessen und 
Aktivitäten (Sport usw.) sehr stark in den Dienst der Aufgabe gestellt, seine 
Angst zu beherrschen, zu überkompensieren und vor sich und anderen zu 
maskieren. Der Jugendliche bewältigt diese Aufgabe mit Hilfe des Trotzes und 
der Auflehnung, die für die Pubertätszeit charakteristisch sind. Hierin liegt aber 
eine große technische Schwierigkeit der Analyse im Pubertätsalter. 

Wenn wir nicht bald den Zugang zu den in diesem Alter so akuten Affekten 
finden, die sich vorwiegend in trotziger Übertragung äußern, so 
kann es leicht zu einem plötzlichen Abbruch der Analyse kommen. 
Wiederholt hat sich mir in Knabenanalysen gezeigt, daß die Erwartungs- 
vorstellungen in den ersten Stunden schwere körperliche Angriffe von meiner 
Seite zum Inhalt hatten. Der vierzehnjährige Ludwig zum Beispiel war am 
zweiten Analysentage nicht mehr gekommen und hatte sich am dritten Tag 
nur sehr schwer von der Mutter bestimmen lassen, es noch einmal „mit der 
Analyse zu versuchen". In dieser dritten Analysenstunde gelang es mir, ihm nach- 
zuweisen, daß er mich mit dem Zahnarzt identifizierte. Er behauptete zwar, 
vor diesem, an den ich ihn im Aussehen erinnerte, keine Angst zu haben; die 
Deutung des vorliegenden Materials aber vermochte ihn vom Gegenteil zu über- 
zeugen, denn sie bewies ihm, daß er vom Zahnarzt und von mir nicht nur ein 
Zahnziehen, sondern ein Zerschneiden des ganzen Körpers erwartete. Durch die 
Verringerung dieser Angst hatte ich die analytische Situation hergestellt. Es kam 
zwar im Verlaufe der Analyse noch oft zu starker Angstentbindung, aber der 
Widerstand blieb im wesentlichen auf die analytische Situation beschränkt, und 
der Fortgang der Analyse war gesichert. 



Ähnlich wie bei Ludwig habe ich auch in anderen Fällen, in denen ich ver- 
steckte Anzeichen latenter Angst wahrnahm, diese Anzeichen in der ersten 
Analysenstunde gedeutet und so gleich mit dem Abbau der negativen Über- 
tragung begonnen. Aber auch in den Fällen, in denen die Angst zunächst nicht er- 
kennbar ist, kann es zu plötzlichen Angstausbrüchen kommen, wenn nicht die analy- 
tische Situation durch die Deutung des unbewußten Materials bald hergestellt wird. 
Das Material in den Analysen von Jugendlichen hat große Ähnlichkeit mit 
dem des kleinen Kindes. Der Knabe im Vorpubertät s- und Puber- 
tätsalter hantiert in der Phantasie mit Personen und 
Dingen ähnlich wie das kleine Kind mit dem Spielzeug. 
Was der dreiunddreivierteljährige Peter im Spiel mit den kleinen Wagen, Zügen 
und Autos zur Darstellung bringt, zeigt mir zum Beispiel der vierzehnjährige 
Ludwig in seinen monatelang fortgesetzten Berichten über die Unterschiede der 
Konstruktionen verschiedener Autos, Motorräder, Fahrräder usw. Peter läßt die 
kleinen Wagen fahren und vergleicht sie miteinander, Ludwig interessiert sich 
leidenschaftlich dafür, welcher Wagen und welcher Führer im Rennen siegen wird. 
Wenn Peter dem kleinen Männchen für geschicktes Fahren Bewunderung zollt 
und ihn die verschiedensten Kunststücke ausführen läßt, so kann Ludwig nicht 
genug sportliche Helden bewundern. Die Phantasietätigkeit des Jugendlichen ist 
aber der Realität und den stärkeren Ichinteressen besser angepaßt, 
und deshalb ist ihr Phantasiegehalt viel weniger deutlich als 
beim kleinen Kinde. Beim Jugendlichen ändert sich mit der stärkeren Aktivität 
und Realitätsbeziehung auch der Charakter der Phantasien. 1 Der Antrieb, in der 
Realität Mut zu beweisen, und das Bedürfnis, mit anderen zu wetteifern, treten 
stärker hervor. Dies ist mit ein Grund dafür, weshalb der Sport, in dem sowohl 
die Rivalität mit anderen als die Bewunderung für hervorragende Leistungen 
anderer befriedigt werden kann, und der überdies so stark der Angstbewältigung 
dient, auch im Phantasieleben des Jugendlichen einen so großen Raum einnimmt. 
Diese Phantasien, die den Vergleich und den Kampf mit dem Vater um den 
Besitz der Mutter und die Potenz ausdrücken, werden auch beim Jugendlichen 
von Aggression und Haß in allen Formen begleitet und häufig von Angst und 
Schuldgefühl abgelöst. Die dem Pubertätsalter eigenen Mechanismen verhüllen 
jedoch diese Zusammenhänge viel besser, als es beim kleinen Kinde der Fall ist. 
Der größere Knabe wählt sich als Vorbilder Helden und bedeutende Männer. 
Mit diesen Objekten, die ihm ferne stehen, kann er die Identifizierung besser 



i) In vielen Knabenanalysen der Vorpubertät, mitunter auch schon des Latenz- 
alters füllen Indianer- oder Detektivgeschichten, Phantasien von Reiseabenteuern 
und Kämpfen den größten Teil der Stunden aus. Sie werden fortsetzungsweise mit- 
geteilt und sind häufig mit Phantasien über technische Konstruktionen, z.B. von 
Booten, Maschinen, Autos, Kriegsausrüstungen usw., verbunden. 



90 — 







aufrechterhalten. Er kann auch die den Vater-Imagines geltenden negativen 
Gefühle ihnen gegenüber anhaltender überkompensieren. Seine Aggression richtet 
sich bei dieser Spaltung der Vater-Imago gegen andere Objekte. Wenn wir die 
großen Quantitäten an Haß und Hohn, die wir im Laufe der analytischen Arbeit 
aufdecken und deren Objekte Lehrer, Verwandte usw. sind, mit der über- 
kompensierenden Bewunderung für andere Objekte in Zusammenhang bringen, so 
finden wir auch beim großen Knaben den Zugang zur vollen Analyse der Affekte 
und des Ödipuskomplexes. 

In manchen Fällen hat die Verdrängung zu so weitgehender Einschränkung 
der Persönlichkeit geführt, daß nur ein ausgesprochenes Interessengebiet vor- 
liegt. Dieses einseitige Interesse, zum Beispiel für einen bestimmten 
Sport, ist ebenso wie ein ausschließliches Spiel beim Kinde das Residuum 
aller verdrängten Phantasien geworden und trägt im allgemeinen 
mehr den Charakter eines zwangsneurotischen Symptoms als den einer Sub- 
limierung. Monotone Berichte über Fußballspiel, Radfahren od. dgl. bilden in 
solchen Fällen monatelang das ausschließliche Material der Analyse. Aus diesen 
so wenig ergiebig scheinenden Assoziationen müssen wir den Gehalt an verdrängten 
Phantasien zutage fördern. Wenn wir analog der Technik der Traum- und Spiel- 
deutung auch hier die Mechanismen der Verschiebung, Verdichtung, symboli- 
schen Darstellung usw. berücksichtigen und den Zusammenhang mit den leisen 
Anzeichen von Angst und der ganzen Affektlage beachten, gelangen wir nach und 
nach (hinter der Fassade dieses monotonen Interesses) 2 zu den tiefsten Komplexen 
des Analysanden. 

Hier tritt eine Analogie mit einem extremen Typus von Analysen des Latenz- 
alters hervor. Ich verweise auf das monotone, phantasielose Zeichnen der sieben- 
jährigen Grete, 3 das ich monatelang als fast ausschließliches Mittel der Analyse 
erhielt, und auf den noch extremeren Fall von Egon. 

Diese Fälle zeigten die im Latenzalter normale Einschränkung der Phantasie- 
tätigkeit und der Darstellungsmittel im extremen Grade. Ich fand, daß die Fälle 
im Pubertätsalter, bei denen eine so starke Einschränkung der 
Interessen und Darstellungsmittel vorliegen, Fälle von protrahierter 
Latenz sind. Andrerseits hat sich mir die weitgehende Einschränkung der 
Phantasietätigkeit (Spielhemmung) im frühen Kindesalter dahin aufgeklärt, daß 
hier ein verfrühter Beginn der Latenzzeit vorliegt. In beiden Fällen, sowohl bei 
verfrühter wie bei protrahierter Latenz, zeigt nicht nur die zeitliche Verschiebung, 

2) Auch Abraham hat, wie er mir berichtete, die Psychoanalyse eines etwa 
zwölfjährigen Knaben vorwiegend in der — wie er es nannte — „Markensprache" 
erfolgreich durchgeführt. Einzelheiten, wie z.B. die abgerissene Ecke einer Marke, 
vermittelten den Zugang zum Kastrationskomplex. 

3) Siehe Kap. IV. 

— 91 — 



sondern auch das Übermaß der für die normale Latenzzeit charakteristische!* 
Erscheinungen eine schwere Entwicklungsstörung an. 

.14 will .nun meine Auffassung von der Technik im Pubertätsalter an einige« 
Beispielen illustrieren. In der Analyse des fünfzehnjährigen Bill* hatten die fort- 
gesetzten Assoziationen über sein Fahrrad und dessen einzelne Teile (zum Bei- 
spiel die Angst, es durch zu schnelles Fahren beschädigt zu haben) reichliches 
Material für sein Schuldgefühl wegen der Onanie und für seinen Kastrations- 
Komplex geliefert. 5 

Bill berichtete mir nun einmal über eine gemeinsame Radfahrtour mit seinem 
Freund, bei der die Knaben ihre Fahrräder ausgetauscht hatten, wonach Bill 
- unbegründeterweise - befürchtet hatte, daß sein Fahrrad beschädigt worden 
«l Da ich auch vorher schon ähnliches Material erhalten hatte, deutete ich ihm, 
daß diese Angst auf sexuelle Akte zurückzugehen scheine, die in der Kindheit 
vorgefallen seien. Darauf erwiderte mir Bill, daß die Tatsache stimme und daß 
er sich auch an Einzelheiten einer solchen Beziehung mit einem Knaben erinnere. 
Das mit dieser Beziehung verknüpfte Schuldgefühl und die Angst, seinen Penis 
und seinen Korper dabei beschädigt zu haben, waren unbewußt 

vo? K A r IySe , ^ Vier2ehn i ähri § en Ludwig, von deren Einleitung ich 
vorhin berichtete, lernten wir die Gründe des sehr starken Schuldgefühls dem 
jüngeren Bruder gegenüber an analogem Material kennen. Wenn zum Beispiel 
Ludwig von semer reparaturbedürftigen Dampfmaschine gesprochen hatte, so 
folgten darauf Assoziationen über die Dampfmaschine des Bruders, mit der wohl 
nichts mehr anzufangen sein werde. Der daran anschließende Widerstand, sein 
Junsch, die Stunde möge bald zu Ende sein, erwiesen sich durch die Angst vor 
der Mutter begründet, die die frühere sexuelle Beziehung zwischen ihm und dem 
jüngeren Bruder - an die eine teilweise bewußte Erinnerung vorlag - hätte 
entdecken können Diese Beziehung zum Bruder hatte, da Ludwig dabei als 
der Altere und Stärkere den Bruder auch zeitweise genötigt hatte schwere 
unbewußte Schuldgefühle hinterlassen. Ludwig fühlte sil JJTte^Z 
entwicklung des jüngeren, stark neurotischen Bruders verantwortlich • 

6) Ludwigs Analyse war als eine prophylaktische gedacht. Er neigte wohl zu 



9a — 



Im Anschluß an die Assoziationen über einen gemeinsamen, mit einem Freund 
beabsichtigten Schiffsausflug meinte Ludwig, der Dampfer könne untergehen, zog 
plötzlich seine Monatskarte der Bahn heraus und fragte mich, ob ich ihm sagen 
könne, wann sie erlösche. Er kenne sich nicht aus, welche der Zahlen sich auf 
den Monat und welche sich auf den Tag beziehen. Das „Erlöschen" der Monats- 
karte stellte für ihn das Datum seines befürchteten Todestages dar. Die ge- 
meinsame Reise bedeutete ihm die in früher Kindheit vorgenommene mutuelle 
Onanie (Bruder/Freund), die Schuldgefühl und Todesangst verursacht hatte. 
Ludwig berichtete weiter, daß er seine elektrischen Batterien entleert habe, um das 
Köfferchen, in dem er sie eingepackt hatte, nicht zu beschmutzen. Er erzählt ferner, 
daß er mit seinem Bruder — als Ersatz für Fußballbälle — im Zimmer mit 
Ping-Pong-Bällen gespielt habe; das sei ungefährlich, dabei könne man sich weder 
die Köpfe einschlagen noch die Fensterscheiben zertrümmern. Dabei erinnert er 
sich an ein Erlebnis aus früheren Jahren. Er war ohnmächtig geworden, als ihn 
ein Fußball empfindlich traf. Eine Verletzung erlitt er nicht, aber es bestand die 



Depressionen, die aber keinen abnormen Charakter trugen, war nicht gesellig, ziemlich 
passiv und auf sich zurückgezogen und hatte kein gutes Verhältnis zu seinen Ge- 
schwistern. Er war aber in normaler Weise sozial angepaßt, ein guter Schüler und in 
keiner Beziehung aus dem Rahmen fallend. Bei diesem durchaus als normal zu be- 
zeichnenden Knaben ergaben sich durch die Analyse (deren Dauer hundertundneunzig 
Analysenstunden betrug) Veränderungen, die auch Fernstehenden, die keine Kenntnis 
von seiner Analyse hatten, auffielen. Zum Beispiel ergab sich, daß seine Unlust, ins 
Theater oder ins Kino zu gehen, mit einer trotz des befriedigenden Lernens bestehenden 
schweren Hemmung des Wißtriebes zusammenhing. Mit der Behebung dieser Hemmung 
erweiterte sich sein Gesichtskreis und er wurde viel gescheiter. Die Analyse von 
Ludwigs — wie sich ergab — stark passiver Einstellung führte zur Entwicklung zahl- 
reicher Aktivitäten. Das Verhältnis zu den Brüdern verbesserte sich, zugleich zeigte 
sich eine größere soziale Anpassung. Diese Veränderungen führten zu einem viel freieren, 
reiferen und ausgeglicheneren Wesen. Ich möchte hervorheben, daß diesen zwar günstigen, 
aber nicht entscheidend scheinenden Resultaten Veränderungen zugrunde lagen, denen 
aller Voraussicht nach auch für die Zukunft Bedeutung zukommt. Die Behebung von 
Ludwigs Passivität hing mit einer veränderten Entwicklung seiner Sexualität zusammen. 
Die heterosexuellen Strebungen hatten sich wesentlich verstärkt, und Schwierigkeiten, 
die wir als Grundlage für Potenzstörungen kennen, waren behoben worden. Die Depres- 
sionen waren mit Selbstmordgedanken verbunden und gingen tiefer, als es den Anschein 
hatte. Der Zurückziehung auf sich selbst, der Unlust zur Geselligkeit lag eine starke 
Realitätsflucht zugrunde. Ich greife mit dieser Aufzählung nur einige der Schwierig- 
keiten heraus, die sich in der tiefführenden Analyse ergaben, möchte aber bei dieser 
Gelegenheit hervorheben — ich verweise auf den analogen Fall von Inge — , wie stark 
auch die Schwierigkeiten des Normalen sind. Mit diesen analytischen Feststellungen 
stimmt auch die alltägliche Erfahrung überein, daß überraschend häufig bis dahin normal 
scheinende Menschen auf geringfügige Anlässe hin neurotisch erkranken oder Selbst- 
mord begehen. Aber auch bei denen, die nicht erkranken, läßt sich — wie mir auch 
Analysen normaler Erwachsener bestätigten — das Ausmaß der Hemmung in intel- 
lektueller und sexueller Beziehung und der Entgang an Lebensfreude nur durch die 
Analyse ermessen. (Letzte Nachricht erhielt ich drei Jahre nach Abschluß der Behandlung.) 



- 9 3 



Gefahr einer Verletzung der Zähne oder der Nase. Diese Erinnerung erwies sich 
als eine Deckerinnerung für die Beziehung zu einem älteren Freund, der ihn 
verführt hatte. Die Ping-Pong-Bälle stellten den kleineren und ungefährlicheren 
Penis des Bruders, der Fußball den Penis des älteren Knaben dar. Da er sich aber 
im Verhältnis zum Bruder mit dem Freund, der ihn verführt hatte, identifizierte, 
so ergab sich hieraus ein starkes Schuldgefühl wegen des Schadens, den er dem 
Bruder zugefügt hatte. Das Entladen der Batterien, die Angst, das Köfferchen 
zu beschmutzen, war determiniert durch die Angst vor der Beschmutzung und 
Beschädigung, die er dem Bruder durch die Einführung seines Penis in dessen 
Mund zugefügt hatte, indem er ihn zu Fellatio zwang, und die er selbst seit der 
mit dem älteren Freund vorgenommenen Fellatio für seinen eigenen Körper 
empfand. Die Angst, den Bruder innerlich beschmutzt und beschädigt zu haben, 
war durch sadistische Phantasien dem Bruder gegenüber begründet und führte 
zu der noch tiefer liegenden Grundlage seiner Angst und Schuldgefühle: den 
sadistischen, gegen die Eltern gerichteten Masturbationsphantasien. — So hatten 
wir, von dem symbolisch durch die Assoziationen über die reparaturbedürftigen 
Dampfmaschinen ausgedrückten Geständnis seiner Beziehungen zum Bruder aus- 
gehend, nicht nur den Zugang zu anderen Erlebnissen, sondern auch zu den 
tiefsten Schichten der Angst gefunden. Ich weise auch noch auf die überaus reiche 
symbolische Darstellung hin, die das Material in dieser als typisch zu be- 
zeichnenden Pubertätsanalyse gefunden hat, eine Darstellung, die ebenso wie in 
der Frühzeit eine entsprechende Deutung der Symbolik erforderlich macht. 
Ich gehe nun auf die Analyse des Mädchens im Pubertätsalter ein. 
Das Einsetzen der Menstruation löst starke Angst aus. Sie bedeutet — neben 
den übrigen uns bekannten Determinierungen — letzten Endes das äußere An- 
zeichen einer völligen Zerstörung des Leibesinnern und der darin enthaltenen 
Kinder. Deshalb vollzieht sich beim Mädchen im Pubertätsalter die Entwicklung 
zur vollen weiblichen Position langsamer und unter größeren Schwierigkeiten 
als die Befestigung der männlichen Position beim Knaben. Diese größere 
Schwierigkeit in der Entwicklung des Weibes hat zur Folge, daß sich häufig beim 
Mädchen im Pubertätsalter die männliche Komponente verstärkt. In anderen 
Fällen setzt nur eine teilweise, vorwiegend intellektuelle Entwicklung im 
Pubertätsalter ein. Diese Mädchen verbleiben in Hinsicht auf ihre Sexualität und 
ihre Persönlichkeit in einer protrahierten Latenz, die in vielen Fällen auch über 
das Pubertätsalter hinaus anhält. In der Analyse des ersten, des aktiven, mit 
dem Manne rivalisierenden Typus gehen wir häufig von einem Material aus, 
das dem beim Knaben analog ist. Bald treten aber die Unterschiede im Aufbau 
des männlichen und des weiblichen Kastrationskomplexes hervor, da wir beim 
Vordringen in die tieferen Schichten auf die aus der Aggression gegen die Mutter 
stammenden Angst- und Schuldgefühle stoßen, die beim Mädchen zu einer Ab- 

- 94 - 



r 






lehnung der weiblichen Rolle geführt und die Bildung des weiblichen Kastrations- 
komplexes beeinflußt haben. Wir finden dann, daß die Angst vor der Zerstörung 
des Leibesinnern durch die Mutter zur Ablehnung der weiblichen und mütterlichen 
Rolle geführt hat. In diesem Stadium der Behandlung ähnelt das Material dem- 
jenigen, das wir beim kleinen Mädchen erhalten. Beim zweiten Typus, dem der 
sexuell stark gehemmten Mädchen, beginnt die Analyse im allgemeinen an Hand 
von ähnlichem Material wie in Analysen im Latenzalter: Schulberichte, der 
Wunsch, die Lehrerin zufriedenzustellen, die Sorge um das Gelingen der Aufgabe, 
der Näharbeiten usw., nehmen einen großen Raum in der Analyse ein. In diesen 
Fällen muß man sich ähnlich wie im Latenzalter verhalten, indem man durch 
Auflösung von Angstquantitäten Schritt für Schritt die verdrängte Phantasie- 
tätigkeit freimacht. Wenn uns dies bis zu einem gewissen Grade gelungen ist, 
treten die Angstinhalte und Schuldgefühle stärker hervor, die sich der Bei- 
behaltung der weiblichen Rolle entgegengestellt und in diesen Fällen zu einer 
allgemeinen Hemmung der Sexualität geführt hatten, während sie in den früher 
besprochenen Fällen zur Identifizierung mit dem Vater führten. Auch bei den 
Mädchen, bei denen die weibliche Position dominiert, ist die Angst im Pubertäts- 
alter viel stärker und äußert sich akuter als bei Erwachsenen. Trotzige und 
negative Übertragungen sind auch für diese Fälle im Pubertätsalter charakte- 
ristisch und machen die baldige Herstellung der analytischen Situation erforderlich. 
Häufig ergibt sich in der Analyse, daß die weibliche Position überbetont und zum 
Teil vorgeschoben ist, um die aus dem Männlichkeitskomplex stammende Angst 
und die noch tiefer liegenden Angstinhalte der frühesten weiblichen Position zu 
verdecken und zu maskieren. 7 

Ich will nun diese allgemeinen Bemerkungen zur Technik weiblicher Vor- 
pubertäts- und Pubertätsanalysen durch den Ausschnitt aus einer Analyse ver- 
anschaulichen. Diese ist nicht eine typische Analyse dieser Altersstufe, scheint mir 
aber dennoch geeignet, auch die Schwierigkeiten solcher Analysen zu illustrieren. 
Die zwölfjährige Ilse zeigte ausgesprochen schizoide Züge. Sie wies eine 
ungewöhnliche Einschränkung der Persönlichkeit auf. Sie stand nicht nur intel- 
lektuell auf der Stufe eines acht- bis neunjährigen Kindes, sondern sie besaß auch 
nicht einmal die Interessen, die normalerweise Kinder dieser Altersstufe haben. 
Auffallend war die weitgehende Hemmung jeglicher Phantasietätigkeit. Ilse hatte 
auch nie im eigentlichen Sinne gespielt und fand, mit Ausnahme eines zwangs- 
mäßigen und völlig phantasielosen Zeichnens (auf dessen Charakter ich später 
eingehen werde), an keiner Beschäftigung Freude. So hatte sie zum Beispiel kein 
Vergnügen an Gesellschaft, liebte es nicht, auf die Straße zu gehen, Dinge zu be- 
sichtigen, und hatte eine Abneigung gegen Theater, Kino und Zerstreuungen aller 

7) Siehe Joan Ri viere: Weiblichkeit als Maske. Int. Ztschr. f. PsA.,BdXV (1929). 

- 9 5 - 



1 



Art. Ihr Hauptinteresse galt dem Essen, und Enttäuschungen in dieser Hinsicht 
führten immer zu Wutausbrüchen und Depressionen. Sie war auf die Geschwister 
sehr eifersüchtig, aber weniger wegen der Liebe der Mutter als wegen vermeint- 
licher Bevorzugung beim Essen. Der gehässigen Einstellung zu Eltern und Ge- 
schwistern entsprach auch im allgemeinen eine sehr geringe soziale Anpassung. 
Ilse hatte keine Freundinnen und schien überhaupt kein Bedürfnis nach Liebe 
und Anerkennung zu empfinden. Besonders schlecht war das Verhältnis zur 
Mutter. Ilse hatte ihr gegenüber zeitweise sehr starke Wutausbrüche, zugleich war 
sie aber übermäßig an sie fixiert. 

Eine längere Abwesenheit vom häuslichen Milieu — Ilse hatte zwei Jahre in 
einer von ihrem Wohnort entfernten Klosterschule verbracht - führte auch 
keine nachhaltige Veränderung herbei. 

Als Ilse elfeinhalb Jahre alt war, wurde sie von der Mutter beim Geschlechts- 
verkehr mit dem älteren Bruder ertappt. Nun erst kamen der Mutter Erinne- 
rungen, die in ihr die Überzeugung erweckten, daß diesem Vorfall schon andere 
ähnlicher Art vorausgegangen seien. Die Analyse erwies, daß diese Überzeugung 
begründet war; ferner ergab sich, daß auch nach der Entdeckung durch die Mutter 
diese Beziehung fortgesetzt wurde. 

Ilse kam ausschließlich auf den dringenden Wunsch der Mutter in Analyse, 
veranlaßt von einer kritiklosen und weit unter ihrem Alter stehenden Folgsam- 
keit, die mit der haßerfüllten Einstellung zugleich die Fixierung an die Mutter 
charakterisierte. 

Ich schlug Ilse zunächst vor, sich niederzulegen. Die spärlichen Assoziationen 
beschäftigten sich vorwiegend mit dem Vergleich der Einrichtungsgegenstände 
meines Zimmers mit denen des häuslichen Milieus und insbesondere ihres eigenen 
Zimmers. Sie verließ mich mit deutlichem schwerem Widerstand, lehnte es am 
nächsten Tage ab, zur Analyse zu kommen, ließ sich aber schließlich von der 
Mutter dennoch dazu bewegen. Nach meinen Erfahrungen ist es in einem solchen 
Falle nötig, die analytische Situation schnell herzustellen, da die Hilfe der 
Umgebung nicht lange als Stütze für die Analyse dienen kann. Mir war schon 
in der ersten Stunde das Fingerspiel des Mädchens aufgefallen; immer wieder 
strich es die Falten des Rockes glatt und begleitete dieses Fingerspiel mit einigen 
Sätzen, in denen es die Einrichtungsgegenstände meines Zimmers mit denen seines 
Zimmers verglich. Als Ilse in der zweiten Stunde eine in meinem Zimmer stehende 
Teekanne mit einer ähnlichen, aber nicht so schönen, zu Hause verglich, setzte 
ich mit der Deutung ein. Ich erklärte ihr, daß die Gegenstände, die sie vergleiche, 
Personen bedeuteten. Sie vergleiche mich oder ihre Mutter mit sich selbst und 
der Vergleich falle zu ihren Ungunsten aus, weil sie sich wegen der Masturbation 
schuldig und körperlich beschädigt fühle. Das immer wiederkehrende Glätten der 
Rockfalten drücke zugleich die Masturbation sowie den Versuch aus, das Genitale 

- 1 

- 9 6 - 



wieder herzustellen. 8 Sie widersprach heftig, ich konnte aber die Wirkung der 
Deutung an dem reicher einsetzenden Material erkennen. Auch weigerte sich Ilse 
a m nächsten Tage nicht mehr, zu mir zu kommen. Dennoch hielt ich es, da Ilse 
so infantil war und bei ihrer Schwierigkeit, sich in "Worten auszudrücken, und 
bei der allem Anschein nach starken akuten Angst für angebracht, zur Spiel- 
analyse überzugehen. In den nächsten Monaten bestanden die Assoziationen Ilses 
vorwiegend in Zeichnungen, die sie — anscheinend völlig phantasielos — mit dem 
Zirkel und nach genauen Messungen herstellte. Das Messen und Berechnen von 
Teilstücken spielte dabei die Hauptrolle und die Zwanghaftigkeit dieser ganzen 
Beschäftigung trat immer deutlicher hervor. 9 In langsamer und geduldiger Arbeit 
ließ sich ermitteln, daß die verschiedenen Formen und die Farben der Teilstücke 
Personen darstellten. Der Zwang zum Messen und Rechnen entstammte dem 
zwanghaft gewordenen Antrieb, sich über das Innere des Mutterleibes, die Anzahl 
der Kinder, die Geschlechtsunterschiede usw. Gewißheit zu verschaffen. Auch in 
diesem Fall ging die Hemmung der Persönlichkeit und der ganzen intellektuellen 
Entwicklung von einer sehr frühen Verdrängung des intensiven Wißtriebes aus, 
der sich in trotzige Ablehnung gegen alles "Wissen verkehrt hatte. Wir waren 
an Hand dieses Materials von Zeichnen, Messen und Rechnen ein ganzes Stüdc 
weit vorgedrungen, und die Angst war weniger akut geworden. Ich machte 
deshalb — etwa sechs Monate nach Beginn der Behandlung — Ilse den Vor- 
schlag, versuchsweise wieder zur Liegeanalyse überzugehen. Die Angst wurde 
sogleich akuter, ließ sich aber bald herabsetzen, und die Analyse machte von 
diesem Zeitpunkte an schnellere Fortschritte. Infolge des kärglichen Inhaltes und 
der Monotonie der Assoziationen entsprach zwar auch dieser Analysenabschnitt noch 
keineswegs einer normalen Analyse dieser Altersstufe, führte aber im weiteren 
Verlaufe immer mehr dazu. Es trat nun ein starkes Bestreben hervor, die Lehrerin 
zufriedenzustellen und gute Zensuren zu bekommen, aber ihre schwere Lern- 
hemmung machte Ilse die Erfüllung dieses Wunsches unmöglich. Erst jetzt wurde 
ihr auch die Enttäuschung und der Schmerz über ihre Unzulänglichkeit voll- 
kommen bewußt. Stundenlanges Weinen ging zu Hause einem Schulaufsatz 
voraus, den sie dann auch wirklich nicht fertigbrachte. Ilse war ebenso ver- 
zweifelt, wenn ihre Strümpfe, die sie nicht in Ordnung gebracht hatte, vor dem 
Gang zur Schule Löcher zeigten. Ihre Assoziationen über Versagen im Lernen 
führten immer wieder zu einem Makel der Kleidung oder des Körpers. Die 

8) Es handelt sich bei einer derartigen Deutung nicht darum, etwas bewußt Ver- 
heimlichtes (Onanie od. dgl.) zu erraten und dadurch Einfluß auf das Kind zu 
gewinnen, sondern das mit der Onanie (und anderen verpönten Handlungen) ver- 
knüpfte Schuldgefühl zu verringern, indem man es auf die tieferen Quellen zurückführt. 

9) Tatsächlich lagen auch bei Ilse keine wirklichen Interessen vor, über die sie hätte 
sprechen können. Sie las zwar leidenschaftlich, aber der Inhalt der Lektüre war für sie 
unwesentlich. Das Lesen diente hauptsächlich der Flucht aus der Realität. 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

— 97 — 7 



Manschetten, Blusen, der Kragen, die Krawatte, jedes einzelne Stück der Kleidung,, 
weil zu lang oder zu kurz, schmutzig oder nicht von richtiger Farbe, kehrten 
monatelang zugleich mit den Schulberichten in monotoner Weise in jedem ihrer 
Einfälle wieder. 10 Zu dieser Zeit schöpfte ich das Material vorwiegend aus den 
Einzelheiten der mißglückten Schularbeiten. 11 Auf die immer wiederkehrende 
Klage Ilses, sie wisse nichts zu dem ihr aufgegebenen Thema zu schreiben, ver- 
anlaßt« ich sie zu Assoziationen über das Thema, und diese forcierten Phantasien 12 
erwiesen sich als sehr aufschlußreich. Der Schulaufsatz bedeutete für Ilse ein 
Einbekenntnis ihres frühesten „Nichtwissens", nämlich ihrer Unkenntnis der Vor- 
gänge beim Geschlechtsverkehr der Eltern, dem Inhalt des Mutterleibes usw. 
Deshalb wurden die mit dem Nichtwissen zusammenhängenden Gefühle von 
Angst und Trotz bei jeder Schulaufgabe aktiviert. Wie in vielen anderen Fällen, 
stellte der Aufsatz bei Ilse unter anderem ein Geständnis dar und rührte in 
stärkstem Maße an ihr Schuldgefühl und ihre Angst. Zum Beispiel führte das 
Thema „Schilderung des Kurfürstendamms" zu Einfällen über Schaufenster und 
zu Gegenständen, die sie gern haben möchte, zum Beispiel einer sehr großen 
verzierten Streichholzschachtel, die sie auf einem Spaziergang mit der Mutter in 
einem Schaufenster gesehen hatte. Sie gingen in den Laden und die Mutter 
zündete versuchsweise eines der großen Streichhölzer an. Ilse hätte gern das 
gleiche getan, unterließ es aber aus Angst vor der Mutter und dem Verkäufer, 
der eine Vater-Imago darstellte. Die Streichholzschachtel und deren Inhalt 
ebenso wie der Inhalt der Schaufenster bedeuteten den Mutterleib, das Anstreichen 
des Streichholzes den Koitus der Eltern. Der Neid auf die Mutter, die im Koitus 
den Vater besaß, die aggressiven, gegen die Mutter gerichteten Regungen waren 
die Ursachen ihrer tiefsten Schuldgefühle. Ein anderes Thema behandelte 
„Bernhardiner Hunde". Als Ilse deren Geschicklichkeit, Menschen vom Erfrieren 
zu retten, erwähnt hatte, setzte schwerer Widerstand ein. Die weiteren Einfälle 
zeigten, daß die im Schnee versunkenen Kinder in ihrer Phantasie verlassene 
Kinder waren. Die Schwierigkeiten, die dieses Aufsatzthema bei ihr angerührt 
hatten, gingen auf die Todeswünsche gegen ihre jüngeren Schwestern zurück, und 
zwar vor und nach der Geburt, ferner auf die Angst, zur Strafe von der Mutter 
verlassen zu werden. Aber auch jede sonstige — schriftliche oder mündliche — 
Schulaufgabe bedeutete für Ilse ein vielfaches Geständnis. Zu diesen Schwierig- 

10) Siehe J. C. Flügel: The Psychology of Clothes (The International Psycho- 
Analytical Library 1930). 

11) Ella Sharpe hat über den Fall einer erwachsenen psychotischen Patientin 
berichtet, in deren Analyse sie längere Zeit hindurch das Material fast ausschließlich aus 
dem historischen Interesse der Patientin schöpfte und an Hand dieses Materials bis zu 
den tiefsten Seelensdiiditen vordrang (History as Phantasy, Vortrag gehalten vor der 
British Psycho-Analytical Society, Frühjahr 1929). 

12) Siehe Ferenczi: Forcierte Phantasien. (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. X, 1924.) 

- 9 8 - 



keiten kamen noch die speziellen, der Mathematik, der Geometrie, Geographie usw. 
geltenden Hemmungen. 13 

Zugleich mit der fortschreitenden Behebung der Lernschwierigkeiten war eine 
überaus günstige Veränderung im gesamten Wesen des Mädchens eingetreten. Ilse 
war sozial anpassungsfähig geworden und hatte Freundinnen erworben. Das Ver- 
hältnis zu den Geschwistern und Eltern hatte sich wesentlich gebessert. Sie war 
nun eigentlich normal zu nennen. Ihre Interessen hatten annähernd eine ihrem 
Alter entsprechende Stufe erreicht. 

Da sie eine gute Schülerin, bei den Lehrerinnen beliebt und eine sogar über- 
mäßig folgsame Tochter geworden war, zeigte sich die Umgebung mit dem Erfolg 
der Analyse völlig zufrieden und sah auch keinen Grund, sie fortzusetzen. Ich 
teilte diese Meinung nicht. Es war mir klar, daß bei Ilse im Alter von dreizehn 
Jahren und schon nach dem Einsetzen der physischen Pubertät psychisch erst ein 
wirklich gelungener Übergang in das Latenzalter sich vollzogen hatte. Die Analyse 
hatte durch die Auflösung von Angstquantitäten, durch Ver- 
minderung des Schuldgefühls die soziale Anpassung und 
den psychischen Übergang in das Latenzalter ermöglicht. So er- 
freulich diese Veränderung auch war, sah ich mich doch einem noch ganz unselb- 
ständigen, übermäßig an die Mutter fixierten Menschen gegenüber. Wenn auch ihr 
Interessenkreis sich stark erweitert hatte, so war Ilse doch kaum einer selb- 
ständigen Meinung fähig. Ihre Meinungsäußerungen leitete sie meist folgender- 
maßen ein: „Meine Mutter meint" usw. Ihr Wunsch, zu gefallen, die große 
Sorgfalt, die sie nun auf ihr Äußeres verwendete — auch dies im Gegensatz zu 
ihrer früheren völligen Gleichgültigkeit — , ihr Bedürfnis nach Lob und An- 
erkennung standen vorwiegend im Dienste des Bestrebens, die Mutter, die 
Lehrerin zufriedenzustellen. Dem gleichen Zwecke diente auch ihr Wunsch, die 
Kameradinnen zu übertreffen. Die homosexuelle Einstellung dominierte; die 
heterosexuellen Regungen traten kaum hervor. 

Die Fortsetzung der nun normal verlaufenden Analyse führte zu weitgehenden 
Änderungen sowohl in diesem Punkte als auch in der Gesamtentwicklung der 
Persönlichkeit. Hiezu trug auch die Analyse der durch die Menstruation aus- 
gelösten Angst bei. 

Die übermäßige positive Bindung an die Mutter war durch Angst und Schuld- 
gefühl verursacht. Ilse hatte auch noch von Zeit zu Zeit — wenn auch viel 
seltener — Affektausbrüche gegen die Mutter. Die weitere Analyse führte nun 
auch zur vollen Aufdeckung des ursprünglichen Rivalitätsverhältnisses mit dieser, 



13) Auf die generelle Bedeutung der einzelnen Lerngebieten geltenden Hemmungen 
bin ich in meiner Arbeit: Die Rolle der Schule in der libidinösen Entwicklung des 
Kindes, Int. Ztschr. f. PsA., Bd. IX, 1923, eingegangen. 



99 — 



ihres intensiven Hasses und Neides, die dem Besitz des Vaters beziehungsweise 
dessen Penis und dem Gefallen des Vaters galten. Damit hatten sich die hetero- 
sexuellen Regungen verstärkt, die homosexuellen wesentlich vermindert. Erst jetzt 
setzte die psychische Pubertät ein. Ilse war unfähig gewesen, die Mutter zu 
kritisieren und sich eine eigene Meinung zu bilden, weil die Kritik einen schweren 
sadistischen Angriff gegen die Mutter bedeutete. Die weitere Analyse des Sadismus 
bewirkte, daß bei Ilse sich eine ihrem Alter entsprechende größere Selbständigkeit 
entwickelte, die sich sowohl in ihren Handlungen wie auch in ihrer ganzen 
Denkungsart äußerte. In diesem Teil der Analyse trat auch die Opposition der 
Mutter gegenüber stärker zutage, führte aber nicht zu besonderen Schwierigkeiten, 
da die günstigen Veränderungen des Mädchens überwogen. Das Resultat einer 
etwas späteren Periode war nach einer Analysendauer von vierhundert und 
fünfundzwanzig Stunden ein gut stabilisiertes, herzliches Verhältnis zur Mutter 
und die Befestigung der heterosexuellen Position. 14 

Dieser Fall bewies, daß die nicht geglückte Verarbeitung 
eines überstarken Schuldgefühles den Übergang in die 
Latenzzeit und die ganze Entwicklung stören kann. Die 
Affekte, die sich in Wutausbrüchen äußerten, waren verschoben, die Verarbeitung 
der Angst mißglückt. Ilse, die den Eindruck eines unglücklichen, unzufriedenen 
Menschen machte, wußte nicht nur nichts von ihrer Angst, sondern auch nichts 
von ihrer Unzufriedenheit mit sich. Es war ein großer Fortschritt in der Analyse, 
als es gelungen war, sie mit dem eigenen Unglück bekannt zu machen und ihr die 
Überzeugung zu ermöglichen, daß sie sich minderwertig und ungeliebt fühle, 
darüber verzweifelt sei und aus Hoffnungslosigkeit keinen Versuch unternehme, 
sich Liebe zu verschaffen. An Stelle der angeblichen Gleichgültigkeit gegen Liebe 
und Anerkennung trat dann ein übermäßiges Bedürfnis danach hervor, das zu der 
großen Folgsamkeit der Mutter gegenüber führte und für die Latenzzeit charakte- 
ristisch ist. Der weitere Teil der Analyse, der die tieferen Gründe der schweren 
Schuldgefühle und des Versagens aufzudecken hatte, war, da Ilse nun auch volle 
Krankheitseinsicht hatte, viel weniger schwierig. 

Ich habe am Anfang dieses Berichtes erwähnt, daß es zwischen Ilse und ihrem 
einundeinhalb Jahre älteren Bruder zu sexuellen Akten gekommen war. Ich hatte 
bald, nachdem ich Ilses Analyse begonnen hatte, auch ihren Bruder in Analyse 
genommen. Beide Analysen erwiesen, daß die sexuelle Beziehung zwischen den 
Geschwistern auf die frühe Kindheit zurückreichte und auch während der Latenz- 
zeit — allerdings in großen Abständen und mit gewissen Abschwächungen — 
fortgedauert hatte. Auffallend war nun, daß Ilse keinerlei bewußtes Schuldgefühl 

14) Zweiundeinhalb Jahre nach Beendigung der Analyse erfuhr ich, daß Ilse sich trotz 
großer äußerer Schwierigkeiten gut entwickelt. 

— 100 — 









über diese Beziehung empfand, aber den Bruder stark haßte. Die Analyse des 
Bruders bewirkte, daß er die sexuelle Beziehung zur Schwester völlig einstellte, 
was bei Ilse zunächst verstärkten Haß auslöste. Im Zusammenhang mit den durch 
die Analyse bei Ilse angebahnten Veränderungen traten später auch bei ihr starke 
Schuldgefühle und Angst 15 wegen dieser Beziehung auf. 

Die in diesem Falle beobachtete Verarbeitung der Schuldgefühle, 
die sich in Ablehnung jeder eigenen Verantwortung und einer 
gehässigen, trotzigen Ablehnung der Umwelt auswirkt, erwies 
sich mir als charakteristisch für einen gewissen Typus der Asozialen. 
Ich fand zum Beispiel auch bei Kenneth, dem anscheinend die Meinung der 
Umwelt so gleichgültig war und der eine so ungewöhnliche Schamlosigkeit zeigte, 
analoge Mechanismen am Werke. Diese scheinen mir auch beim normaleren, 
bloß „schwierigen" Kinde, wenn auch in schwächerem Ausmaße, 
mit wirksam. Es zeigt sich immer wieder in Kinderanalysen aller Alters- 
stufen: die Verminderung der latenten Schuldgefühle und 
der Angst führt (und zwar um so mehr, je tiefer die Analyse vordringt) 
zur besseren sozialen Anpassung und verstärkt das Gefühl 
der eigenen Verantwortung. 

Dieser Fall ergibt auch einige Anhaltspunkte dafür, welche Entwicklungs- 
faktoren beim Mädchen den geglückten Übergang in die Latenzzeit und welche den 
noch weiteren in die Pubertätszeit bestimmen. Ich wies früher darauf hin, daß 
wir häufig das Mädchen im Pubertätsalter in einer protrahierten Latenz finden. 
Die Analyse der aus der Aggression gegen die Mutter stammenden frühen 
Angst und Schuldgefühle ermöglicht nicht nur den gelungenen Übergang in die 
Pubertät, sondern auch den Übergang aus dieser ins Erwachsenenalter und damit 
die Vollentwicklung der weiblichen Sexualität und Persönlichkeit. 

Hervorzuheben ist noch die in diesem Falle angewendete Technik. Im ersten 
Teile der Analyse kam die Technik der Latenzzeit, im letzten Teil die der 
Pubertätszeit zur Anwendung. 

Ich habe im Verlaufe meiner Ausführungen wiederholt auf die Brücken hin- 
gewiesen, die zwischen der Technik der Analyse in den verschiedenen Altersstufen 
bestehen. In der Technik der Frühanalyse sehe ich die Grund- 
lage für die in allen kindlichen Entwicklungsstufen er- 
forderliche Technik. Ich habe im vorigen Kapitel ausgeführt, daß 
meine in den Analysen des Latenzalters angewendete Technik sich auf der in der 
Analyse des kleinen Kindes ausgearbeiteten Spieltechnik aufbaut. Wie die in diesem 



15) Ich gehe im siebenten Kapitel in einem anderen Zusammenhang auf den 
Charakter dieser Beziehung näher ein. Analoge Mechanismen habe ich auch in anderen 
Fällen beobachtet. 



— 101 — 






Kapitel besprochenen Fälle zeigen, fand ich die Technik der Frühanalyse aber auch 
als eine Arbeitsvoraussetzung für zahlreiche Fälle des Pubertätsalters, da manche 
dieser oft schwierigen Analysen scheitern, wenn dem Bedürfnisse des Jugendlichen 
zum Agieren und Phantasieren nicht genügend Rechnung getragen, die Angst- 
entbindung nicht dosiert und nicht eine sehr elastische Technik angewendet wird. 

Die Analyse der tiefsten Seelenschichten ist an bestimmte Voraussetzungen 
gebunden. Die im Vergleich zur modifizierten Angst der höheren Schichten viel 
größeren und intensiveren Angstquantitäten der tieferen Schichten machen eine 
gewisse Dosierung der Angst erforderlich. Diese erfolgt dadurch, daß die Angst 
stetig auf ihre Quellen zurückgeführt und abgebaut wird, sowie durch die kon- 
sequente Analyse- der Übertragungssituation. 

Ich habe in den ersten Kapiteln dieses Buches beschrieben, wie ich in den Fällen, 
in denen das Kind mir zu Beginn der Behandlung ängstlich oder ablehnend 
begegnet, gleich mit der Analyse der negativen Übertragung einsetze. Es handelt 
sich bei dieser Methode 16 darum, die versteckten Anzeichen latenter Angst recht- 
zeitig, d. h. noch bevor sie manifest werden und zu einem Angstanfall 'führen, 
zu erkennen und sogleich zu deuten. 

Für diese technischen Maßnahmen ist die genaue Kenntnis der Angstreaktionen 
auf den frühen Entwicklungsstufen und der vom Ich gegen diese Angst aktivierten 
Abwehrmechanismen — also der theoretischen Einsichten in die Struktur der 
tiefsten Seelenschichten — eine unerläßliche Voraussetzung. Die Deutung muß an 
denjenigen Teil des Materials anschließen, der mit der stärk- 
sten latenten Angst verknüpft ist, und die Angstsituationen aufdecken, 
die aktiviert wurden. Die Deutung muß zugleich den Zusammenhang 
der Angst mit den bestimmten, ihr zugrunde liegenden sadistischen 
Phantasien und den A b w e h r m e c h a n i s m e n, die das Ich zur 
Bewältigung der Angst einschlug, herstellen, d. h. sie folgt bei 
jeder aufzulösenden Angstquantität ein Stück weit den Drohungen des 
Uber-Ichs, den Regungen des Es und den Vermittlungs- 
versuchen des Ichs. Auf diese "Weise vermag die Deutung schritt- 
weise den vollen Inhalt der jeweilig aktivierten Angst- 
quantität dem Bewußtsein zuzuführen. 

Zur Durchführung dieser Methode ist ferner die Einhaltung einer ausschließlich 
analytischen Technik notwendig, da der Analytiker nur dann die tiefsten Schichten 
analysieren kann, wenn er sich jeder pädagogischen oder moralischen Beeinflussung 
enthält. Wenn in der Analyse bestimmten Triebregungen der Ausdruck verwehrt 
wird, so hat dies zur Folge, daß auch andere Regungen des Es sich nicht durch- 
setzen können. Es ist dabei zu bedenken, daß es selbst beim kleinen Kinde 

16) Siehe Kap. IL 



, 

mühsamer analytischer Arbeit bedarf, um zu den primitivsten oralsadistisdien 
und analsadistischen Phantasien vorzudringen. 

Wird diese Dosierung der Angst konsequent durchgeführt, so kommt es nach 
„leinen Erfahrungen auch bei einem vorzeitigen Abbruch der Analyse oder in 
Analysenpausen nicht zu einer zu großen Stauung von Angst. Ich fand, daß bei 
solchen Unterbrechungen der Analyse die Angst wohl vorübergehend akuter 
wurde, bald aber wieder — und zwar besser als vor Beginn der Analyse — 
gebunden und verarbeitet werden konnte. In anderen Fällen kam es auch nicht 
einmal zu dieser vorübergehend akuteren Angstentbindung. 17 

Nachdem ich nun wieder die Analogien zwischen Pubertätsalter 
un d F r ü h z e i t hervorgehoben habe, will ich noch einmal kurz die U n t e r- 
schiede betonen. Mehr als im Latenzalter erfordern im Pubertätsalter die 
Entwicklung des Ichs und dessen reifere Interessen eine der Er- 
wachsenenanalyse angenäherte Technik. Wenn auch der Analytiker 
in einzelnen Fällen oder durch Teilstrecken der Analyse sich mit anderen Dar- 
stellungsmitteln behelfen muß, so hat er sich dennoch in den Analysen des 
Pubertätsalters im allgemeinen vorwiegend auf die Assoziationen durch die 
Sprache zu stützen, die erst die volle Beziehung zur Realität und zum Interessen- 
kreis des jungen Menschen vermittelt. Aus diesen Gründen setzen die Analysen 
des Pubertätsalters auch die volle Beherrschung der bei den Erwachsenen ange- 
wendeten Technik voraus. Ich halte aber die regelrechte Ausbildung in der Analyse 
Erwachsener auch für eine Grundlage der Spezialausbildung zum Kinderanalytiker. 
Nur wer über hinreichende Erfahrungen und Resultate in der Analyse Er- 
wachsener verfügt, sollte an das technisch schwierigere Gebiet der Kinderanalyse 
herangehen. Die Beibehaltung der grundlegenden analytischen 
Behandlungsprinzipien bei den nötigen, den kindlichen Mecha- 

17) In einer Anzahl von Fällen von Kindern zwischen drei und zwölf Jahren, bei 
denen ich die Analyse nach drei- bis neunmonatlicher Behandlungsdauer aus äußeren 
Gründen abbrechen mußte, war das Bild, das diese Fälle nach dieser Behandlungsdauer 
boten, ein wesentlich beruhigerendes geworden. Ich habe die bei Rita, Trude, Kuth 
erzielten Teilresultate eingehend besprochen (siehe Kap. II). Bei einem zwölfjährigen 
Knaben zum Beispiel, der mit manifesten Vergiftungsideen in Analyse kam und nach 
sechsmonatlicher Behandlung abreisen mußte, hatte die Analyse nicht nur diese Angst 
selbst wesentlich vermindert, sondern auch sonst günstige Veränderungen im Allgemein- 
befinden, die sich unter anderem in einem freieren Auftreten kundgaben, herbeigeruhrt, 
wie ich zuletzt zweiundeinhalb Jahre nach Beendigung der Behandlung erfuhr. Auch 
war das subjektive Wohlbefinden in all diesen Fällen viel größer als vor Beginn 
der Analyse. Wenn auch in diesen Fällen mit kurzer Behandlungsdauer die Neurose 
nicht behoben, sondern nur vermindert war, so gewann ich doch die Überzeugung, daß 
durch diese Teilanalyse die Gefahr einer späteren Psychose oder schweren Zwangsneurose 
wesentlich herabgesetzt worden war. Es wurde mir zur Gewißheit, daß jeder noch so 
kleine Schritt in der Auflösung von Angst der tiefsten Schichten sich im Sinne der 
Heilung oder Besserung praktisch bedeutungsvoll auswirkt. 

— xo3 — 



n i s m e n angepaßten Modifikationen in den verschiedenen Altersstufen 
bedingt nach meinen Erfahrungen die volle Beherrschung der in der» 
Analysen Erwachsener angewendeten Technik sowie auch der Technik 
der Frühanalyse. 



SECHSTES KAPITEL 

Die 2>eurose des Kino 



es 



Im Verlaufe meiner bisherigen Ausführungen habe ich die Technik beschrieben, 
durch die das Kind tiefgehend wie der Erwachsene analysiert werden kann. Im 
folgenden will ich auf die Indikationsstellung eingehen. Dabei ergibt sich zunächst 
die Frage: Welche Schwierigkeiten sind beim Kinde als normal, welche 'als 
neurotisch zu betrachten — welche sind ein Ausdruck von Ungezogenheit, 
welche ein Anzeichen der Neurose? 

Man rechnet im allgemeinen mit gewissen typischen, in Quantität und Aus- 
wirkung sehr verschiedenen Schwierigkeiten beim Kinde. Sie werden, solange 
sie nicht über ein gewisses Maß hinausgehen, als zur Entwicklung des Kindes 
gehörig betrachtet. Da aber ein gewisses Ausmaß an Schwierigkeiten eine regel- 
mäßige Begleiterscheinung der kindlichen Entwicklung ist, wird meines Erachtens 
nicht genügend gewürdigt, inwieweit auch diese regelmäßigen Schwierigkeiten als 
Grundlage und Anzeichen schwerer Entwicklungsstörungen zu werten sind. 

Stärkere Eßstörungen, vor allem aber die Angst, sei es als Pavor 
nocturnus, sei es in Form von Phobien, sind deutliche, als neurotisch 
bekannte Erscheinungen. Das Studium des kleinen Kindes zeigt aber, daß die 
Angst in sehr verschiedenen und maskierten Formen auftritt, und daß wir schon 
beim zwei- und dreijährigen Kinde Verarbeitungen der Angst finden, die auf 
eine komplizierte Verdrängungsarbeit schließen lassen. Wenn zum Beispiel der 
Pavor nocturnus beim Kinde zurücktritt, so können wir die Schlaf- 
störungen noch einige Zeit in anderen Formen wiederfinden: das späte Ein- 
schlafen, das frühe Erwachen, unruhiger oder leicht gestörter Schlaf, die Unfähig- 
keit zum Nachmittagsschlaf fand ich in Analysen als abgeschwächte Formen des 
Pavor nocturnus. In dieses Gebiet gehören auch die zahlreichen, oft so störenden 
Zeremonien und sonstigen Eigentümlichkeiten der Kinder vor dem Einschlafen. 
Aus der krassen Eßstörung wird oft ein langsames Essen, Kaufaulheit, allgemeine 
Appetitlosigkeit, sie äußert sich ferner häufig im ungezogenen Gehaben der Kinder 
bei Tische. 

— 104 — 



Daß Angst vor bestimmten Menschen beim Kinde häufig durch eine all- 
gemeine Ängstlichkeit abgelöst wird, läßt sich gut beobachten. Diese Ängst- 
lichkeit ist später oft nur mehr als Gehemmtheit im Verkehr mit Menschen 
oder als Schüchternheit zu erkennen. Alle diese Abstufungen sind Ver- 
arbeitungen der ursprünglichen Angst, die zum Beispiel im Falle der Angst vor 
Menschen die ganze spätere soziale Einstellung bestimmt. Die ausgesprochene 
Tierphobie geht zum Beispiel in Abneigung gegen die betreffenden Tiere oder 
aegen Tiere im allgemeinen über. Die Angst vor Gegenständen, die für das kleine 
Kind ursprünglich immer belebt sind, drückt sich beim Erwachsenen in der 
Hemmung von Funktionen aus, die mit diesen Gegenständen zusammenhängen. 
So wurde zum Beispiel aus der Phobie eines Kindes vor dem Telefonapparat 
die Abneigung des Erwachsenen gegen das Telefonieren, in anderen Fällen aus 
der Angst vor der Lokomotive Reiseunlust beziehungsweise starke Ermüdbarkeit 
auf Reisen, aus der Straßenangst Unlust zum Spazierengehen usw. Hieher gehört 
auch die in meiner Arbeit „Zur Frühanalyse" 1 ausführlich besprochene Sport- 
hemmung und Hemmung bei Bewegungspielen, die sich in allen möglichen 
Zwischenstufen (Ablehnen einzelner Sportarten, Unlust, Ermüdbarkeit, Un- 
geschicklichkeit usw.) ausdrücken kann. In dieses Gebiet fallen auch die indivi- 
duellen Eigenheiten, Gewohnheiten und Hemmungen des 
Normalen. Der Erwachsene kann seine - niemals fehlenden - Abneigungen 
auf die verschiedenste Art r a t i o n a 1 i s i e r e n (z. B. als „langweilig, geschmack- 
los, unhygienisch"). Beim Kinde werden solche Abneigungen und Gewohn- 
heiten, die allerdings intensiver und weniger sozial angepaßt sind, als „Un- 
arten" bezeichnet. Sie sind immer auch der Ausdruck von Schuldgefühl und 
Angst, haben innige Beziehung zu Phobien, meist auch zu Zwangszeremoniellen 
und werden in jeder Einzelheit von den Komplexen des Kindes bestimmt. 
Deshalb erweisen sie sich häufig so resistent erzieherischen Beeinflussungen gegen- 
über, sind aber oft durch die Analyse auflösbar wie ein 
neurotisches Symptom. Ich kann hier aus diesem interessanten Gebiete 
nur einige Beispiele herausgreifen: Das grimassierende Augenaufreißen eines 
Knaben, das Blinzeln eines anderen dienten als Gegenbeweis gegen die gefurchtete 
Blendung. Bei einem anderen Knaben klärte sich das Offenhalten des Mundes 
als Geständnis der begangenen Fellatio, das daran anschließende Pfeifen als der 
Widerruf dieses Geständnisses auf. Ungezogenheiten beim Baden und Kopf- 
waschen haben sich mir wiederholt als larvierte Angst vor Kastration oder 
Beschädigung des ganzen Körpers erwiesen. Dem Nasenbohren bei Kindern und 
bei Erwachsenen lagen unter anderem Phantasien eines analen Angriffes auf den 
Leib der Eltern zugrunde. Die Schwierigkeit, Kinder zur Erledigung einfachster 




Handreichungen oder Besorgungen zu bewegen, die sich häufig erzieherisch so 

unangenehm auswirkt, fand ich immer durch Angst bestimmt. So erklärte sich 

zum Beispiel die Abneigung von Kindern, einen Gegenstand aus einem Kasten 

zu holen, in mehreren Fällen dadurch, daß dies einen aggressiven Eingriff in 

den Leib der Mutter und eine Realisierung dieser verbotenen Phantasien bedeutete. 

Es gibt eine gewisse Form der Überlebhaftigkeit beim Kinde, die 

man oft mißverständlicherweise — je nach dem Standpunkt — als ein besonderes 

Zeichen von Temperament oder als Ungezogenheit auffaßt, und die häufig mit 

Trotz und Hohn gepaart ist. Diese Erscheinungen sind ebenfalls Uberkompen- 

sierungen der Angst. Dieser Mechanismus der Angstverarbeitung ist auch für die 

Charakterbildung und die spätere soziale Einstellung wesentlich. 2 Die „Zapp- 

ligkeit", die häufig im Zusammenhang mit dieser Überlebhaftigkeit auftritt, 

halte ich für ein bedeutsames Symptom. Die motorischen Entladungen, die beim 

kleinen Kinde durch diese allgemeine Unruhe erfolgen, verdichten sich zu Beginn 

des Latenzalters häufig zu Bewegungsstereotypien, die im Gesamtbilde 

dieser Überbeweglichkeit meist unbeachtet bleiben. Im Pubertätsalter, mitunter 

auch schon früher, treten sie wieder auf oder werden deutlicher und bilden die 

Grundlage eines T i c. 3 

Ich habe wiederholt auf die große Bedeutung der Spielhemmung hinge- 
wiesen, die sich in den verschiedensten Formen maskieren kann. Wir können in Ana- 
lysen die verschiedensten Grade und Abstufungen der Spielhemmung beobachten. 
Greifen wir aus den vielen Formen teilweiser Spielhemmung einige heraus: die 
Abneigung gegen bestimmte Spiele, die Unfähigkeit, bei einem Spiele zu verweilen. 
Viele Kinder brauchen oft die starke Spielbeteiligung einer anderen Person, über- 
lassen dieser die Initiative, holen nicht selbst das Spielzeug herbei usw. Bei 
Kindern, die nur Spiele, die sie genau nach Vorlagen ausführen, oder nur eine be- 
stimmte Art von Spielen lieben (das dann gewöhnlich mit besonderer Intensität 
betrieben wird), liegt eine starke Phantasieverdrängung vor, die gewöhnlich auch 
mit zwangsneurotischen Zügen einhergeht. Das Spiel trägt dann weit eher den 
Charakter eines zwangsneurotischen Symptoms als den einer Sublimierung. 

Zu erwähnen wäre noch eine Art von Spielen, hinter denen sich — ins- 
besondere in der Übergangszeit zum Latenzalter — Bewegungsstereotypien oder 
Starrheit der Bewegungen verbergen. Zum Beispiel führte ein achtjähriger Knabe 
als Verkehrsschutzmann gewisse Bewegungen aus und wiederholte diese oft 
stundenlang, wobei er in einzelnen Stellungen lange Zeit starr verharrte. In 



(i93°)- 



2) Siehe auch Reich: Phobie und Charakterbildung. Int. Ztschr. f. PsA., Bd XVI 
>3°)- 

3) Ich habe in meiner Arbeit: Zur Genese des Tic (Int. Ztschr. f. PsA. Bd XI 
1925) gezeigt, daß der Tic häufig als Anzeichen von tiefliegenden, verdeckten Störungen 
aufzufassen sei. " 



— 106 — 



anderen Fällen ist es eine besondere, dem Tic nahestehende Überbeweglichkeit, 
die sich hinter einem bestimmten Spiel verbirgt. Die allgemeine Unlust oder 
Ungeschicklichkeit zu Bewegungsspielen liegt der späteren Sporthemmung zugrunde 
and ist immer ein bedeutsames Anzeichen von Störungen. In vielen Fällen ist 
die Spielhemmung die Grundlage der Ler nhemmu ng. In 
mehreren Fällen, in denen spielgehemmte Kinder gute Schüler wurden, zeigte 
sich, daß der Antrieb zum Lernen vorwiegend zwangsneurotisch war. In einigen 
dieser Fälle kam es auch später — insbesondere im Pubertätsalter — zu schweren 
Störungen der Lernfähigkeit. Die Lernhemmung äußert sich auch wiederum in 
verschiedenen Formen und Abstufungen, z. B. als Faulheit, als Interesselosigkeit, 
als starke Abneigung gegen einzelne Materien, oder in dem eigentümlichen Ver- 
halten mancher Kinder, die Aufgaben nur im letzten Augenblick oder nur unter 
Druck zu lernen usw. Die Lernhemmung ist häufig die Grundlage der s p ä t e r e n 
Berufshemmung, deren früheste Anzeichen sich also schon beim kleinen 
Kinde in der Spielhemmung äußern können. 

Als ein wesentliches Kennzeichen von Störungen habe ich in meiner Arbeit 
„Eine Kinderentwicklung" 4 den Widerstand der Kinder gegen die 
sexuelle Aufklärung angeführt. Das Nichtf ragen der Kinder, dem so 
häufig ein zwanghaftes Fragen vorausgeht oder mit dem es alterniert, ist als 
Symptom zu werten, dem oft schwere Störungen des Wißtriebes 
zugrunde liegen. Es ist bekannt, daß die lästigen Fragen des Kindes sich häufig 
in der Grübelsucht des Erwachsenen fortsetzen, die immer mit neurotischen 
Störungen zusammenhängt. 

Das häufige Fallen, Sich-Stoßen, Sich- Verletzen und die Wehleidigkeit 
sind als Äußerungen des Schuldgefühles und der Angst verschiedenen Inhaltes 
aufzufassen. Ich habe in Kinderanalysen diese kleinen — oder größeren — 
wiederholten Unfälle auch als Ersatz für ernstere Selbstbeschädigungen kennen- 
gelernt. Sie stellten in diesen Fällen mit untauglichen Mitteln unternommene 
Selbstmordversuche dar. Bei vielen Kindern, insbesondere Knaben, wird die 
Oberempfindlichkeit gegen Schmerz schon frühzeitig von einer 
übertriebenen Gleichgültigkeit abgelöst, die sich aber nur als eine 
weitergehende Abwehr und Verarbeitung der Angst erweist. 

Sehr charakteristisch ist auch die Einstellung des Kindes zu Ge- 
schenken. Manche Kinder sind unersättlich darin, da ihnen kein Geschenk 
eine wirkliche Befriedigung, sondern immer wieder nur Enttäuschung bereitet. 
Andere Kinder sind übermäßig wunschlos — ihnen ist jedes Geschenk gleichgültig. 
Wir können bei Erwachsenen die analoge Einstellung zu vielen Dingen im Leben 
beobachten; zum Beispiel bei Frauen, die stets leidenschaftlich neue Kleider 




wünschen, die ihnen aber niemals wirkliche Freude bereiten, und die auch an- 
geblich niemals „etwas anzuziehen haben". Es sind dies im allgemeinen Frauen, 
die rastlos Vergnügungen nachjagen, häufig auch solche, die das Liebesobjekt 
leicht wechseln und sexuell nicht befriedigt werden können. Im Gegensatz dazu 
stehen die Blasierten, die wenig Wünsche haben. 

In den Kinderanalysen zeigt sich, daß das „Geschenk" dem Kinde letzten 
Endes alle früher versagten Liebesgaben: Muttermilch, Brust, väterlicher Penis, 
Urin, Stuhl, Kind, bedeutet. Das Geschenk beweist ihm aber auch, daß die Dinge, 
die es sich auf sadistische Weise aneignen wollte, ihm nun freiwillig gegeben 
werden und beruhigt dadurch das Schuldgefühl. Die Versagung von Geschenken 
— wie Versagungen im allgemeinen — werden unbewußt als Strafe für die 
mit den libidinösen Wünschen verbundene Aggression empfunden. In anderen 
Fällen führt ein noch ungünstiger gelagertes übermäßiges Schuldgefühl oder 
dessen nicht geglückte Verarbeitung zugleich mit der Angst vor neuen Ent- 
täuschungen zur Unterbindung der libidinösen Wünsche überhaupt. Solche Kinder 
haben auch an Geschenken keine wirkliche Freude. Die Unfähigkeit, Ver- 
sagungen zu ertragen, die dazu führt, daß alle durch die Erziehung 
bedingten Versagungen unbewußt als Strafe empfunden werden, führt zur 
Unerziehbarkeit und mangelnden Realitätsanpassung. Beim 
größeren Kinde — in einzelnen Fällen auch schon beim kleinen Kinde — ist die 
Unfähigkeit, Versagungen zu ertragen, häufig durch eine scheinbare Anpassung 
verdeckt, die auf das Bedürfnis, die Umgebung zufriedenzustellen, zurückgeht. 
Diese scheinbare Anpassung ist besonders im Latenzalter geeignet, tieferliegende 
Schwierigkeiten zu verdecken. 

Bezeichnend ist auch das Verhalten vieler Kinder zu Festen. Die allgemeinen 
Festtage — Weihnachten, Ostern usw. — werden meist mit großer Ungeduld 
erwartet, hinterlassen aber oft völlige Unbefriedigung. Sie bedeuten für das Kind 
(wie häufig sogar auch nur der Sonntag) mehr oder weniger die Hoffnung auf 
Erneuerung, einen „Wiederbeginn", und im Zusammenhang mit den erwarteten 
Geschenken eine Wiedergutmachung all dessen, was es in seiner Phantasie an 
Bösem begangen und erlitten hat. Familienfeste rühren aufs tiefste an die mit der 
Familienkonstellation zusammenhängenden Komplexe des Kindes. Der Geburts- 
tag zum Beispiel bedeutet immer auch eine Wiedergeburt. Geburtstagsfeiern 
anderer Kinder aktivieren die mit der Geburt vorhandener oder erwarteter 
Geschwister verbundenen Konflikte usw. Die Art, wie sich ein Kind zu Festen 
verhält, kann deshalb mit als ein Kennzeichen für seine Neurose dienen. 

Die ablehnende Einstellung mancher Kinder zu Theater, Kino, Schaustellungen 
aller Art steht in enger Beziehung zu den Störungen des Wißtriebes. Als Grund- 
lage für diese Störung fand ich das verdrängte Interesse am Koitus und an der 
Sexualität der Eltern, aber auch die Abwehr gegen die eigene Sexualität. Die 



r 

tiefste Ursache dieser Einstellung, die sich in der Hemmung vieler Sublimierungen 
auswirkt, ist in der Angst und den Schuldgefühlen einer sehr frühen Entwicklungs- 
stufe zu finden, die die Auswirkung der aggressiven, gegen den Koitus der Eltern 
gerichteten Phantasien sind. 

Hervorhebenswert ist auch der psychogene Anteil an den viel- 
fachen körperlichen Erkrankungen des Kindes. Ich habe festgestellt, 
daß bei manchen Kindern Angst und Schuldgefühl sich vorwiegend auf dem "Wege 
einer körperlichen Erkrankung Ausdruck verschaffen (wobei die Heilung angst- 
beruhigend wirkt). Aber auch im allgemeinen fand ich, daß die bei Kindern einer 
gewissen Altersstufe so häufigen körperlichen Erkrankungen durch die Neurose des 
Kindes mitdeterminiert sind. Der psychogene Anteil der Erkrankung macht sich 
sowohl in der leichteren Anfälligkeit wie in der Schwere und der Dauer der Erkran- 
kung geltend. 5 Im allgemeinen fand ich, daß sich nach einer abgeschlossenen 
Kinderanalyse insbesondere die Erkältungskrankheiten wesentlich vermindern. In 
einigen Fällen wurde durch die Analyse die Anfälligkeit fast ganz behoben. 

Wir kennen den innigen Zusammenhang zwischen der Neurose und der 
Charakterbildung und wissen, daß in manchen Erwachsenenanalysen auch weit- 
gehende Charakterveränderungen Zustandekommen. Die Analyse des größeren 
Kindes bewirkt fast regelmäßig Charakterveränderungen. In Frühanalysen gelingt 
durch die Behebung der Neurose eine weitgehende Behebung der Erziehungs- 
schwierigkeiten: Wir sehen uns da vor eine Analogie gestellt: was man 
beim größeren Kinde und beim Erwachsenen „Charakter- 
schwierigkeiten" nennt, heißt beim Kleinkinde „Er- 
zieh u n g s s c h w i e r i g k e i t e n". Auffallend ist bei dieser Analogie, daß 
man beim Charakter doch in erster Linie an die Person selbst denkt — auch 
wenn sie damit auf ihre Umgebung störend wirkt — , bei Erziehungsschwierig- 
keiten aber in erster Linie an die Schwierigkeiten, die der Erzieher hat. Man 
übersieht hiebei vielfach, daß diese Schwierigkeiten beim Kinde der Ausdruck 
bedeutungsvoller Entwicklungsvorgänge sind, die mit dem Abklingen des Ödipus- 
komplexes ihren Abschluß finden. Es sind also die Auswirkungen des werdenden 
und schon gewordenen Charakters und die Grundlagen der späteren Neurose 
und aller Fehlentwicklungen, die sich unter anderem auch in übermäßigen Er- 
ziehungsschwierigkeiten dokumentieren und wohl richtiger Charakterschwierig- 
keiten und neurotische Erscheinungen genannt werden sollten. 

5) Ich habe zum Beispiel in einigen Fällen von Keuchhusten, bei denen ich die 
infolge der Erkrankung unterbrochene Behandlung bald wieder aufnahm, festgestellt, 
daß die Hustenanfälle in der ersten Woche sich verstärkten, sich dann bald sehr stark 
verminderten und daß die Krankheit einen sehr viel schnelleren Abschluß fand, als es 
im allgemeinen der Fall ist. In diesen Fällen löste jeder Hustenanfall infolge der 
unbewußten Bedeutung des krankhaften Vorganges schwere Angst aus. Diese Angst 
erhöhte aber wieder sehr wesentlich den Hustenreiz. 

— 109 — 



Die Folgerung, die sich aus meinen bisherigen Ausführungen ziehen läßt, wäre: 
Die Schwierigkeiten, die in der Entwicklung keines Kindes fehlen, sind als neurotisch 
zu betrachten, es geht also jedes Kind durch eine — nur quantitativ ver- 
schiedene - Neurose." Wir haben als das wirksamste Mittel zur Behebung der 
Neurose des Erwachsenen die Psychoanalyse kennengelernt. Es erscheint nur folge- 
richtig, uns ihrer auch zur Behebung der Neurose des Kindes, und zwar, da jedes 
Kind durch eine Neurose geht, auch zur Neurose jedes Kindes zu bedienen. 

Zur Zeit wird es infolge äußerer Umstände wohl nur in vereinzelten Fällen 
möglich sein, die neurotisdien Schwierigkeiten des normalen Kindes einer psycho- 
analytischen Behandlung zu unterziehen. Es erscheint deshalb für die Indikations- 
stellung wichtig, klarzustellen, welche Anzeichen für eine schwere Neurose des 
Kindes sprechen, eine Neurose also, die jeden Zweifel an größeren Schwierig- 
keiten auch für die Zukunft ausschließt. 

Ich gehe hier nicht weiter auf die Fälle ein, in denen infolge des Ausmaßes 
und des Charakters der Symptome die Schwere der infantilen Neurose unver- 
kennbar ist, sondern möchte einige Fälle besprechen, in denen sie leicht unerkannt 
bleibt, weil die für die Neurose des Kindes spezifischen Kriterien nicht ent- 
sprechend eingeschätzt werden. In der Tatsache, daß die Ä u ß e r u n g s f o r m e n 
der kindlichen Neurose sich in vielen Punkten so wesentlich von den 
Symptomen des Erwachsenen unterscheiden, sehe ich auch die 
Erklärung dafür, daß die Neurose des Kindes so viel weniger Beachtung fand 
als die des Erwachsenen. Wir wußten freilich, daß der Neurose des Erwachsenen 
immer eine infantile Neurose zugrunde liegt, aber die daraus sich ergebende 
praktische Folgerung, daß demzufolge auch beim Kinde zumindest sehr häufig 
eine Neurose vorliegen müßte, wurde lange Zeit nicht gezogen, obwohl doch beim 
Kinde selbst genug Anhaltspunkte dafür vorlagen. Der Vergleich mit der Neurose 
des Erwachsenen kann nicht als Maßstab dienen, denn es ist keineswegs jenes 
Kind weniger neurotisch, das dem nichtneurotischen Erwachsenen am meisten 
angenähert ist. So wäre zum Beispiel ein Kind in der ersten Kindheitsperiode, 
das allen Forderungen der Erziehung nachkommt, sich nicht von einem Phantasie- 
und Triebleben beherrschen läßt (sich also anscheinend seiner Realität völlig 
anpaßt) und außerdem geringe Angstentbindung aufweist, sicherlich nicht nur ein 
altkluges und reizloses, sondern auch ein im vollen Sinne des Wortes nicht- 
normales Kind. Wenn dieses Bild noch durch eine weitgehende Phantasiever- 



6) Diese von mir seit einer Reihe von Jahren vertretene Auffassung hat in der 
Zwischenzeit eine gewichtige Stütze gefunden. In der „Laienanalyse" sagt Freud: 
„Seitdem wir scharfer zu sehen verstehen, sind wir versucht zu sagen, die Kinder- 
neurose sei nicht die Ausnahme, sondern die Regel, als ob sie sich auf dem Wege von 
der infantilen Anlage bis zur gesellschaftlichen Kultur kaum vermeiden ließe.« (Ges. 
äcnrirten, Bd. XI, S. 343.) 



r 

drängung ergänzt wird (die eine Voraussetzung für eine derartige Entwicklung 
ist), liegt Anlaß vor, der Zukunft mit Besorgnis entgegenzusehen. Ein Kind, bei 
dem eine derartige Entwicklung vorliegt, hat nicht eine quantitativ- 
geringere, sondern eine s y m ptomlose Neurose, und wir wissen 
aus den Analysen Erwachsener, daß diese im allgemeinen zu den schwereren 
Neurosen gehören. "Wir müssen erwarten, von den schweren Kämpfen und Krisen, 
durch die das Kind in den ersten Lebensjahren hindurchgeht, auch deutliche An- 
zeichen zu sehen. Diese Anzeichen unterscheiden sich aber vielfach von den 
Symptomen des neurotischen Erwachsenen. Normalerweise zeigt das Kind — bis 
zu einem gewissen Grade — seine Ambivalenz, gibt seinen Affekten Ausdruck, 
die Abhängigkeit von seinen Triebregungen und Phantasien wirkt erkennbar, 
ebenso auch die Wirksamkeit des Über-Ichs. Es wird auch der Anpassung an die 
Realität, also auch der Erziehung Schwierigkeiten bereiten und durchaus nicht 
immer ein „bequemes" Kind sein. 

Liegen andrerseits bei einem Kinde zu große Schwierigkeiten in der 
Anpassung an die Realität vor, zeigt sich die Angst und die Ambivalenz 
in zu starkem Grade, kurz, sind die Schwierigkeiten, die das Kind seiner 
Umgebung bereitet und unter denen es selbst leidet, zu groß, so ist ein solches 
Kind schwer neurotisch. Allerdings wird diese Neurose häufig weniger schwer 
sein als die jener Kinder, die schon früh unter dem Druck einer so übermäßigen 
Affektverdrängung stehen, daß die Affekte und auch die Angst kaum mehr 
hervortreten. "Was aber das weniger neurotische vom sdiwerer neurotischen Kinde 
unterscheidet, ist neben dem quantitativen Unterschied vor allem auch die Art 
und "Weise, wie es mit seinen Schwierigkeiten fertig wird. 

Die früher besprochenen Kriterien haben sich mir als gute Anhaltspunkte 
erwiesen, um die häufig undurchsichtigen Wege der Angstverarbeitung und die 
grundlegende Einstellung, die das Kind entwickelt hat, zu erkennen. Zum 
Beispiel läßt sich annehmen, daß bei einem Kinde, das ungern Schaustellungen 
sieht (Theater, Kino u. dgl.), das keine Fragelust zeigt und auch spielgehemmt 
ist (oder nur bestimmte phantasielose Spiele spielt), auch wenn es sich sonst 
gut anpaßt und keine auffallenden Schwierigkeiten zeigt, doch starke Störungen 
des Wißtriebes und eine weitgehende Phantasieverdrängung vorliegen. In diesen 
Fällen erfolgt die Befriedigung des "Wißtriebes auch später meist nur mehr auf 
ausgesprochen zwangsneurotische Art. Häufig treten dann im Zusammenhang 
damit auch andere neurotische Störungen auf. 

Bei manchen Kindern wird schon sehr früh ihre ursprüngliche Unfähigkeit, 
Versagungen zu ertragen, durch eine weitgehende Anpassung an die Forderung der 
Erziehung verdeckt. Sie werden sehr früh „brave, einsichtige" Kinder. Gerade bei 
diesen Kindern aber ist häufig die von mir hervorgehobene Gleichgültigkeit Ge- 
schenken gegenüber usw. zu beobachten. Liegt dabei noch eine weitgehende Spiel- 



hemmung und eine übermäßige Fixierung an die Objekte vor, so besteht eine starke 
Anwartschaft auf die spätere Neurose. Diese Kinder haben eine pessimistische Ver- 
zichteinstellung entwickelt. Ihr Hauptbestreben geht dahin, sich der Angst und des 
Schuldgefühls um jeden Preis — auch um den der Verzichtleistung auf Trieb- 
befriedigung und Freude — zu erwehren. Hand in Hand damit geht eine ver- 
stärkte Abhängigkeit von den Objekten, da die Beziehung zur Außenwelt Schutz 
und Rückhalt gegen Angst und Schuldgefühl bieten soll. 7 Augenfälliger, obwohl 
auch nicht nach ihrer vollen Bedeutung eingeschätzt, sind die Schwierigkeiten 
jener Kinder, deren Unersättlichkeit nach Geschenken mit der Unfähigkeit, die 
von der Erziehung geforderten Versagungen zu ertragen, einhergeht. 

Man kann mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß in den hier an- 
geführten typischen Fällen die Aussicht auf eine wirklich gelungene Stabilität für 
die Zukunft ungünstig ist. In diesen Fällen verrät im allgemeinen auch der 
Gesamteindruck (Gang, Blick, Bewegungen, Sprache) die nicht geglückte 
innere Anpassung. Allerdings läßt sich erst in der Analyse feststellen, wie schwer 
die vorhandenen Störungen sind. Ich habe wiederholt hervorgehoben, daß einä 
Psychose oder psychotische Züge beim Kinde oft erst nach 
einem größeren Teil der Analyse feststellbar sind. Das liegt daran, daß auch 
die Psychose im Kindesalter in ihren Äußerungsformen von der des Er- 
wachsenen vielfach abweicht, ebenso wie dies bei der infantilen 
Neurose im Vergleich zu der des Erwachsenen der Fall ist. In einigen von mir 
analysierten Fällen, in denen die Neurose schon im frühen Kindesalter den 
gleichen Charakter wie die schwere Zwangsneurose der Erwachsenen aufwies, 
ergab die Analyse das Vorhandensein starker paranoider Züge. 8 

Ich gehe nun darauf ein, wie sich eine bessere innere Anpassung beim Kinde 
äußert. Eine günstige Prognose scheint begründet, wenn ein Kind gern 
und mit Phantasieentfaltung spielt und zugleich auch (was sich aus bestimmten 
Anzeichen erkennen läßt) eine genügende Anpassung an die Realität und wirklich 
gute — nicht überzärtliche — Beziehungen zu den Objekten besitzt. Ein anderes 
günstiges Anzeichen ist in Verbindung damit die relativ ungestörte Entwicklung 
des Wißtriebes, der sich frei nach vielfachen Richtungen äußert, ohne so zwang- 
haft und intensiv aufzutreten, wie es für die Zwangsneurose charakteristisch ist. 
Ich halte auch beim kleinen Kinde ein gewisses Hervortreten von Affekten und 
Angst für die Voraussetzung einer günstigen Entwicklung. Diese und andere 
Anhaltspunkte für eine günstige Prognose besitzen aber nur einen relativen "Wert. 
Sie bieten keineswegs eine Gewähr für die Zukunft, da es ja häufig von der 
schlechteren oder besseren Realität (also einem Faktor, der sich nicht voraussehen läßt) 
abhängt, ob die Neurose des Kindes im Erwachsenenalter wieder auftritt oder nicht. 

7) Siehe M.N.Searl: Flucht in die Realität. Int. Ztsdir. f . PsA., Bd. XV (1929). 

8) Ich verweise zumBeispiel auf dieAnalysen Ernas (Kap. III) und Egons (Kap. IV). 



Ferner scheint es, daß wir über die Struktur der Normalität und über die 
unbewußten Schwierigkeiten des normalen Erwachsenen, der bisher so viel weniger 
Objekt der analytischen Forschung war als der Neurotiker, nicht viel wissen. 
Die Analysen normaler Kinder verschiedener Altersstufen erwiesen 
mir, daß auch bei normalen Reaktionen des Ichs große Angstquantitäten, schwere 
unbewußte Schuldgefühle, tiefe Depressionen vorliegen, und daß in einzelnen Fällen 
nur die aktivere, hoffnungsvollere Verarbeitung der Schwierigkeiten das normale 
Rind vom neurotischen unterscheidet. Die in diesen Fällen erzielten Resultate be- 
weisen den Nutzen der Psychoanalyse auch für das weniger neurotische Kind. 9 

Die Annahme scheint begründet, daß die Verminderung von Angst und Schuld- 
gefühlen und grundlegende Veränderungen der Sexualität nicht nur beim neuroti- 
schen, sondern auch beim normalen Kinde die Zukunft wesentlich beeinflussen müssen. 10 

Es wäre nun noch zu erörtern, wann eine Kinderanalyse als b e- 
endet zu betrachten ist. Beim Erwachsenen erkennen wir dies unter anderem 
daran, daß der Patient arbeits- und liebesfähig geworden ist, sich in den ge- 
gebenen Lebensumständen bewährt und den nötigen Entschließungen gewachsen 
ist. Wenn wir uns vergegenwärtigen, wodurch der Erwachsene scheitert, und 
die korrespondierenden Erscheinungen beim Kinde genügend einschätzen, so ge- 
winnen wir einen verläßlichen Maßstab für die Beendigung der Analyse. 

Der Erwachsene scheitert an der Neurose, an Charakterdefekten, 
an Störungen der Sublimierungsfähigkeit und der Sexualität. 

Die infantile Neurose ist, wie ich nachzuweisen versuchte, an ver- 
schiedenen kleinen, aber charakteristischen Anzeichen erkennbar, ihre Heilung ist 
die beste Prophylaxe für die Neurose des Erwachsenen. 

Den zukünftigen Charakterschwierigkeiten beugen wir durch 
die Behebung der kindlichen Charakterschwierigkeiten vor. 

Das Spiel, mit dessen Hilfe wir so tief in das Seelenleben des Kindes ein- 
dringen, gibt uns auch verläßliche Anhaltspunkte dafür, wann die Analyse des 
Kindes im Hinblick auf die zukünftige Sublimierungsfähigkeit als 
beendet zu betrachten ist. Die Spielhemmung des kleinen Kindes muß weitgehend 
behoben sein, 11 wenn eine Analyse als zu Ende geführt gelten soll. Damit meine 
ich, daß die der Altersstufe entsprechenden Spielinteressen sich vertieft und an 
Stetigkeit sowie an Ausbreitung nach verschiedenen Richtungen hin gewonnen 



9) Ich verweise auf die Fälle von Ludwig (Kap. V) und Inge (Kap. IV). 

10) Diese Annahme stützt sich aber auch auf die Tatsache, daß in einer Reihe von 
mir behandelter Fälle der Übergang in das nächsthöhere Entwicklungsstadium — in 
einigen Fällen auch der so ausschlaggebende Übergang in das Pubertätsalter und aus 
diesem in das Erwachsenenalter — sich günstig vollzogen hat. 

11) Entsprechend muß beim größeren Kinde die Lernhemmung und die Hemmung 
in Bewegungsspielen weitgehend behoben sein. 



Klein, Psychoanalyse des Kindes. 



— n3 - 



haben. Wenn wir beim Kinde von einem einzigen zwanghaften Spielinteresse 
ausgehen und durch die analytische Arbeit ein immer reicheres Hervortreten von 
Spielinteressen erzielen, so entspricht dieser Vorgang der durch die Analyse beim 
Erwachsenen angebahnten Interessenerweiterung und größeren Sublimierungs- 
fähigkeit. Auf diese "Weise gewinnen wir durch das Verständnis für das Kinder- 
spiel einen Maßstab für die Sublimierungsfähigkeit des Erwachsenen und können 
auch einschätzen, wann wir der zukünftigen Lern- und Berufshemmung durch die 
Analyse des Kindes genügend vorgebaut haben. 

Die Entwicklung der Spielinteressen, ihre qualitative und quantitative Ver- 
änderung gestattet auch verläßliche Schlüsse auf die zukünftige Sexualität. 

Ich möchte dies am Verlauf der Analyse eines Knaben und eines Mädchens 
veranschaulichen. Der fünfjährige Kurt beschäftigte sich zu Beginn der Be- 
handlung, wie die meisten Knaben, zunächst mit den kleinen Autos und Zügen. 
Er griff diese aus den Spielsachen heraus und nahm einige Spielhandlungen mit 
ihnen vor. Er verglich sie untereinander auf ihre Größe und Leistungsfähigkeit, 
ließ sie nach einem bestimmten Ziele fahren und drückte damit — auf eine nach 
meinen Erfahrungen typische Art — symbolisch den Vergleich seines Penis, 
seiner Potenz und Persönlichkeit mit denen des Vaters und der Brüder aus. 
Diese Darstellungen ließen nun — könnte man annehmen — auf die normale, 
aktive, heterosexuelle Einstellung des Knaben schließen. Dem widersprach aber 
sein ganzes ausgesprochen ängstliches, nicht knabenhaftes Wesen. 12 Der Fortgang 
der Analyse bestätigte die Richtigkeit dieses allgemeinen Eindruckes. Seine Spiel- 
handlungen, die die Rivalität mit dem Vater um den Besitz der Mutter dar- 
stellten, kamen nämlich sehr bald zum Abbruch, da schwere Angst einsetzte. Es 
ergab sich, daß Kurt eine vorwiegend passiv-homosexuelle Einstellung entwickelt 
hatte, aber auch diese aus Angst nicht zu halten vermochte, sich deshalb von der 
Realität abwendete und in phantastischen Größenphantasien Zuflucht suchte. Auf 
dieser realitätsfremden Basis konnte er vor sich selbst und anderen einen Teil der 
erhalten gebliebenen Aktivität und Männlichkeit in den Vordergrund schieben 
und überbetonen. 

Es läßt sich immer wieder beobachten, daß das Kinderspiel ebenso 
wie der Traum eine Fassade zeigt, und daß wir den latenten 
S p i e 1 i n h a 1 1 analog dem latenten Trauminhalt nur durch eingehende 
Analyse erforschen können. Da aber das Kinderspiel infolge seiner (im Ver- 
gleich zum Traume) stärkeren Beziehung zur Realität und der überragenden 

12) Kurts passive Einstellung war durch folgenden Umstand verstärkt worden: 
er war der Jüngste aus einer Reihe viel älterer Brüder. Er war demzufolge in mancher 
Beziehung in der Situation eines einzigen Kindes und litt außerdem sehr unter dem 
Vergleich mit den aktiven älteren Brüdern. Er empfand deren Oberlegenheit um so 
drückender, als sie sie ihm oft stark zu fühlen gaben. 



— 114 



. 



Rolle, die es als vornehmster Ausdruck des kindlichen Seelenlebens spielt, häufig 
einer stärkeren sekundären Bearbeitung unterliegt als der Traum, so können wir 
die verschiedenen Strömungen des Seelenlebens nur schrittweise durch die Ver- 
änderungen des Spiels kennenlernen. 

Die Psychoanalyse ergab, daß die aktive, männliche Einstellung, die Kurt 
in den ersten Spielhandlungen ausdrückte, zum großen Teil nur vorgeschoben 
war und bald durch schwere Angst unterbrochen wurde. Damit war auch schon die 
Analyse der passiv-homosexuellen Einstellung eingeleitet, aber erst nach einer 
längeren Strecke der (insgesamt etwa vierhundertundfünfzig Behandlungsstunden 
umfassenden) Analyse war die Angst, die der passiv-homosexuellen Position ent- 
gegenwirkte, teilweise abgebaut. Nun erwiesen sich die Spieltiere, die anfangs 
phantastische Helfer im Kampfe gegen den Vater darstellten, als Kinder, und die 
passive feminine Einstellung und der Kindeswunsch fanden deutlicheren Aus- 
druck. 18 Die übermäßige Angst vor beiden Elternteilen hatte die Beibehaltung 
sowohl der weiblichen als auch der heterosexuellen Position behindert". 

Die Analyse der Angst vor der „Mutter mit dem Penis" und der übermäßigen 
Angst vor dem Vater führten dazu, daß die aktive heterosexuelle Einstellung 
stärker hervortrat. Kurt vermochte nun auch die Rivalität mit dem Vater im 
Spiele anhaltender zum Ausdruck zu bringen. Die Spielhandlungen, die Kurt zu 
Beginn der Analyse vorgenommen hatte, traten nun wieder in den Vordergrund, 
wurden aber stetiger und mit voller Phantasieentfaltung durchgeführt. Zum 
Beispiel verwendete Kurt große Sorgfalt darauf, die Garage, in der die Wagen 
untergebracht waren, auszubauen, und war unermüdlich in der Erfindung immer 
neuer Einzelheiten, die zu deren Vervollkommnung dienten, oder er stellte ver- 
schiedene Arten von Dörfern oder Städten zusammen, wohin die (die Rivalität 
mit dem Vater um die Mutter ausdrückende) Fahrt der verschiedenen Wagen 
ging. In dieser Freude und Sorgfalt am Herstellen des Dorfes, der Stadt, der 
Garage kam Kurts Wunsch, die in der Phantasie angegriffene Mutter wieder- 
herzustellen, zum Ausdruck. Damit aber ging in der Realität ein vollständig ver- 
ändertes Verhältnis zur Mutter einher. Nun setzte zugleich mit der Verminderung 
der Schuldgefühle und der Angst eine größere Fähigkeit zu reaktiven Tendenzen 
und eine veränderte, ausgesprochen zärtli che Beziehung zur Mutter ein. 

13) In meiner Arbeit „Frühstadien des Ödipuskonfliktes" (Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XIV, 1928) bin ich auf die frühesten Grundlagen der weiblichen Position des 
Knaben eingegangen. Ich habe mich dort bemüht nachzuweisen, daß der "Weiblichkeits- 
komplex beim Knaben sehr früh verarbeitet und vom Kastrationskomplex, zu dem 
er Zuschüsse liefert, verdeckt wird. Daran liegt es auch, daß der Knabe häufig die 
seiner weiblichen Komponente entsprechenden Spiele (z.B. mit Puppen) bald wieder 
aufgibt und zu Spielen übergeht, die oft die Männlichkeit überstark betonen. 

14) Auch in diesem Falle erwies sich die dem Koitus der Eltern geltende Aggression 
als die tiefste Grundlage seiner Angst. Die „Frau mit dem Penis" bedeutete auch bei 
Kurt die Mutter, die sich den Penis des Vaters einverleibt hat. 

— 116 ■ — 



L 



1 



Das schrittweise Erstarken der heterosexuellen Ten- 
denzen zeigte sich in zahlreichen Veränderungen des Spiels. 
Zunächst ließ sich aus den Einzelheiten des Spiels erkennen, daß die prägenitalen 
Fixierungen auch in der heterosexuellen Beziehung noch vorherrschten oder viel- 
mehr immer wieder die genitalen ablösten. Zum Beispiel bedeutete die Ladung, 
die der Zug in die Stadt beförderte oder die der Wagen beim Hause ablud,' 
häufig die Exkremente. Diese Ladung wurde dann beim rückwärtigen Eingang 
des Hauses abgeladen. Die Tatsache, daß diese Spielhandlungen einen gewaltsamen 
analen Koitus mit der Mutter darstellten, ging unter anderem auch daraus hervor, 
daß wiederholt beim Ausladen der Kohle der Garten oder das Haus beschädigt 
wurde, die „Leute im Hause böse" wurden und das Spiel aus Angst bald ab- 
gebrochen wurde. Das Befördern von Ladungen verschiedener Art füllte mit 
wechselnden Einzelheiten einen Abschnitt von Kurts Analyse aus." Es waren 
mitunter Wagen, die vom Markte Ware holten oder sie zuführten, mitunter waren 
es Leute, die mit ihren Habseligkeiten auf eine weite Reise gingen, wobei der 
weitere Verlauf der Spielassoziationen ergab, daß es sich um eine Flucht handelte, 
und daß die Habseligkeiten gestohlen, geraubt (dem Mutterleib entnommen) 
waren. Der Wechsel dieser Einzelheiten war sehr aufschlußreich. Die Vorherr- 
schaft der analsadistischen Phantasien drückte sich darin aus, daß der Hinter- 
eingang zur Zufuhr benutzt wurde. Zu einem etwas späteren Zeitpunkt war die 
gleiche Spielhandlung dadurch bestimmt, daß der Vordereingang gemieden werden 
sollte. 18 Die mit dem Vorgarten (das weibliche Genitale) verbundenen 
Assoziationen zeigten, daß die Fixierung an den Anus durch die Ablehnung 
des weiblichen Genitales verstärkt war. Diese Ablehnung beruhte auf der viel- 
fach determinierten Angst vor dem weiblichen Genitale. Ein bedeutungsvoller 
Faktor für diese Angst waren die Phantasien, beim Koitus mit der Mutter dem 
Penis des Vaters zu begegnen. 

Diese Angst, die häufig hemmend wirkt, kann aber auch ein Stimulans 
für die Entwicklung bestimmter sexueller Phantasien bilden. Das 
Streben, die heterosexuellen Antriebe beizubehalten, dem die Angst und Flucht 
vor dem väterlichen Penis entgegenwirkt, führt auch zu Besonderheiten 
des Sexuallebens beim Erwachsenen. Eine typische Knabenphantasie zum 
Beispiel, die auch bei Kurt vorlag, hat zum Inhalt, den Koitus mit der Mutter 
gemeinsam oder abwechselnd mit dem Vater auszuführen, wobei genitale und 

ij) Dies ist auch im allgemeinen ein typisches Spiel. 

16) Ich greife bei dieser Beschreibung nur die eine oder andere Spielphantasie heraus, 
um an deren Entwicklung die Entwicklung der Spielphantasien im allgemeinen zu 
Illustrieren. In der Analyse war das hier mitgeteilte Material durch eine Fülle von 
Darstellungen verschiedener Art gestützt. So zum Beispiel nahmen auch die Wagen, die 
in die Stadt Ware beförderten, einen Weg, der die Bedeutung des Anus durch ver- 
schiedene Einzelheiten erwies. 

- 116 - 



prägenitale oder auch nur vorwiegend genitale Phantasien wirksam sind. Zum 
Beispiel: zwei Männchen gingen oder zwei Wagen fuhren bei der einen Seite des 
Gebäudes oder des Tores ein, das den Mutterleib bedeutete. Ein anderer Eingang 
stellte den Anus dar. Die zwei Männchen, die den Vordereingang benutzten, 
einigten sich in Kurts Spielen manchmal darauf, gleichzeitig oder abwechselnd 
einzutreten, oder sie überwältigten und überlisteten einander. Im Kampfe war es 
dann der kleinere (Kurt), der während des Spiels sich in einen Riesen verwandelt 
hatte, der den Sieg davontrug und den andern (Vater) beseitigte. Bald nachher 
setzte die Angstreaktion auf diese Phantasie ein. Es kam zu einer Flucht auf 
verschiedenen Wegen. Das eine Männchen (Kurt) benutzte nun den Hintereingang 
und überließ der Vaterfigur den vorderen. Dieses Beispiel zeigt, wie sehr die 
Kastrationsangst die Befestigung der genitalen Stufe erschwert und die Fixierung, 
vielmehr Regression an die prägenitalen Stufen verstärkt. Nicht immer kommt 
es gleich zur Regression auf die prägenitalen Stufen. Es ergibt sich eben bei 
geringerer Angst außer den schon angeführten Phantasien auch noch die Möglich- 
keit zu zahlreichen anderen Varianten auf der genitalen Stufe selbst. Was wir 
hier als Spielphantasien beim Kinde kennenlernen, tritt uns später als Liebes- 
bedingungen beim Manne entgegen. Die Phantasie zum Beispiel, in der zwei 
Männchen bei verschiedenen Seiten des Gebäudes eintreten oder den gleichen 
Eingang benützen - gleichzeitig oder abwechselnd, durch Kampf oder gütliches 
Übereinkommen -, zeigen Möglichkeiten, die wir im „Verhältnis zu dritt*' 
verwirklicht finden, wie zum Beispiel in der Situation des „geschädigten Dritten", 
oder in der Rolle des „Hausfreundes", der den Gatten überlistet oder 
bekämpft u. dgl. Die Angst kann aber auch bewirken, daß die Häufig- 
keit dieses den Koitus darstellenden Spielvorganges herabgesetzt wird, was 
sich später in der verminderten oder gestörten Potenz des Erwachsenen aus- 
drückt. Inwieweit die sexuellen Phantasien des Kindes sich im späteren Er- 
leben des Mannes durchsetzen, hängt auch von anderen Entwicklungsmomenten, 
insbesondere den Einflüssen der Realität, ab. Die Grundlagen der Liebesbedin- 
gungen des Mannes sehen wir aber in allen Stücken in den Spielphantasien des 
Knaben vorgezeichnet. Aus der Entwicklung dieser Phantasien zeigt sich, daß in 
dem Maße, in dem die Sexualität zur genitalen Stufe fortschreitet, auch die Subli- 
mierungsfähigkeit sich entwickelt. Kurt richtet zum Beispiel ein Haus zum Allein- 
besitz ein: es bedeutet die Mutter, die er allein besitzen will. Zugleich kann er 
sich nicht genug tun darin, das Haus recht schön zu bauen und auszugestalten. 
In diesen Spielphantasien zeigt sich auch schon die Vorbereitung für 
die s p ä t e r e A b 1 ö s u n g von den L i e b e s o b j e k t e n. Ein anderer kleiner 
Patient zum Beispiel stellte den Mutterleib durch angebliche Landkarten dar. 
Zuerst wünschte er einen immer größeren Bogen, um die Landkarten möglichst 
groß anzufertigen, und ging dann nach einer das Spiel unterbrechenden Angst- 



— 117 



reaktion zu Darstellungen des Gegenteiles, nämlich ganz kleiner Landkarten, über 
Dieser Versuch, durch die Kleinheit des Objektes die Unterscheidung und Ab- 
lösung von dem ursprünglichen großen Objekt (der Mutter) darzustellen, mißlang 
Die Karten wurden immer größer und erreichten zum Schluß doch wieder die 
Größe der ursprünglichen Darstellungen, worauf das Zeichnen - wieder aus 
Angst - abgebrochen wurde. Das gleiche brachte dieser Knabe auch an aus 
geschnittenen Puppen zum Ausdruck, wobei die kleine Puppe, die er schließlich 
dann doch wieder für die große wegwarf, sich als Darstellung seiner kleinen 
Freundin erwies, die als Liebesobjekt die Mutter ablösen sollte. Wir sehen also 
daß die späteren Ablösungsmöglichkeiten im Pubertätsalter sich in der Frühzeit 
vorbereiteten, und können feststellen, daß auch für diese Ablösungsmöglichkeiten 
die Analyse des kleines Kindes Wesentliches leistet. 

Je weiter die Analyse fortschreitet, um so mehr ist der Knabe imstande, hetero- 
sexuelle Phantasien, in denen der Kampf mit dem Vater um die Mutter gewagt 
wird, m Spiel und Sublimierungen durchzuführen. Die prägenitalen Fixierungen 
treten zurück, der Kampf selbst zeigt einen wesentlich veränderten Charakter 
Der Sadismus ist vermindert, wodurch der Kampf erleichtert wird, da er weniger 
Angst und Schuldgefühle auslöst. 

Die größere Fähigkeit, solche Phantasien im Spiele 
ruhig und stetig durchzuführen und auch die Realität 
besser in das Spiel ein zu b ez ieh en, bildet somit in der Kinder- 
analyse einen Maßstab dafür, daß eine Grundlage für die spätere 
Potenz erreicht wurde. Diese Änderungen im Charakter der Phantasien und 
des Spieles gehen immer auch mit sonstigen wichtigen Veränderungen im ganzen 
Wesen und Verhalten des Kindes einher. Es ist dann auch aktiver und freier 
geworden. Dies drückt sich in der Behebung zahlreicher Hemmungen und in der 
veränderten Einstellung zur näheren und weiteren Umwelt aus. 

Ich will nun die Entwicklung der Spielphantasien im Verlauf der Analyse am 
Beispiel eines Mädchens beschreiben. 

Die zu Beginn der Analyse zweiunddreivierteljährige R i t a war schwer spiel- 
gehemmt. Das einzige Spiel, das sie - wenn auch unlustig und unter deutlichen 
Hemmungen - spielte, war die Beschäftigung mit ihrer Puppe und ihren Spiel- 
tieren. Dieses Spiel hatte ausgesprochen zwangsneurotischen Charakter. Es bestand 
fast ausschließlich im zwangsmäßigen Säubern und immer wieder erneuten Um- 
kleiden der Puppe. Sobald irgendwelche Phantasietätigkeit im Zusammenhang mit 
diesen Verrichtungen - also ein Spiel im eigentlichen Sinne des Wortes - ein- 
setzte, kam es zu heftiger Angstentbindung und zum Abbruch des Spiels." Die 



17) Auf die tieferen Gründe von Ritas Phantasieverdrängung und Angst habe ich 
•n «nem anderen Zusammenhang hingewiesen (siehe Kap. I und II) g 



Analyse ergab, daß die weibliche und mütterliche Einstellung bei Rita sehr 
sdiwach entwickelt war, und daß dieses Puppenspiel nur zum geringen Teil ein 
mütterliches Spiel war, sondern vorwiegend eine Identifizierung mit der Puppe 
ausdrückte. Ihre intensive Angst, schmutzig, innerlich zerstört und schlecht zu sein, 
trieb sie dazu, die Puppe, die dabei ihre eigene Person vertrat, immer wieder 
umzukleiden und zu säubern. Erst nach einer teilweisen Analyse des Kastrations- 
komplexes zeigte sich, daß ihre tiefste Angst (die Angst, durch die Mutter der 
Kinder beraubt zu werden) schon zu Beginn der Analyse im zwangsneurotischen 
Puppenspiel zum Ausdruck gekommen war. Zur Zeit als der Kastrationskomplex 
im Vordergrunde stand, stellte der Spielbär den Penis dar, den Rita dem Vater 
geraubt hatte 18 und mit dessen Hilfe sie den Vater zu verdrängen und die Liebe 
der Mutter zu erwerben suchte. Die Angst setzte in diesem Analysenabschnitt im 
Anschluß an derartige Männlichkeitsphantasien ein. Erst nachdem die tief er- 
liegende, mit der weiblichen und mütterlichen Position verbundene Angst der 
Analyse unterzogen worden war, zeigte sich eine völlig veränderte — wirklich 
mütterliche — Einstellung zum Spielbären und zur Puppe. Indem Rita den Bären 
herzte und küßte und mit mütterlichen Liebesworten bedachte, sagte sie: „Ich bin 
nun gar nicht mehr traurig," weil ich doch nun ein so liebes Kindchen habe." Die 
nun erreichte Vorherrschaft der genitalen Stufe, der heterosexuellen und mütter- 
lichen Einstellung äußerte sich auf mannigfaltige Weise und kam auch in einer ver- 
änderten Einstellung zu den Objekten zum Ausdruck. Die vorher deutliche Ab- 
wendung vom Vater hatte einem zärtlichen Verhältnis zu ihm Platz gemacht. 30 
Die Tatsache, daß der Charakter und die Entwicklung der Spiel- 
phantasien uns über das zukünftige Sexualleben des Erwachsenen 
Aufschluß zu geben vermögen, erklärt sich daraus, daß es die Mastur- 
bation sp h a n ta s i en sind, die dem Kinderspiele, die des weiteren 
allen Sub 1 i mie r un g en zugrunde liegen. Wenn, wie ich es ver- 
treten habe, die Masturbationsphantasien im Kinderspiele zum Ausdruck und zur 
Abfuhr gelangen, leuchtet es ein, daß der Charakter der Spielphantasien 21 als 

18) Rita spielte zum Beispiel, daß sie den Schaffner aus dem Zug entfernt habe 
und nun mit dem Bären zu einer „guten" Frau reise, wo sie bewirtet werden wurde. 
Der Schaffner kam aber wieder und bedrohte sie. Hier erwies sich die Angst vor dem 
Vater, dessen Penis — den Bären — sie geraubt hatte, als ein Hindernis für die Bei- 
behaltung der Identifizierung mit dem Vater. _ 

19) Rita hatte an ausgesprochenen Depressionen gelitten, bei denen sie einaulSer- 
ordentliches Schuldgefühl an den Tag legte; manchmal setzte sie sich allem hin und 
weinte. Auf die Frage, warum sie weine, erwiderte sie: „weil ich so traurig bm , aut 
die Frage, warum sie traurig sei: „weil ich weine". 

20) Siehe Kap. IL 

21) Hanns Sachs hat in seinem im Jahre 1923 in Berlin gehaltenen Vortrags- 
kurs ,Über die Technik der Psychoanalyse" die Entwicklung der Masturbations- 
phantasien von der anal-sadistischen auf die genitale Stufe als emes der Kriterien 

— 119 — 



Maßstab für die zukünftige Sexualität gelten kann. Daraus ginge aber auch 
hervor, daß d.e K , n d e r a n a I y s e nicht nur die Aufgabe zu erfüllen vermas 
für die Sublimierungsfähigkeit und Stabilität des Kindes' 
sondern auch für die seelische Gesundheit und die Glücksmög' 
lichkeiten des Erwachsenen vorzusorgen. 



SIEBENTES KAPITEL 

Die iSexualtetätigung des Kind 



es 



Eine der großen Leistungen der Psychoanalyse war die Entdeckung, daß das 
Kind eine Sexualität besitzt, die sowohl in direkter Sexualbetätigung wie auch in 
sexuellen Phantasien zum Ausdruck kommt. 

Wir wissen, daß die Säuglingsmasturbation eine allgemeine Erscheinung ist 
daß aber auch die Masturbation bis zur Latenzzeit, wenn auch in verschiedenem 
Ausmaß überaus häufig auftritt. Allerdings erwarten wir, ihr auch schon beim 
kleinen Kinde nicht offenkundig zu begegnen. In der Vorpubertät, insbesondere 
in der Pubertät, ist die Masturbation wieder eine sehr häufige Erscheinung. Die 
Entwidlungsperiode, in der die Sexualbetätigung des Kindes am stärksten nach- 
laßt ist das Latenzalter. Die Erklärung hiefür sehen wir darin, daß mit dem 
Abklingen des Ödipuskomplexes die Triebansprüche geringer werden. Dagegen 
ist noch ungeklärt, weshalb wir die Latenzzeit vorwiegend unter dem Drucke 
«*« Abgewohnungskampf« gegen die Masturbation finden. Freud schreibt-* 
„Wahrend der Latenzzeit scheint die Abwehr der Onanieversuchung als Haupt- 
aufgabe behandelt zu werden." Dies spricht dafür, daß das Drängen des Es im 
Latenzalter doch nicht in dem Maße nachgelassen hat, als angenommen wird, oder 
daß der Druck des Schuldgefühls gegen die Forderungen des Es sich verstärkt hat. 
Meiner Auffassung nach gelten die schweren S c h u 1 d g e f ü h 1 e, die mit 

Ml , a ; tUr . ° n ei " her § ehen > de « destruktiven, sich in den 

Masturbat IO nsphantasien äußernden Triebreg un gen.* Diese Schuldgefühle 
sind es die zur vollständigen Einstellung der Masturbation drängen und - wenn 
diese Forderung sich voll durchsetzt - häufig zu Berührungsangst führen. Daß 
^!^!Lf^!L^f^^ Entwicklung bedeu tet wie die 

l) Sie r h e e U Kap H v e nr nS ' Sympt ° m und An 8 st - Ges. Sehr., Bd. XI, S. ,j. 



Zwangsonanie, geht deutlich aus Analysen Erwachsener hervor, in denen wir 
erfahren, daß die übermäßige Angst vor der Masturbation in der Kmdheit zu 
schweren Störungen der Sexualität geführt hat. Diese Störungen sind freilich beim 
Kinde nicht zu überprüfen. Sie werden erst beim Erwachsenen als Frigidität oder 
Impotenz deutlich. Doch auch beim Kinde sind sie an Schwierigkeiten erkennbar, 
die immer mit der Fehlentwicklung der Sexualität einhergehen. 

Analysen von B er üh r u n g s a n g s t ergeben, daß der allzu erfolgreiche 
Abwehrkampf gegen die Onanie sich nicht nur in Symptomen verschiedener Art 
(insbesondere Tic) äußert, 3 sondern auch die kulturell so wichtige Aufgabe des 
Latenzalters, die Entwicklung der Sub lim i e r u ng e n, im höchsten 
Maße beeinträchtigt,* indem er zur übermäßigen Verdrängung der 
Masturbationsphantasien führt. Diese sind nach meinen Erfahrungen 
eine Grundlage der Spieltätigkeit und ein Element aller weiteren Sublirmerungen. 
Beim kleinen Kinde sehen wir, wie in der Analyse, wenn die verdrängten 
Masturbationsphantasien frei werden, die Spieltätigkeit - beim größeren Lern- 
tätigkeit, Sublimierungen und Interessen verschiedenster Art einsetzen. 

Zugleich wird aber auch in den Fällen, in denen Berührungsangst vorgelegen 
hatte, die Masturbation wieder aufgenommen. Eine weitgehend verstärkte 
Sublimierungsfähigkeit ergibt sich - neben anderen Veränderungen - 
auch in Fällen von Zwangsonanie 5 in dem Maße, als der Zwang zur 
Masturbation au f g elö s t wird. In diesen Fällen« blieb aber die Masturbation 
in geringerem Ausmaße und ohne Zwanghaftigkeit bestehen. Die Analysen von 
Zwangsonanie und Berührungsangst führen demnach in Hinsicht auf Sub- 
limierungsfähigkeit und masturbatorische Betätigung zu den gleichen Endresultaten. 
Es scheint demnach, daß das Abklingen des Ödipuskonfliktes normalerweise 
zwar eine Periode geringerer, aber keineswegs völliger sexueller Bedürfnislosig- 
keit einleitet, und eine mäßige - nicht zwanghafte und Befriedigung bietende - 
Masturbationin allen kindlichen Altersstufen eine normale Erscheinung ist. 
Die Momente, die für die Zwangsonanie bestimmend sind, machen sich auch 

3) Siehe Ferenczi: Psychoanalytische Betrachtungen über den Tic. Int. Ztschr. f. 

PSA :) ?n' meiner' Arbeit: Zur Genese des Tic (Int. Ztschr. f .PsA Bd. XI ,1923) wies 
ich an Hand eines Falles von Tic nach, daß dieser zugleich mit der B^uhrungsang 
sich in dem Maße auflösen ließ, als die so lange verpönte Masturbation wieder 
einsetzte, zugleich damit auch eine Reihe von Sublimierungen sich entwickelte. 

AnalyL von Berührungsangst führen auch fast regelmäßig zu einem vorüber- 
gehenden Stadium von Zwangsonanie, Analysen von Znwe oft «*£»*£ 
gehender Berührungsangst. Bei der Zwangsoname erweist sich audi die Tendenz die 
Masturbation der Umgebung vorzuführen, mitbestimmend; sie geht vom Schuldgefuh 
aus Dieselben Faktoren sind auch bei dem Verhalten kleiner oder größerer Kinder mit 
wirksam, die offenkundig - anscheinend „ungehemmt' - onanieren. 
6) Vgl. auch Kap. III. 



m einer anderen Form der kindlichen Sexualbetätigung geltend. Ich habe wieder 
holt hervorgehoben, daß nach meinen Erfahrungen in der ersten Kindheit 
sexuelle Beziehungen von Kindern untereinander die Regel sind 
Ich stellte aber auch in einer Reihe von Fällen des Latenz- und Pubertätsalters 
fest, daß diese Beziehungen beim Einsetzen des Latenzalters nicht zum Stillstand 
gekommen waren oder in anderen Fällen von Zeit zu Zeit plötzlich wieder auf 
genommen wurden, und daß in all diesen Fällen im wesentlichen die gleichen 
Faktoren wirksam waren. Ich will dies an zwei Beispielen illustrieren, und zwar 
an der Beziehung zweier Brüder im Alter von sechs und fünf Jahren und zweier 
Geschwister im Alter von vierzehn und zwölf Jahren. Da ich in beiden Fällen 
beide Partner in Analyse hatte, war mir ein voller Einblidt in das Ineinander- 
wirken aller Faktoren möglich. 

Günther und Franz waren in ärmlichen, aber nicht ungünstigen Familien- 
verhältnissen aufgewachsen. Die Eltern lebten in gutem Einvernehmen mit- 
einander. Obgleich die Mutter die Hausarbeit allein besorgte, befaßte sie sich viel 
und in verständnisvoller Weise mit den Kindern. Günther wurde wegen seines 
ungewöhnlich gehemmten und ängstlichen Wesens und seiner deutlichen Ab- 
sperrung von der Realität in Analyse gegeben. Er war ein verschlossenes, überaus 
mißtrauisches Kind, aufrichtiger und wirklicher Liebe anscheinend nicht fähig 
Franz war überlebhaft, aggressiv und schwer erziehbar. Die Kinder vertrugen sich 
sehr schlecht miteinander, wobei aber Günther der Nachgiebigere zu sein schien.' 
Der Beginn der von den Kindern mutuell vorgenommenen sexuellen Akte ließ 
sich in den Analysen bis auf das Alter von etwa dreieinhalb beziehungsweise 
zwezeinhalb Jahren zurückführen;« ich halte es aber für wahrscheinlich, daß sie 
schon vorher eingesetzt hatten. In der Analyse ergab sich, daß beide Kinder 
bewußt gar kein Schuldgefühl über diese Akte empfanden (die sie aber dabei 
sorgfaltig verheimlichten), während das unbewußte Schuldgefühl überaus schwer 
war. - Für den älteren Knaben, der den jüngeren verführt und zeitweise genötigt 
hatte, waren die von ihm vorgenommenen Akte (gegenseitige Fellatio, Mastur- 
bation und Berührung des Anus mit den Fingern) gleichbedeutend mit Kastration 
die Fcllatto vertrat das Abbeißen des Penis) und mit Zerstörung des ganzen 
Leibes des Bruders (durch Zerschneiden, Zerreißen, Vergiften, Verbrennen usw.). 
Die Analyse der mit diesen Akten verbundenen Phantasien ergab, daß sie nicht 
nur der Überwältigung und Zerstörung des Bruders galten, sondern daß dieser 
ihm dabei auch die beiden miteinander im Koitus vereinigten Eltern bedeutete. - 
Die Akte waren also in gewissem Sinne ein e Realisierung der s a d i s t i- 

7) Bei beiden Kindern deckte die Analyse stark psychotische Züge auf. Ich *ehe hier 

bJJLZ JttS Ä standen> hatte die Mutter auA ein * e Male 



sehen, gegen die Eltern gerichteten Mas tur bat ionsphan tasien 
Lemilderter Form.» Indem Günther, und zwar zeitweise in gewaltsamer 
Veise, diese Akte am Bruder vornahm, suchte er sich unter anderem den Bewe 
zu erbringen, daß er auch im gefährlichen Kampfe mit den Eltern de 
Stärkere sein würde. Aus der übermäßigen Angst vor den Eltern entsprang 
L verstärkter Antrieb, sie zu beseitigen, wobei die in der Phantasie ^verübten 
Angriffe auf die Eltern diese wiederum um so furchterregender machten, Uie 
Ansst der Bruder könne ihn verraten, steigerte wieder den Haß 
len diesen und bildete einen verstärkten Antrieb, ihn durch diese Akte zu 
beseitigen. Bei Günther, bei dem ein ganz abnormer Sadismus vorlag, ent- 
hielt die Sexualität fast keinerlei positive Elemente. In sexner Phantasie 
bedeuteten die verschiedenen sexuellen Akte eine m raffinierter Weise vor- 
genommene Folterung, die zum Tod des Objektes führen sollte. 

Günthers Beziehung zu seinem Bruder aktivierte aber auf diese Weise immer 
wieder Angst und verstärkte so noch seine Schwierigkeiten, die zu einer völlig 
abnormen psycho-sexuellen Entwicklung geführt hatten. 

Der jüngeL Knabe, Franz, hatte die unbewußte Bedeutung der vom Bruder 
vorgenommenen Akte voll erfaßt, und deshalb war seine Angst, von ihm kastriert 
und vernichtet zu werden, übermäßig gesteigert worden. Trotzdem hatte Franz sich 
weder beklagt noch auch die Entdeckung dieses Verhältnisses ermöglicht. Von den 
Gründen, di § e bei dem jüngeren Knaben eine überaus starke -ochistis^ - 
rung an diese für ihn so beängstigenden Akte und (trotzdem er der Verführte 
war) ein schweres Schuldgefühl erzeugt hatten, greife ich hier einige heraus: 

Franz identifizierte sich in seinen sadistischen Phantasien mit dem ihn 
vergewaltigenden Bruder, schöpfte also aus dieser Situation die Befriedi- 
gung für seinen Sadismus, die wir als eine der Wurzeln des Masochismus kennen 
Die Identifizierung mit dem Angstobjekt sollte aber auch der 
Angstbewältigung dienen. In seiner Phantasie wurde Franz auf dese 
W ei!e selbst zum überwältiger: Der Feind, gegen den sxch seine Angriffe richteten, 

,) Reik hat ausgeführt, daß die Angst den Haß steigert (Der Strecken. Int. 
^oTtesrÄantasien entsprachen in vielen Einzelheiten und au* .durch den 
völligen Mangel an Reaktionsbildungen ^ § 1^ ^1^ 

er siA tmer § wieder den Beweis, daß er nicht überwogt wurde. 

— ia3 — 



war sein Es, 11 sowie der verinnerlidite Penis des Bruders, der den Penis des 
Vaters — das gefährliche Über-Ich — vertrat und den er als Verfolger empfand 
Dieser sollte durch die auf seinen Körper erfolgenden Angriffe in seinem Leibes- 
innern zerstört werden. 12 ' 18 

Da aber dieses Bündnis mit einem grausamen äußeren Über-Ich gegen die 
verinnerlichten Objekte und das Es nicht aufrechterhalten werden konnte, weil 
es das Ich zu sehr bedrohte, wurde der Haß immer wieder auf die Objekte 
abgedrängt, die auch für das eigene gehaßte schwache Ich standen, so zum Beispiel 
auf jüngere, schwächere Kinder, gegen die Franz mitunter brutal war. Der Haß 
den Franz zeitweise gegen mich in der Analysenstunde bekundete, die Wut, mit 
der er mich mit einem Holzlöffel bedrohte, den er mir in den Mund stoßen 
wollte - wobei er mich als klein, dumm, schwach beschimpfte -, erwiesen sich 
durch diese Verschiebung determiniert. Der Holzlöffel stellte symbolisch den Penis 
des Bruders dar, der ihm gewaltsam in den Mund gestoßen worden war. Den 
Haß gegen den Bruder hatte er in Identifizierung mit diesem gegen sich selbst 
gewendet. Er wütete gegen sich wegen seiner Schwäche und Kleinheit und drängte 
dann diesen Haß auf andere, schwächere Kinder - in der Übertragungs- 
situation auf mich — ab. 

Abwechselnd mit diesem Mechanismus kehrte Franz in der Phantasie die 
Situation um und empfand die vom Bruder ausgeübten Akte gleichzeitig als von 
ihm selbst gegen Günther verübte Angriffe. Da aber für Franz in diesen sadisti- 
schen Phantasien - analog wie bei Günther - der Bruder zugleich ein Substitut 
für die Eltern darstellte, wurde er selbst in den Phantasieangriffen auf die Eltern 
der Spießgeselle des Bruders. Deshalb teilte er auch das Schuldgefühl und die 
Angst des anderen vor der Entdeckung durch die Eltern, woraus sich ebenfalls 
ein starkes Motiv zur Geheimhaltung der Beziehung ergab. 

Ich kam auf Grund einer Reihe von analogen Erfahrungen zur Auffassung, 
daß es der übermäßige Druck des Über-Ichs ist, der (ebenso wie 
für die vollkommene Unterdrückung) für den z w a n g h a f t en Antrieb zur 
Sexualbetätigung bestimmend ist, daß also Schuldgefühl und Angst die 
libidinosen Fixierungen verstärken und die libidinösen Triebansprüche erhöhen " 



Rd Ä^ T £ine / rb l t: D r ie , RoIlenbildun S ™ Kinderspiel (I„t. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XV, , x 9 2 9 ) in der ich auf diese Mechanismen näher einging. 

Mall; g 1 m KaP J tel -J? 3uf dieSen Me *™u S , der mir für den femininen 
Masochismus grundlegend scheint, näher ein. ^"umnen 

13) Melitta Sch-mideberg weist darauf hin, daß bei den Primitiven durch die 

dZTZT'tfAV , Maß " ah ™ n > die *■ Medizinmann vornimmt X A„gsT vo 
dem im Kranken befindhchen Dämon (den in ihm vorausgesetzten väterlichen Penis) 

ÄÄK Medianisms in CuItüral Development - Int - jLn 3 

14) Ich gehe auf diese Aufstellungen in Kap. VIII ausführlicher ein. Hier liegt 



124 — 



Obermäßiges Schuldgefühl und das Übermaß der Angst Schemen nur bem i m 
setzen des Latenzalters die Verminderung der Triebansprüche zu verhind n 
S kommt, daß im Latenzalter selbst eine verminderte Se*t« 
übermäßige Schuldreaktion hervorruft. Struktur und Ausmaß der N urose 
Timmen das Resultat dieses Kampfes im Latenzalter Berührungsang, und 
Zwangsonanie stellen die Endpunkte einer Ergänzungsrahe dar, m der wir 
verschiedensten Abschattungen vertreten sehen. . „« 

Der zwanghafte Antrieb zum Sexualverkehr erwies sich mir in dies » ^ 
und in anderen Fällen durch einen Faktor bestimmt, dem auch allgemeine 
B eutung für den Wiederholungszwang zuzukommen scheint.^ ^.e phantastische 
Angst vor einer irrealen, das Leibesinnere betreffenden Gefahr 
Lbt dazu, diese Gefahr in eine reale und äußere zu verwandeh, J> 
vorliegenden Fall drängte die Angst vor dem verinnerlichten Penis des Brud^ 
Ils Verfolger und den bösen verinnerlichten Eltern zur Vergewaltigung durch 
den Bruder ) Diese äußere Gefahrsituation wird dann zwangsweise herbeigeführt 
dTdie An st, die sich aus realen Gefahrsituationen« ergibt immer och 
geringer ist als die dem Leibesinnern geltende und auch besser 

"'SÄ'ZL den Fortbestand dieser sexuellen Beübung zu ver 
u- A wiv. unter den gegebenen Verhältnissen unmöglich gewesen, da 

^d-^TdXS,«- eine Trennung der Schlafgelegenheit. 
2 nicht hätte durchführen lassen. Eine solche Maßregel wäre aber auch n d> 
meinen sonstigen Erfahrungen in einem Falle wie diesem, da er _Zwan ; a 
beiden Seiten ein so starker war, wirkungslos geblieben. Es zeigte sich, daß die 
Kinder, wenn sie auch nur einige Minuten tagsüber allein blieben, diesen Ze«- 
raum zur Ausführung irgendeiner sexuellen Berührung benutzten, die für d 
üTewußte die gleiche Bedeutung hatte wie die Ausführung der -dueden^ 
sadistisch phantasierten Akte. Erst im Verlauf der lange ^«h* 
in der ich niemals die Kinder dahin zu beeinflussen suchte, daß sie diese Sexua 
betätigung einstellen sollten," sondern r ein analytisch die deter- 
minierenden Ursachen dieser Beziehung auf beiden Seiten 

eine Übereins—s mit Reik vo, ^^^^^^^Z S 
Fällen eine Libidoverstärkung und [Vertiefung ; d« -J"™ e ™f^ men eine Ver- 

fca t sa±= S'^fflw^v ffl — (Libido und 

b^i'SÜ^^MC^^^ M. K. Searl bi, 

gewiesen. Int. Ztschr f. PsA., Bd. XV (1929). fi { k fa diesem Fa ll e> da 

x6) Diese von mir ». f^^^jg^^St^L hat mir gerade dieser 

Äl^e^-^StSefeut^gogisdien Beeinflussung seitens des 



— 120 



der Ak \ A • v" SSam Und SdlrittWeiS£ 2Uem 2U einer Veränderung 
der Akte und exner Verengerung ihrer Zwanghaftigkeit und schließlich 2U deren 

v o 1 1 , g e r E , n s t e 1 1 u n g. Hiebei zeigte sich, daß nun nicht etwa eine GleicT 

£uZ2£Ti mutueIlen sexueIlen Akte eingesetzt hatte > sond - ** S 

SAuldgefuh als es wenl ger vehement wurde, zur Einstellung der Beziehung 
drängte. m hrend also vorher & ^„^ ^ ^ ^ ung 

wKklungsstufe entstammende Schuldgefühl den Zwang hervorgerufen, also d e 
Rxe^ng verstärkt hatten, so war die sexuelle Beziehung beiderseits aufgegeben 
lachte 7 , 1 t fÜH1 Verringm ™ Und SiA auf ***« Art ge ten d 

s^xuel e B § t m \ " ? ränderUng UDd SdlHeßHch VÖ1H ^ »i der 
quellen Begehung hatte die vorher feindselige und gehässige Einstellung de 

Wer zuemander emer normalen und herzlichen Beziehung Platz gemalt 

der TatsT ,T t " BCSPreChUng ^ ZWdten FdleS ™ ** Anführung 
hl ^ 7 dem j HlnWeise be 8 nü ^ ^ß hier - wenn auch in den Einzel 

iEzssr die 8leiAen Faktoren besti ™ d r* - ie * *■ ^ 

Ge 2 rfkt e m n ^ ^T ' ' ' ° ^ ^ Um 2 ™ ^ *^> ^der 
Pausen er " ^"S 2611 2U k0kusähnli ^ Akten, die - oft nach langen 

Pausen - ganz plotzkh vorgenommen wurden. Hier lag auf selten des 
Kdfe. s gar k em bewußtes Schuldgefühl vor, während der sei viel normalt 

JSi:t- r ke sdiuldsefühie hatte - Die Anai ^ d - ^ Kil 

u t, ; : m C ; emen Kindheits P-°de entstandene sexuelle Beziehung 
zu Begmn des Latenzalters nur zeitweise abgebrochen worden war, weil ein au! 
den, übermäßigen Schuldgefühl herrührender zwanghafter Antrie a £ h IZ 
Seiten von Zeu zu Zeit die Wiederholung herbeiführte. Die in der frühen E£ 
hext ausgeführten Akte hatten sich im Latenzalter" nicht nur der Häufigleit nal 
vemngert, sondern auch dem Charakter nach eingeschränkt. Fellatio und Cunnt 

Bg US waren auf ben WOfden; und e . n . ge 2ek ^ umu 

semgem Betasten und Beschauen. In der Vorpubertät setzten aber *£££. 

wendige Behebung ÄÄlJS £$* ^ <" "*« «* ~ 

Latent ÄJÄ^^^Ä1TC' , S ^ Üb£r T de r **" d « 
Frühzeit ausgeführten Akte beibehalt« wurde (Lh 1 "™ ^ ^ ^ b der 
Cunmüngus aufgegeben) und di Ak a ul sehet r S^ WUld - n ^T "«* 

^^ m Bdslil7 a t72einerZ/° rSen T mm ^ Handlun S e » wiederholten. Bei 
Mund herun/auf, d r dl Tu^arS Z^ %?**£* *& Ä AuSs4k S um den 
früher Kindheit mit diesen Aten ztrie A vor! ™ ^ ^ *" in 

wie gesagt, seit früher Khi Ä'^E^ ™' «* * *«* 



— ia6 



ähnliche Berührungen ein. Diese Akte gingen vom Bruder aus und trugen einen 
zwanghaften Charakter. Er folgte dabei einem plötzlichen Impuls; weder vorher 
noch nachher beschäftigte er sich mit ihnen in Gedanken. Er „vergaß" das 
Geschehnis auch fast völlig von einem Mal zum anderen. Diese partielle Amnesie 
lag ebenfalls für eine Reihe anderer mit dem Sexualverkehr assoziativ ver- 
bundener Dinge vor und bestand in ungewöhnlichem Maße für die frühe Kindheit. 
Die Schwester war in früherer Kindheit häufig der aktive Teil gewesen, spielte 
aber später nur mehr eine passive Rolle. In dem Maße, in dem die A n a 1 y s e 
bei beiden Kindern die tieferen Ursachen des vorliegenden Zwanges aufklärte, 
löste sich dieser auf beiden Seiten auf, und es kam auch zur völligen 
Einstellung der sexuellen Beziehung zwischen ihnen. Auch in 
diesem Falle v e rb e s s e r t e s i c h das ursprünglich sehr schlechte Ver- 
hältnis zwischen den Geschwistern in auffallender Weise. 

In diesen und auch in anderen Fällen erfolgte die Auflösung des Zwanges 
zugleich mit einer Reihe von einschneidenden, ineinandergreifenden Verände- 
rungen. Die in der Analyse schrittweise sich vollziehende Milderung des Schuld- 
gefühls ging mit der Herabsetzung des Sadismus und einem stärkeren Hervor- 
treten der genitalen Stufe einher. Dies drückte sich in entsprechenden Änderungen 
der Masturbationsphantasien - beim kleineren Kinde auch der Spielphan- 



tasien — aus. 



In Analysen des P u b e r t ä t s a 1 1 e r s läßt sich dann auch noch eine 
Veränderung der Masturbationsphantasien feststellen. So 
hatte Gert zum Beispiel keine bewußten Masturbationsphantasien; im Verlaufe 
der Analyse setzten Masturbationsphantasien ein, die ein Mädchen zum Gegen- 
stand hatten, von dem er nur den nackten Körper und nicht den Kopf sah. 
Auf einer weiteren Stufe trat der Kopf immer deutlicher hervor und erwies sich 
als der seiner Schwester. Zu dieser Zeit war aber der Zwang schon aufgelöst, und 
die sexuelle Beziehung zwischen den Geschwistern war ganz eingestellt worden. 
Hieraus geht der Zusammenhang hervor, der zwischen der übermäßigen Ver- 
drängung der auf die Schwester gerichteten Wünsche und Phantasien und dem 
zwanghaften Antrieb zum Sexualverkehr mit ihr bestand. 

Noch später veränderten sich die Phantasien dahingehend, daß er nur andere, 
fremde Mädchen sah, schließlich war es ein bestimmtes Mädchen — eine Freundin 
der Schwester — , von der er phantasierte. In diesen stufenweisen Veränderungen 
dokumentierte sich die Ablösung von der Schwester; sie konnte erst 
einsetzen, nachdem die aus ü b e r m ä ß i g e m S c h u 1 d g e f ü h 1 resultierende 
zwanghafte Fixierung an sie analytisch behoben worden war. 18 

18) Gert war wegen nicht sehr großer neurotischer Schwierigkeiten ein Jahr in 
Analyse. Drei Jahre später erfuhr ich, daß er sich günstig entwickelt. 

— i»7 — 



Ich komme, was die sexuellen Beziehungen von Kindern — insbesondere von 
Geschwistern - untereinander betrifft, auf Grund meiner bisherigen Erfahrungen 
zum Ergebnis, daß solche Beziehungen in der frühen Kindheit allgemein sind 
dagegen im Latenzalter und in der ersten Pubertät nur beibehalten werden, wenn 
das Schuldgefühl übermäßig und seine Verarbeitung nicht geglückt ist. 19 

Allem Anschein nach wirkt sich das Schuldgefühl im Latenzalter dahin aus 
daß, wahrend die Masturbation in geringerem Ausmaße bestehen bleibt, sexuelle 
Betätigungen von Kindern untereinander - sei es mit Geschwistern oder anderen 
Kindern - als eine zu starke Realisierung der inzestuös-sadistischen Wünsche 
verworfen werden. Auch noch im Pubertätsalter wirkt die Zielsetzung dieser 
Entwicklungsperiode, die die Ablösung von den inzestuösen Objekten beinhaltet 
solchen Beziehungen entgegen. Die Aufnahme von sexuellen Beziehungen zu neuen 
Objekten aber erfolgt normalerweise in einem späteren Abschnitt des Pubertä's- 
alters. Sie basiert auf der sich vollziehenden Ablösung von den alten Objekten 
und beruht dann auf anderen, dem Inzest entgegenwirkenden Strebungen. 

Nun erhebt sich die Frage, inwieweit es möglich wäre, von vornherein das 
Zustandekommen solcher Beziehungen zu verhindern' 
Es scheint mir sehr zweifelhaft, ob dies möglich wäre, ohne anderen schweren 
Schaden anzurichten (zum Beispiel dadurch, daß die Kinder einer zu weit gehenden 
Beaufsichtigung und Freiheitsberaubung unterworfen würden), ja, ob selbst bei 
schärfster Beaufsichtigung solche Beziehungen überhaupt verhindert werden 
können. Hiezu kommt, daß diese frühen Erlebnisse, die so überaus schädigend 
wrrken können, in anderen Fällen die Entwicklung günstig 
b e e i n f 1 u s s e n. Die sexuellen Beziehungen von kleinen Kindern untereinander 
dienen allem Anschein nach - neben der libidinösen Befriedigung und der 
Befriedigung des sexuellen Wißtriebes - der Funktion, das übermäßige Schuld- 
gefühl abzuschwächen. Da der Phantasiegehalt dieser Beziehungen auf den sadisti- 
schen Masturbationsphantasien beruht, diese aber die Quelle schwerster Schuld- 
gefühle sind, führt die Tatsache, daß an diesen verpönten, gegen die Eltern 
gerichteten Phantasien ein Partner teilnimmt, ein Gefühl der Bundes- 
genossenschaft herbei, das die A n g s t vermindert.*» Hingegen ergeben 
sich aus der Beziehung selbst wieder Angst- und Schuldgefühle. Welche 
Momente überwiegen und ob diese Beziehung sich als Rückhalt gegen 
die Angst auswirkt oder diese noch verstärkt, dafür scheint das Ausmaß des 

auAl^-^T u m id, - n f Ch m , dnen Beoba *tungen überzeugt, daß diese Beziehungen 
au* in diesen Lebenspenoden sehr viel häufiger sind, als im allgemeinen angenommen 

weisd mL£ n Z I l Udl " G /T n f, me T ^ träume " (&*■ Psychoanalytischer Verlag r 924 ) 
wem Hanns Sachs auf die Verminderung des Schuldgefühles hin, die sich aus der 
Gemeinschaft mzestuöser Phantasien (Tagträume) ergibt. 

— ia8 — 






eigenen Sadismus und insbesondere die Einstellung des Partners entscheidend. 
Wo der positive, libidinöse Faktor überwiegt, kann sie — wie ich in einer Reihe 
von Fällen feststellte - die Liebesfähigkeit und Objektbeziehung in grund- 
legender Weise günstig beeinflussen. 21 In Fällen, in denen die destruktiv en 
Triebregungen (ja sogar Zwang seitens des einen Partners) diese Beziehung 
beherrschen, kann sie die ganze Entwicklung auf das schwerste schädigen. 
Auch in der Frage der Sexualbetätigung des Kindes — wie in einigen 
anderen - führen uns die psychoanalytischen Ergebnisse zur Erkenntnis der 
vollen Tragweite gewisser Entwicklungsmomente, ohne uns aber zugleich die 
Möglichkeit zu bieten, zuverlässige Regeln für die Prophylaxe aufzustellen. 

Freud schreibt in den „Vorlesungen": 22 „Diese Verhältnisse haben ein 
gewisses Interesse für die Pädagogik, die sich eine Verhütung der Neurosen durch 
frühzeitiges Eingreifen in die Sexualentwicklung des Kindes zum Vorsatz nimmt. 
Solange man seine Aufmerksamkeit vorwiegend auf die infantilen Sexual- 
erlebnisse gerichtet hält, muß man meinen, man habe alles für die Prophylaxe 
nervöser Erkrankungen getan, wenn man dafür sorgt, daß diese Entwicklung 
verzögert wird und daß dem Kinde derartige Erlebnisse erspart bleiben. Allein 
wir wissen schon, daß die Bedingungen der Verursachung für die Neurosen 
komplizierter sind und durch die Berücksichtigung eines einzigen Faktors nicht 
allgemein beeinflußt werden können. Die strenge Behütung der Kindheit verliert 
an Wert, weil sie gegen den konstitutionellen Faktor ohnmächtig ist; sie ist 
überdies schwerer durchzuführen als die Erzieher sich vorstellen, und sie bringt 
zwei neue Gefahren mit sich, die nicht gering zu schätzen sind, daß sie zu viel 
erreicht, nämlich ein für die Folge schädliches Übermaß von Sexualverdrängung 
begünstigt, und daß sie das Kind widerstandslos gegen den in der Pubertät zu 
erwartenden Ansturm der Sexualforderungen ins Leben schickt. So bleibt es 
durchaus zweifelhaft, wie weit die Kinderprophylaxe mit Vorteil gehen kann 
und ob nicht eine veränderte Einstellung zur Aktualität einen besseren Angriffs- 
punkt zur Verhütung der Neurosen verspricht." 



21) Ich gehe auf dieses Moment ausführlich in den Kap. XI und XII ein. 

22) F r e u d: Vorlesungen (Ges. Sehr., Bd. VII, S. 379). 



Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

— lag 



ZWEITER TEIL 



FRÜHE ANGSTSITUATIONEN 

UND IHRE AUSWIRKUNG AUF DIE 
GESAMTENTWICKLUNG 



L 



ACHTBS KAPITEL 

Frükstadien des Ödipuskonfliktes 
und der Uber-Idi -Bildung 

In den nun folgenden Kapiteln beabsichtige ich einen Beitrag zur Genese und 
zum Aufbau des Über-Ichs zu geben. Die theoretischen Ergebnisse, die uh vor- 
lege, sind das Resultat der direkten Einblicke in die frühesten Entwicklungs- 
vorgänge, die mir die Analysen kleiner Kinder ermöglichten. Diese Analysen 
ergaben, daß beim kleinen Kinde die ödipusstrebungen durch die pra^n Ver- 
sagungen ausgelöst werden und daß gleichzeitig auch die Über-Ich-Bildung 
beginnt. 1 Die genitalen Triebregungen bleiben zunächst verdeckt, da sie sich 
gegen die prägenitalen Triebregungen im allgemeinen erst im dritten Lebens- 
jahre voller durchsetzen. Damit beginnt die Entwicklungsperiode, die durch das 
deutliche Hervortreten der genitalen Regungen charakterisiert 1S t und die wir als 
Frühblüte der Sexualität und Entwicklungsphase des Ödipuskonfliktes kennen. 
Ich will in den folgenden Ausführungen auf die dieser Frühblüte voraus- 
gehenden Entwicklungsvorgänge in großen Zügen eingehen und den Nach- 
weis versuchen, daß die Frühstadien des Ödipuskonfliktes und 
der Über- Ich-Bildung in die Entwicklungsperiode fallen, die etwa 
zwischen dem ersten halben Lebensjahre und dem dritten 
Lebensjahre liegt. 

Die Lust am Saugen wird normalerweise durch die Lust am Beißen abgelost. 

Ein Mangel an Lustbefriedigung auf der oralsaugenden Stufe führt zu einem 

verstärkte n Lustbedürfnis auf der oralbeißenden Stufe.» Die Bedeutung der 

7) Siehe M. Klein: Die Frühstadien des Ödipuskonfliktes (Int. Ztschr. f. PsA., 

!""af Abraham weist (Psychoanalytisdie Studien zur Charakterbildung, S. 40) auf 
die TatsaAe hin, daß gleichermaßen eine unbefriedigend verlaufene zu lustarme Sauge- 
Periode ebenso wie ein! zu lustreiche zu einer besonders starken Fixierung an die Lust 
drBeißens führt. Edward Glover betont (Notes on Oral Character Formation, 

- *33 - 



„Abhängigkeit von den besonderen Verhältnissen der Ernährung", die A b r a h a 
als die Ursache für eine zu lustarme Saugeperiode anführt, ist durch die allgemein 
analytische Erfahrung einwandfrei bewiesen. Wir kennen sie als einen der grund 
legenden Faktoren für Erkrankungen und Fehlentwicklungen. Die ungünstigen 
Ernährungsverhältnisse, die man als ä u ß e r e V e r s a g u n g bezeichnen kann 
Schemen aber nicht die einzige Ursache für eine lustarme Säuglingszeit zu sein' 
Dies geht deuthch daraus hervor, daß manche Kinder saugeunlustig (trinkfaul) 
sind, wiewohl sie genügend Nahrung erhalten. Die Unfähigkeit, die Sauge 
befnedigung zu genießen, die in solchen Fällen vorliegt, scheint mir die Folge 
einer in n e r e n V e r s a g u n g zu sein und geht nach meinen Erfahrungen auf 
einen abnorm verstärkten oralen Sadismus zurück.* Allem An- 
schein nach äußert sich in diesen frühen Entwicklungsvorgängen schon die 
Polarität von Lebenstrieb und Todestrieb. Die starke Fixierung an die oral^ 
saugende Stufe ist als Ausdruck der Stärke der Libido aufzufassen, das frühe 
und starke Auftreten des oralen Sadismus zeigt das Überwiegen der destruktiven 
Komponente an. 

Wie wir durch Abraham* und van Ophujsen wissen, ist die kon- 
stitutionelle Verstärkung der der Beißtätigkeit dienenden Zonen (Kaumuskulatur) 
ein grundlegendes Moment für die starke Fixierung an die oralsadistische Stufe. 
Die Falle, m denen äußere Versagung - ungünstige Ernährungsbedingungen - 
mit einem konstitutionell verstärkten oralen Sadismus, der die Saugelust 
beeinträchtigt, zusammentrifft, sind es, die zu den schwersten Fehlentwicklungen 
und Erkrankungen führen. Umgekehrt scheint ein nicht zu frühes und nicht zu 
vehementes Einsetzen des oralen Sadismus (das einen befriedigenden Verlauf 



vlatT'für K - Ana1 ^ Vol. VI 2J) besonders d|e Bed ^ 

Versagung für die Fixierung, da er für die traumatische Wirkung der zu lustreichen 

ist TuA n nf e h a and p e /Ü S ° raIe Fakt ° ren Wirbam findet - Das Entwiilungsergt" 
5 itl 7n BeTsn". f^^Jn den beiden Fällen ein wesentlich verschiedenes. 
(Kap nn „ 7 P t dleS£I ^ fuhre lA de " ausführlich besprochenen Fall Ernas 
der Mutte dun* Ä ^t-^ ™ Beginn der Zahnung wiederholt die Brust 
in eSen 3 nl %£ T^ "^ ™f aUch eb trink ^ules Kind gewesen. Auch 

LdT Äi • ; l -- d riL ein abnorm vemärkter ° raler Sadisi ™ ™^s, 

KAfcÄk ■ ■ . r Stll ! P 7 10de a " ßerIldl Un § estö » und °hne Schwierigkeiten, in Wirk 
hchkeit aber völlig unbefriedigend war. Diesen Fällen stehen einige andere gegenüber, 
in denen starke äußere Störungen der Saugeperiode nicht zur Entwicklung eine 
abnormen oralen Sadismus geführt, sondern eine starke Fixierung an die orallgend 
Stufe hinterlassen hatten. Zum Beispiel hatte Ruth (Kap. II), bei der eine starke oral- 

S n end Siirhltr^ T^ ^ W* ^"^ da *"£* ^L 
J2X a i • ? andefer melner Ana Wnden hatte niemals Brustnahnin» 

gehabt, sondern war bei der Flasche aufgezogen worden. Auch bei ihm lag zwar dn 

Stufe vor" "^ "£ ""* "J ^ St " ke * { ™™S an die «£*2«2 

4) Siehe Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido, S. 39. 



— icLf — 



der Saugeperiode zur Voraussetzung hat) eine Vorbedingung für eine normale 

Entwicklung zu sein. 5 

Damit würde aber auch die Bedeutung des zeitlichen neben der des quan- 
titativen Moments in ein schärferes Licht gerückt. Setzt die Steigerung des oralen 
Sadismus zu vehement ein, so geraten Objektbeziehung und Charakterbildung 
zu stark unter die Herrschaft der Ambivalenz und des Sadismus. 6 Die zu frühe 
Verstärkung des oralen Sadismus hat eine zu frühe Ichentwicklung zur Folge. 
Wir kennen als einen der Faktoren für die Entstehung der Zwangsneurose das 
Voraneilen der Ichentwicklung vor der Libidoentwicklung. 7 Eine grundlegende 
Ursache für eine zu schnelle I ch e n t w ick 1 ung sehe ich in dem zu 
frühen und zu starken Einsetzen des oralen Sadismus und in dem 
Druck, den die Angst auf das unreife Ich ausübt. 

Freud hat seine ursprüngliche Auffassung von der Entstehung der Angst 
erweitert. Die Annahme, daß die Angst durch direkte Umsetzung aus der 
Libido entsteht, behält nur mehr eine sehr eingeschränkte Gültigkeit. Freud 
zeigt, daß bei dem hungrigen Säugling die Angst infolge Anwachsens der 
Bedürfnisspannung entsteht, daß aber diese Angstsituation des Säuglings schon 
ein Vorbild hat, „ . . . die Situation der Unbefriedigung, in der Reizgrößen eine 
unlustvolle Höhe erreichen ... muß für den Säugling die Analogie mit dem 
Geburtserlebnis, die Wiederholung der Gefahrsituation sein; das beiden Ge- 
meinsame ist die ökonomische Störung durch das Anwachsen der Erledigung 
heischenden Reizgrößen, dieses Moment also der eigentliche Kern der .Gefahr'. 
In beiden Fällen tritt die Angstreaktion auf . . ." 8 

Die Tatsache aber „ . . . daß die Angst der Phobien eine Ichangst ist, im Ich 
entsteht, nicht aus der Verdrängung hervorgeht, sondern die Verdrängung hervor- 
ruft" 9 , scheint Freud ein nicht leicht zu lösender Widerspruch zu der ersten 
Erkenntnis zu sein, daß nämlich in gewissen Fällen die Angst aus der Libido- 
spannung entsteht. Seine Annahme, 10 „...daß das Ich in der Situation des 
gestörten Koitus, der unterbrochenen Erregung, der Abstinenz Gefahren wittert, 
auf die es mit Angst reagiert...", scheint Freud keine genügende Lösung des 
Widerspruchs. An einer anderen Stelle kommt Freud, von anderen Er- 



c) Als einen anderen grundlegenden Entwicklungsfaktor lernte ich die größere oder 
geringere Fähigkeit des unentwickelten Ichs, Angst zu ertragen, kennen. Ich gehe aut 

dieses Moment etwas später ein. ' ., „ n _ t 

6) Siehe Abraham: Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung (Int. 
Psychoanalytischer Verlag r 9 z,), S. 40. Siehe auch Edward Glov er: The • S^ncance 
of the Mouth in Psycho-Analysis (British Journ. of Medical Psycholog? , Vol. IV, 1914). 

7 ) Freud: Die Disposition zur Zwangsneurose (Ges. Sehr., Bd. V, a. 2»&J. 

8) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S.78). 

9) Freud: Ebenda, S. 49. 
10) Freud: Ebenda, S. 49. 

- i35 - 



wägungen ausgehend, auf dieses Problem zurück. Er führt die AngstentwickW 

«eh das Ich hilflos gegen den wachsenden Triebanspruch findet, also die erst! 
und ursprünglichste der Angstbedingungen"." Ferner definiert F r e u d als Kern 
der Ge ahrsituation: „...das Zugeständnis unserer Hilflosigkeit gegen sie Z 
materiellen Hilflosigkeit i m Falle der Realgefahr, der psychischen HilfI ^ 
im Falle der Triebgefahr". 12 al S*eit 

in d" fÄ" p"ü ^ UmSet2Ung ^ unbef "«%» Libido in Angst W 
Auß d A*! B f dÜrfnisS P a ™S ^lösten Reaktion des Säuglings vor 
Außer dem Affekt der Angst ist aber zweifellos auch der der Wut- an die « 
Reaktion des Säuglings beteiligt. Es läßt sich schwer entscheiden, wann die V 
lotung der destruktiven mit den libidinösen Triebregungen einsetzt. Vieles sprich 
da u , daß sie vom Entwicklungsbeginn an besteht und daß die Bedürfnisspannung 
nur zur Verstärkung des Sadismus beiträgt. § 

Wir wissen aber daß der Destruktionstrieb gegen den Organismus gerichtet ist 
Er muß vom Ich als Gefahr empfunden werden. Meiner Auffassung „ach i t « 
d ese G e f a h r, die sich als Angst fühlbar mach," Die A n g s t wü de demnach 
aus der Aggresston entstehen- Da aber, wie wir wissen, die libidinöse vZ 
agung den Sadismus steigert, so löst - wenn auch dieser Auffassung nach auf 
^direktem Wege - die unbefriedigte Libido auch Angst aus, beziehungswri 

eigen si. Die Annahme F r e u d s, daß das Ich möglicherweise in der Ab tiW 
eine Gefahr wittert, wurde demnach doch die Lösung des Problems darstellen. 

n) Freud: Ebenda, S. 86. 
12) Freud: Ebenda, S. 109. 

Bd/xil^/ -Tad'' ? aS . Problem A de f Unlustbejahung (I nt . Ztsdlr . f. p sA ., 
ZtidKf. PsA* BdXIIT T o ,VTS Afbeit \ DaS Pr ° blem der Melancholie (Int 
reaktion zujeik aufgelöst n AT Vu™ *?&* ™ d " H «U 
Auswirkung die^r Wut Z andeTen £l herv °^.hoben, kam aber bezüglich der 

führungen. " Fol S erun S en # «* in meinen nun folgenden Aus- 

zuLta^sfeinitS feff S? £ «-acht gezogen, daß i„ gewissen Fällen 
hinzukommen kann t • S( £e bt Es nl oft Destruktionstrieb ausgelöst würde, 

mäßig, lähm nd ausfäHt " Hell f Angstreaktion übermäßig und unzweck- 

i'S'ÄSs ÄSSÄ p G s r ?/ xvn XI ' W 

trieb entsteht. Sie S Dk Ä2 «^ f ^-/U« MS dem Destruktions- 
Wahrnehmung des im Q rJanLufT ; ^ ' T ° desan gst', sondern sie ist die 
Masochismus " Orgamsmus fre lg ewordenen Todestriebes oder des primären 

- i36 - 



Nur scheint es mir, daß die Gefahr (d. h. die „psydiisdie Hilflosigkeit im Falle 
der Triebgefahr") von den destruktiven Triebregungen ausgeht. 

Freud beschreibt, daß die narzißtische Libido, um die Zerstörung des 
Organismus durch den Todestrieb zu verhindern, diesen nach außen gegen die 
Objekte abdrängt. Er sieht diesen Prozeß als grundlegend für die sadistische 
Beziehung zu den Objekten und den Mechanismus der Projektion an. „Ein anderer 
Anteil des Todestriebes macht diese Verlegung nach außen nicht mit - er ver- 
bleibt im Organismus und wird dort mit Hilfe der erwähnten sexuellen Mit- 
erregung libidinös gebunden; in ihm haben wir den ursprünglichen erogenen 
Masöchismus zu erkennen." 16 

Es scheint mir nun, daß das Ich noch einen anderen Weg zur Bewältigung 
der im Organismus verbleibenden Anteile des Destruktionstriebes einschlägt, daß 
es nämlich einen Teil der T r ieb r e gu n gen zur Abwehr gegen den 
anderen Teil mobilisiert. Es käme so zu einer Spaltung im Es, die mir 
der einleitende Schritt für die Entwicklung der Triebhemmungen und für den 
Prozeß der Über-Ich-Bildung zu sein scheint und vielleicht mit der Urverdrängung 
zusammenfällt." Man kann annehmen, daß diese Spaltung dadurch ermöglicht 
wird, daß gleichzeitig das ein v er 1 e ib t e Ob j ek t (und zwar sobald der 
Prozeß der Einverleibung begonnen hat) zum T r ä g er der A b weh r gegen 
die destruktiven Triebregungen wird. 18 

Die durch die destruktiven Triebregungen ausgelöste Angst macht sich 
_ so scheint es mir - im Ich nach zwei Richtungen geltend. Sie 
beinhaltet die Vernichtung des eigenen Körpers durch die de- 
struktiven Triebregungen, ist also Angst vor einer inneren Trieb- 
g e f a h r. 19 Zugleich aber zentriert sie, da ja die sadistischen Triebregungen auf 

16) Freud: Das ökonomische Prinzip des Masochismus (Ges. Sehr., Bd. V, S. 379). 

i 7 ) Freud schreibt: „Man kann es derzeit nicht beurteilen, ob etwa das Aul- 
treten des Über-Ichs die Abgrenzung zwischen Urverdrängung und Nachdrangen 
schafft. Die ersten - sehr intensiven - Angstausbrüche erfolgen jedenfalls vor der 
Differenzierung des Über-Ichs. Es ist durchaus plausibel daß quantitative Momente 
wie die übergroße Stärke der Erregung und der Durchbruch des Reizschutzes die 
nächsten Anlässe der Urverdrängungen sind." (Hemmung, Symptom und Angst. Ges. 

'^rgflA^gehe auf den Prozeß der Verinnerlichung der Objekte später ein und 
schicke hier nur voraus, daß nach meiner Auffassung das einverleibte Objekt auch gle.ch 
in die Rolle des Ober-Ichs eintritt. . . 

19 ) Von den vielfachen Darstellungen dieser Angst in Fruhanalysen greife ich ein 
Beispiel heraus: ein fünfjähriger Knabe verwendete in seinen Phantasien gegen gefähr- 
liche Feinde wilde Tiere verschiedener Art (Elefanten, Leoparden, Hyänen, woltej, 
denen besondere Rollen zugeteilt waren. Die Elefanten hatten «he Feinde " ""^T* 
die Leoparden sie zu zerreißen, die Hyänen und Wölfe sie zu fressen Die Vors« lung 
daß die in seinen Diensten stehenden wilden Tiere sich gegen ihn «&""?£" 
könnten, löste bei dem Knaben schwerste Angst aus. Es ergab sich daß diese gefahrichen 
Tiere ihm unbewußt die verschiedenen Quellen seines Sadismus bedeuteten (der Elefant 

- *5 7 - 



das Objekt gerichtet sind, auch um das Objekt als Gefahrenquelle 
Die mit der Ichentwicklung zugleich einsetzende Realitätsprüfung, die dazu führt 
daß das Kind die Mutter als versagendes und gewährendes Objekt kennenlernt' 
und die ihm so vermittelte Erkenntnis von der Macht des Objektes über die 
Befriedigung seiner Bedürfnisse, scheint die früheste reale Grundlage für die Angst 
vor dem Objekt darzustellen. Hiebei wird allem Anschein nach die —un- 
erträglichere — Angst vor der inneren Triebgefahr mit voller 
Wucht auf das Objekt verschoben und so in eine äußere Gefahr 
verwandelt. Der äußeren Gefahr sucht sich das unentwickelte Ich durch 
Zerstörung des Objektes zu erwehren. 

Ich will nun darauf eingehen, wie die Abdrängung des Todestriebes nach 
außen die Beziehung zu den Objekten beeinflußt und zur vollen Entwicklung des 
Sadismus führt. Die Steigerung des oralen Sadismus erreicht ihren Höhepunkt 
während und nach der Entwöhnung von der Mutterbrust. Sie führt zur vollen 
Aktivierung und Höchstentwicklung des Sadismus auf allen Quellgebieten. Oral- 
sadistische Phantasien von ganz bestimmtem Charakter, die den Übergang 
zwischen der oralsaugenden und oralbeißenden Stufe herzustellen scheinen, 2 » 
gehen dahin, sich des inneren Gehaltes der Mutterbrust zu bemächtigen, sie aus- 
zusaugen und auszuhöhlen. Das Begehren, auszuhöhlen und auszusaugen, gilt 
vorerst der Brust, bald aber auch dem Innern des Mutterleibes. 21 

In meiner Arbeit „Frühstadien des Ödipuskonfliktes" 22 habe ich ein frühes 
Entwicklungsstadium beschrieben, das von aggr essiven Tendenzen gegen den Leib 

den Muskelsadismus, die reißenden Tiere die Nägel und Zähne, die Wölfe die Ex- 
kremente usw.). Die Angst, die gefährlichen, von ihm gezähmten Tiere könnten ihn 
selbst vernichten, galt der Angst vor dem eigenen Sadismus als gefährlichem innerem 
tTl C~ • verweise audl auf de ° volkstümlichen Ausdruck: „Vor Wut platzen." 
14 ia.be in Frühanalysen für die Vorstellung, die diesem Ausdruck zugrunde liegt, 
wiederholt Darstellungen erhalten. 

20) Abraham hebt den vampyrhaften Charakter hervor, der dem Verhalten 
gewisser Menschen anhaftet, und erklärt ihn durch eine Regression von der oralsadistischen 
zur oralsaugenden Stufe. (Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung. Int. Psycho- 
analytischer Verlag, 192 j, S. 44.) 

21) Edward Glover äußerte gesprächsweise die Auffassung, daß das Gefühl der 
Leere im Leibesinnern des kleinen Kindes, das durch mangelnde orale Befriedigung 
entsteht eine Grundlage für die Angriffsphantasien auf den Mutterleib bilden könnte. 
Es wird zum Ausgangspunkt von Phantasien über den gefüllten Leib der Mutter, der in 
der Phantasie des Kindes jede gewünschte Nahrung enthält. Mein Material, das ich 
im Smne dieses Vorschlages Glovers überprüfte, bestätigt seine Auffassung vollauf. 
Sie schemt mir eine weitere Erklärung des Entwicklungsschrittes, der zwischen dem 
Aussaugen und Fressen der Mutterbrust und dem Angriff auf ihr Leibesinneres besteht. 
Glover wies in diesem Zusammenhang auch auf Rad 6s Annahme eines „alimentären 
Orgasmus (Rad6: Die psychischen Wirkungen der Rauschgifte. Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XII, 1926) hin, auf Grund deren sich die orale Befriedigung auf den Magendarmkanal 
tortsetzt. 

22) Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XIV, 1928. 

- x38 - 



der Mutter beherrscht ist. Der leitende Wunsch dieser Phase lautet: den Leib 
der Mutter des Inhalts zu berauben und ihn zu zerstören. 

Allem Anschein nach ist es der u r e t h r a 1 e S a d i s m u s, der am dichtesten 
an den oralen Sadismus anschließt. Es hat sich mir vielfach bestätigt, 
daß Phantasien des Üb e r s c h w emm en s und Zerstörens durch ungeheure 
Urin mengen (auch im Sinne des Aufweichens, Ertränkens, Verbrennens, 
Vergiftens) eine sadistische Reaktion auf die Versagung an 
Flüssigkeit seitens der Mutter darstellen und letzten Endes gegen die 
Mutterbrust gerichtet sind. 

Ich möchte hier auf die große, bisher nicht genügend eingeschätzte Bedeutung 
hinweisen, die nach meinen Erfahrungen dem urethralen Sadismus als Ent- 
wicklungsfaktor zukommt. 23 Die uns wohlbekannten Phantasien des Über- 
schwemmens und Vernichtens mittels großer Urinmengen 2 * sowie auch die bekannte 
Beziehung zwischen Zündeln und Nässen 25 sind nur der deutlichere, weniger ver- 
drängte Ausdruck der sadistischen Regungen, die sich mit der Urethralfunktion 
verknüpfen. Ich lernte in den Analysen von Kindern und Erwachsenen immer 
wieder Phantasien kennen, in denen der Urin als eine brennende, zer- 
setzende, vergiftende Flüssigkeit, als schleichendes und geheimes Gift 
phantasiert wurde. Die urethralsadistischen Phantasien haben einen grundlegenden 
Anteil an der unbewußten Bedeutung des Penis als eines Werkzeuges des 
Sadismus und auch an den durch diese sadistischen Phantasien bedingten Potenz- 
störungen des Mannes. Das Bettnässen fand ich in einer Reihe von Fällen 
durch Phantasien dieser Art determiniert. Auch alle anderen Mittel des Sadismus, 
der Muskelsadismus und der anale Sadismus, richten sich zuerst gegen die (ver- 
sagende) Mutterbrust, bald aber gegen das Innere des Mutterleibes, der auf diese 
Weise zum Ziel aller höchstgesteigerten und gleichzeitig wirksamen Mittel des 
Sadismus wird. Analsadistische Zerstörungswünsche gegen den Mutterleib werden 
in den Frühanalysen von solchen des Fressens und des Nässens abgelöst und 



23) A b r a h a m weist in seiner Arbeit: Zur narzißtischen Bewertung der Exkretions- 
vorgänge in Traum und Neurose (Klinische Beiträge zur Psychoanalyse. Int. PsA .Verl. 
1921 L 99 ) an Hand eines Falles mit sehr stark entwickeltem urethralen Sadismus 
darauf hin daß wir bei Neurotikern „. . . . den Funktionen und ( Produkten des Darmes 
und der Blase auch als Trägern feindseliger Regungen begegnen 

24) Siehe insbesondere Freud: Traumdeutung und Drei Abhandlungen zur Sexual- 
theorie- Sadger: Über Urethralerotik (Jahrb. f. psychoanalyt. Forschungen, IL Bd., 

9 To Abraham: über Ejaculatio praecox und Zur narzißtischen Bewertung der 
Exkretionsvorgänge in Traum und Neurose. Klinische Beiträge zur Psydioanalyse (Int. 
PsA Verl i 9 2i)f Rank: Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforsdiung (Int. PsA. 

^S) Siehe Freuds Bemerkungen über den Zusammenhang zwischen Zündeln und 
Nässen in: Bruchstück einer Hysterie- Analyse (Ges. Sehr., Bd. VIII, i>. 7h 74)- 

— i3o, — 



umgekehrt wobei als ursprünglichstes Begehren immer wieder das Fressen und 

Zerstören der Mutterbrust deutlich wird. 26 

Die E n t w i c k 1 u n g s p h a s e, in der die in der Phantasie unternommenen 

sadistischen Angriffe gegen den Mutterleib dominieren, wird 

durch die oralsadistische Stufe eingeleitet, findet mit dem Ab 
klingen der früheren an . I sa d i s t i s c h en Stufe ihren Abschluß 
und umfaßt die Höchstblüte des Sadismus auf allen Qu 
gebieten. v * 

Die Forschungen Abrahams haben uns darüber aufgeklärt, daß wir es bei 
der Lust am Beißen nicht etwa nur mit einer libidinösen Befriedigung de 
erogenen Zonen sondern auch mit einer ausgesprochen destruktiven Begierde dl 
die Zerstörung des Objektes beinhaltet, zu tun haben. In noch stärkerem Ausmaß 
gilt dies von dem Entwicklungsstadium der Höchstblüte des Sadismus. Das Bild 
des kleinen, etwa sechs bis neun Monate alten Kindes, das mit allen Mitteln des 
Sadismus, mit Zähnen, Nägeln, Exkrementen und seinem ganzen, in der Phan- 
tasie zu gefährlichen Waffen verwandelten Körper, die Zerstörung der Mutti 
anstrebt, scheint nicht nur abschreckend, sondern auch unglaublich. eL- wie ich 
aus Erfahrung weiß - schwer, sich zu der Erkenntnis zu entschließen, daß dieses 
a schreckende Bild der Wahrheit entspricht. Die Fülle und reichhaltig; Grausam- 
keit der mit diesen Begierden einhergehenden Phantasien, wie wir sie in Früh- 
tTlL S T W er K DCUtliChkeit Und Eind ^ lid > k - dargestellt sehen, ist übe, 

stfefndet Z" * T^l "^ "* *" " iW ^ im Kannibalismus 
Bünden Phantasien des Kindes vertraut gemacht und finden darin eine Er- 
leichterung für die weiter führende Erkenntnis, daß zugleich mit der Reich- 
haltigkeit der sadistischen Mittel sich auch die Reichhaltig- 
keit und In ten si tä t der sadistischen Phantasien steigert 
^ll!!!!*^^!^ des ganzen 

8.4)^^ die\ a r^rdk„ d pr a l Un ( . Ve ^^ Entwicklungsgeschichte der Libido, 
berichtet vo ek 171^^^^^ ^^ d " ^ "*»• Er 

durch den primären Haß del £ j Regungen gegen die Mutter aber 

liehen Penis geTte gen werden SS ^nU? ** ™™ erleih vorausgesetzten väter- 

Auf die Bedeutung dieser VersSma für 1 T i SL,*" 1 $ Mer versch ° b «>- 
ieh in Kap. XII ausführlich e ^ SChlebuns fur dle Sexualentwicklung des Mannes gehe 



— x^o 



Phänomens zu enthalten. Wenn es die libidinöse Versagung ist, die den Sadismus 
steigert, so wird es verständlicher, daß die nicht zu befriedigenden destruktiven 
Begierden, die mit den libidinösen verlötet sind - zunächst also die oral- 
sadistischen -, zur weiteren Steigerung des Sadismus und der Aktivierung aller 

seiner Mittel führen. 

In Frühanalysen zeigt sich, daß die orale Versagung auch die unbewußte 
Kenntnis aktiviert, daß die Eltern miteinander eines (zunächst als oral phan- 
tasierten) sexuellen Genusses teilhaftig werden. Diese Phantasie löst in dem unter 
dem Druck der oralen Entbehrung stehenden Kinde den Neid aus, der wiederum 
den Haß verstärkt. Das Begehren auszuhöhlen, geht nun dahin, aus beiden 
Elternteilen (respektive aus deren Organen) alle Flüssigkeit und den sonstigen 
Inhalt (auch das, was die Eltern im oralen Koitus voneinander empfingen) aus- 
zusaugen und zu fressen. 27 

Die Sexualtheorien kennen wir durch Freud als phylogenetisches Erbgut. 
Nach meinen Erfahrungen treten diese unbewußten Kenntnisse und Phantasien 
vom Sexualverkehr der Eltern schon auf dieser ganz frühen Entwicklungsstufe 
hervor. Der orale Neid bildet einen Antrieb für den Wunsch des Kindes (beiderlei 
Geschlechts), in den Mutterleib einzudringen, sowie auch für den mit dieser 
Tendenz verknüpften Wißtrieb. 28 Die Zerstörungstendenzen sind aber sehr bald 
nicht nur gegen die Mutter allein, sondern, da das Kind phantasiert, daß die 
Mutter sich im oralen Koitus den Penis des Vaters einverleibe, der Penis in ihrem 
Leib verbleibe und der Vater mit einer Vielzahl von Penissen ausgestattet ist, 
auch gegen den väterlichen Penis in ihrem Leibe gerichtet. Die in den tiefsten 
Schichten so überaus str.rke Angst des Knaben vor der Mutter als Kastratorin 
und die mit dieser Angst so eng verknüpfte Vorstellung der „Frau mit 
dem Penis" läßt sich nach meinen Erfahrungen auf die Angst vor der 
Mutter, deren Leib den Penis des Vaters enthält, reduzieren; sie gilt also letzten 
Endes dem väterlichen, der Mutter einverleibten Organ. 29 



27) M. N. Searl berichtete (siehe Refer. im Int. Journ. of Psycho-Analysis, Bd. IX, 
1928) über Phantasien dieses intensiv oralsadistischen Charakters, die sie bei einem Kinde 
fand. Das Begehren, aus dem Vater herauszusaugen, was dieser der Mutterbrust ent- 
nommen hätte, stand bei diesem Kind im Zusammenhang mit paranoischen Melanismen 
Die starke Wirksamkeit solcher Phantasien, die mit einem intensiven oralen Sadismus 
verknüpft sind und dementsprechend auch besonders aggressive Regungen gegen das 
Innere des Mutterleibes einleiten, habe ich ^seither charakteristisch für die Psychose 

56 "Vsiehe Abraham: Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung (Int. PsA. 

Y "t) Felix Boehm hebt in seiner Arbeit: Ödipuskomplex und Homosexualität (Int. 
7«chr f PsA Bd. XII, 1926) die Bedeutung der bei Männern häufigen Phantasien 
hervor, daß in'der Vagina der Mutter der Penis des Vaters den sie vom Koitus zurück- 
behalten habe, verborgen sei. Boehm weist ferner darauf hin, daß „die verschiedenen 



den >, l™* 1 !^*« GefühIe *■ Haß und Angst vom väterlichen Penis auf 
den ihn beherbergenden Leib der Mutter scheint mir bedeutungsvoll für die G ne 
psychischer Erkrankungen. Diese Verschiebung, die sich mir auch als ein det T 
ruinierender Faktor für Störungen der Sexualentwicklung und für die Wend«" 
zur Homosexualität*» erwiesen hat, kommt so Stande, daß die Angst vor dem 
der Mutter ^einverleibten väterlichen Penis auf dem für 2 
Verarbeitung der Angst wohlbekannten Wege der Verschiebung auf de g 

d 8 d C ' M § S £ V ° r ebem mÜ " erlich - ^nis verlegt wird. Die Angst vor 
dem der Mutter emverleibten väterlichen Penis ist nämlich aus dem Sund 
so überwältigend, weil nach dem auf dieser frühen l**riLZ*^i^ 
Prinzip der „pars pro toto« der Penis auch den Vater vorstellt Z A 

Mutter befindliche väterliche Penis bedeutet dJ^L V^ i " £ ?£ 

Mut t d Vater in einer Person _ 3i D . ese 2 d Z\Z 
KJS? fu t err e§end und bedrohend «» * ^S 

is tut w K , T tf SemCm HÖhCPUnkt Um den K ° itus ** Eltern zentriert 
m. De wahrend der Urszene oder bei den Urphantasien empfundenen Tod 
wünsche gegen die Eltern sind mit sadistischen Phantasien verbunden Dil 
Phantasien che von außerordentlicher Reichhaltigkeit sind, beinhaken d 
:«1 emÖrUDg ^ Eltem ' ^ ™ >* 3««- e^und beidt 
Bedeutungsvoll in ihren Auswirkungen sind auch die Phantasien in 
denen „4 die Eltern gegenseitig durch ihre als gefährlich Raffln pnan 
werten Gemtalien und durch ihre Exkremente zer törem ItZl Zu" 
sammenhang lernte ich eine Fülle von Phantasien kennen, in denen zumTisptel" 
der der Mutter einverleibte Penis in ein gefährliches Tier oder in mitlZv 
.offen geladene Schußwaffen, die Vagina der Mutter auch in ein eSfr SI 

Ma sefaH T " Tr nt tÖdHdler VemidltUng <»» ^ «ne vergi S 
Mausefalle) verwandelt wurden. Der Umsfcmd A*a A- t! ■ 

Phantasien sind (daß also die S ex u a 1 1 h en ^ ^"^ 
l aieaexu a 1 1 h e o r i e n zu einem wesentlichen Teil 

großen, gefurchteren, in der ^1? ^bracht werden mit der Vorstellung "von, 
ferner in der psychoanalytisch« L 7teram T" PenlS ^Vaters". Häufig finden sich 
Begegnung m/dem Peni fdf ^ auf Phantasien einer intrauterinen 

Koitus, einer dabei engten |eS,ä "s* >"««*nner Belauschung des elterlichen 
30) Siehe Kap. XII dieses Buches 

^^bä^S^äS trpr aI r A ^™* e sesea midi 

Analyse dieser Angriffe ercab da« ° J ' T i* ° da mdne Nase ridlt «en. Die 

sondern daß KopTSase § Fük aucn P^th "7 ^ K ° r P erteilen * «I*™ galten, 
aber nicht ein weiblicher, ondern £ ür " S° g J"?^ We d * 2e * te > ™ « 
gegen den sich diese Angriffe rieh "teT ^^^ ° der «*«««««■ väterlicher Penis, 



1^2 



r 



dasResultatdersadistischenWünschedes Kindes sind), hat zur 
Folge, daß das Kind sich an den phantasierten gegenseitigen Beschädigungen der 
Eltern schuldig fühlt. 

Neben der alle Quellgebiete aktivierenden quantitativenSteigerung 
erfolgt auch eine weitere Steigerung des Sadismus im Sinne einer Q u a 1 1- 
täts Veränderung. Die in der Phantasie mit allen Mitteln des Sadismus 
unternommenen gewaltsamen Angriffe auf das Objekt ergänzen sich 
in einem späteren Abschnitt dieser Phase durch versteckte, geheime, mit 
besonders raffinierten Mitteln (und deshalb also um so gefährlicher für das 
Objekt) phantasierte Angriffe. Während in dem Abschnitt, in dem die 
gewaltsamen Angriffe vorherrschen, auch die Exkremente als gewaltsame 
Angriffswaffen phantasiert werden, nehmen in dem durch die geheimen Angriffe 
charakterisierten Stadium die Exkremente die Bedeutung explosiver, ver- 
giftender Stoffe an. Aus allen diesen Momenten ergibt sich eine Fülle und 
Mannigfaltigkeit der sadistischen Phantasien, die als unerschöpflidi bezeichnet 

werden kann. 

Der gegen die koitierenden. Eltern gerichtete Sadismus hat 
zur Folge, daß auch die Strafe von beiden Eltern gemeinsam erwartet 
wird. Die Angst wirkt sich aber auf dieser frühen Stufe in einer Intensivierung 
des Sadismus und in dem um so stärkeren Antrieb aus, das gefährliche Objekt 
zu zerstören. Gegen die vereinigten Eltern ist demnach ein um so größerer Auf- 
wand von sadistischen Zerstörungswünschen am Werke und eine damit korre- 
spondierende Angst vor ihnen als einer feindlichen Einheit. 

Nach meiner Auffassung ist es der Haß gegen den väterlichen Penis, der 
zugleich mit dem Wunsch, sich genital mit der Mutter zu vereinigen und in ihrem 
Leibe den dort vorausgesetzten väterlichen Penis zu zerstören, den Ödipuskonflikt 
des Knaben einleitet. In diesen frühen genitalen ( Regungen und Phantasien, die 
in der vom Sadismus beherrschten Entwicklungsphase einsetzen, sehe ich die Früh- 
stadien des Ödipuskonfliktes. Diese Auffassung beruht darauf, daß für diese 
Regungen schon die Kriterien gelten, die wir als charakteristisch für die ödipus- 
situation kennen. Es dominieren zwar noch die prägenitalen Regungen, das Kind 
fühlt aber neben den oralen, urethralen und analen auch schon genitale, auf den 
andersgeschlechtlichen Elternteil gerichtete Wünsche und Haß und Eifersucht dem 
gleichgeschlechtlichen Elternteil gegenüber. Auch der Konflikt zwischen Haß und 
Liebesregungen dem gleichgeschlechtlichen Elternteil gegenüber besteht schon auf 
dieser frühen Stufe. Ja, man kann sagen, die ganze Schärfe des Ödipuskonfliktes 
schreibt sich gerade aus der frühen Situation des ganz kleinen Kindes her. Das 
Mädchen wendet sich in Haß und Enttäuschung von der Mutter ab und dem 
Vater mit oralen und genitalen Wünschen zu und ist zugleich durch orale Fixie- 
rungen und auch seine allgemeine Hilflosigkeit so stark an die Mutter gebunden. 

— 1^3 — 



Beim Knaben resultiert auf dieser frühen Stufe der Konflikt aus der oralen 
positiven Bindung an den Vater und den aus der frühen ödipussituation resul- 
tierenden Haßregungen. Daß der frühe Ödipuskonflikt nicht in dem Maße 
erkennbar ist wie in den späteren Entwicklungsstadien, liegt meiner Meinun» 
nach, neben anderen Faktoren, an den geringeren Ausdrucksmöglichkeiten des 
kleinen Kindes und an der vagen und komplizierten Objektbeziehung, die auf 
den frühen Entwicklungsstufen besteht. Ein Teil der Reaktionen des Kindes zum 
Objekt spielt sich an den Phantasieobjekten ab. 32 Angst und Haß wenden sich oft 
in überwiegendem Maße diesen — insbesondere den verinnerlichten — Objekten 
zu, die Beziehung zu den Eltern spiegelt nur einen Teil der im Verhältnis zum 
Objekt bestehenden Schwierigkeiten wieder. 33 Diese äußern sich aber auf vielfache 
andere Art, zum Beispiel liegt nach meinen Erfahrungen dem Pavor nocturnus 
und den Phobien des kleinen Kindes immer auch schon der Ödipuskonflikt 
zugrunde. 

Es scheint mir nicht begründet, zwischen den Frühstadien und den späteren 
Stadien des Ödipuskonfliktes eine scharfe Grenze zu ziehen. 3 * Da die genitalen 
Regungen — wie es mir meine Erfahrungen erweisen — schon zugleich mit 
den prägenitalen Triebregungen einsetzen und diese beeinflussen und 
modifizieren, da andrerseits zufolge dieser frühen Verquickung den genitalen 
Regungen auf den späteren Entwicklungsstufen immer auch prägenitale 
Anteile anhaften, 34 bedeutet das Erreichen der genitalen Stufe nur eine 
Verstärkung der genitalen Regungen. Die frühe und starke Verquickung 
genitaler Regungen mit prägenitalen geht auch daraus hervor, daß bekanntlich 
die Urszene oder Urphantasien, also genitale Erlebnisse und Phantasien, starke 
prägenitale Regungen (Nässen, Defäzieren) auslösen, die von sadistischen Phan- 
tasien gegen die koitierenden Eltern begleitet sind. 

Die frühen sadistischen, um den Koitus der Eltern zentrierenden 
Phantasien bilden nach meinen Erfahrungen den K e r n der M a s t u r b a t i o n s- 
phantasien. Ich fand, daß es die destruktiven, mit den libidinösen verlöteten 
Triebregungen sind, die die Abwehr des Über-Ichs gegen die Masturbations- 



32) Die phantastischen Objekte ziehen nicht nur den Haß und die Angst, sondern 
auch positive Gefühle auf sich, die den realen Objekten entzogen werden. Ist die 
Beziehung zu den phantastischen Objekten im negativen und positiven Sinne überstark, 
so können sich die sadistischen Phantasien und auch die Wiedergutmachungstendenzen 
nicht genügend an das reale Objekt heften. Dies führt zu Störungen der Realitäts- 
anpassung der Objektbeziehung. 

33) Ich gehe hierauf später ein. 

34) Ich halte deshalb auch die Unterscheidung, die F e n i c h e 1 zwischen der „prä- 
gemtalen Vorgeschichte des Ödipuskomplexes" und dem Ödipuskomplex macht, nicht für 
begründet. (Siehe Fenichel: Die prägenitale Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. Int. 
Ztschr. f. PsA., Bd. XVI, 1930.) 

- 144 - 



r 

Phantasien (und die Masturbation) aktivieren. Die mit der frühen genitalen 
Masturbation verbundenen Schuldgefühle sind demnach die Auswirkung der 
gegen die Eltern gerichteten sadistischen Phantasien. Nach dieser Auffassung sind 
aber, da die Masturbationsphantasien den Kern des Ödipuskonfliktes enthalten 
un d 'deshalb wohl als Brennpunkt der gesamten Sexualität aufzufassen sind, die 
aus den Hb idin Ösen Triebregungen resultierenden Schuldgefühle die Reak- 
tion auf die destruktiven mit den libidinösen verlöteten Triebregungen. 35 
Dann wären es aber auch ursprünglich nicht die inzestuösen Triebregungen, die 
das Schuldgefühl auslösen, sondern die Inzestscheu schriebe sich letzten 
Endes von den destruktiven Triebregungen her, die für immer mit den 
ursprünglichen inzestuösen Wünschen verknüpft bleiben. 

Wenn es sich als richtig erweisen sollte, daß der Beginn der ödipusstrebungen 
b die Phase der Höchstblüte des Sadismus fällt, so hätten wir uns zu der 
Erkenntnis zu entschließen, daß es vorwiegend Haßstrebungen sind, die 
den Ödipuskonflikt und die Über-Ich-Bildung einleiten und auch in ihren 
frühesten und grundlegenden Stadien beherrschen. Diese nach dem bisherigen 
Stand unserer Wissenschaft zunächst fremdartig anmutende Erkenntnis stimmt 
aber andrerseits mit unserer Kenntnis überein, daß die Libidoentwicklung von 
den prägenitalen Stufen zur genitalen fortschreitet. Freud hebt mehrfach die 
Tatsache hervor, daß der Haß in der Entwicklung der Liebe vorausgeht. Er 
schreibt: 36 „Der Haß ist als Relation zum Objekt älter als die Liebe, er entspringt 
der uranfänglichen Ablehnung der reizspendenden Außenwelt von seiten des 
narzißtischen Ichs." Ferner: 37 „Das Ich haßt, verabscheut, verfolgt mit Zer- 
störungsabsichten alle Objekte, die ihm zur Quelle von Unlustempfindungen 
werden, gleichgültig, ob sie ihm eine Versagung sexueller Befriedigung oder der 
Befriedigung von Erhaltungsbedürfnissen bedeuten." 38 

«) In meinem auf dem Int. Psychoanalytischen Kongreß in Oxford (Juli 1929) 
gehaltenen Vortrag „Die Bedeutung der Symbolbildung für die Ichentwicklung (Int 
Ztschr f PsA. Bd. XVI, 1930) kam ich diesbezüglich zu folgender Formulierung: „Die 
Abwehr gegen die libidinösen Triebregungen tritt erst in den späteren Stadien des 
Ödipuskonfliktes hervor. In den Frühstadien des Ödipuskonfliktes wendet sie sieh gegen 
die mit libidinösen Triebregungen legierten destruktiven Triebe". ",,.«. 

Auch Ernest Jones betonte in seinem auf dem Oxforder Kongreß gehaltenen 
Vortrag: Angst, Schuldgefühl und Haß (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVI, 1930) die Be- 
deutung der Aggression für das Schuldgefühl. „, ,, e .\ 
36) Freud: Triebe und Triebschicksale (Ges. Sehr., Bd. V, b. 464). 
17) Freud: Ebenda, S. 463. . . , 
38 In „Das Unbehagen in der Kultur" (S. 84) geht Freud in diesem Punkt noch 
weiter. Er schreibt dort: „Sie" (die Aggression) ...bildet den Bodensatz aller zärtlichen 
und Liebesbeziehungen unter den Menschen, vielleicht mit f^ AwmJm fc einer 
Mutter zu ihrem männlichen Kind." Meine Auffassung daß der Ödipuskonflikt unter 
der Vorherrschaft des Sadismus einsetzt, scheint : mir diese Feststellungen Freuds zu 
ergänzen. Die Tatsache, daß in der Objektbeziehung der Haß grundlegend ist, findet 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 10 

— 1^5 — 



Nach der bisherigen Auffassung beginnt die Über-Ich-Bildung in der 
phallischen Phase. „Die Errichtung des Über-Ichs löst den Ödipuskomplex ab 
dieser ,zerschellt', das Über-Ich ist sein Erbe." 39 Freud schreibt ferner: 10 „Die 
Angst der Tierphobien ist also eine Affektreaktion des Ichs auf die Gefahr- 
die Gefahr, die hier signalisiert wird, ist die der Kastration. Kein anderer 
Unterschied von der Realangst, die das Ich normalerweise in Gefahrsituationen 
äußert, als daß der Inhalt der Angst unbewußt bleibt und nur in einer Ent- 
stellung bewußt wird." 

Dann ließe sich aber die Angst, die bis zum Beginn des Latenzalters wirksam 
ist, beim Knaben auf Kastrationsangst und beim Mädchen auf Angst vor dem 
Liebesverlust reduzieren. Die Über-Ich-Bildung setzt nach dieser Auffassung erst 
ein, wenn die prägenitalen Stufen überwunden sind, und erfolgt durch eine 
Regression zur oralen Stufe. Freud schreibt: 41 „Uranfänglich in der primitiven 
oralen Phase des Individuums sind Objektbesetzungen und Identifizierungen wohl 
nicht voneinander zu unterscheiden." Ferner: 42 „Es" — (das Über-Ich) — „ist in 
"Wirklichkeit der Niederschlag der ersten Objektbesetzungen des Es, der Erbe des 
Ödipuskomplexes nach dessen Auflassung." 

Nach meinen Ergebnissen erfolgt der Beginn des Ödipuskonfliktes 
und der Über-Ich-Bildung unter der Vorherrschaft der prä- 
genitalen Regungen, und der Prozeß der Über-Ich-Bildung 
geht auf einem einfacheren und gradlinigeren Weg vor sich. Die in der oral- 
sadistischen Phase introjizierten Objekte — die ersten Objekt- 
besetzungen und Identifizierungen — bilden demnach schon das beginnende 
Über-Ich. 43 

Ferner sind es meiner Auffassung nach die destruktiven Triebregungen und 
die durch sie ausgelöste Angst, die die Über-Ich-Bildung einleiten und in ihren 
frühesten Stadien beherrschen. Die Bedeutung der Objekte für die Über-Ich- 
Bildung bleibt auch nach meiner Auffassung vollauf bestehen, sie erscheint aber, 
wenn wir die Triebregungen als einen grundlegenden Faktor für die Genese des 
Über-Ichs erkennen, in einem anderen Lichte. 



eine weitere Erklärung darin, daß eine so grundlegende und für alles "Weitere bestimmende 
Objektbeziehung, wie die zu den Eltern, in der Höchstblüte des Sadismus sich entwickelt. 
Die der Mutterbrust als erstem Objekt gegenüber empfundene Ambivalenz steigert sich 
durch die anwachsende orale Versagung und durch das Einsetzen des Ödipuskonfliktes 
zur vollen Entwicklung des Sadismus. 

39) Freud: Der Untergang des Ödipuskomplexes (Ges. Sehr., Bd.V, S.427). 

40) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 67). 

41) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr., Bd. VI, S. 373). 

42) Freud: Die Frage der Laienanalyse (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 3J2). 

43) Susan Isaacs weist in ihrer Arbeit: Entbehrung und Schuldgefühl (Int. Ztschr. 
f. PsA, Bd. XV, 1929) darauf hin, daß Freuds „primäre Identifizierung" einen größeren 
Anteil an dem Prozeß der Über-Ich-Bildung haben dürfte, als man ursprünglich dachte. 

— 146 — 



Ich fand, daß die frühesten Identifizierungen das Bild der 
)bjekte, das ihnen zugrunde liegt, in einer verzerrten, 
irrealen Weise wiedergeben. Wir wissen durch Abraham, 44 daß auf 
einer frühen Entwicklungsstufe die realen und die einverleibten Objekte vor- 
wiegend durch ihre Organe repräsentiert sind. Es ist bekannt, daß der väterliche 
Penis ein Angstobjekt par excellence ist und gefährlichen Waffen verschiedener 
Art, auch fressenden, vergiftenden Tieren gleichgesetzt wird, die Vagina un- 
bewußt eine gefahrdrohende Öffnung bedeutet. 45 Diese Gleichsetzungen haben 
sich mir als ein genereller, für die Über-Ich-Bildung grundlegender Mechanismus 
erwiesen. Der Kern des Über-Ichs entsteht nach meinen Erfahrungen durch die 
in der kannibalistischen Phase erfolgende Partialeinverleibung. 46 Die frühen 
Imagines nehmen die Züge an, die ihnen die prägenitalen Triebregungen auf- 
prägen. 47 

Daß das Ich das verinnerlichte Objekt als einen so grausamen Feind des Es 
empfindet, würde sich folgerichtig daraus erklären, daß der vom Ich nach außen 
abgedrängte Destruktionstrieb sich ja gegen das Objekt richtet und daß von 
diesem deshalb nur Feindseligkeit gegen das Es erwartet werden kann. Allem 
Anschein nach ist aber an der Entstehung der — wie mir meine Erfahrungen 
zeigen — sehr frühen und intensiven Angst vor dem verinnerlichten Objekt der 
phylogenetische Faktor mitbeteiligt. Der Vater der Urhorde war die äußere 
„raft, die Triebhemmungen erzwang. 48 Die im Laufe der Menschheitsgeschichte 
erworbene Angst vor ihm würde, wenn die Verinnerlichung der Objekte beginnt, 



44) Abraham schreibt: „Bezüglich des introjizierten Teiles erscheint noch eine 
Bemerkung notwendig. Sie bezieht sich auf die regelmäßige Gleichsetzung des Penis mit 
der weiblichen Brust." (Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. S. 84.) 

4 j) Zum Beispiel die in der psychoanalytischen Literatur häufig berichtete Phantasie 

von der Vagina dentata. ... r . , n u 

46) Ich gehe im nächsten und insbesondere im elften Kapitel darauf ein, daß neben 
der Introjektion phantastisch böser auch die phantastisch guter Imagines vor sich geht, 
und daß nach und nach, je weiter Realitätsanpassung und Über-Idi-Bildung fortschreiten, 
die Imagines sich immer mehr den realen Objekten annähern. In diesem Kapitel handelte 
es sich mir aber darum, ein Bild der Entwicklung des Sadismus und seines Zusammen- 
hanges mit der Über-Ich-Bildung und den frühen Angstsituationen zu geben. 

47) In meiner Arbeit: Frühstadien des Ödipuskonfliktes (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XIV, 
1928) wies ich darauf hin, daß es nicht einleuchtend scheint, „daß ein Kind von zum 
Beispiel vier Jahren in sich das irreale, phantastische Bild fressender, schneidender, 
kastrierender Eltern aufrichten sollte. Es ist aber einleuchtend, daß das zum Beispiel 
einjährige Kind die durch das Einsetzen des Ödipuskonfliktes ausgelöste Angst in Form 
von Aufgefressen- und Zerstörtwerden empfindet. Der Wunsch, das Objekt durch Beißen, 
Fressen, Schneiden zu zerstören, führt eben, weil dieses Objekt zufolge der mit den 
ödipusregungen einsetzenden Introjektion des Objektes zu einem strafenden wird, zur 
Angst, die Strafe in adäquater Weise zu erleiden: das Über-Ich wird ein beißendes, 

fressendes, schneidendes". „,'.«, c oo\ 

48) Siehe Freud: Totem und Tabu (Ges. Sehr., Bd.X, S. 188). 



— i47 — 



zum Teil der Abwehr der Angst dienen, die durch den Destruktionstrieb 
entsteht. 49 

Wir finden in Freuds Schriften zwei — einander teilweise ergänzende — 
Auffassungen über die Über-Ich-Bildung. Die eine Auffassung besagt, daß die 
Strenge des Über-Ichs auf die Strenge des realen Vaters zurückgeht, dessen 
Verbote und Gebote das Über-Ich wiederholt. 50 Aus einigen Hinweisen geht die 
andere Auffassung hervor, daß die Strenge des Über-Ichs eine Auswirkung der 
destruktiven Triebregungen sei. 51 

49) Das Idi würde gewissermaßen seine beiden Feinde, das Objekt und den De- 
struktionstrieb, gegeneinander ausspielen (wobei es allerdings selbst zwischen den beiden 
gegensätzlichen Instanzen in schwerste Bedrängnis gerät). Daß hiebei der gefürchtete 
Vater teilweise zum Schutze gegen den Destruktionstrieb dienen würde, ließe sich viel- 
leicht aus der ebenfalls phylogenetisch erworbenen Bewunderung für die Macht des Vaters 
erklären. Für diese Annahme spricht, daß wir schon beim ganz kleinen Kinde beiderlei 
Geschlechtes neben der Angst vor dem Vater auch die unbegrenzte Bewunderung für seine 
Macht als ein sehr tiefwurzelndes und primäres Gefühl kennenlernen. In dem Maße, als 
die Entwicklung fortschreitet, spielt ja auch das Über-Ich die Rolle eines zwar strengen, 
aber nicht ungütigen Vaters. Freud schreibt: „Und endlich, wenn das Ober- Ich durch 
den Humor das Ich zu trösten und vor Leiden zu bewahren strebt, so hat es damit 
seiner Abkunft von der Elterninstanz nicht widersprochen." (Der Humor. Ges. Sehr 
Bd. XI, S. 408.) 

jo) Freud schreibt, daß das Ich des Kindes sich infolge der Kastrationsdrohung 
vom Ödipuskomplex abwendet. Er setzt fort: „Die ins Ich introjizierte Vater- oder 
Elternautorität bildet dort den Kern des Über-Ichs, welches vom Vater die Strenge ent- 
lehnt, sein Inzestverbot perpetuiert und so das Ich gegen die Wiederkehr der libidinösen 
Objektbesetzung versichert." (Der Untergang des Ödipuskomplexes. Ges. Sehr., Bd. V, 
S. 427.) Ferner: „Seine" (des Über-Ichs) „Beziehung zum Ich erschöpft sich nicht in der 
Mahnung: So (wie der Vater) sollst du sein, sie umfaßt auch das Verbot: So (wie der 
Vater) darfst du nicht sein, das heißt nicht alles tun, was er tut; manches bleibt ihm 
vorbehalten. Dies Doppelangesicht des Ichideals leitet sich aus der Tatsache ab, daß das 
Ichideal zur Verdrängung des Ödipuskomplexes bemüht wurde, ja, diesem Umschwung 
erst seine Entstehung dankt. Die Verdrängung des Ödipuskomplexes ist offenbar keine 
leichte Aufgabe gewesen. Da die Eltern, besonders der Vater, als das Hindernis gegen 
die Verwirklichung der ödipuswünsche erkannt werden, stärkte sich das infantile Ich für 
diese Verdrängungsleistung, indem es dies selbe Hindernis an sich aufrichtete. Es lieh 
sich gewissermaßen die Kraft dazu vom Vater aus und diese Anleihe ist ein außer- 
ordentlich folgenschwerer Akt. Das Über-Ich wird den Charakter des Vaters bewahren, 
und je stärker der Ödipuskomplex war, je beschleunigter (unter dem Einfluß von 
Autorität, Religionslehre, Unterricht, Lektüre) seine Verdrängung erfolgte, desto strenger 
wird später das Über-Ich als Gewissen, vielleicht als unbewußtes Schuldgefühl über das 
Ich herrschen. Woher es die Kraft zu dieser Herrschaft bezieht, den zwangsartigen 
Charakter, der sich als kategorischer Imperativ äußert, darüber werde ich später eine 
Vermutung äußern." (Das Ich und das Es. Ges. Sehr., Bd. VI, S. 378 — 379.) 

ji) Freud schreibt: „Jede solche Identifizierung hat den Charakter einer Desexuali- 
sierung oder selbst Sublimierung. Es scheint nun, daß bei einer solchen Umsetzung auch 
eine Triebentmischung stattfindet. Die erotische Komponente hat nach der Sublimierung 
nicht mehr die Kraft, die ganze hinzugesetzte Destruktion zu binden, und diese wird 
als Aggressions- und Destruktionsneigung frei. Aus dieser Entmischung würde das Ideal 
überhaupt den harten, grausamen Zug des gebieterischen Sollens beziehen." (Das Ich und 
das Es. Ges. Sehr., Bd. VI, S. 400 — 401.) 



Die Folgerungen aus der zweiten Auffassung -wurden in der Psychoanalyse 
nicht gezogen. Die allgemeine Auffassung, die auch zur Basis der Über-Ich- 
Forschung wurde, geht — wie die Literatur zeigt — dahin, daß das Über-Ich 
aus dem Elterneinfluß entstehe. 

Meine Auffassung, die den Einfluß der Tr ieb r e g un g en auf die 
Genese des Über-Ichs in den Vordergrund stellte und betonte, daß 
das Über-Ich sich nicht mit den realen Objekten decke, 62 
ist kürzlich von Freud zum Teil bestätigt worden. 63 

Es scheint mir — ebenso wie ich es für die Frühstadien des Ödipuskonfliktes 
vorschlug — begründet, die frühen Identifizierungen als Frühstadien der 
Über-Ich-Bildung zu bezeichnen. Der Niederschlag dieser Objekt- 
besetzungen macht sich schon auf den frühesten Entwicklungsstufen auf eine Art 
geltend, die sie als Über-Ich charakterisiert, obwohl sie sich qualitativ und in 
ihren Auswirkungen von den Identifizierungen der späteren Stufe unterscheiden. 
So grausam auch dieses unter der Vorherrschaft des Sadismus 
gebildete Über-Ich ist, wird es doch, indem es die Abwehr des Ichs 
gegen den Destruktionstrieb übernimmt, auch schon auf dieser frühen Stufe die 
Instanz, von der die Triebhemmungen ausgehen. 

F e n i c h e 1 führt einige Kriterien an, 64 die die „Vorstufen des Über-Ichs", 
wie er in Anlehnung an einen Vorschlag Reichs 55 die frühen Identifizierungen 
nennt, vom eigentlichen Über-Ich unterscheiden. Sie bestehen lose, unabhängig 
voneinander. Die Einheitlichkeit, die Strenge, der Gegensatz zum Ich, die Un- 
bewußtheit und Machtstärke, die dem Über-Ich als Erben des Ödipuskomplexes 
zukommen, fehlen ihnen. Ich finde diese Unterscheidung Fenichels in mehreren 
'unkten unzutreffend. Gerade das früheÜber-Ich ist nach meinen Er- 



$2) Ich traf mich in dieser Auffassung mit Ernest Jones, Edward G 1 o v er, Joan 
Ri viere und M. Nina Searl, die von verschiedenen Gesichtspunkten aus ebenfalls 
zum Ergebnis kamen, daß das frühkindliche Phantasieleben und die Libidoentwicklung 
einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Über-Ichs nehmen (Symposium on 
Child Analysis. Int. Journ. of Psycho-Analysis, Vol. VIII, 1927)- I± verweise «idvaui 
die Arbeit von Ernest Jones: Ursprung des Über-Ichs (Int. Ztschr. f. PsA., Bd.XU, 
1026), in der er darauf hinweist, daß — „wir allen Grund haben anzunehmen, daß die 
Vorstellung des Über-Ichs ein Knotenpunkt ist, an dem wir ein Zusammentreffen aller 
dunklen Probleme von Ödipuskomplex und Narzißmus einerseits, Haß und Sadismus 
andrerseits erwarten dürfen." 1 

53 ) In Das Unbehagen in der Kultur (S. 110) schreibt Freud: „Die Erfahrung aber 
lehrt, daß die Strenge des Über-Ichs, das ein Kind entwickelt, keineswegs die Str «}S<; der 
Behandlung, die es selbst erfahren hat, wiedergibt." Ferner: op. cit. S. 110: „. . .daß die 
ursprüngliche Strenge des Über-Ichs nicht — oder nicht so sehr — die ist,_d!e man 
von ihm erfahren hat oder die man ihm zumutet, sondern die eigene Aggression gegen 

ihn vertritt." 

$4) Fenichel: Die Identifizierung (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XII, 1926). 
55) Reich: Der triebhafte Charakter (Int. PsA. Verl. 192$). 



— 149 — 



fahrungen von besonderer Strenge, der Gegensatz zwischen Über-Ich 
und Ich ist normalerweise in keiner Lebensperiode so stark wie beim kleinen 
Kinde. Dies erklärt auch, warum auf den frühen Entwicklungsstufen die 
Spannung zwischen Über-Ich und Ich sich vorwiegend als Angst 
fühlbar macht. Ich fand ferner, daß die Gebote und Verbote des Über-Ichs beim 
kleinen Kinde nicht weniger unbewußt sind als beim Erwachsenen, und daß sie 
sich keineswegs mit den Geboten der realen Objekte decken. Berechtigt scheint 
mir die Feststellung Fenichels, daß das Über-Ich beim Kinde noch nicht so 
organisiert sei wie beim Erwachsenen. Aber diese Unterscheidung (die überdies 
keine allgemein gültige ist, da wir bei vielen kleinen Kindern ein konsolidiertes 
Über-Ich, andrerseits bei vielen Erwachsenen ein schwach organisiertes Über-Ich 
finden) scheint mir nur die frühkindliche, im Vergleich zum Erwachsenen weniger 
organisierte Psyche des kleines Kindes zu charakterisieren. Wir wissen ja auch, 
daß das Ich des Kindes im Latenzalter organisierter ist als das des kleineren, 
und nehmen dennoch nicht an, daß das Kind in der ersten Kindheitsperiode kein 
Ich, sondern Vorstufen des Ichs habe. 

Ich habe früher beschrieben, wie in der Phase der Höchstblüte des Sadismus 
die Steigerung des Sadismus zu einer Steigerung der Angst führt. Die Drohungen 
des frühen Über-Ichs gegen das Es enthalten alle Einzelheiten der sadistischen, 
gegen das Objekt gerichteten Phantasien, die auf diese Weise in allen Stücken 
gegen das Ich zurückgewendet werden. Der A n gs t dr u ck auf dieser frühen 
Stufe entspricht also quantitativ dem Ausmaße des Sadismus, 66 
qualitativ der Vielheit und Reichhaltigkeit der sadisti- 
schen Phantasien. 

Die schrittweise Überwindung des Sadismus und die Bewältigung der Angst 57 
geht von der fortschreitenden Libidoentwicklung aus. Aber auch das Übermaß 
der Angst^ wirkt als Antrieb zu ihrer Überwindung. Die Angst trägt dazu bei, 
daß die einzelnen erogenen Zonen sich nacheinander verstärken und zur Vor- 
herrschaft drängen. Die Führung der oral- und urethralsadistischen Triebregungen 
wird durch die der analsadistischen abgelöst. Da die der früheren analsadisti- 
schen Stufe eigenen Mechanismen (so gewaltsam sie auch sind) schon im Dienste 
der Abwehr der auf den früheren Abschnitten dieser Phase ausgelösten Angst 
stehen, erweist sich die Angst, die einerseits ein entwicklungs- 
hemmender Faktor par excellence ist, zugleich auch als ein die 
Sexual- und Ichent wicklung" förderndes Moment von 
grundlegender Bedeutung. 

nJ% S !t% K »l in L FV ^irr AnSStsku * ti0nen im S P ie S el künstlerischer Darstellungen 
(Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVII, 193 1). 

$7) Ich gehe hierauf, im nächsten Kapitel ein. 

jS) Ich gehe auf die Bedeutung der Angst für die Ichentwicklung im Kap. X ausführ- 
11 eher ein. 

1 — i5o — 



Auf dieser Stufe sind die Wege der Abwehr überaus gewaltsam, da sie zu 
dem Übermaß des Angstdruckes im Verhältnis stehen. Wir wissen, daß es das 
a ls feindlich empfundene, dem Kot gleichgestellte Objekt ist, das auf der früheren 
analsadistischen Stufe ausgestoßen wird. Meiner Auffassung nach ist es aber 
schon das in der oralsadistischen Phase introjizierte angsterregende Üb er -Ich, 
das auf der früheren analsadistischen Stufe zur Ausstoßung gelangt. Die 
Ausstoßung ist somit das Mittel der Abwehr, das das von Angst überwältigte 
Ich gegen das Über-Ich anwendet. Es stößt die verinnerlichten Objekte aus und 
projiziert sie zugleich in die Außenwelt. Die Mechanismen der Projektion und 
Ausstoßung stehen demnach in inniger Verbindung mit dem Prozeß der Über- 
ich-Bildung. Ebenso wie das Ich in der Abwehr gegen das Über-Ich eine 
gewaltsame vernichtende Ausstoßung anstrebt, sucht es sich auch der destruktiven 
Triebregungen durch gewaltsames Hinausdrängen zu entledigen. Freud 
hält den Begriff der Abwehr für angebracht als „allgemeine Bezeichnung für 
alle die Techniken..., deren sich das Ich in seinen eventuell zur Neurose 
führenden Konflikten bedient, während Verdrängung der Name einer bestimmten 
solchen Abwehrmethode bleibt, die uns infolge der Richtung unserer Unter- 
suchungen zuerst besser bekannt worden ist". Die Möglichkeit, „...daß die 
Verdrängung ein Prozeß ist, der eine besondere Beziehung zur Genitalorganisation 
der Libido hat, daß das Ich zu anderen Methoden der Abwehr greift, wenn 
es sich der Libido auf anderen Stufen der Organisation zu erwehren hat . . .", 
hebt Freud ausdrücklich hervor. 60 Meine Auffassung findet ferner eine Stütze 
in den Forschungen Abrahams, der darauf hinweist, „daß die letztere" 
(der zweiten analen Stufe eigene) „konservative Tendenz, welche dem Objekt 
Schonung angedeihen läßt, durch den Prozeß der Verdrängung aus der ur- 
sprünglichen destruktiven Triebrichtung entstanden ist..." 61 

Abraham schreibt über die Grenzscheide der beiden sadistisch analen 
Stufen: 62 „Schätzen wir die Grenzscheide der beiden sadistisch analen Stufen 
als so bedeutungsvoll ein, so befinden wir uns im guten Einklang mit der her- 
kömmlichen ärztlichen Erfahrung. Denn unsere aus der psychoanalytischen 
Empirie gewonnene Scheidung fällt praktisch zusammen mit der Abgrenzung 
von Neurosen und Psychosen in der klinischen Medizin. Nur werden wir nicht 
versuchen, eine starre Unterscheidung nervöser und geistiger Störungen durch- 
zuführen. Vielmehr sind wir gewärtig, daß die Libido eines Menschen in 
regressiver Entwicklung die Grenze der beiden sadistisch analen Stuf en über- 
schreiten werde, sobald ein entsprechender Kra nkheitsanlaß gegeben sei und 

59) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S.106). 

60) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 65). 

61) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido, S. 15. 

62) Araham: Ebenda, S. 20. 



— i5i — 



wenn bestimmte, in der individuellen Entwicklung seiner Libido entstandene 
Fixierungspunkte dazu die Möglichkeit bieten." Wir wissen, daß der Normale 
sich vom Neurotiker nicht durch strukturelle, sondern nur durch quantitative 
Momente unterscheidet. In den eben angeführten Sätzen faßt A b r a h a m den 
Unterschied zwischen dem Psychotiker und dem Neurotiker auch nur als einen 
gradweisen auf. Meine psychoanalytische Arbeit am Kinde hat mir nicht nur 
bestätigt, daß die Fixierungspunkte für die Psychosen in die Entwicklungsstadien 
fallen, die der zweiten analen Stufe vorausgehen, sondern auch erwiesen, daß 
diese Fixierungspunkte ebenfalls beim Neurotiker und Normalen — wenn auch 
in schwächerem Maße — vorliegen. 

Wir wissen, daß die Angstquantitäten beim Psychotiker wesentlich größer 
sind als beim Neurotiker. Die Entstehung einer so überwältigenden Angst auf 
einer so frühen Entwicklungsstufe (in die nach Freuds und Abrahams 
Forschungen die Fixierungspunkte für die Psychosen fallen) scheint aber bisher 
nicht erklärt. Daß diese ungeheure Angst sich etwa aus der Umsetzung un- 
befriedigter Libido herleiten könnte, ist nach den neueren Resultaten Freuds 
in „Hemmung, Symptom und Angst" nicht anzunehmen. Die phantastische 
Angst, von den Eltern gefressen, zerschnitten, getötet zu werden, kann keine 
Realangst sein. Wenn wir aber annehmen, daß diese übermäßige Angst nur eine 
Auswirkung intrapsychischer Vorgänge sein kann, so stünde diese Auffassung 
meiner Annahme nahe, daß die Angst der frühen Entwicklungsstufen durch die 
destruktiven Triebregungen und das frühe Über-Ich verursacht wird. 

Der Druck, mit dem das Über-Ich auf einer frühen Entwicklungsstufe die 
destruktiven Tendenzen abwehrt und der in Ausmaß und Qualität mit den 
sadistischen Phantasien korrespondiert, wirkt sich meiner Auffassung nach in 
frühesten Angstsituationen aus. Diese stehen in enger Beziehung zu den ver- 
schiedenen Abschnitten der vom Sadismus beherrschten Phase. Sie lösen bestimmte 
Abwehrmechanismen im Ich aus und haben meiner Erfahrung nach sowohl für 
den Charakter der psychotischen Erkrankung als auch für die Entwicklung im 
allgemeinen spezifische Bedeutung.» Bevor ich aber den Versuch unternehme, die 
Beziehung zwischen den frühen Angstsituationen und dem spezifischen Charakter 
psychotischer Erkrankungen zu untersuchen, muß ich zunächst darauf eingehen, 
wie sich Über-Ich-Bildung und Entwicklung der Objektbeziehung zueinander 
verhalten. 

Die Annahme, daß der Kern des Über-Ichs auf einer so frühen, der Realität 
noch so fernen Stufe der Ichentwicklung sich bildet, wirft ein neues Licht auf 
die Entwicklung der Objektbeziehung. 

63) Freud schreibt: „Möglicherweise bestehen auch engere Beziehungen zwischen 
der wirksamen Gefahrsituauon und der Form der auf sie folgenden Neurose." (Hemmung, 
Symptom und Angst. Ges. Sehr., Bd. XI, S. 84—85.) S 

1^2 



Der Umstand, daß das Bild der Objekte von den eigenen sadistischen Trieb- 
regungen verzerrt wird, hat auch zur Folge, daß nicht nur der Einfluß der 
realen Objekte und der Objektbeziehung auf die Über-Ich-Bildung - im Ver- 
gleich zu der bisherigen Annahme - in ein anderes Licht gerückt wird, sondern 
daß die Bedeutung der Über-Ich-Bildung für die Objekt- 
beziehung wächst. 

Wenn die Introjektion der — zunächst allerdings nur in vagen Umrissen 
durch die Organe repräsentierten — Objekte begonnen hat, so setzt, wie ich 
früher nachzuweisen versuchte, die Angst vor den intro jizierten 
Objekten die Mechanismen der Ausstoßung und Projektion in 
Gang. Es kommt nun zu einer Wechselwirkung zwischen Projek- 
tion und Introjektion, die sowohl für die Über-Ich-Bildung 
wie auch für die Entwicklung der O b j ek t b e zieh un g und Realitäts- 
anpassung von grundlegender Bedeutung ist. Der fortgesetzte, stetige 
Antrieb zur Projektion der angsterregenden Identifizierungen auf das Objekt 
wirkt sich allem Anschein nach in dem verstärkten Antrieb zu immer wieder 
erneuter Introjektion des Objekts aus und wird so ein bestimmender Faktor 
auch für die Entwicklung der Objektbeziehung. 64 

Die Wechselwirkung zwischen Objektbeziehung und Über-Ich äußert sich, 
wie mir scheint, auch in der Tatsache, daß die Methoden, die das Ich dem Objekt 
gegenüber anwendet, auf allen Entwicklungsstufen mit denjenigen korrespon- 
dieren, die das Über-Ich dem Ich, das Ich dem Über-Ich und dem Es gegenüber 
in Anwendung bringt. Die Abwehr der Angst vor gewalttätigen, introjizierten 
und äußeren Objekten führt in der vom Sadismus beherrschten Phase zu ver- 
stärkter — in der Phantasie vorgenommener — Zerstörung des Objekts. Die 
Beseitigung des Objekts würde demnach teilweise dem Bestreben dienen, die 
unerträglichen Drohungen des Über-Ichs zum Schweigen zu bringen Diese 
Reaktion setzt die Ingangsetzung des Projektionsmechanismus nach zwei Seiten 
voraus. Das Ich setzt das Objekt an Stelle des Über-Ichs, von dem es sich 
befreien möchte. Das Objekt vertritt aber auch das Es, dessen sich das Ich eben- 
falls zu entledigen strebt. Auf diese Weise vermehren sich die dem Objekt 
geltenden primären Haßquantitäten um die dem Es und dem Über-Ich 
geltenden. 65 Es scheint, daß bei Individuen, bei denen die frühen Angstsituationen 



64) Freud schreibt: „Es" (das Ich) „nimmt die dargebotenen Objekte .insofern sie 
Lustquellen sind, in sein Ich auf, introjiziert sich dieselben (nach dem Ausdruck Ferenczis) 
und stößt andrerseits von sich aus, was ihm im eigenen Innern Unlustanlaß wird. (Siehe 
später den Mechanismus der Projektion.)« (Triebe und Tnebschicksale. Ges. Sehr., Bd. V, 

^Hj) Theodor Reik hat in seiner Arbeit (enthalten in: Der Schrecken. Int. PsA. 
Verl., 1927) ausgeführt, daß die Angst den Haß steigert. 



- i53 - 



überstark sind und die die Abwehrmechanismen dieser frühen Stufe beibehalten 
haben, die A n g s t vor dem Üb er- Ich (wenn sie aus äußeren oder intra- 
psychischen Gründen ein gewisses Maß überschreitet) zur Vernichtung 
des Objekts treibt und so die Grundlage für die Entwicklung zum Ver- 
brecher bildet. 68 In der überstarken Wirksamkeit dieser frühen Ang 3t - 
situationen sehe ich auch einen grundlegenden Faktor für die SchizV 
phrenie. Ich kann für diese Auffassung in diesem Rahmen nur einige Hin- 
weise geben. Die Projektion des angsterregenden Über-Ichs auf das Objekt 
verstärkt, wie ich hervorhob, den Haß gegen das Objekt und somit auch die 
Angst vor diesem. Sie verwandelt, wenn Aggression und Angst überstark sind 
auch die Außenwelt in eine Stätte des Schreckens und die Objekte in Feinde' 
Die Verfolgung droht nun nicht nur von den i n t r o j i z i e r t e n Feinden" 
sondern auch von der Außenwelt. Ist die Angst übermäßig, oder ist 
das Ich unfähig, sie zu ertragen, so versucht es, sich der Angst vor 
den äußeren Feinden durch Einstellung der Projektions- 
mechanismen zu entziehen. Damit wird zugleich die weitere Introjektion 
der Objekte und die Weiterentwicklung der Realitätsbeziehung gestört. 67 .«« 
Das Individuum wäre um so stärker der Angst vor dem introjizierten Objekt 
ausgeliefert. Diese Angst beinhaltet Angriffe und Beschädigungen verschiedener 
Art durch einen unentrinnbaren Feind im Leibesinnern und 
ist allem Anschein nach auch eine der tiefsten Quellen der Hypochondrie 
Das Übermaß dieser Angst, die nicht der Verarbeitung und Verschiebung zu- 
zuführen ist, löst offenbar besonders gewaltsame Abwehrmethoden aus. Die 
Störung des Projektionsmechanismus scheint auch mit der Negierung der intra- 
psychischen Realität 69 einherzugehen, etwa derart, daß nicht nur die Angst- 






tivÄ-Xr • " frUh , eSt , en Stufen der Entwicklung die Angst die destruk- 

tiven Triebregungen steigert und dazu treibt, das gefährliche Objekt zu zerstören und 
zu beseitigen, so wurden wir die Erforschung des Seelenlebens des Verbrechers und 
«SrtenTaben SS£n * ""' ™ ^ A ° alySe dieSer tIefsten Seelenschichten zu 

'i^iSl^lw^r** del Symb ° MdUnS fÜf di£ ^«Wicklung (In, 

68) Melitta S chmi d e b er g hat darauf hingewiesen, daß in der Schizophrenie die 

Absperrung von der Außenwelt mittels der Flucht zum guten inneren Objekt durchgeführt 

wird indemdie Projektion aufgegeben und die Liebe zum inneren Objekt naSsch 

ztentXTThT^Vp' ^- St T^ bÖS6n W^? «* P- °Sten 
of pÄÄ k ° f l^T M t Aanis ™ in Cultural Development. Int. Journ. 

an/n ? • ? ' T 930 ' m /A Con r butl0n t0 the Psychologe °f Persecutory Ideas 
and Delusions. Int. Journ. of PsA., Vol. XII, 193 1.) 

frÄ!X- CZl ^ d " au j- ^S^esen daß die volle Ableugnung der Realität eine ganz 
frühe Reaktionsweise der Psyche ist und daß die Fixierungspunkte für die Psychosen in 
diesem ganz frühen Entwicklungsstadium liegen dürften. (Entwickluugsstufen dt w" rk " 
hchkeitssmnes. Int. Ztschr. f . PsA., Bd. I, 1913.) 

— i5j — 



- 



a u e 1 1 e, sondern aucii der A n g s t a f f e k t n e g i e r t, 7 ° gewissermaßen aus- 
geschaltet wird. 71 Eine Reihe von Erscheinungen, die zum Krankheitsbilde der 
Schizophrenie gehören, ließen sich aus dem Bestreben des Kranken, den inneren 
Fe ind abzuwehren, zu beherrschen, zu bekämpfen usw. erklären. Zum Beispiel 
könnte demnach die K a t a t o n i e als Versuch aufgefaßt werden, das int re- 
jizierte Objekt zu lähmen, unbeweglich zu erhalten, und so unschädlich 

zu machen. 72 . , 

Dem frühesten Abschnitt der vom Sadismus beherrschten Phase entspricht 
der gewalttätige Charakter der Angriffe auf das Objekt. In einem späteren 
Abschnitt dieser Phase, der mit der früheren analen Stufe zusammenfällt und in 
dem die analsadistischen Triebregungen die Führung übernehmen, dominieren 
die geheimen, mit vergiftenden, explosiven Waffen unternommenen Angriffe: 
die Exkremente stellen nun Gi f t s to f f e dar." Diese Phantasien, in 
denen die Fäzes in Verfolger 7 * gegen die Objekte umgeschaffen und 
durch eine Art Magie (in der ich die Grundlage der schwarzen Magie sehe) 
auf geheime und versteckte Art in den Anus (und in andere Körperöffnungen) 
der Objekte hineinbefördert 75 und in deren Leibesinnern belassen werden, losen 



70I Nach Melitta Schmideberg dient das Negieren des Angstaffektes zum Teil 
dazu ^rejizierte Objekt, dem k Affekte gleichgesetzt werden, - Verden 
(A Contribution to the Psychology of Persecutory Ideas and Delusxons. Int. Journ. or 
PsyAo-Analysis .VimwT ^ ^ ^^ ZtsAr . , PsA ., B L XII 

lozfl hat für diesen Abwehrmechanismus die Bezeichnung Skotomisation vorgeschlagen 
und auf die Bedeutung der Skotomisation für die Schizophrenie hingewiesen. 

7 ») Nach Melitta Schmideberg wird die Katatonie als Totsein empfand en, 
um den verschiedenen gefürchteten Angriffen von innen und außen zu entgehe* Jm4 

7 ,1 Siehe Klein: Die Bedeutung der Symbolbildung für die Ich-Entwicklung 
Hnt Ztschr f PsA., Bd. V, 1930), ferner: A Contribution to the Theory of Intel ectua 
biHbition (Int. turn, of Psycho- Analysis, Vol. XII, l 9 W ~ Kürzlich hat Fenichel 
über "espiratorsche Introjektion. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVII, 1931) über sadistische 
Kantaten berichtet in denen „die Exekutive des Tötens den Exkrementen übertragen 
SäJ^SÄiU -rgiftender Fäzes und vergiftendem Urin). &£*£%£ 
hatten die Angst/durch Exkremente vergiftet zu werden zur Folge. Femchels Aus 
fXungen scheinen mir eine Bestätigung der Ergebnisse zu sein, zu denen ich m den oben 

^.rwlr^n'dur-di van Ophuisen: (Ober die Quelle der Empfindung des Ver- 

folgäerlns .T, Ztsch, f . PsA., V VI, ,„.] I und Stärcke: (Die Umkehrung des 

Libidovorzeichens beim Verfolgungswahn. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. V, 1919). d f in 1 er 

Paratia der .Verfolger sich auf die unbewußte Vorstellung von einem Skybalum im 

Darm des Kranken zurückführen läßt, das mit dem Penis des Verfolgers gleidigesetz 

wird « Icn fand, daß die Angst vor dem .Stuhlstück als Verfolger' letzten Endes auf de 

sadistischen Phantasien, in denen Urin und Fäzes als vergiftende, zerstörende Angnffs- 

waffen gegen den Mutterleib verwendet werden, zurückgeht. j >' -• 

warten |egen dag ^ ^^ ^^ ^ p dad urch Menschen 

krank macht oder tötet, daß er in ihren Körper Exkremente oder deren Ersatz hinan- 
zaubert. (Nach dem Tode des Urvaters. Imago, Bd. IX, 1923O 



- x55 - 



die A n g s t vor den e i g e n e n E x k r e m e n t e n (als für den eigenen Kör Per 
gefährlichen und beschädigenden Stoffen) wie auch vor den ein verleib t e 
Exkrementen der Objekte aus (da von diesen die gießen geheimen 
Angriffe mittels gefährlicher Exkremente erwartet werden). Sie bilden ein 
Grundlage für die Angst vor vielen Verfolgern im Leibesinnern sowie auch für 
die Vergiftungsangst und hypochondrische Befürchtungen. 

Diese Phantasien erhöhen aber auch die angsterregende Wirkung der Gleich 
setzung vom introjizierten Objekt mit Kot- Denn das introjizierte Objekt wird 
um so gefährlicher, weil es dem vergiftenden, gefährlichen Skybalum gleich 
gesetzt wird. Die infolge der urethralsadistischen Triebregungen als gefähr 
lieh (brennend, schneidend, vergiftend) phantasierte Beschaffenheit des Urins 
bereitet aber auch den Boden vor für die unbewußte Auffassung des Penis 
als eines sadistischen O r g a n s und damit auch für die Angst vor dem 
gefährlichen vennnerlichten Penis des Vaters (des Verfolgers)." Auf diese Weise 
erhöht die sadistische, in der Phantasie erfolgende Umschaffung der Exkremente 
in gefahrliche Stoffe die Angst vor dem verinnerlichten Verfolger 

In der Phase, in der die Angriffe mittels der vergifteten Exkremente 
dominieren, wird entsprechend den reichhaltigeren und raffinierteren Mitteln des 
Sadismus auch die Angst vor analogen, von den introjizierten und äußeren 
Objekten erwarteten Angriffen vervielfältigt. Sie steigert auch die Wirksamkeit 
der Projektionsmechanismen zum Höchstmaße. Die Angst wird aus 
gebreitet und in der Außenwelt auf viele Objekte und Gefahrquellen 
verteilt. Es werden nun von einer Vielzahl von Verfolgern™ in der 
Außenwelt Angriffe befürchtet, und der geheime und listige Charakter der 
erwarteten Angriffe führt zu einer verschärften, mißtrauischen Beobachtung der 
Außenwelt und so zu einer gesteigerten, wenn auch einseitig verschobenen 
Reahtatsbeziehung. Die A n gs t vor dem in t r o j i zier t en Objekt wirkt 
als stetiger Antri eb zur Projektion. 

rv2 £ ^ a H ^ m *" aus S efü *"> daß das gehaßte Objekt dem Kot gleichgesetzt wird 
fVenuA einer Entwicklungsgeschichte der Libido.) Siehe auch R? h T Äa* dem 

"ei. ICSKÄffiatS 1 Simmel (D ° kt0rSpH ""■ÄÄW 

jfS -iiSSÄ^gr,^ Theory of wiectuai ****• **■ 

7») Außer dieser analsadistischen Grundlage (die Vielzahl der v^rfnU^A v ^ 
zur Angst vor vielen Verfolgern bei PemSSCn aus S esta "« lst > 

- xS6 - 



Ich sehe die Fixierungsstelle für die Paranoia in dem Abschnitt der 
Phase der Höchstblüte des Sadismus, in dem die Angriffe auf den 
Mutterleib und den dort vorausgesetzten Penis des Vaters mittels 
der vergiftenden gefährlichen Exkremente erfolgen. 79 Beziehungs- 
und Verfolgungswahn scheinen mir in diesen Angstsituationen ihre Quelle zu 

haben. 80 . 

Die Angst vor dem introjizierten Objekt wäre meiner Auffassung nach ein 
Antrieb zur Projektion dieser Angst in die Außenwelt. 81 Dabei werden Organe, 
Objekte, Fäzes und Dinge, ferner das verinnerlichte Objekt dem äußeren 
gleichgezetzt und zugleich die Angst vor dem äußeren Objekt durch Gleich- 
setzung der äußeren Objekte untereinander auf eine Vielzahl von Objekten 

verteilt. 82 » 83 

Diese für eine frühe Entwicklungsstufe charakteristische zum Teil auf Angst 
beruhende Beziehung zu einer Vielzahl von Objekten scheint mir ein weiterer 
Schritt auf dem "Wege zur Objektbeziehung und Realitätsanpassung zu sein, 
da ja die ursprüngliche Objektbeziehung nur ein einziges Objekt (die Mutter- 



79 ) Vgl. meine Arbeit: Die Bedeutung der Symbolbildung für die Ichentwicklung. 
Diese Auffassung stimmt mit den Ergebnissen Abrahams überein, daß beim Para- 
noiker die Libido auf die frühere anale Stufe regrediert, da die von mir angenommene 
Phase der Höchstblüte des Sadismus durch die oralsadistischen Triebregungen eingeleitet 
wird und mit dem Abklingen der frühen analen Phase abschließt. Der hier beschriebene 
Abschnitt dieser Phase, den ich für grundlegend für die Paranoia halte, fällt somit unter 
die Vorherrschaft der früheren analen Stufe. Meine Auffassung stellt eine Ergänzung 
der Forschungen Abrahams dar, in dem sie für diese Phase das höchstgesteigerte 
Zusammenwirken der verschiedenen Mittel des Sadismus, insbesondere auch neben dem 
oralsadistischen die grundlegende Bedeutung der urethralsadistischen Regungen hervorhebt 
und Einzelheiten über den Aufbau der Phantasien erbringt, in denen die analsadistischen 
Triebregungen der früheren Stufe sich auswirken. 

80) Seither hat Melitta Schmideberg über zwei Fälle berichtet, in denen die 
wahnhaften Verfolgungs- und Beziehungsideen auf diese Angstsituationen zurückgingen. 
(A Contribution to the Psychology of Persecutory Ideas and Delusions. Int. Journ. of 
Psycho-Analysis, Vol. XII, 1931.) 

81) Die Zerstörungswünsche gegen die durch Organe vertretenen Objekte losen Angst 
vor den Organen und den Objekten aus. Diese Angst trägt neben dem libidinösen Interesse 
zur Gleichsetzung dieser Organe mit anderen Dingen bei und treibt dann von den durch 
diese Gleichsetzung zu Angstobjekten verwandelten Dingen weg zu immer neuen und 
anderen Gleichsetzungen und damit zur Entwicklung der Symbolik. (Siehe Klein: Die 
Bedeutung der Symbolbildung für die Ichentwicklung. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. V, 1930.) 

82) "Wie F e r e n c z i gezeigt hat, sucht das kleine Kind mittels der Identifizierung 
— der Vorstufe der Symbolik — seine Organe und Tätigkeiten in jedem Ding wieder- 
zufinden. (Zur Augensymbolik.) 

83) Nach Ernest Jones (Die Theorie der Symbolik. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. V, 191 9) 
ermöglicht das Lustprinzip den Vergleich zweier sonst ganz verschiedener Dinge auf 
Grund einer interessebetonten Ähnlichkeit. Diese Auffassung betont die Bedeutung des 
libidinösen Interesses als eines grundlegenden Faktors für die Identifizierung und die 
Symbolik. 



- xfy - 



brüst == Mutter) beinhaltet. Diese Objekte befinden sich nun aber in der Phan- 
tasie des kleinen Kindes an jener Stätte, die der vornehmste Gegenstand der 
destruktiven und libidinösen Triebregungen, zugleich aber auch die des ein- 
setzenden Wißtriebes ist — nämlich im Innern des Mutterleibes. 
Indem der sich steigernde Sadismus sich des Innern des Mutterleibes bemächtigt," 
wird dieser zur Repräsentanz des Objektes, zugleich aber auch der Außenwelt 
und Realität. Auch ursprünglich fällt ja das durch die Brust repräsentierte Objekt 
mit der Außenwelt zusammen; nun aber stellt der Mutterleib Objekt und Außen- 
welt in erweitertem Sinne dar, denn er wird zur Stätte, welche die (auf Grund 
der Ausbreitung der Angst) vervielfältigten Objekte enthält. Somit stellen die 
auf den Mutterleib gerichteten sadistischen Phantasien eine grund- 
legende Beziehung zur Außenwelt und Realität her. Die 
Aggression und die aus ihr resultierende Angst sind demnach eine der Grund- 
lagen der Objektbeziehung. Zu gleicher Zeit aber ist die Libido am Werke und 
beeinflußt die Objektbeziehung. Die libidinösen Beziehungen zu den Objekten 
und die Einflüsse der Realität bilden ein Gegengewicht gegen die Angst vor 
inneren und äußeren Feinden. Der Glaube an gütige, helfende Gestalten, der 
auf der Wirksamkeit der Libido beruht, 8 * läßt die realen Objekte immer stärker 
hervortreten und die phantastischen Imagines zurücktreten. Die Wechsel- 
wirkung zwischen Üb e r- I ch-B il dun g und Objektbeziehung-, 
die auf der Wechselwirkung von P r o j e k t i o n und I n t r o j e k t i o n beruht,' 
beeinflußt grundlegend die Entwicklung. Auf den frühesten Stufen bewirkt die 
Projektion der angsterregenden Imagines in die Außenwelt, daß diese als eine 
Stätte von Gefahren, die Objekte als Feinde empfunden werden. Die gleich- 
zeitig erfolgende Introjektion der realen, gütigen Objekte wirkt aber dem Druck 
der angsterregenden Imagines entgegen und trägt dazu bei, diesen Druck zu 
mildern. In diesem Lichte betrachtet, wäre dieÜber-Ich-Bildung sowohl 
wie auch die Objektbeziehung und die Realitätsanpassung das 
Resultat der Wechselwirkung zwischen der Projektion der eigenen 
sadistischen Antriebe und der Introjektion der Objekte. 



84) Siehe Klein: Die Rollenbildung im Kinderspiel (Int. Ztschr. f . PsA. Bd XV 
1929). 

— i58 — 



NEUNTES KAPITEL 

Beziehungen zwischen der Zwangsneurose und den 
Frühstadien der Uber-Ich-Bildung 

In meinen bisherigen Ausführungen habe idi mich mit den Inhalten und Aus- 
wirkungen der frühen Angstsituationen befaßt. Im folgenden will ich näher 
darauf eingehen, in welcher Weise diese Angstsituationen durch die Einwirkung 
der Libido und die Beziehung zu den realen Objekten modifiziert werden. 

Die orale Versagung führt zur Suche nach neuen Lustquellen. 1 Das Mädchen 
wendet sich von der Mutter ab. Der Penis des Vaters wird nun das zunächst 
orale Objekt der Befriedigung, wobei sich aber auch schon genitale Strebungen 
geltend machen 2 . 

Auch beim Knaben ergibt sich aus der oralsaugenden Position infolge der 
Gleichsetzung von Mutterbrust und Penis eine positive Beziehung zum Penis des 
Vaters. 3 Die oralsaugende Fixierung an den väterlichen Penis hat sich mir als ein 
grundlegender Faktor für die echte Homosexualität erwiesen. 4 Normalerweise 
wirken beim Knaben dieser Fixierung an den väterlichen Penis die aus den 
beginnenden ödipusstrebungen resultierenden Gefühle von Haß und Angst ent- 
gegen. 5 Bei geglückter Entwicklung bildet die positive Beziehung zum Penis des 

i) Edward Glover wies darauf hin, daß die Versagung ein die Entwicklung 
förderndes Moment ist (Notes on Oral Charakter-Formation. Int. Journ. of Psycho- 

Analysis. Vol. VI, 1925)- , . , T «j vtt 

2) Siehe Klein: Die psychologischen Grundlagen der Frühanalyse (Imago, üd. XII, 
1926) und Frühstadien des Ödipuskonfliktes (Int. Ztschr. f . PsA., Bd. XIV, 1928). 

3) R6heim hat in seiner Arbeit: Nach dem Tode des Urvaters (Imago, Bd. IX, 
1923) ausgeführt, daß der Urvater für die Söhne — indem sie seine Leiche verzehrten — 
die Bedeutung der nährenden Mutter annahm. Sie übertrugen dadurch die Liebe, die sie 
bis dahin nur für die Mutter empfunden hatten, auch auf den Vater. Auf diese Weise 
wurde in die bis dahin rein negative Beziehung zum Vater ein positives Element eingeführt. 

4) Vgl. Freud: Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci (Ges. bchr., 
Bd. IX, S. 398). — Ich gehe auf diese Entwicklungsvorgänge in Kapitel XII (bei Be- 
sprechung der Sexualentwicklung des Knaben) ausführlicher ein. _ 

5) Die Gründe dieses Übergangs von Vorliebe zu Abneigung illustriert folgender 
Vorgang, den ich gelegentlich beobachtete. Ein kleiner Knabe zeigte in den der Ent- 
wöhnung folgenden Monaten eine Vorliebe für Fischspeisen, zugleich aber auch ein 
starkes allgemeines Interesse für Fische. Im Alter von einem Jahr beobachtete er oft mit 
gespannter - deutlich lustvoller - Aufmerksamkeit, wie die Mutter in der Küche den 
Fisdi tötete und zum Kochen vorbereitete. Bald darauf entwickelte der Knabe eine 
lebhafte Abneigung gegen Fischspeisen, die sich auf den Anblick von Fischen ausdehn e 
und zu einer Fischphobie steigerte. Auf Grund zahlreicher Darstellungen dieser Art in 
Frühanalysen, die Angriffe gegen Fische, Schlangen .Eidechsen usw als Angriffe gegen 
den väterlichen Penis erscheinen lassen, glaube ich das Verhalten des Kindes erklaren 
zu können. Die Tötung des Fisches seitens der Mutter befriedigte sehr stark die sadisti- 
schen, gegen den väterlichen Penis gerichteten Triebregungen und loste demzufolge die 
Angst vor dem Vater, respektive dessen Penis aus. 

— i5g — 



I 

Vaters die Grundlage für ein gutes Verhältnis zum eigenen Geschlecht und 
ermöglicht zugleich eine volle heterosexuelle Entwicklung. Die oralsaugende 
Beziehung zum väterlichen Penis, die beim Knaben unter ge- 
wissen Umständen zur Grundlage der Homosexualität wird, leitet 
beim Mädchen normalerweise die heterosexuellen Strebungen und den 
ö d i p u s k o n f 1 i k t ein. Mit der Zuwendung zum Vater (beziehungsweise beim 
Knaben der neuerlichen Zuwendung zur Mutter als genitalem Liebesobjekt) wird 
dem libidinösen Begehren ein neues Ziel gesetzt; das Genitale macht sich geltend. 
Ich fand, daß alle prägenitalen Positionen und auch die genitale Stufe schnell 
nacheinander in jener frühen Entwicklungsphase besetzt werden, die ich als Phase 
der Höchstblüte des Sadismus bezeichnete. Was dann erfolgt, ist ein Ringen der 
Libido mit den destruktiven Triebregungen, durch das die Libido schrittweise ihre 
Positionen befestigt. 

Neben der Polarität von Destruktionstrieb und Libido scheint 
die Wechselwirkung zwischen den beiden Triebarten ein grundlegender 
Faktor für die Dynamik der seelischen Abläufe zu sein. Die unlösliche Ver- 
bindung zwischen Destruktionstrieb und Libido stellt diese weitgehend unter die 
Herrschaft der destruktiven Triebe. Der vom Todestrieb beherrschte Kreislauf, 
der dahin wirkt, daß die Aggression Angst auslöst und die Angst die Aggression 
verstärkt, wird durch die Einwirkung der Libido durchbrochen, wenn sie an 
Kraft gewinnt. Der Lebenstrieb muß seine Kräfte zum Höchstmaß anspannen, 
um sich auf den frühen Entwicklungsstufen gegen den Todestrieb zu behaupten. 
Diese Notwendigkeit stimuliert aber die S e x u a 1 e n t w i c k 1 u n g. 

Da die genitalen Regungen lange verdeckt bleiben, wird das Fluktuieren und 
Ineinandergehen der Entwicklungsphasen, die das Resultat zwischen dem Wider- 
streit der destruktiven und libidinösen Regungen sind, undurchsichtig. Das deut- 
liche Hervortreten der uns bekannten Organisationsstufen entspräche meiner Auf- 
fassung nach den Positionen, die die Libido in ihrem Kampfe gegen den Destruk- 
tionstrieb errungen und befestigt hat, zugleich aber - da neben der Polarität 
zwischen Libido und Aggressionstrieb auch deren unlösliche Legierung besteht — 
auch dem fortschreitenden Ausgleich zwischen beiden Komponenten. 

Von dem ausschweifenden Sadismus, den wir in den Analysen der tiefsten 
Seelenschichten aufdecken, ist beim kleinen Kinde verhältnismäßig nur wenig zu 
beobachten. Meine Auffassung, daß das Kind auf den frühesten Entwicklungs- 
stufen durch eine Phase der Höchstblüte des Sadismus auf allen Quellgebieten geht, 
ist ja nur eine Weiterführung der bisherigen gesicherten psychoanalytischen Er- 
kenntnis, daß einer Stufe des oralen Sadismus (Kannibalismus) eine Stufe des 
analen Sadismus folgt. Die kannibalistischen Tendenzen finden aber auch keinen 
ihrer psychischen Bedeutung entsprechenden Ausdruck beim kleinen Kinde, denn 
normalerweise bekommen wir nur verhältnismäßig schwache Anzeichen der Zer- 



— x6o — 



Störungstendenzen dem Objekt gegenüber, nur „Abkömmlinge" dieser Phantasien 
zu sehen. Die Annahme, daß diese ausschweifenden, auf einer ganz frühen Ent- 
wicklungsstufe ausgelösten Phantasien niemals bewußt werden, könnte wohl zur 
Erklärung des Phänomens beitragen, daß das Kind den realen Objekten gegenüber 
die sadistischen Antriebe nur abgeschwächt zum Ausdruck bringt. Hiezu kommt 
noch die frühe Entwicklungsstufe des Ichs, auf der diese Phantasien einsetzen, und 
die noch unentwickelte, vorwiegend phantastische Realitätsbeziehung. Ein 
weiterer Grund dürfte wohl auch in dem Größen- und Kräfteverhältnis des Kindes 
im Vergleich zum Erwachsenen und in seiner biologisch gegebenen Abhängigkeit 
von diesem liegen, denn wir sehen ja auch, wieviel stärker leblosen Objekten, 
kleinen Tieren usw. gegenüber sich der Zerstörungstrieb des kleinen Kindes 
äußert. Daß die genitalen Regungen schon auf den frühesten Entwicklungsstufen 
eine, wenn auch verdeckte, den Sadismus mildernde Wirkung ausüben, könnte 
zur Abschwächung des Ausdrucks, den der Sadismus den realen Objekten gegen- 
über schon frühzeitig findet, beitragen. 

Allem Anschein nach besteht beim ganz kleinen Kinde neben der Beziehung 
zu den realen Objekten eine Beziehung zu phantastischen, überguten und über- 
bösen Imagines — gewissermaßen auf einer anderen Ebene. Normalerweise be- 
einflussen sich diese beiden Strömungen der Objektbeziehung und durchdringen 
einander immer mehr — ein Prozeß, den ich als Wechselwirkung zwischen 
Über-Ich-Bildung und Objektbeziehung beschrieb. In der Psyche des ganz kleinen 
Kindes sind die realen Objekte und die phantastischen noch weit voneinander 
entfernt, ein Moment, das mit die Tatsache erklären könnte, daß im Verhältnis 
zu den Objekten Sadismus und Angst nicht so stark in Erscheinung treten, als 
dem Charakter der Phantasien nach zu erwarten wäre. 

Objektbeziehung und Charakterbildung werden bekanntlich 
in entscheidender Weise dadurch beeinflußt, ob die Fixierung an die oral- 
saugende oder die oralsadistische Stufe überwiegt. Dieses Moment, 
dem Abraham für die Charakterbildung und Objektbeziehung große Bedeutung 
beimißt, ist meiner Meinung nach auch bestimmend für die Über-Ich- 
Bildung. Die Introjektion einer gütigen Mutter beeinflußt zufolge der 
Gleichsetzung Brust = Penis die Bildung einer gütigeren Vater-Imago. 6 Die 
Fixierung an die oralsaugende Stufe wirkt somit im Aufbau des Über-Ichs auch 
als Gegengewicht gegen die angsterregenden, unter der Herrschaft der oralsadisti- 
schen Triebregungen aufgenommenen Identifizierungen. 



6) Abraham schreibt (Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido, S. 84) : 
„Bezüglich des introjizierten Objektes erscheint noch eine Bemerkung notwendig. Sie 
bezieht sich auf die regelmäßige Gleichsetzung des Penis mit der weiblichen Brust. 
Sekundär übernehmen andere Körperteile die Vertretung dieser beiden Organe, so z. B. 
Finger, Fuß, Haar, Kot, Gesäß." 



Klein, Psychoanalyse des Kindes. 



— 161 — 



, Mit der Verminderung des Sadismus nehmen die Drohungen des 
Über-Ichs einen weniger gewaltsamen Charakter an, und auch 
die Reaktionen des Ichs verändern sich. Die die früheste Entwicklung beherr- 
schende Angst vor dem Über-Ich und den Objekten ruft wegen ihrer Über- 
mäßigkeit gewaltsame Reaktionen hervor. Das Ich sucht sich allem Anschein 
nach des Über-Ichs erst durch Skotomisation (Laforgue), dann durch 
Ausstoßung zu erwehren. In den Versuchen des Ichs, das Über-Ich 
zu überlisten und seinem Tadel gegen die Regungen des Es auszu- 
weichen, sehe ich eine der frühesten Reaktionen, durch die das Ich die Macht 
des Über-Ichs anerkennt. Nach dem Beginn der späteren analen Stufe wird sie 
dem Ich immer deutlicher erkennbar und führt zu einem fortschreitenden 
Bestreben des Ichs, sich mit dem Über-Ich zu verständigen. Das Ich hat 
mit der Feststellung der Macht des Über-Ichs auch die Notwendigkeit er- 
kannt, sich dem Willen des Über-Ichs zu fügen. Damit zugleich hat 
sich auch ein Schritt zur Anerkennung der intrapsychischen 
Realität vollzogen. Diese hängt aber mit der Anerkennung der äußeren 
Realität zusammen, beziehungsweise bildet sie die Vorbedingung für diese.* 
Das Verhältnis des Ichs zum E s, das auf einer früheren Stufe den 
Charakter des Ausstoßens trug, nimmt auf der späteren analen Stufe den 
der Unterdrückung der Triebregungen, der Verdrängung im 
eigentlichen Sinne, an. 9 

Da der dem Über-Ich und dem Es geltende Haß auf das Objekt abgedrängt 
worden war, verringern sich die Haßquantitäten nun auch im Verhältnis zum 
Objekt. Das Anwachsen der libidinösen Komponente und die damit einher- 
gehende Milderung der destruktiven bewirkt auch eine Herabsetzung der primären 
gegen das Objekt gerichteten sadistischen Antriebe. Damit zugleich aber scheint 
das Ich sich auch der Vergeltungsangst vor dem Objekt bewußter zu werden. 
An die Unterwerfung unter das strenge Über-Ich und an die Anerkennung der 
vom Über-Ich erhobenen Verbote schließt sich demnach auch die Anerkennung 
der Macht des Objektes an. Hiezu trägt bei, daß das Ich eine Gleichsetzung 

7) Alexander hat in seinem Buch: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit (Int. 
PsA.Verl. 1927) darauf hingewiesen, daß das Es das Über-Ich gewissermaßen besticht 
und daß dieses „Paktieren mit dem Über-Ich" die Ausführung der verpönten Handlung 
ermöglicht. 

^ 8) F e r e n c z i hat darauf hingewiesen, daß die Erkenntnis der psychischen Realität 
mit der Erkenntnis der äußeren Realität einhergeht. (Das Problem der Unlustbejahung. 
Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XII, 1926.) 

9) Freud schreibt (Hemmung, Symptom und Angst. Ges. Sehr., Bd. XI, S. 6j): 
„Immerhin setzen wir als Stoff für spätere Überlegung die Möglichkeit beiseite, daß die 
Verdrängung ein Prozeß ist, der eine besondere Beziehung zur Genitalorganisation der 
Libido hat, daß das Ich zu anderen Methoden der Abwehr greift, wenn es sich der 
Libido auf anderen Stufen der Organisation zu erwehren hat . . ." 

— 163 — 



zwischen Über-Ich und Objekt anstrebt. Diese Gleichsetzung ist ein weiterer 
mit der Entwicklung der Realitätsbeziehung einhergehender Schritt der Angst- 
verarbeitung (unter Zuhilfenahme der Projektions- und Verschiebungsmecha- 
nismen). Das Ich sucht nun die Angst auf die "Weise zu bewältigen, daß es die 
äußeren und die verinnerlichten Objekte zufriedenzustellen trachtet. Dies führt 
dazu, daß das Ich dem Objekt Schonung zuteil werden läßt — eine Reaktion, 
die Abraham als der späteren analen Stufe zugehörig beschrieb. Die ver- 
änderten Methoden dem Objekt gegenüber stellen sich fol- 
gendermaßen dar: entweder kommt es zu einer Abwendung vom Objekt 
(die ihre Quelle in der Angst vor diesem als Gefahrenmoment und in dem 
Bestreben hat, es vor den eigenen sadistischen Antrieben zu bewahren) oder zu 
einer verstärkten Zuwendung zu diesem. Dieser Prozeß der Objektbeziehung 
kommt durch eine Spaltung der Mutter-Imago in eine „gute" und 
„böse" Mutter zustande. Die Ambivalenz dem Objekt gegenüber, die 
ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Objektbeziehung ist, dient zugleich 
der Bewältigung der Angst vor dem Uber-Ich. Diese Angst wird 
an das äußere Objekt und dann durch Verschiebung auf verschiedene Objekte 
verteilt. Einzelne Personen nehmen nun die Bedeutung des angegriffenen 
und deshalb gefahrdrohenden Objekts, andere — insbesondere die Mutter — 
die des gütigen, schützenden Objekts an. 

Die Überwindung der Angst gelingt um so besser, je mehr mit fortschreitender 
Entwicklung zur genitalen Stufe und der damit einhergehenden Introjektion 
gütigerer Imagines die Methoden des Ober-Ichs ihren Charakter verändern. 
Wenn sich die früher überwältigenden Drohungen des Ober-Ichs zu Anklagen 
und Mahnungen mildern, vermag das Ich an der positiven Objektbeziehung 
Rückhalt gegen diese Klagen zu finden. Die Wiedergutmachung am Objekt, die 
Reaktionsbildung des Mitleids werden zum Mittel, das Über-Ich zu besänftigen. 10 
Die Liebe und Anerkennung der Objekte und der Außenwelt wird zum 
Beweis und Gradmesser für die Billigung des Uber-Ich s. Hiebei 
erweist sich auch der Mechanismus der Teilung der Imagines als bedeutsam. 
Während sich das Ich vom gefahrdrohenden Objekt abwendet, 
ist es dem gütigen Objekt gegenüber bestrebt, die in der Phantasie erfolgte 
Zerstörung des Objekts gutzumachen. Dann kann der Prozeß der Sublimierung 
einsetzen, 11 ' 12 denn die Wiedergutmachungstendenzen dem Objekt gegenüber 

10) Jeke'ls hat in seiner Arbeit: Über das Mitleid (Imago, Bd. XVI, 1930) aus- 
geführt, daß der Mitleidige das Objekt so behandelt, wie er von seinem Über-Ich be- 
handelt werden möchte. 

11) Siehe meine Arbeit: Frühe Angstsituationen im Spiegel künstlerischer Dar- 
stellungen (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVII, 193 1). 

12) Ella Sharpe hat ausgeführt, daß bei der Sublimierung die introjizierten 
Elternimagines auf ein äußeres Objekt projiziert werden, an dem die sadistischen 



- i63 - 



11* 



bilden einen grundlegenden Antrieb für die Sublimierungen (und zwar schon für 
die frühesten, wie zum Beispiel für die primitiven Äußerungen des Spieltriebes). 
Die Voraussetzung für die Entwicklung der Wiedergutmachungstendenzen und 
der Sublimierungen ist, daß sich der Druck des Ober-Ichs abschwächt und sich 
dem Ich als Schuldgefühl manifestiert. Die mit dem stärkeren Hervor- 
treten der genitalen Strebungen und der Objektbeziehung einsetzenden quali- 
tativen Veränderungen des Über-Ichs beeinflussen das Verhältnis des Über-Ichs 
zum Ich und lösen Schuldgefühl aus. Tritt das Schuldgefühl in zu vehementer 
Weise auf, so macht sich seine Wirkung auf das Ich wieder vorwiegend als Angst 
geltend. 13 Wenn sich diese Auffassung als richtig erweist, so ergibt sich daraus 
die Folgerung, daß nicht der Mangel eines Über-Ichs, sondern nur dessen quali- 
tative Verschiedenheit das Fehlen an sozialen Gefühlen (auch beim Verbrecher 
und Asozialen) bestimmt. 14 

Meiner Auffassung nach fällt in die frühere anale Stufe die Abwehr der 
angsterregenden Imagines, die in der oralsadistischen Phase introjiziert wurden. 
Die Ausstoßung des Über-Ichs wäre ein Schritt zur Überwindung der Angst. 
Ein Schritt, der auf dieser Stufe noch nicht gelingt, da die zu überwindende 
Angst noch übermächtig ist und die gewalttätige Ausstoßung immer wieder neue 
Angst auslöst. Die durch diese Mechanismen nicht bewältigte Angst wirkt als 
entwicklungsförderndes Moment, indem sie einen weiteren Antrieb zur Besetzung 
der nächsthöheren Libidostufe — der. späteren analsadistischen Stufe — bildet. 
Wir wissen, daß beim Erwachsenen Über-Ich und Objekt sich 
keineswegs decken. Wie ich mich nachzuweisen bemühte, ist dies aber 
auch auf keiner Stufe der kindlichen Entwicklung der Fall. In dem aus dieser 
Inkongruenz resultierenden Bestreben des Ichs, das reale Objekt 
und die Imagines der Objekte für einander einzusetzen, 
sehe ich einen grundlegenden Entwicklungsfakto r. 15 Je 
geringer diese Inkongruenz wird, je mehr sich mit der Vorherrschaft der genitalen 
Stufe die Imagines den realen Objekten annähern, je mehr die phantastischen, 
angsterregenden, auf den frühesten Stufen der Entwicklung aufgenommenen 
Imagines zurücktreten, um so stabiler ist das psychische Gleichgewicht des 
Individuums, um so besser ist die Modifizierung der frühen Angstsituationen 
gelungen. 



und Wiedergutmachungstendenzen befriedigt werden, wodurch ein magisches All- 
machtgefühl entsteht. (Sublimierung und Wahnbildung. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVII, 1931.) 

13) Siehe auch Ernest Jones: Angst, Schuldgefühl und Haß (Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XVI, 1330). 

14) Diese Auffassung vertritt auch Fenichel in seiner Arbeit: Identifizierung 
(Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XII, 1926). 

ij) Im Kap. X gehe ich auf die Bedeutung dieses Faktors für die Ichentwicklung 
und die Realitätsbeziehung ein. 

— 164 — 



Mit dem schrittweisen Erstarken der genitalen Regungen verliert auch die 
Unterdrückung des Es durch das Ich an Gewaltsamkeit, wodurch eine bessere 
Verständigung zwischen Ich und Es ermöglicht wird. 

Die mit der genitalen Stufe erreichte positivere Objektbeziehung wäre somit 
auch als Ausdruck eines befriedigenden Verhältnisses zwischen Über-Ich und Ich, 
zwischen Ich und Es zu werten. 

Wir wissen, daß die Fixierungsstellen für die Psychosen auf den frühesten 
Stufen der Entwicklung zu suchen sind, und daß die Grenze zwischen der 
früheren und der späteren analen Stufe zugleich die Grenzscheide zwischen der 
Psychose und Neurose darstellt. Meine Auffassung geht über diese Annahmen 
insofern hinaus, als ich in diesen Fixierungsstellen die Ausgangspunkte 
nicht nur für spätere Erkrankungen, sondern auch für Störungen sehe, 
die in den frühesten Phasen der Entwicklung auftreten. 

Die in der Phase der Höchstblüte des Sadismus ausgelösten überstarken 
Angstsituationen wären, wie ich im vorigen Kapitel nachzuweisen versuchte, 16 
ein grundlegender Faktor für die Genese der psychotischen Erkrankungen. 
Ich fand aber, daß das Kind auch normalerweise in den frühesten Phasen der 
Entwicklung durch Angstsituationen geht, die einen psychotischen Charakter 
tragen. "Werden aus äußeren oder inneren Gründen die frühen Angstsituationen 
in stärkerem Maße aktiviert, so zeigen sich beim Kinde psychotische Züge. 

Wird aber das Kind von den angsterregenden Imagines übermäßig bedrängt, 
ohne in helfenden Phantasiegestalten und in den realen Objekten ein Gegen- 
gewicht zu finden, so liegt eine psychotische Störung vor, 17 die der Psychose des 
Erwachsenen ähnlich ist und sich auch häufig in der Psychose des Erwachsenen 
fortsetzt oder die Grundlage für schwere Erkrankungen oder sonstige Fehl- 
entwicklungen bildet. 

Da diese Angstsituationen aber bei jedem Kinde bis zu einem gewissen 
Grade zeitweise wirksam sind, treten bei jedem Kinde zeitweise psychotische 
Erscheinungen auf. 

Der Wechsel von übermäßiger Lustigkeit und übermäßiger Traurigkeit, 
der für die melancholische Störung charakteristisch ist, ist eine beim kleinen 
Kinde regelmäßige Erscheinung. Die Tiefe und der Charakter der Traurigkeit 
des Kindes wird allerdings eben wegen der Häufigkeit und der Schnelligkeit ihres 
Wechsels gewöhnlich nicht ermessen. Ich kann auf Grund meiner Erfahrungen 
aussagen, daß der Traurigkeit des Kindes — wenn auch in gemilderter Form — 
die gleicher^, Ursachen zugrunde liegen wie der melancholischen Depression des 
Erwachsenen, und daß die kindliche Depression auch von Selbstmordgedanken be- 
iß) Siehe auch Klein: Die Rollenbildung im Kinderspiel (Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XV, 1929). 

17) Ich verweise auf die Fälle von Erna (Kap. III), Egon (Kap. IV), Ilse (Kap. V). 



- i65 — 



gleitet ist. Kleinere und größere Selbstbeschädigungen und Unfälle von- Kindern 
habe ich vielfach als mit noch untauglichen Mitteln unternommene Selbstmord- 
versuche kennengelernt. Die Realitätsabsperrung, die ein Kriterium der 
Psychose ist, wird beim Kinde weitgehend noch als normale Erscheinung ge- 
wertet. Undurchsichtiger sind die beim kleinen Kinde wirksamen paranoiden 
Züge, da sie mit der für diese Affektion charakteristischen Neigung zur Geheim- 
haltung und Verstellung verbunden sind. Es ist wohlbekannt, daß kleine Kinder 
sich von phantastischen Gestalten verfolgt und bedrängt fühlen. Ich fand in 
Analysen kleiner Kinder, 18 daß sie sich, wenn sie allein waren — insbesondere 
Nachts — , von Verfolgern (Zauberern, Hexen, Teufeln, Phantasiegestalten, 
Tieren) umgeben fühlten und daß diese Angst einen paranoiden Charakter hatte. 
Die Kinderneurose stellt ein Gemisch der verschiedenen 
psychotischen und neurotischen Züge und Mechanismen 
dar, die wir beim Erwachsenen einzeln in mehr oder weniger reiner Ausbildung 
kennenlernen. Aus diesem vielfältigen Bild sehen wir in dem einen Fall die 
Züge der einen Affektion, im anderen Fall die anderer Affektionen stärker 
herausragen. In vielen Fällen wird das Bild der Kinderneurose ganz undurch- 
sichtig durch den Umstand, daß die verschiedenen Affektionen und die Abwehr 
gegen sie noch alle gleichzeitig am Werke sind. 

Freud" schreibt: „daß die frühesten Kindheitsphobien . . . sich überhaupt 
bis jetzt der Erklärung entzogen haben" — ferner, daß „uns ihre Beziehung 
zu den späteren, deutlichen Neurosen der Kindheit keineswegs ersichtlich ist". 
Ich habe als den Inhalt dieser frühesten Phobien die in den Frühstadien der 
Über-Ich-Bildung entstehende Angst kennengelernt. Die etwa um die Mitte des 
ersten Lebensjahres infolge der Steigerung des Sadismus ausgelösten frühesten 
Angstsituationen, die die Angst vor gewalttätigen (fressenden, schneidenden, 
kastrierenden) äußeren und verinnerlichten Objekten beinhalten, können auf 
dieser Stufe noch keiner genügenden Verarbeitung zugeführt werden. 

Auch die E ß s c h w i e r i g k e i t e n des kleinen Kindes stehen, wie mir meine 
Erfahrungen beweisen, in engem Zusammenhang mit den frühesten Angst- 
situationen und haben immer eine paranoide Wurzel. In der kannibalistischen 
Phase wird alle Nahrung den (durch Organe vertretenen) Objekten gleichgesetzt. 
Die Nahrung nimmt die Bedeutung des väterlichen Penis und der mütterlichen 
Brust an und wird geliebt, gehaßt und gefürchtet wie diese. Flüssige Nahrung 
wird Milch, Urin, Samen, feste Nahrung auch den Fäzes usw. gleichgesetzt. 
Deshalb kann die Nahrung die vielfache Angst vor Vergiftung und innerlichen 
Zerstörungen auslöse n, die das Kind, wenn die frühen Angstsituationen stark 

. 18) Der Glaube an hilfreiche Phantasiegestalten (Weihnachtsmann, Feen usw.) dient 
immer auch der Verdeckung und Bewältigung der Angst vor bösen Imagines. 
19) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S.77). 

- 166 - 



■wirksam sind, vor den verinnerliditen Objekten und den Exkrementen 
empfindet. 

Eine Äußerung der frühen Angst sind die infantilen Tierphobien. 
Ihnen liegt die für die frühere anale Stufe charakteristische Ausstoßung 
des angsterregenden Uber-Ichs zugrunde. Die infantilen Tier- 
phobien stellen demnach einen aus mehreren Teilen bestehenden Prozeß der 
Verarbeitung der Angst vor dem furchterregenden Über-Ich und dem Es dar. 
Über-Ich und Es werden ausgestoßen und in die Außenwelt proji- 
ziert, wobei das Ober-Ich dem realen Objekt gleichgesetzt wird. Dem 
zweiten Teil des Prozesses — der uns wohlbekannten Verschiebung der 
A n g f t vom realen Vater auf ein Tier — liegt aber in vielen Fällen auch 
schon eine Modifizierung zugrunde. Auf den frühesten Stufen der Ichentwicklung 
erfolgt die phantastische Gleichsetzung des Uber-Ichs und des Es mit wilden, 
gefährlichen Tieren. An Stelle des wilden Tieres wird dann ein weniger wildes 
zum Angstobjekt in der Außenwelt gewählt. Daß das Angsttier nicht nur die 
Angst vor dem Vater, sondern auch häufig die Bewunderung für diesen auf sich 
zieht, ist schon ein Anzeichen der sich vollziehenden Idealbildung. 20 Die Tier- 
phobien stellen bereits eine weitgehende Verarbeitung der Angst vor dem Über- 
Ich dar, es besteht demnach eine enge Beziehung zwischen Über-Ich-Bildung, 
Objektbeziehung und Tierphobien. 

Freud schreibt: 21 „Ich habe früher einmal der Phobie den Charakter einer 
Projektion zugeschrieben, indem sie eine innere Triebgefahr durch eine äußere 
Wahrnehmungsgefahr ersetzt. Das bringt den Vorteil, daß man sich gegen die 
äußere Gefahr durch Flucht und Vermeidung der "Wahrnehmungen schützen kann, 
während gegen die Gefahr von innen keine Flucht nützt. Meine Bemerkung ist 
nicht unrichtig, aber sie bleibt an der Oberfläche. Der Triebanspruch ist ja nicht 
an sich eine Gefahr, sondern nur darum, weil er eine richtige äußere Gefahr, 
die der Kastration, mit sich bringt. So ist im Grunde bei der Phobie doch nur 
eine äußere Gefahr durch eine andere ersetzt." Nach meiner Auffassung läge 
der Phobie aber letzten Endes eine innere Gefahr zugrunde, nämlich die Angst 
vor dem eigenen Destruktionstrieb sowie die vor den introjizierten Eltern. 

20) Abraham erzählte mir von einem ganz kleinen Kinde, dessen Abneigung 
gegen ein Tier auch schon die Angst vor dessen Tadel beinhaltete. Abraham hatte einem 
noch nicht ganz einundeinhalbjährigen Knaben ein Bilderbuch geschenkt, ihm die Bilder 
gezeigt und den beigefügten Text vorgelesen. Auf einem Blatt war ein Schwein dargestellt, 
das ein kleines Kind ermahnte, sauberer zu sein. Dieser Text und dann auch schon das Bild 
mißfielen dem Knaben deutlich, er wollte sofort weiterblättern, und als Abraham dann 
später darauf zurückkam, wollte das Kind dieses Blatt nicht mehr sehen. Später erfuhr 
Abraham, daß der Knabe das Bilderbuch sehr liebe, aber das Blatt mit dem Schweine nicht 
leiden möge. Abraham fügte, indem er mir dies erzählte, hinzu: „Sein Über-Ich war 
eben damals ein Schwein." 

21) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 66 u. 67). 



— 167 



Freud schreibt über die Vorteile der Ersatzbildung: 22 „Die Angst der Phobie 
ist nämlich eine fakultative, sie tritt nur auf, wenn ihr Objekt Gegenstand der 
Wahrnehmung wird. Das ist ganz korrekt; nur dann ist nämlich die Gefahr- 
situation vorhanden. Von einem abwesenden Vater braucht man auch die Kastra- 
tion nicht zu befürchten. Nun kann man den Vater nicht wegschaffen, er zeigt 
sich immer, wann er will. Ist er aber durch das Tier ersetzt, so braucht man nur 
den Anblick, d. h. die Gegenwart des Tieres zu vermeiden, um frei von Gefahr 
und Angst zu sein." 

Dieser Vorteil wäre aber noch größer, wenn das Ich durch die Tierphobie 
nicht nur eine Verschiebung von einem äußeren Objekt auf ein anderes, sondern 
auch noch eine Projektion von einem unentrinnbaren, weil verinnerlichten 
gefürchteten Objekt auf ein drittes — und überdies weniger gefürchtetes — 
äußeres ermöglicht hätte. In diesem Lichte aber würde es sich nicht nur um eine 
Entstellung des Ausdruckes: „Vom Pferde gebissen (vom "Wolf gefressen), anstatt 
vom Vater kastriert zu werden", handeln, sondern neben der Kastrationsangst 
läge auch die frühere Angst vor einem fressenden Über-Ich der Tierphobie 
zugrunde. 

Ich ziehe hier die zwei gut bekannten Tierphobien, die des „Kleinen Hans" 
und die des „"wolfsmannes", als Beispiele heran. Freud wies darauf hin, 23 
daß diese beiden Phobien bei einigen Gemeinsamkeiten voneinander in vielen 
Punkten abweichen. Ich gehe zuerst auf die Unterschiede näher ein. Hansens 
Phobie sind zahlreiche positive Züge beigemischt. Er hat für sein Angsttier, das 
ja auch an sich kein abschreckendes ist, auch positive Gefühle (das der Phobie 
vorhergegangene „Pferdespiel" mit dem Vater!). Die ganze Entwicklung des 
Knaben, der in der Hauptsache wirklich gute Beziehungen zu beiden Eltern- 
teilen und zur Umwelt hat, zeigt, daß er die analsadistische Stufe gut über- 
wunden und die genitale Stufe erreicht hat. Seine Tierphobie enthält von der 
Angst der frühesten Stufen, die sich in der Gleichsetzung des Über-Ichs mit einem 
furchterregenden wilden Tier und der entsprechenden Angst vor dem Objekt 
ausdrückt, nur mehr einige Züge. Er scheint sie im großen und ganzen gut 
modifiziert und überwunden zu haben. Freud schreibt: „Hans scheint eben ein 
normaler Junge mit sogenanntem positivem Ödipuskomplex gewesen zu sein." 
Hansens Neurose wäre also als eine milde, eine „normale" Kinderneurose auf- 
zufassen. Seine Angst war ja auch unschwer durch eine kurze Analyse aufzulösen. 
Ein ganz anderes Bild gewinnen wir von der Neurose des vierjährigen Knaben 
im Falle des Wolfsmannes. Die Entwicklung dieses Knaben ist nicht als normal 
zu bezeichnen. Freud schreibt darüber: „ . . . seine Beziehung zum weiblichen 



22) Freud: Ebenda, S. 66. 

23) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S.46). 

- 168 - 



Objekt ist durch eine frühzeitige Verführung gestört worden, die passive, 
feminine Seite ist bei ihm stark ausgebildet, und die Analyse seines Wolfstraumes 
enthüllt wenig von beabsichtigter Aggression gegen den Vater, erbringt dafür 
die unzweideutigsten Beweise, daß die Verdrängung die passive, zärtliche Ein- 
stellung zum Vater betrifft. Auch hier mögen die anderen Faktoren beteiligt 
gewesen sein, sie treten aber nicht hervor." 24 Die Analyse des Wolfsmannes hat 
ergeben, daß „die Vorstellung, vom Vater gefressen zu werden, der regressiv 
erniedrigte Ausdruck für eine passive zärtliche Regung ist, die vom Vater als 
Objekt im Sinne der Genitalerotik geliebt zu, werden begehrt." 25 

Ich sehe nun, auf meine früheren Ausführungen gestützt, in dieser Vorstellung 
nicht nur einen regressiv erniedrigten Ausdruck für eine passive zärtliche 
Strebung, sondern — darüber hinaus — ein Überbleibsel aus einer 
ganz frühen En t wick lun gs per io de. 29 Fassen wir die Befürchtung, 
vom "Wolf gefressen zu werden, nicht nur als Entstellungsersatz für die Angst, 
vom Vater kastriert zu werden, sondern — wie ich es vorschlage — als eine 
primäre Angst auf, die sich unverändert neben den späteren modifizierten 
Inhalten der Angst erhalten hat, so wäre hier eine Angst vor dem Vater am 
Werke gewesen, der ein entscheidender Einfluß auf die abnorme Entwicklung 
des Kindes zukäme. In der von den oralsadistischen Triebregungen eingeleiteten 
Phase der Höchstblüte des Sadismus löst nach meinen Erfahrungen der Wunsch 
nach Introjektion des väterlichen Penis, zugleich mit den starken oralsadistischen, 
feindlichen Regungen, die Angst vor einem gefährlichen, fressenden Tier aus, 
dem der väterliche Penis gleichgesetzt wird. Es hängt zum Teil vom 
Ausmaß der destruktiven Regungen ab, inwieweit diese Angst vor dem Vater 
überwunden und modifiziert werden kann. Der Wolfsmann hat diese frühe Angst 
nicht überwunden. Seine Angst vor dem Wolf, die sich als die Angst vor dem 
Vater erwies, zeigt, daß das Bild des Vaters als eines fressenden Wolfes auch 
in der weiteren Entwicklung beibehalten wurde. Wir wissen, daß er den Wolf 
auch in späteren Vater-Imagines wiedergefunden hat, und daß seine ganze Ent- 
wicklung von dieser Angst bestimmt wurde. 27 Ich sehe in dieser überwältigenden 



24) Freud: Ebenda. 

25) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 44). 

26) Es scheint mir aber nicht nur eine theoretische, sondern auch eine vom thera- 
peutischen Standpunkt wichtige Frage, ob die Vorstellung des Gefressenwerdens beim 
Ausbruch der Neurose nur regressiv besetzt wird, oder ob sie neben den späteren Modifi- 
zierungen wirksam bleibt, da es sich ja dabei nicht nur um den Vorstellungsinhalt, 
sondern vor allem um die mit diesen Inhalten verbundene Angst handelt:. Der 
Charakter dieser Angst — sowohl quantitativ als auch qualitativ — offenbart sich uns 
erst vollkommen, wenn wir sie als eine Angst erkennen, die der Neurose zugrunde liegt 
und für die Psychose spezifisdi ist. ■ _ 

27) Siehe Mack Brunswick: Ein Nachtrag zu Freuds Geschichte einer infantilen 
Neurose. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XV, 1929. 



— 169 — 



Angst vor dem Vater einen grundlegenden Faktor für die invertierte Ödip us _ 
entwicklung des Knaben. Ich weiß aus mehreren Analysen vier- bis fünfjähriger 
stark neurotischer Knaben mit paranoiden Zügen, 28 bei denen der' invertierte 
Ödipuskomplex überwog, daß diese Entwicklung durch die in den tiefsten 
Schichten bestehende, übermäßige Angst vor dem Vater entscheidend beeinflußt 
war. Diese Angst war die Auswirkung primärer, überaus starker aggressiver 
Triebregungen gegen den Vater. 

Der aus der direkten ödipussituation sich ergebende Kampf konnte mit einem 
so gefährlichen (fressenden) Vater in der Phantasie nicht unternommen werden, 
weshalb die heterosexuelle Position aufgegeben werden mußte. Es scheint mir,' 
daß diese Angstsituationen auch beim Wolfsmann grundlegend für seine passive 
Einstellung 2um Vater wurden, und daß die Verführung durch die Schwester die 
passive, aus Angst vor dem Vater eingeschlagene Richtung nur noch verstärkt 
und befestigt hatte. Wir wissen aus der Krankengeschichte des Wolfsmannes, 
daß er „...sich von dem entscheidenden Traum an .schlimm*, quälerisch,' 
sadistisch . . ." benimmt und bald darauf eine richtige Zwangsneurose entwickelt. 
Seine Zwangsneurose hat sich in der Analyse als eine sehr schwere erwiesen. 
Diese Tatsachen scheinen meine Annahme zu begünstigen, daß schon bei der 
Wolfsphobie die Abwehr der aggressiven Triebregungen eine entscheidende Rolle 
spielte. 29 Der Umstand, daß in Hansens Phobie die Abwehr der aggressiven 
Triebregungen deutlich hervortrat, in der Phobie des Wolfsmannes aber so stark 
verdeckt war, erklärt sich mir eben aus der viel abnormeren Verarbeitung der 
Angst beziehungsweise des so viel größeren primären Sadismus im 
zweiten Falle. Die Tatsache, daß in Hansens Neurose die zwangsneurotischen 
Züge nicht hervortraten, im zweiten Falle aber sich bald eine richtige Zwangs- 
neurose entwickelte, steht auch in Übereinstimmung mit meiner Auffassung, daß 
ein zu starkes und frühes Hervortreten der zwangsneurotischen Züge im Gefüge 
der Kinderneurose ein Anzeichen sehr schwerer Störungen ist. 30 

In den Knabenanalysen, die meinen Folgerungen zugrunde liegen, war die 
abnorme Entwicklung auf den überstarken Sadismus (respektive dessen nicht 
geglückte Verarbeitung) zurückzuführen, der auf einer sehr frühen Entwicklungs- 
stufe zu übermäßiger Angst geführt hatte. Als Folge war es zu einer weit- 
gehenden Absperrung von der Realität gekommen, und es hatten sich starke 
zwangsneurotische und paranoide Züge entwickelt. Die Verstärkung der 
hbidinösen Regung en und der homosexuellen Komponente diente in diesen 

28) Diese Ergebnisse haben sich mir auch in den Analysen Erwachsener bestätigt. 
1«* «ff 1 letzt J en y , Satz l de '" früher zitierten Bemerkung scheint Freud die Möglich- 
keit offenzulassen, daß auch die Abwehr der sadistischen Antriebe - wiewohl diese 
nicht hervortraten - an der Struktur des Falles mitbeteiligt sein könnte. 

30) Siehe Kapitel VI. 

— 170 — 



: 



r . 

Fällen der Abwehr und Verarbeitung der auf den frühesten Stufen der Ent- 
wicklung ausgelösten Angst vor dem Vater. Ich sehe in diesem Prozeß der 
Angstverarbeitung einen grundlegenden Faktor für die Genese der Homo- 
sexualität der Paranoiker. 31 ' S2 Diese Annahme wird auch durch die Tatsache 
gestützt, daß beim "Wolfsmann in späterer Zeit eine Paranoia zum Aus- 
bruch kam. 33 

In „Ich und Es" 31 kommt Freud zu einer Auffassung hinsichtlich der 
Liebesbeziehung des Paranoikers, die mir eine Stütze für meine Behauptungen 
zu sein scheint. Er schreibt: „Die analytische Untersuchung des Vorganges bei 
der paranoischen Umwandlung macht uns aber mit der Möglichkeit eines anderen 
Mechanismus vertraut. Es ist von Anfang an eine ambivalente Einstellung vor- 
handen, und die Verwandlung geschieht durch eine reaktive Besetzungsver- 
schiebung, indem der erotischen Regung Energie entzogen und der feindseligen 
Energie zugeführt wird." 

In der Phobie des "Wolfsmannes tritt die meiner Auffassung nach unmodi- 
fizierte Angst der frühesten Schichten deutlich hervor. Seine Objektbeziehung ist 
auch sehr viel weniger geglückt als die von Hans, und die nicht genügend 
befestigte genitale Stufe, die überstarke Wirksamkeit der analsadistischen Trieb- 
regungen, gibt sich in der schon so bald einsetzenden starken Zwangsneurose 
kund. Dem kleinen Hans ist meiner Auffassung nach die Modifizierung von 
einem bedrohlichen, gefährlichen Über-Ich zu einer weniger gefährlichen Imago, 
und die Überwindung des Sadismus und der Angst besser gelungen. Dieses 
bessere Gelingen gibt sich in einer positiven Objektbeziehung 2u beiden Eltern- 
teilen sowie in der Tatsache kund, daß bei Hans die aktive und heterosexuelle 
Einstellung überwiegt und daß er die genitale Stufe gut erreicht hat. 

Ich fasse nun meine Ergebnisse hinsichtlich der Entwicklung der Phobien 
zusammen. Die Angst der frühesten Angstsituationen findet 
in den Phobien des Säuglings ihren Ausdruck. Die auf 
der früheren analen Stufe einsetzenden infantilen Tier- 
phobien haben noch überaus an gs t er r egen de Objekte 
zum Inhalt. Auf der späteren analen und noch mehr auf 



31) In Kap. III, in dem ich über einen Fall mit paranoiden Zügen berichtete, habe 
ich die analogen Aufstellungen für die Genese der weiblichen Homosexualität nachzu- 
weisen versucht. Ich verweise auch auf meine Ergebnisse aus Egons Analyse in Kap. IV 
und meine Ausführungen in Kap. XII. 

32) Zu dem gleichen Ergebnis kam R 6 h e i m an ethnologischem Material in seiner 
Arbeit „Das Völkerpsychologische in Freuds Massenpsychologie und Ichanalyse (Int. 
Ztschr. f. PsA., Bd. VIII, 1922). 

33) Siehe Ruth Mack Brunswick: Ein Nachtrag zu Freuds: Geschichte einer 
infantilen Neurose (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XV, 1929). 

34) Freud: Ges. Sehr., Bd. VI, S.388. 



171 



der genitalen Stufe haben wir' es mit stark modifizierten 
Angstobjekten zu tun. 

Die Modifizierung der Phobie scheint mir mit den auf der späteren analen 
Stufe einsetzenden, der Zwangsneurose zugrunde liegenden Mechanismen zu- 
sammenzuhängen. Ich kam zum Ergebnis, daß die Zwangsneurose den 
Versuch darstellt, die psychotische Angst der frühesten 
Schichten zu überwinden, 35 und daß schon in der Kinderneurose die 
zwangsneurotischen Mechanismen zugleich mit denen der früher durchlaufenen 
Stufen wirksam sind. 

• Wenn ich die Auffassung, daß Anteile der Zwangsneurose schon im Bilde der 
Kinderneurose eine wichtige Rolle spielen, an den Feststellungen F r e u d s über 
die Ausgangssituation der Zwangsneurose überprüfe, so scheint meine Auffassung 
der von Freud zunächst zu widersprechen. Ich meine aber diesen Gegensatz 
in einem grundlegenden Punkte aufklären zu können. Die Ausgangssituation der 
Zwangsneurose fällt nach meinen Ergebnissen in die Periode der 
frühen Kindheit, die Synthese der beim kleinen Kinde wirksamen 
zwangsneurotischen Züge zu einem organisierten Ganzen, als das wir 
die Zwangsneurose kennen, in die zweite Kindheitsperiode, in den Beginn 
der Latenzzeit. Nach der bisherigen Auffassung machen sich die Fixierungen an 
die analsadistische Stufe für die Erkrankung erst später auf Grund der Re- 
gression geltend. Im Sinne meiner Auffassung fällt die Ausgangssituation der 
Zwangsneurose - die Entwicklung zwangsneurotischer Züge und Mechanismen - 
in die Phase, die unter der Vorherrschaft der späteren analen Stufe steht. Die 
Tatsache, daß diese frühe zwangsneurotische Erkrankung ein von dem Bild der 
späteren eigentlichen Zwangsneurose abweichendes Gepräge zeigt, erklärt sich . 
aus dem Umstand, daß erst später - im Latenzalter - das entwickeltere Ich 
mit seiner veränderten Realitätsbeziehung den Ausbau und die Zusammen- 
fassung der schon im frühen Kindesalter wirksamen zwangsneurotischen Züge 
vornimmt. 38 Die zwangsneurotischen Züge sind beim kleinen Kinde auch 
deshalb nicht so durchsichtig, weil neben ihnen die noch nicht überwundenen 
früheren Affektionen und die verschiedenen Abwehrmechanismen am Werke sind. 
Wie ich im sechsten Kapitel ausführte, zeigen auch kleine Kinder häufig Züge 
von deutlich zwangsneurotischem Charakter, und es gibt auch Kinderneurosen, 






■ 3 j 5) j Z y a ng™<=urose ist nur einer der Heilungsversudie, die das Ich zur Über- 
windung der fruhmfantilen psychotischen Angst unternimmt. Auf eine andere Methode 
der Verarbeitung der frühinfantilen Angstsituationen gehe ich in Kap. XII ein. 

36) Ich gehe auf diese Veränderungen in Kap. X ein. Ich führe dort aus, daß die 
Zwangsneurose im Latenzalter geeignet ist, die Ansprüche des Ichs, des Über-Ichs und der 
Objekte zu befriedigen. Das noch unentwickelte Ich des kleinen Kindes vermag die Angst 
aur diese Art noch nicht zu bewältigen. 



172 — 



n denen die eigentliche Zwangsneurose schon dominiert. 87 Dies ist nach meiner 
Erfahrung dann der Fall, wenn die frühen Angstsituationen überstark wirksam 
sind, ihre Modifizierung ungenügend gelungen und demzufolge die Zwangs- 
neurose eine sehr schwere ist. 

Durch die Unterscheidung zwischen der Ausgangssituation zwangsneurotischer 
Züge und der eigentlichen späteren Zwangsneurose habe ich, scheint es mir, mit 
meinen Vorschlägen zur Genese der Zwangsneurose wieder den Anschluß an die 
bisherigen Ergebnisse der Theorie gefunden. In „Hemmung, Symptom und 
Angst" schreibt Freud (S. 47), daß „die Ausgangssituation der Zwangsneurose 
die notwendige Abwehr der libidinösen Ansprüche des Ödipuskomplexes sei." 
Ferner (S. 47): „Die genitale Organisation der Libido erweist sich als schwächlich 
und zu wenig resistent. Wenn das Ich sein Abwehrstreben beginnt, so erzielt es 
als ersten Erfolg, daß die Genitalorganisation (der phallischen Phase) ganz oder 
teilweise auf die frühere sadistisch-anale Stufe zurückgeworfen wird. Diese Tat- 
sache der Regression bleibt für alles Folgende bestimmend." "Wenn wir das 
Fluktuieren zwischen den verschiedenen Positionen, das meiner Auffassung nach 
die frühen Entwicklungsvorgänge charakterisiert (wobei die schon besetzte 
genitale Position bis zu ihrer stärkeren und stabileren Befestigung vorüber- 
gehend immer wieder aufgegeben wird), als Regression auffassen und der von 
mir behauptete frühe Beginn des Ödipuskonfliktes sich als richtig erweist — so 
stünden meine Annahmen über die Ausgangssituation der Zwangsneurose nicht 
in Widerspruch zu den eben zitierten Sätzen Freuds. Meine Auffassung 
würde aber für eine weitere Annahme Freuds, die er allerdings nur als eine 
Möglichkeit in Betracht zieht, sprechen. Er schreibt: „Vielleicht ist die Re- 
gression nicht die Folge eines konstitutionellen, sondern eines zeitlichen Faktors. 
Sie wird nicht darum ermöglicht werden, weil die Genitalorganisation der 
Libido zu schwächlich geraten, sondern weil das Sträuben des Ichs zu frühzeitig, 
noch während der Blüte der sadistischen Phase eingesetzt hat." Freud führt 
gegen diese Annahme an: „Einer sicheren Entscheidung getraue ich mich auch in 
diesem Punkte nicht, aber die analytische Beobachtung begünstigt diese Annahme 
nicht. Sie zeigt eher, daß bei der Wendung zur Zwangsneurose die phallische 



37) So zum Beispiel lagen bei der zu Beginn der Behandlung zweiunddreiviertd- 
jährigen Rita (Kap. III) eine Reihe von ausgesprochenen Zwangssymptomen vor, die ich 
hier kurz anführe: ein kompliziertes Bettzeremoniell, eine übertriebene Ordnungsliebe und 
Reinlichkeit, die ihren zwangsneurotischen, schon die ganze Persönlichkeit beherrschenden 
Charakter an zahlreichen Verrichtungen erkennen ließ. Diese Züge reichten aber schon 
einige Zeit zurück. Das Zeremoniell hatte sich zum Beispiel etwa vom zweiten Jahre an 
stetig entwickelt. Bei Erna (Kap. III), die im Alter von sechs Jahren zu mir in Analyse 
kam, reichten einzelne zwangsneurotische Züge auch schon bis ins Ende des zweiten Lebens- 
jahres zurück. Auch in diesem — überaus ernsten — Falle zeigte die Neurose schon ganz 
früh einen der Zwangsneurose Erwachsener vielfach ähnlichen Charakter. 

- 17 3 ~ 



Stufe bereits erreicht ist. Auch ist das Lebensalter für den Ausbruch dieser 
Neurose ein späteres als das der Hysterie (die zweite Kindheitsperiode, nach 
dem Termin der Latenzzeit) . . ," 88 Diese Bedenken fallen fort, wenn, wie ich 
behaupte, die Ausgangssituation der Zwangsneurose in die erste Kindheits- 
periode, der Ausbruch der eigentlichen Zwangsneurose in den Beginn der Latenz- 
zeit fällt. 

Die Annahme, daß schon im frühen Kindesalter — im zweiten Lebensjahr — 
zwangsneurotische Mechanismen in Wirksamkeit treten, hängt mit der von mir 
vertretenen Auffassung zusammen, daß sich das Über-Ich auf den frühesten 
Stufen der Entwicklung bildet und daß es sich dem Ich gegenüber zunächst als 
Angst, aber mit dem Abklingen der früheren analsadistischen Stufe auch als Schuld- 
gefühl fühlbar macht. Diese von der bisherigen Theorie ebenfalls abweichende 
Auffassung, deren empirische Unterlagen ich im ersten Teil dieses Buches mit- 
geteilt habe, versuche ich im folgenden noch durch eine theoretische Begründung 
zu stützen. Freud schreibt: 39 „Der Motor aller späteren Symptombildung ist 
hier" (in der Zwangsneurose) „offenbar die Angst des Ichs vor seinem Über-Ich." 
Meine Auffassung, daß durch die Zwangsneurose die frühen Angstsituationen 
verarbeitet werden, daß also das strenge Über-Ich in der Zwangsneurose das 
nicht modifizierte angsterregende Über-Ich der Frühstadien der Entwicklung ist, 
scheint mir aber das Problem, weshalb sich bei der Zwangsneurose ein so strenges 
Über-Ich bildet, der Lösung näher zu bringen. 

Die in der Phase der Höchstblüte des Sadismus unternommenen Angriffe auf 
den Mutterleib haben sich mir als die Grundlage der mit den urethral- und 
analsadistischen Triebregungen verbundenen Schuldgefühle erwiesen. 40 Wir lernen 
in den Frühanalysen die Angst vor einer bösen Mutter kennen, die Stuhl und 
Kinder, die ihr geraubt wurden, vom Kinde zurückfordert. So wird die die 
Reinlichkeitsforderungen vertretende Mutter oder Kinderfrau zu einem furcht- 
baren Angstobjekt. Sie fordert nicht nur die Abgabe der Exkremente, sondern 
will sie — der Angst des Kindes gemäß — durch gewaltsame Angriffe seinem 
Körper entreißen. Eine andere, noch überwältigendere Quelle der Angst 



38) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. j 3 ). 

39) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 69). 

40) Die allgemeine Auffassung, daß die auf der genitalen Stufe erworbenen Schuld- 
gefühle regressiv mit der Reinlichkeitsgewöhnung verknüpft werden, wird der Schwere 
dieser Schuldgefühle und ihrer innigen Verlötung mit den prägenitalen Triebregungen 
nicht gerecht. Die auch in der Analyse Erwachsener immer wieder feststellbare, nach- 
haltige, die ganze Entwicklung beeinflussende Bedeutung der frühen Reinlichkeits- 
IÜTJj U r ng L , 6me urs P rün S liche >- e > enge Verbindung zwischen dieser und den schweren 
bchuldgetuhlen erkennen. Ferenczi nimmt eine direktere Verknüpfung, eine Art 
physiologischer Vorstufe des Über-Ichs, die „Sphinktermoral", an. (Zur Psychoanalyse 
von Sexualgewohnheiten. Int. Ztschr. f . PsA., Bd. XI, 1925.) 

— 174 — 



•■* 



entspringt der Introjektion von Imagines, von denen auf Grund der destruktiven, 
auf die Objekte gerichteten Phantasien analoge Angriffe im Innern des Körpers 
befürchtet werden. 

Die in dieser Phase phantasierte Gleichsetzung der Exkremente mit gefähr- 
lichen, vergiftenden, verbrennenden Stoffen, mit Angriffswaffen aller Art ver- 
ursacht die Angst vor den eigenen (den eigenen Körper vernichtenden) Ex- 
krementen. Die sadistische Gleichsetzung der Exkremente mit vernichtenden 
Stoffen und die in der Phantasie mit diesen unternommenen Angriffe führen 
zur Angst vor analogen Angriffen der äußeren sowie der verinnerlichten Objekte, 
zur Xngst vor den Exkrementen und vor Schmutz im allgemeinen. In diesen 

— um so überwältigenderen, weil vielfachen — Quellen der Angst liegt meiner 
Erfahrung nach die tiefste Ursache der mit der Reinlichkeitsgewöhnung ver- 
bundenen Angst und Schuldgefühle. 

Die Reaktionsbildungen des Ekels, der Ordnung und 
Reinlichkeit würden demnach von der aus verschiedenen Quellen ge- 
speisten Angst der frühesten Gefahrsituationen ihren Aus- 
gang nehmen. "Wenn mit dem Einsetzen der späteren analen Stufe die 
Beziehung zum Objekt sich entwickelt, tritt bekanntlich die Reaktions- 
bildung des Mitleids stärker hervor. Die Zufriedenheit des Objektes wird 

— wie ich früher hervorhob — aber auch zum Beweismittel für die eigene 
Sicherheit, zum Schutz gegen innere und äußere Zerstörung, d i e 
"Wiederherstellung des Objektes wird zur Voraussetzung für die 
Unversehrtheit des eigenen Körper s. 41 

Die Angst der frühen Gefahrsituationen steht meiner Auffassung nach in 
enger Beziehung zur Entstehung des Zwanges und des Zwangssymptoms. Sie 
beinhaltet vielfache Zerstörungen im Innern des Körpers, und die Wiedergut- 
machung spielt sich deshalb auf dem gleichen Felde ab. Über das Innere des 
Körpers (sowohl der Objekte wie auch des eigenen Körpers) gibt es aber keine 
Sicherheit: es ist nicht möglich, zu ermitteln, inwieweit die Angst vor 
inneren Zerstörungen und Angriffen begründet, noch auch, inwieweit durch die 
Zwangshandlungen eine Wiedergutmachung tatsächlich erfolgt ist. Die hieraus 
resultierende Unsicherheit, die sich mit der intensiven Angst verbindet 
und diese steigert, und die Unmöglichkeit, sichere Kenntnis von den phantasierten 



41) Meine Annahme, daß Reaktionsbildungen und Schuldgefühle auf einer sehr 
frühen Stufe der Ichentwicklung — schon im zweiten Lebensjahre — auftreten, wird 
durch einige Feststellungen Abrahams gestützt. Er schreibt: „Im Stadium des 
Narzißmus mit kannibalischem Sexualziel tritt als erste nachweisbare Triebhemmung 
die Angst auf. Die Überwindung des Kannibalismus ist eng verknüpft mit der Ent- 
wicklung von Schuldgefühlen, sie treten als typische Hemmungserscheinungen auf der 
dritten Stufe hervor." (Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido, S. 91.) 

— ip?5 — 



\ 

Zerstörungen zu erhalten, setzt sich in zwanghaften Wißtrieb um 
Der phantastische, eine Überprüfung nicht ermöglichende Charakter der 
Angst soll durch Überbetonung der Realität, durch Genauig- 
keit usw. überwunden werden. Der aus dieser Unsicherheit resultierende Zweifel 
wäre demnach nicht nur ein auslösendes Moment für den Zwangscharakter an 
sich, sondern auch für den Antrieb zur Genauigkeit, Ordnung, zur bestimmten 
Einhaltung der Regeln und Rituale usw. Einen weiteren, für den Charakter des 
Zwanges bedeutungsvollen Faktor sehe ich in der Intensität und Viel- 
fältigkeit der (verschiedenen Quellen entstammenden) Angst der 
frühesten Gefahrsituationen. Die Intensität und Vielfältigkeit der Angst wirkt 
sich als ebenso intensiver Antrieb zur Ingangsetzung der Abwehr- 
mechanismen aus. Sie führt zum zwanghaften Säubern, zum Zusammen- 
fügen (wo vorher beschmutzt, zerstört, zerrissen, zerschnitten wurde usw.), zur 
zwanghaften Verschönerung und Wiederherstellung auf mannigfaltige (den Ein- 
zelheiten und der Vielzahl der sadistischen Phantasien entsprechende) Weise. 
Der Zwang, den der Zwangsneurotiker vielfach auch auf andere ausübt, 
resultiert meines Erachtens aus mehrfachen Projektionen, i) Der Zwangs- 
neurotiker sucht sich der Unerträglichkeit des Zwanges, unter dem er steht, 
zu erwehren, indem er sich gegen das Objekt benimmt, als ob es das Es oder 
Über-Ich wäre, und indem er den Zwang nach außen abdrängt. Hiebei wird 
auch der primäre Sadismus durch Quälen und Bemeisterung des Objekts be- 
friedigt. 2) Die Angst vor den seitens der verinnerlichten Objekte erwarteten 
Zerstörungen und Angriffen, die den Zwang, die Imagines zu bemeistern und 
zu beherrschen, auslöst (ein Zwang, der im eigentlichen Sinne nie befriedigt 
werden kann), wendet sich gegen ä u ß er e Ob j ek t e. 

Die I n t e n s i t ä t und die Quantität der Zwangshandlungen 
— mithin die Schwere der Neurose — stünde meiner Auffassung nach im Ver- 
hältnis zur Quantität und Qualität der durch die frühesten Gefahr- 
situationen ausgelösten Angst. Diese Auffassung liefert auch einen Beitrag 
zur Aufklärung der nahen Beziehung, die bekanntlich zwischen der Paranoia 
und den schweren Formen der Zwangsneurose besteht. Nach Abraham 
regrediert in der Paranoia die Libido zur früheren der beiden analsadistischen 
Stufen. Nach meinen Feststellungen wäre diese Annahme dahin zu ergänzen, 
daß bei starker Wirksamkeit der frühen Angstsituationen auf der früheren 
analsadistischen Stufe paranoide Zustände in nuce durchlaufen werden, deren 



Ql 42) n/, e ,m o m: Bemerkun S en «ber einen Fall von Zwangsneurose (Ges. 

5cnr. Bd.VIII, S. 347): Der Zwang aber ist ein Versuch zur Kompensation des 
Zweite s und zur Korrektur der unerträglichen Hemmungszustände, von denen der 
Zweifel Zeugnis ablegt." 



— 176 — 



Überwindung in der ihr zunächst folgenden Phase, auf der späteren anal- 
sadistischen Stufe, erfolgt. Je schwerer die in der Entwicklung voraus- 
gehende paranoide Störung war, desto schwerer wird die 
zwangsneurotische Erkrankung sein. Reichen die zu ihrer Über- 
windung entwickelten zwangsneurotischen Mechanismen nicht aus, dann treten 
hätffig die der Zwangsneurose zugrunde liegenden paranoiden Züge deutlich 
hervor oder eine Paranoia bricht aus. 

Wir wissen, daß die Unterdrückung der Zwangshandlungen Angst auslöst, 
daß die Zwangshandlungen also der Angstbewältigung dienen. Wenn aber die 
auf diese Weise bewältigte Angst die der frühesten Angstsituationen wäre, die 
in der Angst vor vielfachen Zerstörungen des eigenen Körpers sowie der Objekte 
gipfelt, so würde — scheint es mir — auch der tiefere Sinn vieler Zwangs- 
handlungen deutlicher werden. Das zwanghafte Anhäufen sowohl wie das 
zwanghafte Hergeben wird zum Beispiel verständlicher, wenn wir die für den 
analen Austausch grundlegenden Ängste und Schuldgefühle besser kennenlernen. 

Der Zwang, zu nehmen und zurückzugeben, findet in den Spiel- 
analysen vielfachen Ausdruck. Er tritt zugleich mit Angst und Schuldgefühl 
als Reaktion auf vorher dargestellte Raub- und Zerstörungs- 
tendenzen auf. Der Inhalt einer Schachtel zum Beispiel geht teilweise oder 
ganz in eine andere Schachtel über, wo er sorgsam geordnet (beim größeren 
Kinde oft gezählt) und unter allen Zeichen der Angst verwahrt wird. Der 
Inhalt ist verschieden: abgebrannte Streichhölzer, bei denen die Asche oft noch 
verrieben wird, Papierausschnitte, Bleistifte, Bausteine, ein Stück Bindfaden usw. 
Diese Dinge stellen den dem Mutterleib entnommenen Inhalt: Penis des Vaters, 
Kinder, Stuhlstücke, Urin, Milch usw. dar. Das gleiche wird mit Notizblöcken 
dargestellt, denen Seiten entnommen werden, um an einer anderen Stelle ver- 
wahrt zu werden. 

Wir sehen dann oft, daß infolge der einsetzenden Angst nicht nur das früher 
(symbolisch dem Mutterleib) Entnommene wiedererstattet wird, sondern daß 
der Zwang, zu geben, vielmehr zurückzugeben, damit nicht befriedigt ist. Immer 
wieder und auf mannigfaltige Art wird das Zurückerstattete zwanghaft ergänzt, 
wobei hinter den reaktiven Tendenzen immer wieder die primären sadistischen 
durchbrechen. 

Der fünfjährige stark neurotische John entwickelte in diesem Stadium der 
Analyse einen Zählzwang, der allerdings als eine in diesem Alter überaus 
häufige Erscheinung der Umgebung nicht weiter auffiel. Er bezeichnete auf 
einem Blatt Papier die Lage der Männchen und anderer Gegenstände, die er 
auf dieses Blatt gestellt hatte, um sie dann auf ein anderes Blatt zu stellen. 
Er wollte aber nicht nur genau wissen, wo die Sachen gestanden hatten, 
um sie nachher genau an die gleiche Stelle wieder zurück- 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

— 177 — I2 



I 

geben zu können, sondern durch immer wiederkehrendes Zählen suchte er 
auch die Anzahl der von ihm (der Mutter) entnommenen und ihr 
wieder zurückzuerstattenden Dinge (Stuhlstücke, Penis des Vaters 
und Kinder) festzustellen. Dabei nannte er mich, dumm und schlecht 
und fügte hinzu: „Man kann von zehn nicht dreizehn wegnehmen und von 
zwei nicht sieben." Die Angst, mehr zurückgeben zu müssen 
als man besitzt, ist beim Kinde typisch und erklärt sich unter anderem 
aus dem Größenunterschied des Kindes im Vergleich zum Erwachsenen und dem 
Ausmaße des Schuldgefühles. Das Kind hat das Gefühl, das dem — im Ver- 
hältnis zu dem eigenen Körper riesigen — Leib der Mutter Entnommene aus 
seinem kleinen Körper nicht mehr zurückgeben zu können. Der Druck des 
Schuldgefühls, das ihm eine endlose, immer wiederholte Beraubung und Zer- 
störung der Mutter beziehungsweise der Eltern vorwirft, verstärkt das Gefühl, 
nie genug zurückgeben zu können. Das frühe Gefühl des „Nichtwissens" 
trägt wesentlich zur Verstärkung der Angst bei. Ich komme hierauf 
später zurück. Sehr häufig werden die Darstellungen des Zurückgebens dadurch 
unterbrochen, daß das Kind auf die Toilette muß, um zu defäzieren. Ein anderer 
meiner Patienten, auch ein fünfjähriger Knabe, mußte in diesem Stadium der 
Analyse zeitweise vier- bis fünfmal während der Stunde auf die Toilette. Wenn 
er zurückkam, zählte er zwanghaft und erbrachte sich durch hohe Zahlen den 
Beweis, daß er genügend besitze, um das Geraubte zurückzuerstatten. Von 
diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, fällt auf das analsadistische Anhäufen 
von Besitztümern, das nur der Freude des Anhäufens zu entstammen scheint, 
ein neues Licht. Ich habe auch in Analysen von Erwachsenen festgestellt, daß 
der Wunsch, ein Kapital für alle Fälle bereit zu haben, sich als der Wunsch 
nach der Sicherheit erwies, einem Angriff der beraubten — in einigen dieser 
Fälle längst gestorbenen — Mutter gegenüber gerüstet und imstande zu sein, 
ihr das Geraubte zurückgeben zu können. Andrerseits führt die Angst, des 
eigenen Körperinhaltes beraubt zu werden, zu dem Zwange, sich immer mehr 
zu verschaffen, sich „Reserven" anzulegen. Als ich zusammen mit John fest- 
gestellt hatte, daß seine Angst, der Mutter den geraubten Stuhl und die Kinder 
nicht mehr zurückgeben zu können, ihn zu immer neuem Zerschneiden und 
Berauben nötigte, gab er mir noch weitere Gründe an, weshalb er nicht alles 
zurückgeben könne: Der Stuhl sei nämlich inzwischen geschmolzen, er sei doch 
in einemfort abgegangen, und auch wenn er immer wieder frischen mache, 
könne er nun nicht mehr so viel herstellen; auch wisse er nicht, ob sein 
Stuhl dann gut genug sein würde ... „Gut genug" bedeutete zunächst dem 
der Mutter entnommenen Leibesinhalte gleichwertig (daher die Sorgfalt in 
der Wahl der Farben und Formen in den der Wiedergutmachung dienenden Dar- 
stellungen); im tiefsten Sinne aber bedeutete „gut genug" nicht-beschädi- 

— 178 — 



gend, giftfrei. 43 Andrerseits lag den häufigen Konstipationen Johns das 
Bedürfnis zugrunde, den Stuhl in sich zu verwahren, ihn zu behalten, um nicht 
selbst leer zu bleiben. Diese zahlreichen, einander widersprechenden Tendenzen 
— von denen ich hier nur einige herausgreife — lösten schwere Angst aus. 
Wenn die Angst, nicht das Richtige oder nicht genug hergeben, das Beschädigte 
nicnt gutmachen zu können, sich verstärkte, setzten die primären, destruktiven 
Tendenzen wieder mit voller Wucht ein. John zerriß, zerschnitt, verbrannte 
dann die Gegenstände, die er aus reaktiven Tendenzen heraus angefertigt hatte, 
die Schachtel, die er zusammengeklebt und gefüllt hatte, und die die wieder- 
hergestellte Mutter bedeutete, oder das Papier, auf dem er gezeichnet hatte 
(zum Beispiel einen Stadtplan), und konnte sich dann an Zerstören nicht genug 
tun. Dabei offenbarte sich der ursprüngliche sadistische Sinn des Urinierens und 
Defäzierens mit voller Deutlichkeit. Das Zerreißen, Zerschneiden, Verbrennen 
von Papier wechselte mit Benässen durch Wasser und Beschmieren durch Asche, 
Bleistifte usw. ab; all diese Handlungen dienten den gleichen destruktiven 
Zwecken. Benässen und Beschmieren erwiesen sich als ein Aufweichen, Ertränken, 
Vergiften; nasse, zusammengeballte Papierkugeln zum Beispiel stellten infolge 
der Mischung von Urin und Stuhl besonders vergiftende Geschosse dar. Hiebei 
trat deutlich hervor, daß der sadistische Sinn des Urinierens und Defäzierens die 
tiefste Ursache des Schuldgefühls war und daß aus diesem die Antriebe zur 
Wiedergutmachung resultierten, die in den zwangsneurotischen Mechanismen 
einen Ausdruck fanden. 

In der Tatsache, daß die Verstärkung der Angst zur Regression 
auf die Abwehrmechanismen der früheren Stufen führt, 
zeigt sich die verhängnisvolle Wirkung des den frühesten Stufen der Entwicklung 
entstammenden überwältigenden Uber-Ichs. Der Druck dieses Über-Ichs erhöht 
die sadistischen Fixierungen, er bringt die zwanghafte stetige Wiederholung der 
ursprünglichen destruktiven Akte zustande. Die Angst, nicht gutmachen zu 
können, löst wieder die tiefere Angst vor der Rache der in der Phantasie 
getöteten und wiederkehrenden Objekte aus und setzt die Abwehrmechanismen 
der früheren Stufen in Gang, denn das Objekt, das nicht besänftigt 
und befriedigt werden kann, muß beseitigt werden. Mit diesem sinnlos 
drohenden Uber-Ich kann das schwache Ich des Kindes zu keinem Ausgleich 
gelangen; erst auf einer etwas vorgeschritteneren Stufe wirkt sich diese Angst 
auch in Schuldgefühl aus und setzt die zwangsneurotischen Mechanismen in Gang. 
Man stellt in diesem Stadium der Analyse mit Überraschung fest, daß das Kind 
seinen sadistischen Phantasien nicht nur unter schwerstem Angstdruck folgt, 

43) Ernest Jones weist in seiner Arbeit: Angst, Schuldgefühl und Haß (Int.Ztschr. 
f. PsA., Bd. XVI, 1930) darauf hin, daß das Wort „innocent" von „nidit-beschädigend" 
stamme, unschuldig, also das sei, das keinen Schaden anrichte. 



l 79 ~ 



1 



sondern auch daß die Angstbewältigung zur höchsten Lust geworden ist. Den 
Wunsch nach Besitz überwiegt, sobald sich die Angst verstärkt hat, derjenige, 
genug zu haben, um den Drohungen des Über-Ichs und der Objekte zu begegnen*. 
Er wird zum "Wunsch, zurückgeben zu können. Dies erweist sich aber, wenn 
Angst und Konflikte zu stark sind, als unerfüllbar, und wir sehen das schwer 
neurotische Kind unter dem steten Zwang, zu nehmen, um zurück- 
geben zu können. Alle Störungen der analen Funktionen und viele 
körperliche Erkrankungen werden durch diesen Faktor psychisch mitdeterminiert. 
In dem Maße, in dem die vehemente Angst sich vermindert, verlieren die 
reaktiven Tendenzen an Vehemenz und Zwanghaftigkeit und gewinnen an 
Stetigkeit. Wir können dann feststellen, daß die reaktiven Tendenzen leichter 
und anhaltender zum Ausdruck kommen und seltener von den destruktiven 
Tendenzen durchbrochen werden. Die Wiedergutmachung an den Objekten als 
Bedingung der eigenen Wiederherstellung tritt dann immer stärker hervor. Die 
destruktiven Tendenzen haben zwar nicht ihre Wirksamkeit eingestellt, haben 
aber an Vehemenz verloren und sind dem Über-Ich gegenüber anpassungs- 
fähiger geworden. Auch der zweite Teil der zweizeitigen Handlung in der 
Zwangsneurose — die Reaktionsbildung — enthält Anteile der destruktiven 
Triebregungen. Diese werden nun aber mehr vom Über-Ich und Ich gelenkt und 
für Ziele freigegeben, die von diesen gebilligt werden. 

Es besteht, wie wir wissen, ein enger Zusammenhang zwischen den Zwangs- 
handlungen und der „Allmacht der Gedanken". Freud hebt hervor, 44 daß 
die primären Zwangshandlungen der Wilden durchaus magischer Natur sind. 
„Sie sind, wenn nicht Zauber, so doch Gegenzauber, zur Abwehr der Unheils- 
erwartungen bestimmt, mit denen die Neurose zu beginnen pflegt." Ferner: 45 
„Auch die Schutzformeln der Zwangsneurose finden ihr Gegenstück in den Zauber- 
formeln der Magie. Die Entwicklungsgeschichte der Zwangshandlungen kann man 
aber beschreiben, indem man hervorhebt, wie sie vom Sexuellen möglichst weit 
entfernt, als Zauber gegen böse Wünsche beginnen, um als Ersatz für ver- 
botenes sexuelles Tun, das sie möglichst getreu nachahmen, zu enden." 

Aus diesen Ausführungen Freuds geht deutlich hervor, daß die Zwangs- 
handlungen Gegenzauber sind, böse Wünsche (d. h. Todes- 
wünsche), 46 und daß sie zugleich sexuelle Handlungen abwehren. 

Diese drei Momente, die sich zur Abwehr vereinigen, müssen auch bei den 
Handlungen und Phantasien wirksam gewesen sein, die das Schuldgefühl und 

44) Freud: Totem und Tabu (Ges. Sehr., Bd. X, S. 108). 

45) Freud: Totem und Tabu (Ges. Sehr., Bd. X, S. 108). 

46) Freud schreibt (ebenda, S. 107) vom Zwangsneurotiker: „Doch ist sein Schuld- 
gefühl begründet; es fußt auf den intensiven und häufigen Todeswünschen, die sich in 
ihm unbewußt gegen seine Mitmenschen regen." 

— 180 — 



damit die Abwehrhandlungen auslösten. Ich sehe diese Vereinigung von Zauber, 
bösen Wünschen und sexuellem Tun in einer Situation gegeben, die ich im 
vorigen Kapitel ausführlich beschrieb: in der Masturbation des ganz kleinen 
Kindes. 

Ich wies darauf hin, daß die mit dem Beginn des Ödipuskonfliktes einher- 
geljenden Masturbationsphantasien ebenso wie der Ödipuskonflikt 
selbst unter der vollen Herrschaft der sadistischen Triebregungen stehen, 
um den Koitus der Eltern zentrieren, sadistische Angriffe 
gegen diese beinhalten und so zu einer der tiefsten Quellen des Schuldgefühls 
werden. Ich kam zum Ergebnis, daß es die aus den destruktiven Regungen gegen 
die Eltern resultierenden Schuldgefühle sind, die die Masturbation und die 
Sexualität im allgemeinen zu bösem und verbotenem Tun stempeln, die Schuld- 
gefühle also nicht den libidinösen und inzestuösen, sondern den destruktiven 
Triebregungen gelten. 47 Das Entwicklungsstadium, in das meiner Auffassung nach 
der Beginn des Ödipuskonfliktes und die mit diesem einhergehenden sadisti- 
schen Masturbationsphantasien fallen, ist das Stadium des Narzißmus, mit dem 

wir nach F reu d: 48 die „ Hochschätzung der psychischen Aktionen — die wir 

von unserem Standpunkt aus eine Überschätzung heißen ..." — in Verbindung 
bringen können. Aus der Allmacht der Blasen- und Darmfunktion und der an 
diese anschließenden Allmacht der Gedanken, 49 die für dieses Entwicklungs- 
stadium charakteristisch ist, folgt, daß das Kind sich an den vielfältigen, in der 
Phantasie gegen die Eltern ausgeführten Angriffen schuldig fühlt. In dem Über- 
maß der auf diese Weise aus der exkrementeilen Allmacht und der Allmacht der 
Gedanken resultierenden Schuldgefühle sehe ich aber eine Ursache zur Bei- 
behaltung der ursprünglichen Allmachtsgefühle (beziehungsweise Regression auf 
diese), die wir beim Neurotiker und beim Primitiven antreffen. Wenn das 
Schuldgefühl die Abwehr in Form von Zwangshandlungen auslöst, wird das 
Allmachtsgefühl in den Dienst der Wiedergutmachung gestellt. Es muß nun aber 

47) In Kap. I wies ich auf die Obereinstimmung hin, die zwischen dieser Auffassung 
und einigen von Freud in „Das Unbehagen in der Kultur" niedergelegten Ergebnissen 
besteht. Er schreibt dort: „Dann aber ist es doch nur die Aggression, die sich in Schuld- 
gefühl umwandelt, indem sie unterdrückt und dem Über- Ich zugeschoben wird. Ich bin 
überzeugt, wir werden die Vorgänge einfacher und durchsichtiger darstellen können, wenn 
wir den Fund der Psychoanalyse zur Ableitung des Schuldgefühls auf die aggressiven 
Triebe einschränken." Ferner:... „Nun liegt es nahe, den Satz zu formulieren: Wenn 
eine Triebregung der Verdrängung unterliegt, so werden ihre libidinösen Anteile in 
Symptome, ihre aggressiven Komponenten in Schuldgefühl umgesetzt." 

48) Freud: Totem und Tabu (Ges. Sehr., Bd. X, S. 106). 

49) Siehe Freud: Totem und Tabu (Ges. Sehr., Bd. X, S. 106). F e r e n c z i wies auf 
den Zusammenhang zwischen den analen Funktionen und der Allmacht der Worte und 
Gebärden hin (Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. I, 1913). 
Siehe auch Abraham: Zur narzißtischen Bewertung der Exkretions Vorgänge in Traum 
und Neurose (Klinische Beiträge zur Psychoanalyse. Int. PsA. Verl. 1921). 

— 181 — 






in zwanghafter und übermäßiger Weise aufrechterhalten werden, da auch die 
Wiedergutmachung ebenso wie ursprünglich die Zerstörung auf der „Allmacht" 
beruht. 

Freud schreibt: 50 „Ob diese ersten Zwangs- oder Schutzhandlungen dem 
Prinzip der Ähnlichkeit respektive des Kontrastes folgen, ist schwer zu beurteilen, 
denn sie werden unter den Bedingungen der Neurose gewöhnlich durch die Ver- 
schiebung auf irgendein Kleinstes, eine an sich höchst geringfügige Aktion ent- 
stellt." — Die Frühanalyse erbringt unzweideutige Beweise dafür, daß die Mecha- 
nismen der Wiedergutmachung in Quantität, Qualität und in allen Einzelheiten 
letzten Endes vollkommen auf dem Prinzip der Ähnlichkeit beziehungsweise des 
Kontrastes beruhten. Ein sehr starkes primäres, mit den sadistischen Phantasien 
verknüpftes Allmachtsgefühl, das bestehen bliebe, würde demzufolge auch einen 
sehr starken Glauben an eine konstruktive Allmacht erforderlich machen, die im 
Dienste der Wiedergutmachung stünde. 

In den Analysen von Kindern und Erwachsenen läßt sich feststellen, wie 
wesentlich dieses Moment an der Entwicklung und Hemmung konstruktiver und 
reaktiver Handlungen beteiligt ist. Das Gefühl der Allmacht in Hinsicht auf die 
Wiedergutmachung ist nämlich keineswegs dem mit der Zerstörung verknüpften 
Allmachtsgefühl adäquat. Die Reaktionsbildungen setzen ja auf einer Stufe der 
Ichentwicklung und Objektbeziehung ein, die eine sehr viel weiter vorgeschrittene 
Realitätsbeziehung voraussetzt. Demzufolge wird in den Fällen, in denen ein 
überstarkes Gefühl der Allmacht zur Voraussetzung der Wiedergutmachung wird, 
der Glaube an die Möglichkeit der Wiedergutmachung von vornherein behindert 
sein. 61 

In einigen Analysen fand ich, daß die hemmende Wirkung, die sich aus der 
Inkongruenz zwischen den mit der Zerstörung und den mit der Wiedergutmachung 
verknüpften Allmachtsgefühlen ergab, sich noch durch ein spezielles Moment ver- 
stärkt hatte. Bei einem sehr starken primären Sadismus und Allmachtsgefühl lagen 
auch ungewöhnlich starke reaktive Tendenzen vor. Die Wiedergutmachungs- 
tendenzen basierten auf ungewöhnlich starken Größenphantasien. Die Zerstörung 
war in der Phantasie des Kindes eine ungeheuerliche, einzigartige gewesen — auch 
die Wiedergutmachung mußte deshalb aus ganz außerordentlichen, aus weltbewe- 
genden Leistungen bestehen. War schon diese Voraussetzung (obwohl bei zweien 
dieser Fälle tatsächlich ungewöhnliche künstlerisch-produktive Begabungen vor- 

50) Freud: Totem und Tabu. Ebenda, S. 108. 

51) M. N. Searl wies in einer Diskussionsbemerkung (in einer Sitzung der British 
Psycho-Analytical Society) darauf hin, daß die Wiedergutmachungstendenzen des Kindes 
auch dadurch behindert werden, daß es schon sehr früh reale Beweise dafür erhält, daß es 
zwar leicht Dinge zerstören, aber sehr schwer sie wiederherstellen kann. Es scheint mir, 
daß reale Beweise dieser Art die Zweifel des Kindes hinsichtlich seiner konstruktiven 
Allmacht verstärken müssen. 



_ 



lagen) ein starkes Hemmnis für die Ausführung der konstruktiven Tendenzen, 
so ergab sich noch eine sehr wesentliche Verstärkung der Hemmung aus folgendem 
Moment: neben den Größenphantasien bestanden überaus starke Zweifel hin- 
sichtlich der für die Wiedergutmachung erforderlichen Allmacht. Daraus ging das 
Bestreben hervor, auch die bei der Zerstörung betätigte Allmacht zu negieren. 
Jedes Anzeichen der im positiven Sinne geübten Allmacht wäre aber auch ein 
Beweis für die negativ betätigte Allmacht gewesen und mußte deshalb so lange 
vermieden werden, als sich nicht der volle Beweis für eine der destruk- 
tiven Allmacht völlig adäquate konstruktive Allmacht er- 
bringen ließ. Die aus diesen einander widersprechenden Tendenzen sich ergebende 
Forderung des „Alles oder Nichts" führte bei den beiden erwähnten erwachsenen 
Patienten zu schweren Arbeitshemmungen, während sie in einigen Kinderfällen 
mitdeterminierend für die starke Hemmung von Sublimierungen war. 

Der hier beschriebene Mechanismus scheint indessen kein Charakteristikum 
der Zwangsneurose zu sein. Das Krankheitsbild der Patienten, bei denen ich ihn 
beobachtet habe, entsprach keiner Zwangsneurose, sondern Mischformen. 

Der in der Zwangsneurose so stark wirksame Mechanismus der „Verschiebung 
auf ein Kleinstes" ermöglicht es dem Zwangsneurotiker, in geringfügigen Hand- 
lungen den Beweis für seine konstruktive Allmacht und Fähigkeit zur völligen 
Wiederherstellung zu suchen. Es zeigt sich also, daß der Zweifel an der 
eigenen konstruktiven Allmacht 52 ein wesentlicher Antrieb 
für die zwanghafte Wiederholung der Handlungen ist. 

Die enge Verbindung zwischen Wißtrieb und Sadismus ist wohl bekannt. 
Freud schreibt: 53 „Besonders vom Wißtrieb gewinnt man häufig den Eindruck, 
als ob er im Mechanismus der Zwangsneurose den Sadismus geradezu ersetzen 
könnte." Die Verbindung von Wißtrieb und Sadismus erfolgt nach meinen Er- 
fahrungen auf einer ganz frühen Stufe der Ichentwicklung, sie fällt in die Phase 
der Höchstblüte des Sadismus. Der Wißtrieb wird durch den einsetzenden Ödipus- 
konflikt aktiviert und stellt sich zuerst in den Dienst der oralsadistischen Trieb- 
regungen. 54 Mein Material hat mir gezeigt, daß das erste Objekt des 
Wißtriebes der Mutterleib ist, der zuerst als Objekt der oralen 
Befriedigung und bald auch als Schauplatz des elterlichen Koitus empfunden wird 
und in der Phantasie die Kinder und den väterlichen Penis enthält. Zugleich 
mit dem Antrieb, in den Leib der Mutter einzudringen, um sich dessen Inhalt 



52) Freud schreibt über den Zweifel: „Er ist eigentlich ein Zweifel an der Liebe . . ." 
und „Wer an seiner Liebe zweifelt, darf, muß doch auch an allem andern, Geringeren 
zweifeln?" (Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose. Ges. Sehr., Bd. VIII, 
S. 345.) 

73) Freud: Die Disposition zur Zwangsneurose (Ges. Sehr., Bd. V). 

54) Siehe Abraham: Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung (S. 49). 



- i83 - 



anzueignen (zu zerstören), entsteht der Wunsch, zu wissen, was dort vorgeht und 
wie es dort aussieht. Hiebei wird das Bedürfnis, zu wissen, was sich im Mutterleib 
befindet, dem Wunsche, auf zerstörende Art dort einzudringen, vielfach gleich- 
gesetzt, wobei die eine Begierde die andere verstärkt oder auch ersetzt. Auf diese 
Weise geht der Wißtrieb an seiner Quelle eine Verbindung mit dem in 
seiner Höchstblüte stehenden Sadismus ein, der die Innigkeit dieser Ver- 
bindung und auch die durch den Wißt rieb ausgelösten Schuldgefühle 
verständlicher erscheinen läßt. 

Wir sehen das kleine, intellektuell noch völlig ungerüstete Kind einem über- 
wältigenden Ansturm von Fragen und Problemen ausgesetzt. Ein typischer, ins- 
besondere der Mutter geltender Vorwurf ist der, daß sie diese Fragen nicht 
beantwortet, die Wißbegierde ebenso wie die orale Begierde nicht befriedigt hat. 
Dieser Vorwurf spielt eine bedeutsame Rolle für die Entwicklung des Charakters 
wie auch für die des Wißtriebes. Wie weit diese Anklage zeitlich zurückreicht, geht 
daraus hervor, daß wir sie regelmäßig auch mit einem anderen Vorwurf ver- 
bunden finden, dem nämlich, daß das Kind die Worte, die Sprache der Er- 
wachsenen nicht verstand. Diese Anklage reicht also hinter die Grenze 
der Sprachfähigkeit zurück. Außerordentliche Affekte hängen an diesen 
beiden, einzeln oder miteinander verbunden auftretenden Vorwürfen. In solchen 
Stadien pflegen die Kinder — und zwar tat dies auch schon meine zweiunddrei- 
vierteljährige Patientin Rita 55 — in unverständlicher Weise zu sprechen (wobei sie 
Wutreaktionen produzieren). Das Kind vermag diese Fragen ja nicht in Worte 
zu fassen und könnte ihre Beantwortung durch Worte auch nicht verstehen. Sie 
scheinen aber auch zum Teil überhaupt niemals bewußt gewesen zu sein. Ich 
sehe in diesen, auf den frühesten Stufen der Ichentwicklung einsetzenden, 
zur Unbefriedigung verurteilten Regungen des Wißtriebes die 
tiefste Quelle von schweren Störungen des Wi ß t r ieb es. 56 
Sind es demnach die sadistischen, gegen den Mutterleib gerichteten 
Triebregungen, die den Wißtrieb aktivieren, so ergibt sich durch die 
sehr bald als Reaktion auf diese Triebregungen ausgelöste Angst ein weiterer 
und sehr bedeutungsvoller Anstoß zur Intensivierung und Steigerung 
des Wiß trieb es. Der Drang, zu erfahren, was im Innern des mütterlichen 
und des eigenen Körpers vorgeht, verstärkt sich infolge der Angst vor den im 
Mutterleib phantasierten Gefahren und der Angst vor den introjizierten gefähr- 
lichen Objekten und Vorgängen im eigenen Körper. Das Wissen steht nun 
im Dienste der Angstbewältigung. Hieraus ergibt sich ein An- 



$$) Siehe Kap. II. 

56) Auch der Haß gegen Anderssprachige, die Schwierigkeit des Erlernens fremder 
Sprachen usw. scheint mir auf diese frühesten Kränkungen des Wißtriebes zurückzugehen. 

— 184 — 



trieb, sich Kenntnisse zu erwerben, der sowohl für die Entwicklung wie auch für 
die Hemmung des Wißtriebes bedeutungsvoll ist. Denn ebenso wie für die Ent- 
wicklung der Libido wirkt sich auch für die Entwicklung des Wißtriebes die 
Angst als ein entwicklungsförderndes und hemmendes Moment aus. Ich habe in 
diesem Buche an Hand von Material einige Fälle von schweren Störungen 
de^s Wißtriebes besprochen. 57 In diesen Fällen war die Angst, die als 
ungeheuerlich phantasierte Zerstörung des Mutterleibes und die sich 
aus dieser ergebenden Gegenangriffe, Gefahren usw. zur Kenntnis zu 
nehmen, so übermäßig, daß sie die Grundlage für schwere allgemeine 
Störungen des Wißtriebes wurde. Der ursprünglich überaus intensive und unbe- 
friedigt gebliebene Antrieb, sich Wissen über die Anzahl, Beschaffenheit, Größe 
der von der Mutter einverleibten väterlichen Penisse, der Exkremente, Kinder 
usw. zu verschaffen, hatte sich in den Zwang, zu messen, zu rechnen, zu zählen 
usw., umgesetzt. 

In dem Maße, in dem die libidinösen Regungen sich immer 
stärker durchsetzen, die destruktiven sich abschwächen, gehen fort- 
gesetzt qualitative Veränderungen des Über-Ichs vor sich — 
seine Wirksamkeit macht sich dem Ich nun vorwiegend in Form von Mahnungen 
fühlbar. Wenn sich die Angst vermindert, verlieren die Mechanismen, die der 
Wiedergutmachung dienen, an Zwanghaftigkeit und können erfolgreicher, stetiger 
und befriedigender arbeiten. Dann treten auch die der genitalen Stufe ent- 
sprechenden Reaktionen stärker hervor. 

Die genitale Stufe wäre demnach dadurch charakterisiert, daß in der 
Wechselwirkung von Projektion und Introjektion, von 
Über-Ich-Bildung und Objektbeziehung, von der die gesamte 
frühe Entwicklung beherrscht wird, das positive Element zur Vor- 
herrschaft gelangt ist. 



ZEHNTES KAPITEL 



Die Bedeutung früner Angstsituationen 
für die Ichentwicklung 

Die Angst und ihre Verarbeitung stellen ein zentrales Problem der Psycho- 
analyse dar. Die verschiedenen psychoneurotischen Erkrankungen können als mehr 
oder minder mißglückte Versuche der Angstbewältigung aufgefaßt werden. Neben 



diesen als pathologisch zu bezeichnenden Verarbeitungen besteht eine Reihe von 
normalen Verarbeitungen der Angst, denen eine überragende Bedeutung für die 
Ichentwicklung zukommt. Auf einige normale Wege der Angst- 
bewältigung will ich in diesem Kapitel eingehen. 

In den Anfängen seiner Entwicklung gerät das Ich unter den Druck der 
frühen A n g s t s i t u a t i o n en. Das schwache Ich, zwischen die Ansprüche 
eines so heftig drängenden Es und die Drohungen eines grausamen Ober-Ich 
gestellt, muß seine Kräfte zum Höchstmaße anspannen, um 
beiden gerecht zu werden. Wenn Freud das Ich als „armes Ding" bezeichnet, 
„. .., welches unter dreierlei Dienstbarkeiten steht und demzufolge unter den 
Drohungen von dreierlei Gefahren leidet", 1 so gilt das besonders für das 
schwache, unentwickelte Ich des ganz kleinen Kindes. Die Bewältigung des Angst- 
druckes wird zum vornehmsten Ziel des Ichs. 2 

Schon das ganz kleine Kind trachtet unlustvolle Erlebnisse durch das Kinder- 
spiel zu bewältigen, wie uns Freud am Spiel eines anderthalbjährigen Knaben 
gezeigt hat. 3 Indem das Kind immer wieder eine an einen Faden befestigte Spule 
wegwarf — sie verschwinden machte — und sie wieder erscheinen ließ, ver- 
suchte es ein unlustvolles Erlebnis (die zeitweilige Abwesenheit der Mutter) 
psychisch zu bewältigen. Freud erkannte hierin eine generelle Funktion des 
Kinderspiels. Durch das Spiel werden Erlebnisse, die passiv erlebt wurden, in 
aktive Erlebnisse verwandelt, ferner wird Unlust dadurch in Lust umgesetzt, daß 
das ursprünglich unlustvolle Erlebnis zu einem guten Ende gebracht wird. 

Die Frühanalyse zeigt, daß die durch das Kinderspiel bewirkte B e- 
wältigung der unlustvollen Realität zugleich auch der Bewälti- 
gung von Triebangst und von inneren Gefahren dient, die in 
die Außenwelt projiziert werden. 4 

Das Bestreben des Ichs, intrapsychische Prozesse in die Außenwelt zu ver- 
legen und dort zum Ablauf zu bringen, sc heint auch mit einer anderen Funktion 

i) Freud: Das Ich und das Es (Ges. Sehr., Bd. VI, S. 402). 

2) In besonderen Fällen kann die Vehemenz dieses Druckes die Ichentwicklung ganz 
zum Stillstand bringen. Aber auch in weniger abnormen Fällen erweist sich dieser Angst- 
druck nicht nur als ein die Idientwickhmg förderndes, sondern auch als ein sie hem- 
mendes Moment. Hiebei entscheidet - wie bei allen Entwicklungsvorgängen - ein 
gewisses Optimum der zusammenwirkenden Faktoren. (Vgl. meine Arbeit: Die Be- 
deutung der Symbolbildung für die Ichentwicklung. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVI, 19,0) 

3) Freud: Jenseits des Lustprinzips (Ges. Sehr., Bd. VI, S 200) 

4) über die Herkunft der Projektion schreibt F r e u d als über „. . . eine Richtung des 
Verhaltens gegen solche innere Erregungen, welche allzu große Unlustvermehrung herbei- 
führen. Es wird sich die Neigung ergeben, sie so zu behandeln, als ob sie nicht von innen, 
sondern von außen her einwirkten, um die Abwehrmittel des Reizschutzes gegen sie 
in Anwendung bringen zu können Dies ist die Herkunft der Projektion, der eine so große 
Kolle bei der Verursachung pathologischer Prozesse vorbehalten ist." (Jenseits des Lust- 
pnnzips. Ges. Sehr., Bd. VI, S. 217.) 

- 186 - 



1 



des seelischen Apparates zusammenzuhängen, die Freud in den Träumen von 
Unfallsneurotikern aufgedeckt hat. 5 

Die Verlegung von Triebgefahren und inneren Gefahren in die Außenwelt 
ermöglicht nicht nur eine bessere Bewältigung der Angst, sondern auch eine vollere 
Bereitschaft auf diese. 6 Die im Kinderspiel immer wieder versuchte Bewältigung 
von Angstsituationen scheint mir auch „die Reizbewältigung unter Angstentwick- 
lung" einzuschließen. 7 Die Verlegung von Angst, die aus intrapsychischen Ursachen 
entstanden ist, in die Außenwelt (diese Verlegung geht mit der Abdrängung des 
Destruktionstriebes nach außen einher) erhöht auch die Bedeutung des Objektes, 
denn am Objekt (respektive an dessen Ersatz) werden die destruktiven 
Triebregungen, zugleich aber auch die positiven und reaktivenTendenzen 
betätigt. Das Objekt wird so zur Gefahrenquelle, aber insoweit es sich als 
gütig erweist, wird es auch zum Rückhalt gegen die Angst. 

Freud deutete das Wegwerfen der Spule auch als einen Ausdruck der 
sadistischen und Racheimpulse des Kindes gegen die Mutter, die es verlassen 
hatte. 8 Das Wiedererscheinenlassen der Spule, das die Wiederkehr der Mutter 
ausdrückte, scheint mir aber auch die magische Wiederherstellung 8 der 
im ersten Teil des Spieles zerstörten (weggeworfenen = .getöteten) Mutter 
einzuschließen. 

Außer der Erleichterung, die die Projektion dadurch gewährt, daß sie es 
ermöglicht, innere Triebreize wie äußere zu behandeln, bietet die Verlegung von 
Angst vor inneren Gefahren in die Außenwelt auch andere Vorteile. Der Wiß- 
trieb, der zugleich mit dem Sadismus sich auf das Innere des Mutterleibes richtet, 
wird durch die Angst vor den im Mutterleib und im eigenen Leib vor sich 
gehenden unkontrollierbaren Zerstörungen und Gefahren gesteigert. Reale Ge- 
fahren können auch aus dem Grunde besser bewältigt werden, weil man ihr Wesen 
deutlicher erkennen und den Erfolg der gegen sie angewendeten Maßnahmen 
überprüfen kann. Aus diesem Bedürfnis nach Realitätsprüfungen ergeben sich 

5) Freud schreibt: „Diese Träume suchen die Reizbewältigung unter Angstentwick- 
lung nachzuholen, deren Unterlassung die Ursache der traumatischen Neurose geworden 
ist. Sie geben uns so einen Ausblick auf eine Funktion des seelischen Apparats, welche, 
ohne dem Lustprinzip zu widersprechen, doch unabhängig von ihm ist und ursprünglicher 
scheint als die Absicht des Lustgewinns und der Unlustvermeidung." (Jenseits des Lust- 
prinzips. Ges. Sehr., Bd. VI, S. 220.) 

6) Ich habe in den vorhergehenden zwei Kapiteln darauf hingewiesen, daß das Ich 
auf den frühesten Stufen der Entwicklung die Triebangst und Angst vor verinnerlichten 
Objekten nicht genügend ertragen kann und sich ihrer zum Teil durch Skotomisation 
und Negierung der psychischen Realität erwehrt. 

7) Über die nahe Beziehung zwischen Traum und Kinderspiel siehe Kap. I und meine 
Arbeit: Die Rollenbildung im Kinderspiel (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XV, 1929). 

8) Freud: Jenseits des Lustprinzips (Ges. Sehr., Bd. VI, S. 200 — 202). 

9) Ich habe in Kap. IX darauf hingewiesen, daß das Schuldgefühl schon einen An- 
trieb für die frühesten Aktivitäten und Sublimierungen bildet. 

— 187 — 



1 



starke Antriebe für die Entwicklung des Wißtriebes und aller Aktivitäten. D i e 
Aktivitäten, die der Abwehr von Gefahren, dem' Beweis 
gegen Angstinhalte, der Wiedergutmachung am Objekt 
dienen, stehen ebenso wie die frühen Äußerungen des 
Spieltriebs im Dienste der Aufgabe, mit der Realangn 
zugleich auch die Angst vor inneren Gefahren zu be- 
wältigen. 

Infolge der Wechselwirkung von Projektion und Introjektion, die der Wechsel- 
wirkung von Über-Ich-Bildung und Objektbeziehung entspricht, 10 erbringt sich 
das Kind in der Realität Beweise gegen die Angstinhalte, 
mildert aber auch zugleich die Angst durch die Introjektion der realen guten 
Objekte. Da die Liebe und Anwesenheit des realen Objektes auch dem Zwecke 
dient, die Angst vor den introjizierten Objekten und das Schuldgefühl zu ver- 
mindern, so ergibt sich aus der Angst vor inneren Gefahren ein Moment, das 
die Fixierung des kleinen Kindes an die Mutter verstärkt und seine Liebes- und 
Hilfsbedürftigkeit wesentlich steigert. Freud führt aus, daß die uns verständ- 
lichen Fälle der kindlichen Angstäußerungen sich auf eine einzige Bedingung 
reduzieren lassen: „Das Vermissen der geliebten (ersehnten) Person." 11 Er führt 
diese Angst auf das Stadium zurück, in dem das noch unentwickelte Wesen in 
so hohem Maße der Mutter bedurfte. Das Vermissen der geliebten (ersehnten) 
Person, den L i e b es v er lu s t, den Ob j ek t v e r 1 u s t als Gefahr, auch 
die Angst, im Dunkeln allein oder mit einer fremden Person zu bleiben, lernte 
ich als modifizierte Auswirkungen der frühesten Angst- 
situationen, nämlich der Angst vor gefährlichen verinner- 
lichten und äußeren Objekten kennen. Zu dieser frühesten Angst 
tritt auf einer etwas späteren Entwicklungsstufe auch die Sorge um das 
Objekt selbst. Das Kind empfindet nun Angst vor dem Tod der Mutter 
infolge der in der Phantasie auf sie verübten Angriffe und fürchtet außerdem, 
in seiner Hilflosigkeit sich selbst überlassen zu bleiben. Freud schreibt: 12 
„Er" (der Säugling) „kann das zeitweilige Vermissen und den dauernden Verlust 
noch nicht unterscheiden; wenn er die Mutter das eine Mal nicht zu Gesicht 
bekommen hat, benimmt er sich so, als ob er sie nicht wiedersehen sollte, und es 
bedarf wiederholter tröstlicher Erfahrungen, bis er gelernt hat, daß auf ein 
solches Verschwinden der Mutter ihr Wiedererscheinen zu folgen pflegt." 13 



10) Siehe Kap. IX. 

n) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S 77) 

12) Freud: Ebenda, S. 113. 
,. l p.J m di A esen Erfahrungen läßt sich aber das Kind nur dann überzeugen, wenn 
die frühesten Angwsituattonen nicht dominieren und die Beziehung zum realen Objekt 
bei der Uber-Ich-Bildung sich genügend durchsetzt. Das kleine Kind empfindet unter 

- 188 - 



Nach meinen Erfahrungen soll die Mutter immer wieder durch ihre Anwesen- 
heit beweisen, daß sie nicht die „böse", angreifende Mutter ist. Das reale 
Objekt soll die Angst vor den introjizierten, furchterregenden Objekten, 
vor dem Ober-Ich entkräften. Außerdem soll die Anwesenheit der Mutter 
auch dem Beweis dienen, daß sie nicht tot ist. 

<In dem Maße, in dem die Realitätsbeziehung fortschreitet, wird die Beziehung 
zu den Objekten, werden Aktivitäten und Sublimierungen immer mehr zum 
Rückhalt gegen die Angst vor dem Ober-Ich und den destruktiven Triebregungen. 
Ich ging davon aus, daß die Angst die Ichentwicklung stimuliert. Das Ich 
trachtet die Angst mit Hilfe der Beziehung zu den 
Objekten und zur Realität zu bewältigen, und dieses Be- 
streben wird grundlegend für die I c h e n t w i c k 1 u n g und die Realitäts- 
anpassung. 

Das Über-Ich und das Objekt sind nicht identisch. Das kleine Kind bemüht 
sich aber immer wieder, sie für einander einzusetzen. Es tut dies, teils um seine 
Angst vor dem Über-Ich zu vermindern, teils um den Anforderungen der realen 
Objekte, die sich nicht mit den phantastischen Geboten der introjizierten Objekte 
decken, besser entsprechen zu können. Das Ich des kleinen Kindes wird also 
sowohl durch den Konflikt zwischen Über-Ich und Es belastet als auch durch die 
Gegensätzlichkeit der verschiedenen Forderungen des Über-Ichs (das sich aus ver- 
schiedenartigen, im Laufe der Entwicklung gebildeten Imagines zusammensetzt) 
sowie durch die Differenz zwischen den Forderungen des Über-Ichs und denen 
der realen Objekte. Dies führt dazu, daß das frühkindliche Ich zwischen den 
introjizierten und realen Objekten, zwischen Phantasiewelt und Realität hin 
und her pendelt. 

Der angestrebte Ausgleich zwischen Über-Ich und Es gelingt in der frühen 
Kindheit noch nicht, weil das Drängen des Es und die korrespondierende Strenge 



dem Druck der frühen Angstsituationen die zeitweilige Abwesenheit der Mutter als 
eine dauernde. Wiederholt konnte ich aber auch in Analysen von größeren Kindern fest- 
stellen, daß jede Abwesenheit der Mutter die frühesten Angstsituationen aktivierte. 
Ich habe in meiner Arbeit: Die Rollenbildung im Kinderspiel (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XV, 
1929) von einem sechsjährigen Knaben berichtet, der mir die Rolle einer „Feenmutter" 
zuschob, die ihn gegen die „bösen" vereinigten Eltern schützen und diese töten sollte. 
Er ließ mich wiederholt den unmittelbaren Wechsel zwischen der „Feenmutter" und der 
„bösen Mutter" darstellen. Als Feenmutter hatte ich die durch ein großes wildes Tier 
(die vereinigten bösen Eltern) ihm beigebrachten tödlichen Wunden zu heilen. Im 
nächsten Augenblick aber sollte ich mich entfernen, als „böse" Mutter wieder kommen 
und ihn angreifen. Er sagte dabei: „man weiß nie, wenn die Feenmutter aus dem Zimmer 
geht, ob sie nicht gleich als böse Mutter wiederkommt." Dieser Knabe, bei dem von 
frühauf eine ungewöhnliche Fixierung an die Mutter bestanden hatte, meinte auch 
dauernd, daß den Eltern und Geschwistern etwas zugestoßen sei. Es ergab sich, daß, 
selbst wenn er die Mutter eben noch gesehen hatte, dies keine Gewähr dafür bot, daß 
sie nicht inzwischen gestorben sei. 

— 189 — 



des Über-Ichs alle Kräfte des Ichs in Anspruch nehmen. Wenn mit dem Einsetze 
des Latenzalters Libidoentwicklung und Über-Ich-Bildung ihren Abschluß 
finden, erstarkt das Ich und kann die Herstellung eines Ausgleichs zwischen den 
verschiedenen Faktoren auf einer breiteren Basis in Angriff nehmen Das 
erstarkte Ich einigt sich mit dem Über-Ich auf eine gemeinsame 
Zielsetzung, die vor allem die Unterwerfung und Anpassung des 
Es an die Forderungen der Objekte und an die Realität 
beinhaltet. Das Ichideal des Kindes in dieser Entwicklungsperiode ist das brave 
Kind, das Eltern und Lehrer zufriedenstellt. 

Diese Stabilisierung wird in der Vorpubertät, besonders aber in der 
i übertat erschüttert. Der einsetzende Libidoschub führt zu verstärkten 
Forderungen des Es. Zugleich erhöht sich der Druck des Über-Ichs. Das Ich 
gerat wieder in schwerste Bedrängnis und sieht sich vor die Notwendigkeit 
gestellt, einen neuen Ausgleich herbeizuführen. Der alte hat versagt, die 
Triebkräfte können nicht mehr in der gleichen Weise niedergehalten und ein- 
geschränkt werden. Die Angst verstärkt sich dadurch, daß ein Triebdurchbruch 
nun auch real leichter möglich und folgenschwerer ist als im frühen Kindesalter 
Es kommt im Einverständnis mit dem Über-Ich zu einer neuen Zielsetzung des 
Ichs. Die Ablösung von den alten Liebesobjekten wird nötig. 
Wir sehen den Jugendlichen vielfach im Gegensatz zu seiner Umgebung und auf 
der Suche nach neuen Objekten. Diese Forderung steht nun auch wieder in einem 
gewissen Einklang mit der Realität, die in diesem Alter erhöhte und veränderte 
Aufgaben stellt. Die Flucht vor den alten Objekten führt im weiteren Verlauf 
der Entwicklung auch zu einer teilweisen Ablösung von persönlichen 
Objekten überhaupt und setzt Prinzipien und Ideale an deren 
Stelle. 

Die endgültige Stabilisierung erfolgt erst nach dem Abschluß 
der Pubertät, wenn Ich und Über-Ich sich auf die Zielsetzungen des 
Erwachsenen einigen können. An Stelle der Abhängigkeit von der Um- 
gebung tritt die Anpassung an eine erweiterte Umwelt. Die An- 
forderungen der neuen Realität werden zwar anerkannt, aber als eigene, innere 
Forderungen aufgestellt. Mit der gelungenen Ablösung von den ursprünglichen 
Objekten geht auch die größere Unabhängigkeit von den Objekten im allge- 
meinen einher. Dieser Ausgleich basiert auf der Anerkennung einer neuen Realität 
und kommt mit Hilfe eines erstarkten Ichs zustande. Andrerseits trägt - analog 
der ersten Blütezeit der Sexualität - der von der gefahrdrohenden Situation 
zwischen den übermäßigen Forderungen des Es und des Über-Ichs ausgehende 
Druck wieder wesentlich zur Erstarkung des Ichs bei. 

Den hemmenden Einfluß dieses Druckes erkennen wir in der mit dem Abschluß 
der Pubertät einsetzenden, neuerlichen und in den meisten Fällen endgültigen 

— 190 — 



Einschränkung der Persönlichkeit. Der Phantasieaufschwung, der — wenn auch 
meist schwächer als in der ersten Kindheitsperiode — in dieser zweiten Blüte 
der Sexualität wieder einsetzt, ist nach ihrem Abschluß in der überwiegenden 
ZahJ der Fälle wieder stark eingeschränkt. "Wir haben den „normalen" Er- 
wachsenen vor uns. 

Greifen wir aus dieser Zusammenfassung einen wesentlichen Punkt heraus. 
Wir sehen, daß Über-Ich und Es sich im frühen Kindesalter noch nicht zu 
einigen vermögen. Im Latenzalter kommt es zu einer Stabilisierung, wenn Ich 
und Über-Ich sich auf ein gemeinsames Ziel einigen. Die Pubertätszeit bringt 
eine der Frühzeit analoge Situation, die wiederum mit einer Stabilisierung 
abschließt. Ich habe die Unterschiede zwischen den beiden Stabilisierungen 
besprochen und hebe nun als ein Gemeinsames hervor, daß in beiden Fällen der 
Ausgleich dadurch erfolgt, daß Ich und Über-Ich sich auf eine 
gemeinsame Zielsetzung einigen und ein den Anforderungen der 
Realität rechnungtragendes Ichideal aufstellen. 14 

Ich habe mich bemüht, in den früheren Kapiteln nachzuweisen, daß die Ent- 
wicklung des Über-Ichs zusammen mit der der Libido beim Einsetzen des Latenz- 
alters ihren Abschluß findet. Als einen Punkt von zentraler Bedeutung hebe ich 
nun hervor, daß wir es in den verschiedenen Entwicklungs- 
stadien, die dem Abklingen des Ödipuskonfliktes folgen, nicht mit Ver- 
änderungen des Über-Ichs, sondern mit der Entwicklung des 
Ichs zu tun haben, die eine Konsolidierung des Über-Ichs 
einschließt. Aus der Tatsache, daß es im Latenzalter das gemeinsame Ziel 
des Ichs und des Über-Ichs ist, sich der Umgebung anzupassen und deren Ich- 
ideale zu den eigenen zu machen, und nicht aus Veränderungen des Über-Ichs 
selbst erklärt sich mir, daß die allgemeine Stabilisierung in dieser Entwicklungs- 
periode erfolgt. 

Im Anschluß an meine Darstellung der Ichentwicklung will ich nun unter- 
suchen, wie diese sich zur Bewältigung der Angstsituationen verhält, die ich 
als einen so wesentlichen Entwicklungsfaktor beschrieb. Ich hob hervor, daß das 
Spiel des kleinen Kindes, das die Brücke zwischen Phantasie 



14) „Das Ich beherrscht den Zugang zum Bewußtsein wie den Übergang zur 
Handlung gegen die Außenwelt; in der Verdrängung betätigt es seine Macht nach beiden 
Richtungen." Andrerseits: — „Wir haben dort die Abhängigkeit des Ichs vom Es wie 
vom Über-Ich geschildert, seine Ohnmacht und Angstbereitschaft gegen beide, seine 
mühsam aufrecht erhaltene Überheblichkeit entlarvt." (Freud: Hemmung, Symptom 
und Angst. Ges. Sehr., Bd. XI, S. 32.) Meine Auffassung der Ichentwicklung ist in 
Übereinstimmung mit diesen Sätzen Freuds, denn sie zeigt, wie die Macht des Über-Ichs 
einerseits und die Macht des Ichs andrerseits aufeinander einwirken und so gemeinsam 
den Verlauf der Entwicklung bestimmen. 



— 191 — 



1 



und Realität herstellt, dem Bestreben dient, Angst vor äußeren und 
inneren Gefahren zu bewältigen. 

Nehmen wir als Beispiel die typischen Mutterspiele kleiner 
Mädchen. Die Analyse normaler Kinder zeigt, daß bei diesen Spielen 
(neben den wunscherfüllenden Tendenzen) auch noch die tiefste Angst der frühen 
Angstsituationen wirksam ist. Dem immer wieder erneuten "Wunsch nach Puppen- 
kindern liegt auch das Bedürfnis nach Trost und Beruhigung zugrunde. 
Die Puppenkinder sollen dem Mädchen den Beweis erbringen, daß sein Körper 
nicht zerstört ist, daß die Mutter es nicht der Kinder beraubt hat, oder daß es 
Kinder bekommen kann. Ferner erbringt sich das Mädchen durch das sorgfältige 
Pflegen und Schmücken der Puppenkinder in Identifizierung mit diesen den Beweis 
für den Besitz einer liebenden Mutter und vermindert dadurch seine Angst, 
verlassen, ohne Heim, der Mutter beraubt zu sein. Diesem Zweck dienen bei 
Knaben und Mädchen auch andere Spiele, wie z. B. das Einrichten von 
Wohnungen, das Reisen nach anderen Orten, die dem Wunsch entspringen, ein 
neues Heim — letzten Endes neuerlich die Mutter — zu finden. 

Ich führe nun ein typisches K n a b e n s p i e 1 an, das die männliche 
Komponente deutlich zum Ausdruck bringt. Das Spiel mit Wagen, Pferden, 
Zügen stellt symbolisch das Eindringen in den Mutterleib dar. Der Kampf mit 
dem Vater im Leib der Mutter und der Koitus mit der Mutter wird immer 
wieder mit den verschiedensten Abänderungen dargestellt. Durch die Tapferkeit, 
Geschicklichkeit, Schlauheit, mit denen der Knabe sich im Spiel der Feinde 
erwehrt, beweist er sich, daß er erfolgreich gegen den kastrierenden Vater 
kämpfen kann und setzt so seine Angst vor diesem herab. Dadurch und mittels 
der verschiedenartigen Darstellungen des Koitus mit der Mutter und der dabei 
bewiesenen Geschicklichkeit sucht der Knabe sich auch den Besitz des Penis und 
seine Potenz zu beweisen, deren Verlust er aus den tiefsten Angstsituationen 
heraus befürchtet. Er beweist sich auch zugleich, da neben den aggressiven auch 
die Wiederherstellungstendenzen der Mutter gegenüber in diesen Spielen zum 
Ausdruck kommen, daß sein Penis nicht destruktiv ist, und beruhigt auf diese 
Weise sein Schuldgefühl. 15 

Die intensive Lust, die nicht-spielgehemmte Kinder aus dem Spiele 
schöpfen, entspringt neben der Befriedigung wunscherfüllender Ten- 
denzen auch aus der A n g s t b e w ä 1 1 i g u n g, die durch das Spiel erfolgt. 
Es handelt sich aber dabei nicht einfach um ein bloßes Nebeneinander, sondern 
das Ich bedient sich — wie mir scheint — zum Zwecke der Angstbewältigung auch 
weitgehend aller wunscherfüllenden Mechanismen. Im Kinderspiele würde also 
durch einen komplizierten Prozeß, der alle Ichkräfte mobilisiert, eine Um- 




setzung von Angst in Lust erfolgen. Ich werde später darauf zurück- 
kommen, wie dieser grundlegende Prozeß sich auch in der Ökonomie des Seelen- 
lebens und in der Ichentwicklung des Erwachsenen auswirkt. 

Die Bewältigung der Angst vor inneren Gefahren kann aber durch das Spiel 
niemals vollständig gelingen. Es bleibt Angst latent wirksam, die sich 
als steter Spielantrieb äußert. Wird sie manifest, so führt sie 
zur Unterbrechung des Spiels. 

Das Spiel des kleinen Kindes läßt also erkennen, daß das frühkindliche Ich 
das Ziel der Angstbewältigung nur unvollkommen zu erreichen vermag. Mit dem 
Einsetzen des Latenz alters gelingt die Angstbewältigung besser, zugleich 
zeigt sich auch eine größere Fähigkeit, den Forderungen der Realität 
zu entsprechen. Das Spiel verliert an Phantasiegehalt und tritt all- 
mählich gegen die Schulaufgabe zurück. Die zunächst spielerische Beschäftigung 
mit Buchstaben, Zahlen, Zeichnungen löst vielfach die Rolle des Spielzeugs ab. 
Die Art, wie die Buchstaben aneinandergefügt werden, der Eifer, der auf die 
Form, Gleichmäßigkeit und Reihenfolge verwendet wird, die Freude am Gelingen 
aller dieser Einzelheiten beruht auf den gleichen inneren Voraussetzungen wie 
das Hausbau- und Puppenspiel. Das schöne, ordentliche Schulheft besitzt 
für das Mädchen die gleiche symbolische Bedeutung wie das Haus und die 
Wohnung, nämlich die des heilen, makellosen Körpers. Buchstaben und 
Zahlen stellen die Eltern, Geschwister, Kinder, Genitalien und Exkremente dar. 
Dabei kommen die ursprünglichen aggressiven Tendenzen ebenso zum Ausdruck 
wie die reaktiven. Die Beweise, die die Angstinhalte widerlegen sollen, werden 
nun durch die gelungene Schulaufgabe geliefert, die an Stelle des Spiels mit 
Puppen und Hauseinrichtungen tritt. Analysen des Latenzalters zeigten 
mir, daß nicht nur jede Einzelheit der Schulaufgabe, sondern auch der 
verschiedenartigen Handarbeiten, Zeichnungen u. dgl. in der Phan- 
tasie der Wiederherstellung des eigenen Genitales und Körpers sowie des mütter- 
lichen Körpers und seines Inhaltes, des väterlichen Penis, der einzelnen Ge- 
schwister usw. dient. Einzelheiten der Puppenbekleidung sowie der eigenen 
Bekleidung (z. B. Kragen, Manschetten, Schal, Kappe, Gürtel, Strümpfe, Schuhe) 
haben dabei symbolische Bedeutung. 16 Dem normalen Entwicklungsgang entspricht, 
daß die Sorgfalt, die das kleinere Kind auf das „Malen" der Buchstaben und 
Zahlen verwendet, beim größeren Kinde auch auf das in t ellektuelle 
Gelingen der Leistungen übergeht. Die Befriedigung über die 
„Leistung" ist aber in dieser Entwicklungsperiode von der Anerkennung der 
Umgebung abhängig. Die Leistung ist das Mittel, die Zufriedenheit der 



16) Vgl. J.C.Flügel: The Psydiology of Clothes (Hogarth Press, 1930). 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

— 193 — '3 



Autoritäten zu erwerben. Der Gegenbeweis gegen die Gefahr- 
situationen wird also im Latenzalter w'eitgehend 'durch 
die Liebe und Zufriedenheit der realen Objekte erbracht. 
Das Verhältnis zu den Objekten und zur Realität ist ein 
überbetontes. 

Beim Knaben wird das Schreiben zum Ausdruck der männlichen Komponente. 17 
Das Gelingen des Buchstabens, der Schwung, mit dem er gemalt wurde, stellt die 
aktive Ausführung des Koitus und damit zugleich den Beweis für den Besitz 
des Penis und der Potenz dar. Buch und Heft bedeuten dann das Genitale oder 
den Leib der Mutter oder der Schwester. 18 Bei einem sechsjährigen Knaben 
zum Beispiel bedeutete das „L" einen Reiter (den Penis und ihn selbst), der durch 
einen Torbogen (das mütterliche Genitale) reitet, das „i" den Penis und ihn 
selbst, das „e" die Mutter und ihr Genitale und das „ie" die Vereinigung beider 
im Koitus. Große und kleine Buchstaben bedeuteten im allgemeinen Eltern und 
Kinder usw. 19 Die aktiven Koitusphantasien des Knaben finden auch in B e- 
wegungsspielen und im Sport ihren Ausdruck, wobei wir in den 
Einzelheiten dieser Spiele die gleichen Phantasien wie in den Schul- 
aufgaben wiederfinden. Der Wunsch, den Rivalen zu übertreffen und sich 
dadurch den Gegenbeweis gegen die Gefahr der Kastration durch den Vater zu 
erbringen, der der männlichen Verarbeitung der Angstsituation entspricht und 
später im Pubertätsalter so bedeutungsvoll wird, zeigt sich auch schon beim 
Knaben im Latenzalter. Im allgemeinen ist der Knabe auch schon im Latenzalter 
weniger von der Sanktion der Umgebung abhängig als das Mädchen. Die Leistung 
an sich spielt auch schon in dieser Entwicklungsperiode beim Knaben eine größere 
Rolle als beim Mädchen. 

Ich habe als die Grundlage der Stabilisierung im Latenzalter 
die vom Ich in Übereinstimmung mit dem Uber-Ich aufgestellte Anpassung an 
die Realität beschrieben. Diese Zielsetzung beruht auf der durch alle Faktoren 
gemeinsam durchgeführten Niederhaltung und Einschränkung 
der Triebe. Damit hängt auch der Abgewöhnungskampf gegen die Onanie 
zusammen, der im Latenzalter „. . . einen Großteil der Energien in Anspruch 
nimmt ..." (Freu d). Der Abgewöhnungskampf trifft auch mit voller "Wucht 
die Masturbationsphantasien, die — wie ich wiederholt begründete — ein Element 



17) Audi beim Mädchen sind Schreiben und andere Aktivitäten vorwiegend der Aus- 
druck seiner männlichen Komponente. 

18) Beim Knaben hat — und zwar aus seiner femininen Position heraus — das 
Heft und die Aufgabe auch die Bedeutung des eigenen Körpers, den er wiederherzustellen 
strebt. 

*9) Vgl. meine Arbeit: Die Bedeutung der Schule für die libidinöse Entwicklung des 
Kindes. Int. Ztschr. f . PsA., Bd. IX, 1923. 



— 194 — 



des Kinderspiels wie auch der Lerntätigkeiten und des weiteren aller Sublimie- 
rungen sind. 20 

Im Latenzalter bedarf das Kind in so hohem Maße der Billigung der Objekte, 
um den Einspruch des Über-Ichs (das sich auf dieser Stufe den Objekten anpassen 
will) gegen die desexualisierten Masturbationsphantasien herabzusetzen. So ergibt 
sich einerseits im Latenzalter die Forderung, die Onanie zu ver- 
meiden, die Masturbationsphantasien zu verdrängen, andrerseits die Gegen- 
forderung, die desexualisierten Masturbationsphantasien 
(in ihrer Umsetzung in Leistungen) erfolgreich und zur Zufrieden- 
heit der Autoritäten durchzuführen. Denn nur mit Hilfe erfolg- 
reicher Sublimierungen kann der umfangreiche Gegenbeweis gegen die Angst- 
situationen, dessen das Ich bedarf, erbracht werden. Die Stabilisierung im Latenz- 
alter hängt davon ab, wie dieser Durchgang zwischen Scylla und Charybdis 
gelingt. Die Sanktion der Autoritäten, die eine Bedingung der Angstbewältigung 
im Latenzalter ist, ist andrerseits für diesen Prozeß eine Voraussetzung. 

Diese kursorische Zusammenfassung so reich gegliederter und komplizierter 
Entwicklungsvorgänge muß notgedrungen eine schematische sein. Die Abgrenzung 
zwischen dem normalen und dem neurotischen Kinde ist insbesondere im 
Latenzalter in Wirklichkeit weniger scharf. Das neurotische Kind 
kann auch ein erfolgreicher Schüler sein. Das normale Kind ist nicht 
immer lerneifrig. Es erbringt sich häufig den Gegenbeweis gegen die Angst- 
situationen auf andere Arten, zum Beispiel durch körperliche Geschicklichkeit. 
Das normale Mädchen im Latenzalter zeigt vielfach vorwiegend die männliche 
aktive Art der Angstbewältigung, und der Knabe im Latenzalter ist oft noch als 
normal zu bezeichnen, auch wenn er seine Angst mehr auf die passive weibliche 
Art verarbeitet. 

Freud weist auf die in dieser Altersstufe einsetzenden typischen Zeremoniell- 



20) In meiner Arbeit: Die Bedeutung der Schule für die libidinöse Entwicklung des 
Kindes (Int. Ztsdir. f. PsA., Bd. IX, 1923) ging ich auf die unbewußte Bedeutung der 
einzelnen Schulgegenstände ein und besprach die tieferen Ursachen von Lern- und Schul- 
hemmungen. Die Hemmung der Phantasie infolge überstarker Verdrängung der Mastur- 
bationsphantasien äußert sich in der Spielhemmung und auch in der Lernhemmung. Die 
Hemmung der Phantasietätigkeit im Latenzalter tritt im ganzen Wesen des Kindes sehr 
deutlich hervor. Freud schreibt in: Die Frage der Laienanalyse (Ges. Sehr., Bd. XI, 
S. 342); „Ich habe den Eindruck, daß sie" (die Kinder) „mit dem Eintritt in die Latenz- 
zeit auch geistig gehemmt, dümmer, werden. Viele Kinder verlieren auch von da an ihren 
körperlichen Reiz." 

Das Ich erkauft eben die Aufrechterhaltung seiner Position dem Es gegenüber durch 
zahlreiche Einschränkungen. In den Entwicklungsperioden, in denen die Niederhaltung 
des Es dem Ich nicht so weitgehend gelingt (in der ersten und zweiten Blütezeit der 
Sexualität), ist die Phantasietätigkeit eine viel reichere, was sich in einer geringeren 
Stabilität und in einem größeren Reichtum der Persönlichkeit ausdrückt. 

— 195 — '3* 



bildungen hin, die durch den Kampf gegen die Onanie erzeugt werden. 21 Die 
Latenzzeit ist ferner „durch die Aufrichtung der ethischen und ästhetischen 
Schranken im Ich" 22 gekennzeichnet. Da die Reaktionsbildungen der Zwangs- 
neurotiker nur „Übertreibungen der normalen Charakterbildung" 22 sind, ist — 
abgesehen von krassen Fällen — die Grenze zwischen zwangsneurotischen Reak- 
tionen und der normalen, von der Erziehung geförderten Charakterentwicklung 
bei Kindern im Latenzalter oft nur schwer feststellbar. 

Ich vertrat die Auffassung, daß die Ausgangssituation der Zwangsneurose in 
die frühe Kindheit fällt, daß aber in dieser Entwicklungsperiode im allgemeinen 
sich nur einzelne zwangsneurotische Züge entwickeln, die im 
Latenzalter zu einem organisierten Ganzen, zur Zwangs- 
neurose, zusammengefaßt werden. Dieser Prozeß geht mit 
der Konsolidierung des Ober- I chs 23 un d der Stärkung des 
Ichs einher und kommt dadurch zustande, daß das Über-Ich und das Ich 24 
sich auf eine gemeinsame Zielsetzung einigen; sie ist die Voraussetzung für die 
Machtstellung des Ichs und des Über-Ichs über das Es. Die von den Objekten 
geforderte Triebunterdrückung wird mit Hilfe der zwangsneurotischen Mecha- 
nismen durchgeführt. Die Niederhaltung der Triebregungen setzt aber das Zu- 
sammenwirken aller beteiligten Faktoren gegen das Es voraus. In dieser um- 
fassenden Organisierung dokumentiert sich „die Neigung des Ichs zur Synthese". 25 

Im Latenzalter ist die Zwangsneurose geeignet, die Ansprüche des Ichs, des 
Über-Ichs und der Objekte zu befriedigen. Die im allgemeinen starke Abwehr 
der Erwachsenen gegen die Affekte des Kindes ist häufig aus dem Grunde so 
erfolgreich, weil sie den inneren Forderungen des Kindes entgegenkommt. 26 

21) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 55). 

22) Freud: Ebenda, S. 54. 

23) Diese beruht auf einer besseren Synthese der verschiedenartigen Identifizierungen 
und der damit einhergehenden Vereinheitlichung der Forderungen des Ober-Ichs. Es 
kommt nun auch eine bessere Angleichung der verinnerlichten Objekte an die äußeren 
zustande. 

Siehe auch meine Arbeit: Die Rollenbildung im Kinderspiel (Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XV, 1929). 

24) Freud schreibt in Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. $2): 
„ . . . daß Ich und Über-Ich hier" (in der Zwangsneurose) „einen besonders großen 
Anteil an der Symptombildung nehmen." 

25) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 52). 

26) Der Einfluß der Umgebung kann auch Veränderungen der Neurose bewirken. 
So fand ich zum Beispiel in einigen Analysen, daß die günstige Wirkung einer Milieu- 
veränderung darauf zurückzuführen war, daß Symptome, die der Umgebung lästig 
waren, für andere, weniger beachtete, aber für den Aufbau der Neurose nicht weniger 
bedeutungsvolle, eingetauscht wurden. Auch die Verstärkung der Angst vor den Ob- 
jekten vermag mitunter zu einem Zurücktreten von Symptomen zu führen. Als Beispiel 
verweise ich auf einen Fall, den ich in meiner Arbeit: Zur Genese des Tic (Int. Ztschr. f. 
PsA., Bd. IX, 1923) besprach. Der Knabe war, als er zur Schule kam, ein guter Schüler, 

— 196 — 



Man erfährt oft in Analysen, daß das Kind darunter leidet und in Konflikt 
gerät, wenn die Erziehungspersonen sich zu stark mit den Unarten und aggressiven 
Tendenzen des Kindes identifizieren. Das Ich des Kindes fühlt sich seiner Auf- 
gabe, das Es niederzuhalten und die verpönten Triebregungen zu bekämpfen, 
eben nur mit Hilfe der erziehenden Personen gewachsen. Es bedarf der äußeren 
Verbote, weil diese, wie wir wissen, eine Stütze für die inneren Verbote sind. 
Es bedarf der Repräsentanten des Über-Ichs in der Außenwelt. Die Abhängigkeit 
von den Objekten als Bedingung der Angstbewältigung ist im Latenzalter sehr 
viel stärker als in den anderen Entwicklungsphasen. Es scheint mir geradezu die 
Voraussetzung eines gelungenen Überganges in das Latenzalter zu sein, daß die 
Objektbeziehung und Realitätsanpassung zur Grundlage der Angstbewältigung 
werden. Es ist aber für die spätere Stabilität erforderlich, daß dieser Mecha- 
nismus der Angstbewältigung nicht übermäßig vorherrscht. 

Stehen Interessen, Leistungen und sonstige Befriedigungen übermäßig im 
Dienste des Bestrebens, die Liebe, Anerkennung und Billigung der Objekte zu 
erreichen, überwiegt also die Bedeutung der Objektbeziehung für die Angst- 
bewältigung und die Beruhigung des Schuldgefühls, so scheint die psychische 
Gesundheit für die Zukunft nicht gut fundiert. Liegt eine geringere Abhängigkeit 
von den Objekten vor, und ist es die Freude an der Leistung an sich, die Be- 
friedigung von Interessen, die zur Angstbewältigung und zur Verminderung der 
Schuldgefühle beitragen, so wird die Angst einer besseren Verarbeitung und einer 
umfassenderen Verteilung — gewissermaßen einer Verflachung — unterzogen. 
Ist aber die Angst geringer, so wächst zugleich die Fähigkeit zur libidinösen 
Befriedigung: eine Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf der Angst- 
bewältigung. Die Angstbewältigung gelingt nur dann, wenn ein befriedigender 
Ausgleich zwischen Über-Ich und Es vorliegt und eine genügende Stärke des Ichs 
erreicht wurde. 27 



aber in Bewegungsspielen und sportlichen Dingen sehr gehemmt gewesen. Der Zwang, 
den der Vater, der nach längerer Abwesenheit heimkehrte, in dieser Beziehung auf ihn 
ausübte, bewirkte, daß er aus Angst vor dem Vater die Sporthemmung zum Teil über- 
wand. Dafür setzte zugleich eine schwere Lernhemmung ein, die noch bestand, als ich 
den Knaben im Alter von vierzehn Jahren in Analyse nahm. 

27) In der ersten Kindheitsperiode sind — wenn man den Kriterien genügende 
Bedeutung beimißt, — die Grundlagen späterer Erkrankungen und Fehlentwicklungen 
weit deutlicher erkennbar als im Latenzalter. Es läßt sich vielfach feststellen, daß Indi- 
viduen, die im Pubertätsalter oder später erkranken, in der frühen Kindheit große 
Schwierigkeiten hatten, aber in der Latenzzeit gut angepaßt waren, den von der Er- 
ziehung gestellten Forderungen — oft mehr als genügend — nachkamen und keine 
auffallenden Schwierigkeiten zeigten. 

In Fällen, in denen die Angst der frühesten Stufen zu intensiv ist oder ihre Modifi- 
zierung nicht gelingt, kommt die auf den zwangsneurotischen Mechanismen beruhende 
Stabilisierung auch schon im Latenzalter nicht zustande. 



— 197 



Da die Objektbeziehung in dieser Entwicklungsperiode auch normalerweise 
dem Kinde einen so starken psychischen Rückhalt bietet, so ist die übermäßige 
Bedeutung, die diesem Moment in vielen Fällen zukommt, weniger augenfällig. 
Sie zeigt sich aber deutlich im Pubertätsalter, da die Abhängigkeit von den 
Objekten — wenn sie das dominierende Mittel der Angstbewältigung ist — nun 
nicht mehr ausreicht, um die Angst zu binden. Dies scheint mir einer der Gründe 
zu sein, daß psychotische Erkrankungen im allgemeinen erst während oder nach 
der Pubertät ausbrechen. Wenn wir die Stärke des Ichs, die auf Herabsetzung 
der Strenge des Über-Ichs beruht und auch ein größeres Ausmaß an Triebfreiheit 
einschließt, neben einer Anpassung an die Zielsetzung dieser Entwicklungsperiode 
zum Maßstab nehmen, werden wir nicht in Gefahr geraten, die Anpassung an die 
Forderungen der Erziehung und an die Realität im Latenzalter als Kriterium für 
die geglückte Entwicklung und Gesundheit zu überschätzen. 28 

Freud schreibt, daß „die Pubertät in der Entwicklung der Zwangs- 
neurose einen entscheidenden Abschnitt macht". Ferner — „es werden also einer- 
seits die aggressiven Regungen der Frühzeit wieder erwachen, andrerseits muß 
ein mehr oder minder großer Anteil der neuen libidinösen Regungen — in bösen 
Fällen deren Ganzes — die durch die Regression vorgezeichneten Bahnen ein- 
schlagen und als aggressive und destruktive Absichten auftreten. Infolge dieser 
Verkleidung der erotischen Strebungen und der starken Reaktionsbildungen im 
Ich wird nun der Kampf gegen die Sexualität unter ethischer Flagge weiter- 
geführt." 39 

Die Aufstellung neuer Prinzipien und idealisierter Vater-Imagines sowie die 
erhöhten Forderungen an sich selbst dienen der Entfernung von den 
ursprünglichen Objekten. Dadurch kann die ursprüngliche positive 



1 



28) Gelingt die Forderung des Latenzalters, sich der Umgebung anzupassen, zu gut, 
so ergibt sich daraus die weitgehende Abhängigkeit des Ichideals und des Charakters 
auch für das Erwachsenenalter. Ein zu schwaches Ich (als das Resultat eines nicht genügend 
geglückten Ausgleichs zwischen Über-Ich und Es) wird aber Gefahr laufen, im Pubertäts- 
alter die Ablösung von den Objekten und die damit verbundene Fähigkeit der Auf- 
stellung unabhängiger innerer Forderungen nicht durchführen zu können und charakter- 
lich zu versagen. 

Eine geringere Abhängigkeit von den Objekten vereinigt sich sehr wohl mit den An- 
sprüchen der Erziehung. Eine Ablösung von den Objekten in dem Sinne, wie es das 
Pubertätsalter mit sich bringt, habe ich in Analysen des Latenzalters niemals eintreten 
sehen, sondern nur eine Verminderung übermäßiger und ambivalenter Fixierungen. Die 
größere Unabhängigkeit äußert sich in dieser Entwicklungsperiode in einer besseren Möglich- 
keit, auch andere Objekte zu finden; sie bereitet der späteren vorgezeichneten Ablösung 
im Pubertätsalter den Boden vor. Die Schwierigkeiten in der Anpassung an die Um- 
gebung werden durch die Analyse nur vermindert und nicht erhöht. Je freier das Kind 
innerlich ist, desto besser kann es sich der Umgebung anpassen und sich mit dieser 
verständigen. 

29) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. j6). 

— 198 — 



Bindung an den Vater herangezogen und verstärkt und die Gefahr des Zusammen- 
stoßes mit diesem vermindert werden. Dieser Vorgang entspricht einer Spal- 
tung derVater-Imago. Der erhöhte und bewunderte Vater kann nun 
geliebt und verehrt werden, während der „böse** Vater, der sehr häufig der 
reale Vater oder ein Vertreter (Lehrer) ist, die in dieser Entwicklungsperiode 
überaus starken Haßregungen auf sich zieht. In der aggressiven Beziehung zum 
gehaßten Vater beweist sich der Knabe auch, daß er ihm gewachsen ist und 
vom Vater nicht kastriert werden wird. In der Beziehung zur bewunderten 
Vater-Imago beweist sich der Knabe, daß er einen mächtigen und hilfreichen 
Vater besitzt. Mit diesem kann er sich auch identifizieren und er bezieht hieraus 
einen stärkeren Glauben an die eigenen konstruktiven Fähigkeiten und die 
eigene Potenz. Nun gewinnt die Leistung an Bedeutung. Durch die Leistung 
(sowohl die sportliche als auch die intellektuelle), die an den Mut, an die Kraft, 
an die Unternehmungslust auch in einem übertragenen Sinn appelliert, beweist 
sich der Knabe unter anderem, daß die befürchtete Kastration nicht eingetreten 
und er nicht impotent ist. Die Leistung befriedigt auch die reaktiven Tendenzen 
und beruhigt das Schuldgefühl. Sie beweist, daß die konstruktiven Fähigkeiten 
die destruktiven Tendenzen überwiegen und stellt auch eine Wiedergutmachung 
an den Objekten dar. Diese Beweise tragen wesentlich zur Befriedigung über die 
Leistung bei. 80 

Die Beruhigung der Angst und des Schuldgefühls, die das Kind im Latenz- 
alter in der gelungenen Ausführung von Aktivitäten empfindet, d i e 
durch die Zufriedenheit der Umgebung ichgerecht werden, 
muß in der Pubertät in verstärktem Maße durch die „Leistung" und 
die Arbeit selbst erfolgen. 

Ich gehe nun noch kurz auf die Verarbeitung der Angstsituation in der 
weiblichen Pubertät ein. Das normale Mädchen dieses Alters behält 
länger die Zielsetzung der Latenzzeit und die dieser Entwicklungsstufe gemäßen 
Methoden der Angstbewältigung bei. In vielen Fällen dominiert im Pubertäts- 
alter beim Mädchen die männliche Art der Angstbewältigung. Die Befestigung 
der weiblichen Position setzt sich aus Gründen, auf die ich im nächsten Kapitel 
näher eingehen werde, beim jungen Mädchen schwerer durch als die korrespon- 
dierende Einstellung beim Knaben. Das junge Mädchen stellt auch erhöhte Forde- 
rungen an sich und andere. Sie nehmen bei ihm aber weniger die Form abstrakter 
Prinzipien an, sondern stehen mehr in Beziehung zu verehrten Personen. Der 

30) Bei zahlreichen Sublimierungen, insbesondere bei intellektuellen und künstlerischen 
Leistungen oder Zielen, spielt beim Knaben vielfach die weibliche Art der Angst- 
bewältigung eine bedeutende Rolle. Buch, Werk, in ihrer Bedeutung als Körper, 
Fruchtbarkeit, Kind usw., dienen auch als Gegenbeweis gegen die aus der femininen 
Position des Mannes befürchtete Zerstörung des Körpers durch die Mutter als Rivalin. 

— 199 — 



Wunsch, zu gefallen, erstreckt sich auch auf die geistigen Leistungen und hat selbst 
dort noch einen Anteil, wo es zu Höchstleistungen kommt. Das Verhältnis zur 
Arbeit ist in den Fällen, in denen nicht die männliche Komponente in der Leistung 
überwiegt, beim Mädchen analog dem zum eigenen Körper. Die Beschäftigung mit 
beiden dient in weitgehendem Maße der Verarbeitung der Angstsituation. Der 
schöne Körper, die vollkommene Leistung erbringen auch der 
heranwachsenden Frau den gleichen Gegenbeweis, den das Kind benötigt, nämlich: 
daß der Körper nicht innerlich zerstört wurde, daß die Kinder ihm nicht geraubt 
wurden. Bei der erwachsenen Frau tritt das Verhältnis zum 
eigenen Kinde, das so häufig die Beziehung zur Arbeit ablöst, auch 
stark in den Dienst der Angstverarbeitung. Der erwachsenen Frau gibt der Besitz 
des Kindes, seine Pflege, die Sicherheit seines Gedeihens, ähnlich wie das 
Puppenspiel dem kleinen Mädchen, immer wieder den erneuten 
Beweis dafür, daß sie im Besitz des Kindes nicht bedroht ist, und beruhigt auch 
ihre Schuldgefühle. 31 Die kleinen und größeren Gefahrsituationen, die sich bei 
der Erziehung von Kindern ergeben, sind bei glücklichem Ausgang geeignet, immer 
wieder Beweise gegen die frühesten Angstinhalte zu erbringen. Das Verhältnis 
der Frau zum eigenen Heim hat ebenfalls eine besondere Bedeutung für die 
weibliche Art der Angstbewältigung. Das Heim wird dem eigenen Körper gleich- 
gesetzt, hat aber auch eine direktere Beziehung zur frühen Angstsituation. Das 
Rivalitätsverhältnis zur Mutter drückt sich — wie ich schon besprach — beim 
kleinen Mädchen auch in den Phantasien aus, die Mutter zu vertreiben und ihre 
Stelle als Herrin des Hauses einzunehmen. Ein wesentliches Stück der Angst- 
situation beinhaltet (bei beiden Geschlechtern, insbesondere aber beim weiblichen 
Kinde) die Phantasie, aus dem Heim vertrieben, obdachlos zu werden. 32 Der 
Befriedigung über das eigene Heim liegt stets auch der Gegenbeweis gegen dieses 
Stück der Angstsituation zugrunde. Die normale Stabilisierung der 
Frau beruht darauf, daß ihr Kind, ihre Arbeit, ihre Tätig- 
keit, die Pflege, das Schmücken des eigenen Körpers und 
des Heims ihr den Gegenbeweis gegen die Gefahrsitua- 
tionen voll erbringt. 33 Die Beziehung zum Manne ist weit- 
gehend von dem Bedürfnis der Frau bestimmt, sich durch sein Gefallen den 
Beweis für ihre körperliche Unversehrtheit zu erbringen. Der Narzißmus 

31) Ich gehe auf die tieferen Grundlagen der Beziehung zum Kinde im nächsten 
Kapitel ein. 

32) Die Angst, ein Bettlerkind, eine verlassene Waise zu werden, ist in jeder Kinder- 
analyse aufzudecken. Sie hat einen wesentlichen Anteil an der Fixierung an die Mutter 
und ist ein Spezialfall der Angst vor dem Liebesverlust. 

33) Ich stellte zum Beispiel in einigen Fällen fest, daß nach vorangegangener De- 
pression durch die Morgentoilette sich ein Gefühl der Frische und Tatkraft einstellte, 
das in vielfachem Sinne eine Wiederherstellung bedeutete. 

— aoo — 



der Frau steht also stark im Dienste der Angstbewältigung. An 
der weiblichen Art der Angstbewältigung liegt es, daß die Frau von der Liebe 
des Mannes (von den Objekten im allgemeinen) so viel abhängiger ist als der 
Mann in seiner Beziehung zur Frau. Aber auch der Mann bezieht aus dem Liebesgenuß 
eine Beruhigung von Angst, die einen wesentlichen Anteil an der Sexualbefriedi- 
gung hat. 

Die normale Angstbewältigung scheint an eine Reihe von Vor- 
aussetzungen gebunden. Hiebei wirken quantitative Momente, 
wie das Ausmaß des Sadismus, die Angstquantitäten und die Fähigkeit des Ichs, 
Angst zu ertragen, mit den spezifischen Methoden der Angst- 
bewältigung zusammen. Bei einem Optimum der ineinandergreifenden 
Momente können allem Anschein nach auch sehr große Angstquantitäten gut 
verarbeitet werden, und es kann dabei eine befriedigende (oder sogar hervor- 
ragende) Ichentwicklung und psychische Gesundheit erreicht werden. Die Be- 
dingungen der Angstbewältigung sind nicht weniger spezifisch als die Liebes- 
bedingungen und stehen allem Anschein nach in innigem Zusammenhang mit 
diesen. 34 

In bestimmten Fällen ist der Mechanismus der Angstbewältigung durch Über- 
windung der Gefahrsituation an besonders schwere Bedingungen, an Situationen, 
die starke Angst auslösen, gebunden. (Dieser Mechanismus tritt besonders stark 
im Pubertätsalter hervor.) In anderen Fällen ist die möglichste, in extremen 
Fällen phobische Vermeidung von Angstsituationen die Bedingung der Angst- 
bewältigung. Zwischen diesen Extremen liegt der als normal zu bezeichnende 
Antrieb, Lust aus der Überwindung von Angstsituationen zu gewinnen, die mit 
nicht zu großer (wohl auch nicht zu direkter, also auch besser dosierter) Angst 
verbunden sind. 

Ich habe in diesem Kapitel nachzuweisen versucht, daß alle Aktivitäten und 
Sublimierungen auch der Angstbewältigung und der Beruhigung der Schuldgefühle 
dienen. Neben der Befriedigung aggressiver Regungen ist die Wiedergutmachung 
am Objekt und die "Wiederherstellung des eigenen Körpers und Genitales eine 
Wurzel aller Aktivitäten und Interessen. 

Ich habe darauf hingewiesen, 35 daß auf einer ganz frühen Entwicklungsstufe 
das Allmachtsgefühl in den Dienst der destruktiven Triebregungen gestellt wird. 
Das Gefühl negativer, destruktiver Allmacht macht, wenn die Reaktionsbildungen 
einsetzen, einen Glauben an eine positive Allmacht erforderlich. Je stärker das 
sadistische Allmachtsgefühl war, ein um so stärkeres Gefühl positiver Allmacht 
ist notwendig, um den Forderungen des Über-Ichs nach Wiedergutmachung nach- 
kommen zu können. 

34) Siehe Kap. XL 
3$) Siehe Kap. IX. 



Wenn die Wiedergutmachung einen sehr starken Allmachtsglauben voraussetzt 
{z. B. die volle Wiedergutmachung an beiden Elternteilen, den Geschwistern usw. 
und in Verschiebung auf andere Objekte — unter Umständen auf die ganze 
Welt — ), so wird es von der Stärke der Ichentwicklung und der die phantasti- 
schen Forderungen regulierenden Realitätsanpassung abhängen, ob es zu Höchst- 
leistungen und zum Gelingen 36 der Ichentwicklung und der Sexualentwicklung 
oder zu schweren Hemmungen kommt. 

Ich fasse nun meine Ausführungen zusammen. Ich habe mich bemüht, einen 
Einblick in den komplizierten, alle Energien mobilisierenden Prozeß zu geben, 
durch den das Ich die Bewältigung der infantilen Angstsituationen durchführt. 
Das Gelingen dieses Prozesses ist ein grundlegender Faktor für die Ichentwicklung, 
zugleich aber auch entscheidend für die psychische Gesundheit. Denn die vielfache, 
stetige, aus mannigfachen Quellen fließende Beruhigung der Angst 
und des Schuldgefühls, die der normale Erwachsene aus 
seinen Tätigkeiten, Interessen, sozialen Beziehungen und aus seiner Liebes- 
befriedigung schöpft, gibt ihm die Möglichkeit, sich von den ur- 
sprünglichen Angstsituationen weitgehend zu entfernen und 
ihren Druck zu verteilen und abzuschwächen. Durch den generellen Anteil dieses 
Mechanismus auch bei unbedeutenden Verrichtungen ergibt sich aus der Über- 
windung alltäglicher Schwierigkeiten ein ökonomisch wichtiger Weg zur Angst- 
bewältigung für den Normalen. 37 

Ich habe nun zu überprüfen, wie meine Annahme von der normalen Ver- 
arbeitung der Angstsituationen sich zur Auffassung Freuds verhält. Freud 
schreibt: 38 „Es müssen also im Verlaufe der Reifung Angstbedingungen auf- 
gegeben worden sein und Gefahrsituationen ihre Bedeutung verloren haben." 
Dieser Satz schränkt sich aber durch nachfolgende Betrachtungen Freuds wieder 
ein. Er schreibt anschließend: „Dazu kommt, daß einige dieser Gefahrsituationen 
sich dadurch in späte Zeiten hinüber retten, daß sie ihre Angstbedingungen zeit- 
gemäß modifizieren." 

Meine Auffassung von der Verarbeitung der Angstsituationen scheint mir ein 
Beitrag zum Problem zu sein, in welcher Weise sich der Normale von den 
Gefahrsituationen entfernt und die Angstbedingungen modifiziert. Daß auch beim 
Normalen die weitgehende Entfernung von den Angst- 

36) Das Übermaß der Forderungen und die Inkongruenz zwischen destruktiver und 
konstruktiver Allmacht kann zur Hemmung von Sublimierungen, zur Störung der 
Produktivität und der Sexualentwicklung führen. Ich gehe auf einen Fall dieser Art im 
Kap. XII ein. 

37) Wenn aber auch die alltäglichen Verrichtungen so stark mit Angst verknüpft sind, 
so wäre dies für den Neurotiker ein Grund mehr, sie als belastend zu empfinden und 
in ihrer Ausübung zu versagen. 

38) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XI, S. 89). 



1 



Situationen sich nicht mit einem Aufgeben der Angst- 
situationen deckt, muß ich nach meinen Erfahrungen vertreten. Praktisch 
sind ja bei normaler Entwicklung die direkten Auswirkungen der Angstsituationen 
nicht vorhanden; sie treten aber unter gewissen Verhältnissen wieder auf. Bei 
stärkeren Belastungen, wenn der Gesunde erkrankt oder sonst versagt, 
können wir die tiefsten Angstsituationen auch bei ihm in voller 
und direkter Wirksamkeit erkennen. Da aber die Möglichkeit der neuroti- 
schen Erkrankung bei jedem Gesunden vorliegt, würde sich auch daraus die 
Folgerung ergeben, daß die Angstsituationen nie ganz aufgegeben werden. 

Diese Feststellung steht mit folgenden Sätzen Freuds 39 im Einklang: „Der 
Neurotiker unterscheidet sich dann von dem Normalen dadurch, daß er die Reak- 
tionen auf diese Gefahren übermäßig erhöht. Gegen die Wiederkehr der ursprüng- 
lichen traumatischen Angstsituationen bietet endlich auch das Erwachsensein keinen 
zureichenden Schutz; es dürfte für jedermann eine Grenze geben, über die hinaus 
sein seelischer Apparat in der Bewältigung der Erledigung heischenden Erregungs- 
mengen versagt." 



ELFTES KAPITEL 

Die Auswirkungen lrüher Angstsituationen 
aul die weibliche Oexualentw^icklung 

Die Psychologie der Frau ist durch die Forschungen der Psychoanalyse nicht im 
gleichen Maße aufgeklärt worden wie die des Mannes. Da zuerst der Motor der 
Neurosenbildung beim Manne — die Kastrationsangst — erkannt wurde, studierte 
man auch bei der Frau zunächst die Erscheinungen, die den neurosebildenden 
Faktoren beim Manne entsprechen. Diese Erkenntnisse wurden aber vorwiegend 
den Analogien zwischen Mann und Frau und weniger den psychischen Differenzen 
gerecht. — Den Kernpunkt des Problems faßt F r e u d 1 in den folgenden Worten 
zusammen: „ . . . und weiters: steht es fest, daß die Kastrationsangst der einzige 
Motor der Verdrängung (oder Abwehr) ist? Wenn man an die Neurose der 
Frauen denkt, muß man das bezweifeln, denn so sicher sich der Kastrations- 
komplex bei ihnen konstatieren läßt, von einer Kastrationsangst im richtigen 
Sinne kann man bei bereits vollzogener Kastration doch nicht sprechen." 

39) Freud: Ebenda, S. 90. 
1) Freud: Hemmung, Symptom und Angst (Ges. Sehr., Bd. XL, S. 63). 



Wenn wir uns vergegenwärtigen, von wie großer Bedeutung jeder Fortschritt 
im Verständnis der Kastrationsangst sowohl für die Therapie der männlichen 
Neurosen wie für die Psychologie des Mannes war, so ergibt sich, daß die 
Kenntnis jener Angst, die beim weiblichen Kinde der Kastra- 
tionsangst des Knaben äquivalent sein muß, die Therapie der 
weiblichen Neurosen vervollkommnen und dazu beitragen wird, den genaueren 
Verlauf der weiblichen Sexualentwicklung aufzuklären. 

Angstsituation des Mädchens. Ich habe einen Beitrag zu dieser 
offenen Frage in meiner Arbeit „Frühstadien des Ödipuskonfliktes" 2 geliefert. 
Ich vertrat dort die Auffassung, daß die tiefste Angst des Mädchens die vor der 
Beraubung und Zerstörung seines Leibesinneren ist. Die orale Versagung durch 
die Mutter führt zur Abwendung von ihr und zur Zuwendung zum väterlichen 
Penis als Objekt der Befriedigung. Dieses Begehren drängt zu weiteren Ent- 
wicklungsschritten. Den Kern der frühkindlichen Sexualtheorien bilden Phantasien 
(die Mutter verleibt sich den Penis des Vaters ein und gibt dem Vater die Brust), 
die Neid und Haß wegen der von beiden Elternteilen ausgeübten Versagung 
auslösen. In diesem Entwicklungsstadium ist es bei beiden Geschlechtern die 
nahrungspendende Mutter, deren Leib alles Begehrenswerte — auch den Penis des 
Vaters — enthält. Diese Sexualtheorie steigert den Haß des Mädchens gegen die 
Mutter wegen der Versagung und trägt zu den sadistischen Phan- 
tasien bei, in denen das Mädchen das Leibesinnere der Mutter 
angreift, beraubt und zerstört. Infolge der daraus resultierenden 
Vergeltungsangst bilden diese Phantasien die Basis für die tiefste 
Angstsituation des Mädchens. 

Ernest Jones sieht in der „Aphanisis", der Angst vor der völligen und 
dauernden Vernichtung der sexuellen Genußfähigkeit, die frühe dominierende 
Angstsituation des Kindes beiderlei Geschlechtes. 3 Diese Annahme berührt sich 
eng mit meiner Auffassung. Die Zerstörung der Genußfähigkeit scheint mir 
auch eine Vernichtung der der libidinösen Befriedigung dienenden Organe ein- 
zuschließen, die das weibliche Kind zugleich mit den Angriffen auf seinen Leib 
und sein Leibesinneres — insbesondere durch die Mutter — erwartet. Die Angst 
für das Genitale ist besonders intensiv, zum Teil, weil die gegen die Mutter 
gerichteten sadistisdien Regungen sich sehr stark gegen ihr Genitale und ihren 
Liebesgenuß richten, zum Teil aber, weil die Angst vor der Unfähigkeit zur 
libidinösen Befriedigung die Angst vor Beschädigung des Genitales steigert. 

Frühstadien des Ödipuskonfliktes. Nach meinen Erfahrungen 
ist es das orale, auch schon mit genitalen Regungen einhergehende B e- 

2) Int. Ztsdir. f. PsA., Bd. XIV, 1928. 

3) Ernest Jones: Die erste Entwicklung der weiblichen Sexualität. (Int. Ztsdir f 
PsA., Bd. XIV, 1928.) 



g eh r en na ch dem Penis des Va t e r s, das die ödi pusstrebungen 
einleitet. Ich fand, daß der Wunsch, den väterlichen Penis der Mutter zu 
rauben und sich selbst einzuverleiben, ein grundlegender Faktor der 
weiblichen Sexualentwicklung ist. Der Groll des Mädchens dar- 
über, daß die Mutter ihm die spendende Brust entzogen hat, verstärkt 
sich nun durch die weitere Anklage, daß sie ihm den Penis des Vaters 
als Objekt der Befriedigung vorenthält, und bildet die tiefste Quelle des 
aus den Ödipusregungen resultierenden Hasses des weiblichen Kindes gegen die 
Mutter. 

Diese Annahmen weichen in einigen Punkten von der bisherigen psychoanalyti- 
schen Theorie ab, da Freud zum Ergebnis kam, 4 daß beim Mädchen der Kastrations- 
komplex den Ödipuskomplex einleitet, und der Groll gegen die Mutter, die dem 
Mädchen den Penis versagte, den Anstoß zur Abwendung von ihr gibt. Der 
Unterschied zwischen meiner Auffassung und der von Freud vermindert sich 
aber wesentlich durch die Überlegung, daß beide Auffassungen in zwei Punkten 
übereinstimmen, i) das Mädchen wünscht den Besitz des Penis, 2) es haßt die 
Mutter wegen der Versagung des Penis. Nach meiner Annahme ist es aber nicht 
ein eigener Penis als männliches Attribut, den das weibliche Kind zuerst fordert, 
sondern der väterliche Penis, den es sich als Objekt oraler Befriedigung einver- 
leiben will. Ferner ist, meiner Meinung nach, die Forderung nach dem Penis nicht 
eine Äußerung des Kastrationskomplexes, sondern eine — und zwar die grund- 
legende — Äußerung der ödipusstrebungen. Demnach würde das weibliche Kind 
nicht auf dem Umweg über Männlichkeitstendenzen und Penisneid, sondern aus 
der dominierenden weiblichen Komponente heraus unter die Herrschaft der 
ödipusstrebungen geraten. 5 

"Wenn das Mädchen sich dem Penis des Vaters als Objekt der Befriedigung 
zuwendet, sind mehrere Momente für die Intensität bestimmend, mit der diese 
Forderung erhoben wird. Aus dem Drängen der oralsaugenden Regungen heraus, 
begünstigt durch die an der Mutterbrust erlittene Versagung, die das neue 
Begehren steigert, erwächst ein Phantasiebild vom väterlichen Penis als einem 
Organ, das zum Unterschied von der Mutterbrust eine niemals endende und 
grandiose orale Befriedigung spenden kann. 6 Die urethralsadistischen Trieb- 

4) Freud: Einige Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschiedes. (Ges. Sehr., Bd. XI.) 
$) Karen Homey hat in ihrer Arbeit „Zur Genese des weiblichen Kastrations- 
komplexes" (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. IX, 1923) die Auffassung vertreten, daß es die in 
der ödipussituation erlittene Versagung ist, die den Kastrationskomplex des Mädchens 
auslöst, und daß der Wunsch nach dem Penisbesitz zunächst aus den ödipuswünschen 
und nicht aus den Männlichkeitswünschen entspringt. Der begehrte Penis wird als 
Bestandteil und Ersatz des Vaters betrachtet. 

6) Helene Deutsch hat in ihrem Buche „Psychoanalyse der weiblichen Sexual- 
funktionen" (Int. PsA. Verl. 1925) darauf hingewiesen, daß schon in der frühesten Ent- 

— ao5 — 



regungen tragen zur Entwicklung dieser Phantasie bei. Das Kind beiderlei 
Geschlechts mißt dem Penis (bei dem sie ja auch deutlicher zutage treten) sehr 
viel stärkere urethrale Fähigkeiten zu als dem weiblichen Harnapparat. Da in 
der Phantasie des kleinen Kindes alle Körperstoffe einander gleichgesetzt werden, 
verknüpfen sich die Vorstellungen von der urethralen Macht des Penis mit den 
oralen Phantasien. Dem kleinen Mädchen erscheint der Penis als Objekt, das 
magische Fähigkeiten zur oralen Befriedigung besitzt. Da die an der Mutterbrust 
erlittene orale Versagung aber auch zugleich alle anderen erogenen Zonen stimu- 
liert und die genitalen Strebungen und Begierden in Beziehung zum väter- 
lichen Penis auslöst, wird dieser das Objekt oraler, urethraler, 
analer und genitaler Triebregungen. Ein weiteres Moment, das zur 
Intensivierung dieser Wünsche beiträgt, sehe ich in der unbewußten Sexualtheorie, 
daß die Mutter sich den Penis des Vaters einverleibt habe, und dem aus diesen 
Phantasien resultierenden Neid. An dem Zusammenwirken aller dieser Momente 
scheint es mir zu liegen, daß in der Phantasie des kleinen Mädchens der Penis 
des Vaters mit ungeheurer Machtfülle ausgestattet und zum Gegen- 
stand höchster Bewunderung 7 und intensivsten Verlangens wird. Dieses Verhältnis 
zum väterlichen Penis wirkt sich, wenn die weibliche Einstellung dominierend 
bleibt, in vielen Fällen als Demut und Unterwerfung dem Manne gegenüber aus. 
Andrerseits bildet es aber auch die Grundlage für die Intensität 
des Hasses, den die Versagung des so leidenschaftlich be- 
gehrten und bewunderten Objekts auslösen kann, sowie für die 



wicklungsphase „die zärtliche Liebe, die dem Vater, dem nächsten neben der Mutter 
bestehenden Objekt, zugetragen wird, als Zuschuß auch einen großen Teil der voll- 
sexuellen Libido erhält, die von der Mundzone her die mütterliche Brust besetzt hat", 
— „da für das Ubw in einer Entwicklungsphase der väterliche Penis als Saugorgan 
mit der mütterlichen Brust gleichgesetzt wurde." Auch in einem anderen Punkte stimmen 
meine Ergebnisse mit denen von Helene Deutsch überein, nämlich darin, daß die Vagina 
„in der Verlegung von oben nach unten die passive Rolle des saugenden Mundes in 
der Gleichsetzung Penis = Mamma übernimmt. Diese orale, saugende Tätigkeit der Vagina 
ist im ganzen anatomischen Bau vorgezeichnet" (1. c. S. 54). — Während aber nach 
Helene Deutsch diese Phantasien erst nach der Geschlechtsreife und durch den 
Geschlechtsakt ihre Wirksamkeit entfalten, sehe ich in der frühen Gleichsetzung des 
Penis mit der Mamma ein Moment, das von der Versagung durch die Mutterbrust ein- 
geleitet wird und auch alsbald starke, für die ganze Entwicklung bedeutsame Wirkungen 
ausübt. Die Gleichsetzung Penis = Mamma ist meiner Auffassung nach auch schon von 
der Verlegung „von oben nach unten" begleitet und aktiviert auch schon die oralen 
aufnehmenden Qualitäten des weiblichen Genitales. Diese Gleichsetzung ermöglicht eine 
Bereitschaft der Vagina für die Aufnahme des Penis, leitet so die ödipusstrebungen ein 
(die allerdings erst viel später sich voll durchsetzen) und bildet die Grundlage der 
weiblichen Sexualentwicklung. 

7) Ein Teil dieser Bewunderung strahlt auch noch auf die Mutter aus, die in gewissen 
Fällen seitens der Tochter nur als Besitzerin des väterlichen Penis geschätzt und an- 
erkannt wird. 

— 206 — 



Erscheinungen, die sich bei der männlich eingestellten Frau als Penisneid 
geltend machen. 

Die aus den oral-, urethral- und analsadistischen Triebregungen entspringenden 
Phantasien des kleinen Mädchens von der ungeheuren Machtfülle sowie auch der 
physischen Größe und Stärke des väterlichen Penis bewirken aber auch, daß 
diesem überaus gefährliche und bedrohliche Eigenschaften zugeschrieben werden. 
Auf dieser Basis entwickelt sich die Angst vor dem „bösen" Penis. 
Sie setzt als Reaktion auf die destruktiven Triebregungen ein, die (zugleich mit 
den libidinösen) sich gegen den Penis richten. In Fällen, in denen der orale 
Sadismus dominiert, bedeutet der in der Mutter — als deren Besitz — voraus- 
gesetzte väterliche Penis vorwiegend ein Objekt des Hasses, Neides und der 
Zerstörung. 8 An der Intensität der Haßphantasien, die dann insbesondere um den 
die Mutter befriedigenden väterlichen Penis zentrieren, liegt es, daß in gewissen 
Fällen die tiefste und leitende Angst des Mädchens — die Angst vor der 
Mutter — auf den Penis des Vaters als auf ein gehaßtes und 
gefürchtetes Anhängsel der Mutter verschoben wird. Bei diesen Frauen 
kommt es dann zu schweren Fehlentwicklungen und auch zu einem verschobenen 
Verhältnis zum Manne. Solche Fälle scheinen auch mit mehr oder weniger 
mangelhafter Objektbeziehung einherzugehen. Das Stadium der 
Partialliebe 9 ist dann nicht oder nur unvollkommen überwunden worden. 10 

Das orale Begehren nach dem Penis des Vaters löst in- 
folge der Allmacht der Gedanken das Gefühl der voll- 
zogenen Einverleibung aus. Deshalb erstreckt sich die ambivalente 
Gefühlseinstellung dem väterlichen Penis gegenüber alsbald auch auf den ver- 



8) Das gleiche gilt für die im Mutterleib befindlichen Kinder. Ich komme später 
darauf zurück, wie die Feindseligkeit den im Mutterleib befindlichen Kindern gegen- 
über sich im Verhältnis zu den Geschwistern und zu dem eigenen imaginären (und später 
auch zu dem realen) Kinde auswirkt. 

9) Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. 

10) Ein typisches Beispiel dieser Art war meine Patientin Erna, deren Kranken- 
geschichte ich in Kap. III wiedergab. Der Vater bedeutete ihr vorwiegend den Träger 
des Penis, der die Mutter befriedigte, sie selbst aber unbefriedigt ließ. Die überaus 
starken Kastrationswünsche und der Penisneid erwiesen sich durch die auf der oralen 
Position erlittene Versagung des Penis determiniert. Die Konzentration des Hasses auf 
den väterlichen Penis und der Umstand, daß es die Mutter war, die in ihrer Phantasie 
den Penis des Vaters besaß, hatten zur Folge, daß zur Mutter ein zwar haßerfülltes, aber 
persönlicheres Verhältnis vorlag als zum Vater. Allerdings wendete sich Erna auch vom 
Vater ab, um ihn vor ihrem Sadismus zu bewahren. Die Konzentration des Hasses auf 
den Penis diente auch der Schonung des Objektes (Abraham). Die Analyse bewirkte 
unter anderm auch die Entwicklung eines guten menschlichen Verhältnisses zum Vater, 
ein Schritt, der mit günstigen Veränderungen der Objektbeziehung im allgemeinen und 
mit einer Verbesserung des Verhältnisses zur Mutter einherging. — Ich verweise auf die 
Analogie, die in wesentlichen Punkten zwischen meiner Patientin und den zwei Fällen 
besteht, über die Abraham (1. c, S. 76 — 78) berichtete. 



207 — 



innerlichten Penis. Wir wissen, daß im Stadium der partiellen Einverleibung das 
Objekt durch einen Körperteil, der Vater durch den Penis vertreten ist. Daraus 
erklärt sich mir, daß die frühesten Vater-Imagines, der Kern des väter- 
lichenÜber-Ichs, durch den Penis des Vaters repräsentiert werden. 
Ich habe mich bemüht, bei beiden Geschlechtern den Ursprung eines angst- 
erregenden und grausamen Ober-Ichs aus dem Umstand zu erklären, daß die 
Introjektion der Objekte in einer Entwicklungsperiode beginnt, in der der 
Sadismus auf seinem Höhepunkt ist. So kommt es, daß die frühesten Imagines 
den phantastischen Charakter annehmen, den die vorherrschenden prägenitalen 
Triebregungen ihnen aufdrücken. 11 Der Antrieb zur Introjektion des väterlichen 
Penis und damit des ödipusobjektes ist aber beim Mädchen viel intensiver, das 
Begehren, den väterlichen Penis bei sich zu behalten, viel stärker als beim Knaben, 
da dieses orale Begehren mit den gleichzeitig aktivierten genitalen Strebungen 
zusammenfällt und da das weibliche Genitale einen rezeptiven Charakter hat. 
Die ödipusregungen des Mädchens stehen deshalb viel stärker 
unter der Herrschaft der oralen Triebregungen, als dies beim Knaben 
normalerweise der Fall ist. 

Es ist ein für die Uber-Ich-Bildung und Sexualentwicklung entscheidendes 
Moment, ob die Phantasien vom „guten" oder vom „bösen" Penis überwiegen. 
In beiden Fällen aber fühlt sich das weibliche Kind dem introjizierten Vater 
mehr unterworfen, seiner guten oder bösen Macht mehr ausgeliefert, als es 
normalerweise das männliche Kind seinem Über-Ich gegenüber empfindet. 12 

Angst und Schuldgefühle der Mutter gegenüber komplizieren die an sich 
zwiespältige Beziehung zum Penis des Vaters. Um die Darstellung dieser Ver- 
hältnisse übersichtlicher zu gestalten, will ich nun versuchen, zuerst der Beziehung 
des Mädchens zum Penis des Vaters nachzugehen und dann nachzutragen, inwie- 
fern die Beziehung zur Mutter die Entwicklung des Verhältnisses zum Vater 
beeinflußt. 

Im günstigen Falle besteht neben dem Glauben an einen verinner- 
lichten, gefährlichen Penis auch der an einen bewunderten 
und hilfreichen. Die aus dieser ambivalenten Einstellung entspringende 
Angst bildet auch einen starken Antrieb zu Sexualerlebnissen in 
früher Kindheit sowie auch für die Sexualbetätigung im Erwachsenenalter. Dieser 
Antrieb, der zu dem libidinösen Begehren nach dem Penis hinzutritt und es 
verstärkt, kommt auf folgende Art zustande: die Angst vor dem introjizierten 



n) Siehe Kap. VIII dieses Buches und meine Arbeit „Frühstadien des Ödipus- 
konfliktes". (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XIV, 1928.) 

12) Daraus ginge hervor, daß die Wirksamkeit des Über-Ichs beim Mädchen stärker 
ist als beim Knaben. Ich gehe später darauf ein, wie dieses Moment sich für die weib- 
lichen Ichentwicklung und Objektbeziehung geltend macht. 

— so8 — 



bösen Penis treibt zur fortgesetzten Introjektion eines guten Penis durch den 
Koitus. 13 Zugleich dient der Sexualakt (sei es durch Fellatio, Koitus per anum 
oder Koitus) der Überprüfung, ob die mit dem Koitus verknüpften grundlegenden 
und beherrschenden Angstinhalte begründet seien oder nicht. Infolge der sadisti- 
schen Wunschphantasien, die den Koitus der Eltern in eine Gefahrsituation für 
diese umschufen, wird in der Phantasie des Kindes beiderlei Geschlechtes der 
Koitus zu einer bedrohlichen Gefahrsituation. 14 Ich bin an früheren Stellen aus- 
führlicher auf den Charakter dieser sadistischen Masturbationsphantasien ein- 
gegangen und habe zwei Kategorien von Phantasien, die ineinander greifen, 
unterschieden: i) Die Phantasien, die — mit den verschiedenen Mitteln des 
Sadismus unternommene — direkte Angriffe des Kindes gegen 
beide im Koitus vereinigten Elternteile oder jeden einzeln dar- 
stellen; 2) Phantasien, die einem etwas späteren Abschnitt der Höchstblüte des 
Sadismus entstammen, in denen sich der Glaube an eine sadistische Allmacht über 
die Eltern auf indirektem Wege auswirkt. Die E 1 1 e r n werden in der 
Phantasie mit Werkzeugen gegenseitiger Vernichtung ausgestattet. Ihre Zähne, 
Nägel, Genitalien, Exkremente usw. werden in der Phantasie zu gefährlichen 
Waffen, Tieren usw. umgeschaffen, mit denen sie sich im Sexualakt — dem 
Wunsche des Kindes entsprechend — gegenseitig quälen und zerstören. Diese 
sadistischen Phantasien lösen Angst aus, die aus mehreren Quellen entspringt. 
Aus der ersten Kategorie von Phantasien resultiert die Angst vor analogen 
Angriffen beider Elternteile oder jedes einzelnen, insbesondere aber der Mutter, 
als des Elternteiles, gegen den sich — beim Mädchen — der größere Haß richtet. 
Hiebei werden sowohl von außen wie auch von innen Angriffe erwartet, da 
zugleich mit den Angriffen gegen die Objekte auch deren Introjektion erfolgt. 
Diese Angstinhalte haben eine besonders nahe Beziehung zum Sexualakt, 15 da 
ja auch die primären sadistischen Akte in sehr starkem Ausmaße den im Sexual- 
verkehr befindlichen (phantasierten) Eltern galten. Insbesondere aber hat die 

13) Daß die Angst vor dem „bösen" Körperinhalt (verinnerlichten bösen Objekten, 
gefährlichen Exkrementen und Körperstoffen) normalerweise die Introjektion auf allen 
Wegen und auch die Ausstoßung befördert und so zu einem grundlegenden Entwicklungs- 
faktor wird, habe ich an früheren Stellen dieses Buches beschrieben. 

14) Der Umstand, daß das Kind einen sadistischen Koitus der Eltern wünscht, ist 
nach meinen Erfahrungen ein wesentlicher Faktor sowohl für die Bildung der Sexual- 
theorien wie auch für die Tendenz, an den Sexualtheorien festzuhalten. Die Sexual- 
theorien verdanken demnach ihren Charakter nicht nur dem Einfluß, den die prä- 
genitalen Triebregungen auf die Phantasiebildung nehmen, sondern sie sind auch das 
Resultat der destruktiven Wünsche des Kindes gegen die koalie- 
renden Eltern. Es hat sich mir als therapeutisch wichtig erwiesen, bei der Analyse 
der Sexualtheorien darauf Bedacht zu nehmen, daß sie von den sadistischen Wünschen 
des Kindes ausgehen und deshalb ein starkes Schuldgefühl verursachen. 

15) Aus diesen Phantasien ergeben sich auch Gefahrsituationen, die nicht an die 
Bedingung des Sexualaktes gebunden sind. 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 



209 — 



14 



zweite Kategorie von Phantasien zur Folge, daß der Sexualakt, der sich nach 
den sadistischen "Wünschen des Mädchens für die Mutter so vernichtend gestalten 
sollte, nun zu einer schweren Gefahr für das Kind selbst wird. 

Der Koitus, der infolge der sadistischen Phantasien und Wünsche des 
Kindes sich in eine so bedrohliche Gefahrsituation verwandelte, wird 
gerade deshalb auch zu einem eminenten Mittel der Angstbewälti- 
gung, und zwar dies um so mehr, als die mit dem Sexualakt verbundene 
libidinöse Befriedigung — die höchste dem Individuum erreichbare 
Lust — die Angst um so stärker herabsetzt. 

Diese Auffassung wirft ein neues Licht auf die Faktoren, die als Antrieb zum 
Sexualakt wirksam sind, wie auch auf die psychischen Quellen, aus denen die 
durch den Sexualakt ausgelöste libidinöse Befriedigung Zuschüsse erhält. Die 
libidinöse Befriedigung aller erogenen Zonen ist, wie wir wissen, infolge der 
Verlötung der libidinösen mit den destruktiven Triebregungen auf den vom 
Sadismus beherrschten Entwicklungsstufen zugleich eine Befriedigung der de- 
struktiven Komponente. Meiner Auffassung nach lösen die destruktiven 
Triebregungen schon in den ersten Lebensmonaten Angst aus. Die sadisti- 
schen Phantasien verlöten sich dadurch mit der Angst, und diese Verlötung führt 
zu spezifischen Angstsituationen. Da die genitalen Triebregungen — wie mir 
meine Erfahrungen beweisen — schon in der Höchstblüte des Sadismus einsetzen, 
und der Koitus in den sadistischen Phantasien des kleinen Kindes ein Mittel 
der Zerstörung der Eltern bedeutet, so verknüpfen sich 
die auf den Frühstadien der Entwicklung ausgelösten 
Angstsituationen auch mit der genitalen Betätigung. Diese 
Verknüpfung wirkt sich dahin aus, daß die Angst die libidinöse 
Bedürftigkeit steigert, und daß andrerseits die libidinöse 
Befriedigung aller erogenen Zonen auch in den Dienst der Angst- 
bewältigung gestellt wird. Die libidinöse Befriedigung vermindert die 
Aggression und damit auch die Angst. Hiezu kommt, daß allem Anschein nach 
das Lustgefühl als solches die Angst vor Zerstörung durch die destruktiven Trieb- 
regungen und die Objekte beruhigt und auch der Aphanisis (Jone s), der Angst 
vor der Zerstörung der Liebesfähigkeit, entgegenwirkt. Die libidinöse 
Befriedigung, die Äußerung des Eros, verstärkt den Glauben 
an helfende Imagines und setzt die Gefahren herab, die 
vom Todestrieb und vom Über-Ich drohen. 

Je größer die Angstquantitäten sind, je neurotischer das 
Individuum ist, um so stärker werden alle Energien des Ichs und die 
Triebkräfte durch die Angstbewältigung absorbiert. Dann 
dient auch die libidinöse Befriedigung vornehmlich der Angstbewältigung. Beim 
normalen Individuum, das sich weiter von den frühen Angstsituationen entfernt 



und sie besser verarbeitet hat, ist der Einfluß der Angstsituationen auf die 
Sexualbetätigung wohl geringer, aber nach meinen Erfahrungen niemals auf- 
gehoben. 16 Auch beim Normalen verstärkt der Antrieb, die 
spezifischen A n g s t s i t u a t i o n e n in der Beziehung zum 
Liebespartner zu überprüfen, die libidinösen Fixierungen 
und beeinflußt deren Charakter. Der Sexualakt dient auch beim 
Normalen immer zum Teil der Angstbewältigung. Die Angstquantitäten 
und die Vorherrschaft bestimmter A n g s t s i t u a t i o n en sind 
ein spezifisches Element der Liebesbedingungen bei jedem 
Individuum. 

Wird die durch den Sexualakt erfolgende Überprüfung der Angstsituationen, 
die einer Realitätsprüfung entspricht, stärker von hoffnungsvollen 
Strömungen getragen, so entsteht der Antrieb, ein Objekt zu wählen, 
das als Repräsentant des „guten" Penis empfunden wird. Die Beruhigung 
der Angst, die in diesem Falle durch den Sexualakt erzielt wird, macht sich als 
starkes Lustgefühl geltend, das die rein libidinöse Befriedigung wesentlich 
erhöht und über den Sexualakt hinaus die Grundlage für dauernde und 
befriedigende Liebesbedingungen bildet. 

Im ungünstigen Falle, wenn die Angst vor dem introjizierten bösen 
Penis überwiegt, wird es zur L i e b e s b e d i n g u n g, daß die Überprüfung 
durch den Sexualakt mit einem „bösen" Penis, d. h. mit einem sadisti- 
schen Liebespartner erfolgt. Die Überprüfung geht dann dahin, fest- 
zustellen, einen wie gearteten Schaden dieser anrichten wird, wobei selbst die 
durch den Sexualakt erwartete Beschädigung noch die Angst beruhigt und von 
Bedeutung für die Ökonomie des Seelenhaushaltes ist. 17 

Der Antrieb, sich durch Beweise in der Außenwelt eine Beruhigung der Angst 
vor inneren und äußeren Gefahren zu verschaffen, scheint mir ein wesentlicher 
Faktor für den Wiederholungszwang. 18 Diese Beweisführung steht um so mehr im 
Zeichen des Straf bedürfnisses, je neurotischer das Individuum ist. Je 
stärker die Angst der frühesten Gefahrsituationen und je geringer die hoffnungs- 
volle Strömung ist, an um so ungünstigere Bedingungen ist dieser 
Gegenbeweis gebunden. In solchen Fällen vermögen nur harte Strafen, 
vielmehr unglückliche Erlebnisse (die als Strafe empfunden werden) an Stelle der 
befürchteten phantastischen Strafen zu treten. 

Der "Wahl eines sadistischen Partners liegt aber auch der Antrieb zugrunde, 

16) Siehe Kap. X. 

i7)_Dies liegt daran, daß kein reales, von außen zugefügtes Leiden heranreicht an 
das Leiden, das infolge der Spannung steter und überwältigender Angst vor phantasti- 
schen inneren Beschädigungen und Gefahren besteht. 

iS) Siehe Kap. VII. 



durch die neuerliche Einverleibung eines sadistischen „bösen" Penis (als die der 
Sexualakt in diesem Falle empfunden wird) die verinnerlichten gefährlichen 
Objekte zu zerstören. Demnach wäre die tiefste Quelle des femininen Maso- 
chismus die Angst vor den gefährlichen verinnerlichten Objekten — der 
feminine Masochismus wäre der gegen die verinnerlichten 
Objekte gerichtete Sadismus. 19 

Freud führt aus, 20 daß der Sadismus der durch die narzißtische Libido 
vom Ich abgedrängte, ursprünglich gegen den Organismus (Ursadismus) ge- 
richtete Destruktionstrieb ist, der zuerst am Objekt zum Vorschein kommt. 
Der erogene Masochismus ist der Anteil des Destruktionstriebs, dessen Verlegung 
nach außen nicht gelungen ist, der im Organismus verbleibt und dort libidinös 
gebunden wird. Indem der nach außen gewendete Destruktionstrieb wieder nach 
innen gewendet und von den Objekten abgezogen wird, entsteht der sekundäre, 
der feminine Masochismus. 

Nach meiner Auffassung verbleibt bei dieser Rückwendung der Destruk- 
tionstrieb auch bei den Objekten, aber es sind nun die verinner- 
lichten Objekte, gegen die er sich wendet; indem er aber zugleich das 
die Objekte beherbergende Ich zu zerstören droht und so den erogenen Maso- 
chismus verstärkt, ist im femininen Masochismus auch die Rückwendung gegen 
den Organismus zustande gekommen. Freud stellt fest: 21 „Im manifesten 
Inhalt der masochistischen Phantasien kommt auch ein Schuldgefühl zum Aus- 
druck, indem angenommen wird, daß die betreffende Person etwas verbrochen 
habe (was unbestimmt gelassen wird), was durch alle die schmerzhaften und 
quälerischen Prozeduren gesühnt werden soll." Es scheint mir eine gewisse 
Beziehung vorzuliegen zwischen den selbstquälerischen Prozeduren des Maso- 
chisten und den Selbstanklagen des Melancholikers, die, wie wir wissen, gegen 
das introjizierte Objekt gerichtet sind. Der feminine Masochismus 
wäre demnach sowohl gegen das Ich als gegen das (v er- 
innerlichte) Objekt gerichtet. Die Zerstörung des verinnerlichten 
Objekts wird nun ein im Dienste der Selbsterhaltung stehendes Ziel. In 
extremen Fällen von Masochismus vermag das Ich die Abdrängung des Todes- 
triebes nach außen nicht mehr zu ermöglichen, weil Lebenstrieb und Todes- 
trieb sich in einem gemeinsamen Ziele begegnen, und weil der Lebenstrieb 



19) Helene Deutsch, die in ihrer Arbeit „Der feminine Masochismus und seine 
Beziehung zur Frigidität" (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVI, 1930) hinsichtlich der Genese 
des Masochismus zu wesentlich anderen Ergebnissen kommt als ich, legt ihrer Auffassung 
auch die von der meinen abweichende Annahme zugrunde, daß der Kastrationskomplex 
und der Kastrationswunsch den Ödipuskomplex des Mädchens einleitet. 

20) Freud: Jenseits des Lustprinzips (Ges. Sehr., Bd. VI) und Das ökonomische 
Prinzip des Masochismus. (Ges. Sehr., Bd. V.) 

21) Freud: Das ökonomische Prinzip des Masochismus. (Ges. Sehr., Bd. V, S. 378.) 



• 



dadurch seiner eigentlichen Aufgabe — dem Schutze des Ichs — entzogen 
wurde. 

Ich führe nun noch kurz einige andere typische Resultate der weiblichen 
Sexualentwicklung 22 an, die durch die vorherrschende Angst vor dem intro- 
jizierten Penis bedingt sind. Frauen, bei denen neben einem starken Maso- 
chismus auch hoffnungsvollere Strömungen bestehen, haben häufig die Tendenz, 
sich einem sadistischen Liebespartner hinzugeben, wobei sie aber versuchen, ihn 
durch Bemühungen verschiedenster Art, die oft alle Energien des Ichs bean- 
spruchen, in ein „gutes" Objekt zu verwandeln. In Fällen dieser Art, bei denen 
die Angst vor dem „bösen" Penis und der Glaube an den „guten" einander 
die Waage halten, besteht häufig auch ein Schwanken zwischen dem „guten" und 
dem „bösen" realen Objekt. In manchen Fällen treibt die Angst vor dem 
verinnerlichten Penis zu immer wieder erneuter Überprüfung der 
Angstsituation, wodurch die zwanghafte Sexualbetätigung mit einem Objekt 
oder auch — eine andere Ausgangsform — der zwanghafte Wechsel der 
Liebesobjekte bedingt ist. 

In anders gelagerten Fällen führt die gleiche Angst zum entgegengesetzten 
Resultat, nämlich zur F r i g i d i t ä t. 23 Aus Haß gegen die Mutter war der Penis 
des Vaters aus einem begehrten und spendenden Objekt in ein gefährliches und 
böses verwandelt worden. Andrerseits hatte das Kind in der Phantasie die 
Vagina in ein Mordinstrument, die ganze Mutter in eine Gefahrenquelle für den 
mit ihr im Koitus befindlichen Vater umgeschaffen. Die Angst des Mädchens vor 
dem Sexualakt gilt nun einerseits den Beschädigungen, die der Penis ihr zufügen, 
andrerseits denen, die sie selbst dem Partner zufügen würde. Ihre Angst, den 
Liebespartner zu kastrieren, geht zum Teil auf die Identifizierung mit der 
sadistischen Mutter zurück, zum Teil ist sie ein Resultat ihrer eigenen sadistischen 
Regungen. 

Ich wies früher darauf hin, daß bei der Wendung zum Masochismus der 
Sadismus gegen die ver innerlichten Objekte gerichtet ist. Zu einem entgegen- 

22) Diese verschiedenen Entwicklungsresultate greifen natürlich auch ineinander. In 
der Darstellung so komplizierter und vielfältiger Erscheinungen muß ich mich aber mit 
der — notgedrungen schematischen — Darstellung einiger Typen und dem Hinweis 
begnügen, daß es mir hier im wesentlichen darauf ankommt, einige Auswirkungen dieser 
tiefsten Angst zu beschreiben. 

23) Hiefür scheint auch bestimmend, inwieweit das Ich Angst überwinden kann. Ich 
wies im vorigen Kapitel darauf hin, daß in manchen Fällen eine Voraussetzung der 
Angstbewältigung (vielmehr der Umsetzung der Angst in Lust) darin besteht, daß es 
besonders schwierige oder gefährliche reale Situationen sein müssen, die überwunden 
werden sollen. Der gleiche Mechanismus beeinflußt in gewissen Fällen die Liebesbedin- 
gungen, die Gefahrsituation ist dann der Koitus. Demnach läge der Frigidität unter 
anderem auch die phobische Vermeidung der Angstsituation zugrunde. Allem Anschein 
nach besteht ein enger Zusammenhang zwischen den spezifischen Bedingungen der Angst- 
bewältigung und der Sexualbefriedigung. 

— ai3 — 



gesetzten Resultat kommt es in den Fällen, in denen die Angst vor dem 
verinnerlichten Penis dazu führt, sich des inneren Bedrohers durch 
Projektion zu erwehren. Der Sadismus wird dann gegen das äußere 
Objekt, gegen den im Koitus neu introjizierten Penis betätigt, also gegen 
den Sexualpartner gerichtet. 

In diesen Fällen wäre es dem Ich gelungen, den Destruktionstrieb neuerlich 
von sich — und nun auch von den verinnerlichten Objekten — abzudrängen 
und wieder auf das (äußere) Objekt abzuleiten. Dominiert der Sadismus, so 
wird demnach ebenfalls der Sexualakt als Realitätsprüfung für die Angst ge- 
wertet, die Beweisführung wird aber im umgekehrten Sinne geführt. Die Phan- 
tasien, daß die Vagina und der ganze Körper vernichtend für den Sexualpartner 
seien, die Fellatio ein Abbeißen und eine Zerstückelung des Penis bedeute, werden 
in diesen Fällen ein Mittel, die Angst vor dem schon einverleibten Penis wie 
auch vor dem realen Objekt zu überwinden. Indem der Sadismus am äußeren 
Objekt betätigt wird, findet aber auch in der Phantasie ein Vernichtungskampf 
gegen die verinnerlichten Objekte statt. 

Ich habe hier ein Moment in den Zusammenhang einzufügen, dem eine 
wesentliche Bedeutung für die Entwicklung des Mädchens zukommt. 

Die Allmacht der Exkremente. In den sadistischen Phantasien 
spielen bei beiden Geschlechtern die Exkremente eine große Rolle. Die Allmacht 
der Blasen- und Darmfunktion 24 steht in enger Beziehung zu den paranoischen 
Mechanismen. 26 Diese Mechanismen sind in vollster Wirksamkeit in der Phase, 
in der das Kind in seinen sadistischen Masturbationsphantasien die im Koitus 
befindlichen oder phantasierten Eltern auf geheime "Weise mittels des Urins, der 
Fäzes und des Flatus zerstört. 26 Diese primären Angriffsmittel und -wege werden 
aus Angst vor Gegenangriffen sekundär verstärkt und in den Dienst der Ver- 
teidigung 27 gestellt. 



24) Siehe Freud: Totem und Tabu. (Ges. Sehr., Bd. X., S. 106.) — Ferenczi: 
Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes. (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. I, 191 3.) — 
Abraham: Zur narzißtischen Bewertung der Exkretionsvorgänge in Traum und 
Neurose. (Klinische Beiträge zur Psychoanalyse. Int. PsA. Verl. 192 1.) 

2j) Zur Beziehung zwischen Paranoia und analen Funktionen. Siehe Freud, 
Ferenczi, van Ophujsen, Stärcke u. a. 

26) Siehe Kap. IX. 

27) Die sadistische Allmacht, die primär die Zerstörung der Eltern oder eines 
Elternteiles mittels der Exkremente beinhaltet, modifiziert sich im Verlaufe der Ent- 
wicklung häufig zu moralischem Quälen, zu der sadistischen Beherrschung und Bemeiste- 
rung der Objekte mittels des Intellekts. Zufolge dieser Modifizierung und dem Umstand, 
daß diese Angriffe auf geheime und raffinierte Weise erfolgen und daß die Angst vor 
Gegenangriffen eine entsprechende "Wachsamkeit, Beobachtungsgabe und intellektuelle 
Fähigkeiten entwickelt, wird sie, so scheint es mir, von grundlegender Bedeutung für die 
Ichentwicklung bei beiden Geschlechtern. Abraham (1. c.) meinte, die Allmacht der 
Blasen- und Darmfunktion sei die Vorstufe für die Allmacht der Gedanken. Nach 

— 214 — 



IEs scheint mir, daß die Allmacht der Blasen- und Darmfunktion die weibliche 
Sexualentwicklung und Ichentwicklung stärker und nachhaltiger beeinflußt als 
die des Mannes. Die mittels der Exkremente unternommenen Angriffe gelten der 
Mutter, und zwar zuerst ihrer Brust und daran anschließend dem Innern ihres 
Leibes. Da nun aber beim Mädchen der Mutterleib stärker und 
anhaltender das Objekt der destruktiven Triebregungen ist, 
entwickeln sich beim weiblichen Kinde (in enger Beziehung zur verborgenen 
geheimnisvollen Innenwelt des mütterlichen und des eigenen Körpers) die 
geheimnisvollen, listigen Angriffsmethoden stärker, die auf der Magie der 
Exkremente und der anderen Körperausscheidungen 28 und auf der A 1 1- 
macht der Gedanken beruhen. Beim Knaben dagegen konzentriert sich 
der Haß auf den im Mutterleib vorausgesetzten väterlichen Penis und auf den 
des realen Vaters (und damit mehr auf die Außenwelt, das Sichtbare). Der 
Knabe bedient sich auch stärker anderer Mittel — nämlich der sadistischen All- 
macht seines Penis. Im Zusammenhang damit entwickeln sich beim Knaben auch 
andere Wege der Angstbewältigung. 29 Für die Angstbewältigung der 
Frau bleibt aber die Beziehung zur Innenwelt, zum V e r- 

Iborgenen und damit auch zum Unbewußten 30 dominierend. 
Ich wies früher darauf hin, daß auf dem Höhepunkt des Sadismus der Sexual- 
akt ein Mittel zur Vernichtung des Objektes darstellt, daß aber zugleich auch 
ein Vernichtungskampf gegen die verinnerlichten Objekte erfolgt. Mittels der 
Allmacht der Exkremente und Gedanken trachtet das Kind die angsterregenden 
Objekte im eigenen Leibesinnern (sowie ursprünglich in dem der Mutter) zu 
überwältigen. 

Jones (Die Empfängnis Maria durch das Ohr) werden die Gedanken dem Flatus 
gleichgesetzt. In den von mir angenommenen geheimen Angriffen auf den Mutterleib 
(siehe Kap. VIII) werden die auf magische Weise in den Körper der Objekte beförderten 
Fäzes, insbesondere aber der unsichtbare Flatus, anderem unsichtbarem und geheimem 
Körperinhalt — den Gedanken — gleichgesetzt. 

28) Der Umstand, daß beim Manne der Allmachtsglauben stärker um sein Genitale 
zentriert, bei der Frau aber mehr mit den verschiedenen Körperfunktionen, Aus- 
scheidungsprozessen usw. verknüpft und deshalb auch stärker auf den ganzen Körper 
verteilt ist, dürfte wohl (neben den dem Leibesinnern geltenden Angstinhalten) auch 
einen Anteil am Narzißmus der Frau haben, der dem ganzen Körper gilt. Ihr Körper 
ist es ja auch letzten Endes, mit dem sie in magischer Weise die realen Objekte erobert 
und beherrscht. 

29) Ich gehe im Verlaufe dieses und des nächsten Kapitels darauf ein, in welcher 
Weise der anatomische Geschleditsunterschied zu einer bei beiden Geschlechtern ver- 
schiedenen Entwicklung des Allmachtsglaubens beiträgt. Dies führt auch zu verschiedenen 
Wegen der Angstbewältigung. 

30) In meiner Arbeit „A Contribution to the Theory of Intellectual Inhibition" 
(Int. Journ. of PsA., Vol XII, 193 1) führte ich aus, daß in der Phantasie der Penis 
zum Repräsentanten des Ichs und des Bewußten wird. Das Körperinnere — das Un- 
sichtbare — wird zur Repräsentanz des Unbewußten und des Ober-Ichs. 

— ai5 — 



Ist der Glaube an den verinnerlichten „guten" väterlichen 
Penis stark genug, so wird dieser zum Träger der Allmacht. 31 Bleibt 
die Magie der Exkremente und Gedanken stärker wirksam, so werden in der 
Phantasie die verinnerlichten sowie die realen Objekte mittels dieser Magie 
gelenkt und beherrscht. Die verschiedenen Arten der Magie greifen aber nicht 
nur ineinander und verstärken einander, sie werden vom Ich im Dienste der 
Angstbewältigung auch gegeneinander ausgespielt. 

Die frühe Beziehung zur Mutter. Das Verhältnis zum introji- 
zierten Penis wird von dem zur Mutterbrust stark beeinflußt. Ich fasse diese 
primären Momente kurz zusammen. Die „gute" und die „böse" Mutter 32 (reprä- 
sentiert durch die Brust) ist das primäre introjizierte Objekt. Die Begierde, den 
Penis zu saugen (zu fressen), schließt direkt an die gleichen, der Mutterbrust 
geltenden Begierden an. Die an der Mutterbrust erlittene Versagung bereitet des- 
halb die Gefühle vor, die später durch die neuerliche Versagung seitens des Penis 
ausgelöst wird. Neid und Haß der Mutter gegenüber beeinflussen 
und verschärfen die sadistischen, gegen den Penis gerich- 
tetenPhantasien. Aber auch auf anderen Wegen beeinflußt das Verhältnis 
zur Mutterbrust die Beziehung zum Manne. Sobald die Angst vor dem bösen 
introjizierten Penis eingesetzt hat, beginnt sofort auch eine Flucht zur Mutter 
zurück, die sowohl als reales Objekt als auch in ihrer introjizierten Gestalt Hilfe 
bkten soll. Ist das primäre Verhältnis zur Mutter von der oral- 
saugenden Position beherrscht gewesen und enthält es demzufolge starke 
positive und hoffnungsvolle Elemente, so vermag die „gute" Mutter- 
Imago gegen die „böse" Mutter-Imago und gegen den „bösen" 
Penis einen teilweisen Rückhalt zu bieten. Im umgekehrten Fall verstärkt 
die Angst vor der introjizierten Mutter auch die vor dem verinnerlichten Penis 
und vor den angsterregenden vereinigten Eltern. 

Die Bedeutung der Mutter-Imago als „helfende" Gestalt und die Bindung an 
die Mutter sind um so größer, als sie in der Phantasie des kleinen Mädchens 
über die nahrungspendende Brust, den väterlichen Penis und über die Kinder, 
demnach über die Macht verfügt, alle Bedürfnisse zu befriedigen. Denn das 
Nahrungsbedürfnis — auch im übertragenen Sinne — wird, wenn die 

31) Melitta Schmideberg zeigte in ihrer Arbeit: The R61e of Psychotic 
Mechanisms in Cultural Development (Int. Journ. of Psychoanalysis, Vol. XI, 1930, 
Part IV), daß die Introjektion des väterlichen Penis (Vaters) das Allmachtsgefühl und 
den Narzißmus wesentlich verstärkt. 

32) Ich habe in Kap. VIII begründet, daß die „gute" Mutterbrust infolge der in 
der Phantasie gegen sie verübten Angriffe (der Sadismus mit allen seinen Mitteln richtet 
sich ja zuerst gegen die nicht genügende Befriedigung gewährende Brust) in eine „böse" 
Brust verwandelt wird, es erfolgt also die grundlegende Introjektion einer „guten" und 
einer „bösen" Mutter-Imago, noch bevor es zur Entwicklung anderer Imagines kommt. 



frühen Angstsituationen eingesetzt haben, vom Ich auch in den Dienst 
.der Angstbewältigung gestellt. Die „gute Milch", der „gute Penis" 
und die Kinder, 33 über die die Mutter in der Phantasie des Kindes in un- 
begrenztem Maße verfügt, werden um so leidenschaftlicher begehrt, je stärker die 
Angst ist, ein vergiftetes Leibesinnere zu besitzen, das von Angreifern bedroht 
wird. Die „guten" Dinge dienen zum Schutze gegen die „bösen", dienen zur 
Herstellung eines gewissen Gleichgewichtszustandes im Leibesinnern. Der Leib 
der Mutter ist demnach in der Phantasie des Kindes das Reservoir, aus dem alle 
Wünsche befriedigt und die Angst gestillt werden können. Diese Phantasien, die 
auf die erste und auch in ihren Auswirkungen bedeutungsvollste Befriedigungs- 
quelle — die Brust — zurückgehen, sind bestimmend für die überaus starke 
Bindung des Mädchens an die Mutter. Die Versagung seitens der Mutter 
wird unter dem Drucke der Angst zur Basis neuer Anklagen und 
verstärkter sadistischer Angriffe auf den Leib der Mutter. 

Auf einer etwas vorgeschritteneren Entwicklungsstufe, auf der die Schuld- 
gefühle nach allen Seiten hervortreten, 34 löst aber gerade das Bestreben, den 
Mutterleib des guten Inhaltes zu berauben (beziehungsweise das Gefühl, ihn 
beraubt zu haben) und sie dadurch gewissermaßen dem bösen Teil des Leibes- 
inhalts zu überliefern, schwerste Schuldgefühle und Angst aus. Die gänzliche 
Zerstörung des Kindes fällt in der Phantasie des Kindes mit der Vernichtung 
des Reservoirs zusammen, aus dem es die Befriedigung aller leiblichen und 
psychischen Bedürfnisse erwartet. Diese für das Seelenleben des kleinen Mädchens 
überaus bedeutungsvolle Angst trägt sehr stark zur Bindung an die Mutter bei. 
Der aus diesen Angstquellen resultierende Antrieb, gut- 
zumachen, der Mutter alles wiederzugeben, was ihr entnommen 
wurde (ein Antrieb, der in zahlreichen spezifisch weiblichen Sublimierungen Aus- 
druck findet), steht aber in Gegensatz zu dem durch die Angst 
verstärkten Antrieb, ihr alles Vorhandene zur Rettung des eigenen 
Körpers zu entnehmen. In diesem Entwicklungsstadium finden wir das 
Kind beherrscht vom Zwang, zu nehmen und zurückzugeben, 
den ich an einer früheren Stelle als wesentlich für die Genese der Zwangs- 
neurose beschrieben habe. 35 Ganz kleine Mädchen zeichnen zum Beispiel 
Sternchen oder Kreuzchen (Stuhl und Kinder darstellend), größere Mädchen 

33) Auf die tiefere Bedeutung des Kindesbesitzes gehe ich später ausführlich ein. 
Hier will ich nur allgemein bemerken, daß das imaginäre Kind ein gutes hilfreiches 
Objekt im Leibesinnern bedeutet. 

34) Zugleich mit den Angriffen auf die Eltern werden in der Phantasie auch die 
im Mutterleib befindlichen Geschwister beschädigt oder zerstört. Die aus dieser Quelle 
stammende Vergeltungsangst verursacht Störungen des Verhältnisses zu den Geschwistern 
und damit der sozialen Anpassung im allgemeinen. 

35) Siehe Kap. IX. 

— 217 — 



Buchstaben, Zahlen auf ein Blatt, das den Leib der Mutter oder den eigenen 
bedeutet, und achten sorgfältig, daß keine Stelle leer bleibt. Oder es werden auch 
nur Papierstückchen gleichmäßig in eine Schachtel getan und diese angefüllt. 
Häufig zeichnen die Kinder ein Haus (die Mutter), einen Baum davor (den 
Penis des Vaters), einige Blumen (die Kinder bedeutend) daneben. Größere 
Mädchen verfertigen Gegenstände verschiedener Art (Zeichnungen, Handarbeiten, 
Puppen, Puppenbekleidung, Bücher u. dgl.), die den wiederhergestellten Leib der 
Mutter (oftmals jeden beschädigten Körperteil einzeln), die Kinder und den 
väterlichen Penis im Mutterleib oder den Vater und die Geschwister selbst dar- 
stellen. Häufig setzen während oder nach Beendigung dieser Beschäftigungen 
Enttäuschung, "Wut oder Depression ein, oder es kommt zu Reaktionen destruk- 
tiver Art, die durch die Angst, nicht gutmachen zu können, deter- 
miniert sind. Diese Angst, die ein grundlegendes Hindernis aller konstruktiven 
Tendenzen ist, 36 entspringt verschiedenen Quellen. Das Kind hat sich in der 
Phantasie einen väterlichen Penis, Stuhl und Kinder angeeignet, an deren guter 
Beschaffenheit es zufolge der mit den sadistischen Phantasien einsetzenden Angst 
vor Penis, Kindern und Exkrementen zweifelt. Die Fragen lauten nun: Kann 
es der Mutter auch die richtigen „guten" Dinge wiedererstatten, und zwar richtig 
nach Qualität, Quantität, ja sogar nach richtiger "Wiederanordnung im mütter- 
lichen Leibe (die auch mit eine Voraussetzung der Wiederherstellung ist)? Meint 
aber das Kind, der Mutter den guten Leibesinhalt zurückgegeben zu haben, 
so setzt die Angst ein, sich selbst dadurch gefährdet zu haben. 

Aus diesen Angstquellen resultiert aber auch ein besonderes Miß- 
trauen der Tochter der Mutter gegenüber. Zeitweise bekundet das 
Kind, das eine Zeichnung, Papierschnitzel oder andere den Penis oder die 
Kinder symbolisierende Dinge in ein Päckchen verpackt, verschnürt und sorg- 
fältig in der Spielzeugschublade verwahrt, mir gegenüber tiefes Mißtrauen. Ich 
darf dann dem Päckchen und der Schublade nicht nahe kommen, soll während 
der Verpackung beiseite stehen, oft sogar wegsehen. Manche Kinder mustern, 
wenn sie mein Zimmer betreten, mißtrauisch den Vorrat an Papier, die Blei- 
stifte (z. B. ob es die ihrigen sind, ob sie nicht kürzer, nicht weniger an Zahl 
sind als am Tag vorher), wollen feststellen, ob der Inhalt der Schublade nicht 
durcheinandergeschüttelt wurde, ob alles in der richtigen Ordnung liegt, nichts 
fehlt oder nichts vertauscht wurde." Die Analyse erweist dann, daß der Schub- 

36) Ist die Angst so stark, daß sie durch die zwangsneurotischen Mechanismen 
nicht _ gebunden werden kann, so setzen die gewaltsamen Mechanismen der früheren 
Entwicklungsstufen und die primitiveren Abwehrmechanismen durch das Ich ein. 

_ 37) Spielzeug, Papier, Bleistifte u. dgl., die ich zu Beginn der Analyse für jedes 
Kind bereit halte (und von Zeit zu Zeit erneuere), werden zusammen mit Dingen, die 
das Kind selbst von zu Hause mitbringt, in einem Schubkasten verwahrt; jedes Kind ver- 
fügt in meinem Zimmer über einen eigenen Schubkasten. 

3l8 



kästen (ebenso wie das verschaürte Päckchen) die Bedeutung des eigenen Körpers 
hat, und daß die Angst des Kindes dahin geht, von der Mutter nicht nur an- 
gegriffen und beraubt zu werden, sondern auch von ihr „böse" Dinge anstatt 
des eigenen „guten" Leibesinhaltes zurückzubekommen. 

Zu diesen mannigfaltigen Angstquellen tritt als ein weiteres Moment, das die 
weibliche Position und die Beziehung zur Mutter erschwert, die anatomische 
Beschaffenheit des weiblichen Körpers. Im Vergleich mit dem Knaben, der die 
Stütze der männlichen Position und die Möglichkeit einer Realitätsprüfung im 
Besitze seines Penis findet, vermag das kleine weibliche Kind aus der weiblichen 
Position selbst keinen Rückhalt gegen die Angst zu beziehen. 38 Der Kindesbesitz, 
der eine volle Bestätigung und Erfüllung der weiblichen Position wäre, ist ja 
nur eine Zukunftshoffnung. 39 Die Unmöglichkeit, sich über das Innere 
des Leibes Gewißheit zu verschaffen, verschärft die (meiner 
Meinung nach tiefste) Angst des Mädchens, ein beschädigtes oder zer- 
störtes Leibesinnere 40 und keine oder beschädigte Kinder zu besitzen. 

Die Rolle der Vagina für die frühinfantile Sexualent- 
wicklung. Die Angst des Mädchens für sein Leibesinnere hat meiner Meinung 
nach auch einen starken Anteil daran, daß die Rolle der Vagina für die früh- 
infantile Sexualorganisation hinter der der Klitoris verdeckt bleibt. Schon in den 
frühesten Masturbationsphantasien des kleinen Mädchens, in denen die Vagina 
der Mutter in ein Werkzeug der Zerstörung umgeschaffen wird, dokumentiert 
sich die unbewußte Kenntnis der Vagina. Die Vagina wird zwar unter dem 
Einfluß der vorherrschenden oralen und analen Strebungen dem Munde und dem 
Anus gleichgesetzt, ist aber, wie viele Einzelheiten der Phantasien deutlich er- 
weisen, dem kleinen Mädchen unbewußt als eine Höhlung im Genitale, die der 
Aufnahme des väterlichen Penis dient, bekannt. 

Über die allgemeine unbewußte Kenntnis der Vagina hinaus 
liegt aber in vielen Fällen auch eine ganz bewußte Kenntnis der Vagina vor. 
Außer den besonderen Fällen, auf die Helene Deutsch 41 hinweist, in denen 
Vergewaltigung und Defloration diese Kenntnis und anschließende vaginale 
Masturbation herbeiführen, fand ich in einer Reihe von Analysen kleiner Mädchen, 

38) Siehe meine Arbeit: Frühstadien des Ödipuskonfliktes. (Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XIV, 1928.) 

39) Auch Helene Deutsch weist in ihrer Arbeit: Der feminine Masochismus und 
seine Beziehung zur Frigidität (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVI, 1930) auf diesen Umstand 
als erschwerend für die Beibehaltung der weiblichen Position hin. 

40) Mit an diesen Angstinhalten liegt es, daß der weibliche Narzißmus dem 
ganzen Körper gilt. Analog zentriert der Narzißmus des Knaben, dessen leitende Angst 
die Kastrationsangst ist, um den Penis. 

41) Helene Deutsch: Der feminine Masochismus und seine Beziehung zur 
Frigidität. (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVI, 1930.) 

— 319 — 



daß sie bewußte Kenntnis vom Vorhandensein einer Öffnung i m 
Genitale besaßen. In einigen Fällen war diese Kenntnis bei sexuellen Spielereien 
mit anderen Kindern (Knaben oder Mädchen) durch gegenseitige Erforschung 
des Genitales erworben worden, in anderen Fällen hatte das Kind die Vagina 
selbst entdeckt. Allerdings scheint eine besondere Neigung zur Ver 1 eugn u n e 
und Verdrängung dieser Kenntnis vorzuliegen, eine Neigung, die 
einer an die Va g ina und das Leib esi nn er e geknüpften Angst entspringt 
Der Umstand, daß die Vagina ein Teil des mit tiefer Angst 
besetzten Leibesinnern, und zwar das Organ ist, das in den 
sadistischen Phantasien über den Sexualakt der Eltern 
als besonders gefährlich und gefährdet empfunden wird, 
hat sich mir auch in Frauenanalysen als ein grundlegender Faktor für Frigi- 
dität und sexuelle Störungen, insbesondere aber für Hemmungen 
der vaginalen Erregbarkeit erwiesen. 

Vieles spricht dafür, daß die Vagina ihre volle Funktion überhaupt erst nach 
der Kohabitation aufnimmt.« Bekanntlich verändert sich in vielen Fällen die Ein- 
stellung des Weibes zum Sexualakt vollständig, wenn Kohabitation stattgefunden 
hat. Die in der Mehrzahl der Fälle vorher bestehende - als normal zu be- 
trachtende - Hemmung dem Sexualakt gegenüber fällt fort und wird in vielen 
Fällen durch einen intensiven Wunsch nach dem Sexualakt abgelöst. Diese Tat- 
sache läßt darauf schließen, daß die dem Koitus vorhergehende 

Hemmung auch auf Angst zurückgeht, die durch den Akt 
selbst behoben wird.« Diese Angstberuhigung geht meiner Meinung nach 
darauf zurück, daß die beim Sexualakt empfundene libidinöse Befriedigung auch 
als Bestätigung dafür gewertet wird, daß der im Koitus einverleibte Penis ein 
„gutes" Objekt und die Vagina kein Werkzeug der Zerstörung für den Penis 
ist. Das reale Objekt entkräftet die (vorher unkontrollier- 
bare und durch diesen Umstand intensivierte) Angst vor dem 
äußeren und verinnerlichten Penis. 

Die das Leibesinnere betreffenden Angstinhalte tragen meiner Auffassung nach 
neben den biologischen Faktoren dazu bei, das Zustandekommen einer deutlich 
hervortretenden vaginalen Phase in früher Kindheit zu verhindern. Die psy- 
chische Repräsentanz der Vagina hat aber, wie ich in einer Reihe 
von Analysen kleiner Mädchen fand, ebenso wie die der anderen libidinösen 
Phasen, ihren vollen Anteil an der f r ü h i n f a n t i 1 e n Genital- 
organisation. 



42) Eine Auffassung die auch Helene Deutsch in ihrem Buch „Psychoanalyse 
der weiblichen Sexualfunktionen" vertritt. (Int. PsA. Verl. 1925 ) X^naiyse 

43) Auf die Struktur der Fälle, in denen der Sexualakt die Angst nicht herab- 
setzt, sondern sie verstärkt, ging ich früher ein. 



Die gleichen Ursachen, die dazu beitragen, die psychische Funktion der Vagina 
zu verdecken, erhöhen die Fixierung an die Klitoris als an ein 
äußeres Organ, das einer Realitätsprüfung unterzogen werden kann. Ich 
fand, daß die Klitorismasturbation mit Phantasien verschiedenen Inhaltes ver- 
bunden ist. Die Inhalte dieser Phantasien wechseln überaus schnell, entsprechend 
dem starken Fluktuieren der Positionen auf den frühen Entwicklungsstufen. Die 
Masturbationsphantasien sind zunächst vorwiegend prägenitalen 
Inhalts. Sie nehmen aber, sobald der Wunsch nach der oralen 
und genitalen Einverleibung des väterlichen Penis sich 
verstärkt, auch genitalen und vaginalen Charakter an 
(wobei allem Anschein nach häufig auch schon vaginale Sensationen auftreten), 44 
sind also zuerst weiblich gerichtet. 

Da sich der Identifizierung mit der Mutter sehr bald die mit dem Vater 
anschließt, nimmt in den Masturbationsphantasien des kleinen Mädchens die 
Klitoris auch bald Penisbedeutung an. Alle Masturbationsphantasien dieser frühen 
Entwicklungsstufe, die sich an der Klitoris abspielen, sind vom Sadismus 
beherrscht. Dieses Moment aber scheint mir entscheidend dafür, daß die Klitoris- 
onanie und die Masturbation im allgemeinen mit Abschluß der phallischen Phase 
— also in einer Entwicklungsperiode, in der die Schuldgefühle stärker hervor- 
treten — aufgegeben oder eingeschränkt wird. Die Anerkennung der Tatsache, 
daß die Klitoris kein Ersatz für den gewünschten Penis ist, sehe ich nur als den 
letzten Akt eines Dramas an, das ein Schicksal — in vielen Fällen das dauernder 
Frigidität — besiegelt. 

Kastrationskomplex. Die Identifizierung mit dem Vater, 
die mit allen Erscheinungen des Kastrationskomplexes 45 und Penisneides beim 
Mädchen in der phallischen Phase deutlich hervortritt, scheint mir das Resultat 
eines Prozesses zu sein, der in Schüben vor sich geht. 46 Ich greife in der nun 



44) Hanns Sachs zieht in seiner Arbeit: Ober einen Antrieb bei der Bildung 
des weiblichen Über-Ichs (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XIV, 1928) als eine Möglichkeit in 
Betracht — „daß dunkle Sensationen in der Vagina, da eine vaginale Phase sich nicht 
durchsetzen kann, auf den Mund verschoben werden." 

45) Siehe Abraham: Äußerungsformen des weiblichen Kastrationskomplexes. 
(Int. Ztschr. f. PsA., Bd. VII, 1921.) 

46) Karen Horney hat in ihrer Arbeit: Zur Genese des weiblichen Kastrations- 
komplexes (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. IX, 1923) als erste den Kastrationskomplex der 
Frau im Zusammenhang mit der frühen weiblichen Position des kleinen Mädchens be- 
trachtet. Sie führt als Momente, die einen auf prägenitalen Besetzungen beruhenden 
Penisneid des kleinen Mädchens begünstigen, an: die Befriedigung des aktiven und 
passiven Schautriebes, die der Knabe beim Urinieren hat, und die stärkere Befriedigung 
der Harnerotik, die sich in der Phantasie des Mädchens mit dem Penisbesitz verbindet. 
Die Schwierigkeiten der weiblichen Position (unter anderem der Neid auf den Kindes- 
besitz der Mutter) verstärken den Penisneid und tragen zur Identifizierung mit dem 



1 



folgenden Darstellung einige wichtige Etappen dieses Prozesses heraus, um 
zu untersuchen, wie die Identifizierung mit dem Vater von der Angst, die aus 
der weiblichen Position entspringt, beeinflußt wird, und wie ferner die in den 
verschiedenen Phasen eingenommenen männlichen Positionen sich aufeinander 
aufbauen. 

Das Mädchen identifiziert sich, wenn es die Mutterbrust aufgibt und sich dem 
Penis des Vaters als Objekt der Befriedigung zuwendet, mit der Mutter. 
Die in dieser Position erlittene Versagung drängt sehr bald zu einer Identi- 
fizierung mit dem Vater, der in der Phantasie des Kindes sich an der Brust 
und dem Leib der Mutter, also an der primären Quelle befriedigt, die das Kind 
eben und unter schwerstem Leiden aufzugeben genötigt war. Neben dem 
libidinösen Begehren nach der Mutter treiben Neid und 
Haß gegen sie zur frühesten Identifizierung mit dem 
sadistischen Vater. In dieser Identifizierung spielt das Nässen eine 
wichtige Rolle. 

Der Urin wird bei beiden Geschlechtern in seiner positiven Bedeutung (auf 
Grund der unbewußten Gleichsetzung aller Körperstoffe) der Muttermilch 
gleichgesetzt. Das Nässen ist nach meinen Beobachtungen bei beiden Ge- 
schlechtern in seiner frühesten Bedeutung der Ausdruck der 
weiblichen Position* 7 (im positiven spendenden Sinne sowie in der 
sadistischen Verkehrung). Der Haß gegen die versagende Mutterbrust aktiviert 
— allem Anschein nach zugleich mit den kannibalistischen Triebregungen oder 
dicht an diese anschließend — Phantasien von Beschädigung und Zerstörung 
der Brust mittels des Urins.* 8 



Vater bei. Karen H o r n e y findet, daß die gleichen Momente, die zur Homosexualität 
führen, ^ in abgeschwächtem Maße an der Entwicklung des Kastrationskomplexes be- 
teiligt sind. 

47) Nach Helene Deutsch (Psychoanalyse der Neurosen, Int. PsA. Verl. 1930) 
ist das Nässen beim Knaben der Ausdruck der weiblichen, beim Mädchen der männlichen 
Position. 

48) Hiebet entwickelt sich folgender Mechanismus, der mir im allgemeinen für den 
Aufbau sadistischer Phantasien bedeutungsvoll erscheint: die Befriedigung, die das Objekt 
genießt, wird durch Zusatz destruktiver Elemente ins Gegenteil verkehrt. Aus Rache 
gegen die zu geringe Menge an Milch wird ein Übermaß an Urin (Zerstörung durch 
Aufweichen, Oberschwemmen usw.) in der Phantasie erzeugt. Ebenso soll zur Vergeltung 
für die Versagung der „guten Milch" die Brust und die Milch der Mutter durch eine 
verbrennende, vergiftende Flüssigkeit zerstört werden. Dieser Mechanismus wirkt sich 
auch in Phantasien des Inhaltes aus, die Objekte durch ein Obermaß an guter Nahrung 
zu quälen oder zu zerstören. Die Vergeltungsangst kann dann — wie ich in einigen 
Fällen feststellte — dazu führen, daß sich Erstickungsangst, Angst zu voll zu sein u. dgl. 
mit der Nahrungsaufnahme verbindet. Einer meiner Patienten geriet in nur mühsam 
beherrschte "Wut, wenn ihm, sei es auch in freundlichster Absicht, Speisen, Getränke oder 
Zigaretten ein zweites Mal angeboten wurden. Er fühlte sich sogleich „vollgepfropft" und 
verlor jede Eßlust oder Lust zum Rauchen. Die Analyse erwies als tiefste Wurzel dieses 



9 



"Wie ich früher ausführte, bleibt beim Mädchen in der sadistischen Phase die 
Magie der Exkremente dominierend, während beim Knaben der Penis zum 
hauptsächlichen Exekutivorgan des Sadismus wird. Aber auch beim Mädchen 
führt — wenn auch in geringerem Maße — der Glaube an die Allmacht der 
Blasenfunktion zur Identifizierung mit dem sadistischen Vater, dem infolge des 
Penisbesitzes besonders urethral-sadistische Macht zugeschrieben wird. 40 Das 
Nässen wird sehr bald bei beiden Geschlechtern zum Ausdruck der männ- 
lichen Position und in der frühesten Identifizierung des Mädchens 
mit dem sadistischen Vater ein Mittel zur Zerstörung 
der Mutter. Zugleich eignet sich das Mädchen in der Phantasie den Penis 
des Vaters an, indem es ihn kastriert. 

Die Identifizierung mit dem Vater auf Grund des intro- 
ji zierten Penis 50 schließt nach meinen Erfahrungen dicht an die mittels 
des Nässens hergestellte primäre sadistische Identifizierung an. In den frühesten 
Masturbationsphantasien identifiziert das Kind sich abwechselnd mit den beiden 
Elternteilen. Die in der femininen Position erfolgte Verinnerlichung des väter- 
lichen Penis löst die Angst vor dem verinnerlichten „bösen" Penis 
aus. Diese Angst führt aber wieder zu einer Verstärkung der Identi- 
fizierung mit dem Vater, denn sie aktiviert als Abwehrmechanismus 
gegen die Angst die Identifizierung mit dem Angstobjek t. 51 
Der Besitz des introjizierten, dem Vater geraubten Penis wird zur Basis für 
das Allmachtsgefühl, das den Glauben an die destruktive Magie mittels der 



Verhaltens ganz frühe, gegen die Objekte gerichtete Phantasien des eben geschilderten 
sadistischen Charakters. 

49) Karen H o r n e y führt in ihrer Arbeit: Zur Genese des weiblichen Kastrations- 
komplexes (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. IX, 1923) unter den Momenten, die aus den 
urethral-erotischen Triebregungen primär zum Penisneid drängen, auch den Umstand an, 
daß sadistische Allmachtsphantasien, die sich mit der Blasenfunktion verbinden, sich 
besonders an den männlichen Urinstrahl knüpfen. 

50) Ernest Jones (Die erste Entwicklung der weiblichen Sexualität, Int. Ztschr. 
f. PsA., Bd. XIV, 1928) kam hinsichtlich der Genese der weiblichen Homosexualität zu 
grundlegenden Ergebnissen, die ich durch mein Material voll bestätigt fand, und die ich 
hier kurz zusammenfasse. Jones vertritt die Auffassung, daß sehr starke Fellatio- 
phantasien im Zusammenhang mit einem starken oralen Sadismus die Grundlage für 
den Glauben bilden, gewaltsam vom Penis des Vaters Besitz ergriffen und damit eine 
bestimmte Art der Vateridentifizierung vollzogen zu haben. Die Homosexualität, die 
auf dieser Basis zustande kommt, charakterisiert sich nach Jones durch geringeres 
Interesse an Frauen und starkes Interesse am Manne. Das Streben dieser Homosexuellen 
geht dahin, Anerkennung und Beachtung vom Manne zu erzielen, und ist mit starken 
Rivalitätsgefühlen, Haß und Groll gegen den Mann verbunden. Die Charakterent- 
wicklung zeigt dann auch im allgemeinen starke oralsadistische Züge, die Vateridentifizie- 
rung dient in diesen Fällen weitgehend den Kastrationswünschen dem Manne gegen- 
über. 

51) Siehe Kap. VII. 

— aa3 — 



Exkremente verstärkt. In dieser Position verstärkt das weibliche Kind den 
Sadismus gegen die Mutter, die es mit Hilfe des väterlichen Penis zerstört. Es 
befriedigt zugleich seine Rache gegen den versagenden Vater und findet im 
Allmachtsgefühl und in der Macht über beide Eltern eine Abwehr gegen die 
Angst. Diese Position fand ich besonders stark in einigen Fällen entwickelt, 
in denen paranoide Züge vorherrschten. 52 Sie scheint mir auch bei den Frauen 
stark wirksam zu sein, bei denen die Homosexualität den Charakter einer 
gehässigen Rivalität mit dem Manne trägt, also auch bei den Homosexuellen, die 
Ernest Jones beschreibt und auf die ich früher einging. 

Das Mädchen will sich nun unter anderem durch den Besitz eines äußeren Penis 
folgendes beweisen: I) daß es die sadistische Macht über beide 
E 1 1 e r n t e i 1 e, die eine Bedingung der Angstbewältigung ist, real 
besitz t; 53 II) beweist der Penis als Mittel der sadistischen Macht über die 
Objekte, daß der verinnerlichte gefährliche Penis und die 
introjizierten Objekte überwältigt werden können. Hier 
dient der Penisbesitz letzten Endes dem Schutze des eigenen Körpers. 

Bildet demnach die durch Angst verstärkte sadistische Position 
eine Grundlage fü-r den Männlichkeitskomplex, so ergibt sich 
andrerseits ein starkes Begehren nach dem Penisbesitz aus dem Schuld- 
gefühl. Der reale Penis wird nun zum Zwecke der Wiedergutmachung an 
der Mutter angestrebt. 

Joan R i v i e r e hat darauf hingewiesen, 54 daß der Antrieb, die Mutter für 
den ihr in der Phantasie geraubten Penis des Vaters zu entschädigen, wichtige 
Zuschüsse zum Kastrationskomplex und Penisneid des Mädchens liefert. Wenn 
das Mädchen durch die Angst vor der Mutter dazu gedrängt wird, die Rivalität 
mit ihr aufzugeben, so führt der Wunsch, die Mutter zu besänftigen und an 
ihr gutzumachen, zu einem intensiven Begehren des Mädchens nach dem Penis- 
besitz, denn der Penis wird zum Mittel der Wiedergutmachung. Den Grad des 
Sadismus und die Fähigkeit, Angst zu ertragen, hält Joan Ri viere für 
Faktoren, die über den Ausgang in Heterosexualität oder Homosexualität mit 
entscheiden. 



jz) Ich verweise auf die Krankheitsgeschichte von Erna (Kap. III) und greife hier 
nur ein charakteristisches Detail heraus. Die sechsjährige Erna, die an schwerer Schlaf- 
losigkeit litt, konnte der Angst vor dem Einbrecher und Räuber nur Herr werden, indem 
sie, auf dem Bauche liegend, mit dem Kopf auf die Kissen „bumste". Dies bedeutete den 
sadistischen Koitus mit der Mutter, wobei sie die Rolle des (sadistischen) Vaters spielte. 

53) Joan Ri viere hat in ihrer Arbeit: Weiblichkeit als Maske (Int. Ztschr. f. 
PsA., Bd. XV, 1929) darauf hingewiesen, daß das Mädchen aus Wut und Haß über die 
einander sexuell befriedigenden Eltern in der Phantasie den Vater kastriert und sich 
seinen Penis aneignet. In der Phantasie gewinnt es dadurch Macht über beide Eltern 
und vernichtet sie. 

54) „Weiblichkeit als Maske." (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XV, 1929.) 



mm 



Ich will nun näher darauf eingehen, warum in gewissen Fällen die männliche 
Position und der P e n i s b e s i t z für das Mädchen zur ausschließlichen 
Voraussetzung der Wiedergutmachung an der Mutter 
wird. 

Die Frühanalyse läßt als ein Grundgesetz des Unbewußten, das die reaktiven 
Tendenzen regelt und den Sublimierungsprozeß beherrscht, die im Seelenleben 
wirksame Forderung erkennen, daß die Wiedergutmachung in allen 
den Einzelheiten den phantasierten Zerstörungen folgen 
muß: Schritt für Schritt wird rückgängig gemacht, wieder hergestellt, zurück- 
erstattet, was in der Phantasie an Bösem zugefügt wurde. Dieses Gesetz wirkt 
sich aber auch dahin aus, daß die sadistischen Mittel, die zur Beschädi- 
gung und Zerstörung dienten (Penis, Exkremente usw.), wieder in „gute" 
Dinge verwandelt und dann als Mittel der Heilung angewendet werden. 
Der „böse" Penis, der „böse" Urin hat beschädigt, der „gute" Penis, 55 der „gute" 
Urin soll heilen. 

Nehmen wir nun zum Beispiel den Fall des weiblichen Kindes, bei dem die 
sadistischen Phantasien mehr um die — indirektere — Ver- 
nichtung der Mutter durch den gefährlichen väterlichen Penis zen- 
trieren, und das sich auch sehr stark mit dem sadistischen Vater identifiziert hat. 
Die reaktiven Tendenzen drängen dann, wenn der Antrieb zur Wiedergut- 
machung sich verstärkt, zur Wiederherstellung der Mutter mittels eines 
heilsamen Penis, und verstärken so die Antriebe zur Homosexualität. 
Eine wichtige Rolle spielt dabei, inwieweit das Gefühl, daß der Vater zur 
Wiedergutmachung unfähig ist (weil das Kind ihn kastriert, beseitigt oder seinen 
Penis zu stark in einen „bösen" Penis verwandelt zu haben meint), vorherrscht, 
und deshalb die Hoffnung, ihn wiederherstellen zu können, aufgegeben wurde. 56 
In solchen Fällen muß das Mädchen selbst die Rolle des Vaters übernehmen, ein 
Moment, das die Wendung zur Homosexualität mitbestimmt. 



$j) Melitta Schmideberg geht in ihrer Arbeit: Psychotic Mechanisms in Cul- 
tural Development (Int. Journ. of Psycho- Analysis, Vol. XI, 1930, Part IV) auf den 
Anteil ein, den der Glaube an die magischen Qualitäten des „guten" Penis (Arznei) und 
des „bösen" Penis (Krankheitsdämons) an der Entwicklung der Medizin hat. Sie führt 
die psychische Wirkung von Heilmitteln unter anderem auf folgende Momente zurück: 
Die ursprüngliche Aggression gegenüber dem Penis des Vaters, die ihn in ein so gefähr- 
liches Objekt verwandelt hat, wird durch Gehorsam und Unterwerfung dem Vater 
gegenüber abgelöst, und die in diesem Geiste eingenommene Medizin — die den „guten" 
Penis symbolisiert — wirkt dann auch als Heilmittel gegen die „bösen" verinnerlichten 
Objekte. 

$6) Tritt die Homosexualität nur in sublimierter Form hervor, so zeigt sie sich 
in diesen Fällen zum Beispiel in der Sorgfalt für andere Frauen (die Mutter), die 
beschützt, versorgt, bei denen Gattenstelle vertreten wird usw. Bei diesen Frauen liegt 
nur wenig Interesse am Manne vor. Ernest Jones hat gezeigt, daß diese Einstellung 
bei jenen Homosexuellen wirksam ist, bei denen die oralsaugende Fixierung sehr stark ist. 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. lg 

— aa5 — 



Die aus der Erkenntnis des Penismangels sich ergebenden Gefühle von Zweifel, 
Enttäuschung und Minderwertigkeit, ferner die aus der männlichen Position 
resultierenden Angstquellen und Schuldgefühle (dem Vater gegenüber, der hie- 
durch des Penis und des Besitzes der Mutter beraubt wird — der Mutter gegen- 
über, die des Vaters beraubt wird) erschüttern neuerlich die männliche Position. 
Auch führt der Groll, der in der primären Position der Mutter gilt, weil sie die 
Brust und den objektlibidinös begehrten Penis des Vaters verweigerte, und der 
sich nun durch die Anklage ergänzt hat, daß sie der Tochter das Attribut der 
Männlichkeit, den eigenen Penis versagte, zur Abwendung von ihr als einem 
genitalen Liebesobjekt. Andrerseits wirken Penisneid und Haß, die aus der männ- 
lichen Position gegen den Vater empfunden werden, der Wiederaufnahme der 
weiblichen Rolle entgegen. Meiner Erfahrung nach schließt sich beim Mädchen 
an die phallische Phase noch eine „n a c h p h a 1 1 i s c h e Phase" an, in der 
es sich entscheidet, ob das Mädchen die weibliche Position beibehält oder ver- 
wirft. Die weibliche passive 57 genitale und mütterliche 
Position, die auch die Funktion der Vagina, beziehungsweise deren psychische 
Repräsentanz einschließt, ist meinen Erfahrungen nach in allen Grund- 
zügen errichtet, wenn das Latenzalter einsetzt. Dies geht 
auch daraus hervor, daß die wirklich weibliche und mütterliche Position, die 
bei vielen kleinen Mädchen ganz ausgesprochen hervortritt, nicht denkbar ist 
ohne die Funktion des weiblichen Genitales als eines rezeptiven Organs. I n 
der Funktion der Vagina ergeben sich, wie ich früher hervorhob, 
durch die biologischen Veränderungen im Pubertätsalter 58 und dann wieder durch 
die Wirkungen des Sexualaktes wichtige Veränderungen, die den endgültigen 
psychischen Abschluß der weiblichen Sexualentwicklung, die Weiblichkeit im 
vollen Sinne des Wortes, herbeiführen. 

Meine Auffassung stimmt in mehreren Punkten überein mit Feststellungen, 
zu denen Karen H o r n e y in ihrer Arbeit „Flucht aus der Weiblichkeit" 59 kam. 
Sie vertritt dort die Auffassung, daß die Vagina neben der Klitoris eine Rolle 
in der frühinfantilen weiblichen Gesamtorganisation spielt. Man könnte sogar 
aus den späteren Erscheinungen der Frigidität schließen, daß die Vaginalzone 
eher stärker mit Angst- und Abwehraffekten besetzt ist als die Klitoris, und zwar 
darum, weil die „inzestuösen Wünsche mit der vollen Treffsicherheit des Un- 



57) Helene Deutsch spricht (Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen, 
Int. Ztsdir. f. PsA., Bd. XII, 1926) auch die Auffassung aus, daß „die wirklich passive 
feminine Einstellung der Vagina in ihrer oralen, saugenden Tätigkeit liegt". 

$8) Auch beim kleinen Knaben ist die psychische Repräsentanz aus den Funktionen 
des Penis, die erst in der Fortpflanzungsperiode einsetzen, die Voraussetzung der männ- 
lichen Position. 

59) Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XII, i ? z6. 



16 - 



bewußten auf sie bezogen werden". Im Sinne dieser Betrachtung müßte man 
die Frigidität als einen Ausdruck der Abwehr jener für das Ich so bedrohlichen 
Phantasien auffassen. In dem Umstand, daß das Mädchen sich über die Vagina 
keinerlei Sicherheit verschaffen und nicht wie der Knabe (der sein Genitale 
betrachten kann) eine Realitätsprüfung vorzunehmen vermag, ob die gefürchteten 
Folgen der Onanie eingetreten sind, sieht auch Karen H o r n e y einen Faktor, 
der sowohl die Genitalangst verstärkt als auch die Zuwendung zur männlichen 
Position begünstigt. In dieser Arbeit vertritt Karen Horney die Auffassung, 
daß der „sekundäre" Penisneid des Mädchens, der in der phallischen Phase 
hervortritt, vom „primären" Penisneid, der auf prägenitalen Besetzungen (wie 
Schautrieb, Harnerotik) beruht, zu unterscheiden sei. Der sekundäre Penisneid 
steht ihrer Auffassung nach im Dienste der Verdrängung weiblicher Wünsche. 
Beim Ausgang des Ödipuskomplexes wird regelmäßig - wenn auch in Ausmaß 
und Abstufungen verschieden — nicht nur der Vater als Sexualobjekt aufgegeben, 
sondern es kommt gleichzeitig zu einem Zurückweichen vor der weiblichen Rolle 
und so zu einer Regression auf den primären Penisneid. 

In meiner Auffassung vom Abschluß der ersten Genitalorganisation des 
Mädchens, die ich in meiner Arbeit „Frühstadien des Ödipuskonfliktes" 60 vertrat, 
begegnete ich mich in wesentlichen Punkten mit Ergebnissen, zu denen Ernest 
Jones gleichzeitig in seiner Arbeit „Die erste Entwicklung der weiblichen 
Sexualität" 61 kam. Jones spricht in dieser Arbeit die Vermutung aus, daß die 
Funktion der Vagina, die sich in einem — noch unklaren — Prozeß vom Anus 
(mit dem sie ursprünglich identifiziert wird) differenziert, in einem früheren 
Entwicklungsstadium einsetzt, als allgemein angenommen wird. Jones nimmt 
eine Mund-Anus-Stufe an, die die heterosexuelle Einstellung auf Grund der 
Identifizierung mit der Mutter begründet. Die phallische Phase ist seiner An- 
nahme nach beim normalen Mädchen nur eine abgeschwächte Form der Vater- 
Penis-Identifizierung bei weiblichen Homosexuellen und gleich dieser — wie 
J o n e s im Verlaufe seiner Arbeit vertritt — vornehmlich sekundär und defensiv. 
Zu einem abweichenden Ergebnis kommt Helene Deutsch. 62 Sie nimmt 
zwar auch eine nachphallische Phase an, in der sich die endgültigen Schicksale 
der späteren Genitalorganisation vorbereiten, meint aber, daß das völlige Aus- 
bleiben einer vaginalen Phase (sie hält auch die Kenntnis der Vagina und 
Sensationen in der Vagina für Ausnahmeerscheinungen) zur Folge hat, daß die 
genitale weibliche Einstellung beim Abschluß der infantilen Sexualentwicklung 



60) Int. Ztsdir. f. PsA., Bd. XIV, 1928 

61) Ebenda, Bd. XIV, 1928. 



62) In ihrer Arbeit „Der feminine Masochismus und seine Beziehung zur Frigidität" 
(Int. Ztsdir. f. PsA., Bd. XVI, 1930.) 



227 — 



71 



nicht aufgenommen werden kann. In der hiedurch erzwungenen Rückwendung 
der Libido, auch insoweit die weibliche Einstellung beibehalten wird, auf die 
früheren Positionen des Kastrationskomplexes — der nach Auffassung von 
Helene Deutsch dem Ödipuskomplex des Mädchens vorausgeht — sieht sie 
ein grundlegendes Moment für den femininen Masochismus. 

Wiedergutmachungstendenzen und Sexualität. Ich habe 
den Anteil hervorgehoben, der den Wiedergutmachungstendenzen an der Befesti- 
gung der homosexuellen Position des Mädchens zukommt. Aber auch die Befesti- 
gung der heterosexuellen Position hängt davon ab, daß sie in Einklang mit den 
Forderungen des Über-Ichs steht. 

An einer früheren Stelle dieses Kapitels habe ich den Nachweis zu führen 
versucht, daß der Sexualakt auch beim Normalen zum Teil im Dienste 
der Angstbewältigung steht, und will diese Ausführungen nun dahin 
ergänzen, daß ein weiteres Moment, das generell neben dem libidinösen 
Begehren als Antrieb zur genitalen Betätigung wirkt, die Tendenzen sind, 
mittels des Koitus die in den sadistischen Phantasien an- 
gerichteten Zerstörungen wieder gutzumache n. 63 

Wenn mit dem stärkeren Hervortreten der genitalen Regungen das Über-Ich 
sich weniger als Angst und stärker als Schuldgefühl dem Ich fühlbar macht, 
wird der Sexualakt infolge seiner Verknüpfung mit den 
frühen sadistischen Phantasien zu einem eminenten Mittel 
der Wiedergutmachung am Objekt. 

Die Quantität und die Einzelheiten der den phantastischen Zerstörungen 
adäquaten Wiedergutmachungsphantasien werden bei beiden Ge- 
schlechtern ein bedeutungsvoller Faktor, nicht nur für die Entwicklung 
von Sublimierungen und Aktivitäten, sondern auch für den Verlauf 
der Sexualentwicklung und für deren Endresultat. 64 Der Aufbau und 
Inhalt der sadistischen Phantasien, die Quantität der reaktiven Tendenzen, die 
Stärke und Struktur des Ichs beeinflussen die libidinösen Fixierungen und sind 
mitbestimmend dafür, ob beim Mädchen die Wiedergutmachung auf 



63) Auf die Bedeutung der Wiederherstellungstendenzen als Antrieb für die hetero- 
und homosexuelle Sexualbetätigung hat auch M. Schmideberg in ihrer Arbeit: 
Einige unbewußte Medianismen im pathologischen Sexualleben und ihre Beziehung zur 
normalen Sexualbetätigung (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVIII, 1932) — von einer anderen 
Seite kommend — hingewiesen. Auf Einzelheiten dieser Arbeit gehe ich hier nicht weiter 
ein, sondern verweise auf die Arbeit selbst. 

64) Sind die Schuldgefühle übermäßige, so kann die Verlötung von Sexualbetäti- 
gung und Wiedergutmachungstendenzen zur Grundlage schwerer Störungen der Sexualität 
werden. — Ich gehe im nächsten Kapitel darauf ein, in welcher Weise der Antrieb zur 
Wiedergutmachung sich in der Sexualentwicklung des Mannes auswirkt und seine Potenz 
günstig oder ungünstig beeinflußt. 

— 338 — 



der weiblichen oder der männlichen Linie oder in einer 
Mischung von beiden erfolgen wird. 65 

Von Bedeutung für den Ausgang scheint mir ferner, ob die auf bestimmten 
sadistischen Inhalten sich aufbauenden Wiedergutmachungsphan- 
t a s i e n sich sowohl in der Ichentwicklung wie in der Sexual- 
entwicklung durchsetzen können. Normalerweise greifen sie in- 
einander und führen dann zur Befestigung einer bestimmten Libidoposition und 
einer mit dieser korrespondierenden Ichentwicklung. 

Wenn zum Beispiel der Sadismus des kleinen Mädchens stark um Phantasien 
zentrierte, in denen es den Körper der Mutter beschädigte, ihr die Kinder und 
den väterlichen Penis raubte, so kann es, wenn die reaktiven Tendenzen voll 
einsetzen, die weibliche Position unter gewissen Bedingungen halten. In Sub- 
limierungen setzt sich der "Wunsch durch, die Mutter wieder herzustellen, ihr 
die Kinder und den Vater wiederzugeben. (In Berufen wie Kinderpflegerin, 
Krankenschwester, Masseuse oder auch auf intellektuellen Gebieten). 66 Liegt 
zugleich auch ein genügender Glaube an die Wiederherstellung des eigenen Leibes 
durch den Besitz von Kindern und durch den Koitus mit einem „heilsamen" 
Penis vor, so wird die heterosexuelle Position zu einer Stütze der Angst- 
bewältigung. Die heterosexuelle Libidoposition verstärkt aber auch die Sub- 
limierungen, die auf die Wiederherstellung der Mutter zielen, denn sie beweist, 
daß auch der Koitus der Eltern die Mutter nicht zerstört hat, oder daß deren 
Wiederherstellung möglich ist — ein Glaube, der wiederum die heterosexuelle 
Libidoposition befestigt. 

Bestimmend für den Entwicklungsausgang ist auch — gleiche Grundbedin- 
gungen angenommen — , ob bei starken reaktiven Tendenzen auch ein genügender 
Glaube an die eigene konstruktive Allmacht vorliegt. Dann 
kann sich das Ich ein weiteres Ziel für die Wiedergutmachungstendenzen setzen, 
nämlich das der Wiederherstellung und friedlichen Wiedervereinigung beider 



65) Audi wenn der Sadismus vorherrschend bleibt, beeinflussen die Mittel der 
Angstbewältigung die Sexualentwicklung. Sie führen dann in gewissen Fällen zu einer 
auf sadistischer Basis festgehaltenen Homosexualität, in anderen Fällen zu einer auf 
sadistischer Basis beruhenden HeteroSexualität. 

66) In meiner Arbeit: Frühe Angstsituationen im Spiegel künstlerischer Darstel- 
lungen (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVII, 193 1) habe ich den von Karin Michaelis be- 
schriebenen künstlerischen Entwicklungsgang einer jungen Frau analysiert und den Nach- 
weis zu führen versucht, daß die den tiefsten Gefahrsituationen des Mädchens ent- 
stammende Angst der Antrieb für das in diesem Falle plötzliche Einsetzen künstlerischer 
Aktivität war. Das Malen von Frauenbildnissen, das die junge Frau eines Tages mit großer 
Begabung begann (ohne je vorher Malen gelernt oder versucht zu haben), stellte meiner 
Auffassung nach die sublimierte Wiederherstellung des in der Phantasie angegriffenen 
Leibes der Mutter sowie des eigenen (dessen Zerstörung sie aus Vergeltungsangst er- 
wartete) dar und beruhigte deshalb die aus den frühesten Quellen fließende Angst. 

— 329 — 



Elternteile. Es ist dann der Vater, der mittels eines heilsamen Penis die Wieder- 
gutmachung an der Mutter vornehmen und diese befriedigen soll, während der 
ursprünglich als gefährlich phantasierten Vagina der Mutter nun in den Wieder- 
gutmachungsphantasien die Rolle zuerteilt wird, den von ihr beschädigten väter- 
lichen Penis wieder herzustellen und zu heilen. Die mit diesen Phantasien ver- 
bundene Bedeutung der mütterlichen Vagina als eines heilsamen, freudespendenden 
Organs läßt aber in der Phantasie des Kindes nicht nur die ursprüngliche 
Bedeutung der „guten" stillenden Mutter wieder hervortreten, sondern ermöglicht 
der Tochter, auch sich selbst in Identifizierung mit der Mutter als spendend und 
heilsam und den Penis des Liebespartners als „guten" Penis zu empfinden. Diese 
Einstellung bildet die Grundlage für das Gelingen der Sexualentwicklung und 
für eine zärtliche und sexuelle Bindung an das Sexualobjekt. 

Der Ausgang der infantilen Sexualentwicklung ist, wie ich 
durch meine bisherigen Ausführungen nachzuweisen versuchte, das Resultat 
langwierigen Fluktuierens zwischen verschiedenen Positionen. Er baut sich auf 
einer Vielzahl von ineinandergreifenden Kompromissen 
zwischen Ich und Über-Ich, Ich und Es auf, die auch ein Er- 
gebnis der Angstbewältigung (also sehr weitgehend eine Leistung des 
Ichs) sind. 

Solche Kompromisse, die der Beibehaltung der weiblichen Rolle zugrunde 
liegen und sich in typischer Weise im späteren Sexualleben und sonstigem Ver- 
halten äußern, sind zum Beispiel: der Penis des Vaters soll abwechselnd die 
Mutter und die Tochter befriedigen; 67 ein Teil der Kinder — eine bestimmte 
Anzahl — werden der Mutter, eine ebenso große oder auch nur geringere Anzahl 
der Tochter selbst zugebilligt. Der väterliche Penis wird zeitweise von der 
Tochter inkorporiert, dagegen werden alle Kinder der Mutter zugesprochen u. dgl. 
Auch die männliche Komponente wird in diese Kompromisse voll einbezogen. 
Das kleine Mädchen eignet sich zum Beispiel zeitweise den väterlichen Penis an, 
um damit die männliche Rolle der Mutter gegenüber durchführen zu können, gibt 
ihn dann aber wieder dem Vater zurück usw. 

Im Verlaufe der Analyse läßt sich erkennen, daß jede günstige Änderung, 
die sich in der Libidoposition ergibt, aus der Verminderung von Angst und 
Schuldgefühlen resultiert und sich sofort in der Bildung neuer Kompromisse 
auswirkt. Je mehr sich die Angst und das Schuldgefühl vermindern, je mehr 



6j) Phantasien dieses Inhalts (sei es, daß es sich bei vorherrschend sadistischer Ein- 
stellung um eine gemeinsame Vernichtung des väterlichen Penis oder bei vorwiegend 
positiver Einstellung um eine gemeinsame libidinöse Befriedigung durch den väterlichen 
Penis handelt) spielen für die weibliche Homosexualität eine analoge Rolle wie für die 
Homosexualität des Mannes die Phantasien, dem väterlichen Penis als Objekt der Be- 
friedigung oder des Hasses im Mutterleib zu begegnen. 



23o — 



auch die genitale Stufe hervortritt^ um so mehr wird das Mädchen fähig, der 
Mutter die weibliche und mütterliche Rolle zuzubilligen (vielmehr sie ihr wieder- 
zugeben). Zugleich vermag sie selbst die weibliche und mütterliche Rolle zu über- 
nehmen und die männliche Komponente zu sublimieren. 

ÄußereFaktoren. Wir wissen, daß das frühe Triebleben und die Ein- 
drücke der Realität ineinandergreifen, und daß ihr Zusammenwirken das Ent- 
wicklungsresultat bestimmt. Die realen Objekte und die Realität beein- 
flussen meiner Meinung nach von den frühesten Stufen an die Angs t- 
situationen (und damit auch die Trieb en twi ckl ung) in der Weise, 
daß sie als positive oder negative Beweise für die in die 
Außenwelt verlegten Angstsituationen gewertet werden. 
Das Verhalten der Objekte und Erlebnisse trägt auf diese Weise zur Verstärkung 
und Verminderung der beherrschenden Angstsituationen bei. Indem der äußere 
Faktor mittels der Wechselwirkung von Projektion und Introjektion den Verlauf 
der Ober-Ich-Bildung, die Entwicklung der Objektbeziehung und der Trieb- 
entwicklung beeinflußt, wird er auch mitentscheidend für den Ausgang der 
Sexualentwicklung. 

Wenn zum Beispiel das kleine Mädchen nicht in der Güte und Liebe 
des Vaters eine Bestätigung des Glaubens an den ver- 
innerlichten „guten" Penis und ein Gegengewicht gegen den Glauben 
an den „bösen" Penis findet, so führt dies oft zur Verstärkung der maso- 
chistischen Einstellung und kann den Ausschlag dafür geben, daß 
der sadistische Vater zur Liebesbedingung erhoben wird. In anderen Fällen ver- 
stärken sich durch das Verhalten des Vaters die Regungen von Haß und Angst 
dem Penis gegenüber, und dies wirkt sich dahin aus, daß die weibliche 
Rolle aufgegeben wird oder daß es zum Ausgang in Frigidität kommt. 
Jedoch wirken in der Realität viele Momente zusammen, um den günstigeren 
oder ungünstigeren Ausgang zu unterstützen. 

Nicht nur die Beziehung des Vaters dem kleinen Mädchen gegenüber (zum 
Beispiel übermäßige Zurücksetzung hinter der Mutter oder den Schwestern oder 
zu große Bevorzugung), sondern auch das Verhältnis des Vaters zur Mutter und 
zu den Geschwistern beeinflußt die Bildung des Liebestypus. Inwieweit das 
Mädchen die feminine Position festhalten und innerhalb dieser den Wunsch nach 
einer gütigen Vater-Imago ausbilden kann, hängt wesentlich von den Schuld- 
gefühlen der Mutter gegenüber und deshalb auch vom Verhältnis der Eltern 
untereinander ab. 68 Auch bestimmte Erlebnisse, z. B. die Erkrankung oder 

68) Da die Einflüsse der Realität vom Kinde schon in einer bestimmten Weise 
aufgenommen werden, die von den frühesten Angstsituationen abhängt, wirken sich 
gleiche Einflüsse bei verschiedenen Kindern verschiedenartig aus. Ein glückliches und 
harmonisches 2usammenleben der Eltern untereinander und mit den Kindern ist aber 

— a3x — 



der Tod eines Elternteils oder eines der Geschwister, können, je nachdem, wie 
sie sich auf das Schuldgefühl auswirken, zur Verstärkung der 
einen oder der andern sexuellen Position beitragen. 

Von großer Bedeutung für die Gesamtentwicklung ist es, wenn in früher 
Kindheit neben den Eltern ein als „helfende Gestalt" empfundenes 
Objekt realen Rückhalt gegen die phantastischen Angst- 
inhalte bietet. Bei der Teilung in eine „gute" und „böse" Mutter, in 
einen „guten" und „bösen" Vater betätigt sich der dem Objekt geltende (letzten 
Endes gegen das Es und Über-Ich gerichtete) Haß am „bösen" Objekt oder führt 
zur Abwendung vom „bösen" Objekt, während die „gute Mutter", der „gute 
Vater" zum Objekt der Wiederherstellungstendenzen werden und an ihnen in 
der Phantasie die "Wiedergutmachung dessen erfolgt, was in sadistischen Phan- 
tasien an den Eltern-Imagines verübt wurde. 69 — Wo aber die ödipusobjekte 
wegen zu großer Angst des Kindes oder aus realen Gründen nicht zu „guten" 
Imagines werden, vermögen noch in gewissen Fällen andere Objekte (z. B. eine 
gute Kinderfrau, Geschwister, Großmutter, Tante, Onkel usw.) die Rolle der 
„guten" Mutter, des „guten" Vaters zu übernehmen. 70 Dadurch können die 
positiven Regungen, die infolge der übermäßigen Angst vor den ödipusobjekten 
in der Entwicklung gehemmt waren, stärker hervortreten und sich an ein Liebes- 
objekt heften. 

Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, daß sexuelle Beziehungen zwischen 
Kindern, insbesondere Geschwistern im frühen Kindesalter, eine generelle Er- 
scheinung sind. Die durch die ödipusversagungen gesteigerte libidinöse Be- 
dürftigkeit und die aus den tiefsten Gefahrsituationen stammende Angst drängen 
das Kind dazu, sich in der Sexualbetätigung mit einem anderen Kinde die 
libidinöse Befriedigung und die vielfachen Bestätigungen und Gegenbeweise 
gegen die Angstinhalte zu verschaffen, die, wie ich insbesondere in diesem Kapitel 
nachzuweisen versuchte, an den Sexualakt geknüpft sind. 

"Wird dieses infantile Sexualobjekt zugleich zu einer hilf- 
reichen Gestalt, so beeinflußt die frühkindliche sexuelle Beziehung, wie 
ich in einer Reihe von Frauen- und Mädchenanalysen feststellte, die Objekt- 
beziehung und die weitere Sexualentwicklung in günstiger 



sicherlich von grundlegender Bedeutung für das Gelingen der Sexualentwicklung und der 
psychischen Gesundheit. Allerdings hat ein harmonisches Familienleben im allgemeinen 
zur Voraussetzung, daß die Eltern nicht neurotisch sind. Das konstitutionelle Moment 
dürfte also auch hiebei wesentlich sein. 

69) Siehe Kap. IX. 

70) Auch Haustiere nehmen in vielen Fällen für das kleine Kind die Rolle des 
„hilfreichen" Objektes an und tragen dann zur Verminderung der Angst bei. Die gleiche 
Bedeutung haben für das Kind seine Puppen, Spieltiere (Bär, Elefant usw.), denen häufig 
die Rolle zugewiesen wird, es im Schlaf vor den feindlichen Objekten zu beschützen. 

— 23a — 



Weis e." In diesen Fällen hatten die übermäßige Angst vor beiden Elternteilen 
und äußere Faktoren eine ödipussituation entwickelt, die die Basis einer nicht 
geglückten Einstellung dem Manne gegenüber bildete und die Beibehaltung der 
weiblichen Position und die Liebesfähigkeit stark behinderte. Die sexuelle 
Beziehung zu einem Bruder oder Brudersubstitut, die in die frühe Kindheit fiel, 
bildete, da der Bruder zugleich mit der sexuellen Befriedigung auch Zärtlichkeit 
bewies und die Schwester beschützte, eine Grundlage für die Liebesfähig- 
keit und die heterosexuelle Position. In einigen der Fälle, die ich 
hier im Auge habe, bestanden zwei Liebestypen nebeneinander, 72 die den 
Imagines des strengen Vaters und des freundlichen Bruders entsprachen. In 
anderen Fällen entwickelte sich eine Imago, die eine Mischung aus dem Vater- 
und Brudertypus darstellte; die Bruderbeziehung hatte auch auf diese Weise 
zur Verminderung des Masochismus geführt. Indem die Beziehung zum Bruder 
sich als ein Realitätsbeweis für den guten Penis auswirkte, 
verstärkte sie den Glauben an den in troji zierten „guten" 
Penis und milderte die Angst vor den in troji zierten bösen 
Objekten. Sie wurde aber auch zu einem Mittel der Bewältigung der Angst 
vor diesen, indem durch den sexuellen Akt zwischen Kindern ein Gefühl der 
Bundesgenossenschaft gegen die Eltern hergestellt wurde. Der 
sexuelle Akt machte sie zu Mitschuldigen, da in ihrer Beziehung zueinander die 
ursprünglich gegen die Eltern gerichteten sadistischen Masturbationsphantasien 
erneuert und nunmehr gemeinsam in der Phantasie durchlebt wurden. Die 
Gemeinsamkeit dieser tiefsten Schuld schwächte einerseits das Schuldgefühl ab. 
Andrerseits wurde die Angst durch das Gefühl, nunmehr einen Bundesgenossen 
gegen die gefürchteten Objekte zu besitzen, gemildert. Diese Bundesgenossen- 
Schaft, die eine wesentliche Rolle in jeder Liebesbeziehung auch 
zwischen Erwachsenen spielt, erwies sich mir von besonderer Bedeutung 
für sexuelle Bindungen in Fällen von paranoidem Typus. 73 

Die sexuelle Bindung an ein anderes, das „gute" Objekt bedeutende, Kind 
wird aber auch als ein Realitätsbeweis gegen die Angst vor 
der als destruktiv empfundenen Sexualität (und zwar sowohl 
der eigenen wie auch der des Objektes) gewertet, kann also späterer Frigidität 

71) Siehe Kap. VII. 

72) In diesen Fällen waren beide Liebestypen in verschiedenen Lebensperioden für 
das Liebesleben bedeutungsvoll geworden. Die Analyse ergab, daß Steigerungen der 
Angstquantitäten und äußere Faktoren zur Wahl des sadistischen Typus gedrängt hatten, 
oder auch nur die Unfähigkeit herbeigeführt hatten, sich der Werbung des sadistischen 
Partners zu entziehen. Als die Ablösung vom sadistischen Objekt gelungen war, machte 
sich der Brudertypus geltend; der Masochismus trat zurück, und es kam zu einer befriedi- 
genden Objektwahl. 

73) Ich gehe auf dieses Moment ausführlicher im nächsten Kapitel ein. 

- 2 33 - 



und sonstigen Störungen der Sexualität, die sich aus den früher besprochenen 
Angstquellen ergeben, entgegenwirken. 

Nehmen demnach Erlebnisse dieser Art in gewissen Fällen einen 
günstigen Einfluß auf die Sexualentwicklung und Objektbeziehung, so können sie 
in anderen Fällen zu schweren Schädigungen führen. 74 Wird die 
sexuelle Beziehung zu einem anderen Kinde zur Bestätigung der tiefsten 
Angstinhalte (sei es, daß der Partner zu sadistisch ist, oder auch, weil 
infolge des eigenen übermäßigen Sadismus der sexuelle Akt noch schwerere Angst 
und Schuldgefühle auslöst), so verstärkt sich der Glaube an die 
Gefährlichkeit der in t r o j izier t en Objekte und des Es 
führt zur vermehrten Strenge des Ober-Ichs und damit zu' 
einer Verschlimmerung der Neurose und aller Fehlentwick- 
lungen des Charakters und der Sexualität. 75 

Pubertätsentwicklung. Die psychischen Erschütterungen im Puber-' 
tätsalter sind, wie wir wissen, weitgehend eine Folge der mit den somatischen Ent- 
wicklungsvorgängen einhergehenden Verstärkung der Triebregungen. Beim Mäd- 
chen kommt hiezu das Einsetzen der Menstruation, die die Angst verstärkt. 
Auf die psychische Bedeutung, die dem Einsetzen der Menstruation zukommt, 
und auf die Belastungsprobe, die dieser Vorgang für das Mädchen bedeutet, 
ist Helene D e u t s c h in ihrem Buch „Psychoanalyse der weiblichen Sexual- 
funktionen"«» näher eingegangen. Sie kommt zum Ergebnis, daß das erste Auf- 
treten der Blutung im Unbewußten als eine reale Kastration gewertet wird und 
zugleich auch die Versagung eines Kindes, also eine doppelte schwere Enttäuschung 
bedeutet. Helene Deutsch hebt auch hervor, daß die Menstruation - in 
einer Determinante - als eine Bestrafung für die Klitorisonanie empfunden 
wird und außerdem wieder regressiv die infantile Koitusauffassung belebt, die 
in der Phantasie des Kindes beinahe regelmäßig einen sadistischen Charakter hat 
und etwas grausam Blutiges 77 darstellt. 

Die Wirksamkeit der von Helene Deutsch hervorgehobenen narzißtischen 
Krankungen und Enttäuschungen fand ich durch mein Material voll bestätigt 
sehe aber ihre pathogene Bedeutung in dem Umstand, daß sie alte Angst- 
inhalte aktivieren. Meiner Auffassung nach sind aber diese Momente auch 
nur einige Gheder einer ganzen K e 1 1 e von Angstsituationen, die durch die 
Menstruation wieder belebt werden. 



74) Ober zwei Fälle dieser Art berichtete ich in Kap. VII. 

75) Dies gilt in noch stärkerem Ausmaße von Vergewaltigung*- und Verführungs- 



gungen führen können. 

76) Int. PsA. Verl. 192* 

77) 1. c, S. 36. 



i34 — 



Ich bin auf diese Angstinhalte in einem früheren Abschnitt dieses Kapitels 
eingegangen und fasse sie in Beziehung zur Menstruationsblutung kurz zusammen: 

i) Das Menstruationsblut wird auf Grund der unbewußten Gleichsetzung aller 
Körperstorfe mit den als gefährlich phantasierten Exkrementen identifiziert. 78 
Der Umstand, daß Blut von früh an mit Verwundung assoziiert wird, scheint 
die Angst, daß die gefährlichen Exkremente den eigenen 
Körper beschädigen könnten, real zu bestätigen. 

2) Bestärkt die Menstruationsblutung die Angst vor Angriffen auf 
den Körper. Hier liegen mehrere Angstinhalte vor: 

a) Angst vor der Mutter, die den Körper angreift und zerstört, zum Teil 
aus Rache, zum Teil, um die Kinder und den väterlichen Penis (die 
das Kind der Mutter in der Phantasie raubte und nun besitzt) zurückzunehmen. 

b) Angst vor dem Vater, von dem zerstörerische Angriffe befürchtet werden, 
sei es durch einen sadistischen Koitu s, TB (auf Grund der sadistischen, 
gegen die Mutter gerichteten Masturbationsphantasien), sei es, um den ihm ge- 
raubten Penis zurückzunehmen. In der Phantasie, daß diese gewaltsame 
Zurücknahme des väterlichen Penis das Genitale beschädigt, sehe ich eine 
Quelle für die spätere Vorstellung, daß die Klitoris eine Wunde oder 
Narbe des kastrierten Penis sei. 

c) Angst vor Angriffen und Zerstörungen durch die introjizierten 
Objekte im Leibesinnern. Diese sind direkt gegen das Leibesinnere gerichtet, 
oder werden auf indirektem Wege herbeigeführt durch den Kampf der Objekte 
gegeneinander. Hiebei ist insbesondere die Phantasie, die gewalttätigen, im 
sadistischen Koitus befindlichen Eltern v er inn er 1 ich t 
zu haben, die nun durch die gegenseitige Zerstörung auch das eigene 
Leibesinnere gefährden, eine Quelle intensiver Angstinhalte. 

Die körperlichen Sensationen, die der Menstruationsvorgang häufig auslöst (und 
die durch Angst gesteigert werden), werden als reale Bestätigung der befürchteten 
Zerstörungen und aller Ängste hypochondrischen Charakters gewertet. 

3) Das Strömen von Blut aus dem Körperinnern wird als Beweis für die 
Beschädigung und Vernichtung der Kinder im Leibes- 

78) Siehe auch Lewin: Kotschmieren, Menses und weibliches Ober-Ich. Int. Ztschr. 
f. PsA., Bd. XVI, 1930. 

79) Melitta Schmideberg weist in ihrer Arbeit „Psychoanalytisches zur Men- 
struation" (Ztschr. f. psychoanalyt. Pädag., V. Jahrg., 193 1, Heft 5/6) darauf hin, daß 
das Mädchen die Menstruation unter anderem als Folge eines sadistischen Geschlechts- 
verkehrs mit dem Vater auffaßt. Der sadistische Koitus wird hiebei als Vergeltung der 
Aggression gegen beide Eltern empfunden. — Der Vater führt hiebei, ebenso wie 
er in den sadistischen Phantasien des Kindes die Exekutive der aggressiven 'Wünsche der 
Mutter gegenüber übernahm, nun auch die Bestrafung von Seiten der Mutter dem 
Kinde gegenüber aus. Andrerseits stellt der sadistische Koitus die Strafe für die mit 
dem Koitus verknüpften Kastrationswünsche dem Manne gegenüber dar. 

- a 35 - 



innern empfunden. In einigen Frauenanalysen fand ich, daß erst die Geburt 
des Kindes die seit dem Beginn der Menstruation verstärkte Angst vor Kinder- 
losigkeit — beziehungsweise vor der eingetretenen Vernichtung der Kinder im 
Leibesinnern — widerlegt hatte. In vielen Fällen wirkt sich aber die durch 
die Menstruation gesteigerte Angst vor beschädigten, abnormen Kindern dahin 
aus, daß die Frau die Empfängnis - bewußt oder unbewußt - dauernd 
ablehnt. 

4) Bestätigt die Menstruation die Erkenntnis der P e n i s 1 o s i g k e i t, der 
Klitoris als einer (Wunde) Narbe des kastrierten Penis 80 und erschwert 
dadurch die Beibehaltung der männlichen Rolle. 

5) Aktiviert die Menstruation als das Zeichen der Geschlechts- 
reife alle Angstquellen, die im Zusammenhange mit der als sadi- 
stisch empfundenen Sexualbetätigung stehen, und auf die ich an 
früheren Stellen dieses Kapitels hingewiesen habe. 

Analysen des Pubertätsalters zeigen, daß das Mädchen aus diesen Gründen 
sowohl die weibliche wie auch die männliche Position erschüttert fühlt. Die 
Menstruation aktiviert beim Mädchen die Angstquellen und Konflikte viel stärker, 
als es die entsprechenden Entwicklungsvorgänge beim Knaben bewirken. Daraus 
erklärt sich unter anderem die stärkere sexuelle Gehemmtheit des Mädchens im 
Pubertätsalter. Mit an den psychischen Auswirkungen der Menstruation liegt 
es, daß sich bei Mädchen dieser Altersstufe die neurotischen Schwierigkeiten 
häufig sehr vermehren. Auch beim normalen Mädchen aktiviert die Menstruation 
die alten Angstsituationen, aber die Angst kann, wenn das Ich und die Methoden 
der Angstbewältigung genügend entwidielt sind, besser verarbeitet werden als 
in früher Kindheit. Normalerweise bezieht das Mädchen aus dem Einsetzen der 
Menstruation auch starke Befriedigungen. Wenn die feminine Position in der ersten 
Entwicklung der Sexualität befestigt wurde, so bedeutet die Menstruation, als 
das Zeichen der Geschlechtsreife, eine Bestätigung des Weibseins und eine ver- 
stärkte Hoffnung auf sexuelle Befriedigung und den Kindesbesitz. Die Men- 
struation wird dann auch als positiver Beweis gegen verschiedene Angstinhalte 
empfunden. 

DieBeziehung zum Kinde. Ich bin, als ich die Sexualentwicklung 
des kleinen Mädchens beschrieb, auf den Wunsch nach dem Kindesbesitz nicht 
näher eingegangen, da ich das Verhältnis des kleinen Mädchens zu seinem 
imaginären Kind im Zusammenhang mit der Beziehung der schwangeren Frau 
zum Kind in ihrem Leibesinnern behandeln wollte. 



So) Die unter 2) hervorgehobene primäre Phantasie, am Genitale (Klitoris) durch 
gewaltsame Entnahme des introjizierten Penis beschädigt worden zu sein (oder die Angst 
es zu werden), bildet meiner Auffassung nach eine Grundlage für die Phantasie, ein 
durch Kastration beschädigtes Genitale zu besitzen. 



- a36 - 






Freud stellt fest, daß der Peniswunsch vom Kindeswunsch abgelöst wird. 81 
Nach meinen Erfahrungen ist es aber der — aus der oralen Position stammende — 
objektlibidinöse Wunsch nach dem väterlichen Penis, dem sich der Kindeswunsch 
anschließt. In einzelnen Fällen scheint die Gleichsetzung Stuhlstange = 
Kind, in anderen die Gleichsetzung Penis = Kind stärker vorzu- 
herrschen. Im ersten Falle scheint das Verhältnis zum Kinde sich 
unabhängiger von dem zum Manne, stärker in Beziehung zum eigenen Körper 
und zur Allmacht der Exkremente (mehr narzißtisch) zu entwickeln. 

Im zweiten Falle baut sich das Verhältnis zum Kinde stärker auf 
der Beziehung zum Vater beziehungsweise dessen Penis auf. Es ist 
eine allen Kindern eigene Theorie, daß die Mutter sich immer wieder einen neuen 
Penis im Koitus einverleibe, und daß diese Penisse oder ein Teil derselben zu 
Kindern würden. Infolge dieser Sexualtheorie beeinflußt die Beziehung des weib- 
lichen Kindes zum väterlichen Penis auch seine Beziehung zum phantasierten 
Kinde und später auch zum realen. 

Helene Deutsch bespricht in ihrem Buch „Psychoanalyse der weiblichen 
Sexualfunktionen" 82 die Beziehung der schwangeren Mutter zum Kinde in ihrem 
Leibesinnern. Das Kind stellt für die Mutter gleichzeitig einen Bestandteil 
des Ichs, wie auch ein außerhalb des Ichs gelegenes Objekt dar, an dem „sämtliche 
Objektrelationen der Mutter in ihren positiven und negativen Gefühlseinstel- 
lungen wiederholt werden." Im Koitus, der „letzten Endes für das Unbewußte 
der Frau die orale Einverleibung des Vaters darstellt", war der Vater zum Kinde 
gemacht worden „und behält diese Rolle in der real eintretenden oder phan- 
tasierten Schwangerschaft bei". Nach der Introjektion des Kindes wird es für sie 
(durch die Introjektion des Vaters) zur „Inkarnation des bereits früher ent- 
wickelten Ichideals" und stellt auch „weiterhin die Verkörperung eigener nicht 
erreichbarer Ideale" dar. In dem Umstand, daß das Kind für die Mutter die 
Bedeutung des Über-Ichs annimmt — das auch in starkem Gegensatz zum Ich 
stehen kann — , und daß die ambivalenten, aus der ödipuskonstellation stam- 
menden Gefühle dem Vater gegenüber am Kinde neu belebt werden, sieht Helene 
Deutsch eine Grundlage für die Ambivalenz dem Kinde gegenüber. Eine 
weitere Quelle der Ambivalenz ergibt sich nach Helene Deutsch aus der 
regressiven Besetzung früherer Libidopositionen. Die Identifizierung Kind = Kot, 
auf Grund der narzißtischen Bewertung des Stuhls, wird zur Voraussetzung der 
narzißtischen Bewertung des Kindes. Aus den Reaktionsbildungen gegen die ur- 
sprüngliche Überschätzung der Exkremente ergeben sich Ekel- und Ausstoßungs- 
tendenzen dem Kinde gegenüber. 

81) Freud: Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschiedes. 
(Ges. Sehr., Bd. XL) 



82) Int. PsA. Verl. 1926. 



— z3y 



Meine Auffassung geht über die von Helene Deutsch in folgenden Punkten 
hinaus. Die auf den Frühstufen der Entwicklung erfolgende Gleichsetzung väter- 
licher Penis = Kind wird (da der verinnerlichte Penis des Vaters 
den Kern des väterlichen Über-Ichs bildet) die Grundlage dafür, daß 
das Kind im Leibesinnern die Bedeutung des väterlichen Über-Ichs annimmt 
Aus dieser frühen Gleichsetzung bezieht das Verhältnis zum imaginären Kind 
und spater das der Mutter zum realen Kind nicht nur die Ambivalenz, sondern 
auch die Angstquantitäten, die die Beziehung zum Kinde ent- 
scheidend beeinflussen. Auch die Gleichung Stuhl = Kind beeinflußt nach 
meinen Erfahrungen schon beim kleinen Kinde das Verhältnis zum imaginären 
Kinde. Die Angst, die sich aus den Phantasien von den vergiftenden 
verbrennenden Exkrementen ergibt, ein Moment, das meiner Auf- 
fassung nach im allgemeinen die Ausstoßungstendenzen der früheren analen Stufe 
verstärkt, bildet eine Grundlage für Haß und Angst im Verhältnis der Mutter 
zum Kinde in ihrem Leibesinnern. 

Ich wies früher darauf hin, daß die Angst vor dem introjizierten „bösen" 
Penis zur verstärkten Introjektion des „guten" Penis drängt, da dieser Schutz 
und Hilfe gegen den „bösen" Penis im Leibesinnern, die bösen Imagines, die als 
gefährlich empfundenen Exkremente, bieten soll. Dieser freundliche „gute" Penis 
- häufig auch als kleiner Penis aufgefaßt - ist es aber, der Kindesbedeutung 
annimmt. Das imaginäre Kind bietet dem Kinde Schutz und Hilfe, es stellt 
im Unbewußten primär den „guten" Leibesinhalt dar. Dieser Rückhalt gegen die 
Angst ist freilich ganz phantastisch, aber auch die Angstobjekte weisen einen 
irrealen Charakter auf. In dieser Entwicklungsphase ist vorwiegend die psychi- 
sche Realität entscheidend. 83 

In der Bedeutung, die dem Kindesbesitz als Mittel der Angstbewältigung und 
der Beruhigung von Schuldgefühlen zukommt, sehe ich die tiefsten Gründe dafür, 
daß das kleine Mädchen normalerweise ein so intensives, alle anderen Wünsche 
übersteigendes Bedürfnis nach Kindern empfindet. Häufig ist ja auch bei der 
erwachsenen Frau der Wunsch nach dem Kinde stärker als das Begehren nach 
dem Manne. 

Die Beziehung des kleinen Mädchens zum imaginären Kinde hat auch eine 
große Bedeutung für die Entwicklung von Sublimierungen. Die phantasierten 
Angriffe gegen den Leib der Mutter mittels vergiftender und zerstörender Ex- 
kremente zeitigen die Sorge um den Inhalt des eigenen Körpers. Infolge der 
Gleichsetzung von Stuhl mit Kindern führen d ie Phantasien vom „bösen" Stuhl- 

wid£,L D i? A " er ^ nnun S der Psychischen Realität bildet aber die Basis für die Ent- 

- Sd rr SSU "f' deM i" VerhäItnis ZU den Fantastischen Objekt 

™i At ■ ;• St " fe T r Plastische Imagines der realen Objekte sind - wird 
grundlegend für d le Beziehung zu den realen Objekten (siehe Kap. VIII). 

- 3 38 - 



stüds im Leibesinnern auch zu denen vom „bösen" Kind, 84 das für das kleine 
Mädchen gleichbedeutend mit einem „häßlichen", abnormen Kinde ist. Ich sehe in 
den Reaktions bil düngen auf die sadistischen Phantasien 
vom gefährlichen Stuhlstück eine Quelle spezifisch weiblicher 
Sublimierungen. In Analysen kleiner Mädchen läßt sich deutlich erkennen, 
daß die Sehnsucht nach dem Besitz von „schönen" (guten, gesunden) 
Kindern, und die unermüdlichen Bestrebungen, das Baby und den eigenen 
Körper zu verschönern, auf das innigste zusammenhängen mit der Angst, 
böse und häßliche Kinder (die den vergiftenden Exkrementen gleich- 
gesetzt sind) im eigenen Körper produziert und in den Körper der Mutter 
befördert zu haben. 

F e r e n c z i hat die Umwandlungen beschrieben, 85 die das Interesse für Fäzes 
in den verschiedenen Entwicklungsstufen erfährt, und kam zum Ergebnis, daß 
die Koprophilie schon auf einer frühen Entwicklungsstufe teilweise zur Freude 
an glänzenden Dingen sublimiert wird. Ein Element dieses Sublimierungsprozesses 
sehe ich in der Angst vor dem „böse a"; gefährlichen Stuhlstück, 
von dem eine direkte Sublimierungslinie zur „Schönheit" 
führt. 86 Dem intensiven Bedürfnis der Frau nach einem schönen Körper, des 
weiteren nach einem schönen Heim und nach Schönheit im allgemeinen liegt der 
Wunsch zugrunde, ein schönes Körperinneres mit guten, schönen Ob- 
jekten und ungefährlichen Exkrementen zu besitzen. 

Eine andere Sublimierungslinie führt von den „gefährlichen" Ex- 
krementen zu „guten" = heilsamen Produkten (wobei allerdings 
„schön" und „gut" beim kleinen Kinde oft gleichgesetzt werden) und dient so 
zur Verstärkung der der weiblichen Position entstammenden, ursprünglichen 
mütterlichen und spendenden Gefühle. 

Wenn beim kleinen Mädchen die hoffnungsvolle Strömung überwiegt, so 
besteht zugleich mit dem Glauben an den „guten" Penis auch der an Kinder im 
Leibesinnern als hilfreiche Gestalten. Herrscht aber die Angst vor dem bösen 
verinnerlichten Penis und den gefährlichen Exkrementen vor, so steht später auch 
die Beziehung zum Kinde häufig im Zeichen der Angst. Den- 
noch entwickelt sich in vielen Fällen, in denen die Beziehung zum Sexualpartner 
unbefriedigend bleibt, eine Beziehung zum Kinde, die der Mutter Befriedigung 
und psychischen Rückhalt gewährt. In diesen Fällen, in denen der Sexual- 



84) Die Gleichsetzungen „böser" Penis = Kind und böses Stuhlstück = Kind be- 
stehen nebeneinander und verstärken einander. 

85) Ferenczi: Zur Ontogenese des Geldinteresses in: Bausteine zur Psychoanalyse. 
(Int. PsA. Verl. 1927.) 

86) Wohl mit aus dem Grunde, weil es auch bestimmt war, die Mutter zu entstellen, 
sie häßlich zu machen. 

— a3o, — 



a k t übermäßig die Bedeutung der Angstsituation angenommen hat 
und das Sexualobjekt zum Angstobjekt wird, hat vorwiegend das Kind die 
Qualität des guten, hilfreichen P e n i s auf sieh gezogen. In anderen Fällen 
in denen die Angst gerade durch die Sexualbetätigung überwunden wird, kann 
bei einem leidlich guten Verhältnis zum Manne eine schlechte Beziehung zum 
Kinde vorliegen. Die Angst vor dem Feind im Leibesinnern ist dann vorwiegend 
auf das Kind verschoben. Diese Angstinhalte fand ich unter anderem 
der Angst vor der Schwangerschaft und vor dem Gebär- 
akt zugrunde liegend. Sie tragen auch zur Verstärkung der psychischen 
Beschwerden während der Schwangerschaft bei und können 
zur vollen psychischen Unfähigkeit, Kinder zu empfangen 
| führen. 

Ich habe früher beschrieben, in welcher Weise bei der Frau die Angst vor 
dem „bösen" Penis den Sadismus verstärken kann. Frauen, die ein stark 
sadistisches Verhältnis zum Manne haben, sehen im allgemeinen auch im Kinde 
den Feind. Ebenso wie ihnen der Sexualakt in der Phantasie zur Vernichtung 
des Objektes dient, bejahen sie oft auch den Kindeswunsch, vorwiegend, um sich 
des Kindes als eines Feindes zu bemächtigen. Der Haß, der dem verinnerlichten, 
gefurchteten Feinde gilt, wird dann am äußeren Objekt (Mann und Kind) 
betätigt. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen ein sadistisches Verhältnis zum 
Manne mit einem relativ positiven zum Kinde einhergeht und umgekehrt. I n 
allen Fällen bestimmt der Charakter der Beziehung zu 
den introjizierten Objekten, insbesondere zum väter- 
lichen Penis, die Beziehung der Frau zum Manne und 
zum Kinde. 

Das Verhältnis der Mutter zu ihrem Kinde beruht, wie wir wissen, auf den 
frühen Beziehungen zu den Objekten. Je nach dem Geschlecht 
des Kindes setzen sich die Gefühlsbeziehungen, die in früher Kindheit zu 
Mutter, Tanten, Schwestern, beziehungsweise zu Vater, Onkel, Brüdern bestanden, 
im Verhältnis der Mutter zum Kinde mehr oder weniger durch. In den Fällen 
aber, in denen die Gleichsetzung Kind = „guter" Penis vorherrscht,^ werden 
vorwiegend die positiven Elemente der alten Beziehungen 
auf das Kind übertragen. Es findet dann eine Verdichtung ver- 
schiedener gütiger Imagines statt, deren Repräsentant das Kind 



hrh^v " % W "c • S f?* 1 ? 3 " Kind ™ Unbewußten mit dem kleinen ungefähr- 
en Penis dentifiz.ert. Mit daran liegt es, daß die Beziehung zum Bruder oder zu 

ZTu M"^ de Z T B f tätigUnS d£S Gkubens an de ° "8 uten P-" werden kana 

mZLI : f e \? as dem p Penis , des ß vat f s ein ungeheures Maß - sadi — ^ 

S, weJ g n e fg e ^lä™ *"* ^ ^ ™ ™^ bewundernswert, ab« 



2^0 — 



wird. 88 Dieses stellt als „unschuldiger" Säugling auch ein Wunschbild des eigenen, 
in die Kindheit zurückverlegten Ichs dar. Die Hoffnung auf die befriedigende 
Entwicklung des Kindes in der Zukunft dient so letzten Endes immer auch der 
Umschaffung der nichtbefriedigenden eigenen Vergangenheit. 

Eine Summe von Momenten scheint mir zur Verstärkung der Gefühls- 
bindung der Mutter an ihr Kind beizutragen. Indem die Frau dem 
Kinde das Leben gibt, hat sie in der Realität den stärksten Gegenbeweis 
gegen alle aus den sadistischen Phantasien resultierenden Angst- 
inhalte erbracht. Die Geburt des Kindes bedeutet im Unbewußten 
nicht nur, daß der eigene Leib und die eigenen Kinder unver- 
sehrt oder wiederhergestellt sind, sondern widerlegt auch alle anderen mit 
dem Begriff „Kind" assoziierten Angstinhalte; denn sie beweist auch, daß die 
Kinder im Mutterleib (die Geschwister), daß der väterliche 
Penis (der Vater), die im Mutterleib in der Phantasie angegriffen wurden, 
daß ferner auch die Mu 1 1 e r u n v e r s e h r t oder wiederhergestellt ist. Das 
Gebären des Kindes kann so die Wiederherstellung einer Anzahl von Objekten 
— es kann in gewissen Fällen die Neuerschaffung einer Welt bedeuten. Hiezu 
kommt die überaus große Bedeutung des S t ill en s, das ein Band besonderer 
Art zwischen Mutter und Kind knüpft. Indem die Mutter dem Kinde ein Produkt 
ihres Körpers gibt, das für die Ernährung und für das Gedeihen des Kindes 
wichtig ist, schließt sie beweiskräftig in positiver Weise den Kreislauf ab, der 
mit den gegen die Mutterbrust - als dem frühesten Objekt der destruktiven 
Triebregungen — gerichteten Angriffen begonnen hat. Diese vom Säugling gegen 
die Mutterbrust gerichteten Phantasien beinhalten die Zerstörung der Mutterbrust 
durch Zerbeißen, durch Besudelung, Vergiften, Verbrennen mittels der Exkremente. 
Die Frau wertet unbewußt die Tatsache, daß sie ihrem eigenen Kinde 
nährende und heilsame Milch spendet, als Beweis dafür, daß ihre 
frühen sadistischen Phantasien sich nicht erfüllt haben und daß die 
Wiederherstellun g gelungen ist. 89 

88) Freud schreibt in „Das Unbehagen in der Kultur" (S. 84): „Sie..." (die 
Aggression) „bildet den Bodensatz aller zärtlichen und Liebesbeziehungen unter den 
Menschen, vielleicht mit alleiniger Ausnahme der einer Mutter zu ihrem männlichen 
Kinde. -Das männliche Kind scheint in den Fällen, in denen bei der Frau die Gleich- 
setzung Kind = guter Penis vorwiegt, besonders geeignet, alle positiven Gefühls- 
elemente aur sich zu vereinigen. 

rr . 8 9) D ;es wird auch als Realitätsbeweis dafür, daß der mit der Milch gleichgesetzte 
Urin nicht beschädigend ist, empfunden (umgekehrt wie häufig das Menstruatfonsblut 
als Realitatsbeweis für die Gefährlichkeit des Urins und der Körperausscheidungen 
gewertet wird). Die Tatsache, daß die Milchquelle nicht versagt, widerlegt nicht nur die 
aus den sadistischen Phantasien resultierende Angst, daß die Mutterbrust zerstört sei 
sondern beweist auch die Ungefährlichkeit der eigenen Exkremente für den eigenen 
Körper, da diese in der Phantasie die Angriffsmittel gegen die Mutterbrust darstellten 
und sich nun als unschädlich erweisen. 



Klein, Psychoanalyse des Kindes. 



— 241 — 



16 



Ich habe früher darauf hingewiesen, daß das „gute" Objekt infolge der 
Verminderung von Angst und der Befriedigung, die es dadurch bietet, daß es 
zum Ziel und Objekt der Wiedergutmachungstendenzen wird, um so mehr geliebt 
wird. Kein anderes Objekt besitzt aber diese Qualität in solchem Ausmaße wie 
das hilflose Kind. Indem die Mutter in Identifizierung mit ihrem Kinde 
die mütterliche Liebe und Pflege, die sie ihm zuteil werden läßt, mitgenießt, 
fühlt sie ihre eigenen frühesten Wünsche wieder erfüllt. Sie vermag in dieser 
Umkehrung des Mutter — Kind- Verhältnisses als in einer geglückten Neuauflage 
ihrer eigenen frühesten Beziehung zur Mutter aber auch die 
ursprünglichen Haßregungen dieser gegenüber zurück- und die positiven Ge- 
fühle hervortreten zu lassen. Alle diese Momente tragen dazu bei, daß das Kind 
eine so überragende Bedeutung für das Gefühlsleben der Frau gewinnt. 

Aus dem Gesagten geht hervor, weshalb das schlechte Gedeihen des Kindes, 
weshalb insbesondere das abnorme Kind das seelische Gleichgewicht der Mutter 
so stark erschüttert. Ebenso wie das gut geratene Kind sich als der 
Gegenbeweis gegen eine Summe von Angstinhalten auswirkt, wird 
das abnorme, kranke, oder auch nur das weniger gelungene Kind zur 
Bestätigung aller dieser Angstinhalte. Es kann dann als Feind und 
Verfolger empfunden werden. 

Ichentwicklung. Ich will nun noch kurz auf die Beziehung zwischen der 
Uber-Ich-Bildung des Mädchens und seiner Ichentwicklung eingehen. Freud 
hat darauf hingewiesen, daß einige Unterschiede zwischen der männlichen und 
der weiblichen Über-Ich-Bildung mit dem anatomischen Geschlechtsunterschied 
zusammenhängen. 90 Dieser Unterschied macht sich meiner Auffassung nach für 
die Über-Ich-Bildung und die Ichentwicklung auf mehrfache Art geltend. Infolge 
der anatomischen Beschaffenheit des weiblichen Genitales, das den vorgezeichneten 
Charakter des Aufnehmens trägt, stehen die ödipusstrebungen des Mädchens 
stärker unter der Herrschaft der oralen Triebregungen, und die Introjektion 
des Über-Ichs ist weitergehend als beim Knaben. Hiezu kommt 
das Fehlen des Penis als eines aktiven Organs. Die aus den stärkeren Intro- 
jektionstendenzen resultierende größere Abhängigkeit des Mädchens vom Über- 
Ich verstärkt sich durch den Umstand, daß das Mädchen keinen Penis besitzt. 

Ich habe an früheren Stellen dieses Buches die Auffassung vertreten, daß 
beim Knaben das primäre Gefühl der Allmacht sich mit 
seinem Penis verbindet, der ja auch im Unbewußten der Repräsentant 
der von der männlichen Komponente ausgehenden Aktivitäten und Sub- 
limierungen wird. Beim Mädchen sind, da es keinen eigenen Penis besitzt, 

90) Freud: Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschiedes. 
(Ges. Sehr., Bd. XI, S. 18.) 

3/J2 — 



die mit der Introjektion des väterlichen Penis verknüpften All- 
machtsgefühle grundlegendere usad weitergehende als beim Knaben. 
Hiezu kommt, daß das Bild, das das weibliche Kind vom väterlichen Penis in sich 
aufgenommen hat (und das bestimmend wird für die inneren Forderungen, vor die 
sich die Frau gestellt sieht), auf Grund extremerer Phantasien entwickelt wurde, 
also sowohl im guten wie bösen Sinne noch phantastischer ist, als das des Knaben. 
Der Auffassung, daß das Über-Ich bei der Frau stärker wirksam ist als beim 
Manne, scheint die Beobachtung zu widersprechen, daß die Frau häufig genug 
abhängiger von den Objekten, beeinflußbarer durch die Außenwelt, wandelbarer 
in ihren ethischen Forderungen, also anscheinend in geringerem Ausmaße den 
Forderungen des Über-Ichs unterworfen ist als der Mann. Die stärkere "Wirk- 
samkeit des Über-Ichs und die Abhängigkeit von den Objekten (und damit in 
Zusammenhang die größere Bedeutung des Liebesverluste s) 91 stehen aber, 
so scheint es mir, in engem Zusammenhang miteinander. Sie haben eine gemein- 
same "Wurzel in den primären stärkeren Introjektionstendenzen der Frau, die 
zu einer intensiveren Aufnahme der Objekte (und so auch zu einer stärkeren 
Über-Ich-Bildung) führen. Sie erfahren gerade infolge der größeren Ab- 
hängigkeit vom Über-Ich und der Angst vor ihm eine Verstärkung. 
Die tiefste Angst des Mädchens vor den unkontrollierbaren Beschädi- 
gungen durch die Objekte im Leibesinnern ergibt — wie ich früher 
begründete — einen starken Antrieb zu einer immer wieder erneuten Über- 
prüf u n g der Angstinhalte durch die B e z i e h u n g zu den realen Objekten, 
also zu einer sekundären Verstärkung der Introjektionstendenzen. Andrerseits sind 
die mit der stärkeren Allmacht der Exkremente und Gedanken einhergehenden, 

91) Hanns Sachs weist in seiner Arbeit „Ein Antrieb zur Bildung des weib- 
lichen Über-Ichs" (Int.Ztschr. f. PsA., Bd. XIV, 1928) auf das Problem hin, daß für die 
im allgemeinen narzißtischere Frau der Liebesverlust dennoch eine größere Rolle spielt als 
für den Mann. Sachs erklärt diesen scheinbaren Widerspruch folgendermaßen: Das 
Mädchen versucht, wenn der Ödipuskonflikt zum Abschluß kommt, am Vater, sei es 
durch den Kindeswunsch oder durch orale Regression, festzuhalten. Ich sehe eine Über- 
einstimmung zwischen der von Sachs vertretenen Auffassung und meiner Meinung 
in einem Punkte, nämlich in der Bedeutung der oralen Bindung an den Vater für die 
Über-Ich-Bildung. Nach Sachs kommt aber diese Bindung auf regressivem Wege 
zustande, wenn beim Mädchen die Enttäuschung über den mangelnden Penis und die 
nicht erfolgte genitale Befriedigung seitens des Vaters eingesetzt hat, während nach 
meiner Auffassung die orale Bindung an den Vater — genauer gesagt, das Begehren nach 
Einverleibung seines Penis — Ausgangspunkt und Grundlage für die weibliche Sexual- 
entwicklung und Über-Ich-Bildung bildet. — Ernest Jones leitet (Die erste Entwicklung 
der weiblichen Sexualität, Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XIV, 1928) die Abhängigkeit der 
Frau vom Objektverlust von der Angst ab, daß ihr der Vater die sexuelle Befriedigung 
versagen würde. Die Versagung der sexuellen Befriedigung — bei der ja die Frau vom 
Partner abhängiger ist als der Mann von der Frau — ist aber nach Jones für die Frau 
aus dem Grunde so unerträglich, weil sie die tiefste Angst vor der Aphanisis, vor der 
völligen Vernichtung der sexuellen Genußfähigkeit aktiviert. 



— 245 — 



16* 



allem Anschein nach bei der Frau stärkeren Projektionsmecha- 
nismen ein weiteres Moment, das zur intensiveren Beziehung mit der Außenwelt 
und den realen Objekten (auch zum Zwecke deren magischer Beherrschung) drängt. 

Die stärkere "Wirksamkeit der Introjektions- und Projektionsmechanismen, die 
den Charakter der weiblichen Objektbeziehung beeinflussen, scheint mir auch von 
Bedeutung für die weibliche Ichentwicklung. Das bei der Frau vorherrschende 
tiefe Bedürfnis, sich dem „guten" verinnerlichten Penis gläubig 
zu unterwerfen, bildet eine Grundlage für den rezeptiven Cha- 
rakter ihrer Sublimierungen und Interessen; zugleich aber fördert der 
ebenfalls der weiblichen Position entstammende starke Antrieb zur geheimen 
Beherrschung der verinnerlichten Objekte mittels der All- 
macht der Exkremente und Gedanken, ihre Entwicklung zu Schlauheit, 
List, Beobachtungsgabe, psychologischen Fähigkeiten, ihre Anlage zu Ver- 
stellung und Intrige. 

Diese Richtung der weiblichen Ichentwicklung entsteht insbesondere in Be- 
ziehung zum mütterlichen Über-Ich, beeinflußt aber auch stark das 
Verhältnis zu der väterlichen Imago. 

In „Das Ich und das Es" 92 schreibt Freud: „Nehmen diese" (die Objekt- 
identifizierungen des Ichs) „überhand, werden allzu zahlreich und überstark und 
miteinander unverträglich, so liegt ein pathologisches Ergebnis nahe. Es kann zu 
einer Aufsplitterung des Ichs kommen, indem sich die einzelnen Identifizierungen 
durch Widerstände gegeneinander abschließen, und vielleicht ist es das Geheimnis 
der Fälle von sogenannter multipler Persönlichkeit, daß die ein- 
zelnen Identifizierungen alternierend des Bewußtsein an sich reißen. Auch wenn 
es nicht so weit kommt, ergibt sich das Thema der Konflikte zwischen den ver- 
schiedenen Identifizierungen, in die das Ich auseinanderfährt, Konflikte, die 
endlich nicht durchwegs als pathologische bezeichnet werden können." 

Das Studium der Frühstadien der Über-Ich-Bildung und deren Zusammenhang 
mit der Ichentwicklung bestätigt vollauf den im letzten der hier zitierten Sätze 
Freuds enthaltenen Hinweis. Zur weiteren Erforschung nicht nur der a b- 
normen, sondern auch der normalen Persönlichkeit wird allem Anschein 
nach dieser von Freud bezeichnete Weg weiter zu verfolgen sein. Es scheint, 
daß wir um so mehr über das Ich wissen werden, je mehr wir über die ver- 
schiedenen Identifizierungen des Ichs und die Verhaltungs- 
weisen des Ichs ihnen gegenüber in Erfahrung bringen können. Nur 
so werden wir Aufschluß über die Art und Weise erhalten, wie das Ich das 
Verhältnis der Identifizierungen untereinander reguliert 
(die ja nach den Entwicklungsphasen, in denen sie aufgenommen wurden, und 

92) Ges. Sehr., Bd. VI, S. 374. 

- 344 - 



je nachdem, ob sie mütterliche oder väterliche Identifizierungen oder eine Ver- 
einigung beider bedeuten, verschieden sind). 

Die mütterliche Über-Ich-Bildung beim Mädchen wird dadurch erschwert, daß 
die Möglichkeit zur Identifizierung mit der Mutter auf Grund der 
anatomischen Gleichartigkeit (im Vergleich zur analogen Situation des Knaben 
dem Vater gegenüber) durch den Umstand behindert ist, daß die den weib- 
lichen Sexualfunktionen dienenden inneren Organe — die der Mutter 
sowohl wie die eigenen — und der Kindesbesitz der Erforschung und Über- 
prüfung nicht zugänglich sind. Diese Schwierigkeit, auf deren 
Bedeutung für die weibliche Sexualentwicklung ich früher einging, erhöht die 
"Wirksamkeit der angsterregenden Mutter-Imago, die das Innere des Leibes 
bedroht und Rechenschaft für geraubte Kinder, Stuhl und den väterlichen Penis 
fordert. Eine Imagö, die auf Grund der sadistischen Angriffe gegen die Mutter 
entwickelt wurde. Die auf der Allmacht der Exkremente und Gedanken 
basierenden, gegen die Mutter angewendeten Methoden, die allem Anschein nach 
die weibliche Ichentwicklung direkt beeinflussen, machen sich auch auf indirektem 
Wege für die Ichentwicklung geltend. 

Die Reaktionsbildungen gegen die sadistische Allmacht und deren Umsetzung in 
konstruktive Allmacht, sind auch geeignet, beim Mädchen Sublimierungen und 
Eigenschaften zu entwickeln, die im vollen Gegensatz zu den früher beschriebenen, 
mit der primären Allmacht der Exkremente zusammenhängenden Erscheinungen 
stehen. Wir finden Offenheit und Gläubigkeit, Aufopferungsfähigkeit, Hingebung 
an eine gestellte Aufgabe, die Fähigkeit, um einer solchen Aufgabe oder anderer 
Menschen willen schwere Entbehrungen zu ertragen, bei vielen Frauen stark 
entwickelt. Diese Reaktionsbildungen und Sublimierungen tragen aber wieder 
dazu bei, das Allmachtsgefühl, das auf der Verinnerlichung der guten Objekte 
beruht, und die Unterwerfung unter die Führerschaft des väterlichen Uber-Ichs 
zur dominierenden weiblichen Einstellung zu machen. 93 

Auch der Wunsch, mittels „guten Urins", „guten Stuhls" die Wirkungen der 
„bösen" beschädigenden Exkremente zu heilen, gute und schöne Dinge zu spenden, 
ein Antrieb, der für den Gebärakt und Stillakt der Frau (das „schöne" Kind 
und die „gute" Milch bilden einen Gegenbeweis gegen die Angstinhalte vom 
beschädigenden Stuhl und gefährlichen Urin) so bedeutungsvoll ist, spielt eine 
wesentliche Rolle für die Ichentwicklung der Frau. Er bildet ein produktives 

93) Ich wies früher darauf hin, daß die verschiedenen Arten der Magie ineinander- 
greifen, einander ablösen, aber auch vom Ich gegeneinander ausgespielt werden. Die als 
Folge der Magie der Exkremente einsetzende Angst des Mädchens, „böse" (dem Stuhl 
gleichgesetzte) Kinder im Leibesinnern zu beherbergen, wirkt sich auch als ein Antrieb 
zur Überbetonung des Glaubens an den „guten" Penis aus. Die Gleichsetzung „guter" 
Penis = Kind ermöglicht dem Mädchen die Hoffnung, daß es sich „gute" Kinder (als 
Gegengewicht gegen die dem „bösen" Stuhl gleichgesetzten) einverleibt habe. 

— 245 — 



und schöpferisches Element für Sublimierungen, die sich aus der psychischen 
Repräsentanz des Gebäraktes und des Stillaktes entwickeln. 

Der Prozeß der weiblichen Ichentwicklung ließe sich dahin 
charakterisieren, daß das Uber-Ich besonders erhöht und das Ich dem ver- 
größerten, bewunderten Uber-Ich unterworfen wird. Infolge des 
Bestrebens aber, das bewunderte Über-Ich zufriedenzustellen, ergeben sich A n- 
triebe für das Ich, seine Kräfte anzuspannen, die sich in einer 
Bereicherung des Ichs auswirken. "Während demnach das Ich (und 
damit die Realitätsbeziehung) beim Manne stärker die Führung hat, er objektiver 
und nüchterner ist, ist die Frau stärker dem Unbewußten unterworfen. Die 
Qualität weiblicher Leistungen hängt demnach nicht weniger als die 
männlicher von den Qualitäten des Ichs ab, erhält aber den intuitiven, sub- 
jektiveren Charakter, der weiblichen Leistungen spezifisch ist, von der Unter- 
werfung des Ichs unter einen geliebten, inneren Geist. Sie bedeutet das Gebären 
eines geistigen, mit dem Vater erzeugten Kindes, wobei die geistige 
Zeugung dem Über-Ich zugeschoben wird. Auch die aus- 
gesprochen weibliche Entwicklung weist zahlreiche Züge auf, die auf der männ- 
lichen Komponente beruhen, aber es scheint der dominierende Glaube an die 
Allmacht des einverleibten väterlichen Penis und des in ihr wachsenden Kindes 
zu sein, der die Frau zu spezifisch weiblichen Leistungen befähigt. 

Hier drängt sich ein Vergleich zwischen der psychischen Situation der Frau 
und der des Kindes auf, das, wie ich vertrete, so viel mehr unter der Herrschaft 
des Über-Ichs steht und dabei der Objekte so viel mehr bedürftig ist als der 
Erwachsene. Die Frau steht ja auch bekanntlich dem Kinde sehr viel näher als 
der Mann. Andrerseits aber ist sie in vielen Punkten ihrer Ichentwicklung vom 
Kinde nicht weniger verschieden als der Mann. Die Erklärung für diesen Gegen- 
satz sehe ich darin, daß — als Folge der stärkeren Introjektion der ödipus-^ 
objekte — in der Entwicklung des Weibes zwar dem Unbewußten ein größerer 
Raum verbleibt (wodurch eine gewisse Analogie mit der Situation des Kindes 
entsteht), zugleich aber in Anlehnung an das aufgenommene mächtige Uber-Ich 
(zum Teil auch im Drange, es zu beherrschen oder es zu übertreffen) eine vollere 
Ichentwicklung erfolgt. 

Der Verlauf der weiblichen Ichentwicklung ist ein wesentlich anderer, wenn 
das Mädchen vorwiegend am fiktiven Besitz des Penis als einem 
männlichen Attribut festhält. Ich bin früher in Hinsicht auf die Sexualentwick- 
lung den verschiedenen Gründen nachgegangen, die das weibliche Kind in die 
männliche Position drängen. In allen diesen Fällen steht die Entwicklung 
von Aktivitäten und Sublimierungen, die im Unbewußten als realer 
Beweis für den Besitz eines Penis gewertet werden oder diesen 
in der Phantasie ersetzen, nicht nur im Dienste der Konkurrenz mit 

— 246 — 



dem väterlichen Penis, sondern immer auch sekundär im Dienste der 
Abwehr und der Abschwächung des Uber-Ichs. Dann übernimmt aber auch 
das Ich stärker die Führung, und die Leistung wird vorwiegend zum Ausdruck 
der männlichen Potenz. 

Ich habe die Bedeutung der „guten" Mutter für die Bildung der „guten" 
Vater-Imago in Hinsicht auf die Sexualentwicklung hervorgehoben. In den 
Fällen, in denen das Mädchen imstande ist, sich der inneren Führerschaft eines 
bewunderten, väterlichen Über-Ichs zu überlassen, liegen immer auch „gute" 
Mutter-Imagines vor. Nur ein genügender Glaube an eine gute verinner- 
lichte Mutter ermöglicht die volle Hingabe an das väterliche 
Über-Ich. Diese Hingabe beruht aber auch auf dem genügenden Glauben 
an den eigenen „guten" Leibesinhalt — an den Besitz freundlicher verinnerlichter 
Objekte. Nur wenn das vom Vater in der Phantasie gezeugte oder erwartete 
Kind ein „gutes" und „schönes" Kind bedeutet, wenn also das Körperinnere der 
Frau in ihrer Phantasie eine Stätte vorstellt, in der Harmonie und Schönheit 
herrscht (eine Phantasie, die übrigens auch mit der des Mannes korrespondiert), 
nur dann kann sie sich dem väterlichen Über-Ich und dessen Repräsentanten in 
der Außenwelt sexuell und psychisch voll und ganz hingeben. 

Diese Harmonie beruht auf dem guten Verhältnis des 
Ichs zu seinen Identifizierungen und auf dem Einklang 
der Identifizierungen untereinander, insbesondere auf 
der friedlichen Vereinigung der beiden Elternteile. 

Die Phantasien, in denen aus Eifersucht und Haß die gegenseitige Zerstörung 
der Eltern angestrebt wurde, bilden die Quelle tiefster Schuldgefühle, zugleich 
aber auch die Grundlage der überwältigendsten Gefahrsituationen. Sie lösen die 
Angst aus, miteinander im Kampf (im zerstörerischen tödlichen Koitus) befindliche 
oder in Feindseligkeit gegen das Ich vereinigte Objekte (feindlich, da sie die Schuld 
des Kindes entdeckt haben) im Leibesinnern zu beherbergen. Die tiefe Befriedi- 
gung, die das Kind aus einem glücklichen Zusammenleben der Eltern schöpft, 
schreibt sich zu einem wesentlichen Teil aus der Beruhigung her, die diese für 
das aus den sadistischen Phantasien resultierende Schuldgefühl bedeutet. Das 
harmonische Zusammenleben der Eltern wird im Unbewußten auch als Realitäts- 
beweis für die Möglichkeit der Wiedergutmachung auf allen Linien gewertet. Ist 
dieser Mechanismus der Wiedergutmachung gelungen, so ist das Individuum nicht 
nur in Einklang mit der äußeren "Welt, sondern — was mir als eine 
Voraussetzung für diesen Einklang und für das Gelingen der Objektbeziehung 
und Sexualentwicklung erscheint — in Frieden mit seiner inneren 
Welt und mit sich selbst. Wenn die drohenden Imagines stärker zurücktreten, 
wenn das friedliche Zusammenwirken der verinnerlichten gütigen Mutter- und 
Vater-Imagines eine Gewähr für die Sicherheit und Harmonie im eigenen Körper- 



— 247 — 



innern bietet, dann kann das Mädchen seine weibliche und männliche Kom- 
ponente im Sinn und Geist beider introjizierten Elternteile entwickeln. Dann ist 
auch die Grundlage für die Vollentwicklung einer harmonischen Persönlichkeit 
bei der Frau gegeben. 

PS achtrag 

"Während der Drucklegung des vorliegenden Buches erschien eine Arbeit von 
Freud (Über die weibliche Sexualität. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVII, Heft 3), 
in der er sich insbesondere mit der langen Mutterbindung des Mädchens befaßt. 
Freud versucht die Bindung an die Mutter von den Auswirkungen des Ober- 
Ichs und des Schuldgefühls zu isolieren. Dies ist meiner Meinung nach aber nicht 
möglich, da Angst und Schuldgefühl (die durch die aggressiven Regungen aus- 
gelöst werden) schon sehr früh die primäre libidinöse Bindung an die Mutter 
verstärken. Die mannigfaltige Angst vor phantastischen Imagines (dem Über-Ich) 
und vor der „bösen" realen Mutter drängt das kleine Mädchen dazu, bei der 
„guten" realen Mutter Schutz zu suchen; dazu muß sie aber ihre primäre Aggres- 
sion überkompensieren. 

Freud hebt auch hervor, daß das Mädchen gegen die Mutter auch Feind- 
seligkeit empfindet und Angst hat, „von der Mutter umgebracht (aufgefressen?) 
zu werden . . ." Ich fand in Analysen (von Kindern und Erwachsenen), daß die 
Angst des Mädchens, von der Mutter aufgefressen, zerschnitten, zerstört zu 
werden, aus der Projektion der analogen sadistischen Regungen gegen die Mutter 
entsteht und daß diese Angstinhalte den frühesten Angstsituationen des Mäd- 
chens zugrunde liegen. Freud berichtet auch, daß insbesondere weibliche Per- 
sonen mit starker Mutterbindung auf Klystiere und Darmeingießungen, die die 
Mutter bei ihnen vornahm, mit Angst und Wut zu reagieren pflegten. Solche 
Affektäußerungen sind nach meinen Beobachtungen durch die Angst vor analen 
Angriffen, die die Projektion der analsadistischen phantasierten Angriffe des 
Mädchens gegen die Mutter darstellen, verursacht. Ich stimme mit Freud darin 
überein, daß die Projektion der feindseligen Regungen des kleinen Mädchens 
gegen die Mutter den Keim der Paranoia des Weibes bildet. 94 Nach meinen Beob- 
achtungen sind es aber insbesondere die phantasierten Angriffe gegen den Mutter- 
leib mittels zerstörerischer (vergiftender, verbrennender, explosiver) Exkremente, 
die infolge Projektion die Angst vor dem Stuhlstück als Verfolger und vor der 
Mutter als einer angsterregenden Gestalt auslösen. 

Freud hält die lange Mutterbindung des Mädchens für ausschließlich und 

94) Siehe Klein: Frühstadien des Ödipuskonfliktes. Int. Ztschr. f. PsA. 1928; Die 
Bedeutung der Symbolbildung für die Ichentwicklung. Int. Ztschr. f. PsA. 1030 und 
Kap. III dieses Buches. 

— 248 — 



präödipal. Die Analysen kleiner Mädchen lassen erkennen, daß die lange und 
; starke Bindung an die Mutter niemals eine ausschließliche ist, sondern mit 
ödipusregungen verknüpft ist. Angst und Schuldgefühle im Verhältnis zur 
Mutter beeinflussen auch das Schicksal der ödipusregungen, da die Abwehr gegen 
die "Weiblichkeit — nach meinen Beobachtungen — weniger aus dem Männlich- 
keitsstreben als aus Angst vor der Mutter erfolgt. Ist die Angst des kleinen 
Mädchens vor der Mutter übermäßig, so kann sich die Bindung an den Vater 
nicht genügend durchsetzen, der Ödipuskomplex wird nicht deutlich. In Fällen 
aber, in denen eine starke Vaterbindung erst in der nachphallischen Phase zu- 
stande kam, fand ich, daß auch schon in einem frühen Alter (wenn auch oft nicht 
deutlich hervortretend) positive ödipusregungen bestanden hatten. Diese Früh- 
stadien des Ödipuskonfliktes tragen zunächst teilweise nodi einen phantastischen 
Charakter, da sie dem Penis des Vaters gelten. Zum Teil gelten sie aber auch 
schon dem realen Vater. Den Groll gegen die Mutter wegen der oralen Ver- 
sagung, — ein Moment, das auch Freud in seiner neuesten Arbeit anführt, — 
ferner den Neid auf die gegenseitige orale Befriedigung der Eltern im Koitus, 
die das Kind auf Grund der frühesten Sexualtheorien annimmt, habe ich in 
einigen Arbeiten als die frühesten Momente angeführt, die die Abwendung von 
der Mutter herbeiführen. Diese Momente bewirken meiner Auffassung nach aber 
auch in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres — auf Grund der Gleich- 
setzung von Mutterbrust und Penis — die Zuwendung zum Penis des Vaters und 
sind eine Ursache dafür, daß die Vaterbindung grundlegend von der Mutter- 
bindung beeinflußt wird. Auch Freud weist in seiner Arbeit darauf hin, daß 
die Vaterbindung sich auf der Mutterbeziehung aufbaut, und daß viele Frauen 
in ihrem Verhältnis zum Manne das Verhältnis zur Mutter wiederholen. 



ZWÖLFTES KAPITEL 



JDie Auswirkungen lrüner Angstsituationen 
aul die männliche oexualentwicklung 

In den frühesten Entwicklungsphasen verläuft — wie die Frühanalysen er- 
kennen lassen — die Sexualität des Knaben auf der gleichen Linie wie die des 
Mädchens. 1 Auch beim Knaben steigert die orale Versagung die gegen die Mutter- 

i) Insoweit dies der Fall ist, werde ich im Folgenden diese Entwicklungsschritte nur 
aufzählen und verweise auf meine Ausführungen im vorigen Kapitel sowie auch auf 
Kap. VIII und IX. 

— 349 — 



brüst gerichteten destruktiven Triebregungen. Ebenso wie beim weiblichen Kinde 
setzt mit der Abwendung von der Mutterbrust, eingeleitet von den oral-sadisti- 
schen Triebregungen, die Phase der Höchstblüte des Sadismus ein, deren Ziel die 
Angriffe auf das Leibesinnere der Mutter sind. 

Weiblichkeitsphase. In diese Phase fällt auch beim Knaben die 
oralsaugende Fixierung an den Penis des Vaters, die ich für die Grundlage der 
echten Homosexualität halte. Diese Auffassung stimmt mit Freuds Untere 
suchung in: Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci 2 überein, in der 
er zum Ergebnis kam, daß der Homosexualität Leonardos die überstarke Bindung 
an die Mutter, letzten Endes an die Mutterbrust zugrunde lag, die auf den Penis 
als Objekt der Befriedigung verschoben war. Nach meinen Beobachtungen folgt 
bei jedem Knaben auf die oralsaugende Fixierung an die Mutterbrust diejenige 
an den väterlichen Penis und bildet die Grundlage der Homo- 
sexualität. 

Auch in der Phantasie des Knaben verleibt sich die Mutter den väterlichen 
Penis (vielmehr eine Vielzahl von Penissen) ein. Neben der Beziehung zum 
realen Vater beziehungsweise dessen Penis entwickelt der Knabe eine phan- 
tastische Beziehung zum väterlichen Penis im Leibesinnern der 
Mutter. Da das orale Begehren nach dem Penis des Vaters einen Anteil an 
den Angriffen auf das Innere des Mutterleibes hat (auch der Knabe wünscht sich 
des in der Mutter vorausgesetzten väterlichen Penis in gewaltsamer, die Mutter 
zerstörender Weise zu bemächtigen), so stellen die Angriffe auf den Mutterleib 
zum Teil auch die früheste Rivalitätssituation des Knaben mit der Mutter dar. 
Sie bilden meiner Auffassung nach die Grundlage für den Weiblichkeitskomplex 
des Mannes. 3 Die gewaltsame Entnahme des väterlichen Penis, der Exkremente 
und Kinder aus dem Leibe der Mutter löst schwere Vergeltungsangst aus. Außer 
der Beraubung bildet aber auch die Zerstörung des Mutterleibes eine Quelle 
tiefster Angst vor ihr. Je sadistischer die Zerstörung des Mutterleibes war, um so 
größer ist auch die Angst vor der Mutter als Rivalin. 

Frühstadien des Ödipuskonfliktes. Zugleich bewirken die 
genitalen Regungen (die zunächst von den prägenitalen verdeckt und in 
deren Dienst gezwungen werden, aber dennoch den Verlauf der sadistischen 
Phase wesentlich beeinflussen), daß der Leib und das Genitale der Mutter zum 
Sexualobjekt werden. Das Begehren des Knaben geht nun dahin, die Mutter auf 



2) Freud, Ges. Sehr., Bd. IX. 

3) Die mit der Weiblichkeitsphase des Mannes zusammenhängenden Erscheinungen 
nüv^r m memer „ Arbeit: Frühstadien des Ödipuskonfliktes (Int. Ztschr. f. PsA 
w -M-w wt 8) a " sf " hr1 ^ beschrieben. Siehe auch Karen Horney: Flucht aus der 
WeibhAkeit (Int .Ztschr. f. PsA., Bd. XII, 1926) und Felix Boehm: Über den Weib- 
hchkeitskomplex des Mannes. (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVI, 1930.) 



— a5o — 



oralem, analem und genitalem Wege allein zu besitzen. Er greift deshalb den 
im Mutterleib befindlichen väterlichen Penis mit allen Mitteln des Sadismus an. 
Auch aus der oralen Position ergeben sich (infolge der Versagung seitens des 
Vaters) große Quantitäten an Haß gegen den väterlichen Penis. Die destruktiven 
Regungen gegen den Penis des Vaters sind normalerweise beim Knaben sehr viel 
stärker als beim Mädchen, da das Begehren nach der Mutter als Sexualobjekt 
den Haß stärker auf den väterlichen Penis konzentriert. Hiezu kommt, daß der 
Penis des Vaters schon auf den frühesten Entwicklungsstufen zum Angstobjekt 
par excellence für den Knaben wird, denn die Aggression gegen ihn löst 
adäquate Angst aus. Diese Angst verstärkt den Haß und die Zerstörungswünsche 
des Knaben gegen den Penis des Vaters. 

"Wie ich im vorigen Kapitel ausführte, bleibt beim weiblichen Kinde der 
Mutterleib an sich viel länger und stärker das Objekt der destruktiven Trieb- 
regungen. Auch die positiven Regungen dem Penis des Vaters (sowohl dem phan- 
tastischen im Mutterleib wie dem realen) gegenüber sind normalerweise viel 
stärker und anhaltender als die des Knaben. 

Beim Knaben hingegen ist nur in einem Teilabschnitt des frühen Entwicklungs- 
stadiums, in dem die Angriffe auf den Mutterleib das Bild beherrschen, die 
Mutter selbst das Objekt der Zerstörung. Es ist bald der im Mutterleib voraus- 
gesetzte Penis des Vaters, der in wachsendem Maße die gegen die Mutter 
gerichtete Aggression auf sich zieht. 

Frühe Angstsituationen. Außer den Angstinhalten, die sich aus der 
Rivalität mit der Mutter ergeben, wirkt auch die Angst vor dem gefährlichen 
verinnerlichten Penis des Vaters der Beibehaltung der femininen Position ent- 
gegen. Sowohl diese Angst wie auch insbesondere die sich verstärkenden genitalen 
Regungen führen dazu, daß der Knabe die Identifizierung mit der Mutter aufgibt, 
und daß sich die heterosexuelle Position befestigt. Ist aber die Angst vor der 
Mutter als Rivalin und die Angst vor dem väterlichen Penis übermäßig, und 
wird demzufolge die Weiblichkeitsphase nicht gut überwunden, so bildet dies ein 
entscheidendes Hindernis für die Befestigung der heterosexuellen Position. 

Es ist ferner von großer Bedeutung für den Entwicklungsausgang, ob die 
Angst vor den beiden im Koitus vereinigten Eltern, die 
eine untrennbare, dem Kinde feindliche Einheit bilden, das frühe Seelenleben 
beherrscht. 4 Diese Angst erschwert die Beibehaltung jeder Position. Sie führt zu 
Gefahrsituationen, die ich zu den tiefsten Quellen der Impotenz rechne. Diese 
spezifischen Gefahrsituationen ergeben sich aus der Angst, durch den väterlichen 
Penis im Mutterleib, also von den vereinigten „bösen" Eltern kastriert zu werden, 



4) Auf die Bedeutung dieser Angstinhalte für die Genese der Psychose habe ich in 
Kap. VIII und IX hingewiesen. 



— a5i — 



wobei in manchen Fällen die Angst, daß der Penis am Rückweg verhindert, im 
Mutterleib eingeschlossen gehalten werde, sehr stark hervortritt. 5 

Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, daß die sadistischen Angriffe auf 
den Mutterleib bei beiden Geschlechtern zur Grundlage für zwei hauptsächliche 
Kategonen von Angstsituationen werden: i) Der Mu 1 1 er 1 ei b wird in eine 
S t a 1 1 e v o n G e f a h r e n verwandelt, aus denen sich eine Summe von Angst- 
inhalten ergeben. *) Die Introjektion der gefährlichen Objekte, insbesondere der 
im Koxtus befindlichen Eltern, verwandelt das Innere des eigenen Leibes in eine 
dem Mutterleib gleichartige Stätte und löst die Angst vor den Gefahren 
und Bedrohungen im eigenen Leibesinnern aus. Diese beiden Kate- 
gorien von Angstsituationen, die einander beeinflussen, bestehen bei beiden Ge- 
schlechtern. 

Auf die beiden Geschlechtern gemeinsamen Wege der Angstbewältigung bin 
ich an früheren Stellen dieses Buches ausführlich eingegangen. Ich fasse kurz 
zusammen: Die ver i nn er 1 i ch t en „bösen" Objekte werden 
mittels der Allmacht der Exkremente bekämpft. Außerdem 
bieten in der Phantasie die „guten" Objekte Schutz gegen die 
„bösen". Zugleich wird mit Hilfe der Projektion die Angst vor 
inneren Gefahren in die Außenwelt verlegt, und Beweise in 
der Realität dienen der Entkräftung dieser Angstinhalte. Neben diesen Gemein- 
samkeiten bestehen beim Knaben und beim Mädchen sehr wesentliche Unter- 
schede in den Methoden der Angstbewältigung. Beim Knaben ist die AllmaAt 
der Exkremente weniger stark entwickelt, sie wird bei ihm zum Teil von der 
Allmacht des Penis abgelöst. Im Zusammenhang damit wirkt sich auch die 
Projektion der Angst vor inneren Gefahren beim Knaben und beim Mädchen 
verschiedenartig aus. 

Die Funktion des Penis als eines aktiven Organs, das der Bemächtigung des 
Objektes dient, der Umstand ferner, daß der Penis einer Realitätsprüfung unter- 
zogen werden kann, bestimmen den spezifischen Mechanismus, durch den der 
Mann (zugleich mit der Sexualbefriedigung) die Angst vor verinnerlichten und 
äußeren Gefahren bewältigt. Der Knabe erobert den Mu tt er 1 ei b 
mittels seines Penis und beweist sich dadurch nicht nur seine Über- 
legenheit über die gefährlichen realen, sondern auch über die ver- 
innerlichten Objekte. 

Sadistische Allmacht des Penis. Die Allmacht der Exkremente 
und Gedanken wird beim Knaben zum Teil in der Allmacht seines Penis zu- 

«jiS*™ A T tin ^ k s * eint . mir in Beziehung zu verschiedenen Formen der Klau- 
trophobie zu stehen, die nach meinen Erfahrungen auf die Angst, im gefährlichen Mutter- 

SÄSZt ZU fr 2UfÜd ?" <*« Angst, den Penis nicht melr aus dm 
Mutterleib befreien zu können, wäre die Angst auf den Penis beschränkt. 

— z5z — 



sammengefaßt, zum Teil löst die Allmacht des Penis die der Exkremente ab. 
Der Knabe stattet in der Phantasie den eigenen Penis mit destruktiven Fähig- 
keiten aus und setzt ihn fressenden, mörderischen Tieren, Schußwaffen usw. 
gleich. Die als gefährlich phantasierte Qualität des Urins, ferner die Gleichsetzung 
des vergiftenden und explosiven Stuhlstückes mit dem Penis tragen dazu bei, 
daß dieser zum Exekutionsorgan des Sadismus wird. Hiezu kommt, daß der 
Knabe durch physiologische Vorgänge Beweise dafür erhält, daß der Penis sich 
tatsächlich verändern kann, und diese Veränderungen als Bestätigungen der All- 
macht des Penis deutet. Auf diese Weise entsteht eine Verknüpfung zwischen 
Penis und Allmachtsgefühl, die für die Aktivität und Angstbewältigung des 
Mannes von grundlegender Bedeutung ist. Der Vorstellung des Penis als „Zauber- 
stab", der Masturbation als Magie, begegnet man in Kinderanalysen allgemein, 
wobei die Erektion und Ejakulation 6 als besondere Steigerungen der sadistischen 
Fähigkeiten des Penis gewertet werden. 7 

Da das Innere des Mutterleibes, das als Objekt die Brust ablöst, bald die 
Bedeutung der Stätte annimmt, die andere, zahlreiche Objekte (zunächst durch 
Penis und Exkremente repräsentiert) beherbergt, bildet die in der Phantasie 
erfolgende Bemächtigung des Mutterleibes mittels des 
Koitus die Grundlage für die Eroberung der Außenwelt 
und für den männlichen Weg der Angstbewältigung. 
Dieser geht sowohl im Sexualakt als auch in Sublimie- 
rungen dahin, Gefahrsituationen in die Außenwelt zu 
verlegen und dort mittels der Allmacht des eigenen 
Penis zu überwinden. 

Beim Mädchen verstärken der Glaube an den „guten" väterlichen Penis 
sowie die Angst vor dem „bösen" die Introjektionstendenzen. Die Realitäts- 
prüfung gegen die „bösen" Objekte ist also bei der Frau letzten Endes doch 
wieder nach innen verlegt. Beim Knaben unterstützt der Glaube an die ver- 
innerlichte „gute" Mutter wie auch die Angst vor „bösen" Objekten die Ver- 
legung der Realitätsprüfung nach außen, nämlich in den Mutterleib. Die ver- 
innerlichte „gute" Mutter erhöht die libidinöse Anziehung seitens der realen 

6) Siehe Abraham: Ober Ejaculatio praecox in Klinische Beiträge zur Psycho- 
analyse. (Int. PsA. Verl. 1921.) 

7) Paul Federn ging in seiner Arbeit: Beiträge zur Analyse des Sadismus und 
Masochismus (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. I, 19 13) darauf ein, „wie beim Manne die Er- 
scheinungsformen des aktiven Sadismus zustande kommen". Er kommt zum Ergebnis, 
„. . . daß die erwachende aktive männliche Organkomponente durch unbewußte Mecha- 
nismen, zum großen Teil durch symbolische Darstellung, in den Sadismus respektive daß 
die von ihr ausgehenden Strebungen in die sadistischen Betätigungswünsche verwandelt 
werden. Dabei werden alle schon früher im Kinde entwickelten aktiven Strebungen 
und Triebe reaktiviert." 

- a53 — 



Mutter und steigert den Wunsch und die Hoffnung des Knaben, den verinner- 
lichten Penis in ihrem Leibe mittels des eigenen Penis zu bekämpfen und zu 
besiegen. Dieser Sieg soll zugleich als Beweis dafür dienen, daß auch die ver- 
innerlichten Angreifer im eigenen Leibesinnern überwunden werden können. 8 

Die Zentralisierung der sadistischen Allmacht in der Repräsentanz des Penis 
ist für die männliche Position des Knaben grundlegend. Ein starker primärer 
Glaube an die Allmacht des eigenen Organs ermöglicht dem Knaben, diese gegen 
die Allmacht des väterlichen Penis einzusetzen und den Kampf gegen den 
gefürchteten und bewunderten Penis des Vaters aufzunehmen. Für das Gelingen 
dieser Zentralisierung scheint erforderlich, daß der Penis eine starke Besetzung mit 
dem Sadismus in seinen verschiedenen Formen erfährt. 9 Die Fähigkeit des Ichs, 
Angst zu ertragen, und die Stärke der genitalen 10 Triebregungen (letzten Endes 
der libidinösen Triebregungen) scheinen für das Gelingen dieses Prozesses mit- 
entscheidend zu sein. Setzt aber, wenn die genitalen Regungen stärker hervor- 
treten, eine zu intensive und plötzliche Abwehr des Ichs gegen die destruktiven 
Triebregungen ein, 11 so wird die Zentralisierung des Sadismus in der Reprä- 
sentanz des Penis behindert. 

Antriebe für die Sexualbetätigung. Der Haß gegen den väter- 
lichen Penis und die Angst aus den früher angeführten Quellen wirken sich als 
ein Antrieb zur genitalen Bemächtigung der Mutter aus — ein Antrieb, der das 
libidinöse Begehren nach dem Koitus mit ihr vermehrt. 12 

In dem Maße, als die Überwindung des Sadismus im Verhältnis zur Mutter 
fortschreitet, wird der väterliche Penis in der Mutter als Ge- 
fahrenquelle nicht nur für den eigenen Penis, sondern 

8) Ich habe in einigen Fällen festgestellt, daß auch der eigene Penis in der Phantasie 
als Waffe gegen den verinnerlichten väterlichen Penis verwendet, nach innen gewendet 
wurde, indem der Urinstrom dem Penis gleichgesetzt und als eine Stange, Peitsche, Waffe 
den väterlichen Penis im Leibesinnern überwältigte. Eine andere Phantasie, die ich wieder- 
holt in Analysen fand, nämlich die, den eigenen Penis so lang auszuziehen, daß er in 
den Mund genommen werden könnte — in einem Falle auch in den Anus — erwies sich 
ebenfalls durch den Wunsch determiniert, den eigenen Penis in direktem Kampf gegen 
das Über-Ich zu verwenden. 

9) Nach F e r e n c z i (Versuch einer Genitaltheorie) werden im Vorgange der 
Amphimixis auf die genitale Betätigung auch prägenitale Erotismen verlegt. 

_ 10) Wilhelm Reich hat die Bedeutung des konstitutionellen Faktors für die Geni- 
talität hervorgehoben. (Die Funktion des Orgasmus. Int. PsA. Verl. 1927.) 

n) Setzen die genitalen Regungen zu früh ein und führen sie zu einer zu frühen 
und starken Abwehr des Ichs gegen die destruktiven Triebregungen, so kann dies zu 
schweren Entwicklungshemmungen beitragen. Siehe meine Arbeit: Die Bedeutung der 
Symbolbildung für die Ichentwicklung. (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVI, 1930.) 

12) Können sich die positiven Regungen der Mutter gegenüber nicht genügend durch- 
setzen, so bleibt auch der Mutterleib, infolge der Aggression gegen den in ihm voraus- 
gesetzten väterlichen Penis, ein Objekt des Hasses und es kommt zur Abwendung 
von der Mutter. 

— z54 — 



auch für den Leib der Mutter empfunden und muß des- 
halb — in ihr — zerstört werden. Ein weiteres Moment, das den 
Antrieb zum Koitus erhöht (und auch beim Mädchen die homo- 
sexuelle Position verstärkt), ist die zufolge der Angst intensivierte Wiß- 
begier d e. 13 Die zugleich mit den destruktiven Triebregungen auftretende 
Wißbegierde wird sehr bald in den Dienst der Angstbewältigung 
gestellt. Der Wunsch geht dahin, mittels des eindringenden Penis, der einem 
Organ, das der Aufnahme von Kenntnissen dient, und zwar dem Auge, 14 dem 
Ohr und einer Mischung von beiden gleichgesetzt wird, festzustellen, welcher 
Art die in der Mutter (seitens des eigenen Penis, der eigenen Exkremente 
sowie auch seitens des väterlichen Penis und der väterlichen Exkremente) an- 
gerichteten Zerstörungen und welcher Art die dort dem eigenen Penis drohenden 
Gefahren sind. 

Demnach wirkt sich noch während der Vorherrschaft des Sadismus — und 
wiewohl noch ganz durch destruktive Mittel bestritten — der Antrieb zur Angst- 
bewältigung auch schon als ein Stimulans zur genitalen Befriedigung, also als ein 
entwicklungsfördernder Faktor aus. Auch werden schon während dieser Phase 
die destruktiven Mittel zum Teil in den Dienst der Wiedergutmachungstendenzen 
gestellt, insofern nämlich, als die Mutter von dem einverleibten bösen väter- 
lichen Penis, wenn auch auf gewaltsame und sie beschädigende Weise, befreit 
werden soll. 

„Frau mit dem Penis." Die Phantasie des Kindes, daß der Mutterleib 
auch den Penis des Vaters enthält, führt, wie ich an früheren Stellen dieses 
Buches nachzuweisen versuchte, zur Vorstellung der „Frau mit dem Penis". 
Die Sexualtheorie von einem weiblichen, der Mutter zugehörigen Penis scheint 
mir eine durch Verschiebung entstandene Modifizierung der tiefer liegenden 
Angstinhalte zu sein, die sich auf den mit gefährlichen Penissen gefüllten Leib 
der Mutter sowie auf die einen gefährlichen Koitus ausübenden Eltern beziehen. 
„Die Frau mit dem Penis" bedeutet meiner Erfahrung nach immer die Frau 
mit dem Penis des Vater s. 15 



13) Siehe Kap. VIII. 

14) Siehe Mary Chadwick: Die Wurzel der Wißbegierde. (Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XI, i 9 2j.) 

15) Felix Boehm ist (1. c.) zur Feststellung gekommen, daß Phantasien von 
Männern, dahingehend, daß in der Vagina der Frau ein großer „gefährlicher", beweg- 
licher — ein weiblicher Penis — versteckt sei, dadurch ihre pathogene Wirkung erhalten, 
daß sie unbewußt in Zusammenhang gebracht werden mit der Vorstellung vom großen, 
gefürchteten, in der Vagina der Mutter verborgenen Penis des Vaters. Die Tendenzen, 
den Penis des Vaters in der Scheide der Mutter anzugreifen, und die Verdrängung dieser 
Aggressionsneigung betrachtet Boehm als ein bedeutungsvolles Moment für die Wendung 
zur Homosexualität. 



- a 55 - 



Die Herabsetzung der Angst vor den im Mutterleib enthaltenen väterlichen 
Penissen erfolgt normalerweise mit der fortschreitenden Objektbeziehung und 
der Überwindung des Sadismus. Da die Angst vor dem „bösen" Penis zu einem 
sehr wesentlichen Teil durch die destruktiven Regungen gegen den Penis des 
Vaters bedingt ist, und da der Charakter der Imagines weitgehend von der 
Quantität und Qualität des eigenen Sadismus bestimmt wird, so vermindert die 
Herabsetzung des Sadismus und der Angst auch die Strenge des Ober-Ichs und 
verbessert sowohl das Verhältnis des Ichs zu den verinnerlichten phantastischen 
als zu den realen Objekten. 

Spätere Stadien des Ödipuskonfliktes. Wenn neben der 
Imago der vereinigten Eltern auch die Einzel-Imagines der Eltern, insbesondere 
der „guten" Mutter (Brust), in genügendem Maße wirksam sind, bringt es die 
fortschreitende Objektbeziehung und Realitätsanpassung mit sich, daß die Phan- 
tasien vom väterlichen Penis im Mutterleib an Wirksamkeit einbüßen und daß 
der — allerdings schon verminderte — Haß sich stärker gegen das reale Objekt 
wendet. Damit hat sich aber auch die bessere Trennung der vereinigten Eltern- 
Imago vollzogen. Die Mutter wird dann hauptsächlich das Objekt der libidinösen 
Regungen, Haß und Angst richten sich vorwiegend gegen den realen Vater und 
dessen Penis oder — infolge Verschiebung — auf ein anderes Objekt (Tier- 
phobien). Mit der Trennung der vereinigten Eltern-Imago treten die einzelnen 
Imagines der Eltern und die Bedeutung der realen Objekte stärker hervor. Es 
setzt die Phase ein, in der die ödipusstrebungen und die Kastrationsangst vor 
dem realen Vater mit aller Deutlichkeit offenbar werden. 16 

Bis zu einem gewissen, individuell verschiedenen Grade bleiben nach meinen 
Erfahrungen trotz aller im Laufe der Entwicklung erfolgenden Modifi- 
zierungen die frühesten Angstsituationen latent wirksam 17 (ebenso auch alle aus 
diesen Angstsituationen resultierenden Abwehrmechanismen neben denen der 
höheren Entwicklungsstufen). In den tiefsten Schichten ist es demnach immer 
der „böse" väterliche Penis in der Mutter, von dem der Knabe die Kastration 
erwartet. Herrschen aber die frühen Angstsituationen nicht überstark vor und 
ist vor allem die Mutter in genügendem Maße die „gute" Mutter, so bedeutet 
der Mutterleib eine Stätte der Anziehung, die aber nur unter Gefahren (je nach 
den Angstquantitäten unter mehr oder weniger schweren Gefahren) erobert 
werden kann. Aus diesem Element von Gefahr und Angst, das sich 
auch beim normalen Manne mit dem Koitus verbindet, ergibt 
sich ein Antrieb für die Sexualbetätigung, der die libidinöse 

16) Diese Erscheinungen zeigen auch an, daß die Trennung der Eltern-Imago gelungen 
ist und die Modifizierung der frühinfantilen psychotischen Angst weitgehend erfolgt ist. 
(Siehe Kap. IX.) 

17) Siehe Kap. IX und X. 

- 2 56 - 






Befriedigung beim Koitus erhöht, sie aber stört (oder vollends unterbindet), 
wenn die Angst übermäßig ist. Der Koitus schließt in den tiefsten unbewußten 
Phantasien des Mannes die Überwältigung oder Beseitigung des im Leibesinnern 
der Frau vorausgesetzten väterlichen Penis ein. An diesen Kampf gegen den 
Vater in der Mutter knüpfen sich — so scheint es mir — die sadistischen 
Regungen, die auch normalerweise mit der genitalen Bemächtigung des Objektes 
einhergehen. Hat somit der Umstand, daß in der Phantasie der väterliche Penis 
ursprünglich in den Leib der Mutter verlegt wurde, zur Folge, daß diese — wenn 
auch in sehr verschiedenem Maße — immer ein Angstobjekt bleibt, so verstärkt 
andrerseits dieses Moment gerade durch den Antrieb, die Angst zu bewältigen, 
sehr wesentlich die von der Frau ausgehende sexuelle Anziehung auf den Mann. 
Normalerweise wirkt sich die Verstärkung der genitalen Triebregungen und 
die damit einhergehende Überwindung des Sadismus dahin aus, daß die Wieder- 
gutmachungsphantasien auf allen Linien einsetzen. "Wie ich früher ausgeführt 
habe, machen sich noch unter Vorherrschaft des Sadismus die Wiedergutmachungs- 
tendenzen der Mutter gegenüber in der "Weise geltend, daß der „böse" väterliche 
Penis in ihr zerstört werden soll. Das erste und hauptsächliche 
Objekt der Wiedergutmachungstendenzen ist die Mutter. 
Diese heften sich um so stärker an ihre Imago, je mehr die Mutter für den 
Knaben das „gute" Objekt bedeutet. 18 In den Spielanalysen zeigt sich dies mit 
großer Deutlichkeit. "Wenn die reaktiven Tendenzen sich verstärken, setzen kon- 
struktive Spiele ein. Das Bauen von Häusern, das Zusammenstellen von Dörfern 
zum Beispiel stellt symbolisch die Wiederherstellung des Mutterleibes sowie auch 
des eigenen Leibes dar. 19 Die Einzelheiten der Wiederherstellung entsprechen 
den in einem früheren Stadium der Analyse (oder auch alternierend mit den 
konstruktiven Spielen) phantasierten Zerstörungen. Der Knabe stellt dann zum 
Beispiel auf die verschiedensten Arten eine Stadt aus kleinen Häusern zusammen. 
Ein kleines Spielmännchen als Verkehrspolizist — ihn selber darstellend — 
regelt den Verkehr, untersucht immer wieder, ob keine Zusammenstöße der 
Wagen erfolgen, keine Häuser beschädigt, keine Menschen umgerannt werden 
können. In früheren Spielen wurde aber die Stadt häufig durch die zusammen- 
stoßenden Wagen beschädigt, wurden die Menschlein überfahren. In einer noch 
früheren Periode dokumentierte sich der Sadismus in direkter Weise durch 
Benässen, Verbrennen, Zerschneiden von Dingen, die symbolisch den Mutterleib 

18) Daß die Wiedergutmachung am „guten" Objekt sich vollzieht, das „böse" Objekt 
der Gegenstand der destruktiven Triebregungen verbleibt, habe ich in anderen Zusammen- 
hängen ausgeführt. 

19) Da die den Mutterleib betreffenden Angstsituationen und die Angst vor der 
Gefährdung des eigenen Leibesinnern ineinandergreifen und einander bedingen, bedeuten 
alle Einzelheiten der "Wiederherstellung der Mutter auch die des eigenen Leibes. Ich gehe 
auf diesen Inhalt der "Wiederherstellungsphantasien später ein. 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

— i5 7 — v 



und dessen Inhalt (väterlichen Penis und Kinder) bedeuteten. Zugleich aber 
stellten diese destruktiven Akte die seitens des väterlichen Penis im Mutterleib 
angerichtete (und vom Kinde gewünschte) Zerstörung der Mutter dar. Als 
Reaktion auf diese sadistischen Phantasien, in denen die 
Mutter mittels des gewalttätigen Penis, sowohl des eigenen wie auch des Vaters 
(dargestellt durch die fahrenden Autos), zerstört, die Kinder (die Spielfigürchen) 
kastriert und beschädigt wurden, setzen die Phantasien ein, in denen die 
Mutter (durch die Stadt dargestellt) in allen diesen Punkten 
wiederhergestellt wird. 

Wiedergutmachungstendenzen und Sexualbetätigung. 
Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, daß bei beiden Geschlechtern der 
Sexualakt ein eminentes Mittel der Angstbewältigung ist. Auf den frühen Ent- 
wicklungsstufen dient der Sexualakt neben der libidinösen Befriedigung der Ver- 
nichtung oder Beschädigung des Objektes (wobei auch schon positive — wiewohl 
verdeckte — Strebungen sich geltend machen). Auf den späteren Entwicklungs- 
stufen dient der Sexualakt neben der libidinösen Befriedigung der Wieder- 
herstellung des beschädigten Leibes der Mutter und auf diese Weise der Bewälti- 
gung von Angst und Schuldgefühl. 

Als ich die tieferen Quellen der homosexuellen Einstellung des Mädchens 
beschrieb, wies ich auf die Bedeutung des „heilsamen" Penis und die kon- 
struktive Allmacht im Sexualakt hin; diese Ausführungen gelten ebenfalls für die 
heterosexuelle Position des Mannes. Bei Vorherrschaft der genitalen Stufe wird 
in der Phantasie dem Penis im Sexualakt die Aufgabe zuteil, nicht nur der 
Frau Freude zu spenden, sondern sie auch von allen durch den eigenen sowie den 
väterlichen Penis ihr zugefügten Beschädigungen zu heilen. In Knaben- 
analysen läßt sich feststellen, daß der Penis in der Phantasie alle möglichen 
heilsamen und reinigenden Funktionen erfüllt. Hat der Penis im Stadium der 
sadistischen Allmacht sadistische Funktionen erfüllt — mittels des Urins über- 
schwemmt, vergiftet, verbrannt — , so lernen wir im Stadium der vorherrschenden 
Wiedergutmachung den Penis als „Feuer-Löschapparat", als reinigende Bürste, 
als ein Behältnis für heilsame Medizin usw. kennen. Der Glaube an den eigenen 
„guten" Penis schließt auch den an den „guten" Penis des Vaters ein, ebenso 
wie der Glaube an die sadistischen Qualitäten des eigenen Penis den an die 
sadistischen des väterlichen Penis bedingt. War es ein Ziel der sadistischen Phan- 
tasien, den väterlichen Penis in ein Instrument der Zerstörung für die Mutter 
umzuschaffen, so wird es nun das Ziel der Wiedergutmachungs- 
tendenzen, den väterlichen Penis in einen heilsamen „gute n" 
Penis zu verwandel n, 20 womit zugleich die Angst vor dem väterlichen 

20) Das Schuldgefühl der Mutter gegenüber, die Angst, daß ihr etwas durch den 
„bösen" väterlichen Penis widerfahren könnte, haben einen wesentlichen Anteil an dem 

- a 58 - 



„bösen" Über-Ich herabgesetzt wird. Dann vermindert sich im Verhältnis zu 
den realen Objekten die Identifizierung mit dem „bösen" "Vater (die zum Teil 
auf der Identifizierung mit dem Angstobjekt beruht), und die stärkere Identi- 
fizierung mit dem guten Vater wird möglich. Vermag das Ich ein 
gewisses Ausmaß an destruktiven Tr i eb r egu ng en gegen 
den Vater zu tolerieren und zu verarbeiten und ist zu- 
gleich ein genügender Glaube an den „guten" väterlichen 
Penis vorhanden, so kann sowohl die Rivalität mit dem 
Vater (die eine Voraussetzung der heterosexuellen Posi- 
tion ist) als auch die Identifizierung mit ihm aufrecht- 
erhalten werden. Der Glaube an den „guten" väterlichen Penis erhöht 
auch die sexuelle Anziehung seitens der Frau, die nun in der Phantasie weniger 
gefährliche Objekte und — aus der homosexuellen Position heraus, da der „gute" 
Penis ein Liebesobjekt ist — als anziehend empfundene Objekte in ihrem Leibes- 
innern beherbergt. 21 Die destruktiven Triebregungen behalten dann als Objekt 
den rivalisierenden (als das „böse" Objekt empfundenen) väterlichen Penis, die 
Mutter wird dann vorwiegend das Objekt der positiven Regungen. 

Bedeutung der "Weiblichkeitsphase für die Hetero- 
sexualität. Dieses Entwicklungsresultat hängt sehr wesentlich von dem 
günstigen Verlauf der frühen "Weiblichkeitsphase des Knaben ab. Wie ich früher 
hervorhob, ist die gelungene Überwindung dieser Phase eine Vorbedingung der 
gut befestigten heterosexuellen Position. 

In einer früheren Arbeit 22 habe ich darauf hingewiesen, daß der Knabe 
häufig die aus der "Weiblichkeitsphase stammenden Gefühle von Haß, Angst, 
Neid und Minderwertigkeit durch Verstärkung des Penisstolzes überkompensiert 
und diesen Stolz auf das intellektuelle Gebiet 23 verschiebt. Diese Verschiebung 



Bestreben des Knaben, auch den Penis des Vaters wiederherzustellen, ihn der Mutter 
zurückzuerstatten und die Eltern friedlich zu vereinigen. In gewissen Fällen kann sich 
dieses Bestreben so stark in den Vordergrund drängen, daß der Knabe die Mutter in der 
Phantasie als Liebesobjekt aufgibt und sie ganz dem Vater überläßt, ein Moment, das 
die "Wendung zur Homosexualität begünstigt. Diese steht dann im Dienste der Wieder- 
gutmachung am väterlichen Penis, dem die Aufgabe zuerteilt wird, die Mutter wieder- 
herzustellen und zu befriedigen. 

21) Wird aus Angst vor dem „bösen" Penis (und häufig aus der Unfähigkeit, den 
eigenen Sadismus zu ertragen) der Glaube an den „guten" Penis übermäßig verstärkt, 
und zwar sowohl in Beziehung zum Über-Ich wie auch zu dem in der Mutter voraus- 
gesetzten väterlichen Penis, so kann sich hieraus eine ganz verschobene Position zur Frau 
ergeben. Der heterosexuelle Akt dient dann vorwiegend der Befriedigung des homo- 
sexuellen Begehrens; der Mutterleib wird zum Behältnis für den „guten" Penis. 

22) Siehe M. Klein: Frühstadien des Ödipuskonfliktes. (Int. Ztschr. f. PsA., 
Bd. XIV, 1928.) 

23) Mary Chadwick führt in ihrer Arbeit: Die Wurzel der Wißbegierde (Int. 
Ztschr. f. PsA., Bd. XI, 192 j) aus, „daß der Knabe den Verzicht auf das Kind in der 

— a5o, — V* 



bildet die Grundlage einer gehässigen Rivalitätseinstellung der Frau gegenüber, 
die sich in der Charakterbildung des Mannes auf analoge Art geltend macht 
wie der Penisneid bei der Frau. Das Übermaß der aus den sadistischen Angriffen 
auf den Mutterleib resultierenden Angst wird zur Quelle schwerster Störungen im 
Verhältnis zum andern Geschlecht. Mildern sich aber Angst und Schuldgefühle, 
so werden gerade diese zur Grundlage für die Einzelheiten der phantasierten 
Wiedergutmachung, die sich als Einfühlung in die weibliche Psyche äußern. 

Die frühe Weiblichkeitsphase des Knaben beeinflußt das spätere Verhältnis 
zur Frau noch auf einem andern Wege in positiver Weise. Die Differenz zwischen 
den sexuellen Strebungen des Mannes und der Frau führt, wie wir wissen, zu 
verschiedenen psychischen Bedingungen der Befriedigung, führt dazu, daß Mann 
und Frau an die gegenseitige Beziehung verschiedene — an sich unvereinbare — 
Forderungen stellen. Normalerweise wünscht die Frau das Liebesobjekt immer - 
bei sich — letzten Endes in sich — zu behalten; hingegen begünstigen die nach 
außen drängenden psychosexuellen Strebungen des Mannes und seine Art der 
Angstbewältigung den häufigen Wechsel des Liebesobjektes. (Dieser Tendenz 
wirkt allerdings der Wunsch entgegen, das Liebesobjekt, wenn es die „gute" 
Mutter bedeutet, zu behalten.) Kommt trotz aller dieser Schwierigkeiten eine 
gute Einfühlung des Mannes in die andersartigen Bedürfnisse der weiblichen 
Psyche zustande, so hat die früheste Identifizierung mit der Mutter einen starken 
Anteil daran. In dieser Phase introjiziert sich der Knabe den väterlichen Penis 
als Liebesobjekt und bezieht, wenn sich das Verhältnis zur Mutter positiv 
gestaltet, aus diesen Wünschen und Phantasien das Verständnis für die Intro- 
jektions- und Bewahrungstendenzen der Frau hinsichtlich des Penis. 24 Auch 
befähigt der dieser Phase entstammende Wunsch des Knaben, vom Vater Kinder 
zu empfangen, den Mann dazu, in der Frau das Kind zu sehen. Er übernimmt 
der Frau gegenüber auch die Rolle der spendenden Mutter. 25 Dadurch befriedigt 

Befriedigung seiner Wißbegierde findet". Produkte seines Forschungseifers, intellektuelle 
Leistungen und wissenschaftliche Entdeckungen nehmen bei ihm die Stelle von Kindern 
ein. Aus der Verschiebung des Kindesneides auf das Intellektuelle ergibt sich, wie Mary 
Chadwick ausführt, eine Quelle der Rivalitätseinstellung des Mannes der Frau gegen- 
über auf geistigem Gebiet. 

24) Edoardo "Weiß führt aus, „daß die heterosexuelle Objektwahl des reifen 
Mannes durch Projektion seiner eigenen Weiblichkeit zustande kommt". Er sieht in 
diesem Projektionsvorgang die Erklärung, warum „auch der reife Mann seinem geliebten 
Weib gegenüber ein Stück mütterlicher Einstellung beibehält". (Eine Phase der Entwick- 
lung zur heterosexuellen Liebe. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XI, 1925.) Weiß hebt hervor, 
daß analoge Verhältnisse für die Endgestaltung der heterosexuellen Liebe auch beim 
Weibe vorliegen. Sie verzichtet auf ihre Männlichkeit und sieht diese im geliebten Manne 
verkörpert. 

25) Reich weist darauf hin, daß bei manchen Patienten der Penis die Rolle der 
Mutterbrust, der Samen die der Milch spielt. (Die Funktion des Orgasmus. Int. PsA. 
Verl. 1927.) 

— 360 — 



er auch die Liebes-wünsche der Frau, die sich aus ihrer starken Mutterbindung 
ergeben. Nur wenn die der Weiblichkeitsphase entstammenden Gefühle von Neid, 
Haß und Angst der Mutter gegenüber genügend überwunden werden 26 und wenn 
die weibliche Komponente des Mannes gut sublimiert werden kann, vermag der 
Knabe bei Vorherrschaft der genitalen Stufe die heterosexuelle Position genügend 
zu befestigen. 

Ich habe früher ausgeführt, weshalb bei voller Erreichung der genitalen 
Stufe der Glaube an den eigenen „guten" Penis (und damit an 
die Fähigkeit, mittels des Sexualaktes wiedergutzumachen) eine Bedingung der 
Potenz ist. 27 Dieser Glaube ist letzten Endes an eine (vom Standpunkt der 
psychischen Realität betrachtet) konkrete Bedingung gebunden, und zwar an den 
Glauben an den guten Zustand des eigenen Leibesinner n. 
Die Angstsituationen, die aus den bedrohlichen Vorgängen, den Angriffen und 
Kämpfen im eigenen Leibesinnern resultieren und die ineinandergreifen mit den 
Angstsituationen, die sich aus den phantasierten Zerstörungen und Gefahren im 
Mutterleib ergeben, sind bei beiden Geschlechtern die tiefsten Gefahrsituationen. 
Die Kastrationsangst ist nur ein wenn auch dominierender Teilinhalt der 
Angst für den ganzen Körper. Sie wird aber beim Knaben zur leitenden 
Angst und verdeckt alle anderen Angstinhalte mehr oder weniger weitgehend. 
Dies erhellt auch daraus, daß die Angst um das eigene Leibesinnere sich als 
eine der tiefsten Wurzeln der Potenzstörungen beim Manne erweist. Das Haus, 
die Stadt, die der Knabe so eifrig wiederherzustellen bemüht ist, bedeutet nicht 
nur die erneute, intakte Mutter, 28 sondern immer auch das Innere des eigenen 
Körpers. 

Sekundäre Verstärkung des Penisstolzes. In dieser Be- 
schreibung der männlichen Entwicklung habe ich einige Momente hervorgehoben, 
die nach meiner Meinung die zentrale Bedeutung des Penis für den Knaben 
wesentlich erhöhen. Ich fasse kurz zusammen: i) Die Angst der frühesten 
Gefahrsituationen (Angriffe im Leibesinnern und auf den ganzen Körper), die 
auch alle aus der weiblichen Position entspringenden Angstquellen einschließt, 



16) Analog ist beim Mädchen die gelungene Oberwindung des Penisneides und die 
Sublimierung der männlichen Komponente die Voraussetzung einer gut befestigten hetero- 
sexuellen Position. 

27) Dieser Glaube verstärkt sich Schritt für Schritt im Verlaufe der Analyse in dem 
Maße, als die Strenge des Über-Ichs, die Angst und der Sadismus herabgesetzt werden, 
die genitale Stufe stärker hervortritt und damit zugleich die Beziehung zum Objekt 
und das Verhältnis zwischen Über-Ich, Ich und Es sich verbessert. 

28) Die „reine" unberührte Frau wäre demnach letzten Endes die Frau, die nicht 
durch den väterlichen Penis und gefährliche Exkremente beschmutzt (zerstört) ist, die 
deshalb aus ihrem intakten Leibsinneren gute, heilende — reine — Stoffe dem Manne 
zu geben vermag. 

— 261 — 



•wird auf den Penis als ein äußeres Organ verschoben und so besser bewältigt. 
Die Verstärkung des Penisstolzes mit allen ihren Auswirkungen 29 dient eben- 
falls der Bewältigung der aus der weiblichen Position resultierenden Angstinhalte 
und Enttäuschungen. 2) Da der Penis der Träger zuerst der sadistischen und dann 
der konstruktiven Allmacht wird, verstärkt sich hiedurch seine Bedeutung als 
Vehikel der Angstbewältigung. Indem er aber alle diese Funktionen erfüllt 
(also den Allmachtsglauben, die Realitätsprüfung, die Objektbeziehung fördert 
und mittels all dieser Funktionen der dominierenden Funktion der Angstbewälti- 
gung dient), gerät er, vielmehr seine psychische Repräsentanz, in innige Beziehung 
zum Ich und wird zum Repräsentanten des Ichs und des Bewußten. 30 Das 
Innere des Leibes, die Imagines und Fäzes — also das Unsichtbare und Un- 
bekannte — werden dem Unbewußten gleichgesetzt. In Analysen von Knaben 
und Männern fand ich auch, daß in dem Maße, in dem die Angst vor den das 
Leibesinnere beherrschenden bösen Imagines und Fäzes (also vor dem Un- 
bewußten) herabgesetzt wurde, der Glaube an die eigene Potenz wuchs. 
Zugleich setzte ein Stück Ichentwicklung ein. 31 Hiezu kommt, daß die Ver- 
ringerung der Angst vor dem bösen Über-Ich und dem bösen Leibesinhalt 
dem Knaben stärker die Möglichkeit gibt, sich mit den introjizierten guten 
Objekten zu identifizieren, wodurch ebenfalls eine Bereicherung des Ichs erzielt 
wird. "Wenn das Vertrauen zur konstruktiven Allmacht des eigenen Penis 
genügend befestigt ist, wird der Glaube an die Macht des verinnerlichten „guten" 
väterlichen Penis zur Grundlage für einen sekundären Allmachtsglauben, der 
beim Knaben die durch den eigenen Penis gegebene Entwicklungslinie verstärkt. 

"Wie ich früher ausführte, bringt es die wachsende Objektbeziehung mit sich, 
daß die phantastischen Imagines zurücktreten, dagegen Haß und Kastrations- 
angst in Beziehung zum realen Vater deutlicher hervortreten. Zugleich machen sich 
auch die "Wiedergutmachungstendenzen den realen Objekten gegenüber sowie die 
realitätsgemäßeren Wege der Angstbewältigung stärker geltend. Alle diese Ent- 
wicklungsschritte gehen mit der fortschreitenden Herrschaft der genitalen Stufe 
einher und kennzeichnen die späteren Stadien des Ödipuskonfliktes. 

Störungen der Sexualentwicklung. Als eine Quelle intensiver 
Angst habe ich die Phantasie hervorgehoben, daß die Eltern stets im Koitus 
miteinander vereinigt seien. Der Mutterleib stellt, wenn diese Phantasien 



29) Siehe Klein: Frühstadien des Ödipuskonfliktes. (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XIV, 
1928.) 

30) Für diese Auffassung spricht die vielfach bestätigte analytische Erfahrung, daß 
der Penis (und die männliche Potenz) die Repräsentanz der männlichen Aktivität 
bildet. 

31) Siehe Klein: A Contribution to the Theory of Intellectual Inhibition. (Int. 
Journal of Psycho-Analysis, Vol. XII.) 



— 2 62 — 



dominieren, für das Kind vorwiegend eine gegen das Kind gerichtete, überaus 
bedrohliche Vereinigung von Vater und Mutter dar. 

"Wenn die Trennung der vereinigten Eltern-Imago im Verlauf der Ent- 
wicklung nicht genügend erfolgt, so kommt es zu schweren Störungen sowohl der 
Objektbeziehung als auch der Sexualentwicklung. 

Die Vorherrschaft der vereinigten Eltern-Imago geht nach meinen Er- 
fahrungen letzten Endes auf Störungen in der frühesten Beziehung zur Mutter 
(Brust) zurück. 32 Dieses bei beiden Geschlechtern grundlegende Moment wirkt 
sich bei Knaben und Mädchen schon auf den frühesten Entwicklungsstufen 
verschieden aus. Ich will nun kurz darauf eingehen, wie die Vorherrschaft dieser 
angsterregenden Phantasien beim Knaben zustande kommt 33 und wie sie seine 
Sexualentwicklung beeinflußt. 

Ich fand in Analysen von Knaben und Männern, daß das Zusammenwirken 
starker oralsaugender und oralsadistischer Triebregungen sehr früh zu einer 
haßerfüllten Abwendung von der Mutterbrust 34 geführt hatte. Die frühe und 
intensive Zerstörung der Mutterbrust führte vorwiegend zur Introjektion der 
„bösen" Mutter. Zugleich kam es mit der jähen Abwendung von der Mutter 
zu einer überaus intensiven Introjektion des väterlichen Penis. Die Weiblichkeits- 
phase war von Haß und Neid der Mutter gegenüber beherrscht gewesen. 
Zugleich hatte sich infolge der starken oralsadistischen Regungen ein intensiver 
Haß 33 und entsprechende Angst dem verinnerlichten väterlichen Penis gegenüber 
entwickelt. Die intensiven oralsaugenden Regungen drängten zu Phantasien von 
unausgesetzter, endloser Nahrungsaufnahme, zugleich aber bewirkten die sadisti- 
schen Regungen, daß sich für die Mutter die Nahrungsaufnahme und sexuelle 
Befriedigung (beides durch den väterlichen Penis im Koitus) in Qual und Zer- 
störung verwandelten. Dies führte zur Annahme, daß das Innere des Mutter- 
leibes bis zum Bersten überfüllt sei mit ungeheuren bösartigen Penissen des 
Vaters, die sie auf mannigfache "Weise zerstörten. Die Mutter wird in solchen 
Fällen in der Phantasie des Knaben nicht nur zur „Frau mit dem Penis", 
sondern gewissermaßen zu einem Behälter für die Penisse des Vaters und für 



32) Siehe Kap. VIII. 

33) Die analogen Entwicklungsvorgänge beim Mädchen habe ich im vorigen Kapitel 
beschrieben. 

34) In einigen dieser Fälle war die Stillperiode kurz und unbefriedigend verlaufen, 
in anderen war das Kind nur mit der Flasche auferzogen worden. Ich fand aber, daß 
es auch bei einer äußerlich befriedigend verlaufenen Saugeperiode ebenfalls zu einer 
frühen und haßerfüllten Abwendung von der Mutterbrust und einer sehr starken Intro- 
jektion des väterlichen Penis kommen kann. In diesen Fällen ist es der konstitutionelle 
Faktor, der entscheidet. (Siehe Kap. VIII.) 

3$) Der übermäßige Haß gegen den väterlichen Penis basiert auf überaus starken 
destruktiven Phantasien gegen die Brust und den Mutterleib. Das frühe Verhältnis 
zur Mutter beeinflußt also auch beim Knaben das Verhältnis zum Vater. 



- 2 63 



seine gefährlichen, dem Penis gleichgesetzten Exkremente. 36 Dadurch werden 
aber große Haß- und Angstquantitäten, die dem väterlichen Penis und dem 
Vater gelten, auf die Mutter verschoben. 37 

Während also einerseits ein starker und früh einsetzender oraler Sadismus 
die Angriffe auf die im Koitus vereinigten Eltern und die Angst vor dieser Imago 
fördert, behindert er die Bildung der „guten" Mutter-Imago, die einen Rückhalt 
gegen alle frühen Angstsituationen, die Grundlage für das „gute" Über-Ich 
(helfende Gestalten) 38 und auch die Basis für die heterosexuelle Position bildet. 

Hiezu kommen die Folgewirkungen der in solchen Fällen übermäßig vom 
Sadismus beherrschten "Weiblichkeitsphase. Die überstarke Introjektion eines 
ungeheuren bösen väterlichen Penis führt dazu, daß auch das eigene Leibes- 
innere in der Phantasie des Kindes den Gefahren ausgesetzt ist, die das Innere 
des Mutterleibes bedrohen. Im gleichen Sinne wirken die Introjektion der ver- 
einigten feindlichen Eltern-Imago und die nur in geringem Maße erfolgte Intro- 
jektion der „guten" Mutter-Imago. Die übermäßige, aus diesen Introjektions- 
vorgängen resultierende Angst für das eigene Leibesinnere bildet aber nicht nur 
die Grundlage für schwere Störungen der Gesundheit, sondern auch der Sexual- 
entwicklung. Ich habe in diesem Kapitel an früherer Stelle ausgeführt, daß der 
„gute" Leibesinhalt und damit in Zusammenhang der „gute" Penis (bei Vorherr- 
schaft der genitalen Stufe) eine Voraussetzung der Potenz sind. Der „gute" Penis 
als Mittel zur Wiederherstellung ist um so nötiger, je intensiver die Angriffe auf 
die Brust und den Leib der Mutter waren und je mehr die Mutter in der Phan- 
tasie des Kindes durch den väterlichen und den eigenen Penis zerstört worden 
ist. Es wäre also ein besonders starker Glaube an die eigene Potenz erforderlich, 
um die Angstinhalte eines gefährlichen und gefährdeten, mit väterlichen Penissen 
erfüllten Mutterleibes entkräften zu können. Gerade diese Angst (um die Mutter 
und für den eigenen Leibesinhalt) behindern aber wiederum den Glauben an den 

36) Die Imagines, die sich auf Grund dieser Phantasien entwickelten, standen in den 
meisten Fällen in Gegensatz zum Bilde der realen Mutter. Die Realität vermochte sich 
aber gegen diese phantastischen Imagines nicht durchzusetzen. Hiebei griffen Ursache 
und Wirkung ineinander. Die übermäßige Wirksamkeit der frühesten Angstsituationen 
hatte die Herstellung der Objektbeziehung und Realitätsanpassung unterbunden. Dies 
wirkte sich aber weiterhin dahin aus, daß die Objekte und die Realität die Angst der 
frühen Gefahrsituationen nicht genügend abschwächen konnten und daß diese dominierend 
blieben. Die Realitätsbeziehung blieb in diesen Fällen dauernd gestört und die Realität 
wurde demzufolge auch späterhin vorwiegend im Sinne der phantastischen Angst- 
situationen aufgenommen und gewertet. 

37) Idi habe im vorigen Kapitel eine analoge Verschiebung beim Mädchen hervor- 
gehoben. In Fällen, in denen Haß und Neid insbesondere um den von der Mutter ein- 
verleibten Penis des Vaters zentriert, zieht dieser die Gefühle von Haß und Angst auf 
sich, die ursprünglich vorwiegend der Mutter gelten. Diese Verschiebung bewirkt, daß 
das Verhältnis zum Manne schweren Störungen unterworfen ist. 

38) Siehe Klein: Die Rollenbildung im Kinderspiel. (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XV, 1929) 

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r 



„guten" Penis und die eigene Potenz. Das Zusammenwirken dieser Angstinhalte 
bereitet die Abwendung von der Frau als Liebesobjekt vor. Es führt, je nach- 
dem, wie die frühen Erlebnisse es begünstigen, zur Homosexualität oder zu 
Potenzstörungen in der heterosexuellen Position. 39 

Kasuistisches. In der Analyse eines f ünf unddreißigjährigen homo- 
sexuellen Patienten (Mr. A.), bei dem eine schwere Zwangsneurose mit paranoiden 
und hypochondrischen Zügen und eine starke Potenzstörung vorlag, ergab sich, 
daß die Gefühle von Mißtrauen und Abneigung, die sein Verhältnis zur Frau 
im allgemeinen beherrschten, letzten Endes zurückgingen auf die Phantasien, 
daß die Mutter sich stets, wenn er sie nicht sah, im Koitus mit dem Vater sich 
befinde. Er nahm an, daß ihr Leibesinneres mit gefährlichen väterlichen Penissen 
überfüllt sei. 40 In der Übertragungssituation zeigte sich, daß Haß und Angst 
im Verhältnis zur Mutter, die vielfach auch das Schuldgefühl ihr gegenüber 
verdeckten, 41 immer in engster Verbindung mit der Koitussituation der Eltern 
standen. Ein flüchtiger Blick auf meine Kleidung und mein Aussehen, der, wenn 
die Angst gesteigert war, Mr. A. immer bewies, daß ich schlecht aussehe oder 
ungepflegt und nicht in Ordnung (eigentlich aber, daß ich innerlich vergiftet 
und zerstört) sei, ging auf die prüfenden und angsterfüllten Blicke zurück, mit 
denen er als kleines Kind des Morgens die Mutter gemustert hatte, um fest- 
zustellen, ob sie durch den Koitus mit dem Vater vergiftet und zerstört sei. 42 
Er hatte jeden Morgen erwartet, die Mutter tot wiederzufinden. In dieser 
Gemütsverfassung wurde natürlich jede noch so unbedeutende Einzelheit im 
Befinden und Benehmen der Mutter, jeder Meinungsunterschied zwischen den 

39) In extremen Fällen dieser Art kommt es dazu, daß keine Libidoposition gehalten 
werden kann. 

40) Die Mutter hatte infolge dieser Verschiebung so stark die Qualitäten des väter- 
lichen Penis angenommen, so wenig von ihrer eigenen Persönlichkeit behalten, daß Mr. A. 
sie im Unbewußten schlechtweg mit dem väterlichen Penis (bewußt mit einem Knaben) 
identifizierte. Eine Auswirkung dieser vielfachen Verschiebungen war, daß der Patient 
auch bewußt immer große Schwierigkeiten hatte, die Geschlechter voneinander zu 
unterscheiden. 

41) Auf diesen Mechanismus hat Ernest Jones in seiner Arbeit: Angst, Schuld- 
gefühl und Haß (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVI, 1930) hingewiesen. 

42) War die Angst besonders stark, so erschienen Mr. A. auch die Straße und das 
Haus, in denen ich wohne (wie sich ergab, auch die ganze Welt) wie in Schmutz getaucht. 
Dann identifizierte Mr. A. mich auch häufig mit der ihm überaus widerlichen Reine- 
machefrau, die das Reinigen des Treppenflurs und des Stiegenhauses besorgte; diese Frau 
war ihm aber auch deshalb so unangenehm, weil sie sein Schuldgefühl und seine Angst 
erregte. Sie bedeutete ihm die durch seine Schuld herabgewürdigte und verarmte Mutter, 
die versuchte, ihr beschmutztes und vergiftetes Leibesinnere — das Haus — zu reinigen, 
aber hiebei eine seinem Gefühl nach fruchtlose und vergebliche Arbeit leistete. Infolge 
der Phantasien, in denen Mr. A. mittels vergifteter Exkremente die im Koitus befind- 
lichen Eltern und das Leibesinnere der Mutter angegriffen hatte, fühlte er sich für ihren 
Zustand verantwortlich. 

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Eltern, jede noch so kleine Änderung im Verhalten der Mutter ihm gegenüber, 
kurz alles, was um ihn herum vorging, zum Beweis, daß die von ihm stets 
erwartete Katastrophe eingetreten sei. Seine Masturbationsphantasien (Wunsch- 
phantasien), in denen sich die Eltern im Koitus auf vielfache Art zerstörten, 
wurden zur Quelle ebenso vielfacher Sorge, 43 Angst und Schuldgefühle. Diese 
Angst führte zu unausgesetzter Beobachtung der Umgebung und zu einem 
zwanghaft gesteigerten Wißtrieb. Sein steter, alle Ichenergien aufsaugender 
Wunsch, die Eltern beim Koitus zu beobachten und ihre sexuellen Geheimnisse 
ausfindig zu machen, wurde gleichzeitig durch das Bestreben aktiviert, die Mutter 
am Koitus zu verhindern und sie vor dem Schaden zu bewahren, den der 
gefährliche väterliche Penis ihr zufügen würde." 

In der Übertragungssituation äußerten sich diese dem Koitus der Eltern 
geltenden Regungen unter anderem in dem großen Interesse, das Mr. A. an 
meinem Zigarettenrauchen nahm. Merkte er zum Beispiel, daß sich von der 
vorhergehenden Analysenstunde noch ein Zigarettenstummel in der Aschenschale 
befand, oder meinte er, daß Rauchgeruch im Zimmer sei, so knüpften sich 
daran die Assoziationen, ob ich wohl viel rauche, ob ich vor dem Frühstück 
rauche, ob ich eine gute Sorte rauche usw. Diese Fragen und die damit ver- 
bundenen Affekte hingen mit der Angst um die Mutter zusammen. Sie erwiesen 
sich determiniert durch den Wunsch, zu erfahren, wie oft und in welcher Weise 
die Eltern in der Nacht koitiert hätten und welche Wirkung dies auf die Mutter 
ausgeübt hätte. Die primären, mit der Urszene verknüpften Gefühle von Ver- 
sagung, Eifersucht und Haß fanden auch Ausdruck in den Affekten, mit denen 
Mr. A. zeitweise darauf reagierte, wenn ich zum Beispiel eine Zigarette in einem 
ihm ungeeignet scheinenden Augenblick anzündete. Er wurde wütend und warf 
mir mangelndes Interesse für ihn vor: das Rauchen bedeute mir alles, die 
Störung, die ich ihm bereite, nichts, usw. Dann wieder legte er mir nahe, das 
Rauchen ganz aufzugeben. Zuzeiten wartete er ungeduldig darauf, daß ich eine 
Zigarette anzünden solle, bat mich förmlich darum, konnte das Geräusch des 
Zündholzanstreichens nicht länger erwarten, legte vor allem Wert darauf, daß 
ich es nicht plötzlich und für ih n unvorbereitet tun solle. Es wurde deutlich, daß 

c .- L 43 IP? , 6S • Skh mir nUr darum handelt > an d i e sem Fall zu illustrieren, daß bestimmte 
frühe Gefahrsituationen die Wurzel schwerer Störungen der Sexualität bilden können, 
greife idy aus der Fülle der frühen Eindrücke und Einflüsse, die zu dem Entwicklungs- 
ausgang beitrugen, nur zwei Momente heraus: Die Mutter war kränklich und der Vater 
war ein harter, tyrannischer Mann, vor dem die ganze Familie Angst empfand. 

44) Die primäre Eifersucht des kleinen Kindes, die dazu führt, daß das Kind die 
sexuelk Befriedigung der Eltern und ihre Intimitäten zu stören sucht, erhält auch im 
allgemeinen eine sekundäre und sehr wesentliche Verstärkung durch die Angst. Das Kind 
befürchtet, daß die Eltern einander (in Erfüllung der sadistischen Phantasien des Kindes) 
im Koitus verletzen oder töten würden, und diese Angst treibt das Kind dazu, die Eltern 
zu beobachten und zu stören. 

- 2 66 - 



dieser Zustand von Spannung die Situation wiederholte, in der er nachts als 
kleines Kind auf die Geräusche lauschte, die vom Bett der Eltern drangen. Er 
konnte kaum erwarten, die ersten Anzeichen des Koitus (das Anstreichen des 
Zündholzes!) schon endlich zu hören, um den ganzen Vorgang bald beendet zu 
wissen. Es bestand aber mitunter auch ein wirklicher "Wunsch, daß ich rauchen 
möge. Dieser ging darauf zurück, daß er als kleines Kind in seiner Angst, daß 
die Eltern tot seien, die Geräusche, die ihm den Koitus der Eltern anzeigten, als 
ein Lebenszeichen herbeiwünschte. In einem späteren Stadium der Analyse, in 
dem die Angst vor den Folgen des Koitus herabgesetzt war, zeigte sich der 
"Wunsch, daß ich rauchen möge, auch folgendermaßen determiniert: Aus den Ten- 
denzen einer späteren Entwicklungsstufe heraus wünschte er den Koitus der 
Eltern herbei, weil er einer Versöhnung zwischen ihnen, einem beide befriedi- 
genden und heilenden Akt gleichkäme. Er wollte auch von der Schuld, die Eltern 
zur Entbehrung verurteilt zu haben, befreit sein. 

Mit dem Rauchen hielt es Mr. A. so, daß er es zeitweise ganz aufgab und 
sich davon eine Behebung seiner hypochondrischen Beschwerden versprach. Er 
führte aber diesen Vorsatz nie lange durch, und zwar auch deshalb nicht, weil 
das Rauchen ihm unbewußt zugleich eine Abhilfe gegen seine hypochondrischen 
Beschwerden bedeutete. Es sollte nämlich — insofern die Zigarette den „bösen" 
väterlichen Penis bedeutete — die verinnerlichten bösen Objekte in seinem 
Leibesinnern vernichten. 45 Insofern die Zigarette den „guten" väterlichen Penis 
darstellte, sollte sie zur "Wiederherstellung seines Leibesinnern und der ver- 
innerlichten Objekte dienen. 

Mr. A.s Zwangssymptome standen in enger Beziehung zu diesen vielfachen 
Angstinhalten. Auf dem bekannten "Wege der Verschiebung waren sie „als Zauber 
und Gegenzauber" 46 entstanden; sie dienten der Bestätigung oder Entkräftung 
der Fragen, ob die Eltern sich zur Zeit im Koitus befänden, ob bestimmte im 
Zusammenhang mit deren Koitus erwartete bedrohliche Dinge eingetreten seien, 
ob diese Schäden wieder aufgehoben werden könnten usw. Die Zwangsneurose 
baute sich demnach in allen Stücken auf der destruktiven und konstruktiven 
Allmacht auf, die im Verhältnis zu den im Koitus vereinigten Eltern entstanden 
und in Beziehung zur weiteren Umwelt fortgesetzt und ausgebaut worden war. 



45) Es scheint mir, daß dieses Moment auch einen Antrieb für den Alkoholismus 
bilden dürfte. Der Alkohol — den bösen Penis resjp. den bösen Urin darstellend — dient 
dann der Zerstörung der bösen verinnerlichten Objekte. Melitta Schmideberg führt 
in ihrer Arbeit: The Role of Psychotic Mechanisms in Cultural Development (Journal 
for Psycho-Analysis, Vol. X, 1930) aus, daß das Suchtmittel den „guten" Penis darstellt, 
der gegen die bösen introjizierten Objekte einen Schutz bietet. Der Umstand, daß zufolge 
der Ambivalenz das einverleibte Suchtmittel bald die Bedeutung des „bösen" Penis an- 
nimmt, bildet einen weiteren Antrieb zur Sucht. 

46) Freud: Totem und Tabu. (Ges. Sehr., Bd. X.) 



— 267 — 



Den gleichen Beweisen und Gegenbeweisen diente auch die Sexualbetätigung 
von Mr.A., die einen durchaus zwanghaften Charakter trug und schweren 
Störungen unterworfen war. Die übergroße Angst vor dem Penis des Vaters 
hatte nicht nur die Beibehaltung der heterosexuellen Position, sondern auch die 
Befestigung der homosexuellen Position gestört. 

Infolge der sehr starken Identifizierung mit der Mutter und der beherr- 
schenden Phantasie, die im Koitus befindlichen Eltern einverleibt zu haben, 
bezog Mr. A. auch alle Gefahren, die der Mutter durch die Einverleibung des 
Penis drohten, auf sein eigenes Leibesinneres. In der Übertragungssituation 
steigerten sich häufig, zugleich mit der negativen Übertragung, auch die hypo- 
chondrischen Beschwerden Mr.A.s.« Verstärkten sich nämlich — aus äußeren 
oder inneren Gründen — die Phantasien, daß die Mutter sich im gefährlichen 
Koitus mit dem Vater befinde oder als Folgewirkung des Koitus den gefährlichen 
väterlichen Penis in sich beherberge, so wuchs Mr. A.s Haß gegen mich und 
zugleich die Angst für sein Leibesinneres. Alles, was auf die in der Mutter vor 
sich gehende Katastrophe schließen ließ, bedeutete auf Grund der Identifizierung 
mit ihr auch ein Anzeichen der sich in seinem eigenen Leibesinnern vollziehenden 
Zerstörung. Er haßte aber die mit dem Vater koitierende Mutter darum so sehr, 
weil sie nicht nur sich selbst, sondern — da in seiner Phantasie dann auch die 
verinnerlichten Eltern in seinem Leibesinnern koitierten — auch indirekt ihn 
gefährdete. 

Außerdem bedeutete ihm die mit dem Vater vereinigte Mutter stets eine 
Feindin. Zum Beispiel ging die Abneigung gegen meine Stimme und "Worte, 
die zeitweise sehr stark war, nicht nur auf die Gleichsetzung meiner Worte mit 
den gefährlichen und vergiftenden Exkrementen, sondern auch auf die Phantasie 
zurück, daß es der Vater (vielmehr sein Penis) in mir sei, der durch mich spräche. 
Dieser beeinflusse meine Worte und Handlungen gegen ihn in feindlicher Weise, 
(so wie der Vater in ihm ihn zu bösen Handlungen gegen die Mutter dränge). 
Er befürchtete ferner, daß der väterliche Penis, wenn ich sprach, aus meinem 
Munde gegen ihn losgehen könnte; meine Worte und Stimme waren also auch 
dem väterlichen Penis in mir gleichgesetzt. 

War die Mutter zerstört, so gab es auch keine „gute" hilfreiche Mutter mehr. 
Die Phantasien, in denen die Brust der Mutter zerbissen und zerrissen, mittels des 
Urins und der Fäzes vergiftet und z erstört wurde, führten sehr früh zur Intro- 

r 4 P P fe , Einzelheiten der hypochondrischen Beschwerden erweisen sich im allgemeinen 
als durch den Aufbau und die Einzelheiten der sadistischen Phantasien determiniert. 
Zum Beispiel fand ich wiederholt, daß Sensationen des Brennens mit Phantasien urethral- 
sadistischen Charakters zusammenhängen. Da der Urin bestimmt war, die Objekte zu 
verbrennen, verbrannte er auch das eigene Leibesinnere. Ferner wurde in diesen Fällen 
dem verinnerlichten Penis des Vaters und dessen Urin die Fähigkeit zugeschrieben, gleich- 
falls brennend, vergiftend und zersetzend zu wirken. 

- 268 - 



jektion einer vergiftenden und gefährlichen Mutter-Imago, die die Entwicklung 
der „guten" Mutter-Imago behinderte. Dieses Moment hatte auch die Entwicklung 
der paranoiden Züge, insbesondere der Vergiftungs- und Verfolgungsideen, 
begünstigt. Sowohl in der Außenwelt (ursprünglich im Mutterleib) wie auch 
im eigenen Leibe vermochte der Patient nicht genügend Rückhalt gegen den 
väterlichen Penis und die Stuhlstücke als Verfolger zu finden. Hiedurch erhöhte 
sich aber nicht nur die Angst vor der Mutter und die Kastrationsangst, 
sondern es wurde auch der Glaube an den eigenen „guten" Leibesinhalt und 
den eigenen „guten" Penis unterbunden. Dies trug wesentlich zu der schweren 
Störung der Sexualentwicklung bei. Die Angst, die Frau mittels des „bösen" 
Penis zu beschädigen, vielmehr sie durch den Koitus nicht wiederherstellen zu 
können, war neben der Angst vor dem gefährlichen Mutterleib zur Grundlage 
für die bei Mr. A. bestehende Potenzstörung geworden. 

Der nicht genügend befestigte Glaube an die „gute" Mutter machte sich auch 
in bedeutungsvoller "Weise beim Krankheitsausbruch geltend. Mr. A., der im 
Kriege längere Zeit hindurch in den vordersten Linien gekämpft hatte, hatte die 
Gefahren und Beschwerden des Krieges relativ gut ertragen. Der schwere 
Zusammenbruch erfolgte einige Zeit später auf einer Reise. Mein Patient er- 
krankte in einem kleinen, entlegenen Ort an Ruhr. Die Analyse erwies, daß die 
Symptome dieser Krankheit die alten, der hypochondrischen Angst zugrunde 
liegenden Gefahrsituationen: die Angst vor dem „bösen" verinnerlichten Penis, 
vergiftenden Exkrementen usw. aktiviert hatten. Den Ausschlag gab aber das 
Verhalten der Wirtin, deren Pflege mein Patient einige Zeit überlassen war. Die 
Frau pflegte ihn schlecht, ging lieblos mit ihm um und gab ihm sogar nicht ge- 
nügend Milch und Nahrungsmittel. Dieses Erlebnis reaktivierte das Entwöhnungs- 
trauma mit allen damit verknüpften Affekten von Haß und Angst. Darüber 
hinaus wurde jedoch das Verhalten der "Wirtin im Unbewußten von Mr. A. als 
volle Bestätigung der Angst gewertet, daß es keine „gute" Mutter mehr gäbe, und 
daß er rettungslos der inneren Zerstörung und den äußeren Feinden überliefert sei. 
Der Glaube an die „gute" Mutter, der in Mr. A. nie genügend befestigt gewesen 
war, konnte sich gegen die gleichzeitige und übermäßige Aktivierung aller Angst- 
situationen nicht durchsetzen. Dieser Mangel an einer helfenden, der Angst ent- 
gegenwirkenden guten Mutter-Imago war das letzte, entscheidende Moment für 
den Zusammenbruch. 

Die Verschiebung des Hasses und der Angst vom väterlichen Penis auf die 
Mutter hat, wie ich am Beispiel von Mr. A. zu zeigen versuchte, zur Folge, daß 
die mit dem weiblichen Körper verknüpften Angstinhalte eine übermäßige Steige- 
rung, die Quellen der heterosexuellen Anziehung eine übermäßige Verringerung 
erfahren. Mit der Verschiebung alles Angsterregenden und Unheimlichen auf das 
unsichtbare Leibesinnere der Frau geht häufig auch ein anderer Prozeß vor sich, 

— 269 — 



der eine Voraussetzung für die volle Befestigung der homosexuellen Position zu 
sein scheint. 

"Wendung zur Homosexualität. Die normale Einstellung des 
Knaben, durch die der eigene Penis zum Repräsentanten des Ichs und des 
Bewußten wird (im Gegensatz zum Über-Ich und dem Leibesinhalt, die dem 
Unbewußten gleichgesetzt werden), erstreckt sich in der Homosexualität mittels 
der narzißtischen Objektwahl auch auf den Penis eines anderen Mannes. Dieser 
wird zum Gegenbeweis gegen alle dem verinnerlichten Penis und dem Leibes- 
innern geltenden Angstinhalte gemacht. Die Homosexualität dient somit der 
Angstbewältigung auch auf die Weise, daß das Ich mittels der Überbetonung der 
Realität und der Außenwelt (des Greifbaren, Sichtbaren und Bewußten) das 
Unbewußte zu verleugnen, zu beherrschen oder zu überwinden trachtet. In 
solchen Fällen fand ich, daß eine homosexuelle Beziehung in früher Kindheit 
die Möglichkeit geboten hatte, die Gefühle von Haß und Angst, die dem Penis 
des Vaters galten, zu mildern und den Glauben an den guten Penis zu verstärken. 
Auf diesem Verhältnis bauten sich die späteren homosexuellen Beziehungen auf. 
Diese sollten immer wieder eine Fülle von Beweisen erbringen, von denen ich 
einige, die ich allgemein wirksam fand, herausgreife: i) Daß der vermnerlichte 
und der reale väterliche Penis keinen gefährlichen Verfolger darstelle, a) für den 
Betreffenden selbst, b) für die Mutter; 2) daß auch der eigene Penis nicht 
destruktiv ist; 3) sollte die Angst des kleinen Knaben, daß seine sexuelle 
Beziehung zum Bruder (oder Brudersubstitut) entdeckt werden könnte und daß 
er aus dem Hause gejagt, kastriert oder getötet werden würde, 48 auch noch im 
Mannesalter durch den Umstand entkräftet werden, daß sich keinerlei böse 
Folgen aus den homosexuellen Akten ergaben; 4) befriedigte die homosexuelle 
Beziehung das Bedürfnis nach geheimen Verbündeten und Komplizen. Der 
sexuelle Akt mit dem Bruder oder Brudersubstitut bedeutete dem Patienten in 
der Kindheit eine gemeinsame Vernichtung der im Koitus befindlichen Eltern 
wie auch jeden Elternteiles einzeln. Hiebei spielte in der Phantasie der Liebes- 
partner zeitweise die Rolle des Vaters, mit dem — während und mittels des 
Aktes — geheime Angriffe gegen die Mutter unternommen wurden (wobei ein 
Elternteil gegen den anderen ausgespielt werden sollte), zeitweise die Rolle des 
Bruders, der mit ihm gemeinsam den väterlichen Penis in der Mutter und in 
seinem eigenen Leibesinnern angreifen und vernichten sollte. 

Das Gefühl, durch den Sexualakt (auf Grund der gemeinsamen sadistischen 
Masturbationsphantasien) eine Bundesgenossenschaft gegen die Eltern herzustellen, 
das mir von genereller Bedeutung für die sexuellen Beziehungen kleiner Kinder 



48) Hinter dieser Angst liegt die vor der Mutter als Rivalin, die den Sohn des 
Raubes und der Kastration des väterlichen Penis überführt. 



270 — 



zu sein scheint, 49 ist ein Moment, das enge Beziehung zu den paranoischen 
Mechanismen aufweist. In Fällen, in denen diese Mechanismen stark wirksam 
sind, werden Libidoposition und Objektbeziehung entscheidend von dem Antrieb 
nach geheimen Bundesgenossenschaften und Komplizen beeinflußt. Die Möglich- 
keit, in der Phantasie die Mutter als Verbündete gegen den Vater zu gewinnen 
(letzten Endes im Sexualakt mit ihr den in ihr befindlichen väterlichen Penis 
zu zerstören), kann dann zu einer Bedingung der heterosexuellen Position werden. 
Unter diesen Voraussetzungen kann die heterosexuelle Position auch bei starken 
paranoiden Zügen beibehalten werden. Hingegen trägt in den Fällen, in denen 
die Angst vor dem gefährlichen Mutterleib zu groß ist und die „gute" Mutter - 
Imago sich nicht entwickeln konnte, die Phantasie, sich mit dem Vater gegen 
die Mutter oder mit dem Bruder gegen die Eltern zu verbinden, zur Befestigung 
der homosexuellen Position bei. 

Der Antrieb, die Objekte auf geheime Art gegeneinander auszuspielen, sich 
durch geheime Bundesgenossen Macht über die Objekte zu verschaffen, geht nach 
meinen Erfahrungen auf die Allmachtsphantasien zurück, in denen mittels der 
Magie der Exkremente und Gedanken vergiftende Fäzes und Flatus in den 
Körper der Objekte befördert werden, um sie zu beherrschen und zu ver- 
nichten. Das Stuhlstück steht hiebei gewissermaßen im Dienste des Individuums, 
es führt seine geheimen Angriffe im Leibesinnern der Objekte aus und wird in 
diesen Phantasien gefährlichen (aber für das Ich hilfreichen) Objekten oder Tieren 
gleichgesetzt. Diese Allmacht- und Größenphantasien haben allem Anschein nach 
einen wesentlichen Anteil am Vergiftungs-, Verfolgungs- und Beziehungswahn. 
Sie lösen die Angst vor analogen geheimen Angriffen seitens der Objekte als 
Verfolger aus. 50 Hiezu kommt, wie ich in einigen Fällen fand, die Angst vor 
den eigenen Exkrementen, die sich verräterisch und feindlich gegen das Ich 
wenden könnten. Ich habe in Analysen von Erwachsenen und Kindern zum 
Beispiel auch die Angst kennengelernt, daß die Fäzes sich gewissermaßen selb- 
ständig gemacht hätten, nicht mehr beherrscht werden könnten und nun gegen 
den "Willen des Ichs in der Außenwelt und im Innern der Objekte Unheil und 
Zerstörung anrichteten. In diesen Fällen waren die Fäzes kleinen Tieren, Fliegen, 
Ungeziefer, vielfach auch Ratten und Mäusen gleichgesetzt. 61 

49 ) Siehe Kap. VII. 

50) Siehe Kap. VIII. 

51) Zum Beispiel hatte einer meiner Analysanden — der fünfjährige Franz — , bei 
dem die Analyse starke psychotische Züge aufdeckte, im Dunkeln Angst vor Scharen 
von Ratten und Mäusen, die aus dem Nebenzimmer in sein Zimmer kommen und ihn 
im Bett angreifen würden. Er stellte sich vor, daß ein Teil der Tiere ihn von oben, 
der andere Teil ihn von unten überfallen würden. Die Ratten stellten die Fäzes dar, 
die, von den Eltern entsendet, in seinen Anus und seine übrigen Körperöffnungen ein- 
dringen würden. Dieser Angstinhalt war die Folgewirkung der analogen sadistischen 
Phantasien gegen die Eltern. 

— 371 — 



In den Fällen, in denen die paranoide Angst vor dem Stuhlstück und dem 
Penis als Verfolger dominiert, stellt das homosexuelle Liebesobjekt vorwiegend 
einen Bundesgenossen gegen die Verfolger dar. Das libidinöse Begehren nach dem 
guten Penis ist dann stark überkompensiert und dient dazu, die Gefühle von 
Haß und Angst dem „bösen" Penis gegenüber zu verdecken. 

Versagt die Überkompensierung, so setzen sich Haß und Angst in der 
Beziehung zum Liebesobjekt durch und bewirken die paranoische Umwandlung 
des Liebesobjektes in den Verfolger. 52 

Diese Mechanismen, die in Fällen von paranoidem Charakter dominieren, 
sind in geringerem Maße bei jeder homosexuellen Betätigung wirksam. Der 
Sexualakt mit anderen Männern dient in der Phantasie immer zum Teil auch 
der Befriedigung der sadistischen Regungen und den Beweisen im Sinne des 
destruktiven Allmachtglaubens. Die positive libidinöse Beziehung zum „guten" 
Penis als Liebesobjekt in der Außenwelt verdeckt — je nach den Haßquantitäten 
in verschiedenem Grade — nicht nur den Haß gegen den väterlichen Penis, 
sondern auch die destruktiven Regungen gegen den Liebespartner und die aus 
diesen Regungen resultierende Angst vor diesem. 

Felix B o e h m beschäftigt sich in seiner Arbeit: „Homosexualität und Ödipus- 
komplex" ausführlich mit der „Rolle der Seite der ödipussituation, welche aus 
Haß gegen den Vater, aus Todes- und aktiven Kastrationswünschen besteht". 53 
Er zeigt unter anderem, daß der homosexuelle Akt in vielen Fällen dem 
Bestreben dient: i) den Partner für den heterosexuellen Akt impotent zu machen, 
2) ihn zu kastrieren. Im ersteren Falle handle es sich vorwiegend darum, den 
Partner von Frauen fernzuhalten, im zweiten Falle außerdem auch darum, 
den Penis des Partners sich anzueignen, um die eigene Potenz im Verkehr mit 
Frauen zu erhöhen. 

Nach meinen Erfahrungen tritt zu der primären Eifersucht auf den Vater, 
aus der der Wunsch entspringt, andere Männer von der Frau (Mutter, Schwester) 
fernzuhalten, die Angst vor den Gefahren, die der Mutter aus dem Koitus mit 
dem Vater erwachsen könnten. Da aber diese Gefahr nicht nur vom Penis des 
Vaters, sondern auch vom eigenen als sadistisch empfundenen Penis erwartet 
wird, so ergibt sich hieraus ein sehr wesentlicher Antrieb für die Wendung zur 
Homosexualität. 54 Diese bedeutet, wie ich in Analysen von Knaben und Männern 

J2) Siehe Kap. IX. 

53) Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XII, 1926. 

54) Freud hat darauf hingewiesen, daß in manchen Fällen die überwundene 
Rivalität und die verdrängte Aggressionsneigung zur homosexuellen Objektwahl bei- 
tragen. (Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und Homosexualität. 
Ges. Sehr., Bd. V.) Die Rolle der Rivalität mit dem Vater sowie der aktiven Kastrations- 
wunsche gegen ihn für die Entstehung der Homosexualität hat S ad g er hervorgehoben. 
(Ein Fall von multipler Perversion mit hysterischen Absenzen. Jahrb. f. PsA., Bd. II, 

— 37a — 



fand, immer auch eine unbewußte Einigung mit Vater und Brüdern, dahingehend, 
daß alle gemeinsam auf den Sexualverkehr mit der Mutter oder Schwester ver- 
zichten, um die Mutter zu schonen, und sich dafür miteinander schadlos halten. 
Die Tendenz, die Boehm im zweiten Fall, den ich hier aus seinen Ausführungen 
herausgriff, wirksam fand, nämlich sich durch die Kastration des Vaters zu 
bereichern und mittels des väterlichen Penis im Sexualverkehr mit der Mutter 
potent zu sein, halte ich nach meinen Erfahrungen ebenfalls für ein Moment, 
das die Wendung zur Homosexualität begünstigt. In einigen Fällen fand ich, 
daß es sich dabei nicht nur um die Aneignung eines besonders potenten Penis, 
sondern auch darum handelte, die ungeheuren Mengen an Samen aufzuspeichern, 
die auf Grund der Phantasien des kleinen Kindes erforderlich wären, um die 
Mutter befriedigen zu können. 55 Hiezu kommt der Wunsch, gute Penisse, guten 
Samen zur Heilung des eigenen Leibesinnern in sich aufzunehmen. Zu diesem 
Wunsch trägt (wenn die genitale Stufe vorherrscht) bei, daß ein intaktes Leibes- 
inneres auch die Möglichkeit gäbe, der Mutter „guten" Samen und Kinder im 
Koitus zu spenden, wodurch wiederum die Potenz in der heterosexuellen Position 
erhöht würde. Dominiert hingegen der Sadismus, so dient das Bestreben, sich 
im homosexuellen Akt den väterlichen Penis und seinen Samen anzueignen, auch 
zum Teil einem heterosexuellen Ziel. Es soll dann die Möglichkeit bieten, in 
Identifizierung mit einem sadistischen Vater die Mutter im Koitus zu zerstören. 

Als einen generellen Antrieb für den Sexualakt habe ich an früheren Stellen 
dieses Buches die Wißbegierde hervorgehoben. Die bei der homosexuellen Betäti- 
gung erfolgende Befriedigung der Wißbegierde dient aber zum Teil auch dem 
Bestreben, in der heterosexuellen Position leistungsfähiger zu werden. Der homo- 
sexuelle Akt soll die in früher Kindheit herbeigewünschte Möglichheit bieten, zu 
sehen, was den väterlichen Penis vom eigenen unterscheide, und zu wissen, wie 
der väterliche Penis im Koitus mit der Mutter funktioniere; er dient also dem 
Wunsch, im Verkehr mit der Mutter geschickter und potenter zu werden. 56 

Ich will nun an dem Auszug aus einer Krankengeschichte die Bedeutung 

1910.) Ferenczi weist darauf hin, daß bei Homosexuellen neben sexuell-grausamen 
Angriffsphantasien gegen die Mutter grausame Todeswünsche gegen den Vater vorliegen. 
(Zur Nosologie der männlichen Homosexualität. Int. Ztschr. f. PsA., Bd. II, 1914.) Ernest 
Jones hat gezeigt, daß der orale Sadismus ein grundlegender Faktor für die Homo- 
sexualität der Frau ist. (Die erste Entwicklung der weiblichen Sexualität. Int. Ztschr. f. 
PsA., Bd. XIV, 1928.) 

5j) Das Mißverhältnis zwischen diesen Phantasien über einen ungeheuren väterlichen 
Penis und riesige Mengen an Samen, die zur Befriedigung der Mutter dienen, und dem 
Gefühl, selbst einen ganz kleinen Penis zu besitzen, trägt zur Entwicklung der 
Impotenz bei. 

56) Felix Boehm berichtet (1. c.) auch von einem Patienten, der bei seinen homo- 
sexuellen Beziehungen unter anderem bezweckte, von anderen Männern deren „Technik 
des Verkehrs mit Frauen" zu erlernen. 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

— 873 — 18 



einiger der hier angeführten Momente für die Wendung zur Homosexualität 
illustrieren. 

Bruchstücke aus einer Krankengeschichte. Mr. B., ein 
Mann Mitte der Dreißig, suchte die analytische Behandlung wegen einer schweren 
Arbeitshemmung und starken Depression auf. Die Arbeitshemmung, die schon 
längere Zeit bestand, hatte sich im Zusammenhang mit einem Erlebnis, auf 
das ich später eingehen werde, dermaßen gesteigert, daß Mr. B. sich genötigt 
sah, seine wissenschaftliche Forschungstätigkeit aufzugeben und sein Lehramt 
niederzulegen. Es zeigte sich, daß bei einem vollen Gelingen der Charakter- 
entwicklung, bei einer sehr günstigen Ichentwicklung und ungewöhnlichen intel- 
lektuellen Begabung schwere Störungen der psychischen Gesundheit vorlagen. 
Von früher Kindheit an bestand eine Neigung zu Depressionen. Diese hatten 
sich in den letzten Jahren so sehr gesteigert, daß sie zu einer allgemeinen, stark 
depressiven Einstellung und zu weitgehender Abschließung von anderen Menschen 
geführt hatten. Mr. B.s (rationell durchaus unbegründete) Angst, durch seine 
äußere Erscheinung abschreckend zu wirken, trug wesentlich dazu bei, ihm den 
Umgang mit anderen Menschen immer mehr zu verleiden. Es lag auch eine 
schwere Zweifelsucht vor, die sich in wachsendem Maße auf alle intellektuellen 
Interessen erstreckte und für den Patienten besonders qualvoll war. Hinter diesen 
deutlicher hervortretenden Krankheitserscheinungen deckte die Analyse eine 
schwere Hypochondrie, 57 ferner starke Verfolgungs- und Beziehungsideen auf, 
die zeitweise einen wahnhaften Charakter trugen, zu denen sich aber Mr. B. 
merkwürdig gleichgültig verhielt. Er gewann zum Beispiel auf einer Reise bei 
längerem Aufenthalt in einer Pension den Eindruck, daß eine Frau, die zu den 
Pensionsgästen gehörte, ihm sexuell nachstelle und ihm audi nach dem Leben 
trachte. Ein harmloses Unwohlsein führte er darauf zurück, daß ein Laib Brot, 
den ihm diese Frau besorgt hatte, vergiftet gewesen sei. Mr. B. verließ unter 
diesem Eindruck die Pension sogleich, kehrte jedoch im darauffolgenden Jahre 
wieder dahin zurück. Er tat dies, wiewohl es ihm klar war, daß er dieser 
Frau, die ein Stammgast der Pension war, wieder begegnen würde. Dies war 
auch der Fall, und es kam nun zu einem regeren gesellschaftlichen Verkehr mit 
ihr, der zu einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen ihnen führte. Dabei 
hatte aber Mr. B. den Verdacht, daß es sich im Vorjahre um einen Vergiftungs- 
versuch seitens der Frau gehandelt habe, keineswegs aufgegeben. Er meinte aber, 
daß sie nun, da sie so gut miteinander stünden, diesen Versuch nicht mehr 
wiederholen würde. Das Auffallende war, daß er der Frau diesen vermeint- 
lichen Mordversuch nicht übelgenommen hatte. Dies lag zum Teil an der bei ihm 

57) Mr. B.'s Sorge um seine äußere Erscheinung (mit der er stets in Gedanken be- 
schäftigt war) erwies sich als eine Verschiebung der Sorge um sein Leibesinneres und im 
Zusammenhang damit seiner hypochondrischen Angst auf sein Äußeres. 

— 274 — 



bestehenden weitgehenden Affektverschiebung, zum Teil an seiner nachsichtigen 
Einfühlung in das Seelenleben anderer Menschen. Neben diesen Momenten trug 
auch die außerordentliche Fähigkeit zur Dissimulation, die Mr. B. bekundete, 
dazu bei, daß seine Verfolgungs- und Beziehungsideen, seine hypochondrische 
Angst, ja bis zu einem gewissen Grade sogar seine starken zwangsneurotischen 
Symptome selbst seiner nächsten Umgebung nicht offenkundig wurden. Diese 
Fähigkeit zur Dissimulation hing mit der starken Wirksamkeit paranoider Züge 
zusammen. Mr. B., der sich von anderen beobachtet und belauert fühlte und 
sehr mißtrauisch war, wußte infolge seines großen psychologischen Verständnisses 
genau, in welcher Weise er seine Gedanken und Gefühle erfolgreich zu ver- 
bergen habe. Neben dieser Fähigkeit zur Berechnung und Dissimulation lag aber 
auch eine große Spontaneität vor. Sie ging auf die positive Objektbeziehung 
und — letzten Endes — auf die starke hoffnungsvolle Strömung zurück, die 
ursprünglich im Seelenleben von Mr. B. bestand und ermöglicht hatte, das Krank- 
heitsbild zu verdecken. In den letzten Jahren hatte sie sich allerdings kaum mehr 
durchsetzen können. 

Mr.B. war ein echter Homosexueller. Während er menschlich zu Frauen 
— ebenso wie zu Männern — gute Beziehungen unterhielt, 68 lehnte er die Frau 
als Sexualobjekt so völlig ab, daß es ihm unbegreiflich erschien, wieso sie über- 
haupt ein Gegenstand der Anziehung sein konnte. 59 Die Frau erschien ihm 
physisch als ein ganz fremdartiges, unheimliches und unerforschliches Wesen. 
Er fand den weiblichen Körperbau abstoßend, ja sogar unbegreiflich, wobei seine 
Abneigung insbesondere den Brüsten, dem weiblichen Gesäß und dem Mangel 
eines Penis galt. 60 Die Abneigung gegen die Brüste und das Gesäß ging auf 
intensive sadistische Antriebe zurück. Phantasien, diese „vorstehenden Körper- 
teile" so lange zu schlagen, bis sie gewissermaßen „hineingeschlagen" und auf 
diese Weise „vermindert" wären — dann könnte er die Frau vielleicht lieben — , 
erwiesen sich durch die unbewußte Vorstellung determiniert, daß die Frau voll 
von Penissen des Vaters und gefährlichen, dem Penis gleichgesetzten Exkrementen 
sei. Diese hätten ihren Körper überfüllt und gesprengt und stünden nun aus 



58) Diese gute Objektbeziehung zu Männern und Frauen war aber zeitweise schweren 
Störungen unterworfen. Dann zog Mr. B. sich vom Verkehr mit anderen Menschen soweit 
als möglich zurück. 

59) Es war zwar einige Male in seinem Leben zu einem Geschlechtsverkehr mit 
Frauen gekommen, der ihn aber nie wirklich befriedigt hatte. Die Neugierde, ferner der 
Wunsch, es anderen — heterosexuellen — Männern gleichzutun, insbesondere aber das 
Bestreben, die Frauen, die in diesen Fällen Entgegenkommen gezeigt hatten, nicht zu 
verletzen, waren die hauptsächlichen Motive für die flüchtigen heterosexuellen Erlebnisse 
gewesen. 

60) Ich gehe später darauf ein, weshalb Mr. B. den Penismangel der Frau so anest- 
erregend empfand. 

— 275 — J8* 



ihrem Innern vor. Der Haß gegen die Vorsprünge am weiblichen Körper galt 
den verinnerlichten und wieder hervorgetretenen Penissen des Vaters. 61 Das 
Leibesinnere der Frau war in Mr. B.s Phantasie ein Raum von unendlicher und 
unerforschlicher "Weite, eine Stätte von Gefahren und Tod. Die Frau, die in 
ihrem Innern diese schreckenerregenden Penisse und gefährlichen Exkremente 
barg, bedeutete ihm nur eine Hülle für diese. Die zarte Gesichtshaut der Frau 
und andere Einzelheiten der weiblichen Erscheinung hielt er für eine ganz ober- 
flächliche Verhüllung der in ihrem Innern sich vollziehenden Zerstörung. Er 
empfand deshalb diese Einzelheiten, die ihm an sich gefielen, als beängstigend, 
weil sie ihm eigentlich eine Verstellung seitens der Frau bedeuteten. 

Die Verschiebung vom angsterregenden Penis des Vaters auf den Mutterleib 
erstreckte sich (infolge der Gleichsetzung Stuhlstück = Penis) auch auf die als 
vergiftend und gefährlich empfundenen Exkremente. Auf diese "Weise wurde 
alles Gehaßte und Angsterregende im Mutterleib gewissermaßen verdeckt und 
aufgehoben. Das Mißlingen dieser so weitgehenden Verschiebung dokumentierte 
sich auch darin, daß — wie Mr. B. es empfand — diese versteckten Angstobjekte 
am Körper der Mutter in Form der Brüste und des Gesäßes wieder sichtbar 
wurden. Sie bedeuteten ihm Verfolger, die aus dem Körper der Frau heraus- 
lugten und ihn belauerten. Der Patient fügte mit deutlichem "Widerwillen und 
mit Angst hinzu, er würde sich nicht einmal trauen, sie zu schlagen oder an- 
zugreifen, weil er zu große Angst hätte, sie zu berühren. Zugleich mit dieser 
Verschiebung alles Angsterregenden auf den Mutterleib, eine Verschiebung, die 
diesen in einen Gegenstand der Abneigung verwandelte, war eine weitgehende 
Idealisierung des Penis und des Mannes vor sich gegangen. Der Mann, bei dem 
alles klar und deutlich zu erkennen ist, der keine Geheimnisse in seinem Innern 
birgt, bedeutete dem Patienten das natürliche und schöne "Wesen. 62 

Der Verschiebung alles Angsterregenden vom Körper des Vaters auf das 
Innere des Mutterleibes entsprach am eigenen Leib eine sehr starke Verdrängung 
alles dessen, was das Innere betraf, und eine erhöhte Konzentration auf alles 
Sichtbare, insbesondere auf den Penis. "Wie stark aber auch in dieser Hinsicht 
seine Zweifel waren, geht daraus hervor, daß Mr. B., als er etwa fünf Jahre alt 

61) Audi bei Mr. A. erwiesen sich sadistische Regungen gegen das weibliche Gesäß 
durch die gleiche Phantasie determiniert. Es zeigte sich mir ferner, wie ich im ersten 
Teil dieses Buches (Kap. IV) erwähnte, daß der Kopf, die Arme, Hände, Füße der Frau 
in vielen Fällen neben ihrer realen Bedeutung auch die unbewußte Bedeutung des intro- 
jizierten und wieder hervortretenden väterlichen Penis annehmen. Die Gliedmaßen (so 
zum Beispiel die beiden Beine, Füße, Arme, oder auch die einzelnen Finger) haben auch 
vielfach die Bedeutung beider verinnerlichten Elternteile. 

62) Da der Penisbesitz so stark der Angstbewältigung diente, verstärkten sich bei 
Mr. B. alle dem Inneren des Mutterleibes geltenden Angstinhalte durch die Tatsache, 
daß die Frau keinen Penis besitzt. 

— 276 — 



war, an die Nurse die Frage richtete, was sie für „schlimmer halte, hinten oder 
vorne" (gemeint war Anus oder Genitale). Der Knabe war sehr betroffen, als 
die Nurse erwiderte „vorne sei schlimmer", Mr. B. hatte auch folgendes Bild 
in Erinnerung behalten: er stand als etwa achtjähriger Knabe auf dem Treppen- 
flur, schaute in das Treppenhaus hinunter 63 und haßte sich selbst und die 
schwarzen Strümpfe, die er anhatte. 

Das Innere des Elternhauses war dem kleinen Knaben immer als besonders 
düster — wie sich erwies als tot — erschienen. Die Assoziationen zu dieser Er- 
innerung ergaben, daß er sich für die Düsterkeit des Hauses — vielmehr für die 
Zerstörung im Mutterleibe und im eigenen Leibe, die durch das düstere Haus 
symbolisiert waren — wegen seiner gefährlichen, die Mutter und ihn selbst 
beschädigenden Exkremente (die schwarzen Strümpfe) verantwortlich fühlte. 
Infolge der so weitgehenden Verdrängung des „Innern" und der Verschiebung 
vom Innern auf das „Äußere" wurde das Äußere zum Gegenstand von Haß 
und Angst, und zwar nicht nur sein eigenes Äußere, das ihn stets beschäftigte 
und ihm Sorge bereitete, sondern auch sonstige Dinge. Zum Beispiel haßte er 
ebenso intensiv wie die schwarzen Strümpfe auch andere Bekleidungsgegenstände, 
insbesondere seine Unterwäsche, und zwar in einer Art, als ob diese Dinge seine 
Feinde wären. Er fühlte sich von diesen Gegenständen, die dicht seinen Körper 
umschlossen, bedrängt, 64 und fand, daß sie auf ihm lasteten. Sie stellten die ver- 
innerlichten, ihn von innen verfolgenden Imagines und Exkremente dar. Infolge 
der Verschiebung der Angst vor inneren Gefahren nach außen waren die inneren 
Feinde zu äußeren Angreifern geworden. 

Ich gehe nun näher auf die Struktur des Falles ein. Der Patient war mit der 
Flasche auferzogen worden. Der Umstand, daß die libidinöse Komponente von 
der Mutter nicht befriedigt worden war, hatte die oralsaugende Fixierung an 
die Mutterbrust verhindert. Es ergab sich aus Phantasien des Patienten, daß 
er die weiblichen Brüste Harpyien gleichsetzte. Die infolge der libidinösen Ver- 
sagung gesteigerten destruktiven Regungen gegen die Mutterbrust hatten diese 
in gefährliche Tiere verwandelt. Hiedurch war aber die Gleichsetzung der Brust 
mit dem gefährlichen (in den Mutterleib verlegten und wieder hervorgetretenen) 

63) Das Hinunterschauen bedeutete ein „Nach-innen-Schauen". Ich habe auch in 
anderen Fällen festgestellt, daß zum Beispiel ein In-die-Ferne-Starren für Introspektion 
steht. Es scheint, daß für das Unbewußte nichts weiter entfernt und nichts unergründlicher 
ist als das Innere des Mutterleibes, insbesondere aber das des eigenen Leibes. 

64) Ich fand auch in anderen Analysen (von Kindern und Erwachsenen), daß den 
Körper von außen anschließende Dinge häufig für den Körperinhalt stehen. Zum Beispiel 
verfertigte einer meiner Patienten, der sechsjährige Günther, immer wieder Papier- 
schlangen, die er um seinen Hals wand und dann zerriß. Auf diese Weise bewältigte er 
seine Angst nicht nur vor dem väterlichen Penis, der ihn von außen würgte, sondern 
auch vor dem verinnerlichten, ihn erstickenden und zerstörenden väterlichen Penis. 

— 277 — 



väterlichen Penis begünstigt worden. Hingegen wurde der Lutscher und das 
Mundstück der Flasche sehr bald dem „guten" Penis gleichgesetzt, dem sich 
— infolge der Versagung der Mutterbrust — der Patient mit besonderer Inten- 
sität als Objekt der oralsaugenden Befriedigung zuwandte. Die Wendung zur 
Homosexualität wurde stark dadurch begünstigt, daß mein Patient von seinem 
um zwei Jahre älteren Bruder Leslie sehr früh — etwa im zweiten Lebens- 
jahre — verführt worden war. Da die Fellatio ihm die Befriedigung des vorher 
nicht genügend befriedigten oralsaugenden Begehrens bot, trug dieses Erlebnis zu 
einer überstarken Fixierung an den Penis bei. Hiezu kam, daß der Vater, ein 
wortkarger und in seinen Gefühlsäußerungen sehr zurückhaltender Mann, unter 
dem Einfluß seines jüngsten Sohnes zärtlicher und zugänglicher wurde. Der Kleine 
hatte sich zum Ziel gesetzt, den Vater zu erobern, und es gelang ihm auch. In 
der Analyse ergab sich, daß dieser Sieg von ihm als Beweis dafür gewertet 
wurde, daß sich der „böse" väterliche Penis in einen „guten" verwandeln läßt. 
Das Bestreben, eine solche Umwandlung zu bewerkstelligen (und dadurch zahl- 
reiche Angstinhalte zu entkräften), bildete später auch einen Antrieb für die 
homosexuellen Beziehungen von Mr. B. 

Mr. B. hatte zwei Brüder. Für den um zwei Jahre älteren Leslie empfand er 
schon als kleiner Knabe große Verehrung und Liebe. Leslie wurde für ihn (wohl 
auch zum Teil infolge der sehr frühen Befriedigung des oralen Begehrens, die 
er ihm durch den Sexualakt geboten hatte) zum Vertreter des „guten" Penis. 
Es war sein größter Ehrgeiz, diesem Bruder intellektuell nachzueifern und seiner 
Freundschaft würdig zu werden. Er wählte auch den gleichen Beruf, wie ihn 
Leslie hatte. Ganz anderer Art war das Verhältnis zum zweiten Bruder, dem 
um vier Jahre älteren David. Dieser stammte aus der ersten Ehe des Vaters, 
und Mr. B. hatte — wohl mit Grund — den Eindruck, daß die Mutter die 
eigenen Söhne bevorzuge. Mr. B. liebte diesen Bruder nicht und hatte es trotz 
des Altersunterschiedes schon als kleiner Knabe verstanden, ihn zu beherrschen. 
Dies lag zum Teil an der mäsochistischen Einstellung des Bruders, zum Teil 
aber auch daran, daß Mr. B. ihm geistig weit überlegen war. An David, mit 
dem ebenfalls schon im frühen Kindesalter eine sexuelle Beziehung bestanden 
hatte, 65 betätigte Mr. B. seine sadistischen Impulse gegen den „bösen" Penis. 
Zugleich bedeutete David für ihn die gefährliche (die Penisse des Vaters ent- 
haltende) Mutter. Die Brüder stellten für Mr. B. nämlich auch Substitute für 

65) Die sexuelle Beziehung zu beiden Brüdern wurde nicht über die erste Kindheits- 
periode hinaus fortgesetzt. Es lag auch keine bewußte Erinnerung an die mit den 
Brüdern ausgeführten sexuellen Akte vor. Dagegen erinnerte sich Mr. B. ganz deutlich 
und mit Einzelheiten daran, daß er den Bruder D. sehr gequält habe. Diese Quälereien 
standen aber, wie die Analyse ergab, in engster Verbindung mit der in Vergessenheit 
geratenen sexuellen Beziehung. 

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beide Elternteile dar, allerdings für die phantastischen Elternimagines. Während 
in der Realität Mr. B. seiner Mutter zärtlich zugetan war und sie viel mehr 
liebte als den Vater, bestanden im Gegensatz dazu — wie ich früher aus- 
führte — die phantastischen Imagines von dem magischen „guten" Penis (Vater) 
und der schreckenerregenden Mutter. Die Beziehung zu diesen Imagines betätigte 
Mr. B. im Verhältnis zu den Brüdern. Er liebte David auch später nicht, wie 
die Analyse erwies, zum Teil deshalb, weil er sich ihm gegenüber so sehr 
schuldig fühlte. 

Während also eine Anzahl von Momenten die Wendung zur Homosexualität 
begünstigten, wirkten andrerseits schon sehr früh äußere Einflüsse der Befestigung 
der heterosexuellen Position entgegen. Die Mutter war wohl liebevoll mit dem 
Knaben, aber er gewann sehr bald Beweise dafür, daß sie den Vater nicht 
eigentlich liebe und auch eine Aversion gegen das männliche Genitale im all- 
gemeinen habe. Er hatte — allem Anschein nach begründeterweise — den Ein- 
druck, daß die Mutter frigide sei und auch seine eigenen sexuellen Wünsche 
mißbillige und ablehne. Ihre sehr ausgesprochene Ordnungs- und Reinlichkeits- 
liebe wirkte im gleichen Sinne. Hiezu kam, daß die Nurses, die das Kind in 
früher Kindheit hatte, die gleiche ablehnende Haltung gegen alles Sexuelle und 
Triebhafte einnahmen. (Dies geht auch aus der Antwort hervor, die die Nurse 
dem Kinde auf die Frage gab, „was ärger sei, vorne oder hinten".) Ein weiteres 
Moment, das der Befestigung der heterosexuellen Position entgegenwirkte, war 
das Fehlen eines weiblichen Spielkameraden. Ohne Zweifel hätte sich die Angst 
vor dem geheimnisvollen Leibesinnern der Frau wesentlich vermindert, wäre 
der Knabe mit einer Schwester zusammen aufgewachsen. Dann hätte er auch 
wohl viel früher seine sexuelle Neugierde hinsichtlich des weiblichen Genitales 
befriedigt. (Er war etwa zwanzig Jahre alt, als er beim Anblick des Bildes 
einer nackten Frau zuerst bewußt feststellte, worin sich der Körperbau der Frau 
von dem des Mannes unterscheide.) Es ergab sich in der Analyse, daß die weiten, 
bauschigen Röcke der Frauen in der Phantasie des Knaben die geheimnisvolle 
und gefährliche Weite des weiblichen Leibesinnern ins Unendliche vergrößert 
hatten. Das „Nichtwissen" um diese Dinge, das aus Angst entsprang, aber durch 
die eben beschriebenen äußeren Momente begünstigt wurde, hatte die Ablehnung 
der Frau als Sexualobjekt verstärkt. 

In meiner Darstellung der männlichen Entwicklung habe ich gezeigt, daß die 
Zentralisierung der sadistischen Allmacht in der Repräsentanz des Penis ein 
Moment ist, das für die Befestigung der heterosexuellen Position wesentlich ist. 
Eben dort habe ich darauf hingewiesen, daß diese Zentralisierung mit der 
genügend entwickelten Fähigkeit des Ichs zusammenhängt, auf den frühen Stufen 
den Sadismus zu tolerieren und Angst zu ertragen. Diese Fähigkeit war bei 
Mr. B. gering. Die Allmacht der Exkremente war bei ihm stärker entwickelt, als 

— a 79 — 



es normalerweise beim Knaben der Fall ist. 66 Hiezu kommt, daß die genitalen 
Regungen und die Schuldgefühle sich sehr früh stark durchgesetzt hatten, und 
daß auch bald eine gute Objektbeziehung und Realitätsanpassung zustande kam. 
Dies befähigte das früh erstarkte Ich, eine vehemente Verdrängung der sadisti- 
schen Regungen — insbesondere der auf die Mutter gerichteten — vorzunehmen. 
Die sadistischen Regungen konnten sich deshalb auch nicht genügend mit den 
realen Objekten verknüpfen, sondern blieben vorwiegend an die phantastischen 
Imagines geheftet. Dies galt insbesondere von der Mutter. So kam es, daß neben 
der guten Beziehung zu den Objekten beiderlei Geschlechtes die tiefe und 
dominierende Angst vor den bösen phantastischen Imagines der Objekte bestehen 
blieb, 67 ohne daß es zu einer genügenden gegenseitigen Durchdringung der neben- 
einanderlaufenden Strömungen der Objektbeziehung gekommen wäre. 

Die Funktion des Penis als eines Exekutivorgans des Sadismus, des weiteren 
aber die Tendenzen, die Mutter im Sexualakt mittels eines guten Penis wieder- 
herzustellen, wurden auch aus diesen Gründen unterbunden. 68 Der Sadismus dem 
väterlichen Penis gegenüber wurde weit weniger stark verdrängt. Dennoch 
vermochten sich die direkten ödipusregungen bei Mr. B. nicht genügend durch- 
zusetzen, da die früher angeführten Momente zu stark der heterosexuellen 
Position entgegenwirkten. Der Haß gegen den Penis des Vaters konnte deshalb 
nicht die normale Verarbeitung finden. Er wurde zum Teil durch den Glauben 
an den „guten" Penis überkompensiert, der die Basis für die homosexuelle 
Position bildete. 

Auf der Flucht vor allem Analen und dem Körperinnern, begünstigt durch 
die sehr starke oralsaugende Fixierung an den Penis und die übrigen, früher 
aufgezählten Entwicklungsmomente, hatte sich in diesem Falle schon sehr früh 
eine große Bewunderung für den Penis anderer Knaben entwickelt, die sich in 
einzelnen Fällen bis zu einer Anbetung des Penis steigerte. Die Analyse erwies 
aber, daß andrerseits der Penis als Folge der so weitgehenden Verdrängung des 
Analen starke anale Qualitäten angenommen hatte. Seinen eigenen Penis hielt 
Mr. B. für minderwertig und häßlich (wie sich ergab, für durch und durch 
schmutzig = anal). Aber auch die Bewunderung für den Penis anderer Knaben 



66) Damit hing aber auch zusammen, daß die femininen Züge stärker hervortraten 
und auch die Sublimierungen einen vorwiegend weiblichen Einschlag aufwiesen. Ich gehe 
hierauf später ein. 

67) Das Mißlingen der Über-Ich-Bildung (d. h. die überstarke Wirksamkeit der 
frühesten Angstsituationen) hatte bei Mr. B. nicht nur zu schweren Störungen der psychi- 
schen Gesundheit, zum Mißlingen der Sexualentwicklung und zur Hemmung der Arbeits- 
fähigkeit geführt, sondern war auch die Ursache dafür, daß die an sich gute Objekt- 
beziehung zeitweise schweren Störungen unterworfen war. 

68) Ich habe in meiner Darstellung der weiblichen Sexualentwicklung auf einige 
Faktoren hingewiesen, die bei beiden Geschlechtern eine Wiederherstellung des Objektes 
durch den Sexualakt ermöglichen. 



und Männer war an bestimmte Bedingungen gebunden. Der diesen Bedingungen 
nicht entsprechende Penis wurde als abstoßend empfunden, d. h. er hatte alle 
Qualitäten des gefährlichen väterlichen Penis und des bösen Stuhlstückes an- 
genommen. Trotz dieser Einschränkungen war eine ziemlich gut befestigte homo- 
sexuelle Position zustande gekommen. Auch bestand kein bewußtes Schuld- oder 
Minderwertigkeitsgefühl wegen der homosexuellen Betätigungen. Dies lag daran, 
daß die "Wiedergutmachungstendenzen, cjie sich in der heterosexuellen Position 
nicht hatten durchsetzen können, sich stark in der homosexuellen Betätigung 
von Mr. B. geltend machten. 

Zwei Typen herrschten in Mr. B.s Liebesleben vor. Der eine Typus, dem er 
sich seit seiner Schulzeit immer wieder zuwendete, waren Knaben (später 
Männer), die nicht anziehend waren und sich auch mit gutem Grund zurück- 
gesetzt fühlten. Dieser Typus entsprach seinem Bruder D. Die sexuelle Beziehung 
bereitete Mr. B. in diesen Fällen keine Befriedigung, weil die sadistischen 
Impulse sich zu stark durchsetzten. Es war Mr. B. auch bewußt, daß er in 
diesen Fällen den Partner seine Überlegenheit fühlen ließ und ihn auf ver- 
schiedene Art quälen wollte. Zugleich nahm er sich aber dieser Liebesobjekte in 
jeder Weise an, beeinflußte sie psychisch günstig, half ihnen usw. Der andere 
Typus entsprach dem Bruder Leslie. In diesen Beziehungen kam es zu einer 
starken Liebesbindung und zu einer ausgesprochenen Anbetung des Penis. 69 

In beiderlei Beziehungen befriedigte Mr. B. seine "Wiedergutmachungstendenzen 
und beruhigte seine Angst. Im ersteren Falle stellte der sexuelle Akt für ihn die 
"Wiederherstellung des Penis des Bruders David (und des Vaters) dar, den er 
infolge der starken sadistischen Regungen gegen diese als zerstört empfand. 
Zugleich identifizierte er sich selbst mit diesem minderwertigen und kastrierten 
Objekt. Der Haß, den er diesem gegenüber empfand, galt auch ihm selbst; die 
"Wiederherstellung des Penis bedeutete auch die seines eigenen Genitales. Die 
"Wiedergutmachungsbestrebungen dem Penis gegenüber dienten aber letzten Endes 
der "Wiederherstellung der Mutter. Es zeigte sich nämlich, daß Mr. B. sich für die 
Kastration des "Vaters und des Bruders, die auch zugleich einen 
Angriff auf die im Mutterleib befindlichen Kinder bedeutete, 
der Mutter gegenüber schwer schuldig fühlte. Indem er den 
Penis des Vaters und des Bruders wiederherstellte, wollte er der Mutter einen 
heilen Vater, heile Kinder und ein intaktes Leibesinnere wiedergehen. Die 
"Wiederherstellung des Penis bedeutete aber für ihn darüber hinaus, daß er selbst 
nun den guten Penis besitze und die Mutter sexuell befriedigen könne. 

69) Einmal kam es auch zu einer Beziehung mit einem Liebesobjekt, das einem 
dritten Typus, und zwar dem Vatertypus entsprach. In diesem Falle kam die Beziehung 
eigentlich gegen den "Willen meines Patienten zustande. Er vermochte sich ihr nicht 
zu entziehen und sie löste starke Angst in ihm aus. 



In der Beziehung zum Typus Leslie traten die Wiederherstellungstendenzen 
weniger stark hervor, denn es handelte sich in diesem Falle um den „voll- 
kommenen" Penis. Dieser bewunderte Penis bedeutete für ihn eine Fülle von 
magischen Beweisen gegen alle Angstinhalte. Da er sich mit seinem Liebesobjekt 
auch in diesem Falle identifizierte, wurde der „vollkommene" Penis für ihn zum 
Beweis, daß auch sein Penis vollkommen sei; er bewies ferner, daß der väterliche 
Penis und der Penis des Bruders intakt seien, bestärkte im allgemeinen den 
Glauben an den „guten" Penis und an den unversehrten Leib der Mutter. Auch 
in der Beziehung zum bewunderten Penis setzten sich unbewußt sadistische 
Regungen durch. Die homosexuelle Betätigung bedeutete auch in diesem Falle 
zugleich eine Kastration des Liebesobjektes, und zwar zum Teil aus Eifersucht, 
zum Teil, weil er sich dessen „guten" Penis aneignen wollte, um den Vater bei 
der Mutter voll ersetzen zu können. 

Wiewohl die Homosexualität sich bei Mr. B. so früh und stark befestigt hatte 
und wiewohl er die Heterosexualität bewußt ablehnte, blieb dennoch im Un- 
bewußten die Heterosexualität das Ziel, auf das schon der kleine Knabe in der 
Phantasie mit aller Kraft hingestrebt und das auch der Mann niemals auf- 
gegeben hatte. Die Homosexualität stellte im Unbewußten auf vielfache Art 
einen Umweg zu diesem erstrebten Ziele dar. 

Die Forderungen, die in diesem Fall das Uber-Ich auch in Hinsicht auf die 
Sexualbetätigung erhob, waren sehr hohe. Der Sexualakt sollte der Wiedergut- 
machung jeder einzelnen phantasierten Zerstörung im Mutterleib dienen. Die 
Wiederherstellung mittels des Sexualaktes begann aus Gründen, auf die ich früher 
einging, mit der Wiederherstellung des Penis. Sie kam aber über diesen ersten 
Schritt nie hinaus. Es war, wie wenn jemand ein besonders schönes Gebäude 
errichten wollte, aber von Zweifeln erfüllt sei, ob er die Fundamente richtig 
gelegt habe. Er trachtet dann, sie immer wieder zu befestigen, und kommt auf 
diese Weise von der Arbeit an den Fundamenten niemals los. 

Der Glaube an seine Fähigkeit, den Penis wiederherstellen zu können, bildete 
auch das Fundament der psychischen Stabilität von Mr. B. Die starke Erschütte- 
rung dieses Glaubens wurde denn auch zur Ursache für den Zusammenbruch. 

Vor einer Reihe von Jahren war der geliebte Bruder Leslie auf einer 
Forschungsreise verunglückt. Trotzdem Mr. B. der Tod des Bruders sehr nahe 
ging, hatte er nicht zum Krankheitsausbruch geführt. Er vermochte diesen 
Unglücksfall zu ertragen, weil er sein Schuldgefühl und den Glauben an seine 
konstruktive Allmacht nicht übermäßig angriff. Leslie war ja für ihn der Besitzer 
des magischen „guten" Penis gewesen, und diesen Glauben und seine Liebe ver- 
mochte er auf jemand anderen zu übertragen, der für ihn zum Bruderersatz wurde. 

Einige Jahre später erkrankte der Bruder David. Mr. B. widmete sich ihm 
während der Krankheit nach Möglichkeit und hoffte, ihm durch seinen starken 



und günstigen Einfluß zur Genesung verhelfen zu können. Diese Hoffnung erwies 
sich als irrig. David starb, und nun setzte bei Mr. B. die schwere Erschütterung 
ein, die den Zusammenbruch herbeiführte. 

Die Analyse erwies, daß dieser Unglücksfall ihn viel härter betroffen hatte 
als der erste, weil er sich dem Bruder David gegenüber stark schuldig fühlte. 
Vor allem war sein Glaube, daß er den beschädigten Penis wieder herstellen 
könne, ins Wanken geraten. Dies bedeutete aber zugleich, daß er auch die 
Wiederherstellung alles dessen, was er im Unbewußten sonst noch angestrebt 
hatte, also letzten Endes die Wiederherstellung der Mutter und seines eigenen 
Leibes, aufgeben mußte. Daraus ergab sich auch die schwere Störung seiner 
Arbeitsfähigkeit. 

Ich habe die Gründe hervorgehoben, weshalb die Mutter nicht zum Objekt 
der Wiederherstellungstendenzen durch den Sexualakt und demzufolge auch nicht 
zum Sexualobjekt werden konnte. Sie wurde nur der Gegenstand zärtlicher 
Strebungen. Aber auch auf dieser Basis war wegen des Übermaßes an Angst und 
Schuldgefühlen nicht nur die Objektbeziehung schweren Erschütterungen aus- 
gesetzt, sondern auch die Betätigung der Sublimierungstendenzen behindert. Es 
zeigte sich, daß Mr. B., der auch bewußt sich stark um die Mutter sorgte (wie- 
wohl diese nicht krank, aber, wie er meinte, von zarter Konstitution war), von 
dieser Sorge unbewußt geradezu beherrscht wurde. In der Ubertragungssituation 
äußerte sich dies darin, daß Mr. B. vor Analysenferien — wie sich später ergab, 
aber auch vor jedem Wochenende und von einem Tage zum andern — in der 
Angst lebte, mich nicht wiederzusehen, da ich inzwischen tödlich verunglücken 
könnte. Diese immer wiederkehrende Phantasie zeigte bei wechselnden Einzel- 
heiten den gleichen Kern: Ich würde auf einer stark befahrenen Straße von 
einem Auto niedergestoßen und überfahren werden. Die Straße, auf die der 
Unglücksfall verlegt wurde, befand sich in Wirklichkeit in der Heimatstadt des 
Patienten, die in Amerika lag. Dieselbe Straße, die in den Kindheitserinnerungen 
des Patienten eine große Rolle spielte, hatte er mit der Nurse überschritten, wenn 
er als kleines Kind ausging, wie die Analyse erwies, in der steten Angst, die 
Mutter nie mehr wiederzusehen. In Zuständen tiefer Depression äußerte der 
Patient in der Analysenstunde: nur wenn er gewisse Dinge, die in der Welt 
seit seiner frühen Kindheit vor sich gegangen seien, ungeschehen machen könnte 
— so zum Beispiel alle Fahrten aller Autos, die je über diese Straße statt- 
gefunden hatten — , nur dann könnte „alles wieder gut" und er selbst wieder 
arbeitsfähig werden. Auch für diesen Patienten bedeutete, wie ich es früher aus" 
Kinderanalysen berichtete, das Fahren der Autos den Koitus der Eltern, den er 
in den frühen Masturbationsphantasien in einen für beide Eltern tödlichen Akt 
umgeschaffen hatte, worauf sich die ihn beherrschende Angst entwickelt hatte, 
die Mutter (und infolge der Verinnerlichung des „bösen" Penis auch er selbst) 

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könnte jederzeit durch den ihr einverleibten gefährlichen Penis des Vaters 
zugrunde gehen (durch ein Auto überfahren werden). Im Gegensatz zu seiner 
Heimatstadt, die er trotz, oder wie sich erwies, wegen des dort herrschenden 
großen Verkehrs (des phantasierten fortwährenden Koitus der Eltern) als 
dunkel, leblos, zerstört empfand, besaß er ein Phantasiebild von einer Stadt, 
die voll Leben, Licht und Schönheit war, und die er zeitweise — immer 
aber nur vorübergehend — in Städten ferner Länder realisiert fand. 70 Diese 
ferne Phantasiestadt vertrat für ihn die zu neuem Leben erwachte, wieder her- 
gestellte Mutter und seinen eigenen wiederhergestellten Körper. Das Übermaß 
der Angst ließ aber diese Wiederherstellung als undurchführbar erscheinen. Der 
gleichen Quelle entsprang auch seine schwere Arbeitshemmung. 

Als Mr. B. noch arbeitsfähig war, schrieb er an einem Buche, in dem er seine 
wissenschaftlichen Ergebnisse niederlegte. Er mußte auch diese Arbeit aufgeben, 
als seine Arbeitshemmung zunahm. Dieses Buch hatte für ihn die gleiche Be- 
deutung wie die schöne Stadt. Die einzelnen wissenschaftlichen Ergebnisse, jeder 
einzelne Satz bedeutete den wiederhergestellten väterlichen Penis und heile 
Kinder, das ganze Buch stellte im Unbewußten die verinnerlichte heile Mutter 
und den eigenen wiederhergestellten Körper dar. Es ergab sich, daß die Angst 
vor seinem „bösen" Leibesinhalt sich als das größte Hindernis seiner Schaffens- 
fähigkeit auswirkte. Eine seiner hypochondrischen Beschwerden war das Gefühl 
großer innerer Leere. Dem entsprach auf intellektuellem Gebiete die Klage, daß 
Dinge, die ihm wert seien, die er schön und interessant finde, ihren Wert ver- 
lören, sich verbrauchten, ihm irgendwie weggenommen würden. Als die tiefste 
Wurzel dieser Klage erwies sich die Angst, zugleich mit der Ausstoßung der 
bösen Imagines und der gefährlichen Exkremente auch des „guten" und „schönen" 
Leibesinhaltes verlustig zu gehen. 

Der dominierende Antrieb zum Schaffen stammte bei Mr. B. aus seiner weib- 
lichen Position. Die Bedingung im Unbewußten lautete: nur wenn sein Leib mit 
guten Objekten — eigentlich mit schönen Kindern 71 — gefüllt wäre, könnte er 
schaffen, d. h. Kinder gebären. Um aber sein Leibesinnere so zu gestalten, wäre 
es nötig gewesen, die „bösen" Objekte entweder zu beseitigen — dann setzte 

70) Audi in diesem Falle stellten die Einzelheiten der schönen Phantasiestadt in allen 
Stucken die Wiederherstellung (und überdies auch noch die Verschönerung und Ver- 
vollkommnung) des ursprünglich in Phantasien beschädigten und zerstörten Mutterleibes 
und des eigenen Leibes dar. 

71) Ich wies im vorigen Kapitel darauf hin, daß die Allmacht der Exkremente beim 
Madchen stärker entwickelt ist und daß dieses Moment den spezifischen Charakter der 
weiblichen Sublimierungen beeinflußt. Ich verwies auf die Sublimierungslinie, die vom 
„bösen" = häßlichen Stuhlstück zum „schönen Kinde" führt. Bei Mr. B., bei dem die 
Allmacht des Penis als Exekutionsorgan des Sadismus sich nicht genügend hatte durch- 
setzen können, und die Allmacht der Exkremente verhältnismäßig stärker entwickelt war, 
trugen auch die Sublimierungen einen ausgesprochen femininen Charakter. 






das Gefühl der Leere ein — oder sie in „gute" zu verwandeln (in der Art, wie 
er den Penis des Vaters und des Bruders in gute Penisse verwandeln wollte). 
Wäre ihm diese Aufgabe gelungen, so hätte er damit die Sicherheit gewonnen, 
daß auch der Leib der Mutter, ihre Kinder und der väterliche Penis wieder- 
hergestellt seien. Dann hätten die Eltern in Frieden miteinander leben und 
einander auch sexuell voll befriedigen können. Er selbst hätte dann aber auch, 
in Identifizierung mit dem „guten" Vater, mit der Mutter Kinder zeugen und 
seine heterosexuelle Position befestigen können. 

Als Mr. B. nach einer Analysendauer von vierzehn Monaten die Arbeit an 
seinem Buch wieder aufnahm, trat in der Analyse die Identifizierung mit der 
Mutter deutlich hervor. In der Übertragungssituation dokumentierte sich dies 
durch Phantasien, in denen Mr. B. die Stelle einer Tochter bei mir einnahm. 
Er erinnerte sich, daß er als kleiner Knabe sehnsüchtig gewünscht hatte, ein 
Mädchen zu sein, bewußt, weil er wußte, daß die Mutter eine Tochter bevorzugt 
hätte, unbewußt aber, weil er sie dann auch sexuell hätte lieben können; er 
hätte nämlich nicht fürchten müssen, daß er die Mutter mit dem ihr verhaßten 
und ihm selbst gefährlich scheinenden Penis verletzen würde. 72 Bei einer sehr 
starken Identifizierung mit der Mutter und ausgesprochenen femininen Zügen, die 
deutlich auch in seiner Arbeit zum Ausdruck kamen, hatte Mr. B. jedoch die 
weibliche Position nicht zu halten vermocht. Hieraus ergab sich ein grundlegendes 
Hindernis für seine Schaffensfähigkeit, die immer teilweise gehemmt gewesen war. 
Als in der Analyse die Identifizierung mit der Mutter und der "Wunsch, eine 
Frau zu sein, stärker hervortraten, verminderte sich schrittweise die Arbeits- 
hemmung. Der Wunsch, Kinder zu besitzen (und zugleich seine Schaffensfähig- 
keit) war vornehmlich durch die Angst vor den verinnerlichten Objekten 
behindert worden. -Denn die Angst vor der Mutter als Rivalin galt vor allem 
der verinnerlichten „bösen" und mit dem Vater vereinigten Mutter. Diese ver- 
innerlichten Objekte waren es auch, auf die sich bei Mr. B. die so starke Angst 
bezog, belauert und beobachtet zu werden. Vor ihnen hatte er gewissermaßen 
jeden Gedanken, der ja ein Stück guten Leibesinhaltes — ein Kind — bedeutete, 
zu bewahren. 73 Er brachte auch deshalb seine Gedanken so schnell als möglich 
zu Papier, um sie vor den bösen Objekten, die ihn beim Schreiben hindern 
würden, zu schützen. In seinem Leibesinnern vollzog sich die Auslese zwischen 



72) Mr. B. erinnerte sich auch daran, daß er als kleiner Knabe immer wieder versucht 
hatte, den Penis zwischen die Beine zu drücken, gewissermaßen ihn verschwinden zu lassen. 

73) Die Angst vor den bösen Imagines, die dazu geführt hatte, daß Mr. B. in be- 
sonderem Maße das Unbewußte abzuleugnen und zu beherrschen suchte, trug wesentlich 
zur Hemmung seiner produktiven Fähigkeiten bei. Er durfte sich niemals seinem Un- 
bewußten rückhaltlos überlassen; dadurch wurde einer wesentlichen Quelle der Schaffens- 
fähigkeit der Weg verlegt. 



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den guten und bösen Objekten. Außerdem mußte er versuchen, die bösen Objekte 
in gute zu verwandeln. Die Arbeit an seinem Buche, der ganze Prozeß des 
Schaffens waren im Unbewußten gleichgesetzt der Wiederherstellung des Leibes- 
innern und der Erzeugung von Kindern. Die Kinder sollten der Mutter gehören. 
Er stellte die „gute" Mutter in seinem Innern wieder her, indem er ihren Leib 
mit schönen (wiederhergestellten) Kindern füllte und diese wiederhergestellten 
Objekte sorgsam vor den verinnerlichten „bösen" Objekten (den im Koitus ver- 
einigten Eltern und dem bösen väterlichen Penis) zu bewahren suchte. Auf diese 
Weise heilte und verschönerte er aber auch sein eigenes Leibesinnere, denn die 
„gute" (heile, schöne) Mutter würde ja wiederum ihn vor den verinnerlichten 
„bösen" Objekten beschützen. Mit dieser guten (wiederhergestellten) Mutter ver- 
mochte Mr. B. sich aber auch zu identifizieren. Die schönen Kinder (Gedanken, 
Erkenntnisse), mit denen er in der Phantasie sein Leibesinnere bevölkerte, waren 
auch die Kinder, die er selbst in Identifizierung mit der Mutter empfing. Es 
waren aber auch Kinder, die er mit der „guten" Mutter (die ihm auch heilsame 
Milch spendete und ihm so zu einem heilsamen, potenten Penis verhälfe) zeugen 
würde. Erst als Mr. B. fähig wurde, die weibliche Position aufzunehmen und zu 
sublimieren, konnte sich auch seine männliche Komponente stärker durchsetzen 
und für seine Arbeit fruchtbar werden. 

In dem Maße, in dem der Glaube an die „gute" Mutter wuchs und infolge- 
dessen die paranoide und hypochondrische Angst herabgesetzt wurden (zugleich 
verminderten sich auch die Depressionen), wurde Mr. B. schrittweise mehr und 
mehr fähig, seine Arbeit durchzuführen, zuerst mit allen Zeichen der Angst und 
des Zwanges, später in größerer Ruhe. Dem entsprach auf sexuellem Gebiete 
eine stetige Herabsetzung der homosexuellen Regungen. Die Anbetung des Penis 
nahm ab. Die Angst vor dem bösen Penis, die durch die Bewunderung für den 
guten (= schönen) Penis verdeckt worden war, trat deutlich hervor. Wir lernten 
in dieser Phase einen speziellen Angstinhalt 74 kennen. Der verinnerlichte böse 
Penis des Vaters hatte von Mr. B.s Penis in der Weise Besitz ergriffen, daß 
er in diesen eingedrungen war und ihn bemeisterte. Mr. B. fühlte sich dadurch 

74) Ich habe diese spezielle Gefahrsituation in einigen Analysen von Knaben und 
Mannern kennengelernt. Sie besteht darin, daß der böse väterliche Penis vom eigenen 
Penis vollkommen Besitz ergriffen habe, indem er diesen von innen ausfüllt. Zum Beispiel 
steckte ein kleiner Knabe in der Analysenstunde eine Bleistifthülse in das Feuer. Er 
wollte etwas Böses (das er als stark und hart schilderte) und das in dieser Hülse ent- 
halten war, aus dieser herausbrennen. Die Hülse stellte seinen Penis, das Böse, das heraus- 
gebrannt werden sollte, den väterlichen Penis dar. Ein anderes Mal verbrannte er ein 
Stuck Holz wobei er zugleich seinen Bleistift spitzte, und zwar wie er mir erklärte, damit 
das böse Holz besser verbrenne. Es ergab sich, daß das Holz und der Bleistift zueinander 
gehörten, ineinander steckten und miteinander kämpften. Die analytische Aufdeckung 
dieser Gefahrsituation löst besonders intensive Angstquantitäten aus; sie scheint ein 
schweres Hindernis der Potenz zu sein. 

- 3 86 - 



der Verfügung über seinen eigenen Penis beraubt, vielmehr er konnte ihn nicht 
auf „gute" produktive Weise gebrauchen. Im Pubertätsalter hatte sich dieser 
Angstinhalt stark geltend gemacht. Der Knabe versuchte mit allen Kräften, 
sich der Masturbation zu enthalten, und hatte dabei nächtliche Pollutionen. 
Dies löste die Angst in ihm aus, daß er seinen Penis nicht beherrschen könne 
und daß dieser vom Teufel besessen sei. Im gleichen Sinne deutete Mr. B. auch 
die Tatsache, daß der Penis größer und kleiner werden könne, ferner alle mit den 
Entwicklungsvörgängen einhergehenden Veränderungen des Genitales. 

Diese Angst hatte zu Mr. B.s Abneigung gegen seinen eigenen Penis, zum 
Gefühl, daß dieser minderwertig (anal), böse und destruktiv sei, wesentlich bei- 
getragen. Hieraus ergab sich aber auch ein wesentliches Hindernis für die hetero- 
sexuelle Position. Da Mr. B. stets befürchten mußte, beim Koitus mit der Mutter 
vom Penis des Vaters belauert und zu bösen Handlungen gedrängt zu werden, 
mußte er sich von der Frau fernhalten. Es zeigte sich nun, daß die überbetonte 
Bedeutung des eigenen Penis als des Repräsentanten des Bewußten und Sicht- 
baren und die damit zusammenhängende vielfache Verdrängung und Verleug- 
nung des Leibesinneren auch in diesem Punkte mißlungen war. 

Mit der Analyse dieser Angstinhalte vergrößerte sich wiederum die Arbeits- 
fähigkeit Mr. B.s. Zugleich verstärkte sich die heterosexuelle Position. 

Die Analyse war bis zu diesem Punkte gediehen, als sie aus äußeren Gründen 
für einige Zeit unterbrochen werden mußte. 75 Die bis dahin erzielten Resultate, 
die zur fast völligen Behebung der schweren Depressionen und der Arbeits- 
hemmung sowie zur Verminderung der Zwangssymptome, der paranoiden und 
hypochondrischen Angst geführt hatten, lassen die Annahme begründet erscheinen, 
daß die heterosexuelle Position bei weiterer Analyse voll befestigt werden wird. 

Hiezu wäre, wie der bisherige Verlauf der Analyse erkennen läßt, erforder- 
lich, daß die Angst vor der phantastischen Mutter-Imago noch weiter herab- 
gesetzt würde. Dadurch würde ermöglicht werden, daß die realen und phantasti- 
schen Objekte, die in der Psyche von Mr. B. so stark voneinander geschieden 
waren, einander noch näher kämen. Dann könnte der stärkere Glaube an die 
„gute" wiederhergestellte Mutter und an den Besitz des „guten" Penis (der 
sich bis dahin vorwiegend in Hinsicht auf die verinnerlichte Mutter ausgewirkt 
und zur Behebung der Arbeitshemmung geführt hatte) sich auch in der Beziehung 
zur Frau als Sexualobjekt voll durchsetzen. Ferner müßte sich die Angst vor dem 
„bösen" väterlichen Penis weiter vermindern, die Identifizierung mit dem „guten" 
Vater sich noch verstärken. 

75) Mr. B. sah sich genötigt, zur Ordnung seiner Angelegenheiten in seine Heimat 

zurückzukehren. Er beabsichtigt aber, in einiger Zeit die Analyse wieder fortzusetzen. 

Die Behandlung, die sich über einen Zeitraum von zwei Jahren erstreckte, umfaßte 
dreihundertundachtzig Stunden. 

— 287 — 



Die Momente, von deren stärkerer Wirksamkeit im vorliegenden Falle die 
volle Wendung von der Homosexualität zur Heterosexualität abhängt, sind die 
gleichen, die ich im ersten Teil dieses Kapitels als die Voraussetzung einer gut 
befestigten heterosexuellen Position aufzeigte. Ich hob dort in meiner Darstellung 
der normalen männlichen Entwicklung hervor, daß die Vorherrschaft der „guten" 
Mutter-Imago, die die Überwindung des Sadismus begünstigt und allen Angst- 
inhalten entgegenwirkt, die Grundlage für das Gelingen der männlichen Sexual- 
entwicklung bildet. 

Ebenso wie die den Mutterleib und das eigene Leibesinnere betreffenden Angst- 
inhalte greifen auch die Wünsche zur Wiederherstellung des mütterlichen und 
des eigenen Körpers als Bedingungen der Wiederherstellung ineinander. Sie bilden 
bei Vorherrschaft der genitalen Stufe die Voraussetzung der Potenz. Ein 
genügender Glaube an den „guten" Leibesinhalt, der die „bösen" Objekte und 
Exkremente im eigenen Leibesinnern neutralisiert, beziehungsweise bekämpft, 
scheint erforderlich, damit der Penis als der Repräsentant des ganzen Körpers 
„guten" heilsamen Samen produziere. Dieser Glaube, der sich mit dem an die 
eigene Liebesfähigkeit deckt, ist bedingt von einem genügenden 
Glauben an gute Imagines, insbesondere an die „gute" Mutter und 
an deren intakten und heilsamen Leib. 

Bei voller Erreichung der genitalen Stufe kehrt der Mann im Koitus zur 
ursprünglichen Befriedigungsquelle, der nun auch genitale Genüsse spendenden 
Mutter zurück und gibt ihr teils als Gegengabe, teils zur Wiedergutmachung aller 
von der Beschädigung der Mutterbrust ausgehenden Angriffe den heilsamen 
Samen, der ihr Kinder schenken, ihren Leib wiederherstellen und sie auch oral 
befriedigen soll. Angst und Schuldgefühl steigern, formen und vertiefen die 
primären libidinösen Regungen des Säuglings. Sie verleihen der Beziehung zum 
Objekt die Fülle der Gefühlsqualitäten, die der Begriff des „Liebens" umfaßt. 



A N HA N G 



Grenzen und M:öglickLeiten der Kinderanalyse 

Die Aufgabe der Psychoanalyse beim Erwachsenen ist klar umrissen. Da sie 
den nicht gelungenen Entwicklungsablauf zu korrigieren hat, muß es ihr Ziel 
sein, das Drängen des Es und die Forderungen des Ober-Ichs miteinander in Ein- 
klang zu bringen. Der so erzielte Ausgleich setzt das erstarkte Ich in die Lage, 
auch den Forderungen der Realität zu genügen. 

Wie wirkt sich die Analyse des Kindes auf die im Flusse befindliche Ent- 
wicklung aus? Die Auflösung von sadistischen Fixierungen verringert die Strenge 
des Über-Idis, damit Hand in Hand vermindert sich die Angst und das Drängen 
der Triebregungen. In dem Maße, als Sexualität und Über-Ich auf eine höhere 
Entwicklungsstufe gehoben werden, gewinnt das Ich an Raum und vermag 
nun auch die Forderungen des Über-Ichs mit denen der Realität in Einklang zu 
bringen. Sublimierungen setzen auf stabilerer Basis ein, schon vorhandene verlieren 
an Zwanghaftigkeit und Sprunghaftigkeit. 

Die Ablösung im Pubertätsalter, die mit der Erhöhung der inneren For- 
derungen einhergeht, gelingt nur, wenn Angst und Schuldgefühl ein gewisses 
Maß nicht überschreiten. Sonst kommt es zu übertriebenen, als Flucht und nicht 
als Ablösung zu bezeichnenden Erscheinungen, oder die Ablösung mißlingt völlig 
und der Jugendliche bleibt an die urspünglichen Objekte fixiert. 

Die Voraussetzung eines gelungenen Ablaufs der Entwicklungsvorgänge ist die 
Milderung der Strenge des Über-Ichs. Die Zielsetzungen in allen Entwicklungs- 
perioden, so verschieden sie auch sein mögen, sind an die gleiche Bedingung ge- 
knüpft: der Ausgleich zwischen Über-Ich und Es und damit eine genügende Stärke 
des Ichs muß erreicht sein. Die Analyse führt diesen Ausgleich herbei, sie folgt 
dabei in allen Entwicklungsstadien dem Ablauf der Entwicklungsvorgänge und 
unterstützt ihn. Zugleich regelt die Analyse des Kindes auch seine Sexual- 
betätigung. Indem sie Angst und Schuldgefühl vermindert, setzt sie die Sexual- 
betätigung herab in den Fällen, in denen sie zwanghaft war, ermöglicht sie aber 

Klein, Psychoanalyse des Kindes. 

— 289 — 19 



in den Fällen, in denen Berührungsangst vorlag. Die Analyse bewirkt dies, indem 
sie die der Fehlentwicklung zugrunde liegenden Faktoren beeinflußt; sie legt 
dadurch aber auch den Grund für die unverkümmerte Entwicklung der zu- 
künftigen Sexualität und Persönlichkeit. 

Die Beobachtungen der Kinderanalyse ergeben, daß der Druck des Über- 
Ichs um so mehr herabgesetzt wird, in je tiefere Seelenschichten die Analyse vor- 
dringt. Besteht nun die Möglichkeit, daß durch eine zu weit gehende Analyse die 
Funktion des Ober-Ichs übermäßig herabgesetzt, ja sogar völlig aufgehoben wird? 

Die Entwicklung von Libido, Objektbeziehung und Über-Ich-Bildung erfolgt 
meiner Auffassung nach in Wechselwirkung. Ich beschrieb den Kreislauf, der 
neben ihrer Legierung zwischen den destruktiven und den libidinösen Trieb- 
regungen besteht, und wies darauf hin, daß infolge der durch den Sadismus 
ausgelösten Angst die Ansprüche der libidinösen und destruktiven Triebregungen 
gesteigert werden. 1 Auf diese Weise gewinnt die aus den frühesten Gefahr- 
situationen stammende Angst nicht nur einen wesentlichen Einfluß auf die 
libidinösen Fixierungsstellen und die Sexualerlebnisse, sondern sie ist auch mit 
ihnen verlötet, sie ist zu einem Element der libidinösen Fixierungen geworden. 

Die Erfahrungen der Psychoanalyse haben erwiesen, daß auch nach weit- 
gehender Analyse die Wirksamkeit der prägenitalen Fixierungsstellen und des 
Sadismus nur vermindert, niemals aber behoben werden kann. Nur ein Teil der 
prägenitalen Libido kann in genitale Libido umgesetzt werden. Diese uns ge- 
läufige Erkenntnis gilt nach meinen Erfahrungen auch für die Uber-Ich-Bildung. 
Die Angst, die durch die destruktiven Triebregungen ausgelöst wird und die in 
Qualität und Quantität mit den sadistischen Phantasien korrespondiert, fällt mit 
der Angst vor den gefährlichen verinnerlichten Objekten zusammen 2 und führt 
zu bestimmten Angstsituationen. Diese Angstsituationen, die mit den prägenitalen 
Triebregungen verknüpft sind, lassen sich, wie ich mich nachzuweisen bemühte, 
niemals ganz rückgängig machen. Die Analyse kann ihre Wirkungen nur ab- 
schwächen, in dem Maße, als sie die Angst und den Sadismus herabsetzt. Daraus 
folgt aber auch, daß das Über-Ich der frühen Stufen seine Funktion niemals ganz 
aufgibt. 

Die Analyse vermag demnach nur zu erzielen, daß mit der Lockerung von 
prägenitalen Fixierungen und der Herabsetzung von Angst auch die Uber-Ich- 
Bildung von der prägenitalen Stufe zur genitalen fortschreitet. Jeder Fortschritt 
in der Herabsetzung der Strenge des Über-Ichs ist ein weiterer Sieg der 
libidinösen über die destruktiven Triebregungen und bedeutet zugleich, daß die 
Libido die genitale Stufe besser erreicht hat. 

i) Ein gewisses Ausmaß an Angst steigert die Liebesbedürftigkeit und formt die 
Liebesfähigkeit des Kindes — ein Übermaß an Angst unterbindet sie. 
2) Siehe Kap. VIII. 

— »90 — 



Die Auffassung, daß die frühen Angstsituationen ihre 
Wirksamkeit niemals völlig einstellen, kennzeichnet 
auch die Grenzen der Analyse. Denn es folgt hieraus, daß es eine 
absolute Heilung nicht gibt, und daß keine Psychoanalyse — sei es beim Kinde 
oder beim Erwachsenen — mit absoluter Sicherheit eine zukünftige Erkrankung 
ausschließen kann. 

In diesem Zusammenhang wäre auch noch die Frage zu erörtern, welche 
Faktoren die p sy ch o n e ur o t i sc h e Erkrankung auslösen. 
Ich will mich dabei nicht mit den sehr zahlreichen Fällen befassen, in denen die 
Erkrankung in die frühe Kindheit zurückgeht (wobei in manchen Fällen die 
Erscheinungsform der Erkrankung wechselte, während sie in anderen den ur- 
sprünglichen Charakter beibehielt), sondern mit den Fällen, in denen der Aus- 
bruch der Erkrankung sich scheinbar auf einen bestimmten Zeitpunkt zurück- 
führen läßt. Auch in diesen Fällen weist die Analyse nach, daß die Erkrankung 
schon vorher latent bestand, aber infolge gewisser Ereignisse in ein akutes 
Stadium trat, ein Moment, das sich praktisch mit Erkrankung deckt. Dieser 
Vorgang kommt so zustande, daß die äußeren Ereignisse die dominierenden 
frühen Angstsituationen in einem solchen Ausmaße bestätigen, daß sie zu einer 
für das Ich unerträglichen Steigerung der Angstquantitäten führen, die sich als 
Erkrankung geltend macht. 

Ein anderes Moment, aus dem äußere Belastungen ihre krankheitsauslösende 
Wirkung beziehen, ist die Störung im Prozeß der Angstbewältigung, die durch 
sie herbeigeführt wird und die zur Folge hat, daß das Ich wehrlos dem über- 
mäßigen Angstdruck ausgeliefert bleibt. Deshalb kann auch eine an sich nicht 
bedeutsame Enttäuschung, wenn sie den Glauben an helfende Imagines und an 
die eigenen konstruktiven Fähigkeiten zu stark erschüttert 3 und dadurch die 
Wege der Angstbewältigung stört, ebenso krankheitsauslösend wirken wie ein 
Erlebnis, das die frühen Angstinhalte real bestätigt und dadurch die Angst- 
quantitäten steigert. Diese zwei Momente greifen bis zu einem gewissen Grade 
ineinander. Ein Erlebnis wird um so eher geeignet sein, eine Erkrankung aus- 
zulösen, wenn es sich auf beide Arten geltend macht. 4 



3) Ich habe im vorigen Kapitel auf einen Fall hingewiesen, in dem die auslösende 
Ursache das lieblose Verhalten der Wirtin war, die den Patienten während einer Krank- 
heit pflegte. In diesem Falle waren durch die Ruhrerkrankung alle dominierenden Angst- 
situationen aktiviert worden. Das Verhalten der Wirtin wurde außerdem dem Patienten 
zur Bestätigung, daß es keine „gute" Mutter gäbe und daß auch seine Wiederherstellungs- 
tendenzen fruchtlos seien. 

4) Einen Erkrankungsanlaß, der auf anderen Mechanismen beruht, beschreibt Ernest 
Jones in seiner Arbeit: The Problem of Paul Morphy (Int. Journ. of PsA., XII, 1). 
Jones führt aus, daß folgende Momente den Ausbruch der Psychose beim genialen 
Schachspieler Morphy herbeiführten: Sein Gleichgewicht beruhte darauf, daß er im 



391 — 



19« 



Hieraus folgt, daß die frühen Angstsituationen die Basis aller psychoneuroti- 
schen Erkrankungen darstellen. Da die Analyse die Angstsituationen aber nie ganz 
außer "Wirksamkeit zu setzen vermag, so kann sie auch Erkrankungen für die 
Zukunft nie mit Sicherheit ausschließen. Sie kann aber — und dies ist- 
praktisch von der größten Bedeutung — durch die beim Kinde erzielte relative 
Heilung bis zu einem weitgehenden Grade zukünftigen Erkrankungen vorbeugen. 
Sie wird auch um so mehr der Prophylaxe dienen, je mehr sie die Wirksamkeit 
der frühen Angstsituationen herabzusetzen und das Ich und seine Methoden der 
Angstbewältigung zu stärken vermag. 

Die Grenzen der Psychoanalyse sehe ich ferner in dem Umstände, daß die 
Analyse — und zwar auch beim kleinen Kinde — in verschieden gelagerten 
Fällen auch verschieden gute Resultate erzielt. 

Inwieweit die Psychoanalyse Angst aufzulösen vermag, hängt sehr wesentlich 
von den Angstquantitäten, von den dominierenden Angstsituationen sowie auch 
davon ab, welche Abwehrmechanismen das Ich auf den frühen Stufen als die 
vorherrschenden entwickelt hat, Momente, die mit der Struktur der seelischen 
Störung gleichbedeutend sind. 5 Ich habe in schwereren Fällen lange Zeiträume — 
nach meinen bisherigen Erfahrungen bei Kindern zwischen fünf und dreizehn 
Jahren achtzehn bis sechsunddreißig Arbeitsmonate, in einem Falle fünfundvierzig 
Arbeitsmonate (bei Erwachsenen in einigen Fällen noch länger) — für notwendig 
gefunden, um die Angst quantitativ und qualitativ so weit zu beeinflussen, daß 
mir die Beendigung der Analyse voll gerechtfertigt erschien. 

Dieser Nachteil scheint mir aber durchaus aufgewogen durch die weiter- 
gehenden und haltbareren Resultate, die durch die tiefführende Analyse erzielt 
werden. In vielen Fällen genügen auch weit kürzere Zeiträume (8 bis 10 Monate), 
um befriedigende Resultate zu erzielen. 6 

In diesem Buche habe ich wiederholt auf die großen Möglichkeiten der Kinder- 
analyse hingewiesen. Die Analyse des normalen und neurotischen Kindes vermag 
für das Kind das zu leisten, was die Psychoanalyse für den Erwachsenen tut, 
und sie vermag noch viel mehr. Sie bewahrt das Kind vor all dem Leiden und 
mancherlei schwerem Erleben, durch das der Erwachsene hindurchgeht, bevor er 
zur Psychoanalyse findet. Die therapeutischen Möglichkeiten der Kinderanalyse 

Schachspiel seine — Vater- Imagines geltende — Aggression in ichgerechter Form äußern 
konnte. Der Umstand, daß der Mann, den er sich am meisten als Gegner wünschte, dem 
Kampfe auswich und durch sein ganzes Verhalten Morphys Schuldgefühl weckte, erwies 
sich als auslösender Faktor für den Zusammenbruch. 

5) Hier ist hervorzuheben, daß Fälle mit starker akuter Angst und schweren Sym- 
ptomen in der Analyse häufig eine günstigere Struktur zeigen als symptomlose 
Störungen. 

6) Ich bin in Kap. V darauf eingegangen, daß in einer Reihe von Fällen, in denen 
die Analyse abgebrochen wurde, in Zeiträumen von einigen Monaten wesentliche Teil- 
resultate durch die Verminderung von Angst der tiefsten Schichten erzielt worden waren. 

„ — a 9 3 — 



reichen weit über die der Erwachsenenanalyse hinaus. Die Erfahrungen der 
letzten Jahre — und zwar sowohl meine wie auch die einiger Kolleginnen — 
berechtigen zur Annahme, daß Psychosen und psychotische Züge, Charakter- 
verbildungen und asoziales Verhalten, 7 schwere Zwangsneurosen und Ent- 
wicklungshemmungen im Kindesalter noch heilbar sind. Wir wissen aber, daß 
Fälle dieser Art im Erwachsenenalter sich der psychoanalytischen Behandlung 
nicht oder nur teilweise zugänglich erweisen. Der Verlauf einer Erkrankung läßt 
sich freilich im Kindesalter oft nicht voraussagen: man weiß nicht mit Sicherheit, 
ob sie ihren Ausgang in Psychose, Kriminalität, Charakterverbildung oder 
schwerer Hemmung finden wird; aber eine erfolgreiche Analyse des abnormen 
Kindes vermag allen diesen Möglichkeiten vorzubeugen. Würde jedes Kind, das 
ernstere Störungen zeigt, rechtzeitig der Analyse unterzogen, dann könnte wohl 
ein großer Teil jener Menschen, die andernfalls in Gefängnissen und Irren- 
häusern landen oder sonst völlig scheitern, vor diesem Schicksal bewahrt bleiben 
und sich zu normalen Menschen entwickeln. Wenn aber die Kinderanalyse 
eine solche Aufgabe erfüllen kann — und vieles spricht dafür, daß sie es 
kann — , dann wäre es ihr in der Zukunft vorbehalten, über den großen Nutzen 
hinaus, den sie einzelnen Individuen bringt, der menschlichen Gesellschaft 
unschätzbare Dienste zu leisten. 



7) Ich verweise auf die Arbeit von Melitta S c h m i d e b e r g: Zur Psychoanalyse 
asozialer Kinder und Jugendlicher. (Int. Ztschr. f. PsA., Bd. XVIII, 1932.) 

— 393 — 



LITERATURVERZEICHNIS 

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sche Beiträge zur Psychoanalyse. Int. PsA. Verl. 1921.) 
Ober Ejaculatio praecox. (Klinische Beiträge zur Psychoanalyse. Int. PsA. Verl. 192 1.) 
Äußerungsformen des weiblichen Kastrationskomplexes. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. VII, 

1921.) 
Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido. (Int. PsA. Verl. 1924.) 
Psychoanalytische Studien zur Charakterbildung. (Int. PsA. Verl. 192$.) 

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Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. (Int. PsA. Verl. 1927.) 

Benedek, Therese : 

Todestrieb und Angst. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XVIII, 193 1.) 

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Homosexualität und Polygamie. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. VI, 1920.) 
Homosexualität und Ödipuskomplex. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XII, 1926.) 
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Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen. (Int. PsA. Verl. 192 j.) 

Zur Genese der Platzangst. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XIV, 1928.) 

Der feminine Masochismus und seine Beziehung zur Frigidität. (Int. Ztschr. f. PsA. 

Bd. XVI, 1930.) 
Psychoanalyse der Neurosen. (Int. PsA. Verl. 1930.) 

Federn, Paul : 

Beiträge zur Analyse des Sadismus und Masochismus. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. I, 1913.) 

Fenichel, Otto : 

Die Identifizierung. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XII, 1926.) 

Einige noch nicht beschriebene infantile Sexualtheorien. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XIII, 

1927.) 
Die prägenitale Vorgeschichte des Ödipuskomplexes. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XVI, 1930.) 
Über respiratorische Introjektion. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XVII, 1931.) 

Ferenczi, S.: 

Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. I, 191 3.) 
Zur Nosologie der männlichen Homosexualität. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. II, 1914.) 
Zur Ontogenese des Geldinteresses. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. II, 1914.) 
Psychoanalytische Betrachtungen über den Tic. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. VII, 1921.) 
Forcierte Phantasien. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. X, 1924.) 

— 394 — 



Ferenczi, S.: 

Zur Psychoanalyse von Sexualgewohnheiten. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XI, 1925.) 

Diese Arbeiten sind auch enthalten in: Bausteine zur Psychoanalyse. (Int. PsA. Verl. 
J9270 

Versuch einer Genitaltheorie. (Int. PsA. Verl. 192J.) 

Das Problem der Unlustbejahung. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XII, 1926 ) 
Flügel, C. J. : 

The Psychology of Clothes. (Int. Psycho-Analytical Library, 1930.) 
Freud, Anna: 

Einführung in die Technik der Kinderanalyse. (Int. PsA. Verl. 1927.) 
Freud, Sigmund: 

Die Traumdeutung. (Ges. Sehr. Bd. II.) 

Die Disposition zur Zwangsneurose. (Ges. Sehr. Bd. V.) 

Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. (Ges. Sehr. Bd. V.) 

Das ökonomische, Problem des Masochismus. (Ges. Sehr. Bd. V.) 

Triebe und Triebschicksale. (Ges. Sehr. Bd. V.) 

Der Untergang des Ödipuskomplexes. (Ges. Sehr. Bd. V.) 

Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und Homosexualität. 
(Ges. Sehr. Bd. V.) 

Das Ich und das Es. (Ges. Sehr. Bd. VI.) 

Jenseits des Lustprinzips. (Ges. Sehr. Bd. VI.) 

Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. (Ges. Sehr. Bd. VII.) 

Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben. (Ges. Sehr. Bd. VIII.) 

Geschichte einer infantilen Neurose. (Ges. Sehr. Bd. VIII.) 

Bruchstücke einer Hysterieanalyse. (Ges. Sehr. Bd. VIII.) 

Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose. (Ges. Sehr. Bd. VIII.) 

Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci. (Ges. Sehr. Bd. IX.) 

Totem und Tabu. (Ges. Sehr. Bd. X.) 

Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschiedes. (Ges. Sehr. Bd. XI.) 

Der Humor. (Ges. Sehr. Bd. XI.) 

Hemmung, Symptom und Angst. (Ges. Sehr. Bd. XL) 

Die Frage der Laienanalyse. (Ges. Sehr. Bd. XL) 

Das Unbehagen in der Kultur. (Int. PsA. Verl. 1930.) 

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— 20,5 — 






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Erwachsenenpsychologie im Lichte der Kinderanalyse. (Vortragskurs, gehalten in 

London 1927.) 
Frühstadien des Ödipuskonfliktes. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XIV, 1928.) 
Die Rollenbildung im Kinderspiel. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XV, 1929.) 
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Skotomisation in der Schizophrenie. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XII, 1926.) 
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Kotschmieren, Menses und weibliches Ober-Ich. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XVI, 1930.) 
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Ein Nachtrag zu Freuds: Geschichte einer infantilen Neurose. (Int. Ztschr. f. PsA. 
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Über die Quelle der Empfindung des Verfolgtwerdens. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. VI, 
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(Int. PsA. Verl. 1919.) 
Reich, W. : 

Der triebhafte Charakter. (Int. PsA. Verl. 1925.) 
Die Funktion des Orgasmus. (Int. PsA. Verl. 1927.) 
Phobie und Charakterbildung. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XVI, 1930.) 
Reik, Theodor : 

Angst und Haß. (Der Schrecken. Int. PsA. Verl. 1929.) 
Libido und Schuldgefühl. (Der Schrecken. Int. PsA. Verl. 1929.) 
Riviere, Joan: 

Symposium on Child Analysis. (Int. Journ. of Psycho-Analysis. Vol. VIII, 1927.) 
Weiblichkeit als Maske. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XV, 1929.) 

— 296 — 



Röheim, G. : 

Das Völkerpsychologische in Freuds „Massenpsychologie und Ichanalyse". (Int. Ztschr. 

f. PsA. Bd. VIII, 1922.) 
Nach dem Tode des Urvaters. (Imago. Bd. IX, 1923.) 
Sachs, Hanns : 

Technik der Psychoanalyse. (Vortragskurs, gehalten in Berlin 1923.) 
Gemeinsame Tagträume. (Int. PsA. Verl. 1924.) 

Ober einen Antrieb bei der Bildung des weiblichen Über-Ichs. (Int. Ztschr. f. PsA. 
Bd. XIV, 1928.) 
Sadger, I. : 

Ein Fall von multipler Perversion mit hysterischen Absenzen. (Jahrbuch f. psycho- 
analytische Forschungen. Bd. II, 1910.) 
Über Urethralerotik. (Jahrbuch f. psychoanalytische Forschungen. Bd. II, 1910.) 
Schmideberg, Melitta : 

The R61e of Psychotic Mechanisms in Cultural Development. (Int. Journ. of Psydio- 

Analysis. Vol. XI, 1930.) 
A Contribution to the Psychology of Persecutory Ideas and Delusions. (Int. Journ. 

of Psycho-Analysis. Vol. XII, 193 1.) 
Psychoanalytisches zur Menstruation. (Ztschr. f. psa. Pädagogik, 193 1.) 
Einige unbewußte Mechanismen im pathologischen Sexualleben und ihre Beziehung 

zur normalen Sexualbetätigung. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XVIII, 1932.) 
Zur Psychoanalyse asozialer Kinder und Jugendlicher. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XVIII, 
1932.) 
Searl, M. N. : 

Symposium on Child Analysis. (Int. Journ. of Psycho-Analysis. Vol. VIII, 1927.) 
A Paranoic Mechanism as seen in the Analysis of a Child. (Kleine Mitteilung; 
gehalten in der Psycho-Analytical Society, 1928. Abstract. in: Int: Ztschr. f. PsA., 
Bd. XVI, 1928, S. 564.) 
Flucht in die Realität. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XV, 1929.) 

Course on the Analysis of Children. (Vortragskurs, gehalten in London 1930.) 
Sexuelle Aufklärung. (Sonderheft der Ztschr. f. psa. Pädagogik. 1927.) 
Sharpe, Ella : 

History as Phantasy. (Vortrag, gehalten in: Brit. Psycho-Analytical Soc. 1929.) 

(Abstract in: Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XV, 1929, S. 365.) 
Sublimierung und Wahnbildung. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XVII, 1931.) 
Simmel, Ernst: 

Doktorspiel, Kranksein und Arztberuf. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XII, 1926.) 
Stärcke, August: 

Die Umkehrung des Libidovorzeichens beim Verfolgungswahn. (Int. Ztschr. f. PsA. 
Bd.V, 1919.) 
Strachey, James : 

Some Unconscious Factors in Reading. (Int. Journ. of Psycho-Analysis. Vol. XI, 
1930.) 
Weiss, Edoardo : 

Eine Phase der Entwicklung zur heterosexuellen Liebe. (Int. Ztschr. f. PsA. Bd. XI, 
1925.) 



i 97 



AUTO RENREGISTER 

Zusammengestellt von Melitta SJimidelerg 

Abraham, Karl 

(Vorwort) 8; (Partialliebe) 60; (Analyse in „Markensprache") 91; (Orale Fixierung) 
133; (Oralsadismus) 134, 135, 138; (Urethraler und analer Sadismus) 139; (Manie) 
140; (Oraler Sadismus und Wißtrieb) 141,183; (Analsadistische Stufe) 151; (Fixierungs- 
punkte der Psychosen) 152; (Gehaßtes Objekt und Kot) ij6; (Paranoia) ij 7 ; (Gleich- 
setzung von Penis und Brust) 147, 161; (Über- Ich beim einundhalbjährigen Kind) 167; 
(Triebhemmungen) 17 j; (Allmachtsgefühl) 181; (Partialliebe) 207; (Allmacht der 
Exkretionsvorgänge) 214; (Weiblicher Kastrationskomplex) 221; (Ejakulation) 2J3; 
(Literaturverzeichnis) 294. 

Alexander, Franz 

(Paktieren mit dem Ober- Ich) 162; (Literaturverzeichnis) 294. 

Eenedek, Therese 

(Todestrieb und Angst) 136; (Literaturverzeichnis) 294. 

Boehm, Felix 

(Versteckter weiblicher Penis) 75, 141; (Weiblichkeitskomplex des Mannes) zjo; 
(Penis des Vaters in der Vagina der Mutter) 255; (Homosexualität) 273; (Literatur- 
verzeichnis) 294. 

Chadwick, Mary 

(Wißbegierde) 255; (Kindesneid des Knaben) 259, 260; (Literaturverzeichnis) 294. 

Deutsch, Helene 

(Angst vor dem Tode der Mutter) 40; (Aufnehmende Funktion der Vagina) 205/6; 
(Femininer Masochismus) 212; (Kenntnis der Vagina) 219; (Funktion der Vagina) 
220; (Nässen) 222; (Saugende Tätigkeit der Vagina) 226; (Nachphallische Phase) 227; 
(Menstruation) 234; (Schwangerschaft) 237; (Literaturverzeichnis) 294. 

Fenichel, Otto 

(Sexualtheorien) 69; (Prägenitale Vorgeschichte des Ödipuskomplexes) 144; („Vor- 
stufen des Über-Ichs") 149/jo; (Vergiftende Fäzes) 155; (Ober-Ich) 164; (Literatur- 
verzeichnis) 294. 

Federn, Paul 

(Sadismus) 253; (Literaturverzeichnis) 294. 

— 298 — 



Ferenczi, S. 

(Vorwort) 8; (Forcierte Phantasien) 98; (Tic) 121; (Ableugnung der Realität) 154; 
(Identifizierung und Symbolik) 1J7; (Erkenntnis der psychischen Realität) 162; 
(Sphinktermoral) 174; (Allmacht der Worte) 181; (Paranoia) 214; (Koprophilie) 239; 
(Amphimixis) 254; (Homosexualität) 273; (Literaturverzeichnis) 294, 295. 

Flügel, J. C. 

(Unbewußte Bedeutung der Kleidung) 98, 193; (Literaturverzeichnis) 295. 

Freud, Anna 

(Technik der Kinderanalyse) 11; (Literaturverzeichnis) 295. 

Freud, Sigmund 

(Vorwort) 7; („Kleiner Hans") 10; (Aggression und Schuldgefühl) 17; (Analyse des 
Kindes) 21; (Humor) 25; (Angst vor Liebesverlust) 42; (Form der Deutung) 43; 
(Disposition zur Zwangsneurose) j8; (Koitusbeobachtungen) 59; (Ausbruch der 
Neurose) 60; (Kinderneurose) 109, 110; (Onanieabwehr) 120; (Neurosenprophylaxe) 
129; (Entstehung der Zwangsneurose) 135; (Entstehung der Angst) 135; (Angst und 
Aggression) 13$; (Abdrängung des Todestriebes) 137; (Urverdrängung) 137; 
(Urethraler Sadismus) 139; (Sexualtheorien) 141; (Aggression und Schuldgefühl) 145; 
(Über-Ich-Bildung) 146—149; (Abwehr) iji; (Psychose) 152; (Introjektion und 
Projektion) 153; (Homosexualität) 1J9; (Verdrängung) 162; (Phobien) 167 — 170; 
(Paranoia) 171; (Zwangsneurose) 172 — 174; (Zwang) 176; (Zwangshandlung)' 180; 
(Schuldgefühl und Aggression) 181; (Allmachtsgefühl) 181; (Zwangshandlung) 182; 
(Zweifel) 183; (Wißtrieb) 183; (Abhängigkeiten des Ichs) 186; (Kinderspiel) 186, 187; 
(Träume von Unfallsneurotikern) 187; (Angst vor Liebesverlust) 188; (Ich) 191; (Onanie- 
abwehrkampf) 194; (Latenzzeit) 195, 196; (Pubertät) 198; (Gefahrsituationen) 202; 
(Normale und Neurotiker) 203; (Angst der Frau) 203; (Weiblicher Kastrations- 
komplex) 20J; (Masochismus) 212; (Allmachtsgefühl) 214; (Paranoia) 214; (Kindes- 
(wunsch) 237; (Aggression) 241; (Weibliche Über-Ich-Bildung) 243; (Identifizierungen) 
244; (Weibliche Sexualität) 248, 249; (Homosexualität) 250; (Gegenzauber) 267; 
(Homosexualität) 272; (Literaturverzeichnis) 29 j. 

Glover, Edward 

(Vorwort) 9; (Orale Versagung) 133, 134; (Oralsadismus) 135; (Hungergefühl und 
Angriffe auf Mutterleib) 138; (Über-Ich-Bildung) 149; (Versagung, entwicklungs- 
förderndes Moment) 159; (Literaturverzeichnis) 295. 

Horney, Karen 

(Weiblicher Kastrationskomplex) 20 j, 221 — 223; (Urethraler Sadismus und Penis- 
neid) 223; (Vagina) 226; (Sekundärer Penisneid) 227; (Weiblichkeitskomplex des 
Mannes) 250; (Literaturverzeichnis) 29$. 

Hug-Hellmuth, H. v. 

(Technik der Kinderanalyse) 10; (Literaturverzeichnis) 295. 

Isaacs, Susan 

(Über-Ich-Bildung) 146; (Literaturverzeichnis) 295. 

Jekels, Ludwig 

(Mitleid) 163; (Literaturverzeichnis) 295. 

Jones, Ernest 

(Vorwort) 8, 9; (Entbehrung als Versagung) 72; (Aggression und Schuldgefühl) 14 5; 
(Über-Ich) 149; (Symbolik) 157; (Schuldgefühl und Angst) 164; („Innocent" = Nidit- 
beschädigend) 179; (Aphanisis) 204, 210, 243; (Flatus und Gedanken) 215; (Weibliche 

— 399 — 



Homosexualität) 223-225; (Vagina) 227; (Angst vor Liebesverlust) 243; (Schuldgefühl) 
26j; (Oralsadismus und Homosexualität) 273; (Erkrankungsanlaß) 291, 292; 
(Literaturverzeichnis) 295, 296. 
Klein, Melanie 

(Frühanalyse) ij; (Aggression und Schuldgefühl) 17; (Abfuhr der Onaniephantasien 
im Spiel) 21; (Zwangsneurose) 46; (Theater) 50; (Sadismus des Über-Ichs verstärkt 
Sadismus des Es) 51; (Sexuelle Beziehungen zwischen Kindern) J3 ; (Frühstadien des 
Ödipuskonfliktes) 65; (Gefahrsituation des Mädchens) 66; (Widerstand gegen Auf- 
klärung) 69, 107; (Symbolik des Balles) 92; (Lernhemmung) 6 7 , 99 ; (Sporthemmung) 
ioj; (Weiblichkeitskomplex des Knaben) iij; (Tic) 106, 121; (Haß gegen Es wird 
auf Objekte projiziert) 124; (Über-Ich-Bildung) 133; (Angriffe gegen Mutterleib) 138- 
(Aggression und Schuldgefühl) 145; (Über-Ich-Bildung) 147, 149; (Sadismus und 
Angst) ijo; (Hemmung der Projektion) 154; (Exkremente als Giftstoffe) 155, i 5 6- 
(Angst und Symbolbildung) 157; („Helfende Gestalten") 158; (Zuwendung zum 
Vater) 159; (Sublimierung) 163, 229; (Psychotische Erkrankungen) 165; („Feenmutter«) 
189; (Symbolische Bedeutung der Buchstaben) 194; (Lernhemmung) 195— 197; (Angst 
.des Mädchens) 204; (Über-Ich-Bildung) 208; (Weibliche Entwicklung) 227; (Paranoia) 
248; (Entwicklungshemmung) 2J4; (Weiblichkeitsphase des Mannes) 2jo, 259, 262; 
(Penis = Repräsentant des Ichs) 215,262; („Helfende Gestalten") 264; (Literaturver- 
zeichnis) 296. 

Laforgue, Rene 

(Skotomisierung) 155, 162; (Literaturverzeichnis) 296. 
Lewin, A. 

(Menstruation) 235; (Literaturverzeichnis) 296. 
Mack Brunswick, Ruth 

(„Wolfsmann") 169, 171; (Literaturverzeichnis) 296. 
Michaelis, Karen 

(Entwicklung einer Malerin) 229. 
Ophuijsen, J. H. W. van 

(Paranoia) 55 ; (Oralsadismus) 134; (Paranoia) ijj, 214; (Literaturverzeichnis) 296. 
Rado, S. 

(Hungerreaktion des Säuglings) 136; (Alimentärer Orgasmus) 138; (Literaturver- 
zeichnis) 296. 

Rank, Otto 

(Theater) jo; (Flutsagen) 139; (Literaturverzeichnis) 296. 

Reich, Wilhelm 

(Phobie und Charakterbildung) 106; („Vorstufen des Über-Ichs") 149; (Genitalität) 2 54 ; 
(Penis und Mutterbrust) 260; (Literaturverzeichnis) 296. 

Reik, Theodor 

(Angst steigert Haß) I23 ; (Schuldgefühl steigert Libido) 125; (Literaturverzeichnis) 296. 

Riviere, Joan 

(Vorwort) 9; (Versagung als Entbehrung) 72; („Weiblichkeit als Maske") 95; (Über- 
leb) 149; (Kastrationskomplex und Wiedergutmachungstendenzen) 224; (Literatur- 
verzeichnis) 297. 

Röheim, G. 

(Exkremente und Zauberei) i J5 ; (Gehaßtes Objekt und Exkremente) 156; (Urvater) 
159; (Paranoia) 171; (Literaturverzeichnis) 297. 

— 3oo — 



Sachs, Hanns 

(Onaniephantasien) 119; (Tagträume) 128; (Vaginale Phase) 221; (Angst vor Liebes- 
verlust) 243; (Literaturverzeichnis) 297. 

Sadger, I. 

(Urethralsadismus) 139; (Homosexualität) 272; (Literaturverzeichnis) 297, 

Schmideberg, Melitta 

(Vorwort) 9; (Sprechhemmung und Paranoia) 80, 81; (Exorzistische Maßnahmen bei 
Primitiven) 124; (Schizophrenie) 154; (Negierung der Angst) 1J5; (Katatonie) 155; 
(Vielzahl der Verfolger) ijö; (Verfolgungsideen) 157; (Introjektion steigert All- 
machtsgefühl) 216; (Entwicklung der Medizin) 22$; (Sexualbetätigung und Wieder- 
gutmachungstendenzen) 228; (Menstruation) 235; (Sucht) 267; (Asoziale) 293; 
(Literaturverzeichnis) 297. 

Searl, M. N. 

(Vorwort) 9; (Technik der Kinderanalyse) 41; („Flucht in die Realität") 112, 125; 
(Oralsadismus und Paranoia) 141; (Über- Ich) 149; (Wiedergutmachungstendenzen) 
182; (Literaturverzeichnis) 297. 

Sharpe, Ella 

(„History as Phantasy") 98; (Sublimierung) 163, 164; (Literaturverzeichnis) 297. 

Simmel, Ernst 

(Exkremente und gehaßtes Objekt) 156; (Literaturverzeichnis) 297. 

Stäreke, August 

(Paranoia) 55, 155, 214; (Literaturverzeichnis) 297. 

Strachey, Alix 
(Vorwort) 9. 

Strachey, James 

(Vorwort) 9; (Lesen) 67; (Literaturverzeichnis) 297. 

Weiss, Edoardo 

(Projektion der eigenen Weiblichkeit) 260; (Literaturverzeichnis) 297. 



— 3oi — 



SACHREGISTER 

Zusammengestellt von Melitta SchmiJeherg 

i) Bezeichnungen, die im Text häufig vorkommen, werden nur in einigen Zusammenhängen 
angeführt. 

2) Es wurden auch Seiten in das Register aufgenommen, auf denen die betreffenden Bezeich- 
nungen nicht ausdrücklich erwähnt sind. 



Mr. A. s. Patienten: Mr. A. 

Abdrängen d. Todestriebes (Destruk- 
tionstr.): 137, 138, 187, 212; s. a. 
Projektion; — d. d. Es geltenden 
Hasses auf Objekte: 51, 124, 1J3, 162, 
212; s. a. Über-Ich u. Objektbezie- 
hung. 

Abenieuerpbantasien: y6, 90. 

Abhängigkeit v. Objekt im Latenzalter: 
99—101, 194, 195, 197; s. a. Angst 
v. Liebesverlust; Fixierung, überm.; 
Latenzalter, Angstbewältigung im L.; 
Ich des Kindes im L. 

Ablehnung als Zeichen negativer Über- 
tragung: 26, 32, 102; (Grete) 68; 
(Inge) 69; (Ruth) 37. 

Ablösung v. Liebesobjekten: 117, 118; 
— — im Latenzalter: 198; — — in 
Pubertät: 190, 198, 289; (Gert) 127. 

Abreagieren i. d. Analyse: 22, 64. 

Abwehr, introjiz. Objekt Träger d. A.: 137; 
s. a. Ober-Ich; — mechanismen: 151, 
i$2, 154, 162—164, 167, 176, 179, 
186. 

Abwendung v. Objekt: 163, 207. 

Affektambrüdie i. d. Analyse: 64 — 65; 
—loser Trotz: (Egon) yy; — losigkeit 
d. Analytikers: 63; — Verdrängung: 
in; (Egon) 77; s. a. Latenzalter: 
Angstbewältigung; Phantasieverdrän- 
gung. 



Agieren i. d. Analyse: 22, 101; (Kenneth) 
74, 7$; s. a. Affektausbrüche; Finger- 
spiel; Spiel. 

Aggression u. Angst: s. Angst; — leitet 
Ödipuskonflikt ein: 17, 145; s. a. 
Ödipuskonflikt, Frühstadien d.; — u. 
Schuldgefühl: s. Schuldgefühl; — , über- 
mäßige (Symptom): (Franz) 122; 
(Kenneth) 73; (Peter) 27, 32; (Wer- 
ner) 77. 
Aggression, s. Abdrängen d. Todestriebes; 
Allmacht, destruktive; Angriffe; Sadis- 
mus; Wechselwirkung zw. Destruk- 
tionstrieb u. Libido. 

Akte, sex.: s. Sexuelle Akte. 

Aktivitäten u. Angstbewältigung: 188, 201; 
s. a. Angstbewältigung, normale; — 
u. Wiedergutmachung: 188, 201; s. a. 
Allmacht, konstruktive; Sublimierung. 

Alimentärer Orgasmus: 138. 

Alkoholismus: z6y. 

Alleinbleiben, unfähig; s. Angst vor Ver- 
lassenwerden. 

Allmacht der Blasenfunktion (sadist.): 181, 
201, 214, 223, 245, 254, 279; — , 
destruktive (sadist.): 258, 267, 279; 
s. a. Analsad., Oralsad., Penis = 
Werkzeug d. Sadism.; Urethralsad.; 
— der Exkremente: 181, 214, 21$, 
223, 224, 243—245, 252—253, 257, 
271, 279, 280; — der Gedanken: 180, 
181, 214, 215, 243—245; — , kon- 



— 3oa — 



struktive: 182, 183, 201, 229, 245, 258, 
262, 267; s. a. Liebesfähigkeit; Penis, 
guter; Penis, bösen, in guten ver- 
wandeln; Wiedergutmachungstenden- 
zen. 

Allmacht des Penis: 206 — 208, 252 — 254, 
262, 279; s. a. Penis = Werkzeug d. 
Sadismus; — d. introjizierten Penis: 
207, 208, 214 — 216, 223, 224, 243. 
262. 

Allmachtsgefühl, verstärkt durch Introjek- 
tion: 216, 223; s. a. Allmacht d. intro- 
jizierten Penis. 

Allmachtsglaube u. Ichentwicklung: 201, 
202, 229, 230, 245, 262; s. a. Allmacht, 
konstruktive; Sublimierung. 

Ambivalenz: s. Spaltung d. Mutter-Imago; 
Übertragung, negative. 
Ambivalenz, überm. (Symptom): 113; 
(Erna) 46; (Franz) 122; (Rita) 16, 32; 
(Peter) 27; s. a. 

Amnesie, frühinfantile: 27; — , partielle: 
127. 

Amphimixis: 254. 

Anal{e) Fixierung s. Fixier, prägen.; — 
Funktion, Störungen d. 178; (Konsti- 
pation, John) 179; (Incontinentia, Pe- 
ter) 31; (Trude) 17, 41; — s. a. De- 
fäzieren, Exkremente, Reinlichkeits- 
gewöhnung. 

Analerotik (Erna) 56; (John) 178 — 179; 
s. Exkremente, gute; Allmacht d. Ex- 
kremente; analsadistische Phantasien; 
Defäzieren. 

Analsadistische Phantasien: 175 — 180; (Mr. 
A.) 268, 269; (Mr. B.) 275—277; (Erna) 
48 — 56, 66; (Franz) 271; (Günther) 
122; (John) 177 — 179; (Kurt) 116; 
(Peter) 31; (Trude) 17; s. a. Defä- 
zieren; Exkremente; Flatus; — Phase: 
66, 139, 140, 143, 151, 155—157. *7J 
bis 180, 214 — 217, 239, 244; s. a. 
Allmacht d. Exkremente; Exkremente, 
Mutterleib, Angr. a.; Ödipuskonflikt, 
Frühstad. d.; Sadismus, Höchstblüte 
d.; Weiblichkeitsph. d. Kn.: 271. 

Analyse, Abbruch d.: 89, 103; — , Agieren 
i. d.; — s. Agieren; — in Anwesenheit 
d. Begleitperson: 37; — , beendigte, 
Maßstab f.: 24, 26, 45, 62, 113 — 120, 
289 — 291. Beginn d. [Frühanalyse] : 
27, 38, 68; (Kurt) 114; (Peter) 27 bis 
31; (Ruth) 37—39; (Trude) 32, 33; 



[Latenz] 68, 82, 83; (Egon) 77; 
(Erna) 46; (Grete) 68; (Inge) 6$; — , 
Beginn d.: [Pubertät] 89, 94 — 95; 
(Ilse) <)6\ (Ludwig) 89. — , Dauer d.: 
103, 292; — , Erfolg d.: 103; (Mr. B.) 
287; (Bill) 92; (Egon) 81; (Erna) 61; 
(Franz) 126; (Gert) 127; (Günther) 
126; (Ilse) 100, 127; (Inge) 71; (Ken- 
neth) 73; (Kurt) 115; (Ludwig) 93; 
(Trude) 41; (Werner) 76; — , Grenzen 
d.: 291, 292. 

Analyse: asozialer Kinder s. Asozial; — 
normaler Kinder s. Normale; — psy- 
chotischer Kinder s. Psychot. 

Analyse, Technik d.: s. Affektausbr. i. 
Anal.; Behandlungszimmer, Einrich- 
tung d.; Deutung; Frühanalyse; La- 
tenz, Analyse in; Pubertät, Anal, in 

Analytiker, Affektlosigkeit d.: 65; — , 
Ausbildung d.: 9, 103; — , erzieheri- 
sche Beeinflussung seitens d.: 11, 25, 
65, 86, 102, 125. 

Analytische Situation b. Kinde: 11, 20, 24, 
30; s. a. Obertragungssituation; — , 
Herstellung d.: 26, 35, 41, 68; s. a. 
Analyse, Beginn d. 

Anfertigung v. Gegenständen s. Hand- 
arbeiten. 

Angriffe, geheime: 143, 155, 270; s. a. All- 
macht d. Exkr.; Analsad.;Exkrem., gef.; 
Paranoia; — , phantas. gegen koitier. El- 
tern: 17, 18, 28, 29, 31, 47, 50, 53, 
56, 60, 65, 66, 98, 122, 124, 142 — 144, 
181, 265, 270; s. a. Onaniephantasien; 
Urszene, Reaktion auf; — , phantas., 
gegen Mutterleib s. Mutterleib; — 
gegen Schwächere: (Franz) 124; An- 
griffe s. a. Analsadismus; Allmacht, 
destrukt.; Sadismus (Partialtrieb); 
Muskelsad.; Oralsad.; Urethralsad. 

Angst, als Anzeichen negativer Übertra- 
gung: 32, 35; — , Dosieren d., i. Ana- 
lyse: 26, 32, 33, 35, 41, 42, 102; — , 
Fähigkeit — z. ertragen s. Konstitutio- 
neller Faktor; — , Umsetzung v., in 
Lust: 192, 193, 21J. 

Angst (als dynamischer Faktor): — , Ag- 
gression, gesteigert durch: 123, 143, 
154, 178, 179, 214, 217, 224; — , Aus- 
breitung d.: 156, 163. 

Angstbewältigung (mit Hilfe realer Ob- 
jekte): 35, 40, 163, 164, 189, 197, 211, 
217, 231—233, 248, 252—254; s. a. 



- 3o3 - 



Realität, Flucht in; (durch Introjekt. 
guter Objekte) 158; (im Latenzalter) 
193 — 197; (männliche) 192 — 194, 199, 
253; (männliche Art b. Mädchen) 199; 
(normale) 186 — 203, 291; (im Puber- 
tätsalter) 90, 198 — 201; — u. Sexual- 
betätigung s. Sexualbetätigung; — im 
Spiel: 186, 187, 192, 193; — , weib- 
liche: 192, 193, 199 — 20i, 208 — 213, 
238 — 248; — , weibliche Art b. 
Knaben: 199. 
Angst, Entwicklungsf orderndes Moment: 
116, 150, 1J7, 188—202; — steigert 
Introjektion: 153, 208, 209, 242, 253; 

— steigert Libido: 116, 12$, 160, 208 
bis 211, 253, 290; s. a. Fixierung; Lie- 
besbedingungen; Sexualbetätigung und 
Angstbewältigung; Sexualentwicklung; 

— steigert Projektion: 151, 1J3, 156, 
157, 167, 209, 238, 252; s. a. Angst v. 
introj. Objekten; — u. Reaktionsbil- 
dungen 175, 238, 239; — u. Realitäts- 
beziehung: IJ7 — 158, 189, 194; — 
steigert Wißtrieb ij8, 176, 187, 255; 

. (Mr. A.) 266; s. a. Wißtrieb. 
Angst, Entwicklungshemmendes Moment: 
150, 186; s. a. Wißtrieb, Störung, d.; 

— führt zur Hemmung d. Projekt. 154. 
Angst, Entstehung d.: 17, 135 — 138; 

aus Aggression: 17, 60, 136, 146, ijo, 

210; aus unbefried. Libido: 136. 

Angst, (Formen d.) — anfalle: 26, 40 bis 

42, 102; (Rita) 16; (Ruth) 37 — 39; 

(Trude) 17, 41; u. Pavor noc- 

turnus: 40 — 42; Vorbeugung d. : 

41, 42. 
Angst (Formen d.) v. Einbrechern: (Erna) 

46, 60, 224; — v. Fremden: 37, 104; 

— v. Gegenständen 109; — , hypo- 
chondrische s. Hypochondrie; — , par- 
anoide s. Paranoia; — v. phantast. 
Gestalten: 166; — , verraten zu wer- 
den: 123; s. a. Paranoia; Straßen — : 
ioj; — v. Telephon: 105; Ängstlich- 
keit: 104; (Günther) 122; (Kenneth) 
73; (Kurt) 114; (Peter) 28; (Ruth) 
37; A. s. a. Pavor nocturnus; Tier- 
phobie; Phobie; Paranoia. 

Angst, latente (Auswirkung lat. A.); 

u. Defäzieren: 178; — — u. körper- 
liche Erkrankung: 109, 180; u. 

Unarten: 105; u. Urinieren: 30; 

u. Zwang: 17$ — 177; (Erna) 60; 



u. Zweifel: 175; s. a. Angst als 

dynamischer Faktor; Einzelne neuroti- 
sche Symptome. 

Angstsituation{en), frühe: 42, 66, 136 — 158, 
161 — 179, 188, 202, 204, '209, 210, 
216 — 219, 223, 243, 248, 249, 251 bis 
256, 260 — 26J, 271, 291 — 292; Auf- 
geben v. — : 203, 291; Einfluß d. Re- 
alität auf — : 231 — 232, 291; s. a. Re- 
alität, Flucht in d. — ; Angstbewälti- 
gung; Modifizierung d. : 40, 188, 

202; Verschiebung d. : 216, 261; 

spätere Wirksamkeit d. — — : 202, 

256, 291, 292; u. Psychose: 152, 

154 — 157, 165, 176, 251; s. a. Par- 
anoia; Psychose; Vergiftungsangst. 

Angstsituation. 
Angst v. Angriffen. — v. analen Angrif- 
fen: 248; — v. Angriffen d. Mutter: 
33. 4°. 42. 66, 94, 95, 204, 219, 235, 
269; (Mr. A.) 269; (Egon) 79; (Erna) 
5°» J4. 56» 66; (Kenneth) 74, 7$; 
(Kurt) 115; (Ludwig) 89; (Peter) 33; 
(Rita) 18, 40, 119; (Ruth) 39; (Trude) 
41; s. a. — d. Mädchens; Weiblich- 
keitsphase d. Knaben; Frau m. Penis; 
— v. Gefressenwerden: 169, 248; — 
v. Kastration s. Frau m. Penis; Ka- 
strationskomplex; — d. Leibesinhaltes 
beraubt zu werden s. — v. Angr. 
d. Mutter; — d. Mädchens; — 
v. Vater s. Kastrationskomplex; — 
v. vereinigten Eltern: 142, 209, 216, 
251, 256, 261 — 263; (Mr. A.) 276; 
(Mr. B.) 286; (Kenneth) 75; (Kurt) 
115; — v. Verfolgung s. Paranoia, 
Angst v. Aphanisis: 210, 215, 243; — .be- 
obachtet zu werden (belauert zu wer- 
den) s. Paranoide Angst; — v. eigener 
Aggression: 137, 138, 167, 259; (Mr. 
B.) 287; (Werner) 76; s. a. Konstitu- 
tioneller Faktor: Fähigkeit, Sadismus 
z. ertragen; — v. Exkrementen s. Ex- 
kremente; — v. eigenen Exkrementen: 
156, 175, 271; (Mr. A.) 269; (Mr. B.) 
277; — v. inneren Triebgefahren: 
137, 138. 
Angst v. introjizierten Objekten: 124, 
IJ4, i$6, IJ7, 208, 223, 237, 238, 263; 
(Mr. A.) 267—269; (Mr. B.) 283—287; 
(Egon) 80; (Franz) 124; (Rita) 18 bis 
19; s. a. Exkremente, gef.; Leibes- 
inhalt, böser; Über-Ich; Urin, gefähr- 



— 504 — 



lidier; — v. d väterl. Penis im eigenen 
Penis: 286, 287. 
Angst v. Liebesverlust: 40, 42, 188, 243; 
— , ohne Heim zu bleiben: 192, 200; 
— v. Tadel: 167; (Rita) 18; — v. 
Verlassenwerden: 40, 42, 188; (Ilse) 
98; (Ruth) 39—40; s. a. Abhängigkeit 
v. Objekten; Fixierung, überm. 
Angstsit. d. Mädchens: 40—42, 66, 95, 
203, 204, 210, 218, 219, 235, 236, 248; 
(Erna) 50, 66; (Rita) 42, 119; (Ruth) 
40, 42; (Trude): 17, 33, 41; s . a. 
Mutterleib, Angriffe auf; Angstbewäl- 
tigung; Ödipuskonflikt. 
Angst v. d. Penis s. Kastrationskomplex; 
Penis, böser; — v. d. Tode d. Eltern: 
267; — v. d. Tode d. Mutter: 40, 42, 
188; (Mr. A.) 265; (Mr. B.) 283; 
(Ruth) 40; Todesangst: (Ludwig) 93; 
— v. d. Über-Ich s. Angst v. d. 
introjizierten Objekt; — v. d. Un- 
bewußten: 262, 285; — v. Urin s. 
Urin, gefährlicher. 
Angstobjekt: Angsttier, Bewunderung f.: 
l6 7! — ) Identifizierung m.: 223, 259; 
(Erna) 60, 224; (Franz) 124. 
Anhäufen, zwanghaftes: 177—178, 218. 
Anklagen gegen d. Mutter s. Mutter. 
Apbanisis: 204, 210, 243. 
Arbeitshemmung: 107, 183; (Mr. B.) 274, 
286, 287; s. a. Sublimierungen, Hem- 
mung v.; Wißtrieb, Störungen d. 
Arztspiel s. Spiel. 

Asoziale: 101, 293; s. a. Charakterbild, 
abn.; Charakterschwierigkeiten; Ilse; 
Kenneth; Sadismus; Verbrecher; Aso- 
ziale; Über-Ich-Bildung d. — : 164. 
Assoziation d. Sprache in d. K. Anal.: 
19—20, 26, 4j, 81, 103; (Bill) 92; 
(Egon) 80—81; (Erna) 46—63, 81; 
(Ilse) 97; (Inge) 69, 82; (Kenneth) 74, 
81; (Ludwig) 89, 92—94; (Peter) 34, 
6$; (Werner) 7 6; — z. Spielstücken: 
s. Spiel. 
Aufgabe s. Schulaufgabe. 
Aufklärung, sexuelle = Resultat, Analyse: 
24, 6% Erleichterung d. — — : 69; 

Widerstand gegen -.6% 107. 

Aufopferungsfähigkeit: 245. 
Aufsatz s. Schulaufsatz. 
Auge(n), Gleichsetzung Penis m. — : 255; 
s. a. Blendung, Blinzeln; —aufreißen 
(Unart): 105; „Augensalat": (Erna) 48. 



Ausgleich zw. Über-Ich u. Es: 230, 289; 

Ich s. Zielsetzung; 

u. Objekt: 163, 164, 189; s. a. Über- 
Ich. 
Aussaugen (vampyrhaft. Charakter): 138. 
Ausschlag: (Ilse) 126. 
Ausschneiden, Papier: 20, 45; (Egon) 79; 

(Erna) 48, 66. 
Außenwelt u. Mutterleib: 158, 253; s. a. 

Realität. 
Ausstoßung d. Über-Ich s. Über-Ich. 
Auto, Symbol. Bedeutung d.; s. Symbol. 
Bedeutung. 

B 
Mr. B. s. Patienten: Mr. B. 
Ball, symbol. Bedeutung s. Symbol. Be- 
deutung. 
Bauen (Spiel): 45, 257; (Egon) 79 ; (Erna) 
48; (Werner) 76; Bausteine, unbewußte 
Bedeutung d.: 43, 75, 81, I77 . 
Behandlungszimmer, Einrichtung d.: 27, 45, 

64, 218. 
Beißen s. Oralsadismus. 
Bekleidungsstücke s. Kleidung. 
Berührungsangst: 120, 121, 125, 289; s. a. 
Onanieabgewöhnungskampf; Sexual- 
betät., Angst v. 
Berichte, phantasielose: 82, 91; (Ilse) 97, 

98; (Inge) 69; (Ludwig) 92. 
Berufshemmung s. Arbeitshemmung. 
Bettnässen s. Enuresis. 
Bewegungsspiele s. Sport. 
Beziehungsideen: 157, 271; (Mr. B.) 274; 

s. a. Paranoia. 
Bill s. Patienten: Bill. 
Blendung, Angst v.: 105. 
Blinzeln (Unart): ioj. 
Böse Exkremente s. Exkremente; — Mutter 
s. Spaltung d. Mutter-Imago; — Penis 
s. Penis; — Urin s. Urin. 
Bravheit, überm.: 110, 190; (Rita) ij. 
Brennen u. Nässen s. Nässen. 
Brust s. Mutterbrust. 

Buch, ubw. Bedeutung d.; s. Symb. Bed. 
Buchstabe, ubw. Bedeutung d.: 194; s. a. 

Lesen, Schreiben. 
Bundesgenossenschafl d. sex. Beziehungen: 
124, 128, 233, 270; (Franz) 124; (Gün- 
ther) 124; s. a. Paranoia; Bundesg. 
gegen Eltern: (Erna) 53. 
Bündnis von Über-Ich u. Es s. Paktieren 

mit d. Über-Ich. 
Bureauspiel s. Spiel. 



Klein, Psychoanalyse des Kindes. 



- 3o5 — 



Charakterbildung: 161, 260; — , abnorme: 
293; (Erna) 57, 58; (Günther) 122 bis 
126; (Ilse) 96 — 100; (Kenneth) 73 — 75; 
s. a. Asozial. 

Charakterschwierigkeiten: 109, 113; s. a. 
Aggression, überm.; Ambivalenz, über- 
mäßige; Asoziale; Erziehungsschwie- 
rigkeiten; Hohn; Mißtrauen; Trotz; 
Einzelne Kinderpatienten. 

Clitoris s. Klitoris. 

Cunnilingus, ausgeübter: 126. 

D 

Darstellung d. elterl. Koitus s. Koitus; — 
d. ödipuswünsche s. Ödipuskonflikt; 
— smittel erweitern sich durch Deutung: 
44, 70, 78; — , symbolische: 19, 26, 91; 
s. a. Geständnis, symb.; Spielanalyse; 
Symbol. Bedeutung; — , unmittelbare: 
21, 22; s. a. Agieren. 

Defäzieren s. a. Anale Funktion; Exkre- 
mente; — u. Angst: 178; (John) 179; 

— u. Sadismus: 144, 179; (Erna) 49, 
54; (Peter) 31; (Trude) 17, 41. 

Defloration: 219; s. a. Kohabitation, erste. 

Denkhemmung s. Lernhemmung; Wiß- 
trieb, Störung d. 

Depression (Melancholie): 113, 165, 212, 
218; (Mr. B.) 274, 283, 287; (Erna) 46, 
54, $6, $8, 60, 61; (Ilse) 96; (Ludwig) 
93; (Rita) 15, 119. 

Destruktionstrieb s. Abdrängen d. Todes- 
triebes; Aggression; Allmacht, de- 
struktive; Sadismus; Wechselwirkung 
zwischen Destruktionstrieb u. Libido. 

Deutung(en), Aufnehmen d.: 20, 21, 24, 
33; — , bewußte Verarbeitung d.: 23, 
24; (Erna) 53, 57; (Peter) 33, 6y, — , 
Form d.: 39, 42, 43; — , rechtzeitige: 
32, 36, 41, 68, 102; (Ilse) 96; (Ludwig) 
89; (Trude) 32, 33; — , symbolische: 
20, 26, 36, 91; — , tiefführende: 33, 36, 
41, 68; — , Vorbedingung d. richtigen: 
20, 82, 83, 102; — , Wirkung d.: 20, 
24, 32. 33» 35. 37» 38. 84; (Egon) 78; 
(Grete) 69; (Ilse) 96, 97; (Inge) 69; 
(Ludwig) 89; (Peter) 29 — 31, 6j; 
(Rita) 32; (Ruth) 38; — , Zusammen- 
hang mit analyt. Situation: 20, 39; 

— — — Angst u. Schuldgefühl: 20, 
41, 82, 83, 102; s. a. Infantile Erleb- 
nisse, Aufdecken v. 



Diskretion d. Kinde gegenüber: 85. 

Dissimulation: (Mr. B.) 275. 

Dringlichkeit d. analyt. Materials: 3$, 36, 
41, 102. 

Dritt(er) in Ernas Phantasie: 47; — , ge- 
schädigter: (Kurt) 117; — , Koitus, 
phantasierter, zu: (Peter) 29, 32; — , 
Verhältnis zu: 117. 

Durcharbeiten in Analyse: 34, 35. 

E 

Egon s. Patienten: Egon. 
Eigentümlichkeiten d. Erwachsenen: 10$; 

— d. Kindes: 104; s. a. Unarten. 
Eifersucht auf Eltern s. Ödipuskonflikt; 

— — Geschwister s. Geschwister; — , 
gesteigert d. Angst: 266, 272; — , ver- 
ringert d. Anal. s. Geschwister, Ver- 
hältnis zu, gebessert d. Analyse. 

Einbrecher, Angst v.: (Erna) 46, 60, 224; 

— i. Spiel: 47. 
Einfühlung, psychol.: 260. 
Eintönige Berichte s. Berichte. 
Einverleibung s. Introjektion. 
Ejakulation: 2J3; s. a. Pollution. 
Ekel (Reaktionsbildung): 175. 

Eltern s. Mutter; Vater; Ödipuskonflikt; Um- 
gebung; Ambivalenz d. — z. Analyse 
d. Kindes: 85 — 88; Mitarbeit d. — : 8$, 
86; (Ruth) 37, 38; Verhältnis d. — 
zum Kind s. Kind, Verhältnis z.; Ver- 
hältnis d. — z. Kinderanalytiker: 
84 — 89; Verhältnis z. — , gebessert d. 
Analyse: 25; (Erna) 57, 63; (Ilse) 100; 
(Inge) 71; (Kurt) 115; (Rita) 16; 
(Ruth) 40; (Trude) 41; (Werner) 76; 
s. a. Soziale Anpassung. 

Empfindlichkeit, überm., g. Schmerz s. 
Wehleidigkeit; — , überm., g. Tadel s. 
Tadel. 

Entbehrung als Strafe: 72. 

Entwicklungshemmung: 254, 293. 

Entwöhnung (orale Versagung), Reaktion 
auf: 138 — 141, 159, 160, 249; (Mr. A.) 
269; (Erna) 58, 65; (Inge) 72, 73; 
(Ruth) 22, 138; s. a. Oralsadismus, 
Wirkungen d.: 134, 135, 159, 160, 
204 — 206, 216 — 217, 222; s. a. Sauge- 
periode, Verlauf d. 

Enuresis s. Nässen. 

Erektion: 253. 

Erkältungskrankheiten: 41, 109. 



— 3o6 - 



Erkrankung, körperliche, s. Körperliche 
— d. Mutter, Trudes Reaktion auf: 
4°, 41; Erkrankungsanlaß: 60, 196 bis 
198, 269, 2 g 3) 291; (Mr. A.) 269; 
(Mr. B.) 283; (Erna) 60; (Rita) 16; 
(Ruth) 38. 
Erna s. Patienten: Erna. 
Erreichen d. Heterosexualität s. Hetero- 

sexualität. 
Erstickungsangst: 222, 277. 
Erwachsene^), Eigentümlichkeiten d.: 105; 
— , Stabilisierung d.: 190, 191; Unter- 
schied zw. d. Neurose d. Kindes u. d. 
— : 110, 112. 
Erwachsenenalter, Übergang in: 62, 101, 

103, 190, 191; (Bill) 92. 
Erziehung s. a. Pädagogik; Eingriff in d. 
— smaßnahmen d. Eltern s. d. Ana- 
lytikers: 86; —smaßnahmen als Miß- 
handlung aufgefaßt: (Erna) 51, 54; — 
als Verführung aufgefaßt: (Erna) 58, 
59; — sschwierigkeiten (Symptom): 109; 
s. a. Asoziale; Einzelne Kinderpatien- 
ten; Charakterschwierigkeiten; Kind, 
schwieriges; Hohn; Mißtrauen; Trotz; 
— , vermindert d. Analyse: 24, 105; 
(Erna) 64; (Ilse) ^, 100; (Kenneth) 
73; (Peter) 28; (Rita) 16; (Ruth) 40; 
(Trude) 41; (Werner) 76. 
Erzieherische Beeinflussung s. d. Analyti- 
kers: n, 25, 65, 102, 125. 
Es und Über-Ich-Bildung s. Über-Ich-Bil- 
dung; Sadismus d. Es s. Sad.; Spaltung 
im — : i 37 . 
Essen s. Nahrungsaufnahme. 
Eßschwierigkeiten: 104, 166; (Trinkfaul- 
heit: 134.) 
Eßwaren s. Symbol. Bed. 
Exhibieren, schamloses: 73; — in Analyse: 

30. 
Exkremente, Allmacht d., s. Allmacht. 
Exkremente, Angst v. eigenen: 156, 175, 

271; (Mr. A.) 269; (Mr. B.) 277. 
Exkremente, gefährliche, u. Abneigung ge- 
gen Frau: (Mr. B.) 275; Angriffe 

durch: 143, 155—157, i 7J , 1/9> 2I ^ 
239, 268, 271; (Mr. A.) 265; (Erna) 
$6, 66; s. a. Analsadismus; Defä- 
zieren; — — u. Kind im Leibes- 

innern: 238; u. Menstruation: 

235, 241; u. Penis: 253; 

u. Sublimierung (Reaktionsbild.): 175, 
2 39> 245, 246; u. Ungeziefer: 



271; (Erna) 56; als Verfolger: 

S$> 56, 155—157, 269, 271; — _ 
u. Worte: (Mr. A.) 269; (Mr. B.) 276; 
s. a. Paranoia u. Analsadismus. 
Exkremente, Gleichsetzung m. Kind: 236 
bis 239; — , Gleichs. m. Penis: 31, 49, 
S5> iJS. 161» 236—239, 253, 264, 276. 



Fäces s. Exkremente. 
Fähigkeit, Angst zu ertragen s. Konstitu- 
tioneller Faktor. 
Fellatio, ausgeführte: 209; (Mr. B.) 278; 
(Franz) 122; (Günther) 122; (Ilse) 126; 
(Peter) 34; — , Geständnis d.: roy; 
ubw Bedeutung d. — : 214; — , Phan- 
tasien, s. Orale Phantasien. 
Fest{en), Verhalten zu: 108. 
Finger spiel, Deutung d.: (Egon) 78; (Ilse) 

9 6. 
Fisch, ubw. Bedeutung: 49, 50, 66; Fisch- 

phobie: 159. 
Fixierungen), inzest. Objekt, verstärkt d. 
Schuldgefühl: 127; — , libidinöse, verst. 
d. Angst: 125; s. a. Angst, steig. 
Libido; Wechselwirkung zw. Libido 
u. Destr.; — , Auflösung v.: 29, 289, 
290; — an Mutter, übm.: 40, 189; s. 
a. Angst v. Verlassenwerden; präödi- 
pale Mutterbindung; (Erna) 46, 56; 
(Ilse) 99 ; (Peter) 27; (Rita) 15; (Ruth) 
37, 40; (Trude) 17, 41; — , prägeni- 
tale, verst. d. Angst: 179; (Erna) 56; 
(Kurt) 116; — , sadist. d. Über- Ich 
verstärkt: 179. 
Fixierungsstelle d. Psychosen: 154, 165, 
176; s. a. Paranoia; Schizophrenie. 
Flatus als Angriffsmittel: 214 — 215, 271; 

— und Gedanken: 215. 
Flucht zum guten inneren Objekt: 154; — 

in d. Realität s. Realität. 
Fluktuieren d. Entwicklungsphasen: 160, 

173- 
Fragestellung, Art d., in Analyse: 81. 
Franz s. Patienten: Franz. 
Frau mit Penis (Sexualtheorie): 141— 142, 
255, 256, 263; (Egon) 80; (Kenneth) 
74— 75; (Kurt) 115; (Peter) 33—34; 
— , Vergl. m. Kind: 246; s. a. Ich- 
entw. weibl. 
Fremden, Angst v.: 104; (Ruth) 37. 
Frigidität: 121, 213, 227, 229, 231, 233; 
s. a. Sexualentw., Stör. d. 



— 3oy — 



20* 



Frühanalyse, Technik d.: 15 — 45; d. 

Anwendung auf d. größere Kind: 25, 
77 — 8t, 101 — 103; s. a. Deutung. 

Frühe Angstsituationen s. Angstsituationen; 
— — u. Über- Ich s. Ober- Ich. 

Frühstadien, Ödipuskonflikt s. Ödipuskon- 
flikt; — — d. Über-Ich-Bildung s. 
Über- Ich-Bildung. 

Fußballspiel: 91, 94. 



Gebärakt: 240, 24$; — , Darstellung d. G. 
in d. Analyse: 50. 

Gedanke: 215, 28$; Allmacht d. — s. All- 
macht. 

Gefahrsituation s. Angstsituation. 

Gegenstände, belebt: 104, ioy; — , Personen 
darstellend: 108; Bausteine: 43, 74, 7$; 
Bleistifte: 34, 74; Kissen: 17, 41; 
Klammern: 74; s. a. Symbolische Be- 
deutung verschiedener Gegenstände. 

Gehemmtheit (Symptom): (Günther) 122; 
(Kurt) 114; (Peter) 27. 

Genese d. Zwanges s. Zwang. 

Genitale Regungen mildern Sadismus: 161, 
288; s. a. Ödipuskonflikt, spätere 
Stadien. 

Genitale Stufe, Erreichen d.: s. Hetero- 
sexualität, Erreichen d.; Onaniephan- 
tasien, Änderung d.; Spielphantasien, 
Änderung d. 

Genitalien, kindl. Bezeichnungen f.: 28; 
— als Waffen, Tiere aufgefaßt s. Pe- 
nis, böser; Tiere; Sexualtheorien: sa- 
distischer Koitus; Vagina, gefährliche; 
Waffen. 

Gert s. Patienten: Gert. 

Geschädigter Dritte, Situation d.: 117. 

Geschenk, ubw. Bedeutung d.: 107, 108; 
(Inge) 72. 

Geschlechtsunterschied, Grübeleien über: 68, 
6g, 84; Schwierigkeit, — zu erkennen: 
265. 

Geschwister(n), Angst vor kommenden: 
(Erna) 52; (Ruth) 37 — 40; s. a. Schwan- 
gerschaft, Reaktion auf; — , Verhältnis 
zu: 108, 207, 217; (Mr. B.) 278, 279, 
281 — 283; (Erna) 52, 53; (Franz) 122 
bis 126; (Gert) 126, 127; (Günther) 122 
bis 126; (Ilse) 98, 100, 126, 127; (Inge) 
71—73; (Kurt) 114; (Ludwig) 92, 94; 
(Peter) 28, 29, 34; (Rita) 16; (Ruth) 
37, 38, 40; (Trude) 23, 41; s. a. Sex. 



Beziehungen zw. — ; Verhältnis zu — : 
bessert sich durch Analyse: (Franz) 
126; (Gert) 127; (Günther) 126; (Ilse) 
127; (Ludwig) 93; (Peter) 28; (Rita) 
16; (Ruth) 40; (Trude) 41; s. 'a. So- 
ziale Anpassung; Wunsch nach — : 
(Erna) 52, $3. 

Geschwisterreihe, Stellung in s. Kind, ein- 
ziges, jüngstes, mittleres. 

Geständnis, symbolisches, sexueller Hand- 
lungen: 105; (Ilse) 96; (Ludwig) 94; 
s. a. Onanie, Darstellung d. 

Gift u. Exkremente s. Exkremente, ver- 
gift.; — u. Urin s. Urin, vergift. 

Gleichgültigkeit gegen Geschenke: 107; — 
gegen Liebe: 100; — gegen Schmerz: 
107. 

Gleichsetzung v. eigenem Leib und Mutter- 
leib: 241, 2J4, 2J7, 261; (Mr. A.) 
268; (Mr. B.) 283; (Egon) 80; — v. 
Ober-Ich u. Objekt s. Über-Ich-Bildung 
u. Objektbeziehung. 

Grete s. Patienten: Grete. 

Größenphantasien: 182, 271; (Erna) 54; 
(Kurt) 114; s. a. Allmacht; Magie. 

Grübelsucht: (Mr. B.) 276; (Erna) 46, 67; 
(Werner) 76; s. a. Geschlechtsunter- 
schied, Grübeleien über; Zwangsneurose. 

Günther s. Patienten: Günther. 

H 

Handarbeiten, ubw. Bedeutung: 45, 95, 
193, 218. 

„Hans, Kleiner" (Freuds Patient): 10, 
168— 171. 

Harn s. Urin. 

Harpyen: 277. 

Haß s. Aggression; Analsadism.; Angriffe; 
Destruktionstrieb; Sadismus; Oraler 
Sadismus; Urethral. Sadismus. 

Haus s. Symbol. Bed.; —freund: 117; 
— tiere: 232; s. a. Symbol. Bedeutung; 
Tiere. 

Heilung s. Analyse, Erfolg d.; Absolute 
— : 29 1 ; — swunsch s. Krankheitseinsicht. 

Helfende Gestalten: 158, 189, 216, 232, 
240, 264, 291; s. a. Leibesinhalt, guter; 
Spaltung d. Eltern-Imago; Penis, guter. 

Hemmung, Arbeits— s. Arbeitshemmung; 
Entwicklungs— s. Entwicklungshem- 
mung; — , intellektuelle s. Wißtrieb(es), 
Störungen d.; — , Sport — s. Sporthem- 
mung; — v. Sublimierung. 



- 3o8 - 



Hergeben, Zwanghaftes: 177, 178. 
Heterosexualität, (—eile Einstell.) Errei- 
chen d.: 231, 233, 287, 288; (Erna) 57; 
(Ilse) 99, 100; (Inge) 71; (Kurt) 115, 
117; (Ludwig) 93; (Rita) 119; (Ruth) 
40; s. a. Onaniephantasien, Änderung 
d.; Spielphantasien, Änderung d. 
Heterosexualität u. oralsaugende Fixie- 
rung: 256, 264, 288; s. a. Ödipuskon- 
flikt; — u. Sadismus s. Penis = Werk- 
zeug d. Sad.; Sexualbetät. u. Sad; 
Sexual theorie: sad. Koitus. 
Hohn: 91, 106; (Peter) 29; (Werner) 76; 

s. a. Aggression; Trotz. 
Homosexualität (homosexuelle Einstellung), 
männliche: 142, 159, 160, 170, 250, 
259, 270—274; (Mr. A.) 265; (Mr. B.) 
27$, 278; (Egon) 279; (Franz) 122 bis 
126; (Günther) 122—126; (Kurt) 114 
bis 115; (Peter) 32. 
Homosexualität u. oralsaugende Fixie- 
rung: 1J9, 160, 225, 250; (Mr. B.) 278, 
280; — u. Paranoia: 170, 171, 270, 
272; (Mr. A.) 265; (Mr. B.) 274, 275; 
(Erna) 55, 56; — u. Sadismus: 170, 
171, 223, 230, 272, 273; (Erna) 55, 
56; (Franz) 122—126; (Günther) 122 
bis 126. 
Homosexualität (homos. Einst.), weib- 
liche 223, 225, 229, 230, 258; (Erna) 
55— 56; (Ilse) ^% (Inge) 72; s. a. Prä- 
ödipale Mutterbindung; Fixierung, 
überm., an Mutter. 
Homosexuelle Betätigung: 270, 271; (Mr. 
A.); (Mr. B.); (Bill); (Franz); (Gün- 
ther); (Ludwig); (Peter); s. a. Sexuelle 
Akte, gemeinsame. 
Humor: 25, 148. 

Hunde, Angst vor; s. Tierphobie. 
Hypochondrie: 154; (Mr. A.) 265, 267, 269; 
(Mr. B.) 274, 286, 287; — u. negative 
Übertragung: 268; — u. Sadismus: 
268. 
Hysterie, Angst — s. Angst; Pavor nocturnus; 
Phobie; Konversions — s. Anale Funk- 
tion, Störungen d.; Körperliche Er- 
krankungen; Nässen. 



Ich d. Kindes im Latenzalter: 11, 70, 193 

bis 197. 
Ich, Penis = Repräsentant d. — s. Penis; 

Rolle d. — i. d. Analyse: 11, 70, 83; s. 



a. Deutung, bewußte Verarbeitung d. 
— ; Krankheitseinsicht; Stärkung d. 
— , bewirkt durch Analyse: 11, 24, 25, 
84, 101, 289; s. a. Analyse, Erfolg d.; 
Realitätsanpassung, bewirkt durch 
Analyse; Soziale Anpassung, bewirkt 
durch Analyse; Sublimierungsfähigkeit, 
gefördert durch Analyse; Über-Ich, 
Herabsetzung d. Strenge durch Ana- 
lyse. 
Ichentwicklung u. Allmachtsglaube: 202, 
229, 230, 245, 262; s. a. Allmacht, 
konstruktive; — u. Angst: 150, 188 
bis 202; s. a. Angst als entwicklungs- 
förderndes Moment; Vorauseilen d. — 
s. Konstitutioneller Faktor; — , weib- 
liche: 199 — 202, 242 — 248; — u. 
Wiedergutmachungstendenzen: 188, 
201, 229; s. a. Sublimierung. 
Idealisierung d. Penis: (Mr. B.) 276, 282, 
286; s. a. Penis = Repräsentant d. 
Ich; Penisstolz, Verstärkung d.; — 
d. Vater-Imago: 91, 198, 199. 

Identifizierung s. Symbol. Bedeutung; — , 
Einklang d., untereinander: 244, 245, 
247, 248; s. a. Konsolidierung d. Über- 
ich; — m. Angstobjekt: 223, 259; 
(Erna) 60, 224; (Franz) 124; — , pri- 
märe: 146. 

Ilse s. Patienten: Ilse. 

Imaginäres Kind s. Kind. 

Impotenz s. Potenzstörungen. 

Infantile Erlebnisse, Aufdecken v.: 27; (Mr. 
B.) 278; (Bill) 92; (Gert) 126; (Ilse) 
126; (Ludwig) 92 — 94; (Peter) 28, 29; 
(Trude) 17; s. a. Entwöhnung, Wir- 
kung d.; Reinlichkeitsgewöhnung; Ur- 
szene, Reaktion auf. 

Inge s. Patienten: Inge. 

Inkongruenz zw. Über-Ich u. Objekt: 147, 
149, 161, 164, 189, 264; (Rita) 18; s. 
a. Über-Ich-Bildung; Spaltung d. El- 
tern- Imago. 

Intellektuelle Hemmung s. Wißtrieb, Stö- 
rungen d. 

Intrapsychische Realität, Anerkennung d.: 
162, 238, 239; — , Negierung d.: 155, 
187; s. a. Skotomisation. 

Introjektion s. a. Fellatio; Ödipuskonflikt; 
Oralsadismus; — , gesteigert d. Angst 
s. Angst (als dynamischer Faktor); — 
u. Projektion, Wechselwirkung zw. s. 
Wechselwirkung; — u. Sexualerleb- 



— 3oq 



nisse: 208, 209; — steigert Allmachtsg. 
s. Allmachtsg.; Narzißmus: 216. 

Introjektionsmechanismen b. Mädchen: 207, 
208, 242, 243, 253. 

Introjizierte Objekte; Angriffe gegen : 

iji» 153» I5J; Aggression gegen 

u. Masochismus: 124, 161, 212; Angst 

v. s. Angst; Liebe zu : 154, 

238, 246, 247; s. a. Exkremente, gute; 
Gestalten, helfende; Leibesinhalt, gu- 
ter; Penis, guter; Urin, guter; — — 
als Träger d. Abwehr g. Destruktions- 
trieb: 137; — Penis u. Über-Ich: 137, 
147, 208, 238, 242, 243; s. a. Ober- 
Ich-Bildung. 

Introspektion: 277. 

Inzestscheu u. Destruktionstrieb: 14 j; s. a. 
Ödipuskonflikt. 

Inzestuöse Fixierung: (Gert) 127; s. a. Fi- 
xierung, übermäßige; Ödipuskonflikt; 
Sexualbetätigung zw. Geschwistern. 

J 

John s. Patienten: John. 
Jugendliche s. Pubertät. 

K 

Kampf m. Eltern s. Koitier. Eltern, An- 
griffe g.; Sadismus; Urszene-Reaktion. 

Kasten: 106, 218, 219. 

Kastrationskomplex, männlicher: 94, 115, 
194, 256, 261, 262, 272; s. a. Angst 
v. Angr. d. Mutter; Blendung; Frau 
m. Penis; Ödipuskonflikt; Onanie- 
angst; Sadismus; (Mr. A.) 26$ — 270; 
(Mr. B.) 274—287; (Bill) 92; (Egon) 
77 — 80; (Franz) 122 — 126; (Günther) 
122— 126; (Kenneth) 74, jy, (Kurt) 
114 — 117; (Ludwig) 92 — 94; (Peter) 
3° — 335 (Werner) 76. 

Kastrationskomplex, weiblicher: 94, 95. 
205 — 207, 221 — 228; s. a. Geschlechts- 
unterschied, Grübeleien; (Erna) 47, 48, 
207; (Inge) 71—73; (Rita) 18, 19, n 9 ; 
(Trude) 33; — — u. Wiedergut- 
machungstendenzen: 224 — 225; s. a. 
Penisneid; Phallische Phase. 

Katatonie: ijy. 

Kaufmannspiel s. Spiel. 

Kenneth s. Patienten: Kenneth. 

Keuchhusten; 109. 

Kind, Angst v.: 238 — 240; — , Einziges: 
(Erna) 52; — , Gleichsetz. m. Ex- 
krement: 236 — 239; — , Gleichsetz. m. 



Penis: 237 — 240, 245; — , Jüngstes; 
(Inge) 71; (Kurt) 114; — , Schwieriges: 
101, 242; s. a. Erziehungssehwierig- 
keiten; Neurose; — , Verhältnis zu: 
16, 86, 88, 200, 236 — 243; — ', Ver- 
hältnis zu imaginärem: 192, 200, 238 
bis 240; (Erna) 49, ji, 57; (Rita) 119; 
s. a. Puppenspiel. 

Kinderanalytiker s. Analytiker. 

Kinderneurose: 166, 172; s. a. Neurose; 
Phobie; Zwangsneurose: (Franz) 122 
bis 126; (John) 177—179; (Kurt) 114 
bis 117; (Peter) 28 — 34; (Ruth) 37 bis 
40; (Trude) 17, 41. 

Kinderpflege als Mißhandlung aufgefaßt: 
(Erna) 51, $4; — a. Verführung auf- 
gefaßt: (Erna) j8, 61. 

Kindertraum s. Traum. 

Kindeswunsch d. Knaben: iij, 250, 2 $9; 
s. a. Mutterleib, Angriffe auf; Weib- 
lichkeitsphase d. Knaben. 

Kino s. Theater. 

Kissen, Kinder darstellend: 17, 41. 

Klaustrophobie: 252. 

Kleidung: 97, 98, 107, 193, 216, 277; s. a. 
Umkleiden. 

Klitoris: 221, 226 — 227, 234, 236; (Erna) 60. 

Kly stiere: 248. 

Knabenspiel, typisches, s. Spiel. 

Koitus s. Sexualbetätigung; Begegnung m. 
Penis d. Vaters im — s. Sexualtheorie; 
Beobachtung d. — s. Urszene; — dar- 
stellungen: 22, 68; (Mr. A.) 26 j bis 
267; (Mr. B.) 283, 284; (Egon) 78—79; 
(Erna) 47 — 50, $6, 60; (Ilse) 98; (Kurt) 
114— 117; (Peter) 28—32, 34, 6$; 
(Rita) 43; s. a. Urszene, Reaktion a.; 
— , oraler, s. Sexualtheorie; — , phan- 
tasierter zu Dritt: (Peter) 29, 32; — , 
sadistischer, s. Sexualtheorie. 

Koitierende Eltern, Angriffe auf: 17, 18, 
28, 29, 31, 47, 50, J3, $6, 60, 6$, 68, 
98, 122, 124, 142 — 144, 181, 209, 214, 
265, 270; s. a. Urszene, Reaktion auf; 
Onaniephant., sad. 

Kohabitation, erste: 220. 

König{in): jo. 

Konstipation: (John) 179. 

Konstitutioneller Faktor: 232, 263; Anal- 
sad. Anlage: 58; Fähigkeit, Angst zu 
ertragen: 59, 13$, 224, 254, 279; 
Fähigkeit, Sadismus z. ertragen: 2 $4, 
279; Stärke d. genital. Regungen: 59, 



— 3io — 



2$4> überm. Sadismus: 59, 134; Ver- 
stärkung d. oralsadistischen Zone: 58, 
134; Vorauseilen d. Ichentwicklung: 
*8> 59, 134; Vorzeitige Wirkung ge- 
nital. Regungen: 59, 254. 

Konzeption, Unfähigkeit zu: 240. 

Kopf s. Symbol. Bedeut. 

Körper, Angst v. Beschädigung d., s. Angst. 

Körperliche Erkrankungen: 108, 109, 180; 
(Ilse) 126; (Trude) 41. 

Körperteile, ubw. Bedeut. d.; s. Symbol. 
Bedeut. 

Krankheitsausbruch s. Erkrankungsanlaß; 
— dämon: 124, 22 j; — einsieht: 19, 22, 
68; (Erna) 46, 81; (Ilse) roo; (Ken- 
neth) 74, 81; (Werner) 77. 

Kriminelle s. Verbrecher. 

Kurt s. Patienten: Kurt. 



Landkarte (Stadtplan), ubw. Bedeut. d.: 

117, 179- 

Latenzalter, Abhängigkeit v. Objekt.: 99 
bis ioi, 194, 197; — , Ablösung v. 
Objekt.: 117, 118, 198; Angstbewälti- 
gung im — : 192 — 197; Früh. Kindes- 
alter, Vergl. m. — : 2$, 68, 189, 193; 
Ich im — : 11, 70, 193 — 197; Phan- 
tasietätigkeit im — : 68, 70, 82, 91, 
94, 193; Protrahiertes — : 91, 94, 101; 
Pubertätsalter, Vergl. m. — : 62, 89, 
91, 99, 100, 197 — 199; s. a. Pubertät, 
Übergang in; Sexualbetätigung im — : 
120, 121, 125, 128, 194, 195; s. a. 
Erna; Franz; Günther; Kenneth; Spiel 
im Latenzalter: 70, 71, 193; Technik 
d. Analyse im — : 11, 26, 46 — 65, 68 
bis 84, 95, 101; Obergang i. d. — 
(Einsetzen d. — ): 99 — 101, 226; 
(Peter) 28; (Rita) 16; (Ruth) 40; — , 
verfrühtes: 92; — , Zielsetzung d.: 
190, 194—195, 197, 198; — , Zwangs- 
neurose im: 172, 196. 

Lebhaftigkeit, überm.: ioj, 106. 

Leere, Angst v.: 179; — , Gefühl d.: (Mr. 
B.) 284, 285. 

Lehrer{in), Haß gegen: 91; — spiel: (Erna) 
22, 47; (Inge) 71—73. 

Leibesinhalt, böser: 209, 217 — 219, 238, 
262, 264, 268, 269, 284; — , guter: 
217 — 219J 238 — 239, 288; — s. a. Ex- 
kremente; Introjizierte Objekte; Urin; 
— , Gleichsetz. m. Unbewußtem s. Un- 



bewußte; — ', Gleichsetzung m. Mutter- 
leib s. Gleichsetzung. 

„Leistung" (Pubertät): 199; — , ubw. Be- 
deut. d.: 193; — s. a. Schaffen. 

Lernen: 193 — 195; s. a. Schule, Wißtrieb; 
— , Lesen: 67; (Erna) 67; (Ilse) 97; 
s. a. Symbol. Bed.: Buch; — , Rechnen 
(Zählen, Messen): 67, 177, 178, 185; 
(Erna) 67; (Ilse) 97; (John) 177—178; 
— ', Schreiben: 67, 194; (Erna) 67; 
(Inge) 71, 82; s. a. Symbol. Bed.: Blei- 
stift, Feder; — , Zeichnen: 45, 193, 
218; (Egon) 82; (Grete) 6&, 84; (Ilse) 
97; (Werner) 76; s. a. Malen; — , 
Schwierigkeiten ( — Hemmung): 21, 
67, 87, 99, 106, 107, 195, 197; (Erna) 
46, 61, 67; (Ilse) 97—99; (Inge) 
71 — 73, 82; (Kenneth) 73; (Werner) 
76; Behebung d. — — : (Ilse) 99; 
(Inge) 71; (Werner) 76. 

Libidinöse Fixierung, verstärkt d. Angst 
s. Angst. 

Libido, verst. d. Schuldgefühl: 125; s. a. 
Fixierung; Wechselwirkung v. — u. 
Destruktionstrieb: 160, 290. 

Liebesbedingungen, spezifische: 117 — 118, 
201, 211 — 213, 228 — 231, 233. 

Liebesfähigkeit: 288; s. a. Eltern, besseres 
Verhältn. z.; Geschwist., Verhältn. z.; 
Heterosexualität; — , Zweifel an, s. 
Zweifel. 

Liebesverlust, Angst v., s. Angst. 

Ludwig s. Patienten: Ludwig. 

Lügen: 54, 77. 

Lust, Spiel — s. Spiel; — gewinn d. Agieren: 
22. 

Lutschen: (Erna) 47, $7, 60, 65; (Ruth) 
39, 41; Trude 17, 41; s. a. Oral- 
saugend. 

Lutscher: (Mr. B.) 278. 

M 

Männlichkeitswünsche s. Kastrationskom- 
plex, weibl.; Penisneid. 

Magie, böse: 155, 223, 224; s. a. Allmacht, 
destr.; Allmacht d. Exkremente; — , 
gute; s. Allmacht, konstr.; Penis, 
bösen, i. guten verwandeln; Wieder- 
gutmachungstendenzen; — d. Exkre- 
mente s. Allmacht d. Exkremente; — 
u. Onanie: 180, 181, 2J3; s. a. Onanie- 
phantasien. 

Malen: 229; s. a. Zeichnen. 



- 3n - 



Masochismus, erogener: 137; — .femininer: 
124, 212, 213, 228, 231, 233; — , pri- 
märer: 136; Masochistische Fixierung: 
123, 231, 233; — , Phantasien: 49, 60. 
Masturbation s. Onanie. 
Material, analyt. Dringlichkeit d.: 3$, 36, 
41, 102; s. a. Deutung, rechtzeitige; 
— , Sicherheit im Erfassen d.: 41; s. a. 
Deutung, Vorbeding, d. richtigen. 
Medizin, Entwicklung d.: 124, 225. 
Melancholie s. Depression. 
Menstruation: 94, 234 — 236, 241. 
Messen (Zählen, Rechnen): 67, 97, 177, 

178, i8j. 
Milch und Urin: 222, 241; — u. Samen: 

260; s. a. Oral; Stillen. 
Milderung d. Sadismus s. Genitale Regun- 
gen; — d. Strenge d. Über-Ich d. Ana- 
lyse s. Über-Ich; s. a. Stärkung d. Ich 
d. Analyse. 
Milieu s. Umgebung; — änderung, Mög- 
lichkeit d.: 88; —änderung, Wirkung 
d.: 196. 
Mißtrauen gegen Mutter: 218 — 219; s. a. 
Mutter, Anklagen g.; Ödipuskonflikt; 
Paranoia; — im Latenzalter: 68; — , 
Zeichen negativer Übertragung: 26, 35. 
Mitarbeit d. Eltern: 85, 86; (Ruth) 38, 39. 
Mitleid (Reaktionsbildung): 163, 175. 
Monotone Berichte s. Berichte. 
Mund(erotik) s. Oral; Offenhalten d. — 

(Unart): 105. 
Muskelsadismus: 137, 139. 
Mutter, Anklagen g.: 184, 205, 217, 226, 
249; s. a. Neid; Ödipuskonflikt; Ent- 
wöhnung; Wirkung d. — ; Besserung 
d. Beziehung z. — d. Analyse: (Erna) 
57» 63» (Use) 99, 100; (Inge) 71; 
(Kurt) 115; (Rita) 16; (Ruth) 40; 
(Trude) 41; — , Herabwürdigung d.: 
(Mr. A.) 26j; — = Kastratorin s. 
Angst v. Angr. d. M.; Frau m. Penis; 
Kastrationskomplex; — , Mißtrauen 
gegen: 218, 219; s. a. Ödipuskon- 
flikt; Paranoia; — = Rivalin (Mäd- 
chen): s. Ödipuskonflikt; (Knabe): 
Weiblichkeitsphase d. Knaben; überm. 
Fixierung an — s. Fixierung; — ver- 
leibt sich väterl. Penis ein s. Sexual- 
theorien. 
Mutterbindung, präödipale: 248. 
Mutterbrust, Abneigung g.: (Mr. B.) 27 j, 
277; — , Abwendung v. d.: 263; s. a. 



Entwöhnung, Wirkung d.; — , Angriffe 
g.: 138—140, 217, 241, 263; (Mr. Ä.) 
268; s. a. Oralsadismus; Entwöhnung, 
Wirkung d.; — , Gleichsetz. Penis: 6j, 
J 47» IJ9» l6l > 206, 248, 2jo, 2'6o, 265, 
277, 278; (Inge) 72; s. a. Entwöhnung, 
Wirkung d.; oralsad. Phantasien. 

Mutter-lmago, Spaltung d.; s. Spaltung. 

Mutterleib, phantasierte Angriffe a. d.: 42, 
6j— 67, 138— 141, 177—179, 204, 215 
bis 217, 235, 236, 241, 248, 250, 252, 
253, 258, 263—265; (Mr. A.) 265; 
(Mr. B.) 281; (Egon) 79 ; (Erna) 47, 
6j, 67; (Ilse) 98; (Kurt) 116; (Rita) 
18; (Ruth) 37, 39, 40; (Trude) 17; 
s. a. Angstsituation d. Mädchens; Ödi- 
puskonflikt, Frühstadien d.; Schwan- 
gerschaft, Reaktion auf; Weiblichkeits- 
phase d. Kn.; Phantas. Angriffe auf 

— u. Oralsadismus: 65 — 66, 138, 141, 
204, 217, 250; Phantas. Angriffe auf 

— u. Wißtrieb: 67, 141, 158, 183, 187. 
„Mutterspiel" s. Spiel. 

Mütterliche Einstellung: 192, 200, 236 bis 
242; (Erna) 57; (Rita) 119; s. a. Kind, 
Verhältnis z.; Mutterspiele. 

N 

Nachphallische Phase: 226, 227, 249. 

„Nacht" -Spielen: 16, 17. 

Nägel (Fingernägel) als Waffen: 140, 209, 
210. 

Nähen s. Handarbeiten. 

Nahrungsaufnahme u. Angstbewältigung: 
216, 217; s. a. Eßschwierigkeiten; 
Symbol. Bed. d. Nahrungsmittel. 

Narzißmus u. Angstbewältigung: 200, 201, 
21$; — , gesteigert d. Introjektion: 
216; — , männlicher: 219; s. a. All- 
macht d. Penis; Penisstolz; — , weib- 
licher: 200, 215, 219. 

Narzißtische Neurosen s. Paranoia; Psy- 
chosen; Schizophrenie, Schizoid. 

Nase: 47, 48; — nbohren: $4, 105. 

Nässen: 139, 144, 222, 257, 2j8; (Kenneth) 
74; (Trude) 17, 41; — i. Analyse- 
stunde: 30; — u. Brennen: 44, 45, 139, 
268; s. a. Urethralsadismus. 

Negative Übertragung s. Übertragung. 

Negieren d. Angstaffektes: 155; — d. 
intrapsychischen Realität s. Intraps. 
Real. 



— 3l3 — 



Nehmen, zwanghaftes: 177, 180, 217 bis 
218; s. a. Mutterleib, Angriffe auf; 
Sadismus. 

Neid s. a. Entwöhnung, Reaktion auf; Ödi- 
puskonflikt; Oralsadismus; — u. früher 
Ödipuskonflikt: 6$, 66, 141, 204, 206, 
216, 222, 249; (Erna) 49, 50, 56, 65, 66; 
(Ruth) 39; — auf Geschwister: (Ilse) 
9$; (Trude) 23; s. a. Geschwister; — 
auf Penisbesitz s. Penisneid. 

Neurose s. Bill, Gert; s. a. Kinderneurose; 
Zwangsneurose; Einfluß d. — d. Kin- 
des auf Umgebung: 24, 87, 88, 242; 
(Rita) 16; Einfluß d. Umgebung auf 

— d. K.: 87, 196, 197; — , Häufigkeit 
d.: 104 — 113, 16$, 166; — u. Psychose 
(Abgrenzung): 112, i$i — ij2, 166 bis 
172; s. a. Paranoia u. Zwangsneurose; 
— , symptomlose: 110. 

Neurosenprophylaxe: 128, 291 — 293; s. a. 
Normales Kind, Analyse d. 

Neurotische{s) Erkrankung, Möglichkeit d. 
Wiederauftretens d.: 87, 291; (Erna) 
6t. 

Nichtwissens): Wirkung d.: 178, 219; (Ilse) 
98; (Inge) 71, 72; (Mr. B.) 279; s. a. 
Wißtrieb. 

Normales Kind, Analyse d.: 112, 113; 
(Inge) 71; (Ludwig) 93; — u. neuroti- 
sches K. (Abgrenzung): 104 — 113, 195; 

Schwierigkeiten d. : 71, 93, ioj, 

113. 

O 

Objekt(e), Abhängigkeit v.; s. Latenzalter; 
Ablösung v. — s. Ablösung; Gutes 

— schützt g. böses — s. Angstberuhi- 
gung- 

Objektbeziehung, bessere, erzielt d. Ana- 
lyse s. Eltern, Verhältnis z.; Ge- 
schwister, Verhältnis z.; Heterosexua- 
lität, Erreichen d.; soziale Anpassung; 
■ — , gute: 112; s. a. Liebesfähigkeit; 

— mildert frühe Angstsituationen s. 
Angstbewältigung; — verst. d. Angst 
s. Angst steigert Libido; Fixierung, 
übermäßige; Libido, verstärkt d. 
Schuldgefühl; Wechselwirkung zw. Li- 
bido u. Destruktionstrieb; — u. Uber- 
Ich-Bildung s. Über-Ich-Bildung. 

Obszöne Worte: (Kenneth) 73. 
Onanie s. a. Sexuelle Betätigung; — abge- 
wöhnungskampf: 68, 120, 121, 125, '194 



bis 196; (Mr. B.) 287; — i. Analysen- 
stunde: (Erna) 60, 63; Angst (Schuld- 
gefühl) wegen — : 120, 227, 234; (Ilse) 
$6; (Kenneth) 74; s. a. Onanieabge- 
wöhnungskampf; Onaniephantasien; 
Sexuelle Betätigung, Angst w. — ; Aus- 
forschung wegen — seitens d. Eltern: 
77, 87; Darstellung d. — : (Bill) 92; 
(Egon) 78; (Ilse) 96; (Kenneth) 74; 
(Ludwig) 91, 94; (Peter) 29, 34; Deu- 
tung d. — : 97; Drohung w. — : (Egon) 
yy; (Kenneth) 94; gemeinsame — s. 
Sexuelle Akte; Klitoris — : 221, 234; 
(Erna) 60, 61; — u. Magie: 181, 253; 

— = normale Erscheinung: 121; — d. 
Säuglings: 120; ungehemmte — : 121; 
vaginale — : 219; (Erna) 60; s. a. 
Vagina; zwanghafte — s. Zwangs- 
ohanie. 

Onaniephantasien, Abfuhr d., im Spiel: 
21, 116 — 119, 194, 195; Änderung d. 

— durch Analyse: 119, 127; (Gert) 
127; Bedeutung d. — f. Sublimierung: 
21, 119, 195; — d. Mädchens: 209, 
210, 219, 221, 223; sadistische — : 
120, 144, 181, 209, 210, 214, 219, 221; 
(Mr. A.) 266; (Mr. B.) 270, 283; 
(Erna) 60; (Franz) 124; (Günther) 
123; (Ludwig) 94; Verdrängung, über- 
mäßige, d. — : 21, 121, 195. 

Oraler Koitus s. Sexualtheorie; — Neid s. 
Neid. 

Orale Stufe: 133 — 13$, 138, 143, 159 — 161, 
204, 216, 248 — 249; s. a. Angst v. d. 
Gefressenwerden; Entwöhnung, Wir- 
kung d.; Ödipuskonflikt, Frühstadien 
d. — ; Saugeperiode, Verlauf d.; Psy- 
chose, Fixierungspunkte d. 

Orale Phantasien: 206, 216; (Mr. A.) 268, 
269; (Mr. B.) 277, 278; (Erna) 48 bis 
66; (Günther) 122; (Inge) 71 — 73; s. a. 
Fellatio; Sexualtheorien. 

Oralsadismus u. Angriffe a. Mutterleib: 
65, 66, 138, 141, 204, 217, 2jo; — 
u. Heterosexualität s. Heteros.; — u. 
Homosexualität s. Homos.; — u. Ich- 
entwicklung: 135; (Erna) 59; überm. 

— s. Konstitutioneller Faktor; — u. 
Wißtrieb: 67, 141, 183; (Erna) 67; 
(Inge) 71, 72; Oralsadismus s. a. 
Entwöhnung, Reaktion auf; Ödipus- 
konflikt, Frühstadien d.; Sadismus, 
Höchstblüte d. 



- 3i3 - 



Oralsaugend u. oralsadist. (Abgrenzung): 

133—135. 13?. 

Oralsaugende Fixierung, Bedeutung f. He- 
terosexualität: 2$6, 264, 288; — — 
Bedeut. f. Homosexualität: 159, 160, 
225, 250; (Mr. B.) 278, 280; Be- 
deut. f. Über-Ich-Bildung: 161, 208, 
216. 

Oral u. urethral: 139, 205 — 207, 222; s. a. 
Milch u. Urin; — u. vaginal s. Vagina. 

Organisch s. Körperlich. 

Orgasmus, alimentärer: 138; Fehlen d. — 
s. Frigidität; Potenzstörung; Sexual- 
entwicklung, Störung d. — . 

Ödipuskomplex, prägenitale Vorgeschichte 
d.: 144; — , Untergang d.: 146, 148. 

Ödipuskonflikt s. a. Eltern, Verhältnis z.; 
Geschwister, Verhältnis z.; Inzest; 
Spaltung der Eltern-Imago; (Mr. A.) 
265—269, 276; (Mr. B.) 274 — 284; 
(Egon) 78—80; (Erna) 46—67; (Franz) 
122 — 126; (Günther) 122 — 126; (Ilse) 
97—100; (Inge) 71—73; (John) 174 bis 
179; (Kenneth) 73 — 75; (Kurt) 114 bis 
117; (Peter) 28 — 29, 30 — 34; (Rita) 15 
bis 16, 119; (Ruth) 27—39; (Trude) 
16 — 17, 23, 40 — 41; Abklingen d. — : 
120; s. a. Untergang d. Ödipuskom- 
plexes; Aggression leitet — ein: 17, 
14$; Frühstadien d. — : 16 — 19, 65 bis 
67, 133—146, 159—175, 204—209, 
216, 248 — 251; Orale Versagung leit. 
— ein: 65, 66, 133— 135, 138—145, 
ij9 — 161, 204 — 208, 216, 218, 248 bis 
251; Präödipale Phase: 248 — 249; Spä- 
tere Stadien d. — : 144, 231 — 234, 256 
bis 258. 



Pädagogik: 129; s. a. Erziehungsmaß- 
nahmen; Pädagogisch s. Erzieherisch. 

Paktieren m. d. Uber-Ich: 124, iji, 162. 

Papier, Ausschneiden v.; s. Ausschneiden; 
ubw. Bedeut. v. — s. Symbol; Ver- 
brennen v. — : 4j, 179. 

Paranoia (paranoid) s. a. Beziehungsideen; 
Verfolger; Psychose; Vergiftungsideen; 
Vielzahl d. Penis; — u. Analsadismus 
(Urethralsadismus) : 55, 56, 155 — 157, 
176, 177, 214, 248, 269, 271; (Mr. B.) 
276; s. a. Exkremente, gefährliche; — 
u. Angriffe gegen d. Mutterleib: $6, 
156, IJ7, 248, 269; Fixierungspunkte 



d " — : I5 fT IJ7 ' I7<5 ' r77: ~ u " *? e " 
terosexualität : 224, 233, 271; — u. 

Homosexualität: 55, 56, 170, 171, 
270, 272; (Mr. A.) 265; (Mr. B.) 
274, 27$; (Erna) 55, 56; — u.~ Oral- 
sadismus: 56, 141, 169, 170, 268; 
— u. Phobie: 166, 169, 171; — u. 
Sprechhemmung: 80, 81; — u. Zwangs- 
neurose: ii2, 170 — 171, 176, 177; 
(Mr. A.) 26$ — 269; (Erna) 46 — 67. 

Paranoide Angst (Mechanismen, Züge) s. a. 
Beziehungsideen; Psychose; Vergif- 
tungsideen; 112, 166, 170, 233, 271; 
(Mr. A.) 265, 268; (Mr. B.) 274, 286, 
287; (Egon) 80, 81; (Erna) 53, 54, 56, 
62, 67. 

Partialeinverleibung: 147; s. a. Intro- 
jektion; Introj. Objekte; Über-Ich- 
Bildung, Frühstadien d.; — liebe: 60, 
207; s. a. Frühstadien d. ödipus- 
konfl.; Mutterbrust, Gleichsetzung 
Penis. 

Passiv{e), Einstellung d. Mädchens (Unter- 
werfung Vater g.): 206, 208, 221, 226, 
244, 246, 247; — homosexuelle Ein- 
stellung s. Homosexuelle Einstellung. 

Patienten : 
Mr. A., 3j J. (Homosexualität, schwere 
Zwangsneurose, paranoide und hypo- 
chondrische Züge, Potenzstörung): 265 
bis 269, 276. 
Mr. B., Mitte 30 (Homosexualität, 
schwere Arbeitshemmung, Depression, 
Zweifelsucht, paranoide und hypo- 
chondrische Ideen): 274 — 287. 
Bill, 15 J. (Neurotische Schwierigkeiten): 

92- 

Egon, 9 J. (Beginnende Schizophrenie): 
77—81, 83, 91, 112, 165, 171. 

Erna, 6 J. (Zwangsneurose, stark para- 
noide Züge): 8, 22, 46 — 67, 81, u2, 
134, 165, 171, 173, 185, 207. 

Franz, 5 J. (Schwere Kinderneurose, 
deutlich psychotische Züge): 122 bis 
126, 271. 

Gert, 14 J. (Neurotische Schwierigkeiten): 
126, 127. 

Grete, 7 J. (Schizoid): 68, 83, 84, 91. 

Günther, 6 J. (Abnorme Charakterent- 
wicklung, psychotische Züge): 122 bis 

126, 277. 

Ilse, 12 J. (Schizoid): 62, 95 — 101, 126, 

127, 16$, i8j. 



— 3x4 — 



Inge, 7 J. (Normal): (,% 71, 81, 82, 83, 113. 

John, $ J. (Schwere Kinderneurose): 
176—178. 

Kenneth, 9 J. (Abnorme Charakterent- 
wicklung, schwere Hemmung u. Angst) : 
73— 7h 81, 101, 185. 

Kurt, 5 J. (Kinderneurose, deutlich psy- 
chotische Züge): 114 — 117. 

Ludwig, 14 J. (Normal): 89, 93, 94, 113. 

Peter, 3% J. (Schwere Kinderneurose): 
*7~ 33. 35> 65. 

Rita, 2*/4 J. (Zwangsneurose): 15, 16, 18, 
32, 42, 43, 103, 118, 119, 184. 

Ruth, 4V4 J. (Schwere Kinderneurose): 
22, 37—40, 42, 86, 103, 134. 

Trude, 3 3 /4 J. (Kinderneurose, Schmieren, 
Nässen): 16 — 18, 32, 33, 40 — 42, 86, 103. 

Werner, 9 J. (Zwangsneurose, Charakter- 
schwierigkeiten) : 76 — 77. 
Pavor nocturnus u. Angstanfall: 40, 42; 
(Erna) 46, 60; (Rita) 1$; (Ruth) 40; 
(Trude) 17, 41; — u. Ödipuskonflikt: 
16, 17, 144; — u. Schlafstörung: 104. 
Penis, Allmacht d.; s. Allmacht; — , An- 
betung (Idealisierung) d.: (Mr. B.) 
276, 282, 286; — , bösen in guten ver- 
wandeln: 22j, 2j8; (Mr. B.) 278, 282, 
283; — , böser u. guter; Bedeutung f. 
Über-Ich-Bildung u.Sexualentwicklung : 
207 — 209, 2ii, 213, 217, 223 — 226, 

23O, 231, 238—241, 247, 2J2— 254, 

258, 259, 261, 264, 268 — 271, 276, 
280, 288; — , Gleichsetzung m. Auge: 
25 j; — — m. Exkrement s. Exkre- 
ment; m. Kind: 237 — 240, 245; 

— — m. Ohr: 255; m. Mutter- 
brust s. Mutterbrust; Haß g. — s. 
Kastrationskomplex; Intrauterine Be- 
gegnung m. d. — d. Vaters s. Sexual- 
theorie; Introjizierter — s. Introji- 
zierte Objekte; — s Repräsentant d. 
Ich: 215, 262, 270; — d. Vaters im 
eig. Leib s. Introjizierte Objekte; — 
d. Vaters i. d. Mutter s. Sexualtheo- 
rien: Frau m. d. Penis; — als Ver- 
folger s. Verfolger; — , Vielzahl d.; 
s. Sexualtheorien; — = Werkzeug d. 
Sadismus: 139, i$6, 253, 2J4, 280. 

Penismangel, Angst d. Mannes w. — d. 
Frau: 275; — neid: 221, 227; s. a. Ka- 
strationskomplex; — , sekundärer: 227; 
— stolz, Sekundäre Verstärkung d.: 

259, 261, 262. 



Personifizierungen) s. Symbol. Bedeut.; 
Gegenstände, Personen darstellend; — 
d. Sadismus: 137, 138. 

Peter s. Patienten: Peter. 

Pfeifen (Unart): 10 j. 

Phalliscbe Phase b. Knaben s. Ödipuskon- 
flikt, spätere Stadien; Heterosexual.; 
— — b. Mädchen: 226 — 228; s. a. 
Kastrationskomplex; Nachphallische 
Phase: 226, 227, 249. 

Phallische Symbole s. Symbol. Bedeutung. 

Phantasien, Abenteuer — : 76, 90; — b. De- 
fäzieren: (Erna) 54; s. a. Defäzieren; 
— , Größen- s. Größenphantasien; — 
b. Lutschen: 54; (Erna) 54; s. a. Lut- 
schen; — , Nasenbohren; (Erna) J4; s. 
a. Nasenbohren; — , Onanie- s. Onanie- 
phantasien; — , Spiel- s. Spielphanta- 
sien; Veränderung d. ubw. — d. Ana- 
lyse: 62, 116 — 120, 127. 

Phantasie-tätigkeit, Anregen d.: 83, 84, 

im Latenzalter: 68, 70, 82, 91, 94, 

193; i. d. Pubertät: 89 — 91, 94, 

195; — verdrängung(hemmung): 21, 
91, in, 191, 19$; s. a. Berichte, mono- 
tone; (Egon) 77 — 81; (Grete) 68, 83, 
84; (Ilse) 9J — 101. 

Phantastische Imagines s. Spaltung d. Eltern- 
Imago; Angst v. — — s. Angst; — 
Objekt, Schutz g., s. Realität, Flucht in. 

Phobie{n): 104, 171; Einbrecher — : (Erna) 
46, 60, 224; Fisch — : 159; Hunde — : 
(Peter) 3o;Klaustro — : 252; Maus (Angst 
v.): 18,271; Pferde— („Kleiner Hans"): 
i68;Ratten (Angst v.): 271; — d. Säug- 
lings: 171; Telephon — : 10 j; Tier — : 
105,167 — 171; Wolfs — („Wolfsmann"): 
168, 170; s. a. Angst; Formen. 

Phylogenetischer Faktor bei Bildung d. 
Über-Ich: 147, 148; s. a. Konstitutio- 
neller Faktor. 

Ping-Pong-Spiel : 93, 94. 

Pollutionen, nächtliche: 287. 

Positive Übertragung s. Übertragung. 

Potenz, Grundlage f. spätere: 118; — = 
Repräsentanz d. Aktivität: 262; — , 
Störungen d.: 113, 117, 121, 139, 2ji, 
261, 265, 286; (Mr. A.) 265; — , Vor- 
aussetzungen d.: 288. 

Prognose: 62, 112 — 118, 197, 198, 291, 292; 
s. a. Analyse, beendigte, Maßstab f. 

Projektion s. a. Abdrängen d. Todestriebes; 
Über-Ich, Ausstoßung d. — ; Paranoia; 



3i5 - 



— , Antriebe f.: 151, 153, 156, 157, 
167, 186, 187, 209, 238, 239, 252; s. a. 
Angst v. introjiziertem Objekt; Flucht 
i. d. Realität; — , Hemmung d.: 154; 
— b. d. Frau: 244; — , Mechanismus 
d.: 151, 153, 155—157, 186, 187; — , 
Wechselwirkung zw. Introjektion u. 
— : 153, 158. 

Prophylaxe s. Neurosenprophylaxe. 

Pseudologie: 54. 

Psychoanalyse s. Analyse i. Latenzalter; 
A. i. d. Pubertät; Frühanalyse. 

Psychoanalytiker s. Analytiker. 

Psychologische Begabung d. Frau: 244; — 
Einfühlung s. d. Mannes: 260. 

Psychische Realität s. Intraps. Realität. 

Psychose s. a. Beziehungsideen; Depression; 
Größenideen; Paranoia; Schizophrenie; 
— , Ausbruch d.: 198; — u. frühe 
Angstsituationen: 152, 154 — 157, 165, 
176, 251; — u. Neurose (Abgrenzung): 
112, 151, 152, 166 — 172; s. a. Par- 
anoia u. Zwangsneurose. 

P sychotischeiri) Kinder, Analyse v.: 67, 
293; — Züge: 67, 112, 165, 166, 172, 
293; s. a. (Egon); (Erna); (Franz); 
(Günther); (Ilse); (Kurt). 

Pubertät, Ablösung i. d.: 190, 198, 289; 
(Gert) 127; — , männliche: 89 — 94, 
190, 198, 199; Frühzeit, Vergleich m.: 

90, 102, 103, 195; Latenzzeit, Ver- 
gleich m.: 62, 89 — 91, <)<), ioo, 197 bis 
199; Phantasietätigkeit i. d. — : 89 bis 

91, 94, 195; Psychotische Erkrankun- 
gen i. d. — : 198; Spaltung d. Vater- 
Imago i. d. — : 91, 199; Technik 
d. Analyse i. d. — : 89 — 103; Über- 
gang in — : 62, 101, 113; (Egon) 81; 
(Ilse) 100, 101; (Inge) 71; (Werner) 
76; weibl. — : 94 — 101, 199, 234 — 236; 
Zielsetzung i. d. — : 190, 198, 199, 
289; Zwangsneurose i. — : 198. 

Puppe, ubw. Bedeutung d.; s. Symb. Be- 
deutung; — nspiel s. Spiel. 

R 

Radfahren: 90 — 92. 
Rauchen: 223, 266, 267. 
Reaktionsbildungen: 175, 196, 239, 245; 

u. Angst: 175; — , Fehlen von: 123; 

s. a. Asoziale. 
Realität, Bedeutung realer Erlebnisse: 231 

bis 234, 256; s. a. Entwöhnung, Wir- 



kung d.; Kind, einziges, jüngstes; 
Onanie, Bedrohung wegen; Reinlich- 
keitsgewöhnung; Saugeperiode, Ver- 
lauf d.; Schwangerschaft, Reaktion auf; 
Sexualbeziehungen, Wirkungen" d.; Ur- 
szene, Reaktion auf; Verführung, Wir- 
kung d.; Vergewaltigung, Wirkung d.; 
Einbeziehung der — i. Analyse: 53; 
i. Spiel: 70, 118; i. Phan- 
tasie: 57; Flucht in d. — : 112, 125, 
188, 220, 221; — , intrapsychische s. 
Intrapsych. — ; Überbetonung d; — : 
70, 176, 194, 270; s. a. Realitäts- 
anpassung, überm. 

Realitätsabsperrung (Ablehnung) s. a. Psy- 
chose; Realitätsanpassung, Störungen 
d.; Wißtrieb, Störung, d.: 23, 154, 155, 
166; (Egon) 77; (Erna) 53, 54; (Gün- 
ther) 122; (Kurt) 114. 

Realitätsanpassung, bewirkt d. Analyse: 
24, 63; s. a. Soziale Anpassung; Er- 
ziehungschwierig., Verminderung d.; 
— , gelungene: 23, 24, 63, 112; — , 
scheinbare: 23, 54, 108; — sstörungen: 
108, 11 1; — , übermäßige: 70, 110, 
111; s. a. Realität, Überbetonung d. 

Realitätsbeziehung, Entw. d.: 24, 157, 158, 
189; — im Latenzalter: 70, 193, 194, 
197, 198. 

Realitätsprüfung s. Realität, Flucht in d. 

Rechnen (Messen, Zählen): 67, 177, 178, 185; 
(Erna) 67; (Ilse) 97; (John) 177, 178. 

Regression s. a. Fixierung, prägenitale; 
Fluktuieren d. Entwicklungsphasen; — 
bei d. Phobie: 169; — b. Über-Ich-Bil- 
dung: 146; — b. d. Zwangsneurose: 

173- 
„Reine Frau": 261. 
Reinlichkeitsgewöhnung, Wirkung d.: 174, 

175; (Erna) 22, 49, 58; (Kenneth) 73. 
Reise: 45, 93, 119, 192. 
Riese: 117. 

Rita s. Patienten: Rita. 
Rollenspiel: 45, 71. 
Ruth s. Patienten: Ruth. 



Sadismus (Partialtrieb): 212, 214; (Erna) 
51; (Günther) 122 — 126; s. a. Aggres- 
sion, überm.; Angriffe gegen Schwä- 
chere; Analsadismus; Entwöhnung, 
Reaktion auf; Muskelsadismus; Oral- 
sadismus; Urethralsadismus; Urszene, 



- 3i6 - 



Reaktion auf; Angst vor eigenem — : 
137, 138, 167, 259; (Mr. B.) 287; 
(Werner) 76; s. a. Konstitutioneller 
Faktor: Unfähigkeit, Sadismus zu er- 
tragen; — u. früher Ödipuskonflikt: 
17, 6j— 67, 133—135, 138—146, 204 
bis 210, 2jo — 254; s. a. Aggression 
leitet Ödipuskonflikt ein; — u. Früh- 
stadien d. Über-Ich-Bildung: 17, 145 
bis ij8, 161, 162; gemild. d. gen. Reg. 
s. Genit. R.; — , Höchstblüte d.: 140, 
141, 143, 144, IJ7. 2IJ. 2J°> Mi; s- a. 
Allmacht, sadistische; Ödipuskonflikt, 
Frühstadien d.; — , Qualitätsänderun- 
gen d.: 143; Penis = Werkzeug d. — ; 
s. Penis und Schuldgefühl s. Schuld- 
gefühl; — , Sublimierung d.: 25; — , 
verstärkt durch Angst, s. Angst. 
Sadistische Angriffe gegen koitierende El- 
tern s. Koitierende Eltern; — — auf 

Mutterbrust s. Mutterbrust; auf 

Mutterleib s. Mutterleib; — Onanie- 
phantasien s. Onaniephantasien; — 
Phantasien (bestimmte), niemals be- 
wußt gewesen: 161; — Sexualpartner: 
123, 129, 2ii, 212, 234; Fixierung an 

— — s. Masochismus. 
Saugeperiode, Verlauf d.: 134, 263; (Mr. 

B.) 277, 278; (Erna) $8, 65, 134; 
(Ruth) 22, 38, 39, 134; s. a. Ent- 
wöhnung. 

Säugling, Phobien d.: 171; — , „Unschul- 
diger": 241; (Erna) 22, 51; — onanie: 
120. 

Schizophrenie s. Schizophrenie. 

Selbstbeschädigung: 18, 107, 166. 

Selbstmordgedanken (Absichten): 107, 165, 
166; (Erna) 60; (Ludwig) 93. 

Sexualbetätigung, Angst v.: 210, 211, 213, 
220, 231, 240, 2j6, 257; s. a. Berüh- 
rungsangst; Frigidität; Potenzstörung; 

— u. Angstbewältigung: 122 — 129, 
200, 210, 211, 223, 228, 229, 256 bis 
2 $8, 270, 290; Antriebe zu — : 120 bis 
129, 208 — 212, 228, 229, 253 — 257, 
272, 290; Einfluß d. Analyse auf — : 
121, 126, 127, 289, 290; s. a. Hetero- 
sexualität, Erreichen d.; Onaniephan- 
tasien, Änderung d.; — im Latenz - 
alter: 120, 121, 125, 128, 194, 195; 
— , Schuldgef. w. s. Schuldg.; — u. Sa- 
dismus: 120, 128, 129, 210 — 212, 214, 
228, 234, 240, 252 — 25J, 257, 270 bis 



273; (Mr. B.) 278, 279, 281; (Franz) 
122 — 124; (Günther): 122 — 124; (Lud- 
wig): 92, 94; s. a. Onaniephant. sad.; 
— u. Wiedergutmachungstendenzen: 
228, 258, 259, 288; (Mr. B.) 281, 282; 
— , Wiß trieb, Antrieb z.: 25$, 273; 
— , zwanghafte: 120, 121, 124, 127, 
213, 268, 289; s. a. Zwangsonanie. 
Sexualbeziehungen zw. Geschwistern: (Mr. 
B.) 278 — 279; (Franz) 122 — 126; 
(Gert) 126 — 127; (Günther) 122 — 126; 
(Ilse) 96, 100, 126 — 127; (Ludwig) 92 
bis 94; (Peter) 29, 34; — zw. Kindern: 
53, 128, 220, 232, 270; (Bill) 92; — , 
Bundesgenossenschaft d. — : 53, 124, 
128, 233, 270; (Franz) 124; (Günther) 
124; — , Realisierung sadist. Onanie- 
phantasien: 123, 128, 270; — , Vor- 
beugung — — : 128; — , Wirkung 

: 128, 129, 232 — 234, 270. 

Sexualentwicklung, männliche: 115 — 118, 
249 — 288; s. a. Ödipuskonflikt, Se- 
xualbetätigung; — — weibliche: 118 
bis 119, 203 — 248; s. a. Liebesbedin- 
gungen, spez.; Ödipuskonflikt; — — , 
Störungen d.: 113, 117, 121 — 127, 142, 
211 — 214, 240, 262 — 265; (Mr. A.) 
265 — 269; (Mr. B.) 275 — 287; (Erna) 
46 — 67; (Franz) 122 — 126; (Gert) 126, 
127; (Günther) 122 — 126; (Ilse) 126, 
127; (Kenneth) 73 — 75; s. a. Berüh- 
rungsangst; Frigidität; Homosexuali- 
tät; Potenzstörung; Sexuelle Frühreife; 
Sexuelle Hemmungslosigkeit; Zwangs- 
onanie. 
Sexualtheorien, Eltern stets im Koitus: 251; 
(Mr. A.) 265, 268; s. a. Angst v. ver- 
einigten Eltern. 

Exkremente als Waffen s. Anal-sadist. 
Phantasien; Exkremente, gefährliche. 

Frau m. d. Penis: 141, 142, 255, 256, 
263; (Kenneth) 74, 75; (Kurt) 115; 
(Peter) 33, 34; — voll Penissen: 255, 
263, 275; (Mr. A.) 276; (Mr. B.) 275 
bis 276; (Egon) 80. 

Intrauterine Begegnung m. väterlichem 
Penis: 142. 

Mutter verleibt sich väterlichen Penis ein: 
65, 141, 142, 204, 206, 237, 250; (Mr. 
A.) 268; (Erna) 65; (Kenneth) 75; 
(Peter) 33. 

Oraler Koitus: 141, 204, 237, 249; s. a. 
Mutter verleibt s. vät. P. 



- 3x 7 - 



Penis im Mutterleib: 39, 65, 66, 141, 
204, 217, 218, 241, 250, 251, 253—255, 
257—259; (Mr. A.) 268, 271; — , ge- 
fährlicher, s. Penis; — in Vagina der 
Frau: 75, 141, 255; — verwandelt sich 
in Kind: 237. 
Sadistischer Koitus: 142, 209, 210, 214, 
234. 235, 255; (Mr. A.) 265—268; 
(Mr. B.) 283; s. a. Onaniephantasien, 
sad.; Penis, böser; Vagina, gefährliche. 
Vagina, gefährliche, s. Vagina. 
Vielzahl von Penissen: 141, 156, 250; 
(Egon) 80. 
Sexualtheorien: 24, 45, 69, 72, 141 — 143, 
209; — u. Sadismus: 141 — 143, 209; 
— u. Schuldgefühl: 142, 143, 209. 
Sexuelle Aufklärung s. Aufklärung; — 
Fragen, Wirkung d. Beschäftigung m. 
— n Fragen in d. Analyse: 62, 63; — 
Frühreife: (Erna) 46—63; — Hem- 
mungslosigkeit: (Ilse) 96, 126; (Ken- 
neth) 73; s. a. Sexualbetätigung, 
zwanghafte; Sex. Beziehungen zw. Kin- 
dern; — Interesse: 69; s. a. Wider- 
stand g. Aufklärung; Wißtrieb. 
Skotomisation: 155, 162, 187. 
Skybalon s. Exkremente. 
Soziale Anpassung bewirkt (geförd.) d. 
Analyse: 25, 101; (Erna) 61; (Ilse) 
99; (Kenneth) 73; (Ludwig) 92; (Ruth) 
40; (Werner) 76; s. a. Eltern, Verhält- 
nis z. E., gebessert d. Analyse; Ge- 
schwister, Verh. z. G., gebessert d. A.; 

, Störungen d.: 217; (Erna) 61; 

(Ilse) 96; (Kenneth) 73; s. a. Asozial; 
Erziehungsschwierigkeiten. 
Spaltung d. Eltern- Imago: 35, 144, 232, 
264; (Mr. B.) 279, 287; — d. Mutter- 
Imago: 40, 163, 189, 216, 217, 232, 
233. 245, 248; (Mr. A.) 264; (Ruth) 
37; — d. Vater-Imago: 91, 199. 
Sphinktermoral: 174. 

Spiel, ausschließliches: 91, 118, 119; — , 
stereotypes: (Egon) 77, 78; — .zwangs- 
neurotisches: 106, 118, 119; — , Brücke 
zwischen Phantasie u. Realität: 191; 
— im Latenzalter: 70, 193; — , Typi- 
sche Spiele: 45, 70, 78, 116, 192; 

, [Arztspiel: 45, 82; , Auto — 

(Wagen—): 28—31,33,46,76—78, 90, 

114 — 116, 257, 258; , Büro — : 45, 

71, 81, 82; — — , Verkauf—: 49, 
55, 71, 72; — — , Knaben — : 192; 



, Lehrer(in)— : 22, 47, 71—73; 

, Mutter—: 45, 192; s. a. Kind, 

Verhältnis z.; „Nacht"— i 16, 17; 

, Puppen—: 18—20, 118, 192, 

200; — — , Reise — : 45, 119, 192; 
— — , Rollen—: 45, 71; — — , 
Wasser — e: 20, 22, 34, 44, 45, 48, 50, 
52, 81]; Spiel u. Angstbewältigung: 186 
bis 188, 193; — u. Onaniephantasien: 
21, 116 — 119, 194, 195; — u. reaktive 
Tendenzen: 70, 118, 187; — u. Traum: 
19, 20, 29, 114, 187; — , Umwandlung 
v. Angst in Lust im Spiel: 192—193; 
— , Wechsel d.: 20, 45, 73, 116. 

Spielanalyse: 15 — 83, 114 — 120. 

Spieldeutung: 20, 29, 91, 114. 

Spielhandlung, Vieldeutigkeit d.: 20. 

Spielhemmung: 21, 44, 106, in, 113; 
(Egon) 79; (Peter) 28, 32; (Rita) 16, 
118; (Werner) 76; — u. Phantasiever- 
drängung: 21. 

Spielinhalt, latenter: 29, 114. 

Spielphantasien, Änderung d.: 116— 118, 
127. 

Spielstücke, Assoziationen zu: 20, 29. 

Spieltiere: 18, 45, 115, 119, 232. 

Spielzeug, Behelf des Kinderanalytikers: 
27, 43; Zerstören v. — s. Aggression, 
überm. 

Sport: 89 — 94; — hemmung: 105, 113, 197. 

Sprache, Assoziation d. d. — i. Kind. Anal.: 
19, 20, 26, 45, 81, 103; (Bill) 92; 
(Egon) 80 — 81; (Erna) 46 — 63, 81; 
(Ilse) 97; (Inge) 69, 82; (Kenneth) 
74, 81; (Ludwig) 89, 92—94; (Peter) 
34, 65; (Werner) 76; — d. kleinen 
Kindes: 25; Haß gegen Andersspra- 
chige: 184. 

Sprechen, wenn Angst vermindert: 26; 
(Egon) 80; (Kenneth) 75; Sprachfähig- 
keit, Kind im Alter vor: 72, 184; 
Sprechhemmung: 78, 80, 81. 

Stabilisierung d. Erwachsenen: 190, 191. 

Stadt, ubw. Bedeutung d., s. Symb. Be- 
deutung. 

Stereotype(s) Bewegung: 106; — Spiel s. 
Spiel. 

Stillen: 241, 245. 

Stimme: 268. 

Störungen d. Potenz s. Potenzstörungen. 

Straftraum: (Trude) 23. 

Straße(n), ubw. Bedeutung d., s. Symb. Be- 
deutung; — angst: 105. 



— 3*8 



Stuhldrang s. Defäzieren. 

Sublimierung u. Angstbewältigung: 188 bis 
201, 229, 239, 253, 285; — , männ- 
liche: 192, 194, 199, 253; — , Prozeß 
d.: 163; — , sadist. Regungen: 25; 
— , weibliche: 200, 217, 229, 238, 239, 
244 — 247; — , weibl., b. Mann: 280; 
— u. Wiedergutmachungstendenzen : 
117, 163, 164, 188, 192— 19$, 217, 229, 
257, 284, 285. 

Sublimierungsfähigkeit, gefördert d. Ana- 
lyse: 84, 93, 113, 114, 117, 121, 289; 
s. a. Lernschwierigkeiten, Behebung d.: 
Störungen d. — : 113; s. a. Arbeits- 
hemmung; Entwicklungshemmung; 
Lernhemmung; Spielhemmung. 

Sucht: 267. 

Symbole s. Symbolische Bedeutung. 

Symbolik im Spiel: 20; s. a. Spielanalyse. 

Symbolische Bedeutung (Identifizierung, 
Personifizierung): 157; Aufgabe: 193, 
194; Ball: 80; Fußball: 91—94; Baum: 
68, 84, 218; Bausteine: 43, 75, 81, 177; 
Bekleidungsstücke s. Kleidung; Blei- 
stift: 34, 72, 74, j 77j 286; s. a. Lernen: 
Schreiben; Bleihülse: 286; Blumen: 33, 
218; Börse: 37—38; Briefmarke: 91; 
Buch: 33, 67, 218, 284; s. a. Lernen: 
Lesen; Buchstabe (Zahlen): 193, 194, 
218; Dampfmaschine: 92; Dorf: 115, 
257; Einrichtungsgegenstände: <)(,; Eß- 
waren s. Nahrungsmittel; Fahrzeuge: 
[Auto: 33, 90, 114, 258, 283—284; 
Fahrrad: 90 — 92; Lokomotive: 33, 47 
bis 48; Untergrundbahn: 43; Wagen: 
28—31, 46, 76—78, 90, 114, 115, 116, 
2J7; Zug: 90, 114, 116;] Feder: 72; 
Garage: iij; Garten: 116; Gedanken: 
2ij, 285; Geige: 47; Geld: 49, 239; 
Geschenk: 107, 108; Glas: 37, 38; 
Handarbeit: 193, 218; Haus: 47, 48, 

65, 68, 84, 193, 218, 261, 2J7, 261, 
265, 277; Haustor: 117; Heft: 193; 
Hintereingang: 117; Kasten: 106, 218, 
219; Kissen: 17, 33, 41; Kleidung: 97 
bis 98, 107—108, 118, 193, 277; [Hut: 
33; Rockfalten: 96; Strümpfe: 277]; 
Kohle: 116; Körperteile: [Arme: 276; 
Augen: 2J5; s. a. Augenauf reißen; 
Blendung; Blinzeln; Finger: 161, 276; 
Füße: 66, 117, 142, 161, 276; Gesäß: 
161; Hände: 276; Kopf: 47—48, 60, 

66, 142, 276, 279; Mund: ioj, Nase: 



47, 48; s. a. Nasenbohren; Ohr: 255; 
Zähne: 94;] Kugeln: 37—38; Land- 
karte (Stadtplan): 117, 179; „Langes 
Goldenes": 48, 6$; Laterne: 47, 48, 65; 
Löffel: 124; Markt: 116; Nahrungs- 
mittel: 72, 166; [Himbeersaft: 22; 
Schlagsahne: 50, 57;] Papierschlange: 
277; Papierschnitzel, -stücke: 48, 49, 
81, 177, 218; s. a. Ausschneiden; Pul- 
ver: 49; Puppe: 18—20, 118, 192, 193, 
200, 218; Rauchen: 267; Schachtel: 43, 
J 77> 179. 218; Schmutzige Wäsche: 48; 
Schrank: 80; Schwamm: 39; Spieltiere: 
18, 45, iij, 119, 232; Spielzeug: 32, 
72 — 73; Spule: 186, 187; Stadt: 11$, 
2ji, 257, 261, 283, 284; — Rom: 140; 
Steine: 81; Straße: 265, 283 — 284; 
Streichholz: 177; Anzünden d. — : 267; 
Streichholzschachtel: 98; Theater: $0; 
Tiere: 168 — 170; s. a. Spieltiere; [Tiere, 
gefährliche: 137, 138, 147, 148, 
169, 170, 189, 253, 277; Haustiere: 
232; Fische: 49, 50, 66, 159; Hund: 
30, 32; Mäuse: 18, 271; Pferd: 28, 31, 
168; Ratten: 271; Reh: 31; Schwein: 
167; Ungeziefer: jj, 271; Vögel: 6^;] 
Wagenladung: 116; Wasserhahn: 22; 
Wohnung: 192, 193, 239; Worte: 6% 
268; s. a. Sprechen; Zauberstab: 49, 
253; Zimmerecke: 80. 

Symbol. Darstellung s. Darstellung; — 
Deutung: 20, 26, 36, 91. 

Symptome, Neuauflage früherer: 25; — , 
neurotische: 104 — 114, 196, 197; s. a. 
Neurose. 

Synthese zwangsneurotischer Züge: 172, 
196. 

Seh 

Schachspiel: 292. 

Schaffen: 199, 246, 285 — 286; s. a. Lei- 
stung; Sublimierung. 

Schamlosigkeit, sexuelle: 73, 101; s. a. Se- 
xuelle Betätigung. 

Scheu, Anzeichen negativer Übertragung: 
32. 

Schizoid: (Ilse) 95; (Grete) 69. 

Schizophrenie: 154, 155; (Egon) 77. 

Schlaf (en), Abschied v. d.: (Ruth) 41; 
— losigkeit: (Erna) 46, 58, 61; — 
Störung: 104; —zeremoniell: (Rita) 
18, 173. 

Schlauheit: 214, 244. 



— 3lQ — 



Schlimmheit: (Rita) 15; s. a. Aggression, 
überm.; Ambivalenz, überm.; Erzie- 
hungsschwierigkeit; Lebhaftigkeit, über- 
mäßige. 

Schmerz, Gleichgültigkeit gegen: 107; — , 
Überempfindlichkeit g., s. Wehleidig- 
keit. 

Schmieren s. Anale Funktion, Störungen d. 

Schmücken, sich: 200; s. a. Kleidung; Nar- 
zißmus. 

Schneidern s. Handarbeiten. 

Schonung d. Objektes: 163, 207. 

Schreiben s. Lernen. 

Schul(e), Abneigung g. (Inge) 71; s. a. 
Lehrer, Haß g.; Lernschwierigkeiten; 
— aufgaben: 95, 193, 194; — aufsatz: 
(Ilse) 97, 98; — berichte: 9j; (Inge) 69; 
— heft, ubw. Bedeutung: 193; — spiel 
s. Spiel. 

Schuldgefühl u. Aggression: 17, 14J, 174, 
180, 181, 248; — u. Angst (Abgren- 
zung): 164; — , bewußtes, Fehlen d.: 
101, 122, 126, 164; — (Angst) w. se- 
xueller Handlungen: 120, 121, 128, 
233, 234, 270; (Mr. B.) 281, 282; (Bill) 
92; (Franz) 126; (Gert) 126; (Günther) 
126; (Ilse) 96, 101, 126; (Ludwig) 92, 
94; (Peter) 29, 34; — u. Wiedergut- 
machungstendenzen: 164; — u. Wiß- 
trieb: 184. 

Schüchternheit: 109. 

Schwangerschaft: 237 — 240; — , Angst v.: 
240; Reaktion auf — d. Mutter: (Rita) 
18; (Ruth) 38; (Trade) 17; s. a. Ge- 
schwistern, Angst vor kommenden; 
Mutterleib, Angriffe auf. 



Tadel, Überempfindlichkeit: 167; (Rita) 18; 
s. a. Angst vor Liebes Verlust; Latenz- 
zeit, Abhängigkeit v. Objekten. 

Technik d. Frühanalyse s. Frühanalyse; 
— d. Analyse im Latenzalter s. Latenz- 
alter; — d. Pubertät s. Pubertät; s. a. 
Deutung; Infantile Erlebnisse, Auf- 
decken v.; Material, analyt. 

Telephon, Phobie v.: 10 j. 

Theater: (Kino, Schaustellung) 45, 50; — , 
Abneigung gegen: 111; (Ilse) 95; (Lud- 
wig) 93» — > Einstellung zu: 108. 

Tic: 106, 121. 

Tierphobien: 105, 167 — 171, 265; Fisch — : 
153; Hunde — : 30; Angst v. Mäusen: 



18, 271; Pferde—: 168; Angst v. 
Ratten: 271; Wolfs — : 168 — 170; s. a. 
Symb. Bedeut.: Tiere. 

Todestrieb s. Aggression; Destruktionstrieb; 
— , Abdrängen d.: 137, 138, 187, 212; 
s. a. Projektion. 

Todeswünsche ubw. g. Eltern s. Ödipuskon- 
flikt; — — g. Geschwister s. Ge- 
schwister, Verhältnis z., s. a. Sadismus. 

Toilette, Morgen-, als Wiederherstellung: 
200; s. a. Kleidung; Narzißmus. 

Traum: (Kenneth) 74; (Peter) 34; (Trade) 
23; — u. Spiel: 19, 20, 29, 114, 187; 
— zustand: (Erna) 54. 

Tagtraum s. Phantasie. 

Trennung, übm., d. realen u. phantastischen 
Objekte: 287; s. a. Spaltung d. Eltern- 
Imago. 

Triebabwehr s. Abwehr. 

Triebregungen, Einfluß d. — auf Über-Ich- 
Bildung s. Über-Ich-Bildung. 

Trinkfaulheit b. Säuglingen: 134. 

Trotz: 106; (Ilse) 98, 101; (Werner) 77; 
— , affektloser: (Egon) 77; — iger 
Widerstand: 26, 89. 

Trude s. Patienten: Trude. 

U 

Umgebung: 231, 232; s. a. Eltern; Milieu- 
veränderung; Objekte; Realität; — , 
Neurose d.; (Wirkung d. N. d. U. 
auf d. Kind): 86—88; (Rita) 16; Wir- 
kung d. Neurose d. Kindes a. — : 16, 
24, 87, 88, 242; — , Verhalten z. Ana- 
lyse d. Kindes: 84—88; — , Wirkung 
d. Kinderanalyse auf: 16, 24, 87, 88. 

Umkleiden, zwanghaftes: (Rita) 118. 

Umsetzung v. Angst i. Lust beim Spiel: 
192, 193. 

Unarten: 25, 104, 105; s. a. Erziehungs- 
schwierigkeiten. 

Unbefriedigte Libido u. Angst: 136. 

Unbewußte Bedeutung s. Symbol. Bedeut. 

Unbewußte(n), Angst v.: 262, 28$; Kom- 
munikation zw. Bewußtem u. Unbe- 
wußtem: 20; — , d. Leibesinhalt gleich- 
gesetzt: 215, 262, 270. 

Unersättlichkeit: 107, 112. 

Unerziehbarkeit: 108; s. a. Charakterbil- 
dung, abnorme; Asoziale; Erziehungs- 
schwierigkeiten. 

Urethral und oral s. Oral. 

Urethralerotik: 221, 223, 227. 



— 3ao — 



Urethralsadismus: 4$, 48, 49, 139, 144, 155, 
X J7> *79> 205—207, 214, 21J, 222, 
223, 257, 258, 268; s. a. Allmacht d. 
Blasenfunktion; Nässen u. Brennen; 
Überschwemmen. 

Urin, gefährlicher (verbrennender, vergif- 
tender): 139, ijy, 156, 179, 214, 222, 
22J, 246, 2J3, 258, 268; — u. Milch: 
222, 241; — ström als "Waffe: 254; s. 
a. Überschwemmen. 

Ur Sadismus: 212. 

Ur szene s. Aufdecken d. — : 22, 68; (Peter) 
28, 29, 32, 34; — , Reaktion auf: 59, 
60, 141 — 144; (Mr. A.) 266, 267; 
(Erna) 49, jo, 59; (Peter) 31, 34— 6y, 
(Rita) 16, 43; s. a. Angriffe a. koitier. 
Eltern; Koitusdarstellungen; Ödipus- 
konflikt; Onaniephantasien; Sexual- 
theorien. 

U tv er drängung: 137. 

Ü 

Über-Icb d. Asozialen: 100, 101, 164; — , 
Ausstoßung d.: iji, 162, 164, 167; s. 
a. Projektion; — , Auswirkungen d. 
(Unterschied zw. Angst u. Schuldgef.): 
164. 

Über-Ich u. frühe Angstsituationen: ijo 
bis 172, 204—209, 243, 244; — , Kon- 
solidierung d.: 150, 191—196, 247; 
Herabsetzung d. Strenge d. — d. Ana- 
lyse: n, 25, 99, 101, 124, 126, 261, 
289, 290; s. a. Ich, Stärkung d. Analyse. 

Über-Ich, Paktieren m. d. 124, 151, 162; 
— = Väterlicher Penis: 137, 147, 208, 
238, 242 — 243; — verstärkt Sadismus 
d. Es: ji, 153, 162, 179, 212; (Erna) 
$1; (Franz) 124; s. a. Angst, Aggres- 
sion gest. d. A.;— , „Vorstufen" d.: 149. 

Über-Ich, "Wirksamkeit d. — im Traum: 
23- 
Uber-Ich-Bildung, Bedeutung d. oralsau- 
genden Fixierung f.: 161, 208, 216; — , 
Beginn d.: 19, 133^ 146 — 154, 161 bis 
164; — , Einfluß d. Triebregungen auf: 
148, 149, 161, 163, 208, 290; — u. 
Objektbeziehung: 146 — 149, 153, 158, 
161—164, 167, 174, 189—197, 231, 
242 — 247; — , weibl.: 242 — 247; s. a. 
Penis, böser und guter, Bedeutung f. — . 
Übermäßige Aggression s. Aggression; — 
Ambivalenz s. Ambivalenz; — Leb- 
haftigkeit s. Lebhaftigkeit. 



Überschwemmen, urethr.-sadist.: 139, 222, 
258; s. a. Nässen; Urethralsadismus; 
Urinstrom. 

Übertragung, negative, Auflösung d.: 26, 
32, 35» 36. 68, 89; (Ilse) 9 6, 97; 
(Inge) 6 9 ; (Ludwig) 89; (Rita) 32; 
(Ruth) 37—40; (Trude) 33; s. a. 
"Widerstand; — — u. Hypochondrie: 
268. 

Übertragung, Herstellung d. positiven: 3$, 
37; s. a. Übertragung, Auflösung d. 
negativen. 

Übertragungsfähigkeit u. Angstbereitschaft: 
35- 

Übertragungssituation s. a. Analytische Si- 
tuation: 11, 20, 25, 29, 64, 6j; (Mr. 
A.) 26J— 267; (Mr. B.) 283—285; 
(Erna) 52, 59; (Franz) 124; (Ilse) 96; 
(Kenneth) 74; (Ludwig) 89; (Peter) 
3°» 31. 65; (Ruth) 37—40; (Trude) 
17, 41. 

V 

Vagina u. Anus: 219; — , gefährl.: 116, 
142, 147, 213, 214, 219, 220, 230; s. a. 
Sexualtheorie: Sad. Koitus; — u. 
Mund: 206, 219, 221, 226; — , Kennt- 
nis d.: 219, 220, 227; — , Penis d. 
Vaters in d., s. Sexualtheorien; — , 
Psychische Repräsentanz d.: 220; — , 
Wirksamkeit d.: 206; — le Onanie: 
219; (Erna) 60. 

Vater s. Eltern; Ödipuskonflikt; Umge- 
bung; — d. Urhorde: 147, 159. 

Vater-Imago, gütige: 161; — , Idealisierung 
d.: 91, 198, 199; — , Spaltung d. V. in 
d. Pubertät s. Pubertät. 

Verantwortungsgefühl, eigenes: 101. 

Verbrecher: 123, 154, 164; s. a. Asoziale; 
Sadismus (Partialtrieb). 

Verbrennen u. Nässen s. Nässen; — von 
Papier: 45, 179. 

Verdrängung, Mechanismus d.: iji, 162. 

Vereinigte Eltern, Angst v., s. Angst. 

Verfolger, Exkrem. als; s. a. Exkremente, 
böse; Paranoia u. Analsadismus: 55, 
5 6 > IJ5— 157. * 6 9> 2 7i; (Mr. B.) 276; 
(Erna) jj. 

Verfolger, Penis d. Vaters als: 55, 80, i$6, 
269; s. a. Penis, böser. 

Verfolgungsideen s. Paranoia. 

Verführung, Wirkung d., s. ä. Sexuell. 
Beziehung., "Wirkungen d.; (Mr. B.) 
278; (Kenneth) 73; (Ludwig) 92, 94; 



Klein, Psychoanalyse des Kindes. 



— 3a 1 — 



(Wolfsmann) 169, 170; — , Wunsch 

nach: (Erna) $8, 61. 
Vergewaltigung: 129, 219; (Franz) 123; 

(Ludwig) 92 — 94; s. a. Sadistischer 

Partner. 
Vergiftende Exkremente s. Exkremente; 

— Urin s. Urin. 
Vergiftungsangst (-ideen, -wahn): 103, 166; 

(Mr. A.) 269; Mr. B.) 274; s. a. 
Paranoia. 

Vergleich m. Vater: (Egon) 78; (Kurt) 
114; (Peter) 28, 31; s. a. Kastrationsk.; 
Ödipuskonflikt. 

Vergleichen v. Gegenständen: (Ilse) 96. 

Verhältnis zu d. Eltern s. Eltern; Ödipus- 
konflikt; d. Geschwistern s. Ge- 
schwister; Kind s. Kind; 

Realität s. Realitätsbeziehung. 

V erinnerlichte Objekte s. Introj. Objekte. 

Versagung zu ertragen, unfähig: 23, 108, 
111; (Peter) 27; (Rita) 16. 

Versagung =s Entbehrung: 72; — s= 
Strafe: 72, 108. 

Verschiebung aufs Kleinste (Zwangsneurose) : 
183; — v. Mutter auf Penis d. Vaters: 
207, 264; — von Penis d. Vaters auf 
Mutterleib: 142, 264; (Mr. A.) 268, 
269; (Mr. B.) 276, 277. 

Verschlossenheit im Latenzalter: 68. 

Verurteilung an Stelle von Verdrängung: 
25; s. a. Ichentwicklung, geförd. d. 
Analyse. 

Vielzahl von Penissen s. Sexualtheorien; 

— v. Verfolgern: 156 — 157; (Mr. B.) 
276; (Egon) 80; s. a. Angst v. ver- 
einigten Eltern; Exkremente, gefährl.; 
Paranoia; Sexualtheorien: Vielzahl 
von Penissen. 

Vollkommener Penis s. Idealisierung d. 

Penis. 

W 
Waffen, Genitalien als, aufgefaßt: 142, 

147; — , als Schieß—: 2J3; s. a. Penis, 

böser; Sexualtheorien, sad. Koitus; 

Vagina, gef. 
Wagen s. Symbol. Bedeutung. 
Wasserspiele: 20, 44, 45, 81; (Erna) 48, 

jo, 52; (Peter) 34; (Ruth) 22. 
Wechsel d. Liebesobjektes: 213, 260; s. a. 

Liebesbedingungen, spez.; — d. Spieles 

s. Spiel. 
Wechselwirkung zw. Destruktionstrieb u. 

Libido: 160, 290; — — Introjektion 



u. Projektion: 153, iy8; -"■* *— Ob- 
jektbeziehung u. Über-Ich-Bildung s. 
Über- Ich-Bildung. 

Wehleidigkeit, überm.: 18, 107; (Peter) 27; 
(Rita) 16. 

Weibliche Ichentwicklung s. Ichentwicklung; 

— Pubertät s. Pubertät; — Sublimie- 
rung s. Sublimierung. 

Weiblichkeitsphase d. Mannes: 115, 250, 
259 — 264; s. a. Homosexualität. 

Werk, ubw. Bedeutung d. 199; s. a. Lei- 
stung; Schaffen. 

Werner s. Patienten: Werner. 

Widerstand gegen Aufklärung: 69, 107; 

— g. Deutung: 21, 33; s. a. Über- 
tragung, negative. 

Wiedergeburt, phantasierte: 108. 
Wiedergutmachen, Angst nicht wiedergutm. 

zu können: 178, 179, 182, 183, 218, 

219, 291. 
Wiedergutmachungstendenzen, Mechanismus 

d.: 163, 164, 182, 175, 225, 229, 257. 
Wiedergutmachung, Mutter, Objekt d. — : 

115, 257; — u. Sexualbetätigung: 228, 

2j8, 2J9, 281, 282; — , Weibl. Art d.: 

228, 229, 239, 245. 
Wiedergutmachung u. Sublimierung: 117, 

163, 164, 187, 188, 192—195,229,257, 

284, 285; — u. Zwangshandlung: 181 

bis 183. 
Wiederherstellung d. eigenen Körpers: 200, 

2j7, 261; s. a. Angstbewältigung. 
Wiederholungszwang: 21, 22, 125, 183,211. 
Wißbegierde, Antrieb z. Sexualbetätigung: 

255. V3- 

Wißtrieb u. Angstberuhigung: 158, 175, 
176, 187, 255; (Mr. A.) 266; — , An- 
regen d.: 83, 84; — , Entwicklung d.: 
67, 71, 72, 141, 158, 183—185, 188, 
2 J5> 2 59> 2 ^o; — > Objekt d., = 
Mutterleib: 67, 158, 183, 187; — u. 
Sadismus: 67, 141, 158, 183, 187; 
(Erna) 66; (Inge) 73; — u. Schuld- 
gefühl: 184; — , Störungen d.: 107, 
108, in, 184, 185; (Egon) 78—79; 
(Erna) 66, 67; (Grete) 68, 83, 84; 
(Ilse) 97; (Inge) 71—73; (Kenneth) 
73; (Werner) 76; — , zwanghafter: 
in, 112, 176; (Mr. A.) 266; (John) 
177; s. a. Nichtwissen; Zweifel. 

Wohnung (Heim): 192 — 193, 239. 

„Wolfsmann" (Freud's Patient): 59, 168 
bis 171. 



• — 32 3 ' — 



Wort, ubw. Bedeut. d.: 6% 268; s. a. 

Sprechen, Allmacht d.: 181. 
Wutanfälle: 64; (Erna) 52, 64; (Ilse) 96; 

(Rita) 16; (Werner) 7 6. 



Zahnarzt: 89. 

Zählen (Messen, Rechnen): 67, 97, 177, 178, 
185. ' 

Zähne: 94; — als Angriffswaffen s. Oral- 
sadismus. 

„Zappligkeit": 106. 

Zeichnen: 45, 193, 218; (Egon) 82; (Grete) 
68, 84; (Ilse) 97; (Werner) 76; s. a. 
Malen. 

Zeremoniellbildung: 196; s. a. Zwangs- 
neurose. 

Zerstörungslust s. Aggression, überm. 

Zielsetzung einer Entwicklungsperiode: 190, 
191, 289. 

Zittern: (Werner) 76. 

Zugang z. Unbewußten s. Analyse, Be- 
ginn d. 

Zuwendung z. Mutter, Vater s. Homo- 
sexualität; Ödipuskonflikt; Verstärkte 
— z. Objekt: 163; s. a. Fixierung, 
übm. 



Zwanghafter{s) Wechsel d. Liebesobjektes: 
213; — Wißtrieb s. Wißtrieb; — 
Zählen s. Zählen; — Zeichnen: (Grete) 
69, 84; (Ilse) 97. 

Zwangsneurose (Handlung, Zeremoniell) s. 
a. Kinderneurose; Zweifelsucht; 112, 
135, 172— 185, 196, 217, 267; (Mr. A.) 
26J, 267; (Mr. B.) 287; (Erna) 46—67, 
173; (Rita) ij, 18, 173; (Werner) 76, 77; 
— , Ausgangssituation d.: 172 — 174, 
196; — i. d. Latenzzeit: 172, 196; 
— u. Paranoia: 112, 170 — 171, 176 bis 
177; — i- Pubertät: 198; — , Voraus- 
eilen d. Ichentwicklung b. — : s. Kon- 
stitution. Faktor. 

Zwangsneurotisches Spiel: 78, 106, 118, 
119; s. a. Spiel, ausschließliches. 

Zwangsonanie: 121, 12$, 289; (Erna) 46, 
57, 60, 6i, 63. 

Zweifel (Unsicherheit, Mißtrauen): 17J bis 
183, 218, 219; — an konstruktiven 
Fähigkeiten (Wiedergutmachungsf .) : 
178, 182, 183, 218, 291; (Mr. B.) 283; 
(Werner) 76; — u. Wißtrieb: 176, 
219; s. a. Nichtwissen; Wißtrieb, 
zwanghafter; — sucht: (Mr. B.) 274, 
287; s. a. Grübelsucht; Zwangsneurose. 



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INHALTSVERZEICHNIS 

Seite 

Vorwort 7 

Einleitung 10 

I. Teil 

Die Technik der Kinderanalyse 

I) Die psychologischen Grundlagen der Kinderanalyse 15 

Et) Die Technik der Frühanalyse 27 

III) Die Zwangsneurose eines sechsjährigen Mädchens 46 

IV) Die Technik der Analyse im Latenzalter . . 68 

V) Die Technik der Analyse im Pubertätsalter 89 

VI) Die Neurose des Kindes 104 

VH) Die Sexualbetätigung des Kindes 120 

II. Teil 

Frühe Angstsituationen und ihre Auswirkung auf die 
Gesamtentwicklung 

VIII) Frühstadien des Ödipuskonfliktes und der Ober-Ich-Bildung 133 
LX) Beziehungen zwischen der Zwangsneurose und den Früh- 
stadien der Über-Ich-Bildung 159 

X) Die Bedeutung früher Angstsituationen für die Ich- 
entwicklung 185 

XI) Die Auswirkungen früher Angstsituationen auf die weibliche 
Sexualentwicklung 203 

Xn) Die Auswirkungen früher Angstsituationen auf die männliche 

Sexualentwicklung 249 



Ank 



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Grenzen und Möglichkeiten der Kinderanalyse 289 

Literaturverzeichnis 294 

Autorenregister 298 

Sachregister 302 






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